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Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Allgemeine Diskussion über psychische Störungen, ihre Behandlung und alles Verwandte.
>Miriam<
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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von >Miriam< » Freitag, 03.01.14, 20:18

Jamie1979 hat geschrieben: Ich bin ein lebendes ICD-10-Code-Buch auf zwei Beinen...
Liebe Jamie,
musste darüber grad lachen :D
Wenns nur nicht so traurig wäre...
:hug:
Depression, generalisierte Angststörung, bipolare Störung
Medikation: 2001 - 2003 Lithium und Trimipramin; Insidon war auch mal dabei
Paroxateinnahme seit 2001
Paroxat 2001 bis 2003 60 mg
2003 bis 2007 40 mg, keine Absetzsymptome
2007 bis 2011 20 mg, keine Absetzsymptome!
November 2011 bis Januar 2012 18 mg
Januar 2012 bis Februar 2012 17 mg
Februar bis April 2012 15 mg
April bis September 2012 13,5 mg
September 2012 bis Januar 2013 11,7 mg
Januar bis Februar 2013 10,8 mg
Februar bis März 10 mg Bis hierhin wenig Absetzsymptome
Im April intensiver Rückschlag mit allen Formen der Entzugserscheinungen. Daher Erhöhung im April für 2 Tage auf 15mg (zu viel erhöht, schlimme Nebenwirkungen) und dann wieder für 4 Tage auf 12,5 mg
16.04.13 13,4 mg
Seit 17.04.13 wieder 12,5 mg
02.05.13: Nach kurzer Verbesserung wieder Rückschlag (Welle)
Seit 02.05.13 11,7 mg Warten auf Stabilisierung
Seit 10.05.13 10,8 mg
10.06.13 - 10.07. Ein Auf und Ab...
Seit 10.07.13 wieder viel besser, 19.09.13: immernoch bei 10,8 mg.
21.11.13: 10 mg. Paar Tage schlimme Absetzsymptome - auch bei nur 0,8 mg! Hurra, ich bin auf 10 mg!!!
19. - 21.07.14: Umstieg auf Suspension 10 mg. Nicht vertragen.
Ab 22.07.14 wieder Tablette 10 mg. Mir gings ein paar Wochen schlecht nach dem gescheiterten Umstellungsversuch, dann bis Jan. 2015 zwei üble Wellen. Im Allgemeinen aber schon stabil mit den 10 mg.
Mai 2015: Hänge immernoch bei den 10 mg! :(
Weiss noch nicht, wie ich weiter absetzen soll, da die Tabletten nicht mehr teilbar sind und ich die Suspension nicht vertrage :(
Februar 2016: Immernoch 10 mg. Ich hänge da irgendwie fest
Januar 2018: Immernoch 10 mg.

edgar
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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von edgar » Freitag, 10.01.14, 18:33

Hallo zusammen,

möchte Folgendes zur Diskussion beitragen:

Bisher habe ich in den Beiträgen nur herausgelesen, dass mehr oder weniger diejenigen, die Glück hatten mit der Einnahme und dem Absetzprozess, sagten, "Ja, würde ich wieder nehmen" und die, die teilweise unendlich viel Leid seitdem durchmachen müssen, sagten mehr oder weniger, "nein, niemals wieder".

Ich möchte in dieser sehr wichtigen Diskussion mal folgende Punkte zu Bedenken geben:

Für diejenigen, die Glück hatten:

Verlasst Ihr Euch allen Ernstes bei Gesundheitsfragen auf Euer Glück ?

Was wäre denn gewesen, wenn Euer Arzt Euch vor der Einnahme umfassend informiert hätte, was seine Pflicht gewesen wäre (nicht jeder schaut in den Beipackzettel und vieles steht da auch gar nicht drin) und er oder sie Euch z.B. folgenden Punkte, die alle schon vorgekommen sind und man weiß nie, ob man zu denen gehören wird, erzählt hätte:

- Es gab Fälle, dass sich Menschen unter Einnahme von z.B. AD umgebracht haben oder andere umgebracht haben
- Die Einnahme eines AD kann im schlimmsten Fall ihre Persönlichkeit massiv verändern
- Die Einnahme von z.B. AD bewirkt eine Downregulation der Serotoninrezeptoren, die zu einigen der Symptomen führen, weswegen sie eigentlich hier sind.
- Die Einnahme eines AD ist kein gezielter biochemischer Eingriff, sondern ein umfassender, der auf ganz viele Vorgänge in Ihrem Körper Auswirkungen hat
- Je länger sie ein AD einnehmen, desto schwerer wird es, wieder davon loszukommen
- Die Wirkung der AD selbst bei schweren Depressionen ist kaum besser als bei Placebos

und vieles mehr...

Wenn mir das jemand auch noch in der größten Krise gesagt hätte und vor allem alle möglichen Alternativen angeboten hätte (Psychotherapie, ambulantes Betreutes Wohnen unter Umständen mit täglichen
stundenlangen Hausbesuchen, ein Tagesstättenbesuch (täglich) für Menschen mit psychischer Erkrankung, Hypnotherapie u.a. bei Schlafstörungen u.v.m.) würde ich definitiv nichts nehmen.
Ich fordere mein Glück nicht heraus.

Das Glück sei jedem gegönnt. Und wenn jemand das alles weiß, und es trotdem riskiert, würde ich nie was sagen. Es ist eben jedem sein eigenes Leben.

Meine Frage an Euch, die Glück hatten, wäre eben auch:

Findet ihr, dass die jetzt noch gängige mangelnde bis gemeingefährliche Praxis verändert werden sollte, oder findet ihr, dass alles so passt ?

Im Übrigen ist unsere Erfahrung auch hier im Forum, dass wenn man einmal mit einem Medikament oder mehreren mehr oder weniger Glück hatte, dass beim nächsten Mal nicht unbedingt so relativ reibungslos alles verlaufen muss.

