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Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

LinLina
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Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon LinLina » Samstag, 07.05.16, 15:11

Diese Übersetzung eines Beitrags von einem Mitglied von "BenzoBuddies" http://www.benzobuddies.org/forum/index ... ic=66397.0 beschreibt sehr schön, wie uns die Symptome zeigen können welcher Bereich in unserem Gehirn gerade heilt. Ich denke das gilt genauso oder sehr ähnlich für Antidepressiva und Neuroleptika.

gefunden von Multivitamin :-) übersetzt von LinLina



"
Was passiert in unserem Gehirn?

Dies wird hoffentlich eine ermutigende E-mail, die euch Zuversicht gibt und euch aufmuntert.

Wie einige von euch wissen habe ich Abschlüsse in Sprach- und Sprech-Pathologie (B.A. und M.S.). Während meines Masterstudiums habe ich sehr viele Vorlesungen in Neuroanatomie und Physiologie besucht.
Ich habe selbst erlebt wie man eine Person untersucht, die einen Schlaganfall oder eine Gehirnverletzung erlitten hat und wie man die Symptome, die Radiologieberichte und die Anmerkungen der Ärzte auswertet, um sich eine Vorstellung davon zu machen was genau bei der Gehirnverletzung beschädigt wurde und wie man einen Behandlungsplan erstellt um der Person zu helfen wieder zu heilen.

Für einen Behandler in einer Klinik geht es um vieles mehr als nur um Sprache. Es geht darum zu zeigen, wie man das Schlucken und das Essen wieder erlernt. Es geht darum die Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und die ausführende Handlungsfähigkeit (planen und einen Plan durchzuführen) wieder aufzubauen. Es geht um ziemlich alles was mit dem Denkprozess zu tun hat, und was hilft aus einem Koma, aus einem Krankenhaus herauszukommen und zurück ins Leben, zur Arbeit und zur Schule zu finden.

Ich hatte keine Ahnung, dass ich selbst jemals eine Gehirnverletzung erleiden würde. Aber da mir das nun passiert ist, lag ich in Wellen oft da und versuchte zu „analysieren und zu entziffern“ was in meinem Gehirn während meines Heilungsprozesses passiert. Ich dachte mir, ihr würdet das vielleicht auch gerne lesen. Es gibt mögliche Antworten auf all die Fragen was mit uns genau passiert.

Zuallererst sollten wir eine Wahrheit zu akzeptieren: Wir heilen. Ich habe Menschen gesehen, die aus dem Koma erwachten und nicht mehr wussten wer sie waren – sie heilten
Sie erinnern sich nicht, wie man läuft (wir schon).
Sie können nicht mehr ihren Namen schreiben (wir können das).
Sie können nicht sagen, welches Jahr wir haben oder wer Präsident ist (mir ging es so schlecht, dass ich mir dessen manchmal unsicher war, aber grundsätzlich war ich mir darüber im klaren).
Sie erinnern sich oft nicht mehr an ihre Familienmitglieder (wir schon – die Derealisation/Depersonalisation kann furchtbar sein, aber wir erinnern uns).
Sie müssen viele Therapiestunden lang daran arbeiten gesund zu werden. Aber die meisten werden es – und das nach physischem, traumatischem Gehirntrauma das Gewebe und Nerven zerstören kann.
Wir leiden nicht darunter. Wir müssen keine Therapiestunden haben. Wir müssen nur warten.

Viele von uns inklusive mir haben nicht damit gerechnet eine vorübergehende „Gehirnverletzung“ zu erleiden als wir die Benzos absetzten.
Aber ich beginne aufgrund meiner eigenen Erfahrung und meines fachlichen Hintergrunds zu erkennen, dass jedes Symptom das wir haben einen Sinn macht. Ich hatte viele Monate Zeit zu analysieren was im Gehirn wahrscheinlich ungefähr passiert und ich möchte den Versuch wagen bestimmte Symptome so zu erklären, so dass wir es uns besser vorstellen können – so dass sie weniger Angst einflößend sind und ich möchte zeigen dass sie uns Hinweise geben, auf welche Weise wir heilen.
Lasst uns mit GABA und Glutamat beginnen. Die meisten von euch wissen wahrscheinlich inzwischen wie sie funktionieren. Aber für diejenigen, die das noch nicht wissen, wir haben ein riesiges Nervensystem das aus Millionen von Nervenzellen besteht. Sie berühren sich untereinander, und sind nur durch einen ganz kleinen Spalt getrennt. Sie kommunizieren mithilfe von chemischen Substanzen. Die zwei wichtigsten Substanzen im ganzen Nervensystem sind die „grobe Munition“. Es sind GABA und Glutamat. Beide sind die ganze Zeit im Nervensystem aktiv, sie arbeiten gemeinsam um jeden Aspekt von Bewegung, Empfindung, alles zu kontrollieren.
Sie nehmen die ankommende Information auf und geben sie im angemessenen Ausmaß weiter. Sie bereiten die Informationen so auf, dass wir sie verarbeiten können. Sie sind wie das Stahlgerüst eines Gebäudes. Das ganze Gebäude braucht eine Stahlkonstruktion um überhaupt stehen zu können.

GABA ist ein hemmender Neurotransmitter. Wenn eine Nervenzelle GABA ausschüttet, macht sie das um etwas zu hemmen, z.b. etwas zu verlangsamen oder die Reizaufnahme zu vermindern, damit wir sie verarbeiten können. Ebenso kann GABA ausgeschüttet werden um die Hand ruhig halten zu können, während wir ein Gemälde mit feinen Details malen. GABA „unterstützt“ Bewegungen um sie flüssiger zu machen. Dies ist nur eine kurze Zusammenfassung. Natürlich macht es noch viel mehr als das, aber die grundsätzliche Botschaft ist: GABA ist im gesamten zentralen Nervensystem präsent und arbeitet bei jeder Wahrnehmung, Bewegung usw. mit.

Parallel dazu ist Glutamat der ausgleichende Gegenspieler zu GABA. Er ist der „erregende“ Neurotransmitter. Er wird aktiviert um Prozesse zu beschleunigen, um Aktionen zu initiieren, um Dinge voranzutreiben. Es gibt noch viel mehr dazu zu sagen, aber grundsätzlich macht Glutamat so ziemlich das Gegenteil von GABA.

Beide werden immer gebraucht. Alle Neuronen schütten immer GABA und Glutamat in einem endlosen Kreislauf im gesamten Nervensystem aus. Es ist wirklich ziemlich erstaunlich.

Was macht ein Benzo? Wenn man ängstlich ist, kann es passieren dass man nicht über ein sehr traumatisierendes Ereignis oder eine Furcht einflößende Situation hinweg kommt. Wenn ein Arzt ein Benzo verschreibt, kommt das Benzo ins Nervensystem und hält quasi „die Tür offen“ für das ganze GABA im System, so dass es auf die Nerven wirken kann – auch wenn das die Nerven in diesem Moment gar nicht „wollten“. Der unmittelbare Effekt ist eine Beruhigung, eine Verlangsamung und Hemmung aller Prozesse im Körper. Dies mag für eine Operation, für eine Betäubung oder eine Krampferkrankung sehr hilfreich sein. Ja, das Benzo wirkt per Definition auf GABA und „verlangsamt“ alles. Und ja, der Effekt ist, dass die entsprechende Person sich benommen, ruhig, weniger ängstlich fühlt… alles wird gehemmt. Und grundsätzlich ist es okay ein Benzo einmal einzunehmen. Wenn das Benzo abgebaut ist, wird der Körper einfach wieder seine normale Funktion aufnehmen.

