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Regel "Chemisches Ungleichgewicht"

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ubik
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Regel "Chemisches Ungleichgewicht"

Beitrag von ubik » Dienstag, 08.12.15, 21:32

Hallo,

in den Forenregeln steht:

"Bestimmte Themen und Äußerungen haben in der Vergangenheit immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen geführt und deshalb können wir dies hier nun nicht mehr tolerieren:

Beiträge, die den Mythos vom biochemischen Ungleichgewicht im Gehirn als Ursache für Depressionen und andere psychische Störungen als Faktum darstellen"

Ich verstehe das nicht ganz, was daran Mythos sein soll.

Ich sehe das nicht als die einzige Ursache, es kann sehr verschiedene Ursachen für eine psychische Störung geben. Dazu gehören natürlich belastende Lebensereignisse, Trauma, Misshandlung, Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben und etc...

Bis jetzt gibt es auch keinen Hinweis darauf, wo unser Bewusstsein im Gehirn sitzt. Gibt es da einen Teilbereich im Gehirn, der für alles verantwortlich ist? Wo genau ist im Gehirn Bewusstsein? Und wo das Unterbewusstsein, falls es so etwas gibt?

Was ich weiß, dass bestimmte Substanzen in meinem Körper mir helfen können, ein seelisches Gleichgewicht wiederherzustellen. Ich weiß auch, dass Sport mir dabei hilft, meine Stimmung zu verbessern. Ich weiß auch, dass Meditation mir dabei helfen kann, mehr Gelassenheit und Ruhe in meinen Körper reinzubringen. Man kann heutzutage beweisen, dass diese Praktiken das Gehirn verändern.

Bei tibetischen Mönchen, die jahrzehntelang täglich meditiert haben, kann man im Gehirn feststellen, dass diese einen erhöhten Alphawellenbereich im Gehirn aufweisen.

Bei Menschen mit Psychose kann man feststellen, dass dieser Alphawellenbereich außer Kontrolle gerät und das Gehirn extrem aktiv ist.

Warum sollte man dann nicht von einem biochemischen Ungleichgewicht sprechen?

Zumal man ja auch sehr viel tun kann, um dieses biochemische Ungleichgewicht wieder herzustellen.
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Arianrhod
Symptome jetzt: Diffuse Missempfindungen und Schmerzen in verschiedenen Körperbereichen
Symptome vorher: Dyskinesie (Würgen mit der Zunge), Schlechte Kopfhaut
Noch frühere Symptome: Schmerzen in den Beinen, Unruhe in den Beinen, Schläfrigkeit tagsüber, Bewusstseinstrübung, Krämpfe am Kopf, Schluckstörungen

Medikation:

2009: Riserpdal Consta 50 mg Depotspritze, Abilify 15 mg, Orfiril 800 mg wegen Psychose

2010: Risperdal Depotspritze abgesetzt, Orfiril abgesetzt, Abilify bei 10 mg

2011: Alle Medikamente nach und nach abgesetzt

2012: Rückfall Psychose, Zeldox 40-0-60 mg und Citalopram 30 mg morgens

Anfang 2013: Alle Medikamente abgesetzt, bis auf Zeldox 20 mg

2013: Erneuter Rückfall oder Absetzerscheinungen (?) Dann Zeldox 60-0-60 mg und Venlafaxin 75,5 - 0 - 75,5 mg

Ende 2013: Venlafaxin abgesetzt, Mirtazapin 10 mg abends eingeschlichen, Zeldox auf 40-0-60 mg reduziert

Ende 2013- Mitte2014: Mirtazapin ausgeschlichen. Heftigste Symptome wie Schmerzen am ganzen Körper

2014: Escitalopram 10 mg eingeschlichen.

Ab Ende Januar 2016: Escitalopram wird auf 7 mg reduziert

Ab Mitte April 2016: Escitalopram wird auf 5 mg reduziert

Ende Mai 2016: Escitalopram auf 4 mg reduziert. Zeldox auf 30-0-40 mg. (Weil man es nicht mehr aushalten kann)

1. Juli 2016: Zeldox auf 40-0-40 mg und Escitalopram 5 mg.

4. Oktober 2016: Zeldox auf 40-0-20 mg und Escitalopram 5mg

25. Dezember 2016: Zeldox auf 20-0-40mg und Escitalopram 5mg morgens

24. Januar 2017: Zeldox auf 20-0-35mg und Escitalopram 5mg morgens.

Aktuelle Dosis: Zeldox 20-0-40 mg und Escitalopram 5-0-0 mg, seitdem bessere Bewegungsabläufe und allgemeines besseres Vitalitätsgefühl.

