Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Stell Dich bitte hier vor, wenn Du Probleme mit Psychopharmaka hast, Infos brauchst oder noch nicht weißt, ob Du abdosieren solltest.
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HunterAS
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Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon HunterAS » Samstag, 09.09.17, 12:48

Guten Tag,

erstmal: Vielen herzlichen Dank für dieses Forum. Ich habe es leider erst gestern gefunden als ich nach Erfahrungen mit einem Medikament suchte, das mir mein Arzt mir mit den Worten "die machen nicht abhängig" verschrieben hat: Mirtazapin. Jetzt habe ich hier sehr viele Erfahrungsberichte gelesen, was für ein langsamer und qualvoller Entzug einem da bevorstehen kann, daher bin ich doch etwas skeptisch geworden.

Meine Vorgeschichte: Ich habe jetzt etwas über ein Jahr regelmäßig unretardiertes Tramadol genommen. Vor 6 Jahren hatte ich einen Bandscheibenvorfall, da wurde es mir erstmals in Tropfenform verschrieben. Ich nahm es ein paar Wochen und mein Zustand (von dem der Orthopäde sagte: "Ja, das ist ein ganz klassischer Bandscheibenvorfall. So schön sieht man den selten. Da werden Sie noch lange was von haben. Im Alter - so ab 50 - verknöchert das. Dann wird's besser.") besserte sich - nicht zuletzt in Folge hervorragender Krankengymnastik - und konnte es dann auch wieder absetzen. In den folgenden Jahren nahm ich es noch drei oder vier Mal bei akuten Rückenschmerzen, um arbeiten zu können. Beim letzten Mal, Mai 2016, vergaß ich das absetzen und blieb ich darauf hängen.

Nun war ich vorigen Monat beim Arzt mit dem Problem: "Ich nehme täglich 8 Kapseln Tramadol 50 mg und schaffe es nicht, das abzusetzen." Ich hatte das zuvor bereits mehrfach versucht - einmal, nachdem ich 24 Stunden geschlafen hatte und dachte, der Großteil müsse ja nun draußen sein, jetzt wird's leicht. Dem war nicht so. Dreimal habe ich es anschließend noch über eine Reduktion versucht, schaffte es mitunter (indem ich das Pulver aus der Kapsel immer zur Hälfte wegschüttete) auf vier Tagesdosen zu je 25mg, nur um anschließend noch mehr als zuvor zu nehmen.

Der Arzt gab mir ebenfalls 50 mg Tabletten, aber retardiert und zusätzlich Mirtazapin 15 mg. So reduzierte ich zunächst nach Auflage: Direkt von 8 Tabletten unretardiert runter auf eine retardierte morgens und eine abends. Dazu abends vor dem Einschlafen eine Mirtazapin. Dies hielt ich 4 Tage durch, habe dann das Mirtazapin abgesetzt, da es mir in keiner Weise gut ging. Im Verlauf der nächsten Tage habe ich mich von den zwei Tramadol runter auf eine und dann auf null geboxt, was gegen Ende nicht mehr auszuhalten war - so habe ich vorgestern nach etwa 2 Wochen zum ersten Mal wieder Mirtazapin genommen, um nach 48 Stunden Wachheit mit 1,5 Stunden Schlaf dazwischen endlich einschlafen zu können. Dies funktionierte weitestgehend, ich schlief 7 Stunden und die schlimmsten Entzugssymptome des Tramadol schienen überstanden. Gegen Nacht, da ich nun auch wieder 20 Stunden wach war und die Symptome sich wieder verschlimmerten, wollte ich dann die nächste Mirtazapin nehmen.

Zuvor fand ich noch dieses Forum und las mich ein wenig ein.

Ich hatte mich zuvor bereits kurz über Mirtazapin informiert, aber ihr kennt ja sicher den verkümmerten Warnhinweis im Beipackzettel und andere einschlägige Berichte. Nun schaute ich auch erstmals nach der Halbwertszeit. 20 Stunden. Das steh ich ja nie durch! Ich war bereits bei Tramadol mit seinen 6 Stunden völlig überfordert und auch während dieses Ausscheichens nur Millimeter vom Aufgeben entfernt. Aber da sich mein Körper nun wieder stärker im Sinne von "Ich möchte bitte hochkant gerädert werden" bemerkbar machte, teilte ich die Tablette und nahm 7,5 mg Mirtazapin.

Ehrlich gesagt - ich bin gerade etwas überfordert und weiß nicht, wie ich am Besten vorgehen soll. Retardiertes Tramadol gibt es als kleinste Dosis als 50 mg. Eine Anfrage bei einer Ärzte-Seite (mein Hausarzt ist aktuell im Urlaub) ergab, daß ich auf unretardiertes Tramadol (das könnte ich ja gut abdosieren!) beim Ausschleichen wegen des starken Anflutens unbedingt verzichten soll und daß ich die Retard-Tabletten auch nicht teilen soll. Vielleicht bin ich ja tatsächlich einfach zu schwach, aber ich finde auch von 50 mg - der Mindestmenge - auf Null zu gehen ist blanker Horror. Kaum zu glauben, daß das für alle anderen kein Problem darzustellen scheint.

Habt ihr vielleicht irgendwelche Tipps, wie man da am sinnvollsten vorgehen könnte? Greift das Mirtazapin die gleichen Rezeptoren an, wie das Tramadol und die Entzugserscheinungen werden einfach nur verschoben, sodaß bei mir nun auch die Wahrscheinlichkeit gegeben ist, nach ein paar Wochen den ganzen Scheiß erneut zu durchleiden (und kommen vielleicht sogar noch ein paar spannende, neue Entzugserscheinungen hinzu)? In irgendeinem anderen Forum fand ich auch, daß jemand die Kügelchen-Methode bei retardiertem Tramadol angewendet hat. Allein: Ich habe keine Ahnung, welcher Hersteller die überhaupt in dieser Darreichungsform anbietet. Ich habe nur einen bruchrillenfreien Tablettenklotz, bei dem ich ungerne rumkrümeln würde. Haltet ihr es für sinnvoll, mit sehr gering dosiertem unretardiertem Tramadol zu "arbeiten" und dafür das Mirtazapin weglassen - oder sollte ich das jetzt, 109 Stunden nach Absetzen des Tramadols unbedingt vermeiden? Ist es sinnvoller, noch ein oder zwei Tage mit einer (vielleicht kleineren) Menge Mirtazapin, gelöst nach der Wasser-Methode, weiterzumachen?

Viele Grüße an alle,

HunterAS
Ursprungsdiagnose vor 6 Jahren: Bandscheibenvorfall - Tramadol hin und wieder genommen und gegen Mai 2016 nicht rechtzeitig abgesetzt, dann bis Juli 2017 durchgängig genommen (auch wegen der pseudo-euphorisierenden Wirkung); gegen Ende 8 Tabl.(50mg)/Tag. Hersteller: Grünenthal (Tropfen), Librapharm (Pulver-Kapseln) - alles unretardiert.

April 2017: Erster Absetzversuch von 400mg auf Null - nach 26 Stunden aufgegeben.

Mai 2017: Zweiter Absetzversuch mit Ausschleichen über zwei Wochen. -> Abbruch mit anschließendem Erhöhen der Dosis innerhalb von 3 Tagen auf 10 Kapseln täglich.

Juli 2017: Termin beim Arzt -> Rezept über: 50 Tabletten Tramadol 50 mg retardiert (einzunehmen 1-0-1) + Mirtazapin 15mg (einzunehmen vorm Schlafengehen)

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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon LinLina » Samstag, 09.09.17, 13:09

Hallo Hunter :-)

willkommen im Forum.

