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Sertralin abgesetzt und starke NW

Wenn moderne Antidepressiva abgesetzt werden, kann dies zu schweren und langwierigen Entzugserscheinungen führen. Viele Hersteller und Ärzte verharmlosen diese Problematik leider.
Heergott
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Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Heergott » Samstag, 18.11.17, 12:37

Hallo zusammen,


Ich bin neu hier und etwas verzweifelt.

Ich habe gegen meine Angst- und Panikattacken in Verbindung mit einem Besuch in einer Tagesklinik 50mg Sertralin täglich genommen.

Da ich vom Sertralin sexuelle Dysfunktion entwickelt habe, habe ich mich dazu entschlossen in Absprache mit der Klinik mein AD zu wechseln. (Bekomme dann einen MAO-Hemmer).

Da zwischen SSRI und MAO mindestens 14 Tage liegen müssen, sollte ich nach ca. 2 Monaten Sertralin, die Dosis von 50mg 3 Tage auf 25mg reduzieren und dann ganz weg lassen.

Nun habe ich seit 5 Tagen immer wieder kurze Schwindelattacken, besonders dann wenn ich stehe oder meinen Kopf/Augen schnell bewege.

Kennt das jemand hier? Sind das evtl. Sog. ZAPs?

Ich würde mich über Antworten freuen :)

LG

Nils

padma
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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon padma » Samstag, 18.11.17, 13:21

hallo Nils, :)

willkommen im ADFD.

Das ADFD ist ein psychopharmakakritisches Forum, wir werden dir daher nicht zu der Einnahme eines MAO Hemmers raten.
Wurdest du über die Risiken dieser Medikamentengruppe aufgeklärt? https://psylex.de/psychopharmaka/antide ... liste.html

Zudem haben Antidepressiva keine heilende Wirkung, können bestenfalls die Symptome deckeln und machen körperlich abhängig.
Mehr dazu findest du in unseren Hintergrundsinfos viewforum.php?f=6

Angst- und Panikattacken lassen sich zumeist gut mit Psychotherapie behandeln.

Zu deiner Frage:
Nun habe ich seit 5 Tagen immer wieder kurze Schwindelattacken, besonders dann wenn ich stehe oder meinen Kopf/Augen schnell bewege.

Das ist ein typisches Entzugssymptom von AD, Zaps sind etwas anders. Das Auftreten von Entzugssymptomen bedeutet, dass die Reduktion zu gross war. Du hast Sertralin zwar nur 2 Monate genommen, aber das ist die Grenze ab wann ein AD fest in den Hirnstoffwechsel eingebaut ist.
Die vorgeschlagene Absetzzeit war auch sehr knapp berechnet.

Du bist jetzt auf 0 oder? Ich würde auf 25 mg zurückgehen und schauen, ob die Symptome dann weggehen.
Dann könntest du versuchen, ca 7 - 10 Tage auf 25 mg bleiben, dann auf 12,5 mg dann 6 mg, dann 3 mg , dann 0 mg, jeweils 7 - 10 Tage.

Es kann sein, dass das immer noch zu schnell ist, dann müsste man neu überlegen.

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
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1.09.2017: 0,5 mg


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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon carlotta » Samstag, 18.11.17, 16:20

Hallo Nils,

auch von mir herzlich willkommen. :)

Schließe mich Padma :) an. Mir ist nur nicht ganz klar, wie lange Du nun schon auf null bist. Davon hängt nämlich auch ab, mit welcher Menge man wiedereindosieren sollte. Evtl. reicht auch eine geringere Dosis als 25 mg, um die Symptome abzufangen (und Dein ZNS zugleich weniger zu belasten).

Liebe Grüße :group:
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"For the illicit drugs, we call this process addiction. For the prescribed medications, we call this process therapeutic." (Robert Whitaker)


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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Heergott » Samstag, 18.11.17, 16:23

Hey, erst einmal danke für deine Antwort!

Nein, ich wurde natürlich nicht über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt...

