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Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Benzodiazepine können schon nach wenigen Wochen abhängig machen. Der Entzug dieser Medikamente sollte dann langsam und vorsichtig stattfinden.
Kevin05
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Kevin05 » Dienstag, 06.09.16, 20:16

Hallo,

ich möchte kurz berichten über einen "Wunderdoktor", denn ich vor einigen Tagen kennenlernte, der mir sagte, Benzodiazepin Entzug im Hochdosis oder Langzeitbereich kein Problem - seine Patienten sind nach 2 Monaten wieder voll belastbar und auch arbeitsfähig - auf meine Nachfrage medikamtenfrei? Antwort: Was meine Sie? Ich: Na, keine Ersatzmedikamente. Er: das ist relativ, ein Diabetiker muss ja auch sein Insulin nehmen. Er meinte auch seine Patienten wüssten nach dem Entzug erst wieder was Leben bedeutet usw. - also er strahlte so richtig, wie soll ich sagen, kein Problem und war sich seiner Sache sehr sicher.

Gut, warum schreibe ich das? Um allen zu sagen, dass das Blödsinn ist und fällt bitte nie auf solche Ärzte oder wem auch immer rein, alles was ich je "gelernt" und erlebt habe spricht zu 100% gegen diese These und ich hab mit sehr vielen kompetenten Menschen zu tun gehabt und ich sehe tagtäglich, was andere Ersatzsubstanzen anrichten. Es gibt also diese Art von Wunder nicht!

Viele Berichte hier im Forum über mehr als 10 Jahr bestätigen das, und das ist sehr wohl mehr als repräsentativ.

Ich möchte auch darauf verweisen, dass Ersatzsubstanzen wie NL, ADs, Antipsychotiker im Langzeitgebrauch ähnlich fatale Wirkungen und Folgen haben wie Benzodiazepine, auch hier haben wir einige Beispiele, die "nur" ein AD genommen haben und massive Probleme nach wie vor haben, bedauerlicherweise.

Ich hab mir auch den Nachtrag, das aktualisierte Update von Asthon durchgelesen, sie bzw. ihre Forschung und ihre Konzepte sind meiner Ansicht nach die einzigen Dinge, die helfen können und eine gewisse Schadensbegrenzung bringen oder anders ausgedrückt, wie ich schon oft schrieb, wenn es eine Chance gibt dann diese.

Ich habe auch heute mit einem Betroffenen geredet, der sich auch gut auskennt und viele andere Betroffene kennt, als ich ihm die Geschichte erzählte, meinte er, ja, könne er sich vorstellen, dass das beim einen oder anderen funktionieren könnte, aber er meinte auch, Kevin schau dir die Leute in einigen Jahren an, selbst wenn es funktionieren würde.

Für mich ist die beste Informationsquelle, die ich je fand diese Seite und nein, ich will auch nicht bei den Verantwortlichen des Forums mich einschleimen, sondern nur eben warnen, vor Menschen, die Euch Sachen versprechen, die es nicht gibt. Ashtons Forschungen sind sehr gut und auch das wie es hier gelebt wird, vielen Menschen ist das Hilfe gewesen, einigen ist es wieder sehr gut gegangen - andere kämpfen schwer, aber wie gesagt, auch hier gibt es Hoffnung, dass es zumindest besser wird im Laufe der Zeit.

Nochmals es gibt keinerlei Ersatzsubstanzen, die hilfreich wären bzw. auf Dauer nicht ähnliche Folgen haben wie Benzodiazepine, daher so wenig wie möglich nehmen, aber keine Experimente, Experimente können euch ganz aus der Bahn werfen, auch das haben mir "gute" Leute bestätigt bzw. gibt es auch hierzu ja im Forum genügend Berichte.

Kevin
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Katharina » Dienstag, 06.09.16, 22:16

Lieber Kevin!

Nur das Ashton-manual hat meinen Diazepam- Entzug möglich gemacht.

Ich habe es ausgedruckt, das Nötigste getextmarkert und den Psychiater um diese Chance gebeten ( ... ).

Ebenso werde ich mit dem Lorazepam vorgehen, wenn ich stabil bin.

Langsames Absetzen ohne Hilfsmedikamente - denn es gibt keine, und wenn man meint sie gäbe es und helfen dann kann man im Anschluss diese über einen langen langen Zeitraum wiederum ausschleichen.

( Zwei Fliegen mit keiner Klappe geschlagen. )

Nebenwirkungen müssen ausgehalten werden, auch bei langsamen Entzügen, das ist einfach garnicht anders möglich.

Dazu muss man bereit sein, sonst dreht man sich ein Lebenlang mit diesen Medikamenten im Kreise ohne authentisch leben zu können, da immer eine medikamentöse Schieflage das Leben bestimmt.