Wir haben hier nicht sehr viel erfahrung mit Opiatentzügen, da der Schwerpunkt auf Psychopharmaka liegt, aber dennoch kannst du hier wertvolle Infos finden.

Zu deiner Frage bezüglich des Mirtazapins: Es wirkt tatsächlich auch auf Opioid-Rezeptoren, aber auch auf einige andere Transmittersysteme. Einen Opiat-entzug wird es aber nicht wirklich abfangen können, und es besteht tatsächlich die Gefahr, dass du nur eine zusätzliche körperliche Abhängigkeit hast, wenn du es weiter einnimmst mit einer zusätzlichen Absetzsymptomatik und Nebenwirkungen.

Wir raten daher generell dazu, die Urspungssubstanz langsam abzusetzen, wenn irgend möglich. Ich würde das Mirtazapin mit meiner heutigen Erfahrung nicht nehmen.

Ich glaube, ich würde mich an deiner Stelle versuchen auf der Dosis zu stabilisieren, womit zu zuletzt gut zurecht kamst - war das 2mal 50 mg retardiert? Und von da aus nochmal einen langsameren Versuch starten.

Könntest du bitte eine Signatur anlegen, wo du deinen Medikamentenverlauf dokumentierst? http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=35&t=204

Es gibt Tramadol auch als Tropfen http://www.apotheken-umschau.de/Medikam ... 56235.html

Du könntest z.b. nach einer Stabilisierungsphase einen Teil deiner dosis auf die Tropfen umstellen, und diese über mehrere Einnahmezeitpunkte über den Tag verteilt nehmen, um dem starken Anfluten vorzubeugen und dann nach und nach reduzieren.

Wichtig dafür wäre, dass du über eine gute Selbstkontrolle bezüglich der Einnahme verfügst, damit du nicht wieder die Dosis erhöhst sondern ganz langsam davon runter kommst.

Vielleicht kann dir jemand dabei helfen, lebst du alleine?

Noch eine Info möchte ich dir mitgeben: nicht allein die Halbwertszeit entscheidet wie lange man Entzugssymptome hat. Es gibt z.b. Substanzen mit einer halbwertszeit von nur 6 Stunden, aber dennoch leiden manche Betroffene monatelang unter Entzug. Es geht mehr darum, wie lange es braucht bis der Körper "gelernt" hat wieder ohne die Substanz auszukommen, das passiert leider in vielen Fällen nicht von heute auf morgen und kann ein langer Prozess sein, auch deswegen ist das langsame Absetzen meist sinnvoll.

Lies dich doch noch ein wenig ein viewtopic.php?f=18&t=12880, in dem Link geht es zwar um Antidepressiva aber vieles ist bei allen Substanzen die in das ZNS eingreifen ähnlich - und Tramadol hat ja auch eine serotonerge Komponente.

Liebe Grüße
Lina
Ursprünglicher Grund der Einnahme: Seit 2014 chronische Schmerzen, PTBS, heftige Unverträglichkeitsreaktion auf Schmerzmittel und Antibiotika (anhaltende Krampfanfälle) und OP wegen Tumorverdacht

Lorazepam: 1,5 mg von 7/2014 - 10/2014, dann 4 Monate schrittweiser Entzug (sehr heftig) und seit 8.2.2015 komplett abgesetzt :-)

Mirtazapin: Winter 2014/15 bis 30 mg für Benzo-Entzug, langsames und mühsames Absetzen seit März 2015.

Mein Medikamentenverlauf :schnecke: :
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Seit 3.10.2017: 0,55 mg Mirtazapin / Mein Thread

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Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

HunterAS
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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon HunterAS » Samstag, 09.09.17, 13:17

Hallo LinLina,

vielen Dank für die superschnelle Antwort!

Die Signatur mit dem Medikamentenverlauf werde ich heute Nacht in Angriff nehmen und mich dann weiter einlesen. Dann kann ich auch etwas ausführlicher antworten, da ich jetzt leider weg muß.

Danke & liebe Grüße,

Hunter
Ursprungsdiagnose vor 6 Jahren: Bandscheibenvorfall - Tramadol hin und wieder genommen und gegen Mai 2016 nicht rechtzeitig abgesetzt, dann bis Juli 2017 durchgängig genommen (auch wegen der pseudo-euphorisierenden Wirkung); gegen Ende 8 Tabl.(50mg)/Tag. Hersteller: Grünenthal (Tropfen), Librapharm (Pulver-Kapseln) - alles unretardiert.

April 2017: Erster Absetzversuch von 400mg auf Null - nach 26 Stunden aufgegeben.

Mai 2017: Zweiter Absetzversuch mit Ausschleichen über zwei Wochen. -> Abbruch mit anschließendem Erhöhen der Dosis innerhalb von 3 Tagen auf 10 Kapseln täglich.

Juli 2017: Termin beim Arzt -> Rezept über: 50 Tabletten Tramadol 50 mg retardiert (einzunehmen 1-0-1) + Mirtazapin 15mg (einzunehmen vorm Schlafengehen)

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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon Benedikt24 » Samstag, 09.09.17, 23:53

Hallo Hunter,

herzlich willkommen hier im Forum. Schön, dass Du uns Deine Leidensgeschichte geschildert hast. Und es ist gut, dass Du nun bei uns bist. Hier werden Dir wertvolle Hinweise persönlich gegeben. Und Du kannst wenn Du willst, auch weiterhin viel quer lesen.
Leider kann ich zu Deinem Sachverhalt keine Aussage treffen.
Ich wünsche Dir aber viel Erfolg, beim langfristigen Absetzen der Medikamente.

