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Mayborr: Citalopram abgesetzt

Wenn Antidepressiva abgesetzt werden, kann dies zu schweren und langwierigen Entzugserscheinungen führen. Viele Hersteller und Ärzte verharmlosen diese Problematik leider.
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Mayborr
Beiträge: 21
Registriert: Montag, 25.12.17, 19:03

Re: Reaktionen von "Fachmenschen" zum Thema Absetzsyndrom?

Beitrag von Mayborr » Montag, 25.12.17, 19:19

Hallo zusammen,

Danke für die vielen, hilfreichen Informationen.

Ich habe selbst rund 5 Jahre Citalopram 20mg mit gutem Erfolg eingenommen (vorher ca. 8 Jahre eine "therapieresistente" Agoraphobie mit Panikstörung als diagnose gehabt). Dann hatte ich zunehmend das Gefühl, dass das Medikament nicht mehr wirkt und den Verdacht, dass entweder die „alte Symptomatik“ zurückkehrt oder ich das Medikament nicht mehr vertrage. Da mein Hausarzt scheinbar wenig Erfahrung damit hatte, setzte ich das Medikament auf seinen Rat hin abrupt ab. Nach ca. 3-4 Monaten heftigen Absetzerscheinungen (Zaps, Tinnitus, starke Angstanfälle, Magen/Darm Probleme) habe ich das Medikament wieder eingenommen. Das hat mich dann insofern wiederhergestellt, als dass ich auf dem Status Quo von vor dem Absetzen war.
Nun führten dann aber mehrere "hypertensiven Krisen" (hatte vorher nie Probleme mit Bluthochdruck) und ein auffälliges EKG im Laufe des Jahres dazu, dass das Citalopram wieder abgesetzt wurde. Dieses Mal vom behandelnden Arzt der Kardiologie eines Krankenhauses, in welchem ich 2x ca. 10 Tage war (übrigens ohne ernsten Befund, lediglich essentielle Hypertonie, wogegen es nun Ramipril gibt).

Ich bin nun seit 8 Wochen wieder vollständig ohne Citalopram unterwegs und habe so extreme Angst wie selten zuvor. Ich kann nicht unterscheiden, ob es die Grundsymptomatik ist oder das Absetzsyndrom. Und vorallem - wie mache ich weiter? Mein Hausarzt empfiehlt "Sport" und "Atosil" für den Notfall… was meinem Gefühl nach nicht der Situation gerecht wird.

Jemand eine Idee, wie ich wieder ans Licht kommen könnte?

Danke und frohe Weihnachten!
seit 1996 Panikattacken
1999 zusätzlich Agoraphobie
1999-2001 Gesprächstherapie
2001-2004 Opipramol bis Höchstdosis ohne Erfolg
2004-2010 keine Medikamente - Angst und stark somatische Beschwerden
ab 15.01.2010 Citalopram 20-40mg - teilweise beschwerdefreie Phasen.
Kippte aber manchmal in eine Art Hyperaktivität
Mitte 2014 Absetzversuch (auf 10mg) auf Anraten eines neuen Arztes - wegen Absetzerscheinungen nach 5-6 Tagen aber schnell wieder auf 20mg aufdosiert. Seitdem Wirkverlust und stetige Verschlechterung des Zustands. Besserung bei Auslassen einer Einzeldosis, kippte dann aber schnell in Absetzsymptome.
Ende 2015 abrupt nach alternierender Einnahme abgesetzt, da nur noch Nebenwirkungen des Citaloprams vorhanden waren.
Anfang 2016 starke Magen/Darmprobleme, Schwindel, Erbrechen, Schwäche - Q2/2016 wieder auf 20mg aufdosiert und diese Absetzsymptome waren wieder weg. Nebenwirkungen waren jedoch massiver als zuvor wieder da - trotzdem weiter eingenommen. Zustand war immer 1-2 Stunden nach der Einnahme schlechter.
2017 mehrere hypertensive Krisen, verlängertes QTc, TdP mit Frequenzen um 230 - abruptes Absetzen von Citalopram in Q1/2017 auf ärztliche Veranlassung. QTc hat sich binnen 2 Monaten langsam normalisiert
Starke Angstzustände und alte Magen/Darmsymptomatik wiedergekehrt, sodass ich in Q2/2017 Citalopram 20mg eigenmächtig alternierend eingenommen habe.
Erneut Rythmusstörungen, QTc wieder verlängert, TdP Tachykardien, hypertensive Krisen mit 230/135, mehrere Notfallbehandlungen im KH.
Seit Q3/2017 wieder abrupt abgesetzt.
Mit Verzögerung starke Absetzsymptome und heftige, generalisierte Angst (24h Angst) bekommen. Nach 3 Monaten symptomatischer Bekämpfung mit Loratadin, Buscopan, Pantozol, Imodium, Baldrian, viel Ruhe, Tee - 0% Kaffee und Alkohol sowie 3 Wochen "Urlaub auf dem Sofa" scheinbar symptomfrei. Wurde von "ein auf den anderen Tag" besser, als sich die Magen/Darm Probleme gefangen hatten. War aber ein klassisches "Fenster".