Nun ist es ja so, dass ich schon einen Termin zum Einstellen habe, d.h. in 14 Tagen werde ich das neue Medikament bekommen (Moclobemid)

Kann ich denn jetzt einfach die 25mg nehmen, ohne dass etwas passiert?

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Heergott » Samstag, 18.11.17, 16:24

carlotta hat geschrieben:Hallo Nils,

auch von mir herzlich willkommen. :)

Schließe mich Padma :) an. Mir ist nur nicht ganz klar, wie lange Du nun schon auf null bist. Davon hängt nämlich auch ab, mit welcher Menge man wiedereindosieren sollte. Evtl. reicht auch eine geringere Dosis als 25 mg, um die Symptome abzufangen (und Dein ZNS zugleich weniger zu belasten).

Liebe Grüße :group:
Carlotta


Hey, ich bin nun seit Montag auf 0mg runter...

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon carlotta » Samstag, 18.11.17, 18:43

Hallo Nils,

wenn Du erst seit wenigen Tagen auf null bist, kannst Du es mit 25 mg versuchen; evtl. reichen aber auch 15 bis 20 mg.

Die Eindosierung eines MAO-Hemmers müsste dann natürlich entsprechend verschoben werden.

Es passiert leider häufiger, dass Patienten durch einen harten Wechsel von einem Präparat zum nächsten (und bei Dir war es ein Kaltentzug bei diesen Riesenschritten) über längere Zeiträume ein heftiges Entzugssyndrom entwickeln und auch aus diesem Grund das in Mitleidenschaft gezogene Zentralnervensystem (ZNS) gar nicht gut auf den neuen Stoff reagiert. (Achtung, Behandler haben meist weder Ahnung von einem AD-Entzugssyndrom noch von risikominimierendem Absetzen.)

Um einem potenziell längerwierigen und u. U. gesundheitlich stark beeinträchtigenden Verlauf vorzubeugen, bleibt nur die Wiedereindosierung zur Stabilisierung. Daraufhin kann man entsprechend vorsichtig absetzen.

Im Folgenden findest Du Basisinfos zum Absetzen inklusive Links zu Infos über die Herstellung von gewünschten Dosierungen:
viewtopic.php?f=18&t=12880

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Heergott » Mittwoch, 22.11.17, 16:05

Hallo zusammen.

Nun ist Tag 7 der Absetzsymptomatik und es hat sich kaum gebessert, es ist eher schlimmer geworden.

Zusätzlich zum ständigen Schwindel wenn ich Augen und Kopf bewege oder Lichtänderungen (hell/dunkel) wahrnehme sind nun auch wieder innere Unruhe, Stress und sogar meine Panikattacken zurück. Und müde bin ich auch den ganzen Tag über.

In der Klinik sagte man mir "das geht nach ein paar Tagen schon weg. Die meisten Patienten merken keine Symptome, Sie sind dann wohl überempfindlich".

Ich soll diesen Zustand nun also einfach aussitzen und abwarten?

Ich habe solch eine Angst ohnmächtig zu werden oder einen Herzinfarkt zu erleiden... :evil:

Soll ich es jetzt weiter durchhalten 10 Tage nach dem Absetzen?!

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon padma » Mittwoch, 22.11.17, 18:12

hallo Heergott, :)

In der Klinik sagte man mir "das geht nach ein paar Tagen schon weg. Die meisten Patienten merken keine Symptome, Sie sind dann wohl überempfindlich".

Das ist schlichtwegs falsch. Ja, es gibt Betroffene, die nur ein paar Tage Asetzsymptome haben, aber es gibt auch Betroffene, die über Wochen, Monate oder schlimmstenfalls sogar Jahre Absetzsymptome haben.
Demnach sind Tausende von Betroffenen überempfindlich. :frust:

Ich würde das nicht aussitzen, sondern wieder etwas eindosieren. Du könntest es jetzt mit 10 mg versuchen.

liebe Grüsse,
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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Heergott » Donnerstag, 23.11.17, 13:01

Naja ich bin eben auch eher die Kämpfernatur... kann denn was passieren wenn ich es jetzt durchziehe? Also Dinge außer diesen Missempfindungen?