Wenn man jedoch Tag für Tag ein Benzo nimmt, wird man sich zwar weniger ängstlich fühlen, aber der Körper beginnt zu merken dass er die Dinge die er tun muss nicht richtig ausführen kann aufgrund dieses verlangsamten Nervenzustandes. Er kann nicht ausreichend Hormone und Enzyme machen. Er kann nicht richtig verdauen. Er kann die Herzfunktion nicht effizient steuern. Er kann nicht genügend Sauerstoff bekommen, und so weiter. Der Körper muss in normaler Geschwindigkeit funktionieren, nicht in dieser verlangsamten Geschwindigkeit wo alles gehemmt ist.
Aber was kann der Körper tun? Er kann das Benzo nicht aus dem System bekommen. Die einzige Möglichkeit die er hat um eine normale Geschwindigkeit aufrecht zu erhalten sind zwei Dinge: Er kann seine eigenen GABA-Rezeptoren ausschalten, und damit den Effekt der Benzos vermindern. Und er kann ein höheres Erregungsniveau herstellen, im dem er mehr erregende Glutamatrezeptoren herstellt um der Verlangsamung entgegen zu wirken. Und das ist genau das was passiert…

Nur ist das nicht der richtige Gleichgewichtzustand. Der Körper macht das Beste daraus was er kann – aber nach einiger Zeit leidet man darunter. Der Körper kann in diesem Zustand nicht genügend Serotonin herstellen. Oder Dopamin. Einige Substanzen werden im Übermaß hergestellt, und andere dagegen nicht ausreichend. Zu diesem Zeitpunkt mag man sich noch nicht darüber bewusst sein dass dies alles passiert. Man bemerkt vielleicht keinen Unterschied. Aber eines Tages, kann es passieren dass man traurig aufwacht, oder schlecht schläft, oder sich an Dinge nicht mehr richtig erinnern kann, oder man nicht mehr richtig sieht, und es offensichtlich wird dass man sich in der Toleranz befindet. Der Körper bekommt die gleiche Menge des Medikaments aber auch wenn er sich noch so anstrengt, kann er es nicht verhindern. Es kann Wochen, Monate oder Jahre dauern um in die Toleranz zu kommen. Manchen passiert es bevor sie versuchen das Benzo abzusetzen, anderen nicht. (mir ist es erst nach 9 Monaten passiert. Aber es ging sehr schnell. Einmal in der Toleranz, konnte ich nicht länger als 6 Stunden schlafen während ich Klonopin (Clonazepam) und Ambien (Zolpidem) war. Ich konnte mich nicht an Ereignisse von letzter Woche erinnern. Ich habe die ganze Zeit geheult. Irgendetwas stimmte nicht.

Der Prozess um das wieder rückgängig zu machen braucht eine Weile. GABA-Rezeptoren müssen hoch reguliert werden und sich „wieder öffnen“ oder „wieder wachsen“. Glutamat-Rezeptoren müssen herunter reguliert werden, oder „ausgeschaltet“ werden. Und während dessen müssen die kleineren Monoamine (Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin) weiter synthetisiert werden. Wochen und Monate lang baut der Körper Millionen von Nervenzellen um und verändert Signalwege, stellt GABA wieder her, reguliert Glutamat runter, stellt Serotonin wider her, stellt Dopamin und Noradrenalin wieder her. Und all die Enzyme und Hormone die der Körper braucht versucht er während dieser Prozess in Gange ist weiter herzustellen. Im Grunde ist es als ob man ein Gebäude hat, dessen wichtigste Stahlkonstruktionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten erneuert werden – und das während Menschen aus dem Gebäude kommen, in das Gebäude hinein gehen und versuchen zu arbeiten.

Das ist so als ob die Türme des World Trade Centers nicht komplett in sich zusammengestürzt wären, aber an manchen Stellen eingedrückt wurden. Stell dir vor, dass du versuchst die Türme wieder aufzubauen während Leute kommen und gehen und versuchen im Gebäude zu arbeiten! Du müsstest einen provisorischen Fahrstuhl einbauen, aber wenn du diesen Teil reparieren musst, müsstest du ihn wieder abbauen und an anderer Stelle aufbauen, und so weiter. Du müsstest aufbauen, drum herumarbeiten, dann wieder einreißen, dann wieder aufbauen… und das alles während Wände neu gestrichen werden. Während Leute kommen und gehen. Während die Möbel neu eingerichtet werden, während das Leben innerhalb des Gebäudes weitergeht. Ohne Zweifel wäre das ziemlich chaotisch. Das ist genau was während der Wellen und Fenster passiert. Die Fenster sind Momente wenn der Körper es für einen Tag soweit hinbekommen hat – aber dann arbeiten die Bauarbeiter bzw. der Körper in einem anderen Bereich – und es bricht wieder das Chaos aus während ein anderer provisorischer Signalweg aufgebaut wird um die Funktionen umzuleiten während die Reparaturen durchgeführt werden.

Und genau wie bei den „Twin Towers“ ist es schaffbar – aber das wieder aufbauen bedarf einer großen Anstrengung und dauert oft ein gutes Jahr oder manchmal länger :-)

(Seht euch den neuen Turm an der auf Ground Zero steht! Er ist größer, stärker und ein Symbol der Freiheit. Genau wie du es sein wirst :-) )

Also gut, aber was passiert bei diesem Chaos? Welche Bereiche des Gehirns sind für diese Symptome verantwortlich?

Nun, ich weiß das Folgende nicht aus wissenschaftlicher Forschung, denn es wurde bisher nicht ausreichend erforscht – aber es basiert auf meinem Studium der Neuroanatomie und meiner eigenen Erfahrung mit dem Entzug. Ich habe analysiert was während der Symptomwellen passiert. Denkt daran, meine Aufgabe war es mir Radiologieberichte anzusehen und einzuschätzen welche Symptome ein Patient haben könnte – dies hier ist sehr ähnlich. Anstelle von Radiologieberichte die mir zeigen was beschädigt wurde, verwende ich meine eigenen Symptome um Vermutungen aufzustellen was vor sich geht…

Lasst mich zuerst die Gehirnstrukturen und ihre Funktionen aufzählen. Dies wird euch helfen zu verstehen wo die Dinge im Gehirn passieren und was möglicherweise vor sich geht wenn Symptome auftreten.

GEHIRNSTRUKTUREN

Amygdala: Dies ist das Angst-Zentrum im Gehirn. Es ist ein kleiner Bereich im Zentrum des Gehirns. Angst schützt uns und ist etwas ganz wundervolles wenn man etwas Gefährliches einschätzen und reagieren muss, wie etwa ein tollwütiger Hund der dich verfolgt. Aber es ist hart wenn man während der Heilung vom Entzug monatelang nur noch Angst empfindet! Aber die Angst ist nicht wirklich in deiner Psyche/deinem Verstand, sondern in deinem Gehirn. Es gibt dort in der Amygdala zuviel aktives Glutamat und nicht genügend GABA. Also „feuern“ die Nerven im Angstzentrum obwohl nichts Beängstigendes in deiner Umgebung ist. Das ist ganz normal wenn man die physiologischen Umstände betrachtet. Aber es fühlt sich fürchterlich an, oder? Ich weiß. Aber es ist einfach nur eine Gehirnstruktur. Dies gilt für Angst, Agoraphobie, Angst vor Wasser, Angst vor irgendwas. Es ist nicht so, dass du dich wirklich vor dem Mond fürchtest – das Problem ist dass du in einem Zustand dauerhafter Angst bist weil gerade diese Struktur deines Gehirns heilt. Das Glutamat wird vermindert. Die GABA-Rezeptoren nehmen wieder ihre Funktion auf. Das kann für eine Weile andauern. Es wird nachlassen. Dann wieder kommen. Aber schließlich wird es das Gehirn hinbekommen :-)

Hippocampus: Dies ist das Gedächtnis-Zentrum des Gehirns. Es verbindet alte Erinnerungen mit Emotionen. Hier passiert das gleiche wie in der Amygdala mit GABA und Glutamat. Voila – du bekommst überwältigende Erinnerungen aus allen Zeiten deines Lebens. Es ist unberechenbar und übel und unangenehm. Aber es kann dich nicht verletzten. Und du kannst lernen dir es als das vorzustellen was wirklich passiert. Dann kannst du objektiv bleiben und dir klar machen dass es normal ist. Und genau wie bei der Amygdala wird es kommen und gehen und dich frustrieren, aber es wird verschwinden wenn die normale Physiologie des Hippocampus wieder hergestellt ist.

Hypothalamus: Dies ist der Bereich, der dafür zuständig ist die Körpertemperatur zu regulieren. An Anfang meines Entzugs ist meine Körpertemperatur in Wellen auf 36 Grad gefallen! Drei Stunden später wurde sie wieder normal. Ich habe echt Stunden frierend und voller Grauen im Bett gelegen. Ich bin sicher dass es komplizierter ist als nur der Hypothalamus, aber ich konnte mir diesen Teil des Gehirns vorstellen wie er sich neu abstimmt und neu strukturiert, so war es weniger beängstigend.

Die folgenden Gehirnstrukturen sind Teil der „grauen Substanz“ oder dem „Cortex“ und sind das was wir als Großhirn betrachten, wo Verarbeitungs- und Denkprozesse stattfinden.