Herzlich, Benedikt
2010 - Ende 2011 Aufdosierung auf 200 mg Seroquel (Panik und Wahnvorstellungen - ich nahm mal Seroquel- mal nicht, Vertrauen hatte ich keins)
Nehme seit 2012 Olanzapin (auf Grund einer (Absetz)Psychose) (wurde in Psychatrie eingewiesen) Grund der Psychose: Traumata - noch nicht bearbeitet
Von 2012-2015, 15 mg Olanzapin (40 kg Gewichtszunahme)
2015 Absetzversuch auf 0 (gescheitert nach Arztempfehlung) Absetz- Psychose!
2015 wieder hoch auf 15 mg
Anfang 2016 auf 10 mg (ging gut)
12/2016 5 Tage mit 5 mg Olanzapin (laienhaft zerbrochen!) Große Absetzproblematik Danach auf 10 mg hochdosiert.
Seit Kindertagen diverse Asthmamittel (bis heute), Zaditen, Viani 50/250, Ditec, Salbutamol, Ultibro Breezhaler
Kortisonbehandlung über viele Jahre (Asthma, Morbus Crohn) seit 2008 nicht mehr.
Reduzierung von 10 mg Olanzapin - auf 9 mg (12.1.17)
Seit 20.1.17 schnell fettende Haare; Seit 2.2.17 Zittern in den Finger; 8.2.17 kein Zittern mehr
Reduzierung von 9 mg Olanzapin auf 8 mg (12.2.17)
Reduzierung von 8 mg Olanzapin auf 7 mg (12.3.17)
Seit ca. 3.3.17 massive Darmbeschwerden.
Es wurden am 14.3.17 schlechte Leberwerte, Vitamin D, Folsäure und B12- Mangel festgestellt.
8.4.17 Darmbeschwerden sind verschwunden.
Reduzierung von 7 mg Olanzapin auf 6 (15.4.17)
Nehme ab den 20.4.17, 1 Kapsel Zinkamin-Falk (Zinktabletten) 1x täglich (15 mg)
5.4.17 Einnahme von Mariendistel - Kapseln 500 mg Extrakt (80% Silymarin) 1x täglich. (Kräuterhandel Sankt Anton)
Reduzierung von 6 mg Olanzapin auf 5 mg (15.5.17)
22.6.17 Leberwerte verbessert (durch Olanzapin-Reduktion,Verzicht auf Alkohol und Mariendiestel-Präparat. Zinkamin schadet auch nicht.) Durch Zinkamin keine schnell fettende Haare
Reduzierung von 5 mg auf 4 mg Olanzapin (20.6.17)
Durch Reduzierung fühle ich mich insgesamt aktiver und lebendiger.
Seit Januar 2017, gehe ich 1x monatlich zumTherapeutischen Malen bei einer Kunsttherapeutin. (6h) Durch die Bilder kann ich meine Gefühle zum Ausdruck bringen. Den Gefühlsstau später auflösen und wieder fühlen. (Angst, Verlassenheit, Wut, Demütigung) Die Bilder nehme ich zum Therapeuten mit. Dort werden sie im geschützten Rahmen besprochen und ich durchlebe den dargestellten Ausdruck des Bildes dann bewusst- was vorher unbewusst durch das Malen geschah. So kann ich Verdrängtes wieder aktivieren.Therapie ist anstrengend. 1-2 Tage hat meine Seele dann noch zu tun. Die Arbeit (6 h täglich) stabilisiert mich wieder, holt mich ins Jetzt zurück.
5.7.17 Meine Psychotherapie wurde verlängert. Um 140 h. Insgesamt:300 h von 2014-2022.
Reduktion 4 mg auf 3 mg Olanzapin (25.7.17)
Reduktion 3 mg auf 2,5 mg Olanzapin (25.8.17)
5.9.17 Probleme mit der Wahrnehmung, (Ich - Umgebung) (Schizophrenie) kann es aber aushalten. Bleibe bei 2.5 mg.
Einnahme von Chia-Samen (13.10.) umgemahlen - sehr gut bei Darmproblemen

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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon HunterAS » Montag, 11.09.17, 14:35

Hallo Benedikt24,

vielen Dank für die lieben Worte! Ihr habt mir auf jeden Fall schon sehr geholfen. Ohne euch hätte ich mich bei Mirtazapin nur auf den Beipackzettel und den Arzt verlassen.:)

und hallo nochmal LinLina,

auch Dir nochmal ein herzliches Danke. Ich habe es gestern nicht mehr geschafft, etwas anderes zu tun als permanent zu baden und apathisch hin und her zu laufen. Daher schreibe ich erst jetzt wieder.

Daß das Mirtazapin einen Opiat-Entzug nicht wirklich abfangen kann, hilft mir gerade sehr - keimt in mir dadurch doch die Hoffnung, daß ich zumindest die Probleme des Entzugs nicht einfach nur verschoben habe und all das bald erneut auf mich zukommt.

Zu deinen Fragen: Ich habe glücklicherweise eine Familie, die ob der Problematik Bescheid weiß und an die ich mich wenden kann. Deinen Vorschlag mit dem langsamen Versuch der Abdosierung halte ich für sehr sinnvoll. Ich hätte das auch die ganze Zeit über gerne gemacht, nur haben mir verschiedene Ärzte davon abgeraten, unretardiertes Tramadol zu verwenden und so nahm ich den Sprung von 50 mg auf Null in Agriff, da dies die kleinste retardierte Dosis darstellt. Welcher Hersteller retardiertes Tramadol in viele Kügelchen unterteilt vertreibt, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

Die Willensstärke/Selbstkontrolle einzuschätzen, finde ich sehr schwierig. Ich halte mich da generell für einen eher schwachen Menschen, habe es aber bislang immerhin geschafft, seit 158 Stunden kein Tramadol mehr einzunehmen, obwohl ich es sowohl in retardierter als auch in unretardierter Form in ausreichender Menge da habe. Auf der anderen Seite habe ich es bereits zweimal versucht, es langsam auszuschleichen und der Selbstbetrug war da: Offiziell war ich zeitweise runter auf zwei Kapseln je 50 mg/Tag, tatsächlich werden es aber eher 3 gewesen sein (siehe auch erweiterte Signatur, die ich gleich anhängen werde). Danach kam mit dem kompletten Absetzen genau das, wofor in Deinem Link gewarnt wird:

Man sollte niemals das Medikament kalt absetzen in dem Glauben, man könnte problemlos wieder eindosieren. Deshalb wird das langsame, stufenweise Absetzen empfohlen, um Entzugssymptome zu minimieren. Wenn das Nervensystem erst einmal durch den Entzug destabilisiert ist, kann einem beim Eindosieren alles passieren.


Jep, denn sofort war ich auf 10 Kapseln/Tag.

Mit welcher Dosis ich zuletzt "gut" zurecht kam, kann ich leider selbst nichmal sagen. Seit ich auf das retardierte Tramadol umgestiegen bin, konnte von gut eigentlich keine Rede mehr sein (wenngleich es mir auch davor nicht gut ging, sonst hätte ich wohl nicht den unbedingten Wunsch gehabt, aufzuhören) - aber sowohl mit 2x50 mg/Tag als auch mit 1x50 mg/Tag gab es Lichtblicke. Ich schätze, das sprunghafte Anfluten und Auslaufen hat dermaßen für ein Gefühlschaos gesorgt, daß mir das Stabilisieren durch die Retard-Wirkung durchaus geholfen hat. Vermutlich hätte ich mich wirklich einfach länger "auf einer Ebene aufhalten" sollen, wie es hier im Forum auch oft empfohlen wird und nicht sofort weiter reduzieren. Meine Rechnung war damals einfach: Wenn ich von 100 mg auf 50 mg mit den Schmerzen X herunterkomme, dann wird der Sprung von 50 mg auf 0 mg ebenfalls mit den Schmerzen X verbunden sein. Das war falsch.

Du könntest z.b. nach einer Stabilisierungsphase einen Teil deiner dosis auf die Tropfen umstellen, und diese über mehrere Einnahmezeitpunkte über den Tag verteilt nehmen, um dem starken Anfluten vorzubeugen und dann nach und nach reduzieren.


Das schätze ich auch als absolut richtige Idee ein und wenn ich demnächst nicht mehr durchhalten sollte, werde ich exakt das versuchen. Auch danke für die Info mit der Halbwertszeit und den Link, ich habe mich nun etwas mehr eingelesen und beginne, es etwas besser nachvollziehen zu können.

Die Signatur habe ich nun erstellt und in (hoffentlich richtiger) Kurzform angehängt, in etwas erweiterter Form lautete sie so:

############

Meine Ursprungsdiagnose vor 6 Jahren: Bandscheibenvorfall - Tramadol (20-30 Tropfen täglich) über ein paar Wochen hinweg eingenommen.
Zwischenzeitlich immer mal wieder Tramadol bei konkreten Schmerzen eingenommen, gegen Mai 2016 nicht rechtzeitig abgesetzt und bis Juli 2017 durchgängig genommen; gegen Ende 8 Tabl.(50mg)/Tag

April 2017: Erster Absetzversuch von 400mg auf Null - nach 26 Stunden aufgegeben.