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon carlotta » Donnerstag, 23.11.17, 14:27

Hallo Nils,

na, Kämpfernaturen findest Du hier viele. :D :sports:

Wenn es nur um eine absehbare Zeitspanne des Aushaltens einzelner Symptome ginge, würden wir hier niemandem dazu raten wiedereinzudosieren, das wäre ja irre. :o Leider sieht es häufiger etwas anders aus.

Was passieren kann? Du bist noch nicht lange auf null, da kann leider noch ganz viel passieren. Es können noch zahlreiche weitere Symptome auftreten, die Liste ist lang, siehe hier:
viewtopic.php?f=18&t=12534
Oft kommen die Symptome auch zeitversetzt; so ein Entzug verläuft nicht linear, es kann erst nur moderate oder vereinzelte Symptome geben, später dann einige/viele mehr in stärkerer Intensität.

Man kann nicht vorhersehen, wie sich ein Verlauf entwickelt. Er kann über Wochen, Monate bis Jahre dauern und einem das ganze bisherige Leben auseinandernehmen, einschneidende wirtschaftliche und soziale Folgen haben.

Du fragst Dich vielleicht, warum dann nicht erst mal abwarten, wenn man es doch nicht weiß, wie es weitergeht? Dazu muss man wissen, dass mit fortschreitender Zeit auf null die Wahrscheinlichkeit ansteigt, dass das Medikament nicht mehr vertragen wird bzw. paradox wirkt. Bei ca. 6 Wochen nach null liegt da eine kritische Grenze, die allerdings individuell etwas abweicht.

Es ist ein immenses Risiko, das aussitzen zu wollen. Viele hier, denen es schon sehr lange entzugsbedingt sehr schlecht geht und die zu spät erfahren haben, woher Ihre Symptome kommen und nicht mehr wiedereindosieren konnten, würden einiges dafür geben, diese Chance noch mal zu erhalten. Denn es gibt nach aktuellem Kenntnisstand keine Pille/Behandlung für ein AD-Entzugssyndrom außer der Wiedereindosierung. Man kann es ansonsten nur aussitzen und das kann sehr langwierig und bitter sein. :(

Ich würde mir das an Deiner Stelle noch mal gut überlegen. Es geht auch nicht darum, ewig auf dem Medikament hängenzubleiben, sondern um Stabilisierung und darum, im Anschluss so behutsam auszuschleichen, dass das ZNS damit umgehen kann und möglichst wenig Schaden nimmt. Ist sozusagen eine Art Airbag für Deine Gesundheit. :)

Liebe Grüße :group:
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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Heergott » Donnerstag, 23.11.17, 15:29

Aber ohne Absprache mit dem Arzt? Hinterher passiert noch was und ich lande in der Notaufnahme...

Ich habe ja 50mg genommen über 2 Monate... wenn ich jetzt 12,5 mg wieder eindosiere nach 11 Tagen Abstinenz... kann da was passieren?

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Heergott » Donnerstag, 23.11.17, 16:28

UPDATE

Ich habe nun in der zuständigen Klinik angerufen und ich soll nun erstmal 12,5mg wieder eindosieren und dann langsam ausschleichen. Der Arzt bestätigte mir, dass dieses Vorgehen unbedenklich ist.

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon carlotta » Donnerstag, 23.11.17, 16:47

Hallo Nils,

das Problem ist, dass in puncto psychiatrischer Medikation erst meist die ärztlichen "Empfehlungen" sind, die die Patienten in die Notaufnahme bringen oder in den Langzeitkrankenstand.

Denn sei Dir bewusst: Unter Medizinern herrscht bezüglich AD ein immenses Informationsdefizit, sie lernen in der Ausbildung so gut wie nichts übers Absetzen und wenig über NW. Du bist also i. A. dort nicht in fachlich guten Händen.

