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Alprazolam mit Flouxetin ausschleichen

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HansHannes
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Alprazolam mit Flouxetin ausschleichen

Beitragvon HansHannes » Dienstag, 14.11.17, 20:00

Liebe Forumsgemeinde,

ich lese nun schon seit Kurzem hier mit und finde es klasse, dass es dieses Forum gibt!

Nun würde ich gerne eure Einschätzung zu meiner Situation hören:

Ich bin 40 Jahre alt und nehme seit fast 15 Jahren durchgehend Alprazolam, um damit meine sozialen Ängste zu bekämpfen.

Meine Alprazolam-Dosis habe ich über die ganze Dauer nahezu komplett auf 1mg pro Tag gehalten.

Verschrieben hat es mir bislang mein Hausarzt, ohne wirklich mit mir an den Ursachen zu arbeiten.

Nun hat mich kürzlich meine langjährige Lebensgefährtin verlassen und ich bin in ein tiefes Loch gefallen.

Um aus meinem akuten, mentalen Tief wieder herauszukommen, bin ich heute zu einem Psychiater gegangen und habe mich ihm anvertraut.

Er hat mir daraufhin geraten, meine Alprazolam-Abhängigkeit konsequent aufzugeben und mir einen Plan zum Ausschleichen erstellt.

Dieser sieht vor, dass ich:

- in den nächsten zwei Wochen weiterhin 1mp Alprazolam nehme und parallel auf 20mg Flouxetin hochgehe.
- dann zwei Wochen lang nur noch 0,75mg Alp und 20mg Flouxetin
- dann wieder zwei Wochen 0,5mg Alp und 20mg Flouxetin
- dann nochmals zwei Wochen 0,25mg Alp und 20mg Flouxetin
- und dann Alp und Flouxetin komplett absetzen soll.

Mir erscheint das Programm sehr ambitioniert, gerade auch wegen meiner sehr langen Alp-Abhängigkeit und auch aufgrund der Erfahrungsberichte hier im Forum.

Ich möchte noch erwähnen, dass ich selbst schon einige Male versucht habe, Alp auszuschleichen, dabei aber jedes Mal gescheitert bin.

Außerdem befinde ich mich derzeit in einer mentalen Krise, was das Ganze noch schwieriger erscheinen lässt.

Was denkt ihr darüber? Ist das Programm machbar und sinnvoll? Oder was soll ich jetzt tun???

Viele Grüße

Hannes

padma
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Re: Alprazolam mit Flouxetin ausschleichen

Beitragvon padma » Dienstag, 14.11.17, 21:45

hallo Hannes, :)

willkommen im ADFD.

Was der Psychiater vorschlägt ist ein leider üblicher Tuborentzug, bei dem versucht wird, die Entzugssymptome durch ein anderes Psychopharmaka zu deckeln.

Davor raten wir hier dringend ab.

1. Dein Nervensystem (GABA) hat sich an das Benzo angepasst. Nur durch ein langsames Ausschleichen kann es sich einigermassen schonend daran anpassen in Zukunft kein Benzo mehr zu bekommen. Ein Turboentzug birgt das Risiko von schweren langanhaltenden Entzugssymptomen, die dann oft zu einem Rückfall in die Benzoabhängigkeit führen.

2. Fluoxetin kann die Benzoentzugssymptome nicht wirklich abfangen. Es ist eine völlig andere Substanz, noch dazu eine anregende. Sprich, es kann typische Benzoentzugssymptome, wie Schlafstörungen eher noch verstärken.

3. Fluoxetin erzeugt wie alle Psychopharmaka eine körperliche Abhängigkeit. D.h. du kämst vom Regen in die Traufe. Du wirst es höchstwahrscheinlich nach den 8 Wochen nicht so einfach weglassen können. Du kämest dann in einen Doppeltentzug.


Wenn du Alprazolam nachhaltig absetzen möchtest, ist ein langsames Ausschleichen das erfolgsversprechenste. Da Alprazolam eine sehr kurze Halbwertszeit hat, ist die Umstellung auf ein Benzo mit einer langen HWZ (z.B. Diazepam) zu empfehlen.

Hier unsere Absetzinfos viewtopic.php?f=16&t=12883

liebe Grüsse,
padma
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seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
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1.09.2017: 0,5 mg


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Re: Alprazolam mit Flouxetin ausschleichen

Beitragvon Gabriel » Mittwoch, 15.11.17, 7:41

Hallo Hannes!

Der Plan deines Arztes ist wie schon Padma geschrieben hat nicht nur ein Turboentzug sondern komplett unrealistisch. Das kann nie und nimmer funktionieren. Dieser Arzt hat wie leider so viele andere keinerlei Ahnung von Benzodiazepinen. Bei der langen Einnahmedauer, die im Mittelbereich angesiedelt war ist davon auszugehen 2-3 Jahre langsam auszuschleichen mit Diazepam oder Oxazepam und das ist schon ambitioniert.

Über all die Jahre die Dosis nicht erhöht zu haben ist eine Leistung für sich und zeigt deine Willensstärke. Die Gabe des Antidepressivums wird wie meine Vorgängerin schon geschrieben hat dir höchstens schaden.

Zumal deine privaten Umstände derzeit nicht gut sind erhöht dies auch nicht deine Kraft für einen Entzug. Daher gehe es langsam an. Ich hoffe du findest einen anderen Arzt welcher dich unterstützt. Der Bestehende wird auf seinem Konzept beharren. Da sehe ich wenig Sinn danach zu fragen. Erfahrungsgemäß sind solche Ärzte nicht umzustimmen. Sie sind überzeugt von ihren Therapien. Mit welcher Begründung oder Erfahrung ist mir unklar.