Mai 2017: Zweiter Absetzversuch mit Ausschleichen über zwei Wochen. Tagesweise ein bisschen mehr Pulver aus den Kapseln weggeschüttet; war am Ende subjektiv mit Selbstbetrug auf viermal täglich eine halbe Kapsel = 2 Kapseln; objektiv auf 3 Kapseln täglich. -> Abbruch mit anschließendem Erhöhen der Dosis auf 10 Kapseln täglich innert 3 Tagen.

[Alle Tramadol-Angaben bis hier: Unretardiert, 50mg (anfangs als Tropfen, dann als Kapseln mit feinkristallinem Pulver), ab nun nur noch retardiert, Ausnahme gekennzeichnet]

Juli 2017: Termin beim Arzt -> Rezept über: 50 Tabletten Tramadol 50 mg RETARDIERT (einzunehmen 1-0-1) + Mirtazapin 15mg (einzunehmen vorm Schlafengehen)

Letzte Juli-Woche 2017: 24 Stunden nach der letzten Tramadol-Einnahme versteichen lassen, dann Einnahme nach Rezept.
--- Nach dem ersten Tag eine Mirtazapin genommen, sofort geschlafen.
--- Nach dem zweiten Tag eine Mirtazapin genommen: unbedingte Müdigkeit gepaart mit Nicht-Schlafen-Können gepaart mit einem sich vor Schmerzen windenden Körper. Daraufhin anderthalb Kapseln unretardiertes Tramadl genommen. Eingeschlafen.
--- Nach vier Tagen: Mirtazapin abgesetzt (wegen Gefühl: "mir geht's mies damit"); die Abstände zwischen der Tramadol-Einnahme versucht, von 12 Stunden aus weiter hinauszuzögern. Schlafrythmus im Eimer. Die folgenden Tagesangaben sind nur als ungefähr zu verstehen und werden vorrangig durch neue Dosen bestimmt.
--- Tag 5: Zeitabstände der Tramadol-Tabletten auf 17 Stunden ausgereizt, dies zwei Tage (4 Tabletten) durchgehalten
--- Tag 7: Zeitabstände auf 21 Stunden erweitert.
--- Tag 8: Zeitabstände auf 22,5 Stunden erweitert.
--- Tag 9: Zeitabstände auf 23 Stunden erweitert. (Schmerzen von herausragender Intensität)
--- Tag 10: Zeitabstände auf 24 Stunden erweitert.
--- Tag 11: Bei 24 Stunden geblieben, somit runter auf eine Tablette/Tag.
--- Tag 12: 10 Stunden geschlafen und nach dem Aufwachen war die letzte Einnahme 27 Stunden her. -> Der neue Tag 1 beginnt.

-------------ABSETZVERSUCH-------------

--- Tag 1: Gegen 3 Uhr nachts aufgewacht. Schwanke zwischen Unruhe, Motivation und Niedergeschlagenheit. Bade permanent. Schlafe nach 21 Stunden ein.
--- Tag 2: Gegen 2 Uhr nachts aufgewacht.2-3 Stunden Schlaf gehabt. Qualvoll über den Tag gerettet. Ab 12 Uhr beginnt ein fulminantes Feuerwerk an Schmerzen. Nehme 5-HTP: Keine Wirkung. Schlafe gegen 21:00 Uhr für eine Stunde ein, wache auf und alles ist noch schlimmer. Nehme eine Mirtazapin. Schlafe ein.
--- Tag 3: Gegen 7 Uhr aufgewacht. 7 Stunden Schlaf gehabt. Herzrasen. Die ersten 10 Stunden des Tages geht es, dann wird es wieder schlimmer. Gegen Abend finde ich dieses Forum. [hier bitte Danke-Smiley einsetzen, finde keinen] Unmöglich einzuschlafen, aber ich nehme dank euch nur eine halbe Mirtazapin. Schlafe ein.
--- Tag 4: Gegen 9 Uhr aufgewacht, 5 Stunden Schlaf gehabt. Weiterhin Herzrasen. Ansonsten erste Lichtblicke - erstelle meinen Thread und fürchte mich vor diesem Tag, an dem ich zum ersten Mal wieder arbeiten muß. Überstehe es ohne Medikamente. Bin abends bewegungsunfähig mit ruhelosem Körper. Greife gegen 2 Uhr nachts zu einer halben Mirtazapin. Schlafe ein, wache nach 30 Minuten auf und es ist noch schlimmer. Nehme die andere Hälfte. Schlafe ein.
--- Tag 5: Gegen 9 Uhr aufgewacht, 6 Stunden Schlaf gehabt. Kann nichts tun. Die Schmerzen sind nicht mehr konkret. Fühle mich gedämpft und elend. Motivation ist auf Null, bin kurz davor wieder eine Tramadol zu nehmen, obwohl die Schmerzskala, die 10 bereits an Tag 2 durchbrochen hat, nur auf 7 steht. Denke nur noch an die eine, rettende (halbe?) Mirtazapin am Abend. Lese in der Badewanne. Bekomme eine Mail, die mich gedanklich 3 Stunden beschäftigt und lege mich hin. Schlafe ein und wache nach einer Stunde auf. Lösche das Licht und kann weiterschlafen. Kein Mirtazapin.
--- Tag 6: Gegen 10 Uhr aufgewacht. 7 Stunden Schlaf gehabt. Noch geht es. Es ist 12:00 und ich schreibe diesen Beitrag. Abwarten, was der Tag bringt. Erfahrungsgemäß wird es schlimmer, je weiter der Tag fortschreitet.

############

Liebe Grüße,

Hunter
Ursprungsdiagnose vor 6 Jahren: Bandscheibenvorfall - Tramadol hin und wieder genommen und gegen Mai 2016 nicht rechtzeitig abgesetzt, dann bis Juli 2017 durchgängig genommen (auch wegen der pseudo-euphorisierenden Wirkung); gegen Ende 8 Tabl.(50mg)/Tag. Hersteller: Grünenthal (Tropfen), Librapharm (Pulver-Kapseln) - alles unretardiert.

April 2017: Erster Absetzversuch von 400mg auf Null - nach 26 Stunden aufgegeben.

Mai 2017: Zweiter Absetzversuch mit Ausschleichen über zwei Wochen. -> Abbruch mit anschließendem Erhöhen der Dosis innerhalb von 3 Tagen auf 10 Kapseln täglich.

Juli 2017: Termin beim Arzt -> Rezept über: 50 Tabletten Tramadol 50 mg retardiert (einzunehmen 1-0-1) + Mirtazapin 15mg (einzunehmen vorm Schlafengehen)

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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon HunterAS » Donnerstag, 14.09.17, 18:50

Mal ein kleines Update meines Verlaufes; ich wollte meinen Beitrag eigentlich editieren, nur finde ich diese Funktion nicht.

--- Tag 6: Gegen 10 Uhr aufgewacht. 7 Stunden Schlaf gehabt. Noch geht es. Es ist 12:00 und ich schreibe diesen Beitrag. Abwarten, was der Tag bringt. Erfahrungsgemäß wird es schlimmer, je weiter der Tag fortschreitet.

// Ja, korrekt: Es wurde schlimmer. Sobald ich aufhöre zu sitzen und mich hinlege, will mein Körper ausbrechen. Diffuses Ziehen in den Beinen, dem ich versuche mit gezielten, krampfartigen Zuckungen entgegenzuwirken. Sehe vermutlich aus wie eine Slapstick-Version eines Fisches an Land. 10 Minuten zucken verschaffen eine Minute Ruhe. Das steht in keiner Relation. Nehme eine halbe Mirtazapin; nach 20 Minuten Linderung, nach einer Stunde schlafe ich gegen 2:00 Uhr ein.