Zudem würde ein wenig kundiger Mediziner Dir ohnehin von solch geringen Dosen abraten und mit viel höheren wiedereinsteigen, wie zahllose Erfahrungen belegen. Dabei ist die Gefahr einer Unverträglichkeit viel viel größer.

In solchen Fällen landen Betroffene dann nicht selten irgendwann verzweifelt in Foren wie diesem. Die übrigens im Grunde überflüssig wären, wenn die Mehrzahl der Behandler was von ihrem Handwerkszeug verstünde.

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die ärztliche Unterstützung beim Absetzen enorm zu wünschen übrig lässt und Betroffene ohne ärztliche Begleitung genauso gut, wenn nicht besser, absetzen/ausschleichen können wir mit - sofern sie sich selbstständig unabhängig informieren natürlich.

Nach mittlerweile 11 Tagen auf null könntest Du auch vorsichtiger wiedereindosieren, bspw. mit 5 mg, und schauen, wie Du das verträgst. Wenn vor dem Absetzen keine Unverträglichkeit vorlag, sollte das ZNS nach 11 Tagen Abstinenz bei einer geringeren Dosis das Medikament noch tolerieren.

Nils, wir wollen Dich zu nichts überreden, hier hat auch niemand was davon. Wir können nur aus jahrzehntelangen vielfachen Erfahrungen und unabhängigen wissenschaftlichen Quellen Informationen weitergeben in der Hoffnung, andere vor dem Schaden zu bewahren, den viele hier Gestrandete schon im medizinischen Betrieb nehmen mussten. Bleibt alles Deine Entscheidung.

Es gibt auch keine Garantie, dass eine Wiedereinnahme greift. Manchmal dauert das auch einfach. Im ersten Schritt geht es darum, die Verträglichkeit zu testen, um sich dann vorsichtig an eine Dosis heranzutasten, die die Symptome abfängt. Bei Unverträglichkeit lassen sich kleine Dosen schnell wieder loswerden.

Liebe Grüße :group:
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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Frakkivana » Donnerstag, 23.11.17, 16:55

Hallo,

Das ist ja sehr gut, dass Du Rückendeckung von der Klinik hast. Als schwer Kaltentzugs-Geschädigte kann ich Dir nur zum vorsichtigen Wiedereindosieren raten. Wie Carlotta oben geschrieben hat, ich gehöre zu denen, die sonst was drum geben würden, das zu können. Bei mir war es aber zu spät, weil ich das Forum zu spät gefunden habe und völlig ahnungslos gewesen war, miserabel beraten vom behandelnden Psychiater.

Ich drücke Dir ganz fest die Daumen!

Liebe Grüße Beate
18.04.2017
Neu hier im Forum

Seit 2001 Citalopram 20 mg wegen Schwindel und Angstzuständen.

2007 nach Schwächeanfall Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis
Eindosieren mit L-Thyrox bis auf 125 Mikrogramm
Insgesamt seit Einnahme von Citalopram 45 kg zugenommen

2015 Citalopram runterdosiert auf 10 mg, ganz gut.
Umstellung auf glutenfreie Ernährung. Daraufhin in 1 Jahr 20 kg abgenommen

2016 im Sommer wieder mehr Schwindel. Dann kamen Herzrasen und Herzrhythmusstörungen, Einschlafprobleme und "Blitze im Kopf " dazu.
Machte mich arbeitsunfähig.

Psychiater stellte um auf Escitalopram 5mg
L-Thyrox von 125 auf 100 Mikrogramm reduziert
Keine Änderung der Symptomatik.

Oktober 2016 EKG beim Kardiologen. QTc-Zeit verlängert. Er riet zum Absetzen von Citalopram

Nach ärztlichem Rat erst im November 4 Wochen lang jeden 2. Tag Escitalopram 5 mg, im Dezember noch jeden 3. Tag, ab Januar dann ganz aufgehört.

