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Liebe ADFDler,

Wir haben eine große Softwareaktualisierung durchgeführt. Im Ideal funktioniert alles wie bevor, nur dass ein paar Details ein wenig anders aussehen. Falls es in den nächsten Tagen doch Probleme gibt, bitte beschreibt was ihr gemacht habt und was nicht so war, wie ihr es erwartet in diesem Thread:

Problemsammlung nach Softwareaktualisierung (Januar 2018)

Vielen Dank für Eure Hilfe.

Euer ADFD Team

Mayborr: Citalopram abgesetzt

Wenn moderne Antidepressiva abgesetzt werden, kann dies zu schweren und langwierigen Entzugserscheinungen führen. Viele Hersteller und Ärzte verharmlosen diese Problematik leider.
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Mayborr
Beiträge: 4
Registriert: Montag, 25.12.17, 19:03

Re: Reaktionen von "Fachmenschen" zum Thema Absetzsyndrom?

Beitrag von Mayborr » Montag, 25.12.17, 19:19

Hallo zusammen,

Danke für die vielen, hilfreichen Informationen.

Ich habe selbst rund 5 Jahre Citalopram 20mg mit gutem Erfolg eingenommen (vorher ca. 8 Jahre eine "therapieresistente" Agoraphobie mit Panikstörung als diagnose gehabt). Dann hatte ich zunehmend das Gefühl, dass das Medikament nicht mehr wirkt und den Verdacht, dass entweder die „alte Symptomatik“ zurückkehrt oder ich das Medikament nicht mehr vertrage. Da mein Hausarzt scheinbar wenig Erfahrung damit hatte, setzte ich das Medikament auf seinen Rat hin abrupt ab. Nach ca. 3-4 Monaten heftigen Absetzerscheinungen (Zaps, Tinnitus, starke Angstanfälle, Magen/Darm Probleme) habe ich das Medikament wieder eingenommen. Das hat mich dann insofern wiederhergestellt, als dass ich auf dem Status Quo von vor dem Absetzen war.
Nun führten dann aber mehrere "hypertensiven Krisen" (hatte vorher nie Probleme mit Bluthochdruck) und ein auffälliges EKG im Laufe des Jahres dazu, dass das Citalopram wieder abgesetzt wurde. Dieses Mal vom behandelnden Arzt der Kardiologie eines Krankenhauses, in welchem ich 2x ca. 10 Tage war (übrigens ohne ernsten Befund, lediglich essentielle Hypertonie, wogegen es nun Ramipril gibt).

Ich bin nun seit 8 Wochen wieder vollständig ohne Citalopram unterwegs und habe so extreme Angst wie selten zuvor. Ich kann nicht unterscheiden, ob es die Grundsymptomatik ist oder das Absetzsyndrom. Und vorallem - wie mache ich weiter? Mein Hausarzt empfiehlt "Sport" und "Atosil" für den Notfall… was meinem Gefühl nach nicht der Situation gerecht wird.

Jemand eine Idee, wie ich wieder ans Licht kommen könnte?

