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FAQ Benzodiazepine absetzen

Benzodiazepine können schon nach wenigen Wochen abhängig machen. Der Entzug dieser Medikamente sollte dann langsam und vorsichtig stattfinden.
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FAQ Benzodiazepine absetzen

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 14:33

Warnhinweis

Benzodiazepine und Z-Drugs sollten nach längerer Einnahme (meist mehr als 3-4 Wochen, eine Abhängigkeit kann aber manchmal schon nach 1-2 Wochen täglicher Einnahme entstehen) möglichst niemals abrupt oder sehr schnell abgesetzt werden (Ausnahme: Lebensbedrohliche Nebenwirkungen). Ein solcher Kaltentzug kann zu sehr schweren und lang anhaltenden Symptomen führen bis hin zu Krampfanfällen bei höheren Dosierungen und zu Suizidalität.


Benzodiazepine und Abhängigkeit

Wie lange dürfen Benzodiazepine eingenommen werden?
Bin ich abhängig? Woran merke ich das?
Was ist eine Toleranzentwicklung?


Kalter/Schneller Entzug?

In meinem Beipackzettel steht, dass abruptes Absetzen Entzugssymtome zur Folge hat, die in 2-3 Wochen abklingen?
Darf ich Benzodiazepine kalt entziehen? Was ist das problematische an einem Kaltentzug?
Ist ein ambulanter Entzug dem stationären vorzuziehen?


Absetzen von Benzodiazepinen

Setzt man zuerst das Benzodiazepin oder das Antidepressivum ab?
Wie setzt man ein Benzodiazepin ab?
Nach welcher Zeit der Einnahme sollte man auf Diazepam umstellen und warum?
Gibt es Menschen, die Diazepam nicht vertragen?
Wie rechnet man auf Diazepam um?
Gibt es Absetzbeispiele?
Kann ich bei einer hohen Anfangsdosis größere Reduktionsschritte machen?
Wie kann man ein Benzodiazepin absetzen wenn man es unregelmäßig, vielleicht 2 - 3 x pro Woche, einnimmt?


Umgang mit dem Entzug

Welche Entzugssymptome gibt es?
Wie lange dauert es, bis sich Entzugssymptome bemerkbar machen?
Wie lange halten Entzugssymptome an?
Was kann man zur Unterstützung des Entzugs tun?
Kann ich mich auf den Entzug vorbereiten?
Ich habe seit dem Absetzen starke Entzugssymptome. Soll ich wieder eindosieren?
Mir geht es schon vor Entzugsbeginn sehr schlecht. Was kann ich tun?
Bin ich am Tag Null Benzo- und Symptomfrei?


Fragen zur Benzodiazepin-Einnahme

Grundsätzlich, heilen Benzodiazepine eine Krankheit?
Ich habe keine Lust mehr auf Sex, fühle mich innerlich wie betäubt. Ist das normal?
Kann man unter Benzodiazepinen Autofahren?
Darf man Alkohol trinken wenn man regelmäßig Benzodiazepine einnimmt?
Können Benzodiazepine dem ungeborenen Leben schaden (Schwangerschaft)?


Weitere Informationen

Wie wirken Benzodiazepine?
Was bedeutet Halbwertzeit?
Was sind sogenannte Z-Drugs?
Welche Benzodiazepine gibt es?


Viele Texte und Hilfen zum Entzug findest du auch unter Erste Hilfe - Benzodiazepine absetzen

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Wie lange dürfen Benzodiazepine eingenommen werden?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 18:11

Benzodiazepine sind Notfallmedikamente, keine Dauerlösung. Es wird empfohlen, grundsätzlich 4 Wochen nicht zu überschreiten. Benzodiazepine mit kurzer Halbwertszeit und stark angstlösender Wirkung wie Lorazepam und Alprazolam können in manchen Fällen sogar schon nach 1-2 Wochen täglicher Einnahme zu einer Abhängigkeit führen. Das Medikament muss dann ausgeschlichen werden und darf auf keinen Fall abrupt abgesetzt werden. Faustregel: Die Einnahme so kurz wie möglich halten. Auch wenn ein Benzo vermeintliche Linderung bringt, es ist ein Notfallmedikament und nichts anderes.

