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Seit dem Absetzen (Sertralin) völlig ohne Halt

Wenn Antidepressiva abgesetzt werden, kann dies zu schweren und langwierigen Entzugserscheinungen führen. Viele Hersteller und Ärzte verharmlosen diese Problematik leider.
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Meinleben
Beiträge: 1
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Seit dem Absetzen (Sertralin) völlig ohne Halt

Beitrag von Meinleben » Donnerstag, 17.05.18, 13:47

Hallo!

Habe dieses Forum gestern entdeckt und bin froh dass es sowas gibt. Habe seit Herbst letzten Jahres nach 10 Jähriger Einnahme vom Sertralin 50mg (anfangs 100) meine Medikamente innerhalb ca 3 Monate abgesetzt, weil mir mein Körper sagte, dass ich das nicht mehr schlucken möchte.

Nun das Absetzen ging erstaunlich gut, dafür dass ich es früher schon mal versuchte und mit sehr unangenehmen Nebenwirkungen zu tun hatte.

Nun ist es allerdings so dass sich komplett alles verändert hat. bzw meine Person auch. Ich konnte mich noch gut erinnern als ich mit den Medikamenten angefangen habe wie sich meine Wahrnehmung und insbesondere meine Augen, Pupillen verändert haben. Es war alles sehr strange.. Irgendwann hab ich mich daran gewöhnt und dies als Realität anerkannt. In den letzten Jahren ging es mir zunehmend schlechter und ich wusste nicht, ob ich mehr Medikamente brauche, andere oder keine. Letzten Endes sagte mir irgendwas innerlich dass ich keine mehr nehmen möchte und endlich mich meinen Problemen stellen möchte.

Nun ich hatte bis vor kurzem noch Psychotherapie jedoch diese beendet da mir meine Psychotherapeutin zum Schluss nur mehr gesagt hat ich soll doch besser wieder Medikamente nehmen und Ev stationäre Therapie machen anstatt mir akut zu helfen, mit meinen Gefühlen umzugehen. Die stationäre Therapie hatte ich schon vor gut 10 Jahren. Ich habe mich aber dafür entschieden in bzw mit meinem Alltag die Probleme zu lösen da man nach so einer Therapie wieder bei 0 anfängt.

Nun gut meine eigentliche Problematik ist nun jene: ich befinde mich im kompletten Gefühlschaos, würd mich am liebsten nur zu Hause mit geschlossenen Vorhängen zurückziehen.. Nicht weil ich depressiv bin sondern weil ich meine Aussen Welt kaum ertrage. Alles was mir halbwegs vertraut ist ist weniger das Problem. Ich hab eine sehr gute Freundin und bei ihr fühl ich mich verstanden und wie ein Mensch. Ansonsten hab ich immer das Gefühl ich bin eine Marionette die funktionieren soll. Ich fühl die Diskrepanz was ich sein soll und was ich bin. Meine beruflichen Verpflichtung nehme ich eher zaghaft in Angriff. Ich kann nur für kürzere Zeit was machen dann brauch schon eine Pause. Generell hab ich das Gefühl alles was ich mache stresst mich.. Ausser Sport! Nur kann ich noch Jeden Tag 2 Stunden Sport machen. Ich habe ständig einen Druck auf der Brust und im Rücken.. Mittlerweile seh ich es sogar selbst an meinen Augen die starr sind.. Vor Wut hauptsächlich und oft Trauer. Dann weine ich furchtbar und manchmal habe ich das Gefühl dass ich gar nicht in diese Welt gehöre. Ich weiß oft gar nicht mehr wer ich bin. Ich war früher total ein offener empatischer Mensch. Jetzt fühl ich mich oft wie eine Lehre, abgenützte Hülle :/

Mir kommt es so vor als wäre das alles ein Film so unreal. Ich spür mich einerseits oft gar nicht andererseits wieder enorme Wut und Trauer. Die hochkommt Vorallem wenn ich funktionieren soll. Wenn ich normale glückliche Menschen sehe kommt mir das so vor, als wäre das so unerreichbar für mich. Vor allem Lärm und kindergeschrei und weinen machen mich total aggressiv. Oft ist es so, dass mich Gedanken von Vergangenheit Zukunft und Gegenwart gleichzeitig überrumpeln. Ich fühl mich oft wie ein psychisches Wrack. So schlimm war es noch nie. Ich erkenne mich oft im Spiegel nicht mehr selbst.

Ich werde nächste Woche zu einer Energetikerin gehn.. Psychotherapie hatte ich jahrelang ohne den wirklichen Erfolg. Eher oberflächlich.

