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Liebe ADFDler,

Wir haben eine große Softwareaktualisierung durchgeführt. Im Ideal funktioniert alles wie bevor, nur dass ein paar Details ein wenig anders aussehen. Falls es in den nächsten Tagen doch Probleme gibt, bitte beschreibt was ihr gemacht habt und was nicht so war, wie ihr es erwartet in diesem Thread:

Problemsammlung nach Softwareaktualisierung (Januar 2018)

Vielen Dank für Eure Hilfe.

Euer ADFD Team

Lyrica (Pregabalin) absetzen/ Cannabis

Auch für Antiepileptika (z.B. Lyrica/Pregabalin), Stimmungsstabilisierer und Stimulanzien
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Silver86
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Lyrica (Pregabalin) absetzen/ Cannabis

Beitrag von Silver86 » Samstag, 23.12.17, 18:03

Hallo, 


Ich erhalte seit dem 1.12 Cannabis auf Rezept. Ich bekomme die Sorte Bedrobinol.


Bevor ich mich an das Cannabis waage, möchte ich Lyrica absetzen.


Ich nehme  aktuell

3x25mg Lyrica 1-1-1

1x 15mg Escitalopram 0-1-0

1x 2,5 mg Bisoprolol 1-0-0

Lyrica nehme ich seit dem 8.11.2017

Ich leide an Schweren Depressiven Episoden sowie an Angst und Panikattacken.

Wie gehe ich am besten vor, um lyrica gefahrlos abzusetzen?

Verträgt sich das Zeug mit cannabis eigentlich?
Zuletzt geändert von Jamie am Sonntag, 24.12.17, 9:18, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel ergänzt

Jamie
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Re: Lyrica (Pregabalin) absetzen/ Cannabis

Beitrag von Jamie » Sonntag, 24.12.17, 9:30

Hallo silver,

willkommen im Forum :).

Darf ich fragen, was der Grund für die Cannabis Verordnung ist?
Für uns ist das auch Neuland, aber natürlich zählt es zu den psychoaktiven Substanzen, die man auch kritisch beäugen müssen.

Ob sich Pregabalin und Escitalopram und Cannabis vertragen ist mir unmöglich einzuschätzen, dazu fehlen die Erfahrungen, das Mittel ist ja erst vor kurzer Zeit freigegeben worden.
Ich vermute, es könnte Interaktionen leichterer Art geben (sicher eine gewisse zentrale Verstärkung), aber vermutlich nichts völlig Dramatisches; es ist auch definitiv Aufgabe der Verordnenden (Ärzte) das Risiko einzuordnen und darf nicht auf den Patienten abgewälzt werden!

Das Lyrica soll dir bei deinen Ängsten helfen oder weswegen wurde es verordnet? Oder als add -on Antidepressivum?

Mit dieser Kombination haben wir leider wirklich keine Erfahrung, aber natürlich haben wir risikominimierende Tipps auf Lager.

Du nimmst Lyrica jetzt etwas über 6 -7 Wochen, das heißt du bist vielleicht noch an der Grenze es evtl. etwas zügiger absetzen zu können. Ich würde beginnen 12,5mg weniger zu nehmen. Dazu kannst du eine 25mg Kapsel öffnen, das Pulver in 100ml Wasser geben, rühren und sich lösen lassen und dann 50ml mit einer Spritze (Apotheke) abziehen und trinken (= 12,5mg) und die restl. 50ml verwerfen.
Das würde ich mal 5-7 Tage so machen und wenn das gut klappt, kannst du die nächsten 12,5mg angehen.

Mein Abdosiervorschlag ist jetzt relativ flott, normalerweise empfehlen wir 10% weniger alle 4-6 Wochen, aber dann wirst du 1 Jahr brauchen zum Lyrica absetzen und kannst das Cannabis nicht einnehmen. :whistle:
Oder aber man entscheidet sich für eine Mischform. Du fängst an Pregabalin langsam abzusetzen und schleichst parallel achtsam Cannabis ein; das musst du selbst ausloten, was sich da stimmig für dich anfühlt.

Ich möchte auch anmerken, dass wir hier im Forum leider mittlerweile zahlreiche Fälle von Cannabis-Psychosen haben / hatten; allerdings alles i.d. Rg Kiffer und nicht Menschen, die es wie du auf Rezept bekommen haben, wobei man dazu sagen muss, dass das Cannabis einfach generell ein Potential hat sowas auslösen zu können, egal ob jetzt einfach so konsumiert oder medizinisch.

Es obliegt also deiner absolut vorsichtigen und verantwortungsvollen Vorgehensweise mit solch potenten Mitteln umzugehen. Mache alles langsam, in Ruhe und gut überlegt, nimm nix kreuz und quer und teste prinzipiell alles sehr niedrig dosiert an, um Wirkung und Verträglichkeit bewerten zu können.
Schau auch, ob sich etwas verändert, wenn du Escitalopram und Pregabalin nimmst.

Das meine Tipps an dich.

Schöne Weihnachten, Rückfragen werden schon versucht zu beantworten, aber es kann etwas dauern, wegen Weihnachten und auch weil das Team angeschlagen ist. Da bitten wir um etwas Geduld. Danke :)

PS. Eine Frage habe ich noch. AD können niemals psychische Erkrankungen heilen, sie können nur Symptome deckeln, einlullen oder etwas Antrieb verleihen. Machst du denn Therapie um an den Kern deiner Probleme zu kommen? Eine Therapie ist bei schweren Depressionen und Angststörungen unerlässlich. Wer nur auf AD baut, baut auf (Treib-) Sand.


