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Liebe ADFDler,

Wir haben eine große Softwareaktualisierung durchgeführt. Im Ideal funktioniert alles wie bevor, nur dass ein paar Details ein wenig anders aussehen. Falls es in den nächsten Tagen doch Probleme gibt, bitte beschreibt was ihr gemacht habt und was nicht so war, wie ihr es erwartet in diesem Thread:

Problemsammlung nach Softwareaktualisierung (Januar 2018)

Vielen Dank für Eure Hilfe.

Euer ADFD Team

Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Auch für Antiepileptika (z.B. Lyrica/Pregabalin), Stimmungsstabilisierer und Stimulanzien
Axala
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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Axala » Dienstag, 11.04.17, 7:52

Hallo ihr Lieben,

mein Beitrag betrifft ausschließlich das Kaltabsetzen/ zu schnelle Absetzen/ erfolgreiche Absetzen von Neuroleptika, speziell von höheren Ausgangs-Dosen und nach längerer Einnahmezeit.

Da die Dopamin-Rezeptoren nach dem vollständigen Absetzen von Neuroleptika bis zu einem halben Jahr noch besetzt sein können (Bäuml) und sich wahrscheinlich eben erst danach zurückbilden können und auch dann erst vielleicht (???) ihre Supersensivität vollständig verlieren, würde ich vor allem bei einem von höheren Dosen und längere Zeit Neuroleptika-Abhängigen erst nach gut einem Jahr auf Null, besser bis zu zwei Jahren auf Null von einem gelungenen Entzug sprechen.

Alle in diesem Zeitraum auftretenden Psychosen würde ich vorrangig als Entzugspsychosen werten.

Natürlich könnte es auch die Ursprungserkrankung sein, aber ich halte die Wahrscheinlichkeit dafür für gering.
Dabei ist es für mich zweitrangig und unerheblich, ob der absetzende Psychotiker/Schizophrene einen leichten oder schweren Entzug hatte. Ein schwerer Entzug hat aus meiner Sicht den „Vorteil“, dass zu schnelles Absetzen unwahrscheinlicher wird und damit auch die Wahrscheinlichkeit von Entzugspsychosen und anderen Absetzfolgeerscheinungen.

Die meisten Wiedererkrankungen ereignen sich zwischen dem 3./4. und dem 7.Monat auf Null. (sinngemäß: Breggin, Bäuml)


Entzugspsychosen durch zu schnelles Absetzen können wesentlich schwerer verlaufen als die Ursprungerkrankung und für Psychiatriepatienten, die schon einmal fixiert waren (meist zu Recht - zum eigenen Schutz und zum Schutze anderer) kann solch eine Psychose katastrophal sein – auch gefährlich für sich und andere.

Kaltentzug bei solchen Patienten würde ich auf das Schärfste !!! verurteilen.

Mit „Verständnis“ und „streicheln“ schadet man aus meiner Sicht diesen Menschen.

Außerdem tragen solche Kaltabsetzer durch ihr Handeln in der Psychose u.U. zu der schlechten öffentlichen Wahrnehmung von Menschen mit psychiatrischen Diagnosen bei, was u.a. dazu führen kann, dass schwer psychisch Kranke vor sich selbst ihre potentiell tödlich Krankheit verleugnen, statt sich ehrlich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen und angemessene Lebensbewältigungstaktiken/-algorithmen zu entwickeln – eben MIT solch einer ggf. sehr schweren psychiatrischen Erkrankung zu leben.

Meine persönliche Meinung:
Man kann auch mit einer schweren psychiatrischen Erkrankung, zu der man zumindest vor sich selbst steht, ein überwiegend sinnerfülltes, schönes und befriedigendes Leben führen.

Psychisch krank zu sein, heißt für mich nicht: Tabletten unbedingt täglich zu brauchen, speziell Dauermedikation. Psychisch krank zu sein heißt für mich: achtsamer zu leben und etwas über seine Krankheit zu lernen.

Ich selbst habe vor ca. 20 Jahren nach ca. 5-jähriger NL-Einnahme mein damaliges Neuroleptikum Perphenazin (dasselbe, welches ich heute wieder nehme) aus Unkenntnis von damals 8mg auf Null in (glaube ich) 8 Wochen in 2mg-Schritten OHNE irgendwelche Entzugserscheinungen während des Reduzierens (auch keine Kinkerlitzchen) problemlos abgesetzt. Damals hatte ich noch keine Ahnung.
Es ging mir so richtig, richtig gut. Monatelang.