Frontallappen: Dies ist der Bereich des Gehirns der Hinter der Vorderseite des Schädels liegt. Er ist verantwortlich dafür Dinge zu planen. Entscheidungen zu treffen. Unangemessene Emotionen zu unterdrücken. Er ist der Bereich des Gehirns den man braucht wenn man ein Sandwich machen will und man die Zutaten holt und das Sandwich zubereitet. Ich habe Betroffene von Hirnverletzungen gesehen, die in der Lage waren zu beschreiben wie man ein Sandwich macht – aber als sie dann vor all den Zutaten standen konnten sie die entsprechenden Handgriffe nicht umsetzen. Sie hatten eine Schädigung im Frontallappen. Sie können jemandem sagen wie man es macht, aber sie können sich selbst nicht dazu bringen es selbst durchzuführen. Wie ihr euch vorstellen könnt wird das mit einer Therapie und einer gewissen Genesungszeit wieder weg. Und uns geht es sehr ähnlich – und bei uns geht es auch wieder weg. Noch vor 4 Monaten war ich unfähig, das Spielzeug meiner Kinder aufzuräumen. Nicht einmal einen simplen Raum voller Spielzeuge. Ich wusste nicht wo ich anfangen sollte und konnte es wirklich mental nicht umsetzen. Ich glaube es liegt teilweise daran: Zu wenig GABA im Frontallappen :-) und zu viel Glutamat. Aber jetzt, seht euch diesen Beitrag an den ich schreibe. Offensichtlich hat sich das verändert :-) Das beruhigt sich, und diese Dinge kommen wieder.

Hinterhauptslappen: Dies ist das Sehzentrum. Es befindet sich an der Rückseite des Schädels. Während der Genesung vom Entzug spielten meine Nerven dort verrückt. Ich sehe Dinge zu grell – wahrscheinlich aufgrund dieses Lappens – und/oder aufgrund der eigentlichen visuellen Nerven im Auge. Aber zweifelsohne sehen manche Menschen „Dinge die nicht da sind“. Das Sehen ist beeinträchtigt. Die Dinge werden unscharf. Die Farben werden nicht richtig gesehen. Die Helligkeit stimmt nicht. Es gibt hunderte möglicher Symptome allein in Bezug auf das Sehen! Aber auch hier gilt – es ist eine Frage der Zeit.

Gleichgewichtsorgan: Dies ist das halbkreisförmige Kanalsystem im Innenohr, das dafür verantwortlich ist dass du dich im Gleichgewicht fühlst. Wenn dies „abgeschaltet“ oder vorübergehend beeinträchtigt ist, fühlt man sich schwindelig. Oh Mann, hab ich mich schwindelig gefühlt. Anfangs habe ich mich gefühlt als ob ich in einem „verrückten Haus“ (mit beweglichen Böden und Zerrspiegeln) leben würde. Nach und nach verursachten das Gleichgewichtsorgan und mein beeinträchtigtes Sehzentrum dass Dinge so aussahen, als wären sie zur Seite geneigt. Bis heute sieht mein eines Auge die Dinge richtig, und das andere sieht sie leicht zur Seite geneigt. Und das liegt nicht daran, dass das Auge selbst die Dinge so sieht, das sich neu strukturierende Gleichgewichtsorgan arbeitet mit dem Auge zusammen und sagt dem Gehirn dass dieses Objekt so aussieht als würde es sich nach rechts bewegen oder sich zur Seite neigen. Aber das tut es nicht. In Wellen kann das sehr schlimm werden – und dann, in einem Fenster plötzlich verschwinden. Dies ist nur das Gleichgewichtsorgan das heilt. Es ist schon viel besser geworden.

Temporallappen: Diese Lappen befinden sich auf der Seite des Gehirns, auf jeder Seite in der Nähe der Ohren. Sie bilden die ganze rechte und linke Seite des Gehirns. Hier wird die auditorische Information verarbeitet, inklusive das Hören selbst, aber auch die Bedeutung dessen was wir hören als auch Sprache und Sprechen, Emotionen und einiges anderes. In frühen Phasen der Heilung hat jemand mit mir gesprochen und ich konnte nichts von dem erinnern was nach dem ersten Satz kam. Meine auditorische Verarbeitung war komplett durcheinander. Ich konnte nicht spontan erfassen was eine Person gerade zu mir sagte – und als ich es dann verarbeitet hatte, hatte ich komplett den Zusammenhang verpasst und inzwischen redeten sie bereits über etwas ganz anderes!

Außerdem, wenn ich im Bett lag hörte ich Dinge in dem Geräusch das mein Ventilator erzeugte die nicht da waren. Ich hörte das Ventilator-Geräusch – aber ich hörte auch etwas, das klang wie scheußliche Zirkusmusik. Ich glaube das lag daran dass zwar Geräusche von meinem Ohr aufgenommen werden, aber mein Gehirn nicht gut genug herausfiltern konnte was es bei verschiedenen Frequenzen hörte, weil es nicht genug inhibierendes GABA gab um etwas sinnvolles zu erkennen. Es gab nur diesen ganzen Lärm und mein Gehirn hat die ganze Zeit Glutamat ausgeschüttet. Anstatt diesen Lärm zu verarbeiten hat es Vorstellungen davon erzeugt was es gerade hören könnte – und sie alle waren falsch. Ich hörte dann etwas das wie Zirkusmusik klang und gleichzeitig suchte mein armes Gehirn im Hippocampus um alle Erinnerungen die ich daran hatte den Zirkus zu besuchen und dann durchlebte ich die Erinnerungen erneut. Und die ganze Zeit über ist meine Amygdala aktiv – also habe ich Angst. Ich bin also ein zitterndes im Bett liegendes Elend, höre und sehe Dinge und erinnere mich an Zeiten in meiner Kindheit und habe eine Heidenangst. Ernsthaft? Ja – ich fühlte mich verrückt. Aber nicht in meinem Verstand. Es war in meinem Gehirn. Es ist in meinem Gehirn. Und es ist normal. Die Strukturen im Gehirn sollen genau so arbeiten.

Das führt mich zu meinem nächsten Punkt... Warum haben wir alle während der Heilung vom Benzo-Entzug grundsätzlich die gleichen Symptome? Nun – es könnte dich beruhigen zu verstehen dass unsere Gehirnstrukturen nicht zerstört sind. Sie machen genau was sie sollen unter diesen Umständen. Und all unsere Wahrnehmung über was wir sehen, fühlen, hören ist normal weil die Teile unseres Gehirns die aktiv werden machen das, weil a) sie noch funktionieren. b) sie genauso funktionieren wie sie es sollten. c) Sie während all diese Reaktionen passieren dabei sind zu heilen.

Warum nun die Angst und die Depression? Es ist sehr kompliziert, aber dieses ganze hängt voneinander ab. Zur gleichen Zeit passieren all diese Dinge, der ganze Körper versucht überall wo GABA oder Glutamat vorkommen zu heilen (uff – und das bedeutet – überall).

Der Darm, Magen, Augäpfel, Haut, Fußnägel – ernsthaft, wo haben wir keine Nervenzellen? Alles was wir noch nicht bereits als Beeinträchtigung hatten ist „Freiwild“ um vom Entzug bzw. der Genesung betroffen zu sein.

Das schließt die Fähigkeit des Körpers Serotonin zu bilden, das benötigt wird um sich „ausgeglichen“ und „glücklich“ zu fühlen, ein. Und, ihr könnt es euch schon denken. Es wird nicht sehr effektiv in einem Gebäude produziert, das gerade in einem massiven Umbauprozess steckt. Daher kann es passieren, dass du einen Tag erwischst an dem du dich gut fühlst – und dann – bumm – ist das wieder verschwunden, bis du wieder genug Serotonin produzieren kannst.
Oh – und nebenbei – Serotonin sagt den Nervenzellen wann sie GABA und Glutamat ausschütten sollen! Ha!
Also brauchst du nicht nur GABA um Serotonin zu produzieren, du brauchst auch Serotonin um die Ausschüttung von GABA zu regulieren. Wie viel mehr Verbunden kann alles sein? Gott, es ist ein Wunder, dass das System überhaupt weiß wie es wieder heilen kann! Aber das tut es. Erstaunlich für mich, wirklich.

Dies ist nur eine sehr begrenzte Information um eine Vorstellung davon zu bekommen was in unserer Neurophysiologie vor sich geht. Offensichtlich ist es sehr oberflächlich und nicht besonders detailliert. Aber es gibt einen wichtigeren Punkt als „welche Teile des Gehirns sind beeinträchtigt“.
Der Punkt ist wirklich – wenn du einmal weißt, welche Symptome zu welchem Bereich eines normalen Gehirns das sich im Umbau befindet gehören, dann kannst du beginnen es etwas entspannter zu sehen, da unter diesen Umständen die Symptome an sich ein gutes Zeichen sind.

