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Liebe ADFDler,

Wir haben eine große Softwareaktualisierung durchgeführt. Im Ideal funktioniert alles wie bevor, nur dass ein paar Details ein wenig anders aussehen. Falls es in den nächsten Tagen doch Probleme gibt, bitte beschreibt was ihr gemacht habt und was nicht so war, wie ihr es erwartet in diesem Thread:

Problemsammlung nach Softwareaktualisierung (Januar 2018)

Vielen Dank für Eure Hilfe.

Euer ADFD Team

Der umgeschulte Linkshänder

Allgemeine Diskussion über psychische Störungen, ihre Behandlung und alles Verwandte.
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Arianrhod
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Der umgeschulte Linkshänder

Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 03.05.17, 16:35

Ich möchte das Konzept von Frau Johanna Barbara Sattler über umgeschulte Linkshändigkeit vorstellen.
Die Händigkeit anfürsich ist kein psychisches Problem - auch wenn es kulturelle (teilweise sogar religiöse oder ideologische) Vorbehalte gegen die Minderheit - die Linkshänder - gibt. Umschulung passierte früher oft mit Gewalt ( "falsche Hand" auf dem Rücken festbinden) oder psychischer Beeinflussung ("jetzt gib mal das schöne Händchen!") , heutzutage aber auch durch "Eigen-Umschulung" ("Ich will so sein wie meine Freundinnen! Ich will kein Linkshänder sein."
Für Frau Sattler gilt "Händigkeit ist Hirnigkeit"
Die Umstellung der Händigkeit auf die nicht-dominante Hirnhälfte erfordert demnach einen Kraft- und Energiemehraufwand für motorische wie auch intellektuelle Tätigkeiten um ca. 30%. Auch bei den umgeschulten Linkshändern, die das gut hinbekommen, kann man sagen, dass sie immer am Leistungslimit arbeiten und das daher das gesamte System stressanfällig ist.

Folgende Probleme können ( müssen aber nicht!) bei umgeschulten Linkshändern auftreten:

- Gedächnisstörungen, sogenannte "black-outs" , Lerninhalte oder Bewegungsabläufe werden unter Stress nicht mehr erinnert)
- schnelle Ermüdbarkeit ( da die nicht-dominante Gehirnhälfte überlastet wird)
- Raum- Lage- Labilität ( Rechts, Linksschwäche, mancher macht deshalb keinen Führerschein.)
- daraus folgen Probleme, die wie Legasthenie oder Dyskalkulie wirken
- motorische und feinmotorische Probleme ( kein harmonisches Schriftbild, )
- Unsicherheit bei Drehbewegungen (Tanz, Schleifen binden)
- Ungeschicklichkeit ( in Sport, mit den Händen "zwei linke Hände" haben)
- sprunghaftes, assoziertes Denken ( das liegt wiederum an den Mini- Blackouts), Wiederholungen, ins Wort fallen ( damit man das, was man sagen möchte, nicht vergisst)
- eine typische Sprachstörung: "Ansprechen von Wörtern " , aber nicht beenden, besonders unter Stress
- "Ja- aber Haltung" - um Zeit zu gewinnen, das Gehörte zu verarbeiten
- sich unter Wert verkaufen, weil man Angst vor dem Wettbewerb hat
- Überkontrollierheit (nix falsch machen"

Daraus können, müssen aber nicht sekundäre Störungen folgen, zum Beispiel wenn es zum Mobben kommt.

Was geschieht, wenn das überbeanspruchte System überlastet wird?

"Zusammenbruch des gesamten ausgeklügelten und diszipliniert aufgebauten Systems der die Gedächnisfunktionen unterstützenden Eselsbrücken.
Ihre oft pingelig genaue Zeiteinteilung, ihre mühevoll konstruierten mnemotechnischen Hilfen, ihre eintrainierten strengen Gewohnheiten, auf die sich notwendigerweise verlassen müssen, zerbröckeln. Was bleibt, sind Chaos, Panik und fluchtartiger Rückzug, oft in Begleitung psychosomatischer Erscheinungen."

S. 113

Es werden verschiedene Fallbeispiele aus der Beratungsstelle für Linkshänder in München vorgestellt:

So eine "Hilde", die unter unerklärlichen Tobsuchtsanfällen litt. Die Hausärztin und eine Neurologin diagnostizierten "frühkindliche Schizophrenie".
In Wirklichkeit steckte Zwang dahinter, rechts zu schreiben, der bei dem siebenjährigen Mädchen zu Ausbrüchen führte.

"Uwe", 14, der wegen seiner Ungeschicklichkeit und Unsportlichkeit gemobbt wurde und sich dafür mit Schlägereien und kleinen Gemeinheiten "rächte". Es kam heraus, dass er durch seine Einsamkeit in einer regelrechten Phantasiewelt lebte, mit Wesen, die nur er sehen konnte.
Der Junge kam in Psychotherapie, heute haben sich seine Schulleistungen gebessert und der Kontakt zu anderen auch, damit wird die Phantasiewelt uninteressanter, was bleibt, ist die Kreativität.

"Später bemerkte der Vater trocken, dass es Uwes Glück war , dass er keinem jungen fleißigen Psychiater in die Hände fiel. Der hätte sicher daraus eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis abgeleitet..." S. 310

Die praktischen Tipps enthalten viele Entspannungsphasen, Hilfsmittel, etc.
Ein besonderes Kapitel ist die Rückschulung, die in manchen - nicht in allen Fällen, erfolgreich sein kann.

Quelle J. B. Sattler: Der umgeschulte Linkshänder oder Der Knoten im Gehirn






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Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Arianrhod für den Beitrag (Insgesamt 5):
LinLinamückepadmacarlottaAxala
2005 mit Burnout und Depression in eine Tagesklinik gekommen.

Zuerst einmonatige Behandlung mit diversen Antidepressiva: Doxepin, Mirtazipin, Sulprid,
hypomane Reaktion
wobei die AD sofort und ohne Ausschleichen von den Ärzten abgesetzt wurden.


Verschiedene Diagnosen: schizoaffektive Psychose, Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung


Erst 2 Jahre Behandlung mit Amisulprid . Zu schnell auf eigene Faust abgesetzt.
Schwere Supersensitivitätspsychose .

Einstellen auf verschiedene Neuroleptika: Haloperidol, Quetiapin, Olanzapin, Risperidon, Paliperidon, Aripiprazol
Außerdem Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon

jahrelang , vieles gleichzeitig und in höchster Dosierung.
u.a. Berentung, 60 kg Gewichtszunahme
seit 2012 Ausschleichen von 800 mg Quetiapin retard innerhalb von 2 Jahren.
Meinen Absetzbericht findet man hier:
viewtopic.php?f=51&t=10634&p=120447#p120447
Seit Januar 2014 keine Neuroleptika mehr.

Ich leide seit 3 Jahren unter Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen. Bei mir wurde eine Polyneuropathie diagnostiziert und ein Zusammenhang mit NL vermutet - leider nicht beweisbar.

Außer Neuroleptika habe ich zwischenzeitlich auch Oxycodon ( ein Opioid) und Trimipramin nach zweijähriger Einnahme abgesetzt , die ich wegen chronischer Schmerzen verschrieben bekommen habe.
Pregabalin habe ich am 7.9.2016 endgültig ausgeschlichen.

Die Anzahl meiner Dauermedikamente beträgt gerade "0". :)

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