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Re: Regel "Chemisches Ungleichgewicht"

Beitrag von LinLina » Dienstag, 08.12.15, 23:01

Hallo Ubik,

das Problem ist, dass die These vom chemischen Ungleichgewicht verbreitet wird, um Menschen dazu zu bringen, Psychopharmaka einzunehmen. Inzwischen wird diese Behauptung überall völlig unkritisch übernommen, so dass wir das Gefühl bekommen, es handle sich um eine bewiesene Tatsache. Aber auch durch ständiges wiederholen wird eine Hypothese nicht zutreffender und bleibt eben erstmal nur eine Hypothese.

Es ist meines Wissens wissenschaftlich kaum bestätigt, dass die Ursache für psychische Störungen ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter ist, geschweige denn, welcher Art genau dieses Ungleichgewicht sein soll. Es gibt ein paar Hinweise, aber soweit ich weiß genauso viele Indizien, die diese Thesen infrage stellen.

Es mag sein, dass bestimmte Veränderungen im Gehirn, wie Alphawellen, mit psychischen Problemen in Zusammenhang gebracht werden können, aber was nun die genaue Ursache ist, wird dadurch nicht belegt.

Der Mythos vom chemischen Ungleichgewicht suggeriert sehr stark, dass die Medikamente das Problem ursächlich behandeln würden. Dies ist aber nicht der Fall und deswegen denke ich, ist es dem Forum wichtig, diese Aussage nicht weiter zu fördern.

Kennst du schon diesen Artikel von David Healy?

http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=6&t=9799

Natürlich kann man viel für die eigene seelische Gesundheit tun, aber ob du dadurch ein (evtl. gar nicht vorhandenes) chemisches Ungleichgewicht wieder herstellst oder deine Alphawellen verbesserst oder was ganz anderes passiert, weiß man einfach nicht genau.

Viele Grüße

Lina
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ubik
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Re: Regel "Chemisches Ungleichgewicht"

Beitrag von ubik » Mittwoch, 09.12.15, 9:13

Hallo,

danke für die Aufklärung.

Jetzt ist mir einiges klarer geworden.

Selbst Psychiater zweifeln auch darüber, ob Psychopharmaka überhaupt ein chemisches Gleichgewicht im Gehirn wiederherstellen können.
Symptome jetzt: Diffuse Missempfindungen und Schmerzen in verschiedenen Körperbereichen
Symptome vorher: Dyskinesie (Würgen mit der Zunge), Schlechte Kopfhaut
Noch frühere Symptome: Schmerzen in den Beinen, Unruhe in den Beinen, Schläfrigkeit tagsüber, Bewusstseinstrübung, Krämpfe am Kopf, Schluckstörungen

Medikation:

2009: Riserpdal Consta 50 mg Depotspritze, Abilify 15 mg, Orfiril 800 mg wegen Psychose

2010: Risperdal Depotspritze abgesetzt, Orfiril abgesetzt, Abilify bei 10 mg

2011: Alle Medikamente nach und nach abgesetzt

2012: Rückfall Psychose, Zeldox 40-0-60 mg und Citalopram 30 mg morgens

Anfang 2013: Alle Medikamente abgesetzt, bis auf Zeldox 20 mg

2013: Erneuter Rückfall oder Absetzerscheinungen (?) Dann Zeldox 60-0-60 mg und Venlafaxin 75,5 - 0 - 75,5 mg

Ende 2013: Venlafaxin abgesetzt, Mirtazapin 10 mg abends eingeschlichen, Zeldox auf 40-0-60 mg reduziert

Ende 2013- Mitte2014: Mirtazapin ausgeschlichen. Heftigste Symptome wie Schmerzen am ganzen Körper

2014: Escitalopram 10 mg eingeschlichen.

Ab Ende Januar 2016: Escitalopram wird auf 7 mg reduziert

Ab Mitte April 2016: Escitalopram wird auf 5 mg reduziert

Ende Mai 2016: Escitalopram auf 4 mg reduziert. Zeldox auf 30-0-40 mg. (Weil man es nicht mehr aushalten kann)

1. Juli 2016: Zeldox auf 40-0-40 mg und Escitalopram 5 mg.

4. Oktober 2016: Zeldox auf 40-0-20 mg und Escitalopram 5mg

25. Dezember 2016: Zeldox auf 20-0-40mg und Escitalopram 5mg morgens

24. Januar 2017: Zeldox auf 20-0-35mg und Escitalopram 5mg morgens.

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Re: Regel "Chemisches Ungleichgewicht"

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 09.12.15, 9:35

Hallo Ubik,

natürlich "machen" Psychopharmaka irgendetwas im Gehirn/Körper.

Ob sie dauerhaft irgendetwas "korrigieren", "wiederherstellen" oder "ausgleichen", das darf man bezweifeln.

Man kann bisher im Vorfeld weder genau sagen, welches Medikament für welche Symptome die "richtigen" für die einzelne Person sind, noch kann man prüfen, was dabei "korrigiert" wird. Noch scheinen die Medikamente einzelnen dauerhaft zu "helfen", selbst wenn sie über einen kürzen oder längeren Zeitraum Symptome unterdrücken.

Grüße, Murmeline
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Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
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