Ohne intrusive Erinnerungen – so furchtbar sie auch sind, besonders wenn sie mit Angst einhergehen – ohne sie könnte das Gedächtnis nicht heilen. Es heilt – und wenn du diese Erinnerungen hast, versuch auf diese Art darüber zu denken. Tippe mit deinem Finger an deine Schläfe und sage dir „Ich weiß was das ist. Dies ist mein Hippocampus der heilt! Ha!“ Weil genau das passiert. Und wenn es nicht heilen würde, dann würdest du nicht diese Symptome haben. Alle Bereiche des Gehirns oder des Körpers die heilen müssen wird Symptome erfahren – und du wirst das bemerken. Aber das ist Teil des Prozesses der unweigerlich zu einem Gleichgewichtszustand zurückkehrt, der nicht erreicht werden konnte als wir immer noch diese Pillen schluckten (und wenn du dabei bist schrittweise abzusetzen, passiert das dennoch – nur wahrscheinlich mit weniger Trauma als es mir passierte als ich einen Kaltentzug machte).

Also, wenn du Symptome hast – wisse dass die Symptome selbst zeigen dass die Heilung statt findet.

Und letztlich – werde dir darüber bewusst, dass das Medikament weg ist. Das ist Entzug, ja – okay, wir nennen es Entzug, aber in Wirklichkeit ist es Heilung.
Die Benzos sind fort. Die „böse“ Substanz ist nicht mehr da. Das ist unser Gehirn, das heilt.
Nicht um irgendjemanden herab zu setzen der es das „Benzo-Biest“ nennt – ich verstehe das. Aber so weißt du, dass du nicht wirklich gegen ein Biest kämpfst.
Du musst es nicht mal bekämpfen. Warte einfach bis es vorbei ist. All diese Umbauarbeiten finden in deinem Gebäude statt.

Und bald wird das Grundgerüst wieder stehen, stärker als zuvor. Die Möbel werden an ihrem Platz stehen. Die Aufzüge werden wieder den ganzen Weg bis zum obersten Stockwerk fahren. :-) Und die Leute können kommen und gehen und arbeiten wie eine gut geölte Maschine.
Denke nicht, du musst den Wiederaufbau bekämpfen. Das ist nur die Heilung. Und all das passiert mit uns als ein Zeichen der Heilung.

Ich hoffe dies hilft jemandem ein bisschen – oder vielleicht einem Familienmitglied.

Und wenn du ein Familienmitglied bist, bitte mache dir klar dass wir, die wir noch in der Genesung sind, nicht mehr die Kontrolle darüber haben wie wir uns fühlen oder was wir erleben als Menschen, die ein Gehirntrauma bei einem Verkehrsunfall erlitten haben. Bitte habt Geduld mit uns, denn unsere Gehirne heilen und wir befinden uns im Wiederaufbau – und unsere Funktionen sind zeitweise an- und dann wieder ausgeschaltet, dann wieder angeschaltet, und dann wieder aus. Und das ist alles völlig normal und wie erwartet. Wir können nicht mehr dazu beitragen wie eine Person, die aus dem Koma erwachen „will“. Es passiert wenn das Gehirn in der Lage dazu ist – und nicht nur aus unserem Willen heraus. Aber es geschieht. Bitte steht uns bei uns sagt uns liebevolle Worte und gebt uns Sicherheit jeden Tag.
Erkennt unsere Fortschritte und gebt uns Rückmeldung darüber. Ermuntert uns wenn wir uns gut fühlen. Und wenn wir uns nicht gut fühlen, haltet uns einfach fest und umarmt uns und sagt uns es wird gut werden. Alles was ihr gegenüber einem Familienmitglied sagen oder tun würdet das einen Autounfall hatte und eine Gehirnverletzung – bitte tut das für uns.
Und habt Geduld…wir werden es schaffen.

:-) Parker

ZUSATZ

Ich habe eine PN von einem Freund bekommen, der mich fragt „was ist mit den körperlichen Schmerzen?“ – und ich denke dies verdient etwas theoretische Aufmerksamkeit.

Ich möchte mir etwas Zeit nehmen um einige Theorien über Schmerz und physische Symptome wie Brennen, Akathisie, Kribbeln und Dinge die während der Genesung passieren, hinzuzufügen.

Ich werde dies auch als Anhang zum Originalpost auf Seite 1 hinzufügen.

Erstmal will ich feststellen, dass ich darüber nur „theoretisieren“ kann – ich bin kein Arzt. Aber ich glaube logische Theorien sind hilfreich weil sie uns eine Erklärung und eine Logik für den Verstand geben um damit umzugehen während wir das alles durchleben.

Dies sind unterschiedliche Informationsquellen die ich zusammenbringe – manche kommen aus der Nervenregeneration, manche entstehen daraus was wir darüber wissen wie das Gehirn arbeitet. Und manches oder alles davon geschieht wahrscheinlich wenn wir Schmerz oder Haut/Muskel-Empfindungen wahrnehmen:

Zunächst – ein meiner Meinung nach gutes Zitat stammt von einem plastischen Chirurgen, der einiges über „Nervenregeneration nach Verletzung“ publiziert hat.

Das Zitat lautet:
„Die Vorgänge, die mit der normalen Nervenregeneration einhergehen können schmerzhaft sein. Wenn das regenerierende Ende der Nervenzelle, „Sprossungen“ genannt, sich ausbreitet nehmen sie Kontakt untereinander und mit strukturellen Proteinen auf. Die Nervenimpulse, die von dieser Aktivität generiert werden können vom Gehirn als Schmerz interpretiert werden. Es ist zu erwarten, dass so lange die Nervenregeneration von statten geht, die Schmerzen groß genug sind dass eine Therapie und/oder Schmerzmedikation nötig ist. Zu verstehen, dass dies zu erwarten ist, und es ein „guter Schmerz“ oder ein Schmerz aus einem guten Grund ist reicht aus um vielen Menschen zu helfen sein vorhanden sein zu akzeptieren. Dieser Zustand bezieht sich nicht nur auf den Schmerz, sondern geht auch mit einer Überaktivität des Sympathikus einher, so dass der Bereich wo es schmerzt von anderer Farbe, wie Pink oder violett ist, und gewöhnlich auch eine andere Temperatur aufweist, z.b. kühler ist als die umgebende nicht schmerzende Haut.“

http://www.riversongplasticsurgery.com/ ... covery.pdf

Nun- dieser Artikel spricht nicht von „Benzo-bezogener Nervenschädigung“. Er spricht über Nervenschädigung durch physische Traumata, durch zertrümmern, zerschneiden oder quetschen von Nervenzellen. Aber was können wir dem trotzdem entnehmen?

Wir können davon ausgehen, dass das sympathische Nervensystem mit der Anwesenheit von Schmerz in Bezug auf Heilung der Nervenzellen zu tun hat, und dass es normal für uns ist, Schmerzen zu haben während wir heilen.

Am Anfang meiner Genesung bin ich oft aus der Dusche gekommen und meine Füße und mein Unterleib waren übersät von rosa Flecken. Zuerst waren sie zwei Monate lang hellrosa, und dann verblassten sie und nun habe ich sie nicht mehr. Ich habe keine Ahnung was das war – aber sie waren 12 Tage vor meinem schnellen Absetzen noch nicht da – und dann sind sie aufgetaucht. Die Flecken waren nicht symmetrisch – sie folgten keinem Muster, aber sie warten immer an den gleichen Stellen auf meiner Haut. Und immer nur als ich aus der Dusche kam. Es ist leicht zu erkennen wie das Nervensystem mit Hautrötung, Irritation und seltsamen Empfindungen die mit der Heilung zu tun haben im Zusammenhang steht.

Genauso, während der ganzen Genesungszeit, hatte und habe ich kalte, brennende, kribbelnde und manchmal stechende Empfindungen. Ich hatte das Gefühl als ob meine Haut „nass“ ist obwohl kein Wasser auf ihr war. Dennoch, dies alles ist normal – und wie das Zitat oben sagt „ Zu verstehen, dass dies zu erwarten ist, und es ein „guter Schmerz“ oder ein Schmerz aus einem guten Grund ist reicht aus um vielen Menschen zu helfen, sein vorhanden sein zu akzeptieren.“ Es macht den Schmerz in diesem Augenblick nicht leichter oder geringer, aber es hilft uns, nicht mit Angst darauf zu reagieren. Es ist normal. Und es ist ein Zeichen der Heilung.