Danke und frohe Weihnachten!
seit 1998 Agoraphobie mit Panikattacken
1999-2001 Psychotherapie ohne Heilung, Diagnose "therapieresistente Panikstörung", sowie "narzistische Persönlichkeitsstörung auf unreifem Borderline Niveau"
2001-2004 Opipramol bis zur Höchstdosis ohne Erfolg, abrupt abgesetzt und mit Verzögerung starke Magen/Darmprobleme über 6 Monate bekommen
2004-2007 keine Medikamente
2008-2014 Citalopram 20mg, zeitweise 40mg - teilweise völlig beschwerdefreie Phasen!
Mitte 2014 Absetzversuch mit 10mg auf Anraten eines neuen Arztes - wegen Nebenwirkungen wieder auf 20mg aufdosiert. Seitdem gefühlter Wirkverlust.
Ende 2015 abrupt abgesetzt, da nur noch Nebenwirkungen vorhanden waren
Anfang 2016 starke Magen/Darmprobleme, Schwindel, Erbrechen, Schwäche - Q2/2016 wieder auf 20mg aufdosiert und diese "neuen Probleme" waren wieder weg. Nebenwirkungen waren jedoch massiver als zuvor wieder da - trotzdem weiter eingenommen
2017 mehrere hypertensive Krisen, verlängertes QTc, TdP mit Frequenzen um 230 - abruptes Absetzen von Citalopram in Q1/2017 auf ärztliche Veranlassung. QTc hat sich binnen 2 Monaten langsam normalisiert
Starke Angstzustände und alte Magen/Darmsymptomatik wiedergekehrt, sodass ich in Q2/2017 Citalopram eigenmächtig mit 20mg eingenommen habe.
Rythmusstörungen, QTc wieder verlängert, TdP Tachykardien, hypertensive Krisen mit 230/135, mehrere Notfallbehandlungen im KH.
Seit Q3/2017 wieder abrupt abgesetzt. Mit Verzögerung starke, klassische Absetzsymptome und heftige, generalisierte Angst (24h Angst) bekommen. Nach knapp 3 Monaten symptomatischer Bekämpfung mit Loratadin, Buscopan, Pantozol, Imodium, Baldrian, viel Ruhe, Tee - 0% Kaffee und Alkohol sowie 3 Wochen "Urlaub auf dem Sofa" scheinbar symptomfrei. Wurde von "ein auf den anderen Tag" besser, als sich die Magen/Darm Probleme gefangen hatten.
Der Zustand der Symptomfreiheit ist jedoch noch sehr fragil. Eine starke Erkältung hat mich z.B. für 10 Tage wieder in eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase befördert. Hier hat dann nur strikte Ruhe und am Ende "massive Bewegung" (trotz quälender Symptome) geholfen, wieder klar zu kommen.
Das vom Hausarzt verordnete Opipramol für solche Phasen habe ich nach 3-maliger Einnahme abgesetzt, da scheinbar alle alten H1-Antagonisten zu unerträglichen Verwirrtheitszuständen geführt haben.

Stand heute: keine Agoraphobie mehr, selten und dann meist gedanklich provizierte Panikattacken („Horrorphantasien“), Blutdruck und Herzrythmus wieder normal-optimal. Absolute Unverträglichkeit von Kaffee, Schwarztee und Alkohol seit dem ich "clean" bin. Unter Citalopram hatte ich praktisch eine Koffeinresistenz (4-5 Red Bull oder auch mal 10-12 Tassen Kaffee ohne Wirkungen auf die Nerven).

Dank dieses Forums nicht die Hoffnung verloren und gelernt, dass SSRI starke Absetzsymptome machen, die mit der Grunderkrankung verwechselt werden können.

lunetta
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Re: Mayborr: Citalopram abgesetzt

Beitrag von lunetta » Montag, 25.12.17, 19:57

Hallo und willkommen bei uns!

Schön dass du zu uns gefunden hast:)

Hast du nun beim 2. Mal Absetzen langsam abgesetzt oder wie schnell warst du beim Absetzen?

Die meisten Ärzte kennen sich ja beim Absetzen gar nicht aus und empfehlen ein viel zu schnelles Absetzen, und die Patienten leiden dann an furchtbaren Absetzsymptomen und glauben aber dass es wieder die "Grunderkrankung" wäre, wobei man da ja auch mittlerweile verschiedenste Denkansätze hat, ob ein AD oder Benzo bei Angsterkrankungen und /oder Depressionen die erwünschte Wirkung hat.
Sicher ist dass sie Symptome deckeln, aber nicht heilen.

Machst du eine Therapie für deine Agoraphobie oder hattest du nur das AD als Therapie?

Wir hier setzen sehr langsam und bedächtig ab - nur 10% der letzten Dosis ca. alle 4 Wochen, gegen Ende hin wenn die Dosierungen kleiner werden sogar nur 3-5 %, manche von und. sogar noch langsamer.
Das verhindert dass man allzu große Symptome bekommt und man halbwegs alltagskopatibel bleibt.

Wie du beim Lesen sicher merkst, ist mit unserer Methode das Absetzen ein Langzeitprojekt von meistens Jahren, und viele von uns setzen schon jahrelang 1 einziges Medikament ab. Manchmal muß man längere Pausen einlegen, wenn die Absetzsymptome allzu schwer werden, manchmal braucht man aber auch einfach nur eine Absetzpause um sich ein wenig zu erholen und durchzuschnaufen, denn das Absetzen kann extrem an die Substanz gehen.

