Aripiprazol und Sertralin weglassen?

Stell Dich bitte hier vor, wenn Du Probleme mit Psychopharmaka hast, Infos brauchst oder noch nicht weißt, ob Du abdosieren solltest.
:schnecke: Bitte lies unsere Forenregeln, bevor Du Dich registrierst.
Sey
Beiträge: 4
Registriert: Dienstag, 28.03.17, 15:06
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 5 Mal

Aripiprazol und Sertralin weglassen?

Beitragvon Sey » Dienstag, 28.03.17, 15:35

Hallo Leute,

bin neu hier im Forum und hoffe dass ich mit meinem Thread in der richtigen Kategorie gelandet bin.
Mein Problem: Ich nehme eigentlich Aripiprazol 10 mg und Sertralin 50 mg. Eigentlich bedeutet, dass ich nicht einfach so absetzen soll. In letzter Zeit häufen sich bei mir jedoch die Tage, an denen ich die Medikamenteneinnahme schlichtweg vergessen habe. Seit ich diese Medikamente das letzte Mal eingenommen habe, sind ungefähr 10 bis 12 Tage vergangen. Aus einer vergessenen Einnahme wurde schnell eine Art Routine und ein großer Widerstrand im Sinne des Bestrebens, nicht mehr auf Medikamente angewiesen zu sein. Da ich nicht mit meiner Psychiaterin darüber reden möchte, und auch eine befreundete Psychologin, die mich eine lange Zeit begleitet hat, nicht damit belasten möchte, denke ich, dass ich ohne eure Meinungen und Erfahrungen nicht weiterkomme. Ich lese ab und zu ein paar Artikel mit und habe mich nun registriert. Ich teile auch meine Vorgeschichte weiter unten.

Seit letzten Sommer war ich einige Male im Urlaub. Durch die Zeitverschiebung von Neuseeland, Japan oder Nepal ist erstmal der ganze Rhythmus durcheinandergekommen und ich hatte ziemliche Angst vor allen möglichen Dingen, was sich aber wieder beruhigt hat. Damit hat aber angefangen, dass sich der Kreislauf der Medikation verändert hat, und ich teilweise durch die Aktivitäten des Tages die Einnahme vergessen habe. 4 Tage ohne Medikamente war bisher das Maximum, von dem auch meine Psychiaterin weiß. Jetzt sind es etwa 10 bis 12 Tage des Nichteinnehmens und ich fühle mich müde, hab ständig solche brain zaps und Schwindel. Da Sertralin eine kurze Halbwertszeit hat, weiß ich nicht, ob es so schlau wäre einfach wieder täglich Medikamente einzunehmen. Ich habe auch Pharmakologie im Studium gehabt und wenn ich daran denke, was ich jetzt schon alles durcheinandergebracht habe mit meiner eigenen Dummheit... :zombie:
Im Prinzip geht es mir momentan gut. Diese Empfindungen, die ein bisschen an Stromschläge erinnern, nerven zwar, würde ich aber auch in Kauf nehmen, wüsste ich dass es gut ausgehen kann. Mir ist bewusst, dass das Forum nicht dazu dient, Voraussagen zu stellen ;) Aber ich vertraue jetzt mehr auf den gesunden Menschenverstand einer Community als auf Arzt und co.

Ich habe 2013 mit Olanzapin angefangen und erstmal wie ein Scheunendrescher gegessen. Die Verschreibung hat auf einer Allgemeinsituation beruht: Ich war eine Zeit lang im Ausland (Skandinavien) und hab den Winter nicht so gut vertragen, dazu das Schlachten von Tieren (als Vegetarier) und die Stimmung im Dorf (Camphill). Ich war als Freiwilliger dort und dachte ich könnte alles, musste mir aber spätestens bei meinen Suizidversuchen eingestehen, dass ich auf Medikamente angewiesen bin. Das war zumindest damals noch mein eigener Wunsch, dass der Spuk aufhört. Naja, und nach dieser Psychose, in der ich die Gedanken entwickelt habe, ging es mal auf und ab. Olanzapin war bis letztes Jahr mein Begleiter, dazu kamen und gingen mal Risperidon, mal Citalopran, bis ich bei Aripiprazol landete, welches ich gut vertrug. Später kam dann noch Sertralin hinzu, weil sich wieder eine Depression ausbreitete. Das Medikament hab ich nach den ersten Wochen ebenfalls gut vertragen.