Was ist mit Akathisie?
Nun, von dem was man so liest ausgehend, ist der genaue Grund für Akathisie nicht 100 % klar, aber es scheint mit der dopaminergen und/oder noradrenergen Aktivität im Gehirn zu tun zu haben (Dopamin und Noradrenalin oder Norepinephrin, wie es auch genannt wird). Dies sind nur Neurotransmitter – und es scheint (mir) nicht so richtig schlüssig zu sein warum das passiert – aber Akathisie kann nach dem Gebrauch vieler verschiedener psychoaktiver Substanzen auftreten, nicht nur bei Benzos – wahrscheinlich weil alles das die Gehirnchemie verändert auch Dopamin und Noradrenalin beeinflusst. Also – gut. Das macht sinn. Wir nahmen alle “Gehirn verändernde” Substanzen zu uns – und nun haben manche von uns Akathisie. Wisst ihr was? Es scheint ziemlich normal zu sein. Es ist nicht toll. Aber es ist normal. Und es kann kommen und gehen und dann irgendwann verschwinden. Bei mir war es so, ich habe bis zum 8. Monat überhaupt keine Akathisie bekommen. Es war völlig überraschend. Es war ziemlich stark und furchtbar. Aber es ist in ein paar Wochen vorbei gegangen. Seit dem hatte ich es immer wieder mal – aber nicht in diesem Ausmaß. Und jetzt – nervt es meistens nur noch. Etwas so simples wie ein kräftiger Heulanfall in der Badewanne kann es manchmal völlig zum aufhören bringen. Andermal muss ich einfach nur warten bis die Welle wieder vorbei ist. Aber alles in allem, laut all der Information – ist es normal. Und die Tatsache dass es kommt und geht und ich hin und wieder davon betroffen bin – ist ein Zeichen dass die Rädchen in der Birne sich drehen – und die Dinge sich verändern und versuchen ins Gleichgewicht zu kommen.
Also, wenn wir diese Aussage im Kopf behalten – es ist normal – und während die Empfindungen selbst sehr unangenehm sind – wenn nicht schmerzhaft – können wir es als „guten Schmerz“ sehen, wenn wir in der Lage sind zu erkennen dass diese Gefühle bedeuten dass wir ein Gehirn haben und Nerven die ihre Fähigkeit zu funktionieren wiedererlangen.

So ähnlich, wie ein Schorf sich über einer Wunde bildet, und die neue Haut darunter sehr jucken kann. Warum passiert das? Warum juckt eine heilende Wunde?

“Das Jucken einer Wunde wird vom Wachstum der neuen Zellen unter dem Schorf ausgelöst. Neue Hautzellen wachsen darunter, und während sie eine neue Hautschicht bilden, wird der Schorf ausgedehnt und liegt enger an über dieser Aktivitätszone. Das kann einen Juckreiz auslösen. Das juckende Gefühl das Überlebende von Verbrennungen haben kann ein kribbelndes Gefühl sein, dass von wieder neu entstehenden Nerven oder von trockener Haut durch mangelnde natürliche Ölproduktion da die Öldrüsen durch die Verbrennung verletzt oder zerstört sein können, herrührt. Wenn die Nerven wachsen und wieder beginnen, Signale zu empfangen und zu senden, können sie dieses juckende Gefühl hervorrufen. Die Haut in diesem Gebiet wird dünner sein als an anderen Stellen, also verspüren diese neuen Nervenzellen viel mehr Druck. Juckreiz ist ein Zeichen der Heilung.“ (Mayo Klinik)

Wie wir ahnen ist die Herkunft dieser vielfältigen Empfingungen nicht 100% geklärt... wie auch immer…

Es gibt eine Tendenz.

Nach all dem was ich gelesen habe, sieht es so aus als ob

NERVENREGENERATION unangenehme Empfindungen hervorrufen kann. So kontraintuitiv das ist, HEILUNG KANN SICH WIE VERLETZUNG ANFÜHLEN. :-)
Aber es ist keine weitere Verletzung oder Schädigung. Es ist das Rückgängig machen der Schädigung.

Mh – ja – okay. Wunderbar, aber wie gehe ich damit um?

Viele der Dinge die ich als hilfreich bei dieser Heilung herausgefunden habe, „Verwirren“ die Nerven so viel wie möglich, wenn möglich.
Was? Die Nerven verwirren?

Du kennst das, wenn du dich schneidest oder einen Insektenstich hast und sofort darauf drückst um weniger Schmerz zu fühlen? Was du tust wenn du diese Stelle drückst oder quetschst ist die ganze Hautregion um den Schnitt „unempfindlicher“ zu machen indem du Druck auf alle Nervenzellen in diesem Gebiet ausübst.

Auf diese weise ist diese eine Wahrnehmung von Schmerz nicht das einzige was dein Gehirn fühlt. Der Druck wenn man all Nerven in diesen Gebiet drückt hilft, verschiedene Empfindungen zum Gehirn zu senden um der Schmerzwahrnehmung entgegen zu wirken. Und es funktioniert.
So ähnlich helfen andere Dinge die Nerven zu „verwirren“:
- Hitze
- Kälte
- starker Druck
- Massage
- Salben wie “IcyHot” mit Menthol

All diese Dinge haben mir während der Genesung geholfen.

Lasst mich eins nach dem anderen ausführen:

Hitze: Ich nahm und nehme immer noch fast jeden Tag heiße Bäder. Auf dem Höhepunkt der Akathisie, habe ich in der Badewanne gelebt :-) So heiß wie ich es ertragen konnte half mir wirklich. Die ganze Hitze wurde von meinem Gehirn „überregistriert“ und ich konnte die Akathisie nicht mehr so stark fühlen wenn ich in der Badewanne war. Ich verwirrte die Nervensignale und es war eine vorübergehende Erleichterung. Ich hasste diese Tage. Aber ich habe sie überlebt. Genauso war ein Heizkissen gegen Schmerzen die meiste Zeit ein guter Begleiter.

Kälte: - ich verwendete einen kalten Waschlappen auf der brennenden Haut – und auf meinem Gesicht und meinen Händen – und tauchte es immer wieder in Eiswasser und legte es auf. Das ist ziemlich simpel, aber es half. Ich hatte letzten Monat eine Welle wo ich 3 Tagelang ein „Feuergesicht“ hatte und alles was ich tun konnte war den Waschlappen auflegen, daliegen und daran denken wie „es heilt“ und weiter machen. Aber die Welle ging vorbei.

Druck:
Ich verwende eine 7,5 kg schwere Bettdecke zum schlafen. Das habe ich seit Jahren so gemacht. Ich habe sie online bestellt. Sie hat viele kleine Taschen mit kleinen Plastikbällen um die Decke zu beschweren und so einen “Flächendruck” zu erzeugen. Diese Art von Druck wirkt beruhigend auf jedes Nervensystem. Ergotherapeuten verwenden es für Kinder mit Autismus, aber auch Menschen die unter Ängsten leiden können davon profitieren. Und während der Genesung war ich sehr froh sie zu haben. Ich habe sie oft zusammen mit einem Heizkissen verwendet. Dies hat das schlimmste gerade lange genug abgemildert.

Massage: Dies kann hilfreich sein, aber manchmal auch nicht. Ich habe meinen Ehemann gebeten, einfach nur auf meinen Kopf oder meine Beine Druck auszuüben. Einfach nur dort Druck ausüben. Nicht reiben. Meine Haut tut zu sehr weg um zu reiben, aber der tiefe Druck war hilfreich. Andermal war die Massage hilfreich für schmerzende Muskeln. Ich war zu agoraphobisch um zu einer richtigen Massage zu gehen. LOL. Aber es war gut, diese Art von Unterstützung von meiner Familie zu bekommen.

Salben: Ihr werdet lachen, aber es gab einen Tag da schmierte ich Vick’s VapoRub auf mein Gesicht, weil mein Gesicht so heiß war! Ich dachte mir, wenn das okay für die Haut meines Babys ist, ist es wahrscheinlich auch in Ordnung es auf meinem Gesicht auszuprobieren. Es hat funktioniert! Oh Mann, mein Gesicht hat sich den ganzen Tag so gut angefühlt. Ich habe das ein paar Tage lang benutzt bis die Welle vorbei ging. Ich habe auch „IcyHot“ auf meinem Rücken ausprobiert wenn er weh tat. Diese Dinge arbeiten nach dem gleichen Prinzip „die Nerven zu verwirren“. Wenn deine Nerven zu beschäftigt damit sind die Hitze/Kälte des Menthol zu fühlen, können sie nicht gleichzeitig Schmerzen fühlen. Also fühlt man für eine kurze Zeit den Schmerz nicht, obwohl das „weh tun“ immer noch da ist.

