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Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Allgemeine Diskussion über psychische Störungen, ihre Behandlung und alles Verwandte.
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Guglhupf
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Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Guglhupf » Montag, 07.05.18, 16:45

Hallo liebe Fories :)

als jemand, der seit langem in sehr vielen unterschiedlichen Foren unterwegs ist kann ich sagen, dass das ADFD Forum definitiv jenes ist, das mir vom durch Verständnis, Höflichkeit und Respekt geprägten Klima mit großem Abstand das liebste ist. Nie hatte ich bisher ein komisches oder gar schlechtes Gefühl, wenn ich hier online ging sondern habe mich im Gegenteil immer auf einen aktiven Austausch gefreut.

In den letzten Tagen/Wochen fällt mir auf, dass es einen schwelenden Konflikt zwischen Langzeitbetroffenen und Usern gibt, die einen milderen Verlauf durchleben. Ich nehme seit 11 Jahren Escitalopram und habe bereits 3 mit Bomben und Granaten gescheiterte Absetzversuche hinter mir, zwei Mal mit anschließendem Aufenthalt im Krankenhaus. Ich ging in der Zeit ebenso durch die Hölle. Tägliche Heulkrämpfe, schreiend durchs Haus zu laufen, Panik verrückt zu werden, nicht enden wollendes Herzrasen, Zittern und Derealisation sowie das Gefühl, der Kopf würde nicht auf meinen Körper gehören bzw beides würde nicht mehr in einer Gestalt Platz finden (weiß nicht wie ich das sonst formulieren soll) standen an der Tagesordnung und das ebenfalls über Wochen. Ja ich hatte das Glück Escitalopram doch noch nach einer Eindosierung im Sommer vergangenen Jahres zu vertragen und somit bisher einen kontrollierten Entzug zu gehen. Aber ich kenne auch die andere Seite.

Ich habe - nicht zuletzt durch einige unschöne Postings in einem Thread - in letzter Zeit leider oft das Gefühl, als würde einem im kontrollierten Entzug jegliches Leid abgesprochen werden - von zwei, drei schwer betroffenen Usern die sich dann schnell unterstützend zusammenfinden. Ich finde das jemanden der aktuell nicht im Kaltentzug ist gegenüber recht unfair, da wir alle einen Leidensweg beschreiten. So wie jeder Langzeit- oder Schwerbetroffene das Recht auf Verständnis hat, hat es aber meiner Meinung nach auch jeder der kontrolliert entzieht. Denn würden wir damit nicht zu kämpfen haben, bräuchten wir nicht in minimalsten Schritten reduzieren, sondern könnten von heut auf morgen absetzen. Auch wir milder betroffenen haben immer wieder mit schlimmen Phasen zu kämpfen, mit Stimmungsschwankungen, sind nicht immer auf der Höhe - psychisch und physisch.

Die Entwicklung Wertungen vorzunehmen wer wen verstehen oder eben nicht verstehen kann finde ich gerade hier sehr bedenklich. Wir ALLE hier - ohne Ausnahme - leiden! Und wir alle sind auf jedes Verständnis angewiesen, das wir bekommen können. Denn dieses Forum ist unser aller Erfahrung nach wohl der einzige Ort, an dem uns noch ein Mindestmaß an Verständnis entgegengebracht wird. Verständnis für die unterschiedliche Stärke von Symptomen, aber auch dafür, dass wir alle nicht jeden Tag gleich gut drauf sind. Egal ob Langzeitbetroffener oder nicht - wir alle sind vermutlich im Ausnahmezustand.

Ich wünsche mir zukünftig wieder über meinen milden Verlauf posten zu können ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Ich möchte damit niemandem zu nahe treten und würde mich über eine respektvolle Diskussion freuen :)

Viele Grüße
Anna :group:
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Guglhupf » Dienstag, 08.05.18, 8:08

Hallo ihr Lieben :)

da ich zwar einige PNs bekommen habe sich aber offenbar niemand "sichtbar" dazu äußern möchte, kann der Thread gerne auch wieder gelöscht werden. Ich möchte nicht, dass er so vielleicht Unmut auslöst.

Viele Grüße,
Anna
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Eva » Dienstag, 08.05.18, 8:35

Liebe Anna,

doch, ich äußere mich "sichtbar", denn ich finde Deinen Post sehr gut und richtig und wichtig, nicht zuletzt, weil er mich ja auch mit betrifft. Danke für Deine Stellungnahme und Deinen Mut.