10 Tage später wieder eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase.
Das nun vom Hausarzt verordnete Opipramol habe ich nach 3-maliger Einnahme abgesetzt, da scheinbar alle alten H1-Antagonisten zu unerträglichen Verwirrtheitszuständen geführt haben.

Jan 18: Wieder ein "Fenster"
Feb 18: Massiv verunsichert. Zusammenbruch, Behandlung in der psych. Ambulanz, Tavor 0,5 für Notfälle bekommen. Tavor hat die Symptome zunindest kurzzeitig komplett gestoppt. Der Arzt aus der Notaufnahme ist der Meinung, dass wieder ein SSRI her muss.

Mehrere Termine in der Krisenambulanz. Kompetenten und sehr sorgfältigen, erfahrenen Arzt bekommen. Dieser vermutet damaliges Serotoninsyndrom aufgrund von Poor Metabolizing und bestätigt Absetzsyndrome, die sich deutlich von der ursprünglichen Störung unterscheiden. Nach gemeinsamer Abwägung von Nutzen-/Risiken vorrübergehend Pregabalin (25-150mg pro Tag) zur vorrübergehenden Symptomlinderung. Ab 150mg völlige Symptomfreiheit.
Nach 10 Tagen Verwirrtheit, grobschlägiges Zittern, "Horrorattacken". Pregabalin auf 50mg / Tag nach Rücksprache mit Ärztin in der PIA reduziert - Symptome nach 24 Stunden weg.
Nase voll von den Experimenten. Ich nehme keine Medikamente mehr gegen die Angst. Soll mich diese verdammte Angst doch holen. Ich hol mir jetzt mein Leben zurück.

lunetta
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Re: Mayborr: Citalopram abgesetzt

Beitrag von lunetta » Montag, 25.12.17, 19:57

Hallo und willkommen bei uns!

Schön dass du zu uns gefunden hast:)

Hast du nun beim 2. Mal Absetzen langsam abgesetzt oder wie schnell warst du beim Absetzen?

Die meisten Ärzte kennen sich ja beim Absetzen gar nicht aus und empfehlen ein viel zu schnelles Absetzen, und die Patienten leiden dann an furchtbaren Absetzsymptomen und glauben aber dass es wieder die "Grunderkrankung" wäre, wobei man da ja auch mittlerweile verschiedenste Denkansätze hat, ob ein AD oder Benzo bei Angsterkrankungen und /oder Depressionen die erwünschte Wirkung hat.
Sicher ist dass sie Symptome deckeln, aber nicht heilen.

Machst du eine Therapie für deine Agoraphobie oder hattest du nur das AD als Therapie?

Wir hier setzen sehr langsam und bedächtig ab - nur 10% der letzten Dosis ca. alle 4 Wochen, gegen Ende hin wenn die Dosierungen kleiner werden sogar nur 3-5 %, manche von und. sogar noch langsamer.
Das verhindert dass man allzu große Symptome bekommt und man halbwegs alltagskopatibel bleibt.