Auch als Bedarfsmedikament muss man Benzodiazepine sehr vorsichtig einsetzen, die Einnahme sollte nicht häufiger als etwa 3 mal im Monat erfolgen. Auch unregelmäßige Einnahme kann früher oder später zu einer starken körperlichen Abhängigkeit führen, zudem besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit (Sucht) wenn man zu häufig schnell wirksame Medikamente zur Symptomunterdrückung einsetzt.

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Bin ich abhängig? Woran merke ich das?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 18:16

Eine Abhängigkeit kann bei Benzodiazepinen nicht selten schon bei recht kurzer, regelmäßiger Einnahme eintreten.

Bei längerer Benzodiazepineinnahme, gerade im niedrigeren Dosisbereich, liegt häufig eine rein körperliche Abhängigkeit (=Gewöhnung) vor, bei der das Absetzen zu Entzugssymptomen führt, man aber keinen Kontrollverlust über die Einnahme erfährt und nicht das zwingende Bedürfnis verspürt die Dosis zu erhöhen.

Es kann als Komplikation jedoch auch eine starke psychische Abhängigkeit (Sucht) hinzu kommen, in Folge dessen man große Schwierigkeiten haben kann, eine gleichbleibende Dosis einzunehmen und kontrolliert langsam runter zu dosieren. In diesem Fall ist dringend notwendig, sich Hilfe bei einer Suchtberatung und/oder Selbsthilfegruppen zu suchen. Ein ambulantes, schrittweises Absetzen ist bei ausgeprägtem Suchtverhalten oft sehr erschwert.

Mehr Informationen: Was passiert bei der Psychopharmaka-Einnahme und im Entzug? Die offizielle Definition und eine Erläuterung findet sich unter Antidepressiva und Abhängigkeit.

Manchmal können Entzugssymptome sich zunächst auch als Verstärkung des ursprünglichen Problems, also als Rebound (z.b. Schlaflosigkeit, Schmerzen, Angst) äußern. Das verleitet viele Betroffene dazu, die Einnahme fortzuführen oder sogar die Dosis zu erhöhen.

Wenn also bei einer Dosisreduktion bzw. beim Absetzen die ursprünglichen Probleme stärker auftreten als vor der Einnahme, deutet das also auf Entzugssymptome und eine körperliche Gewöhnung hin. Nach kurzer Einnahme und nur leichten Symptomen ist es oft noch möglich, das Medikament recht zügig weg zu lassen und ein paar schwierigere Tage in Kauf zu nehmen, um einer schweren Abhängigkeit zu entgehen. Bei mehrwöchiger Einnahme und stärkeren Symptomen muss aber unbedingt langsam ausgeschlichen werden. Wie setze ich ein Benzodiazepin ab?

Wenn du bereits abgesetzt hast und starke Symptome hast, dann lies bitte auch hier: Soll ich wieder eindosieren?

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Was ist eine Toleranzentwicklung?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 18:18

Toleranzentwicklung bedeutet, dass der Körper sich an eine Substanz gewöhnt und die Wirkung dadurch über einen gewissen Zeitrahmen abnimmt. Darum erhöhen viele Benzodiazepinabhängige die Dosis, um den gewohnten Effekt zu erzielen.

Benzodiazepine mit kurzer Halbwertszeit (z.B. Lorazepam, Alprazolam) führen schneller zu einer Dosiserhöhung, weil der Blutspiegel immer wieder absinkt und der Patient das Gefühl bekommt, eine weitere Tablette zu benötigen.

Durch Toleranzentwicklung und schwankenden Blutspiegel kann es auch trotz Einnahme einer täglich konstanten Dosis zu Entzugserscheinungen kommen.