Lieber eine lange gewisse Leidenszeit ( deren 'Leid' man mit seiner Art der Betrachtung gering halten kann)
als ein Leben bestimmt von Chemie.

Bestimmt von den Rezepten und der Bereitschaft der Ärzte- eine für mich unvorstellbare Abhängigkeit !

Liebe Grüße,Kevin!

Katharina
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Kevin05 » Mittwoch, 07.09.16, 7:29

Hallo Katharina,

der Plan bei Entzügen bzw. der Ärzte ist ja nicht Ersatzsubstanzen vorübergehend einzusetzen sondern dann dauerhaft und da ist das Dilemma spätestens da. Beim erstmaligen Versuch ein Benzodiazepin zu entziehen kann ein AD hilfreich sein, wenn man es danach wieder relativ zügig absetzt. Wobei das meist nur beim ersten Mal klappt, wenn überhaupt.

Leid und Symptome können bei Ersatzsubstanzen auch größer sein als ohne und mehr Schaden, ich hab zumindest im Netz einige Berichte auch Psychiatern gefunden, die dezidiert auch bestätigen, es gäbe keinerlei Ersatz bei Benzodiazepinen, aber die gelebte Praxis sieht total anders aus, LG Kevin
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Katharina » Mittwoch, 07.09.16, 16:50

Lieber Kevin!

Die gelebte Praxis ist unfair.

Sie gibt, wenn sie weiter verordnet, nie die Chance unabhängig zu sein.

Dieses unterschwellige Gefühl, "... hab ich noch Medikamente, was wenn Lieferengpass ( passiert selten ),

was wenn plötzlich eine andere Firma das Medikament übernimmt, die Pillen sehen anders aus, ähneln sich mit einem anderen Medikament, kann nicht mehr geteilt werden, wirkt anders? -

Dieses ganze Drumherum ist beunruhigend .

Die Apothekerin wächst hinter dem Tresen hoch, ab jetzt ist es anders .., die Arzthelferin:"...ab jetzt einmal im Quartal zum Doktor..".

Alles nicht grundlos.

Aber als ehemalige Abhängige ( bzw. erneut auf dem Weg dahin ) will ich das nicht.
Es ist immer das Gefälle da, ob es Wollen oder Dürfen der Angestellten ist , ist egal.
Ich bin an das System gebunden.

Das fällt mir zunehmend schwerer.

( Beispiel: Patient sitzt in der Apotheke, weint, sein ("...") Medikament wird nicht ausgestellt, irgendetwas läuft schief, PC-Probleme, der Mann kann aber nur Nahrung bei sich behalten mit diesem Medikament.
Da geht ein Ruck durch die Apothekerin, sie geht in die Praxis und fragt:"...kann das wahr sein...?".

Kommt zurück mit den Rezept für den mageren Herrn.

Es ist ein Machtgefälle da - egal wer oder wie Du bist.
So empfinde ich das.

Ein Grund mehr, zu Kämpfen um da von zu kommen.

Wenn irgend möglich, für immer.

In manchen Praxen ist ein derartiger Wűrdeverlust der Patienten zu spüren, das ich mit der flachen Hand auf den Tresen schlagen möchte.

Lieber Kevin, einen schönen Nachmittag wünsche ich Dir.

Gruß,
Katharina
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Kevin05 » Mittwoch, 07.09.16, 19:14

Hallo Katharina,

du hast da sicher in vielen Dingen recht. Ich bin mir fast sicher keiner meiner Ärzte sieht in mir was anderes als einen Süchtigen, aber dass man mich ernst nimmt dieses Gefühl habe ich nicht oder gar dass mich da wer wirklich mag, ja, es geht ums Geld, aber sonst bin ich sicher stigmatisiert und das wird sich vermutlich auch nicht ändern.

Was ich aber versuche konsequent zu machen ist mich von Menschen, die schlecht über mich denken zurückzuziehen, sei es beruflich wie privat, ich brauche solche Menschen nicht, besser alleine als Menschen, die schlecht über mich sprechen oder denken.

Einer ist ja immer da, egal was passiert im Leben und das sich zu vergegenwärtigen macht es einfacher.

Ich wünsch dir weiterhin viel Kraft für deinen Weg zu einem gesünderen Leben und besseren Leben, du hast es einmal geschafft und hast so viel hinter dir, es wird dir erneut gelingen, weil du dran glaubst und dran arbeitest, LG Kevin
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Katharina » Mittwoch, 07.09.16, 23:13

Lieber Kevin !

Ich danke Dir für Deine guten Wünsche.

In der heutigen Zeit, in der wenige sich Zeit nehmen, auch weil die Patientenkalender rappel voll sind kann es sich kaum ein Arzt leisten, ein Gefühl frei zu geben, welchem dem ich mag Sie nahe käme- zumindest zeigen sie es nicht.