Wie du beim Lesen sicher merkst, ist mit unserer Methode das Absetzen ein Langzeitprojekt von meistens Jahren, und viele von uns setzen schon jahrelang 1 einziges Medikament ab. Manchmal muß man längere Pausen einlegen, wenn die Absetzsymptome allzu schwer werden, manchmal braucht man aber auch einfach nur eine Absetzpause um sich ein wenig zu erholen und durchzuschnaufen, denn das Absetzen kann extrem an die Substanz gehen.

Nach ca. 4 Wochen ist ein Psychopharmakum fest in den Hirnstoffwechseln eingebaut und jegliches Weglassen bzw. Reduzieren ist ein enormer Stress für das ZNS und macht Symptome. Je langsamer und und langfristiger man absetzt, umso besser kommt man ans Ziel.
Zu schnelles Absetzen macht den meisten Menschen Probleme, und man glaubt dann dass man wieder die sogenannte Grunderkrankung hat und muß dann erst wieder eindosieren oder die Dosis erhöhen - es bringt einem im Endeffekt also zeitlich nichts.

Genrell gilt, dass man innerhalb von 4-6 Wochen wieder mit einer sehr kleinen Dosis eindosieren kann. Je länger man zuwartet, desto größer ist die Gefahr dass man das ursprüngliche Medikament nicht mehr verträgt oder sogar paradox darauf reagiert.


Du leidest zur Zeit ziemlich sicher an Absetzsymptomen, und bist mit 8 Wochen knapp über dem Zeitraum in dem ein Wiedereinsdosieren anzuraten ist, ich würde es an deiner Stelle aber trotzdem versuchen, wieder eine ganz geringe Menge einzunehmen, vielleicht nur 1 mg, als Versuch. Damit könntest du einem Langzeitabsetzsyndrom entgegenwirken, das manchmal wochen-, monate, sogar jahrelang andauern kann. Einige hier kennen das leider.

Diese geringe Dosis solltest du dann erstmal für 1-2 Wochen halten, dann sieht man schon mal ob du es noch veträgst und ob sich was an deinem jetzigen Zustand verbessert. Es kann dauern bis sich eine Besserung einstellt, also nicht gleich verzweifeln! Danach kann man schauen ob man noch nachbessern muß, also eventuell 1 mg mehr, oder ob du dich mit 1 mg schon stabilisieren kannst.

Die Medis, die dir dein Arzt empfiehlt würden dir nicht helfen, denn dein Körper ist Citalopram gewöhnt, und möchte nun nur das, das fehlt deinem gebeutelten ZNS jetzt, und deshalb würde nur die Wiedereinnahme von C. die jetzigen Symptome lindern.

So kleine Dosierungen bekommst du mit entweder einer Feinwaage oder mit der Wasserlösemethode hin. Gib diese Begriffe bitte in die Suchmaschine ein, mir geht es heute nicht so gut, dass ich jetzt suchen möchte, damit ich es dir verlinken kann. Danke dir!

Du wirst noch Antworten von anderen Foris bekommen, es dauert nur manchmal ein wenig, da wir alle mehr oder weniger absetzgebeutelt sind, und deshalb nicht immer online sind.

Es wäre uns auch eine große Hilfe, wenn du eine Signatur anlegen würdest, dort bitte alle Medikamente eintragen, die du nimmst oder genommen hast, wie lange und in welcher Dosierung. Man kann dir dann besser raten.
Dafür gehst du auf deinen nickname, dann auf Profil, dann auf Profil ändern, und dann auf Signatur - dort kannst du alles hineinschreiben.
Danke dir auch dafür!

Dies ist nun dein thread und hier kannst du alles schreiben, was dich bedrückt und alle Fragen die du hast;)

GLG
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Mayborr
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Re: Mayborr: Citalopram abgesetzt

Beitrag von Mayborr » Freitag, 12.01.18, 12:27

Danke für Deine Antwort. Die Signatur erstelle ich demnächst, sobald ich mal die ganzen Zeiträume genauer zusammengetragen habe.

Beim zweiten Mal habe ich auch wieder abrupt absetzen müssen. Der Oberarzt hatte das Citalopram als "Teufelszeug" bezeichnet und wollte es sofort abgesetzt wissen.