Nach mehreren Monaten hatte ich dann die mit großem Abstand schlimmste Psychose meines Lebens.
Damals wusste ich noch nicht, dass es eine Entzugspsychose war, denn damals habe ich noch den Ärzten vertraut – würde ich NIEMALS wieder tun.

Ich hatte noch Glück im Unglück und „NUR“ meine Arbeit verloren, wo ich eingearbeitet war. In der Klinik war ich die bisher längste Zeit fixiert und die Entlassungsdosis war sicherlich auch höher – das weiß ich heute nicht mehr, aber das ist ja meistens so.

Hier im Forum wäre ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt in den Monaten auf Null gefeiert worden und hätte Glückwünsche erhalten – völlig zu Unrecht und ich hätte für andere ein schlechtes Vorbild abgegeben.

Jeder, der schon einmal eine Entzugspsychose hatte, sollte genauestens seinen Entzugs-und Absetzalgorithmus überdenken, denn wenn er NICHTS ändert, ist die nächste durch für ihn falsches Absetzen initiierte Psychose nur eine Frage der Zeit.

Die Taktik ist bei jedem anders und sehr individuell.
Trotzdem ist der Algorithmus ALLGEMEIN erstellbar.

Leute, die keine Psychose/ Schizophrenie haben, sondern nur eine Minimaldosis Neuroleptika z.B. zum Schlafen angedreht gekriegt haben, dürfte das Thema „Entzugspsychose“ kaum betreffen, es sei denn, dass es keine Minimaldosis war, was ja auch oft leider der Fall ist.

Mit dem richtigen Absetzalgorithmus bzw. Psychopharmaka-Begleitalgorithmus können meiner Meinung nach auch Menschen reduzieren und evtl. absetzen, denen z.B. Prof. Dr. Volkmar Aderhold, der sich um die Lösung unserer Probleme sehr verdient gemacht hat, davon abraten würde. Außerdem könnten viele auch schwer kranke Patienten auf jahrelange Dauermedikation weitestgehend verzichten, wenn sie u.a. intelligent Bedarfsmedikation anwendeten und Früherkennungs-Hilfsmittel wüssten und benutzten. Das ist meine persönliche Meinung – sie kann falsch sein – ihr müsst sie nicht teilen – für mich ist sie richtig und zwar
goldrichtig.


Natürlich kann Kaltabsetzen in einigen Fällen vielleicht auch gut gehen, aber für Patienten mit heftigen akuten Psychose-Schüben (anschließender Fixierung im Krankenhaus) ist es einfach zu gefährlich.

Das ist alles meine persönliche Meinung.




Diesen Beitrag möchte ich einer Mitpatientin widmen.


Sie sprang in der Psychose/ im Wahnsinn aus dem Fenster
und hat das nicht überlebt.


Sie hat ihre Tabletten weggelassen: Kaltentzug.


Sie hieß Elke, war sympathisch und hübsch und Ende 30.


Ich mochte sie.


Während ich das schreibe, habe ich feuchte Augen.
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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Jamie » Dienstag, 11.04.17, 20:25

Hallo :),

ich finde es interessant, was du geschrieben hast und werde ggf. auf deinen Beitrag verlinken.

Ich bitte aber noch mal zu bedenken, dass manche Menschen völlig blauäugig / uninformiert einen Entzug machen und diese kann man nur bedingt dafür verantwortlich machen, wenn es dann schief geht. Ihnen wird ihre eigene Naivität zum Verhängnis.
Ich weiß - Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, aber die wenigsten werden sich im Vornherein darüber Gedanken machen, ob sie mit ihrem Verhalten langfristig nicht nur sich selbst, sondern auch einer ganzen Patientengruppe (du sprachst vom schlechten Ruf) schaden.

So wie ich die Situation gerade bei Neuroleptika einschätze, halte ich es für gut möglich, dass gerade solche Patienten oft nicht genug ärztlichen, familiären und sozialen Rückhalt haben.
Ich spreche z.B. von den Psychotikern und den Schizophrenen - also gemeinhin denen, deren Bilder wir im Kopf haben (mit sehr negativem Touch), wenn wir an Psychiatrie und psychisch Kranke denken.
Diese Menschen merken dann vielleicht, dass ihnen das NL nicht gut tut, aber alle erzählen ihnen, sie müssten das Medikament ein Leben lang nehmen.
Ich kann mir wirklich sehr gut vorstellen, dass da bei manchem der Trotz hervorkommt und die sich denken "OK, wenn ihr mich nicht unterstützt, dann mach ich das eben alleine" - und so kommen dann auch bestimmt manche völlig kopflosen und überhasteten Absetzaktionen zustande.