Das war anders in der Zeit, in der ein Arzt die ganze Familie kannte und auch zum Kaffee hoch kam.
Er freute sich über ein gepflegtes Fahrrad, er sagte mir das er an einer Hand abzählen konnte, wieviele nach dem stationären Entzug standhaft geblieben waren,
er schrieb mir eine besondere Karte ins Krankenhaus damals. Und er sagte das er oft in den Medikamentenschrank hinein langte wenn er nicht mehr könne.
Das ist ewig her.

Heute ist es von Eile getrieben, Telefon, Computer, Arzthelferinnen, die für den Verdienst gleich nach der Ausbildung was anderes machen.

Doch sagt man mir, prima wie sie das machen, das ist doch Klasse, sie schaffen das.
Aber sie wirken rastlos-.
Und ich sehe alle die, die hier arbeiten, am Wochenende kommen um in Ruhe Gutachten zu schreiben.
Da herrscht Druck.

Ich hatte das unbeschreibliche Glück, einen Arbeitsplatz zu finden , in einer Krankengymnastischen Praxis, in der ich 30 Minuten pro Patient bekam.

Das war unüblich, 20min Rythmus hatte ich vorher- da brauch man nicht zu beginnen...
wer kann sich leisten so zu denken?

Plötzlich hieß es, die Kasse zahlt nur Massagen, die in 20 Minuten durchgeführt werden.
Der Rücken. In 20min plus anziehen und ausziehen.
Auch da braucht man garnicht erst zu beginnen- viele bezahlten die 10 min dazu.

Lymphdrainage wurde verordnet ohne Verband. ( es sei den chronisch zu Behandelnde ).
So läuft die weg drainierte Lymphe beim Aufstehen wieder zurück .
Da denkst du wofür strenge ich mich an, wozu die teure Ausbildung?
Du rennst von einem Raum zum nächsten.

Es sei denn, du legst dir private Zeit dazwischen.
Arbeitet man von 8h Bus 20h weiß niemand mehr ob Hinz die komplizierte Hüfte hatte oder ob Kunz das war.
Und da endet die Freude am Beruf - gerade weil du mit Menschen zusammen bist.

Ich habe gern gearbeitet, konnte nich Vollzeit und habe mir oft einfach Zeit genommen.-

Stigmatisiert fühle ich mich heute nicht mehr.

Aber als ich den ersten gemeinsamen "Ausflug" von der geschlossenen Station, der Alkoholentzugsstation dort entzog man Medikamente, gegenüber Heroin,mitmachen musste - da habe ich mich in den Boden geschämt das Suchtzeichen auf der Stirn, aber der Selbstwert war genauso entzogen.

Heute?
Nein Kevin.
Ich weiß genau was weshalb wie ist, ich gebe mir alle Mühe, ich möchte sagen, hey macht uns das mal nach!

Reduzieren mit chronischen Schmerzen?
Ich sehe das als eine enorme Herausforderung an.

Wollen wir mal schauen und zählen, wie viele dran bleiben?
Viele können das nicht, weil sie es nicht können.

Ich kenne jemanden der war derart gebeutelt von Schmerzzuständen, man durchtrennte Nervenbahnen, versuchte Dronabinol/ Cannabis als Medikament, nichts, er verließ die Schmerzklinik nicht mehr.
Und plötzlich - keiner weiß was und wieso, arbeitet er eine Saison, es ist besser!

Ich würde gern mal Mäuschen sein und sehen, ob hier ab und an mal ein Arzt ließt.

Wir machen weiter :sports:

Gute Nacht, Kevin!

Gruß,
Katharina
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von padma » Mittwoch, 14.09.16, 17:23

 ! Nachricht von: padma
hallo Azure,

ich habe dir hier http://www.adfd.org/austausch/viewtopic ... 16&t=12080 einen eigenen thread erstellt

lg padma
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Lisamarie » Donnerstag, 15.09.16, 8:33

Hallo Azure,

Bitte schreib in deinem eigenen Thread weiter .

Der ist hier
viewtopic.php?f=16&t=12080
Grüße Petra
2012 noch 5 Monate Mirtzapin,Pipamperon,Levomepromaxin
Bis auf die Praxiten von heute auf morgen kalt abgesetzt, erste Absetzbeschwerden nach sechs Wochen, aber dann
6 Monate heftigste Absetzproblematik.Magendarm 30 Kilo in vier Monaten abgenommen.Halbes Jahr bettlägerig.Schwer suzidal zum stabilisieren fast ein Jahr gebraucht.
Oxazepam reduzieren von umgerechnet 50 mg Diazepam:
► Text zeigen
Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.
.