Zu meiner Vorgeschichte. Ich bin mit einem sehr schwer auto aggressiven Ausistischen Bruder aufgewachsen.. Von daher war es damals alles andere als normal. Mit 18 habe ich plötzlich von heute auf morgen meinen sehr nahestehenden Vater verloren. Das macht mir bis heute noch oft sehr zuschaffen. Langfristig Partnerschaften sind bisher noch nie gelungen.

Ich weiß echt nicht mehr weiter. Wann nimmt das endlich ein Ende..

Wer kann mir helfen oder findet sich darin wieder bzw weiß Problemlösungen..

Danke schon mal fürs Durchlesen..
Zuletzt geändert von Gwen am Donnerstag, 17.05.18, 20:47, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel um Wirkstoff ergänzt
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Re: Seit dem Absetzen völlig ohne Halt

Beitrag von Aufgehts » Donnerstag, 17.05.18, 18:30

Hallo Meinleben,

schön, daß Du hierbist!

Bin ebenfalls erst kürzlich hier im Forum gelandet und versuche, nach über zehn Jahren, vom Sertralin loszukommen.

Es macht den Eindruck, daß Du die Medikamente zu schnell abgesetzt hast. Ich selbst stecke in dieser Situation und habe gerade begonnen, in ganz winzigen Schritten, zu reduzieren. Sertralin darf man (was viele Ärzte und Therapeuten leider nicht wissen) nur sehr sehr langsam ausschleichen.
Hier im Forum stehen sehr viele gute Studien und Berichte dazu und hilfreiche Erfahrungen von den Leuten im Forum. Lies Dich einfach mal ein: viewtopic.php?f=18&t=12880

Du wirst vieles hier entdecken, was Dich vorwärts bringt.

Vieles, was Du schreibst, kommt mir sehr vertraut vor. Das Gefühl, einfach nur noch zu funktionieren, das Nichtertragen der Außenwelt und die Kraftlosigkeit, Dinge zu bewältigen.

Ich lese aber aus Deinen Zeilen, daß trotz dieser "dunklen schier endlos hohen Mauer" die Dich zu umgeben scheint, viel Willen in Dir steckt.
Du scheinst ein gesundes Bauchgefühl zu haben, weil Du Deinen Alltag bewältigen möchtest, auch ohne Therapie, weil Du Sport machst, und weil Du Hilfe suchst und Dich Deinen Problemen stellen willst.

Auch finde ich Deine Haltung bezüglich der Therapie gesund und pragmatisch. Es ist leider Gottes eim Teil des Lebens, daß man mit ganz schweren Situationen konfrontiert wird, wie Tod, Verlust, kranke Angehörige, schlimmen Erfahrungen.
Eigentlich sollte jeder Mensch so weit wie möglich, ohne medikamentöse Hilfe, Probleme bewältigen können. Vor allem – und das hast Du – für sein eigenes Leben Verantwortung übernehmen. Das ist happig und braucht Kraft und Zeit. Ich selbst hätte mir in meinen schwersten Phasen gewünscht, daß meine Therapeutin mir ganz praktische Tipps und Hilfestellungen gibt, wie mit was umgehen, anstatt alles mit Medis zu vernebeln. Ich bin kein Fan von diesen Endlos-Therapien, wo man nur auf der Stelle tritt.

Ich finde, auch wenn es nicht danach auszusehen scheint für Dich – Du machst es gut!

Lese Dich doch hier mal durch und schaue, wie die anderen das mit der Dosierung machen. Ganz langsam, maximal in 10%-Schritten reduzieren, einige Wochen warten wie es wird. Manche machen eine Wiedereindosierung von einer ganz geringen Menge (tw. nur 0,5 - 1mg) wenn es zu feste Absetzsymptome gibt.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Mut!

Alles Liebe,
Aufgehts
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Re: Seit dem Absetzen völlig ohne Halt

Beitrag von padma » Donnerstag, 17.05.18, 19:08

hallo Meinleben, :)
(schöner Nick :D )
Habe seit Herbst letzten Jahres nach 10 Jähriger Einnahme vom Sertralin 50mg (anfangs 100) meine Medikamente innerhalb ca 3 Monate abgesetzt, weil mir mein Körper sagte, dass ich das nicht mehr schlucken möchte.
Es war sicher richtig auf deinen Körper zu hören, dass das Medikament nicht gut für dich ist. Aber du hast viel zu schnell abgesetzt :shock: . Nach 10 Jahre Einnahme hättest du für ein risikomindendes Ausschleichen, das wir hier empfehlen, mindestens 2 Jahre gebraucht.

Was du beschreibst sind alles typische Absetzsymptome.
Nach zu schnellem Absetzen ist eine Wiedereindosierung so ziemlich das einzige, was man direkt tun kann. Du bist allerdings seit einem halben Jahr auf 0 und da ist es sehr fraglich, ob eine Wiedereindosierung noch greifen würde.