Grüße
Jamie
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Meine PN-Funktion ist deaktiviert. Ich danke für euer Verständnis.

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Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

inandout
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Re: Lyrica (Pregabalin) absetzen/ Cannabis

Beitrag von inandout » Sonntag, 24.12.17, 17:00

Hallihallo,

genau kenne ich mich zwar mit dem medizinischen Cannabis zwar nicht aus; allerdings kommt die Psychose-Gefahr auf den THC-Gehalt an. Es gibt Sorten, und ich glaube die meisten medizinischen Sorten sind sowelche, bei denen das THC fast auf 0 gezüchtet wird, dagegen ist ein hoher Gehalt von Cannabidiol gewünscht, der beruhigende und angstlösende Stoff, der sogar schon in der Psychosentherapie getestet wurde. Cannabidiol wirkt mehr oder weniger konträr zum THC, natürlicherweise sind beide Stoffe in der Pflanze enthalten. (Früher war das Bild von Haschischrauchern das von den nur entspannten, ruhigen Leuten, dass Cannabis heute auch für psychedelische Trips geraucht wird liegt daran, dass der THC-Gehalt in den letzten Jahrzehnten immer weiter hochgezüchtet wurde).

Frage an Silver86: ist Cannabis nur auf Privatrezept zu bekommen, musst du das selbst zahlen, oder bist du gesetzlich versichert?

Ich hätte selbst Interesse daran, um meinen Schlaf zu verbessern - wäre allerdings trotzdem sehr vorsichtig, da ich auch schon Studien gelesen habe die sagen, dass durch Cannabidiol auch die Neuroleptika-Wirkung verstärkt wird. Dann hätte man sich wieder eine neue Wechselwirkung eingehandelt, die die ganze Sache komplizierter macht.

Liebe Grüße,

inandout
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padma
Ausgangsmedikation (im größten Teil des Verlaufs wusste ich noch nichts von ADFD). Das ist leider nur eine nicht ganz genaue Rekonstruktion:

Mit Psychiatern:

Juli 2009: 800 mg Amisulprid (Klinikentlassung)
Okt. 2011: 400 mg Amisulprid
März 2012: 200 mg Amisulprid
Anfang 2013: 150 mg Amisulprid
Juli 2013: 50 mg Amisulprid
August 2013: 100 mg Amisulprid
Anfang 2014: 75 mg Amisulprid
September 2015: 50 mg Amisulprid
Anfang 2016: 100 mg Amisulprid
Juli 2016: 75 mg Amisulprid

Auf eigene Faust:

Januar 2017: Kaltentzug Alkohol (vorher über Jahre fast jeden Abend zwei Bier)

8. März 2017: 50 mg Amisulprid
zwischenzeitlich 62,5 mg Amisulprid, außerdem ca. 8. - 24. März jede Nacht 20 mg Oxazepam, dann kalt entzogen
7. April 2017: 75 mg Amisulprid
16. April 2017: 50 mg Amisulprid (wg. paradoxer Effekte)
seit ca. 23. April: 75 mg Amisulprid (weil die Entzugssymptome nicht auszuhalten waren)
27. April: 70 mg Amisulprid (Wasserlösmethode)
28. April: 70 mg Amisulprid (ab jetzt Feinwaage, scheint mir genauer), Symptome: belastende innere Bilder, Fantasien, Schlafstörungen
29. April: 70 mg Amisulprid, Symptome: Unwirklichkeitsgefühle, abends "Fluten" oder "Schwimmen" im Kopf
2. Mai: Umstieg auf 50 mg Amisulprid + 20 mg Lösung, damit die Dosis exakt ist (meine Feinwaage war mir zu ungenau)
4. Mai: weiterhin 70mg Amisulprid, Symptome: Schlafstörungen anhaltend, belastende Fantasien
11. Mai: weiterhin 70mg Amisulprid, damit immerhin 14 Tage geschafft, ohne dass etwas Schlimmes passiert ist. Symptome: Schlafstörungen, belastende Bilder/ Fantasien, teilweise Hoffnungslosigkeit, im schlaf starkes schwitzen
12. Mai: Schlaf etwas besser (6 Stunden am Stück), Sprechen im Schlaf, dafür tagsüber heftige innere Bilder
13. Mai: Schlaf etwas kürzer (5 Stunden am Stück), dafür Besserung der Bilder/Fantasien
14. Mai: weiterhin 70 mg Amisulprid, zusätzlich 3x 450 mg Baldrian, beim Einschlafen ein recht deutliches erschreckendes Bild

Langfristiger Absetzplan: Alle 6 Wochen 5% (mit individuell hergestellten Kapseln; den Einnahmezeitpunkt hatte ich schon schrittweise auf 10 Uhr morgens verschoben)
14. Juli 2017: Beginn mit 66,5 mg Amisulprid
25. August: 63mg
6. Oktober: 59,5mg (bis laufend auf dieser Dosis; relativ symptomfrei, jedenfalls kann ich aktuelle "Symptome" nicht auf die Reduktion schieben)
26. Oktober: Erhöhung auf 60,5 mg mit Wasserlösemethode wegen starker Symptome
4. November: Erhöhung auf 61,5 mg mit Wasserlösemethode (weiterhin stark gestörter Schlaf und belastende Bilder/ Zwangsgedanken)
11. Januar: Weiterhin 61,5 mg mit Wasserlösemethode, weiterhin Zwangsgedanken, jetzt noch Brennen der Nerven, starke Schlafstörungen
17. Januar: 1 mg Tavor wegen extremem Schlafmangel

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