Nach ca. 4 Wochen ist ein Psychopharmakum fest in den Hirnstoffwechseln eingebaut und jegliches Weglassen bzw. Reduzieren ist ein enormer Stress für das ZNS und macht Symptome. Je langsamer und und langfristiger man absetzt, umso besser kommt man ans Ziel.
Zu schnelles Absetzen macht den meisten Menschen Probleme, und man glaubt dann dass man wieder die sogenannte Grunderkrankung hat und muß dann erst wieder eindosieren oder die Dosis erhöhen - es bringt einem im Endeffekt also zeitlich nichts.

Genrell gilt, dass man innerhalb von 4-6 Wochen wieder mit einer sehr kleinen Dosis eindosieren kann. Je länger man zuwartet, desto größer ist die Gefahr dass man das ursprüngliche Medikament nicht mehr verträgt oder sogar paradox darauf reagiert.


Du leidest zur Zeit ziemlich sicher an Absetzsymptomen, und bist mit 8 Wochen knapp über dem Zeitraum in dem ein Wiedereinsdosieren anzuraten ist, ich würde es an deiner Stelle aber trotzdem versuchen, wieder eine ganz geringe Menge einzunehmen, vielleicht nur 1 mg, als Versuch. Damit könntest du einem Langzeitabsetzsyndrom entgegenwirken, das manchmal wochen-, monate, sogar jahrelang andauern kann. Einige hier kennen das leider.

Diese geringe Dosis solltest du dann erstmal für 1-2 Wochen halten, dann sieht man schon mal ob du es noch veträgst und ob sich was an deinem jetzigen Zustand verbessert. Es kann dauern bis sich eine Besserung einstellt, also nicht gleich verzweifeln! Danach kann man schauen ob man noch nachbessern muß, also eventuell 1 mg mehr, oder ob du dich mit 1 mg schon stabilisieren kannst.

Die Medis, die dir dein Arzt empfiehlt würden dir nicht helfen, denn dein Körper ist Citalopram gewöhnt, und möchte nun nur das, das fehlt deinem gebeutelten ZNS jetzt, und deshalb würde nur die Wiedereinnahme von C. die jetzigen Symptome lindern.

So kleine Dosierungen bekommst du mit entweder einer Feinwaage oder mit der Wasserlösemethode hin. Gib diese Begriffe bitte in die Suchmaschine ein, mir geht es heute nicht so gut, dass ich jetzt suchen möchte, damit ich es dir verlinken kann. Danke dir!

Du wirst noch Antworten von anderen Foris bekommen, es dauert nur manchmal ein wenig, da wir alle mehr oder weniger absetzgebeutelt sind, und deshalb nicht immer online sind.

Es wäre uns auch eine große Hilfe, wenn du eine Signatur anlegen würdest, dort bitte alle Medikamente eintragen, die du nimmst oder genommen hast, wie lange und in welcher Dosierung. Man kann dir dann besser raten.
Dafür gehst du auf deinen nickname, dann auf Profil, dann auf Profil ändern, und dann auf Signatur - dort kannst du alles hineinschreiben.
Danke dir auch dafür!

Dies ist nun dein thread und hier kannst du alles schreiben, was dich bedrückt und alle Fragen die du hast;)

GLG
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Mayborr
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Re: Mayborr: Citalopram abgesetzt

Beitrag von Mayborr » Freitag, 12.01.18, 12:27

Danke für Deine Antwort. Die Signatur erstelle ich demnächst, sobald ich mal die ganzen Zeiträume genauer zusammengetragen habe.

Beim zweiten Mal habe ich auch wieder abrupt absetzen müssen. Der Oberarzt hatte das Citalopram als "Teufelszeug" bezeichnet und wollte es sofort abgesetzt wissen.

Nun sind knapp 3 Wochen später und es geht mir tatsächlich besser. Ich habe weder das Atosil genommen, noch habe ich Citalopram aus Angst vor den Nebenwirkungen wieder eindosiert.
Ich habe symptomatisch aber ein paar Dinge festgestellt, die geholfen haben und die ich gerne teilen würde:

1. Buscopan und Pantozol (im Wechsel) haben die Magen-Darm-Symptomatik erträglich gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass vorallem das Buscopan mein Verdauungssystem etwas gebremmst hat. Von 20-30 Stuhlgängen pro Tag ist es auf 1-3 gesunken. Das Pantozol hat gegne die Magenschmerzen geholfen.