--- Tag 7: Gegen 12 Uhr nach 10 Stunden Schlaf aufgewacht. Ansonsten vergleichbar mit Tag 6, allerdings schlafe ich dieses Mal gegen 4 Uhr tatsächlich nach einem heißen Bad ohne Medikamente ein.

---Tag 8: 9 Stunden Schlaf, gegen 13 Uhr aufgewacht. Fühle mich irgendwie immer schlechter statt besser. Die körperlichen Schmerzen sind die ersten 6 Stunden nach dem Aufstehen zwar weg/wenig präsent, dafür setzt eine quälende Lebensunlust ein. 6 Stunden später gesellen sich die körperlichen Schmerzen hinzu. Den Tag überstehe ich, indem ich zwei Bücher lese. Nachts liege ich drei Stunden im Bett und verrenke meinen Körper in alle Richtungen. Auch Bäder helfen nicht mehr viel. Versuche es mit einer viertel Mirtazapin (ca. 4 mg). Selten war Linderung so schön. Fühle mich nach einer halben Stunde gegen 6 Uhr fast schon euphorisch und genieße es, ruhig liegen zu können. Schlafe alsbald ein.

--- Tag 9 (heute): Wache nach 8 Stunden Schlaf gegen 14 Uhr auf und bin entsetzlich müde. Eine Stunde nach dem Aufstehen geht es besser. Kurzzeitig wieder mal die Hoffnung, es endlich überstanden zu haben; werde aber bald von der Realität eingeholt.

Zwischendurchfazit: Es ist irgendwo wirklich interessant, diese ganze Palette der Entzugssymptome kennenzulernen. Das Problem sind nur die ganzen Beschwerden, die damit notwendigerweise einhergehen und die einen ein ums andere Mal wahlweise verzweifeln, aufgeben oder durchdrehen lassen.

Habe auch das Gefühl, daß die durch das Mirtazapin blockierten Opioid-Rezeptoren mir doch sehr schwer zu schaffen machen werden – wenn sie dann nicht mehr blockiert werden. Kann mir nun die Probleme vorstellen, die das Mirtazapin verursachen wird, aber was ist die Alternative? Wieder zurück zu Tramadol? Der letzte verordnete Stand waren 2 Retard-Tabletten zu 50 mg täglich, aber egal wie schlecht es mir momentan geht, die enormen Schmerzen von Tag 2 mit 10,5 von 10 habe ich nicht mehr erlebt – und ich möchte das auch niemals wieder haben. Und das Wieder-Einschleichen birgt ja nun auch Risiken.

Da ich das Mirtazapin noch nicht lange genommen habe und in den letzten 10 Tagen insgesamt nur dreieinviertel Tabletten zu 15 mg, verteilt auf fünf Dosen, gebraucht habe, habe ich noch die Hoffnung, daß es möglich ist, dieses halbwegs schnell reduzieren zu können. Werde nun zur genaueren Abmessung auf die Wassermethode setzen.

Soweit mein Verlauf bislang. Vielleicht ist er ja für den ein oder anderen interessant.
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April 2017: Erster Absetzversuch von 400mg auf Null - nach 26 Stunden aufgegeben.

Mai 2017: Zweiter Absetzversuch mit Ausschleichen über zwei Wochen. -> Abbruch mit anschließendem Erhöhen der Dosis innerhalb von 3 Tagen auf 10 Kapseln täglich.

Juli 2017: Termin beim Arzt -> Rezept über: 50 Tabletten Tramadol 50 mg retardiert (einzunehmen 1-0-1) + Mirtazapin 15mg (einzunehmen vorm Schlafengehen)

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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon Undead » Donnerstag, 14.09.17, 20:47

Ich hab deinen Verlauf jetzt nur mal überflogen und möchte dir eigentlich nur herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Tramadolentzug sagen! Ich kann mich an meine 2 Entzüge erinnern, das ist nicht ohne...Ich hatte noch nie so eine Abhängigkeit wie davon. Ich wusste davor ehrlich gesagt gar nicht ,wie das ist. Mein erster Entzug war auch mit abdosieren, ich habe da allerdings schon heftig auf Firmenwechsel reagiert. Der 2te war kalt und nach 7 Tagen war das schlimmste rum. Ich habe das mit etwas Tavor geschafft, ohne hab ich mich wegen den evtl. epileptischen Anfällen, nicht getraut.

Ich hab den Fehler Tramadol 2 mal gemacht und würde es nie wieder machen.

Aber Antidepressiva und Tramadol zusammen ist schon gefährlich. Gut, dass du jetzt vom Tramadol weg bist!

Liebe Grüße und weiterhin viel Stärke und Durchhaltungsvermögen!

Undead
Ich kann leider nur ca. Angaben machen, mein Gedächtnis ist nicht so besonders gut die meiste Zeit:
bis 2009 diverse Antidepressiva, hauptsächlich Fluoxetin
L-Thyroxin: Seit 2015 momentan 88 mcg
Zolpidem: ca. Mai 2015 5-10 mg täglich - März 2017 dann für 2 Monate abgesetzt bis Mitte Mai (gerade am Absetzten, momentane Dosis 5 mg täglich Einmaldosis Nachts)
Tramadol: Zuerst 2012 bis 2014 ca. dann ausgeschlichen
Codein : ca. Mai 2016 - August 2016
Tramadolwiedereinnahme: August 2016 - Mitte Januar 2017 (nach schweren Nebenwirkungen komplett abgesetzt)
Zolpidem abgesetzt: Mitte März 2017
Zolpidemwiedereinnahme: Ende Mai 2017 10 mg Einmaldosis Nachts
Zolpidem ausschleichen: 13. August 5 mg täglich Nachts
Zwischenzeitlich sporadisch Tavor 0,5mg-2,00 mg Seit Mitte August nie wieder, kompett abgesetzt und die Nase voll davon.

21.08.2017
Neuer Plan: Absetzen von Zolpidem, gleichzeitig L-thyroxin auf 75mcg reduzieren
Seit ca. 1 Woche auf 0.5 mg Zolpidem, am 18.08. dummen Fehler gemacht und eine 10 mg genommen. Am nächsten Tag vermehrtes Rauschen im Kopf, starker Schwindel, starke Konzentrationsstörungen, Kiefer extrem verkrampft, Angstzustände aber keine Panikatacke, Augenlidzucken, Lichtempfindlichkeit, Augenbrennen
Nun Seit 19.08. wieder auf 0,5 mg und nun dabei ca. 1 Monat bleiben
Nachts Herzrasen und Panik, Angstzustände aber einschlafen können.
21.08. Absetzsymptome etwas schwächer, Rauschen geringer, Kieferverspannungen hautsächlich rechts, aber nicht mehr so schlimm wie nach 10 mg Ausrutscher, Seit Ausrutscher wieder vermehrtes Kältegefühl/brennen auf dem Kopf(Kopfhaut oben). Übliche Genickschmerzen. Brennen seitlich am Hals-wie entzündet, Leichte Darmverkrampfungen m. leichten Schmerzen, trockener Mund und Augen, gebesserte Konzentrationsstörungen.