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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Kevin05 » Montag, 26.09.16, 14:54

Hallo,

gut, ich hab mir zu Herzen genommen, was man mir gesagt hat, ich soll nicht darüber sprechen was Ärzte oder welche Experten auch immer zu unseren Problemen sagen. Das habe ich durchaus als berechtigte Kritik angenommen.

Also werde ich fortan nur mehr darüber berichten, wie es mir persönlich geht, ohne irgendwelche Expertenprognosen bzw. ausgedehnt durch das, was ich mit eigenen Augen und Ohren sehe bzw. höre.

Meine Gedanken über mich müssen übrigens auch nicht stimmen, weil es sind ja nur meine Gedanken, vielleicht ist es ja ganz anders.

Genauso wie Eure Gedanken über andere auch eure Gedanken sind - heißt ja auch nicht, das der oder die andere, so ist wie ihr denkt.

Es ist auch nicht mein Ziel Hoffnung zu nehmen, aber ob das so funktionieren wird noch mal, wie ich mir das vorstelle und wünsche, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ist ja auch nicht so, dass ich so schwach bin.

Ich hab ja auch lange gedacht, gibt es nicht, muss doch einige oder viele Wege geben, die hilfreich sind, stimmt aber nur bedingt. Für mich persönlich, geht es wirklich drum nicht wieder der "Alte" zu werden, weil wer war denn der Alte? Nein, im Ernst, es geht echt um Schadensbegrenzung, ich erwarte mir keine Wunder mehr, je länger ich dabei bin und Menschen treffe, die auch Betroffene sind desto bescheidener werden meine Ansprüche.

Ich möchte den Niedergang der letzten Jahre aus meiner Sicht einfach wenigstens mal zum Stillstand kommen lassen, weil das kann ich jedem wirklich garantieren, je länger man das Zeug nimmt, es wird nicht besser und je älter man wird auch nicht (gilt für die, die nicht absetzen!!!).

Vielleicht ist es einfacher, wenn man wirklich gute Lebensumstände hat, die habe ich derzeit nicht, wird hoffentlich besser, vielleicht werden dann auch andere Sachen besser, will ich nicht ausschließen.

Es macht mich auch traurig, wenn ich sehe, lese, höre wie es anderen geht und man kann mir viel absprechen oder andichten, aber Mitgefühl hab ich noch, auch wenn ich zwischendurch dachte, ich hätte auch dieses verloren.

Gut, heute hat mich wer gefragt, ob es auch was Positives in meinem Leben gibt und ja siehe da mir fielen zwei Sachen ein. Eine Bekannte hat sich riesig gefreut mich zu sehen letzte Woche, ihre Freude war ehrlich und ich hab mich lange nicht so willkommen gefühlt und jemand aus meiner Arbeit hat mir auch gesagt, dass er mich sehr schätzt.

Ich werde weiterkämpfen, wenn auch mit gedämpften Optimismus und versuchen aktiv mitzubestimmen. Ich hab auch wirklich viel nachgedacht, welche Chancen es sonst noch gäbe, aber ich bin letztendlich zum Schluss gekommen, dass das, was ich so viele Jahre nicht glauben konnte, wohl das Einzige ist, was wirklich eine Chance bietet.

Daher wirklich ein Lob an diejenigen, die sich hier engagieren, weil das ist was wirklich Gutes. Wobei wenn ich mit Betroffenen spreche, so wie Asthon, kennen auch die meisten leider das Forum nicht, selbst die nicht, die kritisch sind, wie das möglich ist? Keine Ahnung. Das ist sehr schade, weil auch bei denen eine gewisse Schadensbegrenzung helfen würde.

Kevin
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Kevin05 » Freitag, 14.10.16, 8:38

Hallo,

da ja sehr wenig Menschen hier im Hochdosisbereich sind frag ich mich zwar über die Sinnhaftigkeit meiner Berichterstattung, aber gut schreiben wir trotzdem.

Man kann ja auch aus schlechten Erfahrungen profitieren und daher schreib ich was mal nicht hilfreich ist, jegliche Form von Experimenten mit anderen Substanzen, auch wenn man es sich schwer vorstellen kann, reden es einem die Ärzte doch dauernd ein, dass das hilfreich wäre.

Ich habe es immer mal wieder mit Trazodon versucht, aber wie gesagt das gleiche Dilemma wie mit vielen anderen Substanzen, viele Nebenwirkung, keine positive Wirkung bzw. dauert es wieder lange bis der Körper sich wieder auf das ursprüngliche Programm stabilisiert.

Wobei ich denke, es ist ziemlich egal mit welcher Substanz man versucht es sich leichter zu machen, es schadet nur, wobei das Ansinnen meiner Versuche immer nicht den Hintergrund hat es mir leichter zu machen sondern weniger Diazepam zu nehmen, aber wie gesagt der Trick hat zwar vor 10 Jahren einmal gut funktioniert - heute leider nicht mehr.