Es geht ja nicht darum, wer "Recht" hat, sondern darum, dass die Toleranz, die gewünscht wird, nach beiden Seiten hin gilt.

Herzlicher Gruß,
Eva
Zuletzt geändert von Eva am Dienstag, 08.05.18, 8:53, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Li-la022 » Dienstag, 08.05.18, 8:44

Liebe Anna ,

Vielen Dank für deinen Post.
Ich finde ihn wichtig, denn wir alle sollten in der für uns schweren Zeit zusammen halten. Jeder leidet auf seine Art und der Austausch untereinander ist sehr wichtig und aufbauend.

Alles liebe
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Diagnose Schlafstörungen / Pannikattacken

März 2017 - Dezember 2017 Opipramol 100mg verschrieben wegen der Schlafstörung
25.12 - 30.12 Reduzieren von 100mg auf 0mg ( wollte der Arzt)
ab 02.01.18 innere Unruhe, Angst, Nervosität, brennende Haut
11.01.18 wieder eindosieren von 50mg ( wollte der Arzt)
Mitte Januar Kopf MRT
zum 01.02.18 Arztwechsel da mein Hausarzt in Rente ging
03.02.18 inneres vibrieren links neben der Wirbelsäule. das vibrieren zog in die Po-Packe und in den Oberschenkel
12.02.18 neuen Arzt aufgesucht, er meint Symptome sind Psychisch Opipramol sofort auf 0mg ab 13.02.18 Escitalopram 5mg
Symprome: starkes Muskelzucken, innerliches Zittern, Schüttelfrost, Kälteschauer, Apettilosigkeit 10kg in 2 Wochen abgenommen,
16.0218 lt Arzt Escitalopram 10mg Symptome wurde immer schlimmer ab 18.02.18 wieder 5mg und ab 21.02.18 Esctialopram 0mg


Symptome : starke Angst und Panik ( vorallem wenn ich allein sein musste) inneres zittern, muskelzucken, frieren, schüttelfrost, brennende Haut, Mandelentzündung, 2x Notaufnahme o.B.
Blutbild o.B.
Schilddrüse o.B
Vitaminemangel oder Nährstoffmangel liegt nicht vor
Borreliose o.B.
MRT HWS und BWS o.B

Irgendwann sagte mir dann der Chef und die Kollegin meines Hausarztes das ich wohl in einem Entzug stecke. Dieser könnte 6-8 Wochen dauern war die Aussage!


Heute : 17 Wochen opipramol 0 , 16 Wochen ohne Escitalopram


09.05.18 3. Therapiestunde (Verhaltenstherapie)

23.05.18 Aktuelle Symptome :
Inneres zittern hauptsächlich an den Beinen
inneres zittern direkt nach dem aufwachen (in der Nacht oder früh beim erwachen)
Ab und an Angst: Angst alleine zu sein, Angst das die Symptome nie wieder weg gehen oder doch etwas anderes dahinter steckt.
Verspannungen Nacken und gelegentlich Kopfschmerzen

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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Clarice » Dienstag, 08.05.18, 9:09

Liebe Anna,
da ich nicht wusste, worum es geht wollte ich tatsächlich erstmal per PN eine Info bekommen ;-)

Ich finde deine Aussage auch wichtig und richtig.

Auch ich gehöre zu denen mit milderem Verlauf beim aktuellen Absetzen. Und ich habe, trotz über 18jahrelanger Depressions/AD-Erfahrung, diese ganz schlimmen Zustände, die einige hier haben (ich führe mal Lilly, Juliekrie und Frakkivana an, ich lese nicht alle Threads...), nie erlebt und kann sie wirklich nicht nachempfinden.

Nichtsdestotrotz sind für mich meine Probleme auch belastend. Seien es NW vom AD oder die kleinen Entzugsprobleme. Und in diesem Zusammenhang ist es auch für mich wichtig Gehör bei Mitbetroffenen zu finden, Absicherung zu erfahren, mich auszutauschen. Und dafür bin ich dem Forum dankbar.

Lieben Gruß
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Eva » Dienstag, 08.05.18, 9:39

Hallo,

was ich auch sehr gut finde an Deinem Thread hier, Anna, ist, dass eine Art Gesamteindruck entstehen kann über die milderen Verläufe und WEN sie überhaupt betreffen.

Die Langzeit- und Schwerbetroffenen haben dafür ja schon einen Sammelfaden, nun könnte man diesen für die andere Seite nehmen ...