Neuester Plan:
25.08.17 Zolpidem auf 0,25 mg reduziert
Abesetzerscheinungen: Druck im Kopf geringer, Lichtempfindlichkeit und Augenbrennen kommen mir auch leichter vor, Genickschmerzen etwas stärker-aber schon einen Tag vor dem Absetzen, Trommelfell rechts scheint sich auch etwas zu entspannen, dadurch, dass der Kiefer/Hals heute auch nicht so verspannt war, aber schon noch schmerzt, Evtl. setzen mir die Nebenwirkungen doch mehr zu vom Zolpidem selbst, als der Entzug an sich ? Werde sehen wie die 2. Nacht mit der geringeren Dosis wird. Gedächtnis immer noch nicht wesentlich besser, aber soweit so gut ^^ Angstzustände sind noch abzusehen, kommt und geht im Rahmen. Rauschen sehe ich dann erst, wenn ich im Bett liege. Kopfhaut fast kein Kältegefühl heute gehabt.

Leider wurde meine letzte Aktualisierung nicht gespeichert... Deshalb nur in Kurzform:
25.08.17-07.08.17 Zolpidem 0,25mg-1,25mg
Gleiche Symptome wie immer, aber alles etwas geringer. Gerade das Rauschen scheint nachzulassen, fast nicht mehr vorhanden.

Seit dem 08.09.2017 auf NULL Zolpidem
Alles scheint immer weniger zu werden. Heute am 2. Tag von null ist mir richtig warm, sonst hab ich immer sehr gefroren. Evtl. wirkt das L-Thyroxin wieder stärker?

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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon HunterAS » Dienstag, 19.09.17, 5:48

Hallo Undead,

vielen lieben Dank für die aufmunternden Worte! Inwiefern ich tatsächlich 'über'n Berg' bin, weiß ich leider grade noch nicht so ganz. Als ich mich vor Beginn in den Entzug eingelesen habe, habe ich immer wieder Berichte von Leuten gefunden, die schrieben "an Tag 7/9/X habe ich wieder eine Tramadol genommen" und gedacht: Warum denn? Du hattest es doch (fast) geschafft? Heute kann ich das leider sehr viel besser nachvollziehen.

Aber Respekt, daß Du das zweimal durchgestanden hast - und auch einen riesen Glückwunsch, daß Du aktuell auch noch das Zolpidem besiegt hast!

--------------------------------------------

Ein kurzes Update meines Verlaufes noch:

--- Tag 9: Wache nach 8 Stunden Schlaf gegen 14 Uhr auf und bin entsetzlich müde. Eine Stunde nach dem Aufstehen geht es besser. Kurzzeitig wieder mal die Hoffnung, es endlich überstanden zu haben; werde aber bald von der Realität eingeholt.

// Der restliche Tag ist besteht aus körperlicher und geistiger Unruhe; mit Glück kann ich mich ab und an für eine Stunden in ein Spiel vertiefen, aber dann halte ich das Sitzen nicht mehr aus und mein Rücken meldet sich. Das ist wirklich ganz fabelhaft: Wenn ich am PC sitze, habe ich keine größeren Probleme mit Restless Legs, aber mein Kreuz bringt mich um. Liege ich dagegen, geht es meinem Kreuz ordentlich, aber meine Beine wollen in's Unendliche gezogen werden. Liege ich hingegen auf dem Bauch, sind beide Symptome nur so mittelprächtig vertreten, dafür ist in minutenschnelle meine Nase zu und mein Kopf dröhnt. Nachts reicht dennoch eine viertel Mirtazapin.

--- Tag 10: Nachdem ich abends arbeiten war, komme ich absolut nicht mehr zur Ruhe. Der ganze Körper schmerzt. Baden verschafft kurzzeitig Linderung, ich versuche eine achtel Mirtazapin einzunehmen. Daß ich es nun doch nicht mit der Wasserlösemethoe versucht habe, liegt weniger an Faulheit: Ich habe mit der Einnahme der Dosis einfach nur so lange gewartet, bis ich handlungsunfähig war. Ich konnte zwar noch mit einem zufällig herumliegenden Schlüssel auf die bereits zweigeteilte Tablette einstechen, zu komplexeren Handlungen war ich jedoch nicht mehr fähig. Nach zwei Stunden nehme ich ein weiteres Achtel; vier Stunden später das restliche Viertel. Nach endlos langer Zeit kann ich wieder zwei Minuten ruhig herumliegen, bald darauf schlafe ich ein.

--- Tag 11: Nach dem Arbeiten abends geht es eigentlich ganz gut. Ich kann liegen und lesen und denke wieder mal, daß es nun so langsam wohl vorbei sein wird. Kurz darauf ist es als hätte man einen Schalter angeknipst und der Schmerz wäre nie weggewesen. Wie ein guter Bekannter, der die ganze Zeit da war und den man nur nicht sah, weil die Ecke, in der er saß, zu dunkel war. In nun zu ignorieren kommt nicht in Frage. Er weiß ja, daß du ihn bereits wahrgenommen hast und alles andere wäre unhöflich. Irgendwie schaffe ich es dennoch, mit nur einer viertel Mirtazapin nach gerade mal 12 Stunden Wachheit einzuschlafen.

--- Tag 12: Nach dem Arbeiten (das übrigens jedes Mal eine Quälerei ist, aber dennoch sehr hilft: Es sorgt wahnsinnig für Ablenkung, wenn man unter Menschen ist und "normal" reagieren muß) habe ich die Hoffnung aufgegeben, es heute ohne Mirtazapin zu schaffen. Das aktuelle Gefühl kenne ich durch die letzten Tage zur Genüge: Wahnsinnige Müdigkeit gepaart mit totaler Ruhelosigkeit. Ich lege mich in's Bett und nehme mir vor, es zumindest zu versuchen, es mal mit der Wasserlösemethode genauer zu dosieren als per Augenmaß. Während ich überlege, wie ich das wohl am Besten angehe, fällt mir ein Kommentar aus dem Forum ein, der versucht hat auch das Problem der Wasserverdrängung durch verschieden große Pillen zu berücksichtigen. Begeistert von dieser angestrebten Genauigkeit schlafe ich ein. Keine Medikamente.

--- Tag 13 (heute): Bislang der erste Tag ohne ständiges Restless-Body-Syndrom. Dafür neu im Programm: Kopfschmerzen, Muskelkater, brennender Juckreiz & niesen müssen, aber nicht können. Mal was anderes, immerhin. Habe mal gelesen, daß auch diese Symptome recht normal seien (wenngleich sie eigentlich viel früher hätten auftreten sollen) - daß der Körper stärker wahrgenommen wird und er nun zeigt, was er noch so drauf hat. Ich bin zwar nicht begeistert, aber immerhin ist diese totale Unruhe momentan (Stand: 5:45 Uhr) nicht mehr so präsent, wie sie es die ersten 10 Stunden des Tages war.
Ursprungsdiagnose vor 6 Jahren: Bandscheibenvorfall - Tramadol hin und wieder genommen und gegen Mai 2016 nicht rechtzeitig abgesetzt, dann bis Juli 2017 durchgängig genommen (auch wegen der pseudo-euphorisierenden Wirkung); gegen Ende 8 Tabl.(50mg)/Tag. Hersteller: Grünenthal (Tropfen), Librapharm (Pulver-Kapseln) - alles unretardiert.

April 2017: Erster Absetzversuch von 400mg auf Null - nach 26 Stunden aufgegeben.

Mai 2017: Zweiter Absetzversuch mit Ausschleichen über zwei Wochen. -> Abbruch mit anschließendem Erhöhen der Dosis innerhalb von 3 Tagen auf 10 Kapseln täglich.