Nun sind knapp 3 Wochen später und es geht mir tatsächlich besser. Ich habe weder das Atosil genommen, noch habe ich Citalopram aus Angst vor den Nebenwirkungen wieder eindosiert.
Ich habe symptomatisch aber ein paar Dinge festgestellt, die geholfen haben und die ich gerne teilen würde:

1. Buscopan und Pantozol (im Wechsel) haben die Magen-Darm-Symptomatik erträglich gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass vorallem das Buscopan mein Verdauungssystem etwas gebremmst hat. Von 20-30 Stuhlgängen pro Tag ist es auf 1-3 gesunken. Das Pantozol hat gegne die Magenschmerzen geholfen.

2. Loratadin als Antiallergikum hat das Kloßgefühl beseitigt und komischerweise deutlich auch die anderen Symptome gelindert. Ganz verrückt. Liegt das an den FIASMA Aspekt des Mittels vielleicht? Da gibt es auch Studien zu: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/16245071
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Ende 2015 abrupt nach alternierender Einnahme abgesetzt, da nur noch Nebenwirkungen des Citaloprams vorhanden waren.
Anfang 2016 starke Magen/Darmprobleme, Schwindel, Erbrechen, Schwäche - Q2/2016 wieder auf 20mg aufdosiert und diese Absetzsymptome waren wieder weg. Nebenwirkungen waren jedoch massiver als zuvor wieder da - trotzdem weiter eingenommen. Zustand war immer 1-2 Stunden nach der Einnahme schlechter.
2017 mehrere hypertensive Krisen, verlängertes QTc, TdP mit Frequenzen um 230 - abruptes Absetzen von Citalopram in Q1/2017 auf ärztliche Veranlassung. QTc hat sich binnen 2 Monaten langsam normalisiert
Starke Angstzustände und alte Magen/Darmsymptomatik wiedergekehrt, sodass ich in Q2/2017 Citalopram 20mg eigenmächtig alternierend eingenommen habe.
Erneut Rythmusstörungen, QTc wieder verlängert, TdP Tachykardien, hypertensive Krisen mit 230/135, mehrere Notfallbehandlungen im KH.
Seit Q3/2017 wieder abrupt abgesetzt.
Mit Verzögerung starke Absetzsymptome und heftige, generalisierte Angst (24h Angst) bekommen. Nach 3 Monaten symptomatischer Bekämpfung mit Loratadin, Buscopan, Pantozol, Imodium, Baldrian, viel Ruhe, Tee - 0% Kaffee und Alkohol sowie 3 Wochen "Urlaub auf dem Sofa" scheinbar symptomfrei. Wurde von "ein auf den anderen Tag" besser, als sich die Magen/Darm Probleme gefangen hatten. War aber ein klassisches "Fenster".

10 Tage später wieder eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase.
Das nun vom Hausarzt verordnete Opipramol habe ich nach 3-maliger Einnahme abgesetzt, da scheinbar alle alten H1-Antagonisten zu unerträglichen Verwirrtheitszuständen geführt haben.

Jan 18: Wieder ein "Fenster"
Feb 18: Massiv verunsichert. Zusammenbruch, Behandlung in der psych. Ambulanz, Tavor 0,5 für Notfälle bekommen. Tavor hat die Symptome zunindest kurzzeitig komplett gestoppt. Der Arzt aus der Notaufnahme ist der Meinung, dass wieder ein SSRI her muss.

Mehrere Termine in der Krisenambulanz. Kompetenten und sehr sorgfältigen, erfahrenen Arzt bekommen. Dieser vermutet damaliges Serotoninsyndrom aufgrund von Poor Metabolizing und bestätigt Absetzsyndrome, die sich deutlich von der ursprünglichen Störung unterscheiden. Nach gemeinsamer Abwägung von Nutzen-/Risiken vorrübergehend Pregabalin (25-150mg pro Tag) zur vorrübergehenden Symptomlinderung. Ab 150mg völlige Symptomfreiheit.
Nach 10 Tagen Verwirrtheit, grobschlägiges Zittern, "Horrorattacken". Pregabalin auf 50mg / Tag nach Rücksprache mit Ärztin in der PIA reduziert - Symptome nach 24 Stunden weg.
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Arzt bestätigt Absetzsyndrom