Detto warne ich jeden vor dem Einstreuen auch eines anderen Benzodiazepins, ich habe zwischendurch immer wieder mal Alprazolam genommen, vor allem wenn ich sehr depressiv war oder das Diazepam schlecht wirkte, aber auch das schadet, nicht während der Einnahme, aber wie beim Trazodon (ein AD) - dauert es auch hier wieder Zeit, dass man sich auf die Ursprungssubstanz einpendelt.

Also meine "Botschaft" - keine Experimente, weil die bringen nichts sondern können wirklich sehr schaden und einem das Leben erschweren und ja ich weiß dass ich drüber schon sogar hier geschrieben habe, aber es wird nicht jeder das Ganze durchlesen so gesehen tun Wiederholungen auch das ihre dazu um vielleicht zu helfen.

Die Formel und auch das ist eine zig-fache Wiederholung ist auch oder gerade für Menschen im Hoch- oder Langzeitbereich einfach - Stabilisierung, eine einzige Substanz und langsam runter versuchen zu kommen.

Wie weit man kommt kann ich leider nicht sagen, aber jeder Schritt ist für Menschen wie "mich" oder euch sicher ein Erfolg, jedes mg richtet weniger schaden an und Stabilität ist auch positiv. Wie gesagt an die Null zu denken, macht am Anfang des Weges für Betroffene ganz wenig Sinn, das ist nur Demotivierend, weil einfach die ersten Schritte schon schwer genug sind. Alles Gute und viel Kraft denen, die es versuchen, weil um Erfolg zu haben braucht es das, Kevin
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Lisamarie » Freitag, 14.10.16, 10:44

Hallo Kevin, das ist nunmal Fakt das andere Medikamente nicht den Entzug eines Benzos auffangen können, ich hab das erst gar nicht versucht , was froh nur von einer Substanz abhängig zu sein und ich hab so runter dosiert das es erträglich für mich war, klar ist der Benzoentzug kein Spaziergang, ich kämpfe unter anderem an schweren Schlafstörungen , dann so Sachen wie Tinnitus, Speiseröhrenkrämpfe die besonders fies sind, dazu im Wechsel Übelkeit, Migränehäufigkeit ist angestiegen, Schwindel, Erschöpfung ohne die Erlösung durch Schlaf. Aber ich habe mich damit arrangiert, ich mach einen Benzoentzug, der ist kein Spaziergang und es darf mir auch mal schlecht gehen.

Immerhin hab ich in 2,5 Jahren umgerechnet 37 mg Diazepam abgesetzt, darauf bin ich stolz. Ich bin in dieser Zeit durch drei Todesfälle gegangen , meine Freundin, meine Mama und meine Schwägerin und habe nie aufdosiert , ich bin eisern meinen Weg gegangen und ich denke das es wichtig ist einmal abgesetzt nie wieder aufdosiert und langsam absetzen. Ein Schritt runter, dann stabilisieren, egal wie lange es dauert und dann den nächsten Schritt.

Ich hab immer in 10 er Schritte gedacht, von 50 mg auf 40 mg dann von 40 mg auf 30 mg u.s.w ich hab mir auch nie ausgerechnet wie lange der Entzug dauert, er dauert solange wie mein Körper braucht. Solange es nicht wieder aufwärts geht, sondern kontinuierlich runter ist es ok.
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Azure » Freitag, 14.10.16, 11:00

Lieber Kevin,

ich bin froh, dass du hier schreibst. Im Hochdosis und Langzeitgebrauch sind es hier ja nicht so viele, daher tut es gut zu lesen, wenn du schreibst. Ich bin ja leider noch nicht so weit mit dem Abdosieren, obwohl das jetzt mal an der Zeit wäre. Ich habe ja auch leider aufdosiert und muss sehr sehr aufpassen. Ich hoffe ich komme bald auch dahin wo ihr seid. Wenigstens ein paar mg weniger. Auch dir Petra vielen Dank für deine Gedanken.

Ganz liebe Grüße
Azure
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Diagnosen: PTBS, Depressionen und massive körperliche Missemfindungen.

Viel Erfahrung mit AD's ....Fluoxetin,Sertralin, Venlavaxin usw.

Nach Schwangerschaft brach mein Trauma auf. Gleichzeitig massive Probleme im Privatleben.