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In meinem Beipackzettel steht, dass abruptes Absetzen Entzugssymtome zur Folge hat, die in 2-3 Wochen abklingen?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 18:21

Diese Angabe ist extrem verharmlosend. Ein Benzodiazepin sollte nach längerer Einnahme auf keinen Fall (außer bei lebensbedrohlichen Nebenwirkungen) abrupt abgesetzt werden. Das Medikament muss ausgeschlichen werden.

Bei kurzer Einnahmedauer ist das Absetzen meist einfacher als bei jahrelangem Gebrauch. Die Idee, das Medikament einfach von Heute auf Morgen abzusetzen, 2-3 Wochen Entzugssymptome auszuhalten und alles ist wieder gut funktioniert aber in der Realität nicht.
Es kann zu sehr schweren und langandauernden Symptomen kommen und sogar zu einem chronifizierten Entzugssyndrom, das bis zu mehrere Jahre anhalten kann.

Zudem ist es viel zu gefährlich, es kann zu Krampfanfällen, Entzugsdelir und Suizidalität kommen. Bei kurzer Einnahmedauer von beispielsweise Lorazepam kann mit dem ursprünglichen Medikament ausgeschlichen werden. Bei langer Einnahmedauer empfiehlt sich die Umstellung auf Diazepam und das Absetzen nach Ashton: Hilfen zum Absetzen von Benzodiazepinen

Siehe auch die nächste Frage: Darf ich Benzodiazepine kalt entziehen?
Zuletzt geändert von LinLina am Sonntag, 12.03.17, 14:35, insgesamt 2-mal geändert.

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Darf ich Benzodiazepine kalt entziehen? Was ist das problematische an einem Kaltentzug?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 18:28

Benzodiazepine sollten nach längerer Einnahme niemals kalt abgesetzt werden, es besteht vor allem im höheren Dosisbereich die Gefahr von Krampfanfällen und Entzugsdelir. Entzugssymptome sind nach dem kalt absetzen schwerwiegender, und halten oft länger an bis hin zur Gefahr eines protrahierten Entzugssyndroms (mit Symptomen, die Jahre und Monate nach dem Absetzen andauern können).

Zudem werden viele nach dem kalten oder zu schnellem Absetzen rückfällig, da die Symptome zu stark wurden oder man nicht nach und nach lernen konnte, mit Schwierigkeiten ohne das Medikament zurecht zu kommen.
Kalter Entzug bedeutet, von heute auf morgen einfach nichts mehr einzunehmen, oder auch, dass innerhalb weniger Tage bis Wochen unter meist stationären Bedingungen die Benzodiazepindosis streng herunterdosiert wird, bis man auf Null ist.

Diese Methode ist aus folgenden Gründen für sehr viele Menschen, eigentlich alle, ungeeignet:

  • Die Benzos werden so schnell entzogen, dass man in einen heftigen Entzug gerät, sprich Körper und Psyche verrückt spielen. Die Menschen haben nicht selten das Gefühl verrückt zu werden oder durchleiden körperliche Qualen.
  • Um den Entzug abzumildern, verordnen viele Klinikärzte zusätzlich Antidepressiva und / oder Neuroleptika. Das heißt, man "tauscht" Benzos gegen diese Stoffe ein und der Patient hat anschließend das Problem, zwar vielleicht von einem Benzodiazepin weggekommen zu sein, danach jedoch drei neue Medikamente "an der Backe" zu haben.
  • Kalte Entzüge können, vor allem bei langjähriger Einnahme und / oder Einnahme im Hochdosisbereich, zu epileptischen Anfällen führen, weil dem Körper zu rasch das Benzodiazepin entzogen wird. Dieser Effekt kann entstehen, weil Benzodiazepine von sich aus antikonvulsiv (krampflösend) wirken und die Krampfschwelle heraufsetzen. Werden sie zu rasch abdosiert, werden die Nervenzellen unter Umständen so stark erregt, dass sie unkontrolliert Aktionspotentiale abfeuern; ein Anfall entsteht.
    Um diese gefürchtete Nebenwirkung zu unterdrücken, bekommen Patienten im Kalten Entzug nicht selten prophylaktisch Antikonvulsiva verordnet (z.B. Carbamazepin), welche wiederum selbst einen hoch potenten Einfluss auf das Gehirn haben.
  • Viele Patienten sind nach dem Entzug allein gelassen. Kleinste Probleme können dazu führen, dass man sich derart überfordert fühlt, dass man erneut zu seinen Tabletten greift, die man gerade erst mühsam entzogen hat. Das führt zu Grund Nummer 5:
  • Die Rückfallquote bei kaltem Entzug ist gigantisch. Vermutlich ähnlich hoch wie bei einem kalten Entzug bei Rauchern (ca 80%).
Zuletzt geändert von LinLina am Sonntag, 12.03.17, 14:39, insgesamt 2-mal geändert.