Auf all diese Arten habe ich den Entzug gemeistert. Ich bin mir sicher es gibt noch andere die manchen von euch geholfen haben! :-)

Die grundsätzliche Idee ist

1) Es passiert eine Heilung
2) Die Empfindungen die sich wie Verletzungen anfühlen sind keine Verletzungen. Sie sind die Korrektur der Nervenverletzung. Sie senden einfach nur Signale aus während sie heilen.
3) Es gibt Dinge die wir anwenden können um besser damit umzugehen
4) Es verschwindet mit der Zeit

Ich weiß dass das keine „Lösung“ für diese Empfindungen ist. Es gab nichts das jemand zu mir sagen konnte während ich Schmerzen litt was die Schmerzen gelindert hätte. Alles was ich machen konnte ist irgendwie damit umgehen und weinen und versuchen es durchzustehen. Aber zu wissen dass es normal ist und dass es nicht schlechter wird, dass es besser wird, ist immer etwas das mir hilft.

Ich bekomme immer noch diese Symptome – und ich werde SO glücklich sein wenn sie verschwunden sind.

Danke an den "Benzo-Buddy" der dieses Thema eingebracht hat ;-)

:-) Parker"

Maya
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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Maya » Samstag, 07.05.16, 15:31

Liebe Lina,

ich danke dir sehr für die Übersetzung.
Das muss seeeeeehr viel Arbeit gewesen sein.

Danke... <3

Liebe Grüße von

Maya
2007- 2013 (Juli) Trimipramin 2-5 Tropfen abends (zwischendurch ca. 12 Monat Sertralin, kein Ausschleichen, auch keine Symptome)
2008-2009 Citalopram 20 mg (Kurzfristig 40 mg) wegen sehr schwieriger persönlicher Situation,
2009-2013 Citalopram 10 mg, 2010 kurzfristig zusätzlich Johnniskraut hochdosiert, bei "Bedarf" zwischendurch 20 mg Citalopram,
zwei gescheiterte Absetzversuche da direkt auf 5 mg

22.07.2013 Citalopram 9,5 mg am dritten Tag Kopfdruck, dumpfes Gefühl, unruhige Beine, innere Leere, Ängstlichkeit
15.08.2013: 9,0 mg, Symptome wie oben
06.09.2013: 8,5 mg, keine Symptome
06.10.2013: 8,0 mg,
03.12.2013: 7,5 mg,
18.02.2014: 7,0 mg,
18.03.2014: 6,5 mg,
02.04.2014: 6,0 mg,
21.04.2014: 5,5 mg.
03.05.2014: 5,0 mg, Kopfschmerzen, fiebrig, Muskel- und Gelenkschmerzen, starkes Krankheitsgefühl,
Übelkeit für zwei Wochen
10.08.2014: 4,5 mg, keine Symptome
26.08.2014: 4,0 mg,
09.09.2014: 3,75 mg,
20.10.2014: 3,25 mg, Unruhe, Mutlosigkeit
26.10.2014: 3,0 mg, Frust, Hoffnungslosigkeit, nach ca. 3 Wochen langsam Besserung, eine Woche darauf sehr depressives Gefühl,
hält noch an :-(, Kopf- und Gelenkschmerzen für weitere 2 Wochen
02.01.2015: 2,5 mg, Eisenmangelanämie, Eisentabletten, B12, Vit D zusätzlich, keine Absetzsymptome
30.01.2015: 2,0 mg, nach 13 Tagen zunehmend depressives Gefühl
nach 4 Wochen langsam Besserung, extreme Nervosität wegen beruflicher Gespräche, Kortisonspritzen, langsame Besserung

15.04.2015: 1,75 mg keine Symptome
12.05.2015: 1,5 mg, nach 7 Tagen depressives Gefühl, "Ziehen" im Kopf, als wenn wirklich ein Stoff fehlt
zwischendurch oft depressives Gefühl, ab Ende Juni besser
11.07.2015: 1,25 mg, keine Symptome
14.08.2015: 1,00 mg, am 6. Tag Beinschmerzen, nach 10 Tagen fiebrig, nach 3 Wochen depressiv, hoffnungslos, Gefühl der Einsamkeit, auch Ende September noch sehr depressives Gefühl, sehr nervös

14.10.2015: 0,9 mg, keine Symptome
12.11.2015: 0,8 mg, nach 5 Tagen minimale Symptome für 3 Tage, nach drei Wochen "Ziehen und Watte im Kopf, depressives Gefühl für 2 Tage
10.12.2015: 0,7 mg, keine Symptome
06.01.2016: 0,6 mg, keine Symptome
04.02.2016: 0,5 mg, zwei grippale Infekte innerhalb 5 Wochen, oft erhöhte Temperatur, körperlich sehr schwach
03.03.2016: 0,4 mg, keine Symptome

31.03.2016: 0,3 mg, nach 5 Tagen Beinschmerzen, Nackenschmerzen, sehr erschöpft, leichtes Fieber für einen Tag. Nach 14 Tagen depressives Gefühl

29.04.2016: 0,2 mg, nach 7 Tagen Unwohlsein ( Wetterumschwung? ), gereizt, überempfindlich, etwas benommen, leicht fiebrig, Muskelschmerzen, starker Durst, traurig, sehr müde, nach 5 Wochen etwas Besserung

15.06.2016: 0,15 mg, nach 5 Tagen leichter Kopfdruck, "Ziehen" im Kopf für zwei Tage, danach besser

20.07.2016: 0, 1 mg, nach 5 Tagen leichter Kopfdruck und leichtes Ziehen im Kopf, etwas matschig, komisches Gefühl im Mund, nach 3 Wochen Kopfschmerzen, leichter Vit.-D-Mangel (23): ab 08.09.16 für zwei Tage 100000 Einheiten, danach wöchentlich 20000 Einheiten Vit. D
14.10.2016: 0, 05 mg Citalopram, drei Wochen Antibiotika wegen starker Blasenentzündung, insgesamt sehr schwach
02.11.2016: 0 mg, Schluss aus vorbei mit AD, bisher keine Symptome :D

4 Monate auf Null, keine Symptome

Sunnyrose
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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Sunnyrose » Samstag, 07.05.16, 15:39

Danke <3
Du :fly: Lina
Herzlichst Deria
Abgesetzt:
Lorazepam, Concerta, Truxal, Escitalopram

Zuletzt abgesetzt:
Escitalopram. Ursprünglich 30mg
Absetzstart September 2015
2,5mg runter alle 2 Monate bis 15mg.
Dann in 10% Schritten. Bis 10mg.
Dann schnelleres Vorgehen wegen Leberwerte.
Januar 2017: 6,8mg
15.2.17: 6mg
8.3.17: 4mg (psychotische Nebenwirkungen)
20.3.17: 0mg

Achtung: nicht nachmachen. Der grosse Schritt zum Schluss war für mich eine Notlösung. Langsames Vorgehen (5-15% Schritte, je nach Höhe der Dosis), wenn irgendwie möglich, ist der bessere Weg.

Ich bin jetzt frei von Substanzen jeglicher Art. Haltet durch! es lohnt sich.

Multivitamin
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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Multivitamin » Samstag, 07.05.16, 15:44

Haha :)))))) "gefunden von Multivitamin...übersetzt von Lina" :))))

Großartig!!! Tausend Dank.
Diagnose 2001: Depression
Medikation:
2001-2011: Paroxetin zwischen 20-30mg (abgesetzt innerhalb ca. 4 Monate, dann schlimme Absetzsymptome) und somit
2011-2012: Venlafaxin 150mg (Wirkungsverlust ab Mitte 2012)
11/12-01/13: Citalopram (wegen Unverträglichkeit abgesetzt) - nach 6 Wochen völliger körperlicher Zusammenbruch
von 2013-2014 bekommen: Venlafaxin, Paroxetin, Amitryptilin, Valdoxan, Mirtazapin, Atosil, Truxal, Opipramol, Cymbalta (alles nur kurz genommen, dann wieder Wechsel)

05/14-08/14 - Seroquel: im KH (04/14) 100mg, nach Entlassung (1.5.) 50mg; absolut widerlich, hab mich nicht mehr gespürt:
07/14: viel zu schnell reduziert bis auf 25mg
Ende 08/14: 25mg kalt abgesetzt, da weiteres Reduzieren unmöglich
Zur "Absetzerleichterung" vom Arzt 80mg Dominal Forte, haben mich umgehauen und hab nur noch geschlafen. Gewechselt auf Dominal Tropfen 40mg abends
Aufgrund der unerträglichen Absetzsymptome des Seroquel
ab 10/14-11/14 - Lorazepam 1,0 mg / Tag
1.11 Beginn Reduktion: 0.25mg alle 2 Wochen; ich bin völlig durchgedreht!
seit 10.12.14 Benzofrei

aktuelle Medikation:
Lamotrigin 85 mg (5%-Reduzierung alle 4 Wochen)


Seelischer Zustand katastrophal: völliges Chaos im Kopf und Zustände, die ich vor diesen Medikamenten NIE hatte.