2012 schleichend Lorazepam,alle paar Tage 1-2 mg
2013 langsam wurde es zum täglichen Gebrauch ca: 2-3 mg
Ab 2014 täglich 5 mg bis 7,5 mg :frust:
Zwischenzeitlich immer AD's versucht und wieder abgesetzt! Zuletzt Escitalopramtropfen.

stationärer Entzug....ein Albtraum, Horror! Dies war vom 07.09.-16.09.16

Entzugsklinik nach etwa 9 Tagen verlassen.
Versuche noch die Dosis wieder einzupendeln. Sehr schwierig, da bei mir alles durcheinander geraten ist.
Herzrasen, Angstzustände, Magenprobleme, Unruhe Depri und massive Abgeschlagenheit. Fühle mich wie Blei. :zombie:
Neue Herausforderungen warten!

Nov.2016: stationärer Entzug von 7,5mg Lorazepam. Runterdosiert bis 2 mg in 5 Wochen. Dann ging nichts mehr. Hochdosiert auf 2,5 mg. Zusätzlich 15 mg Cipralex und 100 mg Quetiapin.

Jan. 2017: Umstellung auf 30 Tropfen Clonazepam, entspricht etwa 3 mg Lorazepam.
Nach knapp 2 Wochen massive Angstzustände, Depression mit SM-Gedanken und Unruhe sowieso.

Nach ärztlicher Meinung: Nebenwirkung von Clonazepam.
Unverträglichkeit bei Oxazepam, Diazepam und nun leider auch Clonazepam.

Lorazepam 3 mg wieder eindosiert und die Zustände sind weg. Trotzdem niedergeschlagen und massiv antriebslos. Bekomme jetzt Fluoxetin 10 mg und weiterhin Quetiapin 100 mg zur Nacht.

Würde am liebsten alle Medikamente in die Tonne werfen.Fühle mich wie ein Zombie :cry:

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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Finchen015 » Mittwoch, 19.10.16, 16:21

Hi Ihr,

ich melde mich mal aus der Versenkung und wollte Euch ganz viel Mut zusprechen. Auch im Hochdosisbereich gibt's erfolgreiche Beispiele.
Ich hab meine 6 mg Alprazolam (irgendwas um 120 mg Dia umgerechnet - keine Ahnung, ob die Umrechnung noch stimmt) nach fast 10jähriger Einnahmedauer abgesetzt. Stück für Stück. Viertelchen um Viertelchen - und es geht mir gut.

Ob's Spätfolgen gibt, oder ob da noch der Bumerang kommt? Ich weiß es nicht - und, um ehrlich zu sein: ich will es nicht wissen.

Ich drücke Euch fest die Daumen, dass Ihr Euren Weg beständig und nach Eurem eigenen Tempo weitergeht. Jeder und jedem, der hier den Anfang macht und loslegt gebührt meine tiefste Hochachtung!

Alles Liebe für Euch - haltet durch!

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MurmelineAnnanasLisamariepadmaLinLinaKatharinaOliverAzureBerlin-2013
Diagnose: Panikstörung und Angstattacken
Nach fast 10jähriger Einnahmedauer erfolgreich abgesetzt:
- 45 mg Mirtazapin (letzte Einnahme 07/15)
- 200 mg Trimipramin (letzte Einnahme 12/15)
- 6 mg Alprazolam - ohne Substitution auf Diazepam (letzte Einnahme 05/16)
- 75 mg Lyrica (letzte Einnahme 06/16)
weitere Erfahrungen mit Sertralin, Opipramol und Tianeurax (auf diese Medikamente hab ich unverträglich reagiert, bzw. sie waren wirkungslos)
Zustand heute: Prima. Keine Nachwirkungen bisher.

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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Kevin05 » Donnerstag, 27.10.16, 14:49

Hallo,

schön, dass es auch positive Berichte in diesem Beitrag gibt, gratuliere zu deinem Erfolg, alles Gute weiterhin, Kevin
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Beitrag von Kevin05 » Donnerstag, 24.11.16, 15:30

Hallo,

ich werde kurz schreiben. Ich habe zwei Menschen kennengelernt, die beide schwere Erkrankungen hatten und diese wie ein Wunder überlebt haben und seit einigen Jahren wieder halbwegs im Leben stehen, zwar gezeichnet aber es ist okay laut ihren Aussagen.

Was beide verbindet ist, dass sie einige Jahre höhere Dosen von Benzodiazepinen und anderen Psychopharmaka bekamen. Beide leben heute ohne Psychopharmaka, beide haben kalt entzogen, wobei ich das nicht als Grund für den Erfolg sehe sondern ich schreibe es nur der Vollständigkeit.

Meine Theorie bzw. das was man mir auch gesagt hat, war, dass durch Konfrontation mit der Endlichkeit des Lebens bzw. dass sie ja auch Angst hatten zu sterben die Motivation aufgebracht haben das beinhart durchzuziehen. Einer davon hat 2 Monate keinen oder kaum Schlaf gehabt und er meinte das war sehr schwer, die andere Person hat gemeint, sie hätte gar keine Probleme gehabt.