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute
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:arrow: Eure Mithilfe ist gefragt - wer benutzt die Wasserlösemethode?


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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Axala » Montag, 28.08.17, 20:25

Inhalt: 1.Klinikeinweisung vermieden; 2.Absetzalgorithmus; 3.Zieldosis; 4.Behandlungsvereinbarung; 5. Bitte


1. Wie ich eine Klinikeinweisung vermieden habe

Am Do, den 22.6.17 wurde ich so langsam leicht instabil.

Ein richtiges Ausfüllen meiner Excel-Absetzbegleittabellen (Diagramme) war nicht mehr möglich, außerdem auch nicht ein Ausfüllen meiner manuellen Zustandstabelle sowie der Medikamententabelle, die ich NUR in kritischen Phasen ausfülle.

Ich war nicht mehr in der Lage, eine Datei zu kopieren. Auch glaubte ich, eine Überweisung getätigt zu haben, habe aber irgendwas anderes gemacht.

Dazu kamen noch verstärkte Kraftlosigkeit und die Angst, falls ich doch Fahrrad fahren sollte (hätte ich eh zu diesem Zeitpunkt kräftemäßig nicht geschafft), in ein Auto zu fahren, denn ich war extrem schusselig. In den Garten wollte ich auch nicht alleine, weil ich Angst hatte, einige meiner Giftpflanzen zu essen. (garantiert tödlich – es gibt für mindestens eine kein Antidot)

Außerdem habe ich in meiner Klinik angerufen auf Station und habe die Ärzte beleidigt. Ich habe eine psychologisch geschulte Person gefragt, ob ich mit einem Arzt sprechen könne, der sich mit Philosophie befasse. Wenn ja, würde ich mich jetzt einweisen lassen, wenn nein, würde ich meine Tabletten erhöhen. Dann habe ich gesagt, dass meine Psychose ja einen Sinn hätte und wenn man den Sinn anderweitig erfüllen könne, würde man die Psychose überflüssig machen. Zum Schluss habe ich sie angefahren: „Paracelsus hat gesagt, ein Arzt soll sich mit Philosophie und Theologie befassen – das macht ihr doch AUCH wieder nicht!“ Die Person war sehr freundlich und danach war das Gespräch beendet. Und jetzt kommt das Merkwürdige. Ich habe dann aufgehört zu zittern und alle Symptome waren fast weg und es ging mir schlagartig für einige Stunden besser. Das Gespräch war sehr kurz und gesprochen habe eher mehr ich. Unheimlich.

Danach habe ich mein Absetzmedikament erhöht und meine Bedarfsmedikamente fest angesetzt. Das Protokollieren hat mein Mann übernommen und alles überwacht – ich war einige Tage nicht in der Lage dazu. Er hat auch, als ich wieder auf die Ursprungsdosis wollte, gesagt: Wenn du das machst, kommst du in die Klinik und dann pumpen sie dich wieder so RICHTIG voll. Irgendwie habe ich, obwohl ich nicht wollte (NIX mit Vernunft), doch auf ihn gehört.

Außerdem habe ich noch ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, das Team zu fragen, ob ich mich
Axala, eine schizophrene Nudel
nennen darf, weil ich eine Geschichte für Ärzte unter diesem Namen schreiben wollte.
Stellt euch das mal vor – wie peinlich!!!

Bei stärkerer Instabilität MUSS ich auf die Hammermedikamente setzen und nicht erst mit Baldrian und Co herum probieren. Denn es würde sonst erfahrungsgemäß immer schlimmer werden bis zum Klickpunkt, ab dem ich verrückt bin und nicht mehr weiß, was ich tue.

Die Medikamenteneinnahme ist abhängig vom bisherigen Krankheitsverlauf und damit individuell.

Neulingen würde ich dazu nicht raten. Neulingen würde ich raten, zum ambulanten Arzt zu gehen, bzw. solch einen Notfall im Voraus mit ihm zu besprechen. Manchmal reicht eine Notfall-Bedarfsmedikation z.B. für das Wochenende.