Liebe Grüße,
Sey

Jamie
Team
Beiträge: 12298
Registriert: Montag, 04.02.13, 22:37
Hat sich bedankt: 13671 Mal
Danksagung erhalten: 17675 Mal

Re: Aripiprazol und Sertralin weglassen?

Beitragvon Jamie » Dienstag, 28.03.17, 15:53

Hallo Sey,

willkommen im Forum :).

Da darfst beides nicht einfach weglassen, nicht mal eins davon.
Dass du BrainZaps hast bedeutet, dass dein ZNS nicht hinterherkommt sich zu regulieren.
BrainZaps sind typische Indikatoren, dass dein Gehirn überfordert ist mit der Art und Weise, wie du absetzt und das läuft aktuell auf nichts anderes heraus als einen handfesten Kalten Entzug :o .
Wir können nicht empfehlen, das aussitzen zu wollen, denn ein Entzugsgeschehen kann sich chronifizieren (man spricht dann von einem protrahierten Entzug) und kann schlimmstenfalls Jahre andauern!

Ich würde dir nach 12 Tagen Abstinenz raten sofort morgen wieder Sertralin 10mg einzunehmen.
Aripiprazol hast du auch kalt abgesetzt? Das muss ebenfalls sofort wieder eingenommen werden; erst recht, wenn du bereits mal mit Psychosen zu tun hattest. Wer sein Neuroleptikum von heute auf morgen weglässt, riskiert eine Entzugspsychose / Absetzpsychose. :o
Was war die letzte Dosierung, 10mg? Das müssen wir wissen, um dir eine entsprechend geringe Wiedereinnahmemenge zu empfehlen.
Dann wäre mein Vorschlag mit 2,5mg zu beginnen.

Beides müsste ausgetestet werden, ob per Wasserlösemethode lösbar bzw. falls nein musst du dir alsbald eine Feinwaage zulegen.

Die Wiedereinnahme dient dem Zweck, dass sich dein ZNS beruhigen kann und der Entzug abgepuffert wird. Wenn du Glück hast, brauchst du auch gar nicht mehr die volle Dosis. Danach kann man dann langsam und kleinschrittig ausschleichen.

Grüße
Jamie

Bitte lesen:
Erste Hilfe AD Absetzen: viewtopic.php?f=18&t=12880
Wasserlösemethode: viewtopic.php?f=16&t=10923
Feinwaage: viewtopic.php?f=15&t=9608
...........SIGNATUR...............


:arrow: Eure Mithilfe ist gefragt - wer benutzt die Wasserlösemethode?


:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): viewtopic.php?f=51&t=12478


Meine PN-Funktion ist deaktiviert. Ich danke für euer Verständnis.

-----------------------------

Infos über mich:

► Text zeigen

____________________________________________________________________________________________


Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Sey
Beiträge: 4
Registriert: Dienstag, 28.03.17, 15:06
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 5 Mal

Re: Aripiprazol und Sertralin weglassen?

Beitragvon Sey » Dienstag, 28.03.17, 16:12

Hallo Jamie,

danke für die schnelle Antwort! :)

Meine letzte Dosierung beider Medikamente war 10 mg Aripiprazol und 50 mg Sertralin. Du meinst also, dass ich ab morgen früh wieder mit 2,5 mg Aripiprazol beginnen sollte? (Ich nehme beide Medikamente morgens ein)
Danke für deine ehrlichen Worte. Eine zweite Psychose durch dieser Art der Selbstverschuldung wäre ganz schön traurig :/

Gruß,
Sey

padma
Team
Beiträge: 11736
Registriert: Sonntag, 06.01.13, 17:04
Hat sich bedankt: 27360 Mal
Danksagung erhalten: 13570 Mal

Re: Aripiprazol und Sertralin weglassen?

Beitragvon padma » Dienstag, 28.03.17, 17:36

hallo Sey, :)

auch von mir willkommen

ich stimme Jamie :) voll und ganz zu. Ein kalter Entzug von gleich 2 Medikamenten kann wirklich ein Höllentrip sein.