Ich hab auch gestern mit einem Arzt gesprochen, der auch die Vermutung geäußert hat, dass zumindest es Menschen gibt, die es geschafft haben, aber eben nicht drüber reden oder schreiben, wobei er meinte eher vermehrt welche, die es nicht so lange genommen haben.

Gut, wie gesagt, ich hab gesagt kurz, daher will ich stoppen, aus meiner Sicht ein positiver Bericht, Kaltentzug natürlich nicht nachmachen, Botschaft ist ja nur es geht, aber das wissen wir ja alle, dass es geht, nur dass es halt sehr schwer ist, alles Gute euch allen, Kevin
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Kevin05 » Freitag, 06.01.17, 19:04

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Kevin05
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Kevin05 » Samstag, 11.03.17, 18:54

Hallo Ihr Lieben,

Zeit mal wieder was hier zu schreiben, okay, die Betroffenen werden geteilter Ansicht sein, aber egal.

Was gibt es denn noch zu schreiben? Wohl immer etwas Neues so lange man lebt und mit offenen Augen durchs Leben geht denk ich. Also gerade dieser Beitrag hoffe ich wird noch lange Nahrung bekommen von mir, würde auch heißen, ich bekomme noch Lebenszeit und welcher lebendiger Organismus will denn nicht leben bzw. sein Leben verbessern? Also na ja normalerweise halt, mag auch hier Ausnahmen geben leider.

Es treibt mich eigentlich keine Euphorie an zu schreiben, weil es eben so ist wie es und wenn ich diesen sehr unklugen und nicht sehr aussagekräftigen Satz schreibe, kann sich jede/r seinen Reim machen.

Über was ich noch nicht geschrieben habe - glaube ich - sind meine doch sehr schlechten Erfahrungen in Bezug auf alles was ich an alternativen Mitteln versucht habe, hab mir jetzt von Kytta "Beruhigungsdragees" von Eurem Land bestellt, die sind eigentlich gut bewertet von den Erfahrungen der Menschen, bei mir leider absolut wirkungslos, schade um das Geld.

Ich will auch nicht zweifeln, dass diese Sachen hilfreich sein könnten, aber wie gesagt, ich schreibe hier in einem Hochdosisbetroffenenbeitrag, da wirkt wohl gar nichts mehr außer Chemie und die ist leider auch nicht hilfreich, also sind wir wieder beim Thema, es gibt nichts. Also ich habe nichts hilfreiches gefunden bis dato.

Da ja auch vielleicht 1,5 Buddhisten im Forum sind bzw. für all jene die meinen Link über eine Vortrag nicht gesehen haben, wovon ich ausgehe, dass sich das die wenigstens angetan haben, so sind da doch einige gute Grundbotschaften zu finden, und nein, die sind natürlich nicht von mir sondern von einem gewissen Buddha.

Zwei Sachen sind mir als sehr wichtig in Erinnerung bleibend geblieben, nämlich die Achtsamkeit und das es nur eine Zeit gibt bzw. ein Leben und das findet für mich genau JETZT statt für euch, wenn ihr das lest.

Die Psychologie in den letzten Jahren hat sich mit diesen beiden Themen sehr beschäftigt und irgendwie fand ich es wie geklaut, als ob die das erfunden hätten, nein, dass war schon vor 2.500 Jahren und die Elemente meines Glaubens finden sich in diversen Therapien heute wieder und vielen Büchern, die mit Buddhismus rein gar nichts zu tun haben.

Aber zu den zwei Themen, weil sie wichtig sind: Das Leben findet wirklich nur genau JETZT statt, die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft ist nicht da, daher sollte man seinen Fokus sehr darauf richten im jetzigen Augenblick so gut wie möglich zu leben, zugegeben schwer, aber auch richtig, weil ich brauche keine Pläne machen für eine Zukunft, die es gar nicht gibt oder ich nicht weiß, ob ich sie erreiche. Kurioserweise habe ich das auch vorher schon weitgehend so gelebt ohne es zu wissen, dass das jemand wesentlich schlauerer als ich schon gesagt hat.

Im Ernst, ich denke nicht an morgen oder was in Monaten sein wird mehr, was ich jetzt tue ist wichtig und hier kann man auch die Weichen stellen, wie und ob es irgendwie weitergeht. Das ist auch keine Ausrede nichts weiter tun zu wollen oder keine Ziele zu haben, ich habe Ziele, aber die sind ganz kurzfristig, heute würde ich mir wünschen den Tag zu überstehen ohne Schmerzmittel, dass ich das schaffe, das wäre Erfolg und nochmals raus mit meinem Hund, auch das ist ein Ziel.