Beitrag von Mayborr » Dienstag, 20.02.18, 18:19

Hallo Freunde,

nach meinem Zusammenbruch vor 14 Tagen wurde ich in einer Institutsambulanz von einem ganz tollen Facharzt für Psychiatrie behandelt. Er hat sich 1,5 Stunden Zeit genommen, hat mir auf Augenhöhe alles erklärt, die S3 Leitlinien zitiert und ist auf kritische Fragen sehr detailiert eingegangen.

Er hat vor 2 Wochen verschiedenste Untersuchungen durchgeführt (inkl. 3 Röhrchen Blutabnahme) und ist heute zum Schluss gekommen, dass meine hypertensiven Krisen insgesamt von typischen Symptomen einer Serotoninkrise begleitet wurden. Zudem gehöre ich wohl zu den "Poor Metabolizer" eines bestimmten Enzyms, sodass der Citalopram Plasmaspiegel bei mir ein Wirkungs-Äquivalent von rund 60-80mg erreichen konnte (gleichzeitige Einnahme von Pantoprazol haben das damals beispielsweise verschlimmert).

Zudem bestätigte er, dass ich nach abruptem Absetzen sehr wahrscheinlich ein Absetzsyndrom hatte, welches sich nach der Akutphase in eine Überaktivität des glutamergen Systems gewandelt hat. Es ließe sich teilweise anhand der Blut- und Urinproben nachvollziehen bzw den Verdacht bestärken. Das von mir geschilderte Phasenmodell von Altostrata findet er plausibel.
Insgesamt war er angenehm sachlich, kritisch und ohne Anspruch auf absolutes Wissen bzw Wahrheit.

Ich habe niedrigdosiert nun Pregabalin (75-150mg Tagesdosis nach Bedarf) nach sorgfältiger Nutzen-/Risikenabwägung bekommen und wir schauen nun, wann sich mein Nervensystem wieder regeneriert, um das Pregabalin langsam wieder auszuschleichen.
Passt für mich auch zur Lamortigin-Gabe bei Altostrata.

Mir hilft es jedenfalls sehr - obwohl ich mir der Gefahr bewusst bin, die das Medikament birgt. Aber ohne Medikament ging es nicht mehr und ich wollte die notfallmäßige Verabreichung vom Benzos vermeiden.
Einen Tod muss man scheinbar sterben.

Sein Fazit war, dass bei der Gabe von SSRI auf jedenfall ein engmaschiges und individuelles Monitoring notwendig ist, bei dem eben auch der Plasmaspiegel, die Ausscheidung und die Therapiedauer überwacht, aber vorallem auch die Indikation ganz klar herausgearbeitet werden muss. In meinem Fall hat er z.B. von der Gabe Sertralin abgeraten. Auch Opipramol oder gar Mirtazapin fand er - entgegen der Idee des Hausarztes - nicht angezeigt. Er war der Meinung, dass das glutamerge System eingebremmst werden muss, weil es derzeit hyperaktiv ist und das ein aktives Aussitzen (Abschirmung von Stressoren, Meditation usw) zwar theoretisch möglich, aber sehr hart und langwierig werden könnte.

Ich habe wieder Hoffnung!

(Meine Signatur ergänze ich gleich - diese war mit über 3000 Zeichen zu lang)
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Ende 2015 abrupt nach alternierender Einnahme abgesetzt, da nur noch Nebenwirkungen des Citaloprams vorhanden waren.
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Re: Mayborr: Citalopram abgesetzt

Beitrag von Mayborr » Dienstag, 20.02.18, 18:54

Kurioserweise ist übrigens dieses Poor Metabolizing wohl auch der Grund, warum ich damals mit 16 beim Ausprobieren von potentem Cannabis heftig abgeschmiert bin.
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Jamie
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Re: Mayborr: Citalopram abgesetzt

Beitrag von Jamie » Dienstag, 20.02.18, 19:49

Hallo Mayborr, :)

alles Gute für dich.
Ich hoffe, dass sich der Weg, den du beschreitest, auch tatsächlich als gangbar herausstellt.

poor metabolizer auf speziellen Cyp Systemen müssen ggf. auch bei anderen Medikamenten acht geben wegen möglicher Überdosierung. Das kann bei einer schweren OP, wo starke Opiate im Anschluss nötig werden, irgendwann mal relevant werden, da dir besonders die Gefahr einer Intoxifikation droht.
Wenn es dir besser geht und du Zeit und Muse hast, würde ich da mal weiter recherchieren und mich beraten lassen.