Die andere Möglichkeit ist, abzuwarten, bis sich das Nervensystem von selbst wieder erholt. Die gute Nachricht ist, dass es sich wieder erholt, die schlechte, dass es lange dauern kann.

Lies dich erstmal ein und dann können wir weiter überlegen.

liebe Grüsse,
padma
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Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
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6.05.2018: 0,275 mg :schnecke:


Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Black-Hannah
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Re: Seit dem Absetzen völlig ohne Halt

Beitrag von Black-Hannah » Donnerstag, 17.05.18, 21:22

Hallo Meinleben,

auch von mir herzlich willkommen im Forum.

In deinen Beschreibungen bzgl. deiner Absatzsymptome finde ich mich auch komplett wieder. Ich habe auch nach vielen Jahren mit AD den Schritt gewagt ohne Medikamente mein Leben zu gestalten und ging durch die gleiche Symptomatik wie du. Bei mir war es zwar Venlafaxin aber in den Absetzsymptomen unterscheiden sich die zahlreich verschiedenen ADs nicht sonderlich voneinander.

Die verminderte Stresstoleranz und das Gefühlschaos sind ganz typisch für ein gereiztes ZNS. Man ist ständig überfordert mit den einfachen Angelegenheiten und wenn was unvorhergesehenes passiert, erscheint einem das als unüberwindbare Herausforderung und man könnte sofort los heulen und herum trampeln wie ein kleines Kind. Dieses Durcheinander von Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft kenne ich auch, zusätzlich noch das hochschwemmen alter Erinnerungen, alles verwirrend und beängstigend. Schlimm, dass es dir so schlecht geht, tut mir leid. :hug:

Die Artikel über die Neuroemotionen und das gereizte ZNS haben mir sehr geholfen zu verstehen was mit mir gerade passiert. Dazu hatte dir ja Aufgehts den Link gegeben.

Auch an meiner Sportlichen Routine festzuhalten gab mir zumindest für kurze Zeit das Gefühl halbwegs "normal" zu sein. Ich musste zwar phasenweise die Intensität und Dauer der Trainingseinheiten reduzieren, ganz weggelassen habe ich es aber nie.
Es ist gut, dass du weiterhin Sport machst und auch sonst versuchst dein Leben weiterhin adäquat zu gestalten. :sports:

Ich bin jetzt 11 Monate nach Null, und kann dir schon mal sagen, dass es mit der Zeit besser werden wird. Mittlerweile kann ich wieder besser mit meinen Gefühlen umgehen und auch das Gefühl, sich im falschen Film zu befinden hat etwas abgenommen.

Und wenn du möchtest, erzähl doch bitte wie dein Termin bei der Energetikerin war. Ich stehe Psychotherapien mittlerweile auch eher skeptisch gegenüber (meine war leider auch nicht sehr hilfreich, da auch eher oberflächlich), deshalb bin ich schon neugierig was bei Alternativen Verfahren so gemacht wird.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft!
Liebe Grüße
Hannah
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MurmelineJamieAufgehtsUlulu 69padmaJofab
Diagnose: Depression (endogene) Januar 2010

Venlafaxin 75mg, hochdosiert weil keine Besserung

seit Frühjahr 2010 225mg Venla (NW Durst, Schwitzen)
seit 2011-2013 stärkere täglicher Cannabiskonusm
wegen zunehmender Teilnahmslosigkeit und Emotionsmangel runterdosiert

ca.Sommer 2012 runter auf 150mg,
Verbesserung des Gemütszustandes, größere Bandbreite an Emotionen

Frühjahr 2015 runter auf 75mg
erstes Mal starke Absetzerscheinungen (Schwindel, Brain-Zaps)
angefangen mit Sport, weniger Cannabiskonsum

September/Oktober 2016 runter auf 37,5mg
NW: Schwindel erstes Mal Unruhe, Angst und Panikgefühle

Mai/Juni 2017 runter auf 0
Sehr starke Absetz/Entzugserscheinungen: Schwindel,Gangunsicherheiten,Brain-Zaps, Ohrensausen/druck, starke Stimmungsschwankungen
Juli/August Magen-Darm-Probleme, diverse Unverträglichkeiten, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Herzrasen, Angst/Panik
Verzicht auf Kaffee, Schwarzer Tee, Cannabis, Milchprodukte

Oktober Downphase, Suizidgedanken, ständiges Wasserlassen(immer noch bzw. immer wieder), Grübeln
seit Dezember/Januar wieder häufige Angstzustände, Grübeln/Denken über jetziges Leben/Vergangenheit/Kindheit/Tod, Suizidgedanken, starke negative Emotionen (Wut, Zorn, Trauer)

seit März 2018 das erst mal seit langem ab und an "gute Tage", bin wieder fähig mich zu freuen

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