Bei zu erwartenden stark psychotischen Zuständen (wie OHNE Dauermedikation) wäre meine Selbstbehandlung WESENTLICH anders.

Ab 8.7.17 so einigermaßen stabil: Perphenazin auf 9mg fest.

Ab dann so einigermaßen Stabilisieren auf dieser Dosis bis heute, selten Bedarf, fast nur Baldrian und Tee.

Früher hätte ich die Medikamente nicht hochgesetzt und auch keinen harten Bedarf genommen und wäre dann mit großer Wahrscheinlichkeit in der Klinik gelandet. Zu meinem ambulanten Arzt will ich nicht mehr (außer zur Medikamentenverschreibung; ich bin mal wieder mit ihm zerstritten – eine HassLiebe) – ich möchte das alleine hinkriegen.

Immerhin habe ich ja schon über 25 Jahre Krankheitserfahrung und mich auch theoretisch viel mit der menschlichen Seele und seelischen Erkrankungen befasst.


2. Änderung des Absetzalgorithmus

Weil ich schon einmal in der Psychose etwas stark Selbstgefährdendes getan habe, was mit viel Pech auch tödlich hätte enden können, kann ich mir stärkere psychotische Zustände nicht leisten.

Außerdem muss ich ein ziemlich grauenvolles Leben leben – mit vielen emotional belastenden Ereignissen, denn, weil ich einer Familie entstamme, in der psychiatrisch gesehen ÜBELST der Wurm drin steckt (Ahnen auch), sind auch meine Kinder psychisch krank, eines davon GdB 100%. Als ich sie geboren habe, war ich noch völlig gesund. Ich habe mich sterilisieren lassen.

Wenn es einem selbst schlecht geht, ist das schon schlimm genug, aber wenn eines der Kinder grausamst leiden muss – das ist das Allerallerallerschlimmste.

Dass ich überhaupt noch lebe, verdanke ich ausschließlich der Bibel mit ihrer Leid-Ertragungs- und bewältigungstechnik und ihrem Trost. Es sind schon schreckliche Dinge passiert – ich möchte sie vergessen und verzeihen.
Ich nehme sie hin als den Willen Gottes, dann brauche ich keine Menschen zu hassen oder zu verachten.

Ich habe damals mehrere Monate gebetet, dass dieses Kind sterben kann, bloß weinen konnte ich nicht und die Menschen, die hätten helfen können, haben mich alleine gelassen und weggeschaut. Es war ihnen egal.

Mein anderes Kind (arbeitsfähig) fragte mich am Telefon:“Mutti, warum willst du mich denn vergasen?“, beschimpfte mich im psychotischen Zustand als Abschaum und hat letztens gesagt, als ich es vor Monaten auf der Straße getroffen habe:“Zieh Leine Mutti!“ usw.
Kontakt mit diesem Kind kann ich keinen mehr haben – es würde sich gegenseitig hochschaukeln.

Psychosen sind statistisch gesehen die schlimmsten psychiatrischen Erkrankungen, die es gibt. Sie können nicht nur das Leben eines Menschen völlig zerstören (oder auch beenden), sondern ganze Familien auseinander reißen. Diese Meinung habe ich aus Erfahrung.


Weinen über die Vergangenheit kann ich erst heute und auch nur viel zu wenig. Ich möchte mal 4 Wochen nur weinen – von früh bis spät. Wenn die Tablettendosis gering genug ist, kann ich es bestimmt. Das möchte ich noch einmal irgendwann.

Momentan ist mit meinen Kindern alles so einigermaßen im „grünen“ Bereich, falls es diesen in meinem Falle überhaupt gibt. Meine Kinder waren beide hochbegabt (eines sehr) und eines der beiden weiß heute (Hammerdosis NL sei Dank) nicht mehr, wie lange es in die Schule gegangen ist.

Meinen Absetzalgorithmus möchte ich VIELLEICHT erneut ändern:
Um täglich 0,02mg reduzieren mit der Wasserlösemethode und bei Erreichen einer um 1mg geringeren Dosis ca. 3 Wochen stabilisieren. Mal sehen, ob das klappt.
Ich eiere irgendwie schon so lange auf 9mg herum.

Momentan bin ich nicht hinreichend stabil.