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Ist ein ambulanter Entzug dem stationären vorzuziehen?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 18:31

Ja, da bei einem stationären Entzug oft zu schnell abgesetzt wird. Dadurch kommt es häufig zu Rückfällen, außerdem werden meist andere Psychopharmaka zur Entzugsdeckelung gegeben, die Nebenwirkungen und Absetzproblematiken mit sich bringen können.
Viele verlassen die Klinik zwar Benzofrei, werden jedoch zu Hause rückfällig weil die Entzugssymptome mit Verzögerung verstärkt auftreten können.

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Setzt man zuerst das Benzodiazepin oder das Antidepressivum ab?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 18:42

In der Regel zuerst das Benzodiazepin und dann das Antidepressivum. Es gibt aber Ausnahmen, wenn z. B. ein Benzo gegeben wurde wegen der Nebenwirkung des Antidepressivums (Unruhe, Angstverschlimmerung, Agitiertheit). Dann wird zuerst das Antidepressivum abgesetzt oder zumindest so weit reduziert, dass die Nebenwirkungen nicht mehr stark spürbar sind.

Wenn man bereits grundsätzlich große Probleme mit Schlafstörungen und innerer Unruhe hat, kann es manchmal ebenfalls besser sein zunächst das Antidepressivum zu reduzieren, insbesondere wenn es sich um ein SSRI/SNRI und/oder hohe Dosierungen handelt.
Weitere Kriterien können z.B. die Einnahmedauer und Unverträglichkeiten sein. Wenn man das Benzodiazepin schon sehr lange einnimmt, das Antidepressivum aber erst seit kurzem, ist es z.b. oft besser, zunächst das Antidepressivum abzusetzen um eine Gewöhnung an eine weitere Substanz zu vermeiden.

Letztlich ist die Entscheidung individuell. Mit Benzodiazepin-Einnahme wird häufig auch eine stärkere Stigmatisierung verbunden ("Medikamentensucht") und von ärztlicher Seite mehr Druck ausgeübt, das Medikament loszuwerden. In diesem Fall kann es ebenfalls vorteilhaft sein, zunächst das Benzodiazepin langsam abzusetzen und erst danach die anderen Medikamente, für die man in der Regel problemlos Langzeitverschreibungen erhält.

Die wichtigsten Informationen zum Absetzen von Antidepressiva findest du hier.

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Wie setzt man ein Benzodiazepin ab?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 18:49

Wir empfehlen ein langsames Ausschleichen von nicht mehr als 10% alle 2-4 Wochen. Dafür muss man sich bei unregelmäßiger Einnahme oder schwankender Dosishöhe zunächst auf einer festen Tagesdosis einige Wochen stabilisieren.

Oft empfiehlt sich eine schrittweise Umstellung auf Diazepam oder ein anderes Benzodiazepin mit langer Halbwertszeit, insbesondere bei Langzeiteinnahme kurzwirksamer Benzodiazepine, um den Blutspiegel konstant zu halten und damit Entzugssymptome abzumildern.