Bist du sicher auf ein CYP System (zB Cyp2D6) als Gentest getestet worden zu sein oder war das eher Spekulation mit dem poor metabolizer?
Normalerweise muss man da eine Unterschrift leisten, da diese Untersuchung rechtlich besonders geschützt ist und nur mit expliziter Einwilligung des Patienten gemacht werden darf.

Grüße
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Re: Mayborr: Citalopram abgesetzt

Beitrag von Mayborr » Dienstag, 20.02.18, 20:02

Hallo Jamie,

die Poor Metabolizer Sache ist ein Verdacht gewesen. Der Arzt (schätzungsweise zwischen 55-60 Jahre alt) hat ähnliche Verläufe schon häufiger beobachtet und ist nach Auswertung der Krankengeschichte der letzten 2 Jahre, sowie meiner Symptombeschreibung darauf gekommen.

Mich erschreckt die Tatsache, dass niemand das Serotonin Syndrom vermutet hat. In der Nachbetrachtung ist dieser Verdacht total stimmig: ich habe extrem gezittert und gekrampft, massiv geschwitzt und erhöhte Temperatur und extrem geweitete Pupillen gehabt.


Danke und Dir auch alles Gute. Habe heute mal Deine Geschichte gelesen und bin beeindruckt, was Du alles durchgestanden hast. Ich habe größten Respekt vor dieser Leistung.


Viele Grüße
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2017 mehrere hypertensive Krisen, verlängertes QTc, TdP mit Frequenzen um 230 - abruptes Absetzen von Citalopram in Q1/2017 auf ärztliche Veranlassung. QTc hat sich binnen 2 Monaten langsam normalisiert
Starke Angstzustände und alte Magen/Darmsymptomatik wiedergekehrt, sodass ich in Q2/2017 Citalopram 20mg eigenmächtig alternierend eingenommen habe.
Erneut Rythmusstörungen, QTc wieder verlängert, TdP Tachykardien, hypertensive Krisen mit 230/135, mehrere Notfallbehandlungen im KH.
Seit Q3/2017 wieder abrupt abgesetzt.
Mit Verzögerung starke Absetzsymptome und heftige, generalisierte Angst (24h Angst) bekommen. Nach 3 Monaten symptomatischer Bekämpfung mit Loratadin, Buscopan, Pantozol, Imodium, Baldrian, viel Ruhe, Tee - 0% Kaffee und Alkohol sowie 3 Wochen "Urlaub auf dem Sofa" scheinbar symptomfrei. Wurde von "ein auf den anderen Tag" besser, als sich die Magen/Darm Probleme gefangen hatten. War aber ein klassisches "Fenster".

10 Tage später wieder eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase.
Das nun vom Hausarzt verordnete Opipramol habe ich nach 3-maliger Einnahme abgesetzt, da scheinbar alle alten H1-Antagonisten zu unerträglichen Verwirrtheitszuständen geführt haben.

Jan 18: Wieder ein "Fenster"
Feb 18: Massiv verunsichert. Zusammenbruch, Behandlung in der psych. Ambulanz, Tavor 0,5 für Notfälle bekommen. Tavor hat die Symptome zunindest kurzzeitig komplett gestoppt. Der Arzt aus der Notaufnahme ist der Meinung, dass wieder ein SSRI her muss.