Seitdem kontinuierlich immer schlechterer Zustand.
Dauerrauschen im Kopf, Dauerschwindel, Benommenheit, Wattegefühl, Schwäche, Angst , Brain zaps, Schlafprobleme , Unfähigkeit, den Alltag zu meistern. Totale Verzweiflung, Dauerweinen, Hoffnungslosigkeit.

25.04.17
Knall. Totale Panik wegen Brain zaps, massiven Schwindels, Problemen mich zu orientieren.
Notfallmässig zu einem Allgemeinmediziner mit Naturheilverfahren.
Infusion mit homöopathischen Mitteln, Akupunktur

Neurapas Balance: 2-2-2
DystoLoges 1-1-1

Zur Nacht 1 Sedariston
Bei Bedarf drei Tropfen Blütenessenz "erste Hilfe

26.04.17
Tag weitgehend liegend verbracht
Nachts schlimme Brain zaps

27.04.
Wieder Infusion beim Arzt und Akupunktur.
Immer brain zaps, wenn Entspannung kommt.

04.05.17
Weiterhin schwere Symptome, kann nur im Bett liegen, morgens bis früher Nachmittag am schlimmsten. "Kopfattacken", Schwindel bis zur Orientierungslosigkeit, komme nur mit Mühe zur Toilette, Heulkrämpfe vor Angst

Medikation abgebrochen, auch Arzt dafür
Presselin Nervenkomplex
Bringt mir nichts.

25.6.17
Mein Mann trennt sich von mir und wirft mich aus dem Haus.

4 Monate Leben aus dem Koffer

Ende September 2017
2 Wochen Psychiatrie, völlig ausgebrannt, starke Depressionen plus Ängste zu den körperlichen Symptomen dazu.
Versuch mit Tavor: paradoxe Reaktion, Herzrasen
Atosil : ebenso, außerdem geht das auch auf die QTc Zeit im EKG
Sertralin: 5 Tage, dann abgesetzt wegen zu starker Nebenwirkungen
Behandelnde Ärztin frei von jeglicher Empathie, setzt mich stark unter Druck, da Teilnahme an Therapien kaum möglich . Während des gesamten Aufenthalts dauerhaft höher Ruhepuls um die 100 und zu hoher Blutdruck
Entlasse mich selbst entnervt nach 14 Tagen

Im Anschluss zu einem Arzt/Psychotherapeut.
Gegen den zu hohen RR:
Beta Blocker Beloc-Zoc mite 47,5 mg sowie
HCT Dexcel 25 mg (Hydrochlorothiazid), ein Diuretikum
Ausserdem 5 Tage lang
Opipramol 50 mg und
Olanzapin (Dosierung vergessen)
Olanzapin nach 10 Tagen abgesetzt.
Ich vertrage nichts mehr! Macht alles nur schlimmer

Oktober 2017

Eine Woche internistische Klinik wegen Bluthochdruckkrise
Beobachtung, Herzsono und Doppler Halsgefäße o.B.
Vorübergehend ein drittes Medikament (Blutdrucksenker, Name vergessen)
Noch in Klinik abgesetzt

Aktuell (November 2017):
Beloc-Zoc mite 47,5 mg
HCT Dexcel 25 mg
L-Thyrox 100 mikrogr

Nach wie vor schwere Symptome, Depression, Angst, Heulkrämpfe, Kopfsymptome, "Gruselgefühl" in Brust- und HWS und im Kopf
Unfähig zu einem normalen Alltag.

Heergott
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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Heergott » Donnerstag, 23.11.17, 17:10

Ich habe nun 12,5mg genommen und merke schon etwas. Aber ob das so gut ist, werden die kommenden Tage zeigen... ;)

Es stimmt allerdings tatsächlich dass ich sehr sensibel auf Medikamente reagiere...

Waren 12,5 mg jetzt zu viel?! Ich bin verwirrt...

