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Familie und (mangelnde) Unterstützung im Entzug

Allgemeine Diskussion über psychische Störungen, ihre Behandlung und alles Verwandte.
Marko92
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Re: Familie und (mangelnde) Unterstützung im Entzug

Beitrag von Marko92 » Dienstag, 08.05.18, 10:42

Hallo :)

ich denke, Wut, Ärger Verletzungen können auch noch anders bewältigt werden als durch dauerhaften Groll oder Verzeihen, nämlich durch Abgrenzung. - So habe ich Stabilität und inneren Frieden gefunden.

Ich bin nicht jemand, dem ein Arzt PP verschrieben hat, ohne dass ich massive psychische Probleme gehabt hätte, meine Familie war die Ursache meiner Angststörung und meiner Defizite. Bei mir ging es v.a. darum, mich vor weiteren Übergriffen und Manipulation zu schützen.
Das war die Basis zu heilen, erst psychisch und dann von den PP.

Ich hab gelernt meine Vergangenheit zu akzeptieren, diese Leute, die meine biologischen Eltern sind, haben schon lange keine Bedeutung mehr in meinem Leben, ich hab das alles losgelassen und da ist weder Groll noch der Wunsch etwas zu verzeihen. Verzeihen setzt für mich vorraus, dass jemand einsieht, Fehler gemacht zu haben und ehrlich den Wusnch hat, es anders gemacht zu haben.

Für meine Eltern bedeutet psychische Probleme haben, Paranoia, Halluzinationen, etc. die Positivsymptome von Schizophrenie. - Depression, Ängste Burnout sind für sie neumodische Worte für zu faul sein, keine Lust haben usw. - Solche Leute gibt es halt heute auch noch.

VG Markus
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Clarissa
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Re: Familie und (mangelnde) Unterstützung im Entzug

Beitrag von Clarissa » Dienstag, 08.05.18, 11:19

Hallo, Markus,

Ich habe eben ein kleines bißchen gelacht über Deine Schilderung des Bezugs Deiner Eltern zu psychischen Erkrankungen.

Meine Eltern sind leider verstorben, aber sie haben es wohl nicht anders gesehen. Bestenfalls haben sie sich bemüht, aber verstehen konnten sie nichts.
Von ihnen habe ich mich damals trotzdem nicht vollkommen distanziert, meine Eltern halt.

Auch jetzt noch halten viele aus meinem (ehemaligen) Bekanntenkreis und selbst aus meiner Familie mich schlichtweg für faul, da grenze ich mich natürlich auch ab.
Wenn man länger als vier Wochen krank ist und sich nichts tut in Richtung Genesung: Das versteht keiner und man ist angeblich selbst schuld.
Ich habe mich vielem und vielen entzogen, zu meinem Schutz, für meine "Psychohygiene".

Aber ich bemühe mich um Verständnis und darum, nichts mehr zu erwarten und nicht zu grollen. Gelingt mir auch nicht immer.

VG von Clarissa
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Re: Familie und (mangelnde) Unterstützung im Entzug

Beitrag von Muryell » Mittwoch, 23.05.18, 10:27

Hallo, Ihr Lieben!

Ich weiß gar nicht, ob das hier reinpasst.

Ich habe mit meinen drei Geschwistern eine WhatsApp-Gruppe. Wir sind über die Republik verteilt. Sie wissen von meinen schlechten Erfahrungen in der Psychiatrie und vom Entzug. Jeden Tag schrieben wir uns, „guten Morgen, wie geht‘s?“

Am Ende April fing bei mir eine sehr starke Welle an, sodass ich einfach verschwunden bin. Ich habe mein Handy überhaupt nicht mehr angemacht. Nur eine Schwester hat es bemerkt und versucht, Kontakt aufzunehmen. Sie hat die natürlichste Frage der Welt gestellt: „Du bist verschwunden, ich habe mir Sorgen gemacht. Ist alles OK bei Dir?“

Nach fünf Wochen ignorieren meine andere Schwester und mein Bruder weiterhin die Tatsache, dass ich verschwunden bin.

Es geht nicht um Unterstützung im Entzug, es geht einfach um ein bisschen Interesse.

Was sind das für Menschen?

Ratlose Grüße

Muryell
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Re: Familie und (mangelnde) Unterstützung im Entzug

Beitrag von Eva » Mittwoch, 23.05.18, 12:34

Liebe Muryell,

das berührt mich, zu lesen. Ich musste dabei an meine Geschwister denken ...