Kurzum der Plan deines Arztes ist fern jeder Realität. Diese Hybris habe ich durchaus um diese Aussage zu tätigen.

Es überrascht mich sehr wenn ich lese, wie viele Ärzte sich das vorstellen bzw. woher sie ernsthaft die Erfahrung haben zu glauben, dass so etwas funktionieren könnte und so was nennt sich Facharzt.

Sollte es dir gelingen Diazepam zu bekommen würde ich als Startdosis 20 mg versuchen, wobei dir einige Ärzte einreden werden wollen, dass die Ersatzsubstanzen gut wirken. Es stimmt aber nicht und es würde dir zusätzlichen Schaden zufügen bzw. wird man dir möglicherweise einen stationären Langzeitentzug empfehlen von dem ich dir ebenso strikt abrate.

Das Asthon-Konzept sieht soweit mir bekannt eine Reduzierung um 5-10% alle 4-6 Wochen der Ausgangsdosis vor. Es kann durchaus noch langsamer sein. Am Ende zählt nur der Erfolg nicht die Zeit.

GLG Gabriel
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bei Krankenhausaufenthalten verschiedene Medikamente wie Seroquel, Lyrica, Antidepressiva (keine merkbare Verbesserung)
Aktuell: 2 mg Alprazolam
Schlafprobleme, Angst-Panik

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Re: Alprazolam mit Flouxetin ausschleichen

Beitragvon LinLina » Mittwoch, 15.11.17, 11:38

Hallo Hannes :-)

Auch von mir herzlich willkommen im Forum. Ich schließe mich den anderen Beiträgen an, gerade nach so langer Einnahmedauer und weil du gezeigt hast, dass du die Kontrolle über die Einnahme behalten kannst, ist ein langsames reduzieren und ggf. eine Substitution durch ein länger wirkendes Benzodiazepin sinnvoll.

Fluoxetin kann die Entzugssymptome überhaupt nicht auffangen, da es eine ganz andere Substanz ist die auf andere Rezeptoren wirkt. Es besteht auch die Gefahr, das Problem zu verschlimmern da Unruhe und Schlaflosigkeit und auch Ängste eine typische Nebenwirkung von SSRI-Antidepressiva wie Fluoxetin sind.

Gabriel hat geschrieben:Sollte es dir gelingen Diazepam zu bekommen würde ich als Startdosis 20 mg versuchen, wobei dir einige Ärzte einreden werden wollen, dass die Ersatzsubstanzen gut wirken. Es stimmt aber nicht und es würde dir zusätzlichen Schaden zufügen bzw. wird man dir möglicherweise einen stationären Langzeitentzug empfehlen von dem ich dir ebenso strikt abrate.


Ganz wichtig wäre, nicht alles auf einmal umzustellen sondern schrittweise dich an die nötige Äquivalenzdosis heran zu tasten, z.b. als ersten Schritt 0,25 mg Alprazolam durch 3-5 mg Diazepam zu ersetzen und erstmal schauen wie es dir damit geht. Wie du da genau vorgehen kannst können wir hier noch überlegen, Vorraussetzung wäre dass du überhaupt erstmal einen Arzt findest der dich dabei begleitet und dir die Medikamente entsprechend verschreibt.

Liebe Grüße
Lina
Ursprünglicher Grund der Einnahme: Schmerzen, PTBS, heftige Unverträglichkeitsreaktion auf Schmerzmittel und Antibiotika (anhaltende Krampfanfälle)

Lorazepam: 1,5 mg von 7/2014 - 10/2014, dann 4 Monate schrittweiser Entzug (sehr heftig) und seit 8.2.2015 komplett abgesetzt :-)

Mirtazapin: Winter 2014/15 bis 30 mg für Benzo-Entzug, langsames und mühsames Absetzen seit März 2015.

Mein Medikamentenverlauf :schnecke: :
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Seit 31.10.2017: 0,45 mg Mirtazapin / Mein Thread

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Re: Alprazolam mit Flouxetin ausschleichen

Beitragvon Jamie » Mittwoch, 15.11.17, 13:48

Hallo HansHannes,

willkommen im Forum :)

Meine VorschreiberInnen :) haben alles Wichtige gesagt, ich will nur noch mal explizit einen Satz loswerden.
Ich halte es für ein Himmelfahrtkommando innerhalb einer akuten seelischen Krise (Trennung!) einen Benzoentzug vorgeschlagen zu bekommen!
Jetzt wäre es ja wichtig überhaupt erst mal so weit zu kommen das Benzo aufgrund der Krise nicht erhöhen zu müssen! :o

Bitte lasse dich ja nicht auf diese Idee von dem Psychiater ein; das würdest du für mein Dafürhalten sehr bereuen.

Selbstverständlich macht es Sinn sich irgendwann vom Alprazolam zu entwöhnen; es begünstigt Krebs und Demenz / Alzheimer, führt irgendwann zu Gefühlsverflachung oder Verarbeitungsstörungen emotionaler Art und kognitiver Einbußen sowie mannigfaltigen anderen gesundheitlichen Störungen, aber gerade das in einer psychischen Ausnahmesituation gestalten zu wollen, das wird kaum gut gehen.

Stabilisieren ist jetzt erst einmal das Wichtigste; und dann kann der Rest kommen.

Wir unterstützen dich sehr gerne auf dem Weg zur Benzofreiheit. :hug:

Grüße
Jamie
...........SIGNATUR...............


:arrow: Eure Mithilfe ist gefragt - wer benutzt die Wasserlösemethode?


:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): viewtopic.php?f=51&t=12478


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