LG
edgar
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Bewell
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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Bewell » Mittwoch, 22.01.14, 8:04

Hallo edgar, hey Leute :)

Toll geschrieben edgar...mag ich mich voll und ganz anschliessen.

zur eigentlcihen Frage:

Wenn ich vorher (WAS eigentlich?) gewusst hätte...dann...ja, was dann?

Wenn ich vorher gewusst hätte, wie lebensgefährlich AD´s und co sind, hätte ich sie NIEmals genommen.
Wenn ich vorher gewusst hätte, WAS wirklich mit mir los war damals (leichte Depression von mir aus und/oder eine Trauerbewältigung...ich hatte mich gerade von meinem Freund getrennt)
Wenn ich vorher gewusst hätte, was die Pharmaindustrie DA abzieht, hätte ich mich einer Demo angeschlossen.
Wenn ich vorher gewusst hätte, dass selbst Therapeuten so dermassen unterschiedlich sind, hätte ich mich entschiedener umgesehen.
Wenn ich vorher gewusst hätte, wie miserabel man in Psychiatrien "versorgt" wird, wäre ich NIE dort reingegangen...eher nach Alkatraz...oder so.
Wenn ich vorher gewusst hätte, .....

Ich könnte noch etliches dranhängen....

Fazit für mich:

Als erkrankter , vor allem psychisch erkrankter Mensch, steht man meistens unprofessionellen, ja schon schier hilflosen Ärzten gegenüber.

Es wird Zeit, DASS sich etwas grundlegend ändert!!

Was wäre, wenn ein Rezept vorliegt und niemand nimmt es (einfach so) an? :whistle:

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punktumpunkt
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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von punktumpunkt » Montag, 14.07.14, 17:39

hallo an alle Leidensgenossen, muss mich leider kurz fassen,
möchte nur loswerden, dass die Langzeiteinnahme (42 Monate) eines
alten ADs (Ludiomi*) mich komplett ruiniert hat.

musste es vor einem jahr absetzen, geholfen hat es ohnehin nicht, habe mich
zur Einnahme von Ludiomi* (Maptrotilin) überreden lassen, weil ich SSRI
nicht vertrage. (was ich aktuell durchaus als "Vorteil" sehe ...)

Seit dem Absetzen vor über einem Jahr wurde ich zum körperlichen und
nervlichen Wrack. (psychisch habe ich keine Probleme).

Da es sehr ansrengend ist zu Schreiben, würde ich meine (umfangreichere)
Leidensgeschichte aufschreiben, wenn es dann auch für jemanden
von Interesse oder auch hilfreich wäre.

warum ich hier schreibe:
ich suche nach (halbwegs fundierten) Berichten oder Erfahrungen über
eventuelle körperliche Schäden durch die Langzeiteinnahme von
ADs (insb. interessieren mich die älteren ADs, SSRI für mich
nicht von Interesse).

Auch suche ich nach Hoffnung - ob sich doch der Körper wieder
irgendwann von dieser chemischen Keule erholen wird.
Wieviele Jahre kann das noch dauern?

dank an alle

ich hätte gerne eine signatur erstellt, aber in meinem profil finde ich absolut keinen
punkt wo man diese erstellen kann. bin ich da echt zu blöd dafür??? :frust:

Jamie
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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Jamie » Montag, 14.07.14, 23:54

Hallo punktumpunkt,

du bist freigeschaltet und müsstest eigentlich eine Signatur erstellen können.
Bitte schaue man links oben bei Persönlicher Bereich --> Profil --> Signatur erstellen / ändern.


Grüße
Jamie
...........SIGNATUR...............


:arrow: Eure Mithilfe ist gefragt - wer benutzt die Wasserlösemethode?


:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): viewtopic.php?f=51&t=12478


Meine PN-Funktion ist deaktiviert. Ich danke für euer Verständnis.

-----------------------------

Infos über mich:
► Text zeigen

Igor07

Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Igor07 » Dienstag, 15.07.14, 7:48

Als erkrankter , vor allem psychisch erkrankter Mensch, steht man meistens unprofessionellen, ja schon schier hilflosen Ärzten gegenüber.
das war sehr gut ausgedrückt!. Ich wollte hier das Wort "unprofessonellen" besonders hevorheben. oder betonen. Denn die Ärzte bedienen das System.
Sie glauben fest an diese Psychodrogen. Und der normale Otto-verbraucher vertraut meistens auch blind den Ärzten. Das ganze System ist dann absolut verkehrt, und alles funktioniert wie im Roman "Schloss" von F. Kafka.
Meine Frage zur Diskussuon lautet: Können die AD überhaupt helfen, wenn, z.B, der Mensch wirklich unter sehr schweren ( endogennen) Depression leidet?
Wahrscheinlich, es könnte nur die kurzfristige Einnahme in Betracht gezogen worden. Aber nicht die Jahre, Denn die Schaden für das Gehirn und den ganzen Körper sind enorm.
Meine Erfahrungen von alten Generation von AD war nicht positiv, aber ich habe mehr als 20 Jahre im SU die TZA in sehr niedrigen Dosierungen eingenommen. Ich hatte auch die Nachtschicht. Und, pardon, Damen, ich war potent.
Edgar? :?: :?: :?:

Igor07

Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Igor07 » Dienstag, 15.07.14, 8:10

@Miriam. Genau, was du hier beschreibst, trifft auf mich zu. Mein Arzt aus USA, der mich mehr als 25 Jahre kennt, er hat mir gesagt:" Igor, wenn du Prozak absetzt, du bist dann verloren." Niemand dann dir helfen könnte. Niemand. Prozak hat mich total ruiniert. Interessanterweise, mein Dok hat selbst es geschluckt, er hat es mir eingestanden. nach der Einreise in USA er hat situationbedingte sehr schwere Depression bekommen. Und ausgerechnet Prozak hat ihn herausgeholt. Aber ich nehme an, er hat das zeug dann absolut abgesetzt. Und nicht wie ich 10 Jahre diese Droge brav geschluckt habe.