Von einem Bruder aus bestand kaum Wunsch nach Kontakt, wie es schien. Er hatte auch zu seinen lange erwachsenen Kindern keinen mehr. Wir telefonierten ein paar Mal im Jahr, das war es zwischen uns weitgehend auch schon.

Dabei litt er selber wohl am meisten unter der Kontaktarmut; gleichgültig war es ihm nicht, er erwartete wohl einfach, dass von den anderen die Initiative kam - was ich dann auch einige Male von mir aus tat, seine Kinder aber nicht; die meldeten sich gar nicht mehr bei ihm, und er tat von sich aus eben nichts aktiv dafür, sondern beschränkte sich auf das Vermissen. Erschütternd, wie ich heute finde.

Auch außerhalb des Entzugs kann einem so etwas zu schaffen machen. Ich weiß von mir, dass ich mich von je her mit eigener Distanziertheit vor dem Schmerz der Zurückweisung zu schützen versucht habe, der Bruder vielleicht auch, aber ihn holte er um so mehr ein.

Nun existiert die Familie vor mir praktisch nicht mehr, ich bin übriggeblieben. Wer mich im Entzug unterstützte, war einzig und allein mein Mann.

Liebe Grüße,
Eva
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Re: Familie und (mangelnde) Unterstützung im Entzug

Beitrag von Guglhupf » Mittwoch, 23.05.18, 15:45

Hallo ihr Lieben :)

ich habe kürzlich einen interessanten Artikel gelesen über das oft schwierige Verhältnis von Kindern zu ihren Eltern.

Mein Mann kommt aus einer Familie die von Gewalt seitens des Vaters geprägt war. Seine Mutter hat ihn immer dazu instrumentalisiert sich schützend vor sie zu stellen als er alt genug war, was ich eigentlich ein totales Unding finde. Irgendwann ließen sie sich scheiden und seine Mutter lernte einen neuen Partner kennen. Ab dem Zeitpunkt schien es als würde sie nun völlig durchdrehen. Sie hat nur ein Kind aber sämtliche wichtige Lebensereignisse wie Geburtstage, Sponsion etc. hatten für sie keine Bedeutung mehr, was meinen Mann sehr verletzte. Es kam wie es kommen musste und so brach der Kontakt völlig ab. 7, 8 Jahre überhaupt kein Kontakt. Erst vor gut einem Jahr hat es sich ergeben dass sie wieder aufeinander zugegangen sind und wir uns seither wieder regelmäßig sehen, aber verglichen zum Verhältnis meiner Eltern zu mir ist das noch immer nicht zu vergleichen.

Auch mein Mann stellte sich damals die Frage wie er damit umzugehen hat... so etwas ist einfach extrem belastend, selbst für Menschen die nicht im Entzug sind. Fakt ist aber je schneller man sich damit abfindet, dass man an gewissen Gegebenheiten nichts ändern kann, desto leichter wird es für einen selbst.

Ich sehe das auch regelmäßig bei meiner Mutter. Meine Großeltern sind sehr fordernd, sie ist auch ein Einzelkind. Sie tut und macht und will ihnen alles recht machen und erhofft sich unbewusst natürlich Dankbarkeit und wird regelmäßig aufs Neue total enttäuscht. Das belastet sie sehr. Und egal wie oft wir ihr raten es so zu akzeptieren wie es ist, sie wünscht sich natürlich trotzdem ein normales Verhältnis zu ihren Eltern. Doch schadet das nur ihr.. sie kann es nicht erzwingen und so leidet sie.

Hier der Link zu dem Artikel den ich gelesen habe: "Warum wir unseren Eltern nichts schulden"

Viele Grüße
Anna :hug:
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Re: Familie und (mangelnde) Unterstützung im Entzug

Beitrag von stubi » Donnerstag, 24.05.18, 10:42

Liebe Anna,

Vielen Dank für das einstellen, dass Thema schon mein ganzes Leben präsent.

Liebe Grüße
Renate
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Re: Familie und (mangelnde) Unterstützung im Entzug

Beitrag von Muryell » Donnerstag, 24.05.18, 10:54

Hallo, Ihr Lieben!

Für mich heißt die Lösung auf Distanz gehen, um mich zu schützen.

Gerade eben habe ich eine Nachricht von einer Freundin bekommen. Sie fragt, wie es mir geht. Ganz einfach. Menschlich.

Die Menschen, die Interesse zeigen, die behalte ich in meinem Leben. <3

Die anderen, bye bye ...

Aber es tut trotzdem weh. :(

Ich wünsche Euch alles Gute.

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