LG Eva
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von weg » Dienstag, 08.05.18, 9:59

Eva hat geschrieben:
Dienstag, 08.05.18, 9:39
Hallo,

Die Langzeit- und Schwerbetroffenen haben dafür ja schon einen Sammelfaden, nun könnte man diesen für die andere Seite nehmen ...

LG Eva
ich habe mit dieser abspaltung mühe und es tut mir weh damit.

ich muss auch sagen, dass schwere verläufe mich immer wieder ermahnen, wirklich sorgfältig und langsam zu reduzieren. wir lernen doch voneinander und können von allen erfahrungen profitieren.

zuletzt ist mir auch wichtig, trotz aller schwierigkeiten, probleme .... eine gewisse distanz bewahren zu können, verstehen zu lernen, einfühlen zu lernen und auch den humor nicht ganz zu vergessen.

herzlich
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Gwen » Dienstag, 08.05.18, 10:26

Hallo zusammen,
Eva hat geschrieben:
Dienstag, 08.05.18, 9:39
Die Langzeit- und Schwerbetroffenen haben dafür ja schon einen Sammelfaden, nun könnte man diesen für die andere Seite nehmen ...
ich weiß gar nicht, ob das so nötig ist, denn wenn ich das richtig verstehe, geht es ja eigentlich inhaltlich um das Gleiche, oder? Jeder der hier im Forum schreibt möchte ernst genommen werden mit seinen Problemen und seinem Leid und es sollte für alle klar sein, dass jeder unabhängig von der Länge oder Schwere des Entzugs seinen Platz hat und Respekt und Toleranz verdient.

Gerade die Schwere des Entzugs als Kriterium zu nehmen ist ja auch eigentlich paradox, da unser Ziel hier ja eigentlich ist, über das kleinschrittige und langsame Absetzen aufzuklären und damit die schweren Verläufe - so gut es eben möglich ist - zu vermeiden.

@Anna: Daher fände ich es auch passend, wenn Mitglieder wie Du Anna die Umfrage auch beantworten, da es aus meiner Sicht nicht nur um die gleichzeitig Schwer- und Langzeitbetroffenen geht, sondern - wie Du ja mit diesem Thread gezeigt hast - auch bei denen die langsam reduzieren (auch durch das befolgen der Empfehlungen) und vielleicht etwas glimpflicher durch den Entzug kommen durchaus auch Sachen da sind, mit denen sie sich vielleicht mal unwohl oder nicht entsprechend wahrgenommen fühlen hier im Forum.

Viele Grüße Gwen
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Eva » Dienstag, 08.05.18, 10:54

Hallo Weg und Gwen,

das war nur so ein Gedanke. Ein besonderer Faden ist sicher nicht notwendig, und ich dachte mir auch schon, dass das keine gute Idee ist. :wink:

Mich freut aber, wenn sich hier andere melden, die einen leichteren Entzug mit allem Drum und Dran haben oder hatten, weil ich dann weiß, wem es auch so geht (und mich weniger allein damit fühle, denn das tat mir weh).

Zitat von Weg:
Ich muss auch sagen, dass schwere verläufe mich immer wieder ermahnen (...) wir lernen doch voneinander und können von allen erfahrungen profitieren.
Das ist sehr wahr, geht mir ebenso!

LG Eva
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Guglhupf » Dienstag, 08.05.18, 16:42

Gwen hat geschrieben:
Dienstag, 08.05.18, 10:26

@Anna: Daher fände ich es auch passend, wenn Mitglieder wie Du Anna die Umfrage auch beantworten, da es aus meiner Sicht nicht nur um die gleichzeitig Schwer- und Langzeitbetroffenen geht, sondern - wie Du ja mit diesem Thread gezeigt hast - auch bei denen die langsam reduzieren (auch durch das befolgen der Empfehlungen) und vielleicht etwas glimpflicher durch den Entzug kommen durchaus auch Sachen da sind, mit denen sie sich vielleicht mal unwohl oder nicht entsprechend wahrgenommen fühlen hier im Forum.

Viele Grüße Gwen
Hallo Gwen :)

Das werde ich jetzt auch sehr gerne machen nachdem es hier doch so viele positive Reaktionen gibt. Ich hatte schon Angst eher negative Stimmung mit dem Thread zu verbreiten.

Bisher wollte ich tatsächlich nicht an der Umfrage teilnehmen, da ich Sorge hatte damit wieder eine Diskussion auszulösen oder zumindest auf Unverständnis zu stoßen, denn liest man meinen persönlichen Thread zum Absetzverlauf aktuell liegen Welten zwischen meinem Entzug und dem wie ihn manch Schwerbetroffene hier ertragen müssen.