Könnte die sehr kurzfristige Einnahme wirklich die Hilfe leisten?

Haben Sie alle das Buch gelesen?

So ist das Link:


http://www.fischerverlage.de/buch/satur ... 3596154180


A. Solomon bestimmt lügt nicht. Er war echt am Ende. Nur diese moderne SSRI haben ihm geholfen. Ich denke nicht, dass er das Buch von der "Bestellung"
der Pharma-Komzernen geschrieben hat. Irgendwie dein Ton wirkt echt, redrlich, ehrlich und bestechend einfühlsam.

Was denkt ihr darüber? Das Buch lohnt sich, echt. Es ist sehr professionell geschrieben. Wenn wir die ganze Pharma-Industrie verteufeln, ergo, oder, folglich, man kann auch alles total verteufeln. Aspirin, Antibiothika, und man kann Atombombe abwerfen, oder diesselbe Energie für das Kraftwerk benutzen.
Wahrscheinlich, die echte wahrheit liegt in der Mitte? :?:

Igor07

Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Igor07 » Mittwoch, 16.07.14, 8:20

Das ist echt schade, dass nach meinem Betrag niemand von Usern auf diese sehr ernte Problematik nicht eingegangen war.Denn wir alle suchen Die wahrheit.
LG.

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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von edgar » Mittwoch, 23.07.14, 22:03

Hallo Igor,

wir verteufeln hier nicht die Pharmaindustrie, sondern die Pharmaindustrie (wie immer Du das dann nennen magst) hält sich nicht an das, was man von ihr erwarten muss:

- Offenlegung aller Studienergebnisse (auch der Studienabbrüche)
- Keine Manipulation der Studien
- langfristige Studien, um die größtmögliche Sicherheit für den Patienten zu erreichen (Studien über Psychopharmaka gehen nur über wenige Monate, bis das Medikament auf den Markt kommt, aber Patienten sollen es Jahre lang einnehmen können)
- placebokontrollierte Doppelblindstudien und Einsatz von sogenannten aktiven Placebos, also welche die mind. eine Nebenwirkung haben, weil es die Erfahrung gibt, dass wenn Patienten ein Medikament einnehmen und Nebenwirkungen verspüren, glauben, dass dies ja ein besonders starkes Medikament sein muss mit großer Wirksamkeit

Natürlich muss das auch politisch eingefordert werden. Aber da gibt es ja so oft Bestechungen von der Pharmaindustrie.

Lies mal das Buch "Nebenwirkung Tod" von John Virapen. Er ist ehemaliger Geschäftsführer von Eli Lilly in Schweden gewesen und packt in dem Buch aus.
Igor07 hat geschrieben:Könnte die sehr kurzfristige Einnahme wirklich die Hilfe leisten?
Das Problem ist, dass bei anderen als den FAll , den Du schilderst, die kurzfristige Einnahme auch schon zu Suiziden geführt hat.

Auch darüber müssen Patienten vorher aufgeklärt werden.Oder würdest Du das Patient nicht wissen wollen.

Also ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass bei so dünnen Wirkungsnachweisen - wenn überhaupt - ein Medikament gar nicht auf den Markt kommen sollte. Schon gar nicht, wenn es Suizide gab, denn Du hättest auch einer davon sein können.

LG
edgar
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Igor07

Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Igor07 » Donnerstag, 24.07.14, 10:11

Danke, Edgar. Sehr bemerkenswert und traurig ich finde, dass in den Medien, in den Zeitsschriften, meistens diese Information absolut verschwiegen bleiben. Besonders es tut sehr leid wegen der jungen Menschen. Man braucht die Aufklärung und bekommt am Ende die aufgetischte Lüge.
Das Problem ist, dass bei anderen als den FAll , den Du schilderst, die kurzfristige Einnahme auch schon zu Suiziden geführt hat.

Auch darüber müssen Patienten vorher aufgeklärt werden.Oder würdest Du das Patient nicht wissen wollen.

Also ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass bei so dünnen Wirkungsnachweisen - wenn überhaupt - ein Medikament gar nicht auf den Markt kommen sollte. Schon gar nicht, wenn es Suizide gab, denn Du hättest auch einer davon sein können.
Ich kann nur zustimmen. Apropo, ich habe "Schöne neue Psychiatrie" im sehr guten Zustand von 1996 schon bekommen und durchgeblättert. Einige Fakte haben mich enorm erschüttert. Ich kann absolut keine Worte finden. Zuerst war nur die Wut im meinem Bauch.
Danke für den Hinweis, ich schaue nach. :)
LG.
Igor.

Igor07

Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Igor07 » Donnerstag, 24.07.14, 10:32

Ach, ich habe in der Bücherei das absolut neue Bich geliehen.
Das ist das Link:

http://www.amazon.de/Die-Pharma-L%C3%BC ... -l%C3%BCge

LG.

Spatzine
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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Spatzine » Freitag, 05.09.14, 10:46

Wenn ICH das vorher gewusst hätte...

...hätte ich niemals nie Citalopram angerührt.
...hätte ich niemals Diazepam weiter eingenommen, obwohl es mir schon wieder ganz gut ging und kein akuter Grund bestand.

Aber leider gibt es da ja diese Götter in weiß. Diese Götter, die einem sagen ne Therapie braucht man nicht, nehmen Sie mal die Medikamente und in ein paar Wochen ist alles wieder gut. Danke dafür...