Für die Herstellung kleiner Dosierungen empfehlen wir die Wasserlösemethode (Achtung, meist nicht für Diazepam geeignet), die Verwendung einer Feinwaage, oder die Individualrezeptur.

Diazepam gibt es in Tropfenform (0,5 mg bzw. 0,33 mg pro Tropfen).

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Nach welcher Zeit der Einnahme sollte man auf Diazepam umstellen und warum?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 18:51

Ab welcher Einnahmedauer eine Umstellung Sinn macht ist individuell unterschiedlich. Am besten ist es, man versucht zunächst vorsichtig in ganz kleinen Schritten das ursprüngliche Benzodiazepin zu reduzieren. Werden die Entzugsymptome trotz kleiner Schritte zu stark, ist die Umstellung auf Diazepam eine Möglichkeit. Bei Langzeiteinnahme (mehrere Jahre) ist besonders bei kurz wirksamen Benzodiazepinen die Umstellung oft ein notwendiger Schritt.

Diazepam hat eine sehr lange Halbwertszeit, dadurch bleibt der Blutspiegel über den Tag sehr stabil. Dies vermeidet sogenannte "Minientzüge" die bei Benzos mit kürzerer Halbwertszeit auftreten können.

Außerdem fällt der Blutspiegel bei Dosisveränderungen von Diazepam nur langsam, auch das kann helfen die Entzugssymptome etwas abzumildern.

Zu beachten ist allerdings, dass durch die lange Halbwertszeit die Symptome stark verzögert eintreten können. Es kann individuell 2-3 Wochen dauern, bis sich die Auswirkungen des letzten Reduktionsschritts zeigen. Deswegen ist es insbesondere bei Diazepam wichtig, ausreichende Zeitabstände zwischen den Reduktionen einzuhalten.

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Gibt es Menschen, die Diazepam nicht vertragen?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 18:53

Meist funktioniert die Umstellung auf Diazepam ohne größere Probleme, aber leider nicht immer. Eine Komplikation könnte eine paradoxe Wirkung sein.
Schwindel und Übelkeit ist eine häufige Nebenwirkung aber auch ein Absetzsymptom. Langsames, schrittweises Umstellen hilft meist, sich besser umzugewöhnen. Möglicherweise braucht es etwas weniger oder auch etwas mehr Diazepam als die in den Tabellen angegebene Äquivalenzdosis, das muss man vorsichtig austesten.

Zudem ist Diazepam stärker Muskelentspannend und dafür weniger Angstlösend als viele andere Benzodiazepine, daher muss mit einer Umgewöhnungszeit gerechnet werden.
Außerdem kann Diazepam in manchen Fällen Depressionen auslösen oder verstärken. Bei einer Histaminintoleranz (HIT) ist Diazepam meist nicht geeignet.

Wird auch nach längerem Halten der Dosis die Verträglichkeit nicht besser, muss doch versucht werden das Ursprungsbenzo langsam abzusetzen. Wenn das nicht gut funktioniert, gibt es noch die Möglichkeit einer Umstellung auf Clonazepam, Clorazepat oder auch Oxazepam. Es muss jedoch gut abgewogen werden ob dies notwendig ist, jede Umstellung bedeutet eine zusätzliche Belastung.

Letzten Endes läuft alles auf ein individuelles Austesten heraus.
Zuletzt geändert von Jamie am Samstag, 11.03.17, 23:43, insgesamt 2-mal geändert.

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Wie rechnet man auf Diazepam um?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 19:00

Als Anhaltspunkt gibt es Umrechnungstabellen, die genaue Äquivalenzdosis ist individuell etwas unterschiedlich, das muss man für sich selbst durch geduldiges, schrittweises Umstellen herausfinden.