2. Loratadin als Antiallergikum hat das Kloßgefühl beseitigt und komischerweise deutlich auch die anderen Symptome gelindert. Ganz verrückt. Liegt das an den FIASMA Aspekt des Mittels vielleicht? Da gibt es auch Studien zu: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/16245071
seit 1998 Agoraphobie mit Panikattacken
1999-2001 Psychotherapie ohne Heilung, Diagnose "therapieresistente Panikstörung", sowie "narzistische Persönlichkeitsstörung auf unreifem Borderline Niveau"
2001-2004 Opipramol bis zur Höchstdosis ohne Erfolg, abrupt abgesetzt und mit Verzögerung starke Magen/Darmprobleme über 6 Monate bekommen
2004-2007 keine Medikamente
2008-2014 Citalopram 20mg, zeitweise 40mg - teilweise völlig beschwerdefreie Phasen!
Mitte 2014 Absetzversuch mit 10mg auf Anraten eines neuen Arztes - wegen Nebenwirkungen wieder auf 20mg aufdosiert. Seitdem gefühlter Wirkverlust.
Ende 2015 abrupt abgesetzt, da nur noch Nebenwirkungen vorhanden waren
Anfang 2016 starke Magen/Darmprobleme, Schwindel, Erbrechen, Schwäche - Q2/2016 wieder auf 20mg aufdosiert und diese "neuen Probleme" waren wieder weg. Nebenwirkungen waren jedoch massiver als zuvor wieder da - trotzdem weiter eingenommen
2017 mehrere hypertensive Krisen, verlängertes QTc, TdP mit Frequenzen um 230 - abruptes Absetzen von Citalopram in Q1/2017 auf ärztliche Veranlassung. QTc hat sich binnen 2 Monaten langsam normalisiert
Starke Angstzustände und alte Magen/Darmsymptomatik wiedergekehrt, sodass ich in Q2/2017 Citalopram eigenmächtig mit 20mg eingenommen habe.
Rythmusstörungen, QTc wieder verlängert, TdP Tachykardien, hypertensive Krisen mit 230/135, mehrere Notfallbehandlungen im KH.
Seit Q3/2017 wieder abrupt abgesetzt. Mit Verzögerung starke, klassische Absetzsymptome und heftige, generalisierte Angst (24h Angst) bekommen. Nach knapp 3 Monaten symptomatischer Bekämpfung mit Loratadin, Buscopan, Pantozol, Imodium, Baldrian, viel Ruhe, Tee - 0% Kaffee und Alkohol sowie 3 Wochen "Urlaub auf dem Sofa" scheinbar symptomfrei. Wurde von "ein auf den anderen Tag" besser, als sich die Magen/Darm Probleme gefangen hatten.
Der Zustand der Symptomfreiheit ist jedoch noch sehr fragil. Eine starke Erkältung hat mich z.B. für 10 Tage wieder in eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase befördert. Hier hat dann nur strikte Ruhe und am Ende "massive Bewegung" (trotz quälender Symptome) geholfen, wieder klar zu kommen.
Das vom Hausarzt verordnete Opipramol für solche Phasen habe ich nach 3-maliger Einnahme abgesetzt, da scheinbar alle alten H1-Antagonisten zu unerträglichen Verwirrtheitszuständen geführt haben.

Stand heute: keine Agoraphobie mehr, selten und dann meist gedanklich provizierte Panikattacken („Horrorphantasien“), Blutdruck und Herzrythmus wieder normal-optimal. Absolute Unverträglichkeit von Kaffee, Schwarztee und Alkohol seit dem ich "clean" bin. Unter Citalopram hatte ich praktisch eine Koffeinresistenz (4-5 Red Bull oder auch mal 10-12 Tassen Kaffee ohne Wirkungen auf die Nerven).

Dank dieses Forums nicht die Hoffnung verloren und gelernt, dass SSRI starke Absetzsymptome machen, die mit der Grunderkrankung verwechselt werden können.

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