Es sagt einem aber niemand, dass man auch nach 21 Tagen schon Entzugserscheinigung beim Absetzen von Diazepam bekommt.
Es sagt einem auch keiner, dass man durch die Einnahme von Citalopram erstmal in ein noch tieferes Loch fällt und plötzlich Selbstmordgedanken wie Zwangsgedanken auftauchen. Obwohl man vorher NIEMALS auch nur im entferntesten einen Gedanken an oder über Selbstmord verschwendet hat.
Oder aber das man nach nur 6 Wochen Citalopram ebenfalls Absetzsymptome bekommt. Und das das ganze soweit geht, dass man alleinen durch das Absetzen der Antibabypille 3 Wochen später wieder massive Probleme bekommt. Bei mir Angstzustände und Schlaflosigkeit.
All das sagt einem niemand. Ich weiß nicht wo ich heute ohne meine Familie und Freunde wäre. Ohne all die Menschen die für mich da waren, auf mich aufgepasst haben und mir geholfen haben. Wäre ich in der 1. Wochen der Einnahme von Citalopram alleine gewesen, weiß ich nicht, ob ich heute hier noch schreiben könnte... Und das ist erschreckend. Denn ich bin ein fröhlicher, lebenslustiger Mensch mit Träumen, Wünschen und Zielen. Und niemand hat mich aufgeklärt was dieses Medikament bewirken kann.

Dank meiner Therapie, die ich auf eigene Antrieb hin eingefädelt habe, konnte ich die folgenden schweren Zeiten des Absetzens einigermaßen gut und auch ohne ständige Hilfe meistern. Auch wenn es so gar nicht einfach war. Hätte ich aber diese Therapie nicht, hätte ich das Citalopram sicher nicht nach 6 Wochen abgesetzt und würde es wahrscheinlich jahrelang nehmen. Denn Rezepte für Citalopram bekommt man bei meinem Hausarzt ohne Gespräch, einfach auf Anruf.
Sicherlich war mein Weg was das Absetzen angeht etwas "Kopf durch die Wand". Einen Monat nachdem ich Diazepam unter Problemen los geworden bin, setzte ich das Citalopram in 3 Wochen ab. 3 Wochen später die Antibabypille. Aber letztlich ist alles gut gegangen und ich bin froh all die Chemie und Hormone los zu sein.
Gleichzeitig sehe ich aber andere Menschen, z.B. meine Mutter die 3 oder 4 verschiedene Antidepressiva aufgrund von Schmerzen nimmt. Sie verlässt sich einfach auf die Ärzte, denkt nicht drüber nach und schluckt eine Vielzahl von Tabletten. Wenn sie einen Tag mal eine vergisst, ist sie völlig am Ende. Dann geht gar nichts mehr. Sie fällt dann sofort in ein ganz ganz tiefes Loch. Sie hat sich für diesen Weg entschieden. Für sie ist es so ok. Ich würde aber nicht so leben wollen. Und ich finde es schlimm und traurig, dass man nicht aufgeklärt wird, welche Konsequenzen solche Mittel haben können.

Für mich steht fest, Diazepam war sicherlich für 4-5 Tage damals sehr sinnvol und hilfreich. Aber danach?
Citalopram war absoluter Quatsch. Vielmehr hätte mir ein sofortiger Therapieplatz geholfen, wo mir einfach mal erklärt worden wäre, was da eigentlich mit mir passiert. Wo man mir gesagt hätte, ich bin einfach nur total überfordert und das mir mein Körper genau das sagen will. Und das es einfach Zeit und Ruhe braucht um wieder auf die Beine zu kommen.

Ich habe erst gestern wieder von einem Mann gehört, der aufgrund von akuter Suizidgefahr in einer Klinik war, jetzt entlassen worde ist und auf einen Therapieplatz wartet. Wartezeit mind. 6 Monate. Wie kann das sein? Wer weiß ob es diesen Menschen in 6 Monaten noch gibt...
Aber gut. Das ist nochmal ein anderes Thema...

Man kann nur hoffen, dass da ein Umdenken unter den Ärzten stattfindet. Oder das ich einfach an einen sehr schlechten geraten bin. Ich hatte dennoch Glück und es ging nochmal alles relativ glimpflich ab. Aber ich befürchte, dass es viele Menschen gibt, die dieses Glück nicht haben. Da wird mit Menschenleben leichtsinnig umgegangen und das kann nicht richtig sein. Dafür ist jedes einzelne Leben viel zu kostbar...
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Jamiepadmaedgar
Vorgeschichte: Hörsturz, Herzrasen, Panik und Angstzustände --> Überforderung
Diazepam:
26.05. Diazepam 10mg 5-5-10 Tropfen für 10 Tage, danach ausschleichen
ab 05.06. Diazepam täglich um 1 Tropfen reduziert
15.06. 0-0-1 Tropfen. Absetzerscheinungen: Schlaflosigkeit; tiefe depressive Phasen, stundenweise; starke Angstzustände; Appetitlosigkeit - Symptome wechselten mehrfach täglich
20.06. Nachmittags sind alles Absetzerscheinungen weg und bleiben weg. GESCHAFFT

Citalopram
27.05. morgens die ersten 10 mg, über 6 Wochen genommen
27.05.-01.06. mir ging es extrem schelcht. Gedanken über Selbstmord, Verdauuungsstörungen, komplette Schlaflosigkeit und kaum gegessen. 4 kg abgenommen.
09.07. auf 5mg reduziert; Absetzerscheinungen: 2 Tage extrem. kurz vor Panikattacke; Schlaflosigkeit; Angstzustände; Durchfall
16.07. - 20.07. 2,5mg, mir geht es sehr gut, fühle mich befreit. Hin und wieder Durchfall
21.07. 0mg
bis 24.07. alles super!, dann folgende Symptome: Krankheitsgefühl, Durchfall, Unruhe, Herzrasen, Herzklopfen, Angstgefühlen; teilweise Schlaflosigkeit
02.08. alle Symptome weg

12.08. Absetzen der Antibabypille. Eine Woche später wieder erste Symptome von Angst, Druck auf der Brust. Steigerung bis hin zu Weinerlichkeit und extremen Angstzuständen. Fast 1 Woche schlaflos. Nach knapp 14 Tagen ist alles wieder weg. GESCHAFFT

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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Nadija » Sonntag, 14.09.14, 9:13

Ich denke meine Frage passt hier ganz gut hin. Möchte aber vorher sagen, dass ich damit NICHT provozieren will, ich habe bis jetzt von niemandem eine Antwort darauf bekommen und auch andere hier haben diese Frage gestellt, auf die - soweit ich weiß - niemand wirklich eine Antwort wusste.