3. Meine Zieldosis

Neuroleptika verändern die Symptome. Im Gegensatz zu der Vor-NL-Zeit sind aus den einstigen Positivsymptomen eher Negativsymptome geworden. Bei mir ist das auch so. Deshalb sind Diagnosen mir auch völlig egal. Meine für mich lautet: Mit meiner Seele stimmt was nicht. Eine Stoffwechselstörung hatte ich vor den NL nie, sondern höchstens DURCH die NL.
Zitat:
Umgang mit Psychopharmaka, ISBN 978-3-86739-169-6, Nils Greve, Margret Osterfeld, Barbara Diekmann, S.146
Psychiater, die die Ära vor der Einführung der Neuroleptika mit der jetzigen Situation vergleichen können, sprechen von einem „Syndromwandel“ durch Medikamente: Während man Menschen mit akuten Verrücktheitszuständen jetzt besser helfen könne, habe die Minussymptomatik im Vergleich zu früheren Zeiten zugenommen.
Für mich heißt das aber auch, dass sich meine jetzigen eher Negativsymptome bei sehr geringer Dosis wieder zurück wandeln können (mit sehr, sehr großer Wahrscheinlichkeit). Wenn ich es schaffe, mich durch eventuelles intelligentes INDIVIDUELLES symptomabhängiges Selbstbehandeln mit Psychopharmaka dauerhaft klinikfrei zu kriegen, möchte ich mit dem Absetzmedikament versuchen, auf Null zu gehen, sonst minimal zwischen 2mg und 4mg bleiben.

Aber selbst, wenn ich bei 9mg bleibe, ist das auch schon ein Erfolg.

Akut verrückte Zustände können gefährlich sein und wenn ich das nicht packe, stopfen mich die Ärzte wieder unnötig voll und meinen es gut. Das ist schlimmer als 2-4mg. Sie werden mich dann VERSEHENTLICH töten, denn ich gehe jetzt so laaaangsam auf die 60 zu.

Außerdem kann man durch akut psychotisches Verhalten andere gefährden, und so etwas wäre für mich sehr schlimm. Dann möchte ich doch lieber weggesperrt und zugedröhnt werden und lebenslang bis zum Hals mit Pillen zugestopft werden.



4. Behandlungsvereinbarung

Außerdem habe ich zweien meiner Oberärzte eine Mail geschickt, in der ich gebeten habe, wegen der Erhöhung meiner Lebenserwartung eine Behandlungsvereinbarung mit meiner Klinik abschließen zu dürfen, weil die ja qualitativ WESENTLICH höherwertiger wäre als eine Patientenverfügung, in der ich allein bestimmen muss.
Sie haben nicht reagiert – für mich ist das okay, denn sie haben eh schon viel zu viel Patienten pro Arzt und keine Zeit.

Dann habe ich in der Klinik angerufen. Am nächsten Tag sollte ich nochmal anrufen. Da wurde mir gesagt, sie würden erst bei der nächsten Einweisung eine Behandlungsvereinbarung machen.
Ich habe sinngemäß gefragt:“Und wenn ich dann psychotisch bin?“ Keine Antwort. Ich habe noch gesagt:“Das wird mich einige Lebensjahre kosten“ Das war‘s dann zu dem Thema. Auf meine Frage hin hat die Person mir noch den Namen einer Oberärztin (mit meinem Vornamen), die ich persönlich noch nicht kenne und hoffentlich niemals kennenlernen muss, genannt, die das entschieden hätte.


Zuerst war ich ganz schön fertig und auch wütend. Aber dann änderte sich das.


Ihr Verhalten hat auch Positives: es erhöht meine Motivation, mich NOCH MEHR als bisher mit Bewältigungsstrategien zu befassen, sozusagen mit Wissen zum Thema:

„Der Psychose den Schrecken nehmen
und möglichst nie wieder meinen Klinikärzten in die Hände fallen“



Vielleicht haben sie auch ABSICHTLICH so reagiert (nur so getan, als seien sie dümmer als die Schildbürger), weil sie ja um meine Reaktion wissen, denn es sind ja alles Therapeuten – meine Therapeuten, die mich genau kennen.


Das glaube ich jetzt einfach mal!!!!!


Und die u.a. immerhin, ohne mit den Zähnen zu knirschen, schon einmal gemeint haben, ich hätte mehr Ahnung, als ich denke und die sich auch schon einmal für Therapiefehler bei mir entschuldigt haben.