Die vorgeschlagene Dosis, 10 mg Sertralin und 2,5 mg Aripiprazol finde ich auch gut. Ich würde morgen früh damit wieder beginnen.

Das erste Ziel ist, dass du dich wieder stabilisierst. Danach kannst du dann langsam die Psychopharmaka ausschleichen. Welches zuerst können wir dann noch überlegen.

Hier noch eine Broschüre zum Download zum Ausschleichen von NL viewtopic.php?f=32&t=8997

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
► Text zeigen


1.09.2017: 0,5 mg


Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Sey
Beiträge: 4
Registriert: Dienstag, 28.03.17, 15:06
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 5 Mal

Re: Aripiprazol und Sertralin weglassen?

Beitragvon Sey » Freitag, 31.03.17, 10:20

Hey,

ich habe euren Rat befolgt und wieder mit einer kleineren Dosis Aripiprazol angefangen. Sertralin ist wie gewohnt in der alten Dosis mit dabei. Es geht mir super damit! :) Keine brain zaps, kein Schwindel mehr. Ich hätte nicht gedacht dass man so leicht wieder "auf den Zug aufspringen" kann (erneute Medikamenteneinahme). Und auch die vorerst geringe Dosis von Aripiprazol (2,5 mg) hilft gefühlt genauso sehr wie die alte Dosis (10mg).

Danke für eure Hilfe! Wenn ihr mögt halte ich euch auf dem Laufenden.

Liebe Grüße,
Sey

Jamie
Team
Beiträge: 12298
Registriert: Montag, 04.02.13, 22:37
Hat sich bedankt: 13671 Mal
Danksagung erhalten: 17675 Mal

Re: Aripiprazol und Sertralin weglassen?

Beitragvon Jamie » Freitag, 31.03.17, 10:24

Hallo Sey, :)

ja halte uns bitte auf dem Laufenden und bitte frage nach Möglichkeit vorher hier nach, wenn du planst etwas zu ändern / auszuschleichen.
Es ist einfacher vorher zu beraten als nachher nur noch Schadensbegrenzung betreiben zu können. :roll:

Grüße, schönes Wochenende
Jamie
...........SIGNATUR...............


:arrow: Eure Mithilfe ist gefragt - wer benutzt die Wasserlösemethode?


:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): viewtopic.php?f=51&t=12478


Meine PN-Funktion ist deaktiviert. Ich danke für euer Verständnis.

-----------------------------

Infos über mich:

► Text zeigen

____________________________________________________________________________________________


Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Sey
Beiträge: 4
Registriert: Dienstag, 28.03.17, 15:06
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 5 Mal

Re: Aripiprazol und Sertralin weglassen?

Beitragvon Sey » Dienstag, 19.09.17, 14:37

Hallo liebes Forum :)

in der Zwischenzeit ist wieder so Einiges passiert.
Erst wurde es unter den Medikamenten wieder schwieriger, Lebensfreude zu entwickeln, bis ich wieder leicht psychotisch wurde. Diesmal hat sich die Psychose aber ganz anders gezeigt als beim ersten Mal: Sie war kaum "zu spüren" und ging auch wieder so schnell wie das, was ich fast nicht bemerkt hatte, gekommen war. Gut, dass mir mein Umfeld dabei half, mich der Psychose entgegenzustellen.
Schließlich war ich eine knappe Woche stationär. Jedoch hatte ich schnell bemerkt, dass es mir im Vergleich zu anderen Betroffenen "recht gut ging" und ich ziemlich im Leben integriert gewesen bin, schon davor. Ich hab die Station daher wieder recht schnell verlassen, da ich mich noch auf Prüfungen vobereiten musste, was dort einfach nicht gelang. Und, weil ich wenn ich mich eine Zeit lang an Menschen gewöhne, ihre Probleme zu meinen eigenen mache.