Juli 2017: Termin beim Arzt -> Rezept über: 50 Tabletten Tramadol 50 mg retardiert (einzunehmen 1-0-1) + Mirtazapin 15mg (einzunehmen vorm Schlafengehen)

Der Auschleich-, (Umstell-) & Absetzversuch:

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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon padma » Dienstag, 19.09.17, 17:38

hallo Hunter, :)

das hört sich heftig an, was du durchmachst.
Du kannst stolz auf dich sein, wie du das durchstehst. :D

Was wohl einen Opioidentzug erleichtern kann, ist Clonidin, eigentlich ein Blutdrucksenker. Ein Forenmitglied, Tulpe, hat damit gute Erfahrungen gemacht.
Du kannst hier mal durchschauen http://www.adfd.org/austausch/search.ph ... s=clonidin

Ich weiss nicht, ob das evtl. eine Alternative zu Mirtazapin wäre? Ist nur eine Idee, ich kenne mich damit nicht aus.

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon HunterAS » Samstag, 30.09.17, 7:49

Hallo padma,

danke dir vielmals - für die aufmunternden Worte und den Tipp :)
Stimmt - Clonidin! Ich hatte darüber bereits in einer wikihow-Anleitung zum Opiatentzug gelesen. Ich hatte es dann aber auch leider wieder völlig vergessen. Das wäre in der Tat noch eine gute Möglichkeit; ich müsste allerdings erstmal für ein Rezept mit meinem Arzt darüber sprechen. Mal schauen, vielleicht schaffe ich es sogar noch, die Kurve ohne ein weiteres Medikament zu bekommen (es ärgert mich schon, daß ich jetzt letztens auf Ibuprofen zurückgreifen musste, wenn auch nur für derzeit zwei Tage), aber wenn ich dann doch den nächsten Termin ausmachen muß, werde ich das auf jeden Fall vorschlagen/darum bitten.

Die letzten 10 Tage verliefen irgendwie. Mal wieder eine kurze Zusammenfassung (Ich hoffe, es ist nicht falsch, wenn ich den Thread so ein bisschen als Entzugstagebuch nutze?):

/// Fortsetzung von Tag 13: Ich lag dann im Bett, war für eine halbe Stunde eingeschlafen und nach dem Aufwachen erneut heftige Unruhe, ein leichter Anflug von Panik (das Gefühl: Man wacht auf, hat etwas existenziell Wichtiges vergessen und keine Chance mehr, es nachzuholen) und – wahnsinnig nervig – Restless Legs. Nahm dann doch mal wieder eine Mirtazapin-Dosis (eine achtel Tablette, ca. 2 mg) und die Symptome legten sich langsam.

--- Tag 14, 15, 16 & 17: Die neuen Symptome haben eine Erklärung gefunden: Ich habe mir nebenbei wohl noch eine Erkältung eingefangen. Das war ja fast schon eine logische Konsequenz, daß der Körper, wenn er eh schon permanent am rödeln ist, da nicht auch noch drauf aufpassen kann. Verärgert bin ich trotzdem. Es resultiert daraus neben den üblichen Symptomen daher eine unglaubliche Unlust auf ausnahmslos alles den ganzen Tag über. Blöd finde ich halt, daß ich nun auch gar keine Probleme mehr gescheit zuordnen kann: Was kommt vom Entzug, was ist normale Erkältung? Oder ist das vielleicht tatsächlich immer noch nur der Entzug, der sich jetzt, nach zwei Wochen, als Erkältung tarnt?

Mirtazapin wird mich weiterhin im Griff haben, dessen bin ich mir sicher. Ich kann nicht mal mehr einen Tag Pause zwischen den Einnahmen lassen. Sobald ich mich nachts hinlege und anfange zu entspannen, schnellt mein Puls nach oben und die Restless Legs lassen an Schlaf nicht mehr denken. Da ich vor einigen Jahren, also vor meiner Tramadolabhängigkeit, mal ein Langzeit-EKG gemacht habe, weiß ich immerhin, daß der schnelle Puls ein Bonusfeature meines Körpers ist: Immer kurz vor dem Einschlafen geht mein Puls sprunghaft nach oben, was das Wörtchen „kurz“ aus diesem Satz nachhaltig eliminiert, da es dadurch auch mal ein paar Stündchen dauern kann, bis ich einschlafe. Allerdings hatte ich noch nie mit Restless Legs zu kämpfen, das ist neu und bekommt definitiv kein ‚Gefällt mir‘. Durch das Mirtazapin lassen sie sich aber glücklicherweise temporär beseitigen (ich habe hier im Forum gelesen, daß es auch umgekehrt sein kann) und wenn ich tagsüber stehe oder sitze, habe ich das Problem nicht. Somit bleibt es bei einer Dosis von je einer Achtel Mirtazapin nachts.

--- Tag 18: Ich fühle mich matt, erkältet und entzügig. Bestelle im Internet einen Adventskalender. Wann, wenn nicht jetzt, denke ich mir. Als ich abends im Bett liege und lese, muß ich das Buch alle dreiviertel Stunde aus der Hand legen, weil mein Gehirn blockiert. Beim vierten Mal Aus-der-Hand-legen schlafe ich ein. Keine Medikamente.

--- Tag 19 & 20: Ich fühle mich immer noch so matt, wie selten zuvor. Das ist auch der Grund, warum ich seitdem nicht hier im Forum geschrieben habe: Wenn etwas am Tag keine Pflichtaufgabe war (arbeiten), dann konnte ich nichts tun. Genauer gesagt nichts Produktives, irgendwie ablenken und baden (wobei das schon deutlich seltener als anfangs) und gelegentlich was essen. Aber nochmals danke, padma! Ich habe Deine Antwort recht zeitnah gelesen - nur mobil und war nicht eingeloggt, ansonsten hätte ich auch direkt geantwortet.

Positiv aber ist anzumerken, daß sich tatsächlich, auch wenn ich denn im Bett liege, mein Zustand nicht großartig ändert. Was mich über den Tag verteilt so fertig macht, hilft mir jetzt in der Nacht: Meine Restless Legs streiken, sie können liegen bleiben. Mein Gehirn versucht sie ein oder zweimal etwas lustlos zu ermuntern, aber keine Chance: Ich drifte ohne Medikamente in einen Schlaf von akzeptabler Dauer (6-7 Stunden).

--- Tag 21: Ich wache auf und denke, ich brech zusammen. Mein Rücken spielt verrückt. Vielleicht habe ich nachts falsch gelegen, vielleicht kommt das durch die Erkältung, vielleicht durch den Entzug aber sicher ist: Ich kann mich kaum bewegen. Auch kaum sitzen. Ich habe etwas, das sich mit ‚Hexenschuss‘ am Besten beschreiben lässt, auch wenn es vielleicht keiner ist. Schmerzen im gesamten Rücken, stark ausgeprägt in der Leistengegend und mit Abstrahlungen ins rechte Bein. Das beunruhigt mich auch deshalb, weil die Abstrahlungen sonst – bedingt durch den Bandscheibenvorfall – eher ins linke Bein gingen. Das war genau der Fall, in dem ich sonst in den letzten Jahren immer Tramadol genommen habe (bis ich es dann letztendlich dauerhaft genommen habe). Das ist aber nun keine Alternative mehr. Was mach ich denn jetzt?! Ich entscheide mich für eine Ibuprofen 400 und lese anschließend diverse Artikel darüber, wie schädlich die sind. Ich humple ein wenig auf der Arbeit herum und lenke mich so zumindest teilweise ab. Zu Hause versuche ich im Bett Positionen zu finden, die erträglich sind. Immerhin gibt der Schmerz meinen Beinen keine Möglichkeit, noch eine Extrawurst zu verlangen. Wälze mich im Schlaf hin und her. Immerhin kein Mirtazapin.