Danke für die Anregung.
Viele Grüße
Anna :)
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Anikke » Dienstag, 08.05.18, 19:28

ich finde, es kommt darauf an, dass wir achtsam miteinander umgehen, und zwar alle.
ich bin auch eher mild betroffen. und ich habe hier schnell gemerkt, dass es hier Lebenssituationen gibt, die schrecklich und unlösbar scheinen.
und ich kann gar nichts raten, weil bereits alles probiert wurde oder die betroffene zu instabil ist um dieses oder jenes zu reflektieren. und ich finde es schlimm, das auszuhalten. letztlich kann ich oft nur Anteil nehmen und für die betroffene/n ein kurzgebet in den himmel senden.
manchmal kann es passieren, dass jmd fitteres völlig begeistert von einer Methode/Theorie in einen thread einer sehr instabilen betroffenen rauscht und die Methode als tolles Rezept zum besten gibt. das empfinde ich als grenzüberschreitend, obwohl ich diese motivation, diese idee (mensch, sie muss doch nur in diesem bestimmten sinne reflektieren, dann leidet sie weniger) sehr gut nachvollziehen kann. in Reaktion und weil eben Lösungsmöglichkeiten nur sehr individuell sind, kann es zu Abgrenzungen der schwerstbetroffenen kommen, i.s. von "du kannst dich ja gar nicht mit mir vergleichen" und zu hm Abwertungen i.s. von "du hast nur Grippe, schwerbetroffene haben Krebs" kommen.
ich finde beides nicht gut aber beides passiert, und das erstere oft aus guter Absicht, das zweitere aus dem Wunsch sich abzugrenzen, zu verteidigen.
um zum Anfang zu kommen: ich überlege mittlerweile sehr genau, bevor ich etwas schreibe. und ich gucke genau wem ich schreibe. und wenn mir die Person sehr verletzlich und am Ende ihrer emotionalen Kräfte erscheint, dann versuche ich besänftigend und zugewandt zu schreiben.
ich glaube man braucht ein gewisses Feingefühl für die schreibenden. Alle seiten. und auch die Selbstreflexion, es zu sich zu nehmen, wenn in irgendeinem thread das helfersyndrom oder die belehrungsfreude mit irhendeinem durchgegangen ist.
diese zwei Lager der weniger- und schwerst-betroffenen sollten auf keinen Fall von keiner Seite gepflegt/gefüttert werden, denn letztlich geht es um uns einzelne, die wenn sie schreiben oft mehr über sich selbst erzählen als über ihr gegenüber.
liebe grüße anikke
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Clarice » Mittwoch, 09.05.18, 9:35

Gwen hat geschrieben:
Dienstag, 08.05.18, 10:26

Gerade die Schwere des Entzugs als Kriterium zu nehmen ist ja auch eigentlich paradox, da unser Ziel hier ja eigentlich ist, über das kleinschrittige und langsame Absetzen aufzuklären und damit die schweren Verläufe - so gut es eben möglich ist - zu vermeiden.
Ah, die liebe Gwen hat mal wieder sehr weise und treffend formuliert. Der Satz verdient es hervorgehoben zu werden!
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Re: Langzeitbetroffene vs. Betroffene mit milderem Verlauf

Beitrag von Eva » Mittwoch, 09.05.18, 9:48

Hallo Annike,

ja, ich bin auch der Meinung, dass jeder Beitrag letztlich mehr über einen selbst sagt als über den Adressaten.
ich glaube man braucht ein gewisses Feingefühl für die schreibenden. Alle seiten. und auch die Selbstreflexion, es zu sich zu nehmen, wenn in irgendeinem thread das helfersyndrom oder die belehrungsfreude mit irhendeinem durchgegangen ist.
Hier könnte das Problem sein - wenn ich mich selbst kritisch betrachte - dass es einem eventuell gar nicht auffällt, wenn man dem Helfersyndrom unterliegt, erst dadurch, dass Gegenstimmen kommen, wird man stutzig - man wollte doch "bloß" helfen! :cry:

Dann sollte man sich natürlich auch hinterfragen.

Als grenzüberschreitend empfinde ich es, wenn diese Haltung dann weiterhin als "die richtige" verteidigt wird; vorher ist es vielleicht einfach menschliche Fehlbarkeit. Im Kern ist es aber schon so, wie Du schreibst.

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