Nichts was die letzten Monate passiert ist war von langer Dauer. Mit meiner Ärztin bin ich dann übereingekommen, dass wir die Dosis der Medikamente verringern. Ich habe sie ganz schön bearbeiten müssen bis wir uns einigten. Mir hat sehr viel daran gelegen und ich habe auch versprochen mich sofort zu melden, sobald es wieder schlechter werden würde, was bisher nicht der Fall war. Jetzt komme ich aber zu einem anderen Problem: Seit der Verringerung bei Aripiprazol von 15mg auf 7,5mg und bei Sertralin von 50mg auf 25mg habe ich extremen Hunger. Ich habe seitdem ich letzten Monat angefangen habe die reduzierte Dosis zu nehmen bereits 5 Kilo zugenommen. Und ich bekomme nichts mehr hin bezüglich Lernen, wenn ich nur an mein Gewicht denken kann.

Ist das etwa normal bei dieser Medikamentenreduzierung? Ich hatte schon immer Probleme mit meinem Gewicht, zumal ich oft heimlich esse und dann Dinge in mich hereinschlinge, bis das schlechte Gewissen überwiegt. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich Hunger habe oder wann ich satt bin. Es ist nur die Lust am Essen (oder daran, etwas "Geheimes" zu tun, da man nicht dabei beobachtet werden möchte).

Ich hoffe auf eure Erfahrung zwecks Reduzierung und solcherlei Begleiterscheinungen. Falls sie denn mit den Medikamenten in Kontakt stehen sollten.

Liebe Grüße,
Sey

f332
Beiträge: 28
Registriert: Donnerstag, 14.09.17, 9:27
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 12 Mal

Re: Aripiprazol und Sertralin weglassen?

Beitragvon f332 » Dienstag, 19.09.17, 15:25

ich würde wenn dann ganz langsam absetzen also langsam tag 1 50mg tag 2 45mg usw
meine faustregel: geht es mir aktueell gut ändere ich gar nix an den medikamenten (ausser ich habe mass nebenwirkungen)
08-09 2016 sertralin u mirtazapin
10.2016-01-2017 duloxetin und mirtazapin
30.01 2017 abgesetzt für 14 tage
02-2017 rückfall, für 1 monat venlafaxin und mirtazapin
04.2017 dazu noch lamotrigin mirtazapin
06.2017 umstieg auf ixel + mirtazapin
07.2017 umstieg auf cipralex +mirtazapin
09.2017 umstieg duloxeting 60mg + mirtazapin 30mg (5htp probiert, schwree nebenwirkungen serotonin syndrom)
Diagnose: Rezidivierende depressive Störung

padma
Team
Beiträge: 11736
Registriert: Sonntag, 06.01.13, 17:04
Hat sich bedankt: 27360 Mal
Danksagung erhalten: 13570 Mal

Re: Aripiprazol und Sertralin weglassen?

Beitragvon padma » Dienstag, 19.09.17, 18:48

hallo Sey, :)

schön, dass die Psychose diesmal so mild verlaufen ist.
Ist sie denn in Zusammenhang mit einer Dosisreduktion aufgetreten? Evtl. hat es sich um eine sogenannte Absetzpsychose gehandelt.

Könntest du bitte eine Signatur mit deinem Medikamentenverlauf erstellen http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=35&t=204 ? Das ist wirklich ganz wichtig.

Seit der Verringerung bei Aripiprazol von 15mg auf 7,5mg und bei Sertralin von 50mg auf 25mg habe ich extremen Hunger.

Hast du beide direkt halbiert? Und etwa zeitgleich?
Heisshungerattacken sind ein mögliches Absetzsymptom. Du könntest versuchen mehr Vollkornprodukte zu essen um den Blutzuckerspiegel konstanter zu halten.

f332 schrieb
ich würde wenn dann ganz langsam absetzen also langsam tag 1 50mg tag 2 45mg usw

Das wäre ganz verkehrt.
Reduktionen bitte nur von höchstens 10 % der letzten Dosis alle 4 - 6 Wochen. Und immer nur ein Medikament zu einer Zeit reduzieren.
Sey, da du psychosegefährdet bist, gehe bitte sehr, sehr langsam und achtsam vor.

Und sprech dich engmaschig mit uns ab.

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
► Text zeigen


1.09.2017: 0,5 mg


Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.


Zurück zu „Hier bist Du richtig“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Britsch, Google [Bot] und 2 Gäste