Ein Sonderfall ist Alprazolam, hier variieren die Angaben verschiedener Quellen sehr stark. Manche schlagen vor, dass 1mg Alprazolam etwa 10mg Diazepam entsprechen, andere schätzen die Potenz noch deutlich höher ein und schlagen vor 1mg Alprazolam mit 20mg Diazepam zu substituieren.

Das ADFD schlägt den Mittelweg vor: 1mg Alprazolam entspricht in etwa 15mg Diazepam.
Man sollte sich bei Alprazolam unbedingt durch individuelles Austesten an die passende Äquivalenzdosis herantasten.
Zuletzt geändert von LinLina am Sonntag, 12.03.17, 14:45, insgesamt 4-mal geändert.
Grund: Änderung übernommen

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Gibt es Absetzbeispiele?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 19:01

Hier gibt es eine Liste mit beispielhaften Absetzschemata.

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Kann ich bei einer hohen Anfangsdosis größere Reduktionsschritte machen?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 19:06

Auch hier gibt es keinen festen Richtwert, es hängt vom individuellen Empfinden ab. Wenn man noch nicht sehr lange sehr hohe Dosierungen einnimmt (über 50 mg Diazepam-Äquivalenzdosis) können größere Schritte gelingen, da sowieso alle Rezeptoren belegt sind. Es ist allerdings wichtig, nicht gleich am Anfang zu viel zu reduzieren, da verzögerte Entzugserscheinungen auftreten können und den weiteren Entzug stark erschweren können. Am besten ist es, du fängst klein an und hörst auf deinen Körper.

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Wie kann man ein Benzodiazepin absetzen wenn man es unregelmäßig einnimmt?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 19:10

Wenn bereits eine körperliche Gewöhnung vorliegt, ist es wichtig sich zunächst auf einer täglich gleichmäßigen Dosis zu stabilisieren. Für einen Richtwert kann man die Gesamtdosis pro Woche durch 7 teilen, es ist aber individuell unterschiedlich wieviel man täglich benötigt. Nach der Stabilisierung auf täglich gleicher Dosis kann man schrittweise alle 2-4 Wochen etwa 10 % reduzieren.

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Welche Entzugssymptome gibt es?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 19:13

Zu den häufigsten Entzugssymptomen zählen u. a. vermehrtes Schwitzen, Frieren, Schlaflosigkeit, Angstzustände, Unruhe, Alpträume, Tremor, Übelkeit und Erbrechen, Schwindelgefühle, Tachykardien, Muskelverspannungen, Muskelzittern, Bauchkrämpfe, Affekt- und Antriebsstörungen, Depersonalisations- und Derealisationsphänomene, Reizüberempfindlichkeit.
Bei einem Kaltentzug von höheren Dosierungen kann es sogar zu Entzugspsychosen, gefährlichen Krampfanfällen und einem Entzugsdelir kommen. Eine ausführliche Liste von möglichen Entzugssymptomen findet sich hier.
Zuletzt geändert von Jamie am Samstag, 11.03.17, 23:49, insgesamt 1-mal geändert.

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Wie lange dauert es, bis sich Entzugssymptome bemerkbar machen?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 19:15

Es hängt in erster Linie vom Medikament ab, aber auch von individuellen Faktoren, wann sich etwas zeigt - wenn überhaupt. Bei langsamem Ausschleichen kann es gut sein, dass sich keine oder nur minimale Symptome zeigen. Man muss die Halbwertszeit bedenken, je kürzer sie ist, desto schneller geht es mit Absetzsymptomen. Manche spüren es am ersten Tag, bei anderen dauert es 2-3 Wochen. Häufig fangen die Entzugssymptome nach 3-4 Tagen an. Warte bitte nicht auf Symptome und steigere dich nicht hinein, dass es dir hundeelend gehen wird. Deine Erwartungen und deine Angst spielen eine sehr große Rolle im Entzug.