Achtsamkeit - ganz wichtiges Thema, darüber hab ich oft geschrieben - wir sind ja fast nie bei uns und um wieder zu uns zu kommen ist Achtsamkeit sehr wichtig, weil wenn ich mir bewusst bin, was genau ich tue, dann bin ich bei mir. Achtsamkeit kann man bei allem üben, beim Gehen, beim Autofahren, beim Kochen, einfach überall. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es so wichtig, dann und wann anzuhalten und sagen Stopp, einmal tief einatmen und man sich wieder eingefangen, ich spreche hier von Zeiten, wenn man "draußen" ist, da ist es schwer. Für mich ist die Achtsamkeit ein Teil auch der Meditation, man braucht sich nicht hinzusetzen sondern einfach nur bei dem sein, was man gerade tut.

Lösungen für eine schnelle Heilung oder ein Konzept in dem Sinn kann ich nicht anbieten leider, heute weniger denn je, aber ich denke sich diesen Dingen bewusst zu sein, hilft ein besseres Leben zu führen und vielleicht ergeben sich daraus neue Perspektiven, gut, hoffe irgendwer fängt irgendwann was mit den Texten an und wenn nicht auch egal, ich schreib sie einfach, es ist ja kein Ziel dahinter, maximal ein Angebot, Kevin
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Kevin05 » Montag, 13.03.17, 11:13

Hallo,

nun, ich habe ja zwar einiges gehört über die GABA-Rezeptoren im Gehirn, allerdings das Thema nur oberflächlich betrachtet, was natürlich ziemlich naiv ist, weil das ist ja keine Theorie sondern auch wenn es mir schwer fällt scheinbar Wissen.

Was ich übrigens am eigenen Körper ja gut feststellen kann, also lässt sich alles gut nachvollziehen. Soweit ich verstanden habe docken also die Benzodiazepine an diese GABA-Rezeptoren an und belegen sie, man verzeihe mir, dass ich hier Dinge schreibe, die vermutlich jeder weiß, der Ashton gelesen hat, wobei das behauptet ja nicht nur sie.

Vielleicht hätte ich mir den Beitrag auch erspart und wäre über die Suchfunktion schlau geworden - vom Forum mein ich, da gibt es ja zahlreiche Treffer.

Die Frage, die sich mir stellt ist, ob die GABA-Rezeptoren je wieder "frei" werden können und wenn ja wann? Weil das scheint ja der Schlüssel für Ruhe und Schlaf zu sein. Das Blut ist nach einigen Wochen "sauber" - was nichts heißt wie wir wissen, Fettgewebe und Co. haben Einlagerungen und können weiter absondern, was sie auch tun scheinbar, Frage ist wie viel und wie lange?

Aber worauf ich eigentlich hinaus will ist die Frage nach den Knochen? Also ich leide unter Knochenschmerzen, Sigli glaub ich und andere auch, die ich kenne, wobei letztgenanntere sehr tief mit der Dosierung ist schon und jetzt stellen sich Knochenschmerzen ein oder auch früher keine Ahnung.

Ich meine GABA zu verstehen ist eigentlich schon dahingehend schwer, weil es viel erklärt, nämlich, dass man sich die Dinge wohl nicht einbildet und dass man mit Willen da auch sich schwertut.

Meine Frage wäre, wann ist davon auszugehen, wenn man medikamentenfrei ist, dass sich die GABA-Rezeptoren "erholen" - bzw. erholen sie sich überhaupt? Warum haben Betroffene die Mirtazapin und Co. nahmen auch nach langem Absetzen noch immer massive Symptome? Docken auch diese Substanzen an GABA an?

Man möge mir bitte meine Laienhafte Fragestellung nach so langer Zeit als Betroffener verzeihen, aber hab mich damit nicht sehr intensiv beschäftigt, wobei wie gesagt, ich denke, die Knochen scheinen eine große Rolle zu spielen, da sie sich die Benzodiazepine daraus ganz schwer oder langsam lösen, das würde zumindest einiges erklären, LG Kevin
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von Katharina » Montag, 13.03.17, 12:30

Lieber Kevin!

Ganz kurz, nach meinem damaligen stationären Entzug hatte ich sehr lange ein Gefühl des
" Reissens" in den Gelenken, Handgelenken das war unangenehm, man sagte mir es sei typisch für Entzugigkeit.

Einen schönen Tag,
Katharina
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Re: Gedanken, Erfahrungen, Absetzen aus dem Hochdosisbereich

Beitrag von sigli » Dienstag, 14.03.17, 15:58

Hallo zusammen,

REISSEN ist genau der richtige Ausdruck. Und zwar vorwiegend in den Muskeln, aber auch in den Kniegelenken und Oberarmgelenken. Das Schlimme ist, dass es nie aufhört, nicht mal wenn man schläft. Eine Tortur der besonderen Art.

lg von Sigli
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