--- Tag 22: Leichte Besserung des Rückens, brauche aber dennoch eine weitere Ibuprofen 400. Rede mir ein, daß mein Rücken sich ansonsten ja auch wieder eingekriegt hat und daß das bestimmt nicht mit dem Tramadol zusammenhing, da das ja nichts heilt sondern den Schmerz nur unterdrückt. Kein Mirtazapin.

--- Tag 23: Ohne Ibuprofen sind die Schmerzen wie an Tag 22 mit Ibuprofen, von daher verzichte ich auf eine weitere Tablette. Auf einem Betriebsausflug trinke ich das erste Mal seit zwei Monaten wieder Alkohol. Mir ist klar, daß der nächste Tag wohl fürchterlich werden wird, aber es ist mir in dem Moment völlig egal. Für die Dauer des Betrunkenseins kommt zu der obligatorischen Angeheitertheit auch eine Verbesserung meines Rückens hinzu. Im Bett dreht sich alles um mich herum und ich halte es für eine klare Verbesserung, daß ich mich nun nicht mehr selbst drehen muß.

--- Tag 24: Ich bin erstaunt, wie milde der Kater ist. Sicher – es geht mir nicht gut und alles scheiße und so – aber ehrlich gesagt ist es nicht viel schlimmer als die Tage davor. Und mein Rücken hält sich auch in halbwegs akzeptablen Grenzen. Da hätte ich mir doch mehr erwartet, zudem der Kater, als ich noch Tramadol nahm, wirklich äußerst fies war. Ich schlafe allerdings tagsüber nochmal 4-5 Stunden. Das führt dazu, daß ich dafür nachts nur 2 Stunden schlafe und nun hier meinen Absetzversuch update.
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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon Jamie » Samstag, 30.09.17, 10:42

Hallo Hunter, :)

klar kannst du das hier als eine Art Absetztagebuch führen.
Ich finde es beachtlich, wie du dich da durchwuselst. :)

Ich weiß, du hast da beim Mirtazapin mittlerweile deine ganz eigene Methode entwickelt, aber ich muss dir einfach noch mal "offiziell" schreiben, dass dieses "mal nehmen mal weglassen" bei AD wirklich keine so gute Idee ist. Es kann dein ZNS sehr reizen und mittlerweile klingt es doch auch so, als ob du es an 25 von 30 Tagen (gefühlt) nehmen musst? Dann könntest du es doch auch durchnehmen, oder?

Clonidin kann noch ein Strohhalm sein, aber wenn du es ohne probieren willst, was ich gut finde, so ist dies auf jeden Fall einem weiteren medikamentösen Eingriff vorzuziehen.
Drücke die Daumen, dass sich da ein Weg für dich aufzieht.

Alles Gute
Jamie
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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon HunterAS » Montag, 02.10.17, 6:12

Hallo Jamie,

vielen Dank für Deinen Beitrag und deine Bedenken. Ich hatte bisher immer gedacht, es sei das Beste, grundsätzlich so wenig wie möglich zu nehmen und habe die freien Tage eher als Erfolg gewertet. Aber ich hatte das vermutlich auch mit dem Fließgleichgewicht nicht so ganz verstanden bzw. gehofft, daß es mir hilft, wenn ich erst gar nicht in ein Fließgleichgewicht gerate, um meinen Körper so wenig wie möglich an eine dauerhafte Mirta-Dosis zu gewöhnen.

Ebenfalls hinzu kommt, daß mir die Tabletten (meiner Meinung nach) die Stimmung nicht sehr aufgehellt haben. Dieses Gefühl - von dem ich natürlich nicht weiß, ob es stimmt, da ich keinen Vergleich habe - rührte daher, daß es mir immer minimal besser ging, wenn die Halbwertszeit nach 20 Stunden verstrichen war. Ich habe das Mirtazapin hauptsächlich wegen seiner (wirklich hervorragend) sedierenden Eigenschaften geschätzt und natürlich auch, weil es körperliche Begleiterscheinungen des Entzuges beim Liegen unterdrücken konnte. Aber tagsüber war mir der Hangover auch bei einer Viertel Tablette noch deutlich anzumerken mit noch größerer Lebensunlust einerseits und monströs großem Appetit andererseits. Andersherum wäre es mir viel lieber gewesen.

Nunja, ich bin jetzt 9 Tage am Stück ohne Mirtazapin und weiß jetzt einfach nicht, ob ich auf meinen letzten Stand von 2 mg wieder einsteigen soll (und dann täglich etwas einnehmen) – heute beispielsweise war es wiedermal nahezu unerträglich, das werden dann vielleicht so langsam die neuen Entzugserscheinungen sein. Ich hatte gehofft dadurch, daß ich die Mirtazapin nur über einen sehr begrenzten Zeitraum genutzt habe (16 Tage) und dabei auch nur wenige Tabletten verbraucht habe (nicht ganz 5 Stück) – wenn man jetzt einmal die ersten vier Tabletten unter Tramadoleinnahme herausnimmt – würde sich der Körper noch nicht an das neue Medikament gewöhnt haben und den Abschied besser verkraften. Aber jetzt…ich bin nicht sicher. Es sieht nicht danach aus. Oder aber das sind wieder die Probleme des alten Entzuges, die durch den wegfallenden Dämpfer neuen Schwung erfahren.

Liebe Grüße,

Hunter
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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon Jamie » Montag, 02.10.17, 9:45

Hallo Hunter, moin :)

also das ist jetzt auch für mich schwer einzuschätzen.
Ich würde es beobachten und wenn sich da in dieser Woche keine Besserungen ergeben oder vermehrt Absetzsymptome auftreten, dann sollte man schon drüber nachdenken, das Mirtazapin noch mal niedrig einzunehmen und eben mal über 3 Monate auszuschleichen.

Man sagt dem Mirtazapin ja nach, bis 15mg vor allem sedierend zu wirken und erst ab 30mg soll es angeblich antidepressiv wirken. Also braucht es dich nicht wundern, wenn da nix großartig Stimmungsaufhellendes merkst.

Viele Grüße
Jamie
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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon HunterAS » Montag, 02.10.17, 10:07

Guten Morgen Jamie,

danke, so werde ich das tun (falls mich die Symptome nicht zwingen, bereits vorher wieder zu einer Mirtazapin-Dosis zu greifen).
Da mein letzter Stand Dosen von 2 mg waren und ich diese täglich über 5 Tage hinweg eingenommen habe - denkst Du, es würde Sinn ergeben, bei dieser Dosis wieder einzusteigen oder könnte es eine Alternative sein, direkt etwas weiter darunter, vielleicht zwischen 1,5 und 1,8 mg, anzusetzen?

Liebe Grüße,

Hunter
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Re: Tramadol weg, Mirtazapin her? Vom Auschleichen, Absetzen und Umstellen.

Beitragvon Jamie » Montag, 02.10.17, 10:11

Hallo Hunter :),

ich sehe schon, hier wird um jedes mg gefeilscht :o :rotfl: . [Ich verstehe es ja]

Ja, probiere es mit 1,8mg, aber wenn da irgendwas komisch ist oder wird, gehe bitte sofort wieder auf die 2mg.
Auf die 0,2mg kommt es am Ende auch nicht mehr an... :wink:

Grüße
Jamie
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