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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon padma » Samstag, 07.05.16, 17:12

liebe Lina, :)

ein herzliches Danke für all deine Arbeit, :hug:
und auch an Multi :) fürs Finden und reinstellen. :hug:

lg padma

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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Sunnyrose » Samstag, 07.05.16, 17:32

So. Puuh. Von oben bis unten gelesen. Supertext. Beruuhigend vom feinsten. (Das mit dem wassergefühl auf der haut habe ich genossen es zu lesen) freude herrscht, im sinne von: es it ok wie es ist, es ist sogar super wie es ist, es bedeutet alles nur, dass ich am heilen bin :party2:

Nochmals liebsten Dank an Parker, an Multi und an Lina
Grosses :group:
Deria
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Lorazepam, Concerta, Truxal, Escitalopram

Zuletzt abgesetzt:
Escitalopram. Ursprünglich 30mg
Absetzstart September 2015
2,5mg runter alle 2 Monate bis 15mg.
Dann in 10% Schritten. Bis 10mg.
Dann schnelleres Vorgehen wegen Leberwerte.
Januar 2017: 6,8mg
15.2.17: 6mg
8.3.17: 4mg (psychotische Nebenwirkungen)
20.3.17: 0mg

Achtung: nicht nachmachen. Der grosse Schritt zum Schluss war für mich eine Notlösung. Langsames Vorgehen (5-15% Schritte, je nach Höhe der Dosis), wenn irgendwie möglich, ist der bessere Weg.

Ich bin jetzt frei von Substanzen jeglicher Art. Haltet durch! es lohnt sich.

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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon mayBe » Samstag, 07.05.16, 17:55

Danke liebe Lina,
lässt sich problemlos und gut lesen.

Ich bin zwar nicht im Benzo Entzug, aber konnte vieles nachempfinden und hoffe das auch ich, obwohl ich gerade eine geringe Dosis Venlafaxin nehme, heile!

Super Abreit! :) :hug:
Männlich, 26J!!!- da ich oft als "liebe maybe" 'angesprochen' werde ^^

Januar 2008 Venlafaxin 75mg bekommen und Konstant genommen bis April 2015. Dann wie folgt angefangen auszuschleichen:

April - Mai 62,5mg
Juni - Juli 50mg
August - September 37,5mg
Oktober - November 25mg
Dezember - Januar 12,5mg
Februar 2016 - 0mg

Nach 8 Wochen auf 0mg totaler Rückschlag von Angst- Panikattaken, Schwindel, kein gefühl im ganzen Körper.

16.04.16 - 12,5mg Venlafaxin
17.04.16 - 12,5mg "
18.04.16 - 12,5mg "
19.04.16 - 12,5mg "
20.04.16 - 25mg "
21.04.16 - 25mg "
dann nebenwirkungen zu stark
seit 22.04.16 - zwischen 5 - 7mg
30.04.16 - zwischen 9 -11mg
01.05.16 - 12,5mg
13.05.16 - ca 16mg
seit 22.05.16 ca 19mg

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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Berlin-2013 » Samstag, 07.05.16, 19:31

toll und dank an multi und lina, großartige leistung!!!!! lg c. :pillowtalk:
September 2017!

3 Jahre nach 0 mg :party2: nie wieder Benzos! es wird immer besser bis auf manchmal - durch Stress


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Siggi
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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Siggi » Samstag, 07.05.16, 22:43

Ganz herzlichen Dank, liebe Lina, :hug:
herzlichen Dank liebe Multi :hug:

ein super guter Text, sehr aufschlussreich und wertvoll,
eine Mammutleistung an Übersetzung... meinen größten Respekt... :D

Liebe Grüße Siggi
Mein Absetzverlauf:

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sybsilon
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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon sybsilon » Sonntag, 08.05.16, 10:36

Hallo Lin-Lina,

tausend Dank für den Mega-Beitrag. Das war sehr viel Arbeit.
:hug:
Sehr interessant das hat mir viel erklärt.

LG sybsilon
Diagnose: Angst-Panikstörung
06/14 Venlafaxin 37,5 mg
07/14 Venlafaxin 75 mg
08/14 Venlafaxin 112,5 mg
10/14 Venlafaxin 75 mg
dann bis 02/15 Venlafaxin reduziert auf 37,5 mg
seit 14.2.15 auf anraten von Ärztin auf "0".
Seit Dezember 14 Schwindel, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Kreislaufprobleme, Ohnmachtsangst, Gangunsicherheit, elektrische Schläge im Magen, Panikattacken, Kribbeln Arm und Bein links, Massive Nackenprobleme. Herzrasen, Extrasystolen und starke Stimmungsschwankungen.
von 1.6.15-28.7.15 wieder Psychiatrieaufenthalt. 3 Wochen Mirtazapin erst 15mg dann 30mg aber wegen RLegs abgesetzt, dann Doxepin 25mg nacher Woche 50mg und nach ein paar Tagen auf 75mg aber wegen massiver Magenschmerzen, Suizidgedanken und RLegs auch abgesetzt.
Seit 20.7.15 Medikamentenfrei.
aktuelle Symptome: kribbeln, ziehen in Beinen und Armen, Leichte Übelkeit( nicht immer), sehr nervös, sehr geräuschempfindlich, vermehrte Panikattacken. Ab und zu Herzstolpern, aber nicht mehr so häufig. Das Haus zu verlassen fällt mir schwer.
Oktober 2015 :
Immer wieder Gangunsicherheit, leichter Schwindel und Übelkeit. Das löst Angst und Panik bei mir aus.
Einen Versuch mit Laif900 (Johanniskraut) gestartet aber wieder abgesetzt wegen Symptomverstärkung.
Ab 04.11.2015 Aufenthalt psychosomatische Klinik
Seit 19.1.16 wieder zu Hause. In der Klinik 3 Tage Trimipramin 12,5mg ausprobiert, aber zu starke NW.
Seit 27.1.16 Wiedereingliederung im Job, Beginn mit 4Std am Tag, danach sehr erschöpft, aber ansonsten wenig Symptome. Gegen Abend (ab ca.18.00Uhr) inneres Frieren und ganz leichte Übelkeit mit leichtem Magendrücken.
Stand 13.2.2016: Magenprobleme mit Rückenschmerzen, Rücken übersät mit großen Pickeln, Schlafprobleme, nach Vit.D Einn. Panikattacke.
4.3.16 Im Moment Welle/sehr erschöpft. Blutuntersuchung :B12=350, Vitamin D =18,1, Ferritin=15,5. Von Eisentabletten schon nach 1Tag Herzrasen mit Panikattacke. Abgesetzt. Ich vertrage absolut gar nichts mehr.
6.4.16 habe noch leichte Stimmungsschwankungen, Frieren in den Abendstunden nach der Arbeit (ca. 17-19 Uhr), Energiebereich schwankt sehr, Nackenschmerzen. Seit 1.4.16 nehme ich Nachtkerzenöl Kapseln, und ich habe das Gefühl sie tun mir gut.
18.6.16 Ich habe wenig Energie. Arbeite wieder voll seit 8.3., aber es strengt sehr an. Kann abends und am Wochenende Nichts unternehmen. Bei Anstrengung kommt leichte Übelkeit. Kann meine Vitaminspeicher nicht auffüllen da ich noch immer Nichts vertrage .:zombie: .Gefühle sind sehr gleichgültig und irgendwie macht mir alles keinen Spaß und ist sinnlos.
Seit 14.2.2015 "0" Venlafaxin
Seit 20.7.2015 "0" Mirtazapin und Doxepin
Seit 21.7.2015 definitiv medikamentenfrei!!!!
Zustand 21.7.2016: sehr erschöpft, leichte Übelkeit hin und wieder, kribbeln in linker Hand und Fuß und linke Gesichtshälfte. Psyche ganz o.k.! Blutwerte 21.7.2016: Vit.B12 253;Ferritin 19,5;Vit.D 31.
18.8.16:Entfernung Kupferspirale
Zustand 24.8.16: Seit 2 Tagen total erschöpft, Kopfrauschen, Nackenschmerzen, Übelkeit aber nicht vom Magen verbunden mit depressiver Stimmung, fast keinen Geruch und Geschmackssinn. Kein Durst- und Hungergefühl.
16.10.16: Zustand viel besser seit Kupferspirale entfernt. Ausschlag auf Rücken nahezu weg. Übelkeit weniger, depressive Stimmung nur noch etwas in der Zeit um die Regel. Brauche noch viel Ruhe und vertrage keine Hektik und Stress mehr. Energie etwas mehr vorhanden.
20.3.17 Vitamin D und B12 vertrage ich wieder.