Ich weiß, das hier ist kein Forum wo Ad-Empfehlungen gegeben werden aber ich denke die Frage sollte auch hier erlaubt sein...hoffe ich zumindest :wink:

Was ist mit den Menschen, denen es akut aufgrund von einer Depression, traumatischen Erfahrung (oder was auch immer) so schlecht geht, dass sie einfach nicht mehr können?

Was ist mit einer Mutter die nach der Geburt ihres Kindes Depressionen bekommt und in einem solchen Tief steckt, aus dem sie alleine nicht mehr rauskommt? (Beispiel)
Und was ist mit all den anderen Leuten, denen es akut so schlecht geht, so dass sie zu nichts mehr fähig sind, bei manchen so schlimm, dass sie nicht mehr das Haus verlassen können?!

Sollen diese Menschen es langsam angehen lassen (durch Therapiewarteplätze gezwungenermaßen langsam mit Wartezeiten so um die 2 Jahre ..Achtung Ironie :o )
Sollen die alle in eine Klinik abgeschoben werden, wo sie womöglich noch "kranker" herauskommen..? (dort wird man ja meistens eh vollgepumpt mit Medis/ also Klinik = keine Lösung?)
Sollen diese Menschen einfach in ihrem Zustand verharren, und so ihren Job, ihre Beziehung, einfach alles aufs Spiel setzen? Soll eine Mutter aufs Spiel setzen, dass ihr das Kind weggenommen wird?

Was sind denn die Alternativen? Es gibt doch einfach keine, oder?
Wie gesagt ich möchte hier nicht FÜR AD sprechen. Ich nehme schließlich selbst keine und überlege schon seit mehreren Wochen, ob es in meiner Situation vorübergehend nicht doch sinnvoll wäre. Möchte jetzt aber darauf nicht näher eingehen. Ich weiß ja, dass das hier nicht das richtig Forum für sowas ist.

Meine Frage hier ist aber, was gibt es für Alternativen???? (und ich hoffe die Frage ist hier erlaubt)
Fakt ist doch, auch wenn man alles langsam angehen lässt, den Zustand erst mal so hinnimmt, Traumata oder was auch immer langsam aufarbeitet (was über Jahre gehen kann) so kann es auch sein, dass man über Jahre nicht wirklich Lebensfähig ist, zumindest nicht so, um aktiv an dem normalen Leben teilnehmen zu können.

Und klar ist ja auch, dass wenn man es so laufen lässt, die besagte Mutter (aus meinem Beispiel) z.B ihre Kinder oder ihr Kind dann los sein wird, da man es ihr wegnehmen wird! Ein anderer wird seinen Job für immer los sein + seine Beziehung (auch Partner halten nicht alles aus!)

Und DIESER Zustand ist dann besser zu verkraften? Den meisten Menschen wird so etwas das Genick brechen, zumal solche Dinge, wie dass einem das Kind weggenommen wird, die Partnerschaft zu Bruch geht, man den Job verliert (aufgrund der schlechten Situation in der man sich befindet erneute Traumata sind!!)

Da fragt man sich halt doch irgendwo...was ist besser, was ist schlechter?

Es ist doch einfach so, dass es für manche einfach keine Alternativen gibt, außer in einer schlimmen Zeit zu einem AD zu greifen.
Wenn jemand Alternativen kennt, die auch verhältnismäßig so schnell anschlagen (können) dann nennt die doch mal bitte?!

Versteht mich nicht falsch. Hier wird verteufelt ohne Ende aber Alternativen können im Gegenzug keine genannt werden....versteh ich das also richtig, dass hier die meisten dafür sind, dass man den Zustand einfach so hinnimmt, also alles aufs Spielt setzt im schlimmsten Fall das Leben?


So, ich hoffe die Frage ist erlaubt. Ich weiß, dass sie für manche etwas provokativ rüberkommt, aber das soll sie nicht sein. Es ist eine ernst gemeinte Frage auf die mir bisher einfach keiner eine Antwort geben konnte und mich beschäftigt das einfach sehr.


Vll gibt es darauf auch keine Antwort...vll ist die Frage einfach...will ich funktionieren und nicht alles verlieren....nehme ich etwas ein, kann dann wieder funktionieren..( von leben möchte ich nicht sprechen) verliere dann aber im schlimmsten Fall mich selbst? (durch die Medikamente)
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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von edgar » Sonntag, 14.09.14, 17:44

Hallo Nadija,

Deine Fragen sind so weit ja verständlich, aber die sind mir viel zu allgemein gestellt.

Wieso bleiben wir nicht bei Deiner Situation und Deiner Entscheidungsfindung. Was ich nicht verstehe ist:

Du bist jetzt umfassend informiert (hier im Forum) und weißt auch wo Du die anderen Fragen zu den AD stellen kannst (Forum Depressionen etc.). Um was geht es Dir also ? Du musst schon selbst für Dich Verantwortung übernehmen und Deine eigenen Entscheidungen treffen. Das könne wir nicht für Dich tun.