Aber aus heutiger Sicht haben sie NIEMALS Fehler gemacht (ich muss nicht alles verstehen, was mir widerfährt),

denn alles im Leben hat seinen Sinn – auch das Leid,
welches für mich zum menschlichen Leben dazugehört, genauso wie die Freude und das Essen und der Winter.


Und mein Therapeut, der für mich DER WICHTIGSTE ist, sprach zu mir und er sprach folgende JAHRHUNDERTE ALTEN Worte:

Die Bibel:

Neues Testament, Hebräer 12.7

Es dient zu eurer Erziehung, wenn ihr dulden müsst. Wie mit Kindern geht Gott mit euch um. Denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?

Apokryphen (Spätschriften des Alten Testamentes) , Jesus Sirach 38.1
Erweise dem Arzt gebührende Verehrung, damit du ihn hast, wenn du ihn brauchst; denn auch ihn hat der Herr geschaffen

Neues Testament, 2. Thimoteus 3.16
Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit,

Altes Testament, 2.Mose 15.26
Wirst du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen und tun, was recht ist vor ihm, und merken auf seine Gebote und halten alle seine Gesetze, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn
ich bin der HERR, dein Arzt.




Und ich verdanke meinen Klinikärzten/-psychologen auch viel Gutes – für meine Kinder und mich selbst.

Niemals hätte ich ohne sie es geschafft, noch 10 Jahre mit solch einer schweren Erkrankung in meinem Beruf zu arbeiten.

Was sie für mein eines Kind als letztes getan haben – dafür könnte ich sie anbeten – das war genial in meinen Augen.

Die private Klinik ist bestimmt nicht reich dabei geworden.

Und ich habe meine Ärzte auch wieder lieb (MEISTENS!!!), denn aus ihrer Sicht geben doch die meisten von ihnen ihr Bestes.

Für mich sind sie OPFER der Industrie mit ihrer Pillenvergabepraxis namens:

„bunte Smarties und Schokolinsen“.


Meinen ambulanten Arzt habe ich vor kurzem sonntags in der Frühe privat zuhause angerufen, weil ich ein Tabletten-Problem hatte. Er war nicht da. Aber er hat zurückgerufen. Dafür muss ich sehr, sehr dankbar sein, denn ich bin KEIN Privatpatient.


Bevor ich irgendwann in fernerer Zukunft diese Welt wieder verlasse, möchte ich meine Ärzte auch MIT etwas Ahnung von der menschlichen Seele und psychiatrischen Erkrankungen wieder, wie ohne Ahnung zu Beginn meiner Erkrankung, wie damals als

Götter in weiß

wahrnehmen dürfen.


Das möchte ich im nicht psychotischen, nicht dementen Zustand in meinem Leben AUCH noch erreichen.


Und, naja … mmm … dann gibt es ja noch die extrem schwierigen Patienten, die einfach eine eigene Meinung haben, überall nur anecken und auffallen und damit den Therapeuten den letzten Nerv rauben können ….. Mmmm… schlimm, diese nervigen Patienten … da haben es doch
:o :o :o die Chirurgen :o :o :o

besser, denn denen ihr Patient ist betäubt und kann nicht dumm rumlabern. Mmm… Axala … mmm …



5. Bitte


Wenn es irgendwie möglich ist, bitte ich euch darum, dass NIEMAND mir auf diesen Beitrag antwortet bzw. ihn kommentiert. Danke


Grüße
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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Axala » Sonntag, 03.12.17, 9:55

Thema: Dank an meine mich behandelnden Psychiater

Das alles ist meine persönliche Meinung/Ansicht, die falsch sein kann.


Hallo,
jetzt bin ich schon so lange klinikfrei wie nie zuvor seit Beginn meiner Erkrankung vor mehr als 25 Jahren.


Und so dachte ich des Öfteren so für mich:
„Also, Axala, Anzeichen von Vernunft sind vielleicht irgendwie in deinen Schädel eingedrungen und AUCH mithilfe deines „Verstandes“ (???) hast du das irgendwie hingekriegt, dass du deine Medis jetzt so einigermaßen bedarfsgerecht vorteilhaft dosierst.
Wie du das jetzt machst, ist das ja ganz gut – jedenfalls besser als vorher.
Dein Benehmen gegenüber Autoritäten und herrschenden Meinungen lässt zwar wie gehabt zu wünschen übrig, aber deine Dauermedikation:
in 07/2014 ____ 14mg Perphenazin + 50mg Levomepromazin
hast du inzwischen bzgl. ihrer neuroleptischen Wirksamkeit so etwa halbiert auf gegenwärtig:
in 11/2017____ 8,3mg Perphenazin
So ähnlich dachte ich des Öfteren.