Mehrere Termine in der Krisenambulanz. Kompetenten und sehr sorgfältigen, erfahrenen Arzt bekommen. Dieser vermutet damaliges Serotoninsyndrom aufgrund von Poor Metabolizing und bestätigt Absetzsyndrome, die sich deutlich von der ursprünglichen Störung unterscheiden. Nach gemeinsamer Abwägung von Nutzen-/Risiken vorrübergehend Pregabalin (25-150mg pro Tag) zur vorrübergehenden Symptomlinderung. Ab 150mg völlige Symptomfreiheit.
Nach 10 Tagen Verwirrtheit, grobschlägiges Zittern, "Horrorattacken". Pregabalin auf 50mg / Tag nach Rücksprache mit Ärztin in der PIA reduziert - Symptome nach 24 Stunden weg.
Nase voll von den Experimenten. Ich nehme keine Medikamente mehr gegen die Angst. Soll mich diese verdammte Angst doch holen. Ich hol mir jetzt mein Leben zurück.

Jamie
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Re: Mayborr: Citalopram abgesetzt

Beitrag von Jamie » Dienstag, 20.02.18, 20:11

Hallo Mayborr, :)

du kannst das testen lassen, wenn es dir ein Bedürfnis ist.

Allerdings muss der Arzt bei der Kassenärztlichen Vereinigung des Bundeslandes anfragen, ob die Genotypisierung übernommen wird.
Denn sie ist teuer.
Es ist leider nicht gesagt, dass wenn die KV Hamburg zahlt, das auch die KV Rheinland Pfalz zahlt etc.
Es hängt davon ab, ob die Untersuchung im Leistungskatalog gelistet ist.

Aber wenn sie übernommen wird, darf man auch testen lassen.
Das darf sogar der Hausarzt. Meiner hat das damals getan und hat vorher bei der KV angerufen und nachgefragt.

Das relevante Cyp System bei AD ist vor allem CYP2D6.

Ich weiß das, weil ich den Test selbst habe machen lassen, da es auch bei mir Indizien gab, dass irgendwas ganz und gar nicht stimmt, wenn ich bestimmte Medikamente nehme.
Ich spreche allerdings nicht in der Öffentlichkeit über Gene, da dies nicht dort hin gehört.
Nur soviel, auch ich bin nicht "Standard" und musste mich erst mal bei der Genetikerin beraten lassen.

Was du beschreibst, klingt sehr einleuchtend und in Nachhinein wird einem dann auch Einiges klar...

Sei generell sehr vorsichtig mit hoch dosierten Medikamenten. Es könnte mehr reinhauen, als man ahnt.

Viele Grüße und danke auch für deine Worte :group:
Jamie
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Re: Mayborr: Citalopram abgesetzt

Beitrag von Mayborr » Dienstag, 20.02.18, 20:23

Hallo Jamie,

Danke für die ganzen Tipps. Ich frage das mal an. Derzeit überlege ich aber noch, ob ich enttäuscht von meinem Hausarzt bin und mir einen neuen Arzt suche, der sich mehr Zeit nimmt - oder ob ich mit ihm das alles aufarbeite. Fakt ist, dass ich die ganzen Citalopram-Rezepte immer ohne Arztkontakt und jegliche Nachfrage oder Abnahme von Blutwerten etc. bekam. Und die Termine nach den Krankenhausaufenthalten waren auch immer nur 5-10 Minuten, wo er den Arztbrief las und mir dann die im Krankenhaus verordnete Medikation weiter aufschrieb (haufenweise Herzmedikamente, die ich jetzt alle nicht mehr nehme). Sämtliche Symptomschilderung hatte er zumindest mit so einer „esotherisch-pädagogischen Grundhaltung“ beantwortet. So von wegen: das hört auf, wenn Du Deinen Platz in der Gesellschaft gefunden hast.


Über Gene in einem Forum zu sprechen, finde ich auch irgendwie unheimlich. Ich wüsste zwar nicht direkt, warum – aber wenn ich überlege, welche Profile man derzeit schon herstellen kann, wird es gruselig, wenn man noch medizinische Daten berücksichtigt.