Zitat aus dem Ashton Manual: "Wie auch immer Ihre Symptome geartet sein mögen, es ist am besten, sich damit nicht aufzuhalten. In diesem Falle sind Symptome eben nur Symptome des Entzuges, und es handelt sich nicht um Zeichen einer Erkrankung, sondern um solche der Erholung. Darüber hinaus werden Sie, in dem Maße, wie sich ihre Gedanken und Gefühlswelt bessert, mehr und mehr in der Lage sein, mit den noch verbliebenen Entzugssymptomen erfolgreich umzugehen, so dass sie an Bedeutung verlieren."

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Wie lange halten Entzugsbeschwerden an?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 19:17

Jeder Mensch reagiert anders und es kommt darauf an, wie abgesetzt wurde. Schnelles Absetzen ist grundsätzlich nicht gut, außer nach sehr kurzer Einnahme und wenn man noch nicht körperlich sehr stark an die Substanz gewöhnt ist. Meist halten die akuten Symptome nach einem Reduktionsschritt einige Tage bis Wochen an. Nach dem vollständigen Absetzen kann es Wochen, Monate oder besonders nach Langzeiteinnahme in manchen Fällen einige Jahre dauern, in denen die Symptome sich zumeist immer weiter besser und verschwinden.

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Was kann man zur Unterstützung des Entzugs tun?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 19:20

Allgemein: leichte ausgewogene Kost, um den Kreislauf zu entlasten, viel trinken (Wasser, Kräutertees), leichte Bewegung wie schwimmen, walken, Radfahren, joggen (aber nur dann wenn es möglich ist), Entspannung wie autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Fantasiereisen, Yoga, Bäder, Musik hören, Hobbys.

Manchen hilft Magnesium gegen Unruhe und Muskelbeschwerden (im Entzug werden aber Nahrungsergänzungsmittel nicht immer vertragen). Pflanzliche Präparate wie Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume können meist problemlos unterstützend eingenommen werden.

Für viele ist das Vermeiden von Symptomtriggern wichtig.

Soweit möglich, sollte man während des Entzugs Stressfaktoren minimieren und sich wenn nötig zurückzuziehen und auszuruhen. Schwierige, konfrontative/aufdeckende Therapien sollten während des Entzugs besser nicht durchgeführt werden sondern ggf. lieber nur stabilisierende Techniken geübt werden.

Es kann hilfreich und entlastend sein, dir nahe stehende Menschen in den Entzug und den Umgang damit einzubeziehen. Einen Text für Angehörige findest du hier.

Tipps und Hinweise finden sich auch hier: Umgang mit Entzugssymptomen
Zuletzt geändert von Jamie am Samstag, 11.03.17, 23:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Kann ich mich auf den Entzug vorbereiten?

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 19:27

Ja, Informationen sammeln. Zu wissen was Benzodiazepine sind, wie sie funktionieren und wie man sie absetzt ist die halbe Miete. Wer informiert ist, erkennt Stolpersteine und kann sie vermeiden.

Nicht zuletzt ist der eigene Wille zum Leben ohne Benzo das Wichtigste. Und, Geduld mitbringen, Tagebuch führen, aufschreiben wann wie viel genommen wurde.
Unbedingt sollte man sich einen kooperierenden Arzt suchen, der ausreichend lange die Benzodiazepine weiter verordnet. Wenn das Absetzen konsequent dokumentiert wird hilft das oft, Ärzte davon zu überzeugen, dass der langsame, schrittweise Weg zu Hause funktioniert.

Bei Angstpatienten hilft eine Therapie und das Erlernen von Skills zur Angstbewältigung ohne Benzodiazepine. Ein unterstützendes, informiertes Umfeld kann ebenfalls sehr dazu beitragen den Entzug erfolgreich durchzustehen.

Berichte anderer Betroffener, die Benzodiazepine erfolgreich abgesetzt haben, können Mut machen und in schwierigen Zeiten helfen nicht die Hoffnung zu verlieren.
Zuletzt geändert von LinLina am Sonntag, 12.03.17, 14:49, insgesamt 2-mal geändert.


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