Jetzt möchte ich über meinen letzten Klinikaufenthalt berichten:
Teil der Therapie meiner Klinikärzte:
Ich musste total unruhig im Flur herumlaufen.
Gehe davon aus, dass psychologisch geschulte Menschen das durch hypnotherapeutische Techniken hinkriegen, war aber sowieso zuweilen äußerst unruhig
Als Medikation war lt. meiner Erinnerung zusätzlich zu zwei NL Dauermedikation auch 4 x 0,25 mg Tavor/Lorazepam fest angesetzt.
Mittags war ich froh, gleich meine zeitlich begrenzt fest angesetzte Bedarfsmedikation nehmen zu dürfen, aber sie haben sie mir nicht gegeben.
Mein körperlich/seelischer Zustand war: ich wollte Bedarfsmedikation
Diesen Zustand scheint man als psychologisch geschulter Therapeut in die Seele einprogrammieren zu können. Ich schließe das nicht aus.
Jedenfalls nehme ich jetzt lieber Bedarf und/oder erhöhe selbständig mein Hauptmedikament, als in die Klinik zu kommen.





Es könnte also das Verdienst meiner Klinikärzte sein, dass ich jetzt relativ zu früher vernünftiger und klüger mit meiner Krankheit umgehe und dass ich Psychopharmaka wie NL nicht mehr immerzu und grundsätzlich hasse, sondern manchmal sogar froh bin, mit der aus meiner Sicht geringstmöglichen Medikation Klinikaufenthalte schon verhindert gehabt zu haben.



Jetzt möchte euch noch mitteilen, was mein mich behandelnder ambulanter Psychiater zu mir bei unserem letzten Treffen sagte (sinngemäß):



"Es ist mir egal, wie viele Medikamente Sie nehmen – Hauptsache, Sie kommen nicht ins Krankenhaus."





Dafür und auch für den vielleicht von mir richtig interpretierten Teil der Therapie meiner Klinikärzte während meines letzten Klinikaufenthaltes möchte ich
:party2: allen meinen mich behandelnden Psychiatern :party2:

demütigen Herzens Respekt zollen und mich bedanken.





Grüße
Signatur herausgenommen

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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Axala » Sonntag, 21.01.18, 15:07

Hallo,

von Mitte Dez. 17 bis Mitte Jan. 18 war ich im Krankenhaus wg. paranoider Schizophrenie und musste eine unheimlich stressige und zehrende Therapie über mich ergehen lassen.

Meine Medikation wurde von 8,22 mg auf 12 mg erhöht. Bedarf konnte ich selbst bestimmen.

Seit 15.1.2018 bin ich wieder zu Hause. Ich fühle mich nicht mehr psychotisch, aber bei mir schwankt alles.

Stimmung
Hitze/ gelegentlich Kälte
Blutdruck

Spielt mein ZNS verrückt und deshalb die Schwankungen?

Ich bin immer noch auf 12 mg und würde gern in 2 Schritten auf 10 runtergehen und dort längere Zeit verbleiben.

Aber irgendwie traue ich mich nicht wegen der Schwankungen.

Was meint ihr dazu?

Würden die Schwankungen dann nachlassen oder schlimmer werden, besonders die Blutdruckschwankungen?

Derzeit bin ich völlig ratlos.
Könnt ihr mir helfen?

Liebe Grüße
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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Ululu 69 » Sonntag, 21.01.18, 17:02

Hallo Axala,

du hast eine schwere und anstrengende Zeit hinter dich gebracht.
Auch die Aufdosierung von Medikamenten bedeutet für dein Nervensystem enormen Stress, in meinen Augen kann der durchaus für die Blutdruckschwankungen verantwortlich sein.

Deshalb würde ich vorerst nichts an der Dosis verändern, sondern erstmal auf einer Dosis bleiben und abwarten, ob du dich vielleicht so stabilisieren kannst und dann wirklich ganz langsam vorgehen, um keine Absetzerscheinungen zu riskieren.

LG Ute
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