Ich verstehe auch nicht, dass Du in diesem Thread bisher von anderen Gesagtes und Geschriebenes in Frage stellst. Die Leute haben sich schon gut überlegt, was sie schreiben.

Du sagst, dass Du keine Antworten bekommst auf die Frage, was man in bestimmten Situationen tun soll (z.B. Mutter bekommt Depressionen nach der Geburt des Kindes). Also, wir können keine Antworten geben auf solche allgemeinen Fragen, dann müsste diese beispielhafte Mutter schon hier im Forum sein, damit man eine richtige Anamnese machen kann, aber ich kann Dir zumindest zwei Sachen allgemein sagen:

- menschliche Unterstützung in Anspruch nehmen, z.B. Lebenshilfe in Form ambulanten Betreuten Wohnens, die soweit alle Lebensbereiche abdecken (Hilfe im Haushalt, Begleitung zu Ärzten, Einkaufshilfe, begleitende und unterstützende Gespräche zu Hause etc., die Mitarbeiter sind ja auch psychologisch geschult und man muss nicht so lange warten wie bei Psychotherapien), es gibt auch Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen, wo man kurzfristig Termine bekommen kann, Selbsthilfegruppen aufsuchen, um auch Kontakte zu knüpfen, wenn vorhanden, auch Angehörige um lebenspraktische Hilfen bitten. Das und einiges mehr steht aber auch hier im Forum und dennoch wird immer wieder behauptet, wir würden keine Antworten geben.

Übrigens: Was heißt überhaupt "lebensunfähig". Du müsstest schon genau ausführen, was der Mensch dann genau nicht kann.
Z.B. Das Haus nicht mehr verlassen ? Dafür gibt es lebenspraktische Hilfen wie die oben Genannten.

- Man kann z.B. auch ambulante Kinder-und Jugendhilfen (um beim Beispiel der Mutter zu bleiben) in Anspruch nehmen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass das Kind der Mutter weggenommen wird. Ich finde das sehr plakativ von Dir. Es werden nach meiner Erfahrung Kinder dort von der Familie weggeholt, die keine ambulanten Hilfen in Anspruch nehmen. Ich habe selbst mal in dem Bereich gearbeitet.



LG
edgar
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Angehöriger, Dipl.-Sozialpädagoge (FH), seit 2008 Mitarbeiter im ambulanten Betreuten Wohnen für Menschen mit psychischer Erkrankung (u.a. auch Beratung und Unterstützung beim Absetzen von Medikamenten), davor 2 Jahre Mitarbeiter in einer Tagesstätte und 1 Jahr lang in einem Wohnheim (stationäres Wohnen) für Menschen mit psychischer Erkrankung. Seit 2013 Mitglied des Fachausschusses Psychopharmaka der DGSP.

Jamie
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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Jamie » Sonntag, 14.09.14, 19:02

Hallo Nadija,

ich kämpfe schon lange mit schlimmen Schlafstörungen, viele Jahre lang.
Habe die Palette aller Symptome durch, habe auch schlimm Depressionen gehabt (wobei ich im Nachhinein nicht weiß, ob sie medikamenteninduziert waren, aber das ist auch nicht wichtig). Ich war zum Sterben verzweifelt, ich war am Boden zerstört... usw.
Ich habe Medikament um Medikament geschluckt, Therapie über Therapie gemacht, bin von einem Arzt zum nächsten überwiesen worden..
Ich war viele Jahre in dieser Spirale drin und darum nehme ich mir die Freiheit heraus zu sagen, dass ich weiß, wie es ist, wenn es einem wirklich dreckig geht.

Und deswegen ist vielleicht auch meine Antwort qualifiziert, wenn du danach fragst, welche Alternativen es gibt (?)

Ich musste mir das alles selbst erarbeiten, aber folgende Dinge haben mir geholfen / sind Alternativen für mich:

* mein Glaubens- und Wertesystem überdacht
* wenige Freunde, aber eins, zwei sehr gute, denen ich alles erzählen kann
* Loslösung von Menschen, die mir nicht gut tun.
* Meditation erlernt
* Reiki erlernt
* gelernt, mit Stille klarzukommen und sie als Quell der Inspiration zu nutzen
* Ego abgebaut (der Quell großer Unzufriedenheit!!!) mit Hilfe von der Lehre Eckhart Tolles (Jetzt! Die Kraft der Gegenwart)
* kontinuierlich eine Heilpraktikerin konsultiert; Medikamente wenn es geht nur noch pflanzlich oder homöopathisch
* ein Ehrenamt zugelegt (z.B. hier im Forum beraten)
* Haustierhaltung (Wellensittiche), weil sie mein Herz erfreuen
* Dankbarkeit, dass ich in Deutschland leben darf; einem der reichsten Länder der Welt mit guter mediz. Versorgung und Sozialsystem...
*usw.

ein paar Punkte klingen banal und seltsam, aber alles zusammen gibt einen Komplex aus Methoden und Möglichkeiten, mit meiner schweren Lebenssituation umzugehen.

AD können eine Krücke sein, wenn es gar nicht mehr geht. Ich habe selbst lange genug welche genommen, frage mich aber, ob sie Erfolg hatten (?) (wohl eher nicht). Dennoch gibt es sicher Menschen, die sich damit aus einem tiefen Loch befreien können und das spreche ich den AD auch nicht ab.
Es ist eben alles eine individuelle Entscheidung und wenn du welche nehmen willst, ist das absolut okay für mich. Wer bin ich mir anzumaßen zu wissen, was gut für dich ist? Eben- das steht mir nicht zu und ist auch gar nicht wichtig :)- Hauptsache du findest was, was dir hilft! Nur darum geht es!
Und wenn es ein AD ist, dann auch gut. Wir klären hier über alles auf und jeder kann dann eigenverantwortlich eine Entscheidung treffen.