Grüße
Mayborr

(Wenn Du privaten Kontakt möchtest, sende mir gerne eine Kontaktadresse)
seit 1996 Panikattacken
1999 zusätzlich Agoraphobie
1999-2001 Gesprächstherapie
2001-2004 Opipramol bis Höchstdosis ohne Erfolg
2004-2010 keine Medikamente - Angst und stark somatische Beschwerden
ab 15.01.2010 Citalopram 20-40mg - teilweise beschwerdefreie Phasen.
Kippte aber manchmal in eine Art Hyperaktivität
Mitte 2014 Absetzversuch (auf 10mg) auf Anraten eines neuen Arztes - wegen Absetzerscheinungen nach 5-6 Tagen aber schnell wieder auf 20mg aufdosiert. Seitdem Wirkverlust und stetige Verschlechterung des Zustands. Besserung bei Auslassen einer Einzeldosis, kippte dann aber schnell in Absetzsymptome.
Ende 2015 abrupt nach alternierender Einnahme abgesetzt, da nur noch Nebenwirkungen des Citaloprams vorhanden waren.
Anfang 2016 starke Magen/Darmprobleme, Schwindel, Erbrechen, Schwäche - Q2/2016 wieder auf 20mg aufdosiert und diese Absetzsymptome waren wieder weg. Nebenwirkungen waren jedoch massiver als zuvor wieder da - trotzdem weiter eingenommen. Zustand war immer 1-2 Stunden nach der Einnahme schlechter.
2017 mehrere hypertensive Krisen, verlängertes QTc, TdP mit Frequenzen um 230 - abruptes Absetzen von Citalopram in Q1/2017 auf ärztliche Veranlassung. QTc hat sich binnen 2 Monaten langsam normalisiert
Starke Angstzustände und alte Magen/Darmsymptomatik wiedergekehrt, sodass ich in Q2/2017 Citalopram 20mg eigenmächtig alternierend eingenommen habe.
Erneut Rythmusstörungen, QTc wieder verlängert, TdP Tachykardien, hypertensive Krisen mit 230/135, mehrere Notfallbehandlungen im KH.
Seit Q3/2017 wieder abrupt abgesetzt.
Mit Verzögerung starke Absetzsymptome und heftige, generalisierte Angst (24h Angst) bekommen. Nach 3 Monaten symptomatischer Bekämpfung mit Loratadin, Buscopan, Pantozol, Imodium, Baldrian, viel Ruhe, Tee - 0% Kaffee und Alkohol sowie 3 Wochen "Urlaub auf dem Sofa" scheinbar symptomfrei. Wurde von "ein auf den anderen Tag" besser, als sich die Magen/Darm Probleme gefangen hatten. War aber ein klassisches "Fenster".

10 Tage später wieder eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase.
Das nun vom Hausarzt verordnete Opipramol habe ich nach 3-maliger Einnahme abgesetzt, da scheinbar alle alten H1-Antagonisten zu unerträglichen Verwirrtheitszuständen geführt haben.

Jan 18: Wieder ein "Fenster"
Feb 18: Massiv verunsichert. Zusammenbruch, Behandlung in der psych. Ambulanz, Tavor 0,5 für Notfälle bekommen. Tavor hat die Symptome zunindest kurzzeitig komplett gestoppt. Der Arzt aus der Notaufnahme ist der Meinung, dass wieder ein SSRI her muss.

Mehrere Termine in der Krisenambulanz. Kompetenten und sehr sorgfältigen, erfahrenen Arzt bekommen. Dieser vermutet damaliges Serotoninsyndrom aufgrund von Poor Metabolizing und bestätigt Absetzsyndrome, die sich deutlich von der ursprünglichen Störung unterscheiden. Nach gemeinsamer Abwägung von Nutzen-/Risiken vorrübergehend Pregabalin (25-150mg pro Tag) zur vorrübergehenden Symptomlinderung. Ab 150mg völlige Symptomfreiheit.
Nach 10 Tagen Verwirrtheit, grobschlägiges Zittern, "Horrorattacken". Pregabalin auf 50mg / Tag nach Rücksprache mit Ärztin in der PIA reduziert - Symptome nach 24 Stunden weg.
Nase voll von den Experimenten. Ich nehme keine Medikamente mehr gegen die Angst. Soll mich diese verdammte Angst doch holen. Ich hol mir jetzt mein Leben zurück.

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