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Murmeline » Donnerstag, 23.11.17, 17:18

Hallo Nils,

lies doch mal hier, dann wird die Verwirrung vielleicht etwas klarer
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic ... 15#p106315

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Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Heergott » Donnerstag, 23.11.17, 17:24

Hallo,

Das mildert meine Angst vor einer zu hohen Dosis nicht wirklich...

Ich habe 50mg genommen und bin nun mit 25% wieder rein, also 12,5mg... viel weiter konnte ich die Tablette auch nicht teilen.

Würde ich nach dem Thread gehen, müsste ich vom Sertralin nur mit 2-10% wieder eindosieren.

Es wäre jedenfalls sehr hilfreich in dem Thread eher in % zu sprechen, da nicht ersichtlich ist, auf welche Bezugsgröße sich diese 1-5 mg beziehen...

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon carlotta » Donnerstag, 23.11.17, 18:17

Hallo Nils,

mit 1 bis 2 mg steigt man gemeinhin ein, wenn man schon länger als Du auf null war, z. B. einen Monat. Denn je mehr Tage vergehen, desto höher das Risiko, dass das ZNS den Stoff nicht mehr ohne Weiteres toleriert.

Als Vorsichtsmaßnahme hätte man - wie gesagt - auch niedriger dosiert einsteigen können. Bei 11 Tagen kann es auch mit der 25-prozentigen Menge noch klappen, denke ich.

Wenn Du Dich wohler fühlst, zuerst eine niedrigere Dosis zu versuchen, kannst Du das morgen noch ändern. Dann aber bitte unbedingt mehrere Tage, besser mind. 10 bis 14, ggf. länger, dabei bleiben, da häufige Dosiswechsel Gift fürs ZNS sind. Du kannst auch einfach mal schauen, wie es Dir bis morgen geht und dann entscheiden.

Infos zum Herstellen gewünschter Dosierungen findest Du hier verlinkt:
viewtopic.php?f=18&t=12880

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Heergott » Donnerstag, 23.11.17, 23:49

Nachdem mein Körper die ersten paar Stunden nach der Einnahme noch heftig rebelliert hat, geht es mir jetzt schon tatsächlich gut wie seit Tagen nicht mehr. Der Schwindel hat fast aufgehört und die Stimmung ist etwas besser...

Jetzt heißt es Daumen drücken, dass mein Körper die 12,5er Dosis gut verträgt, dann bleibe ich erstmal 2-3Wochen auf dieser Dosis und halbiere dann nochmal...

Vielen Dank schonmal, dass ihr mich aufgeklärt und mich ermutigt habt! :party2:

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Re: Sertralin abgesetzt und starke NW

Beitragvon Jamie » Freitag, 24.11.17, 0:46

Hallo Heergott, :)

dass dein Körper rebellierte ist eigentlich kein gutes Zeichen, auch wenn du dich danach begannst besser zu fühlen.
Ich vermute, das die 12,5mg eigentlich zu hoch für dich sind.
Vielleicht wären 6-8mg bereits ausreichend und besser verträglich.
Diese kann man entweder durch Auflösen (Wasserlösemethode) oder Zulegen einer Feinwaage (Kostenpunkt 30-40€) hinbekommen.

Ich kann dir nur empfehlen das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, hier geht´s um deine Gesundheit und ja, wir sind vorsichtig, vielleicht etwas zu vorsichtig, aber die vielen verheerenden Berichte über falsches Absetzen sensibilisieren uns für die Thematik und ich kann nur raten, es lieber richtig zu machen und etwas Zeit (und vielleicht ein paar Euro) einzukalkulieren, um einen sauberen "Abgang" hinzulegen als zu riskieren, Monate mit den schei* Symptomen befasst zu sein....

Überlege es dir noch mal.
Grüße
Jamie
...........SIGNATUR...............


:arrow: Eure Mithilfe ist gefragt - wer benutzt die Wasserlösemethode?


:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): viewtopic.php?f=51&t=12478


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