Grüße
Jamie :)
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:arrow: Eure Mithilfe ist gefragt - wer benutzt die Wasserlösemethode?


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Igor07

Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Igor07 » Mittwoch, 17.09.14, 13:49

Ich kann nur von mir sagen, dass ich diesen Tag echt verfluche, als ich es entschieden habe, auf "Prozak" zu sitzen. Die Werbung hat mich enorm wie berieselt. Und man wollte nur hier und jetzt funktionieren, egal um welchen Preis. Genau damals ich habe mir keine Frage gestellt, was passiert doch mit mir weiter? GIBT ES KEIN WUNDERMITTEL, was die Ärzte oder die Ratgeber uns suggerieren, das ist die platte und gemeine Lüge. In der modernen leistungs-und-gewinn-orientierten Gesellsschaft nur das zählt: "funktionieren". Nicht leben---lieben... Das Ersatz-Leben, genau wie der Mythos über die Wunderpille.
LG.
Igor.

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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Dia_HB » Freitag, 19.09.14, 16:39

Huhu ihr Lieben,

ich bringe mich mal hier mit ein, auf eine Schwangerschaftsdepession gehe ich mal ein.
Ich hatte eine leichte, aber was ich genau weiß, das ich kein AD bekam , denn diese Depression fast immer mit den Hormonen zutun hat, die nicht wieder ins Gleichgewicht kommen.
Also muss eine hormonbehandlung folgen und kein AD.
Ich denke kommen private Probleme dazu kann man auch daran arbeiten, oder sogar abstellen.
Ich habe auch ein AD seit einem Jahr und mir wurde dieses zum ausschleichen von Benzodiazepinen gegeben, dabei sagte man mir das nichts schlimmes sei , ja nichts schlimmes ha ha.
Ich war bei Null Benzodiazepine angekommen , natürlich mit AD und mein Arzt sagte Glückwunsch zurück im leben, dann können sie das AD nun auch absetzen, gesagt getan.
Was dann passierte brauche ich wohl nicht sagen, sieht man an meiner Signatur.
Ich für meinen Teil war ohne Info , was ich nicht verstehe ist, das hier Seiten über Seiten zu lesen sind mit schlimmsten Symptomen und Nebenwirkungen und wir sind alle in ein Loch gefallen, das steht doch fest.
Wie kann man dann die Frage stellen, welches besser ist als das andere, dann noch aber wenn, ich verstehe das nicht.
Hätte ich gewusst was das wirklich ist , nein das wäre nicht in meinen Körper gekommen, für mich sage ich, das diese Mittel alles noch schlimmer machen .


Liebe Grüße Heike
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Schmerzpatientin , behandelt mit Diazepam seit 1992 mit anfangs 60 mg Krankenhaus, über Jahre unbewusst bei 10 mg gelandet ,2013 Toleranz entwickelt, Juni 2013 über 10 Monate ausgeschichen mit Doxepin, Januar 2014 Krankenhaus schwere krämpfe Doxepin aprut abgesetzt 37,5mg, 21 Januar durch falsche Diagnose wieder Diazepam Einnahme 25mg Symptome keine Verbesserung, Mai Doxepin dazu 12,5mg und persönliche Veränderung, Euphorie, Vergesslichkeit selber nicht gemerkt.
19 Mai 2014 erneutes ausschleichen Diazepam, Dezember 2014 bei 10,5 mg Diazepam und doxepin 35 mg, Januar 2015 Erhöhung Doxepin 45 mg plus 9,5 mg Diazepam begleitet mit schmerzen Muskeln, Kopf zucken, Verwirrtheit, Koordination weg , Februar ging nichts mehr, zurück auf 37,5mg Doxepin und 7,5 mg Diazepam keine Besserung, versucht durchzuhalten mit 9 mg Diazepam, Arzt besucht Vermutung Krampfschwelle durch Doxepin runter gesetzt, Doxepin auf 0 mg Anweisung vom Arzt, nicht aushaltbar, eindosiert 12,5mg bis hoch auf 30 mg ,erste Krampfanfälle Kopf ,dann richige epileptische Anfälle.
Krankenhaus Diagnose Krampfschwelle unten durch Doxepin.
9 Mai, Doxepin runter, Diazepam hoch ,keine anfälle mehr. Dritter Anlauf des ausschleichens ohne zweites Medikament in kürze.
Nach 14 Monaten wieder stabil ,seit 7 Wochen Dia am ausschleichen. 16.03.2016

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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von lanalisa » Sonntag, 09.11.14, 18:18

Hallo,
ich kann mir vorstellen, dass es gut sein kann, dass es Antidepressiva gibt. Es gibt ja wirklich Menschen, die in so eine tiefe Depression geraten, ohne je Medikamente genommen zu haben. Die kann es dann eventuell rausholen und da wären sie dann super wichtig.
Ich selber würde auf jeden Fall anders mit ihnen umgehen. Vielleicht wäre ich mit einer geeigneten Psychotherapie auch ohne sie sehr gut aus der Depression gekommen und ich wäre nie in diese Abhängigkeit gekommen. Ich hätte mir viel erspart. Wenn nicht, wäre sicher eine geringere Dosis sinnvoll gewesen. Hab' mal gehört, dass mindestens 50% der Verschreibungen nicht sinnvoll sind. Wenn man Antidepressiva nicht unbedingt braucht, sind sie, finde ich, einfach zu riskant. Wenn ich es mir so überlege und zurückdenke, muss ich sagen, ich hätte sie wohl nicht genommen. Dazu konnte ich viel zu positiv sein vor der Einnahme, es war machbar, es so zu schaffen. Ich denke, ich war weitaus unproblematischer, als jetzt mit dem Medikament. Ich bin jetzt übersensibel.

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Nov. 2013 von 20 mg Fluoxetin auf 15mg
Dez. 2013 10mg
Feb. 2014 5mg
März 2014 0mg

seit Ende September Zustand schlechter, Anfang Oktober Absturz
14.10.2014 5mg
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Ende Okt. 10mg
31.10. 20mg

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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von edgar » Montag, 10.11.14, 21:52

Hallo Lanalisa,
lanalisa hat geschrieben:Hallo,
ich kann mir vorstellen, dass es gut sein kann, dass es Antidepressiva gibt. Es gibt ja wirklich Menschen, die in so eine tiefe Depression geraten, ohne je Medikamente genommen zu haben. Die kann es dann eventuell rausholen und da wären sie dann super wichtig.
Dein Argument kann ich deswegen überhaupt nicht nachvollziehen, weil genau das vielen Mitgliedern hier auch mal vom Arzt gesagt wurde, und schau Dir mal an, was jetzt aus diesen Menschen geworden ist :!:

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Will man russisches Roulette spielen mit der Gesundheit ? Wer weiß denn vorher, was unter der Einnahme passiert und später.

Es gibt überhaupt keine Langzeitstudien über die Antidepressiva.

Willst Du allen ernstes sagen, dass man Menschen mit großen Problemen, die man psychosozial lösen muss, weil sie so auch entstehen, zu medizinischen Versuchskaninchen machen soll ?

Etliche Studien haben belegt, dass auch bei schwersten Depressionen und Ängste Meditation sehr wirksam ist. Diese Menschen sollten zusätzlich auch psychosoziale Hilfen bekommen für die Alltagsbewältigung. Dann hätten sie alles, was sie bräuchten.

Grüße von
edgar
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Re: Wenn Ihr das vorher gewusst hättet.....

Beitrag von Spatzine » Freitag, 14.11.14, 12:35

Ich glaube genau das ist das große Problem. Man bekommt von seinem Hausarzt Pillen verschrieben, soll diese nehmen und alles wird wieder gut. So wurde mir das ganze zu Anfang auch verkauft. Ich sollte halt 2-3 Wochen warten bis die Pillen wirken und gut. Und nur weil ich auf eine Therapie bestand, mit Nachdruck, konnte ich diese auch machen. Und nur dank der Therapie setzte ich die Pillen so schnell wieder ab. Auch wenn es mir mehr als schlecht ging zu der Zeit. Aber ich hatte ja mein Ziel vor Augen, ein Baby. Und auch wenn mein Arzt der Meinung war ich könnte doch die Pillen weiter nehmen, wollte ich das dem kleinen Wesen nicht antun.

Ich gehe bis heute sehr offen damit um was mir passiert ist. Dadurch habe ich überhaupt erst erfahren wie viele Menschen in meinem Bekanntenkreis auch Probleme hatten, bzw. haben und teilweise lange Zeit Antidepressiva einnehmen. Denn ein Absetzversuch hat auch bei einigen Symptome hervorgerufen und sie dachten eben sie können die Tabletten noch nicht absetzen. Aber nur ein Bruchteil der Personen hat auch eine Therapie gemacht. Ich kenne auch einen Fall wo es der betreffenden Person zwar so gut geht unter Antidepressiva, sie aber aus meiner Sicht nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Sie bestitzt so wenige Emotionen, wirkt wie versteinert teilweise.

Und ja, viele der Personen sind der Meinung die Tabletten haben ihnen geholfen. Vielleicht hätte aber eine sofortige Therapie das gleiche bewirkt?! Das Problem ist aus meiner Sicht, dass viele ihr Leben unverändert weiterleben, die Pillen nehmen und alles ist gut. Aber so kann es meiner Meinung nach nicht funktionieren. Es hat einen Grund, weshalb unser Körper uns diesen Warnschuss gegeben hat. Und den sollte man finden und zukünftig bestimmte Sachen ändern. Aber Pillen sind halt oftmals, zumindest scheinbar, der einfachere Weg...
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LisamariepadmaJamie
Vorgeschichte: Hörsturz, Herzrasen, Panik und Angstzustände --> Überforderung
Diazepam:
26.05. Diazepam 10mg 5-5-10 Tropfen für 10 Tage, danach ausschleichen
ab 05.06. Diazepam täglich um 1 Tropfen reduziert
15.06. 0-0-1 Tropfen. Absetzerscheinungen: Schlaflosigkeit; tiefe depressive Phasen, stundenweise; starke Angstzustände; Appetitlosigkeit - Symptome wechselten mehrfach täglich
20.06. Nachmittags sind alles Absetzerscheinungen weg und bleiben weg. GESCHAFFT

Citalopram
27.05. morgens die ersten 10 mg, über 6 Wochen genommen
27.05.-01.06. mir ging es extrem schelcht. Gedanken über Selbstmord, Verdauuungsstörungen, komplette Schlaflosigkeit und kaum gegessen. 4 kg abgenommen.
09.07. auf 5mg reduziert; Absetzerscheinungen: 2 Tage extrem. kurz vor Panikattacke; Schlaflosigkeit; Angstzustände; Durchfall
16.07. - 20.07. 2,5mg, mir geht es sehr gut, fühle mich befreit. Hin und wieder Durchfall
21.07. 0mg
bis 24.07. alles super!, dann folgende Symptome: Krankheitsgefühl, Durchfall, Unruhe, Herzrasen, Herzklopfen, Angstgefühlen; teilweise Schlaflosigkeit
02.08. alle Symptome weg

12.08. Absetzen der Antibabypille. Eine Woche später wieder erste Symptome von Angst, Druck auf der Brust. Steigerung bis hin zu Weinerlichkeit und extremen Angstzuständen. Fast 1 Woche schlaflos. Nach knapp 14 Tagen ist alles wieder weg. GESCHAFFT

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