Monalinde
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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Monalinde » Sonntag, 08.05.16, 12:19

Hallo,

danke an Multi für das Aufspüren des Textes und danke an Lina für die wirklich tolle Übersetzung.

Trotz eigener Beschwerden lasst ihr es euch und auch viele andere hier, nicht nehmen, uns mit hilfreichen Berichten aus fast allen Kontinenten zu versorgen. Ich finde, dass die Qualität unseres Forums dadurch immer besser wird. Da ich schon sehr, sehr lange dabei bin, kann ich das ganz gut beurteilen.
Ich fühle mich dadurch reich beschenkt und wünsche euch so sehr, dass ihr bald eure Symptome hinter euch lassen könnt um wieder voll am Leben teilzunehmen.

Ja, ja, wir heilen, irgendwie und irgendwann, auch wenn es noch so lange dauert!!!!!


LG Mona
2005 bis 2010 Einnahme von Remergil 7,5 mg und Trevilor bis zu 37,5 mg, ich habe in diesem Rahmen manchmal erhöht und reduziert
2010 bis 2012 Trevilor 37,5 mg ausschließlich,
Dezember 2012 auf Null abgesetzt, ausschleichend alle drei Wochen 10 Prozent der ursprünglichen Dosis

Diagnose: Depression und Angststörung

Seit Dezembe 2012 im protahierten Entzug.

Zahlreiche körperliche Symptome:
(Tinnitus , Speiseröhrenentzündung, Reflux, Schleim im Hals, saures Aufstoßen, Albträume, Durchschlafstörungen, Erschöpfungszustände, Stimmungsschwankungen, Hautausschläge, Angstzustände, Gelenkschmerzen, Schwindel))


2016: Nebenhöhlenentzündung, Schleim im Hals, Stimmungsschwankungen bzw. Neuroemotionen, Tinnitus, noch
leichte Schlafstörungen, lebhafte Träume, die wahrscheinlich meinen Tinnitus triggern, aber keine Albträume
mehr, Schüttelfrost

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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Multivitamin » Sonntag, 08.05.16, 13:03

Liebe Lina,

ich hab mir die Übersetzung eben noch mal in Ruhe durchgelesen und ziehe einfach meinen Hut vor dir! Wie du das in so ner kurzen Zeit und mitten in ner Welle hinbekommen hast!!! Vielen vielen Dank!!!! Und ich hoffe, es hilft dir, dass dein Mitbewohner wieder zurück ist. Einfach einen Menschen um sich zu haben wenns einem so s :censored: geht und die Angst in einem und vor sich selbst so schlimm ist, ist doch sehr beruhigend.

Ich wünsch dir eine schnelle Besserung ins Erträgliche!!!!!

Und nochmals ein großes Dankeschön!!!!

multi
Zuletzt geändert von LinLina am Sonntag, 08.05.16, 13:21, insgesamt 1-mal geändert.
Diagnose 2001: Depression
Medikation:
2001-2011: Paroxetin zwischen 20-30mg (abgesetzt innerhalb ca. 4 Monate, dann schlimme Absetzsymptome) und somit
2011-2012: Venlafaxin 150mg (Wirkungsverlust ab Mitte 2012)
11/12-01/13: Citalopram (wegen Unverträglichkeit abgesetzt) - nach 6 Wochen völliger körperlicher Zusammenbruch
von 2013-2014 bekommen: Venlafaxin, Paroxetin, Amitryptilin, Valdoxan, Mirtazapin, Atosil, Truxal, Opipramol, Cymbalta (alles nur kurz genommen, dann wieder Wechsel)

05/14-08/14 - Seroquel: im KH (04/14) 100mg, nach Entlassung (1.5.) 50mg; absolut widerlich, hab mich nicht mehr gespürt:
07/14: viel zu schnell reduziert bis auf 25mg
Ende 08/14: 25mg kalt abgesetzt, da weiteres Reduzieren unmöglich
Zur "Absetzerleichterung" vom Arzt 80mg Dominal Forte, haben mich umgehauen und hab nur noch geschlafen. Gewechselt auf Dominal Tropfen 40mg abends
Aufgrund der unerträglichen Absetzsymptome des Seroquel
ab 10/14-11/14 - Lorazepam 1,0 mg / Tag
1.11 Beginn Reduktion: 0.25mg alle 2 Wochen; ich bin völlig durchgedreht!
seit 10.12.14 Benzofrei

aktuelle Medikation:
Lamotrigin 85 mg (5%-Reduzierung alle 4 Wochen)


Seelischer Zustand katastrophal: völliges Chaos im Kopf und Zustände, die ich vor diesen Medikamenten NIE hatte.

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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Linus2015 » Sonntag, 08.05.16, 16:50

Vielen Dank Lina für die tolle Übersetzung.
Der Bericht gibt Hoffnung auf eine positive Zukunft ☺
Schöne Grüße Linus
Mein Thread

Meine Historie mit Antidepressiva
1985 bis 2014 mit Unterbrechnungen: Maprotilin 10/12,5 mg
Mai bis Sep 2014: Citalopram bzw. Escitalopram 10/20 mg, kalt abgesetzt wg. Aura jeden Tag

Okt bis Nov 2014 Versuch mit 5-HTP von ZeinPharma 50 bzw.100 mg. ohne Wirkung
Nov 2014 Neurostresstest über Lab4More mit Ergebnis:
- Noradrenalin zu niedrig
- Serotoninumsatz zu hoch
- Cortisolspiegel flach, d.h. kein Cortisolanstieg in der Nacht
- Vorschlag AdreCore und GABAMax von NeuroLab
- abgesetzt, da Blutdruck zu hoch

Jan / Feb 2015 Bidicin (=> Glycin) von BIOTIKI zur Beruhigung, begrenzte Wirkung

Mär 2015 4 Tabletten Maprotilin 25 mg, 2 je Tag, dadurch Visual Snow Syndrome bekommen
=> http://eyeonvision.org/visual-snow.html

Apr bis Aug 2015 und Aug bis Nov 2015: Zwei Klinikaufenthalte

Mai bis Aug 2015: Tavor / Lorazepam bis zu 3 mg

Mai bis Juli 2015: Mirtazapin eingeschlichen von 15 mg über 30 mg auf 45 mg (abends)

Aug bis Dez 2015: Mirtazapin ausgeschlichen
(1) Schritt von 45 mg auf 30 mg (6 Wochen bis zum 10. September 2015)
- massive Angstzustände.
=> aber nach 6 Wochen stabilisiert
(2) Schritt von 30 mg auf 15 mg (5 Wochen ab dem 10. September bis zum 15. Oktober 2015)
- massive Schwindel und Gleichgewichtsstörung
- Angstzustände
=> aber nach 6 Wochen stabilisiert
(3) Schritt von 15 mg auf 7,5mg (2 Wochen vom 15. Oktober 2015 bis zum 28. Oktober 2015)
- 8 Tage durchgehend massive Herzschmerzen mit leichter Atemnot
=> danach Besserung, deshalb ..
(4) Schritt von 7,5 mg auf 0 mg (seit dem 28. Oktober 2015)
- seit 9. November 2015: massives andauerndes Sodbrennen
=> Refluxkrankheit neu aufgetreten, Speiseröhre entzündet
=> behandelt mit Pantoprazol / Esomeprazol, nach 8 Wochen abgesetzt

(5) Stand Juli 2016 - nach ca. 9 Monaten auf 0 mg
- Reflux Symptome haben sich gebessert
- Magen- Darm Probleme bestehen aber nach wie vor, insbesondere Darmstauungen / Koprostase;
durch Flohsamen aber ganz gut in den Griff bekommen (seit Mai 2016 / 7 Monate)
- Durchschlafstörungen haben sich gebessert, ich schlafe wieder ca. 6 bis 7 Stunden (seit März 2016 / 5 Monate)
- Häufiger Gang auf die Toilette auf maximal 1 Mal pro Nach reduziert
- Angstzustände gebessert seit Februar 2016 / 4 Monaten
- Innere Unruhe gebessert, ich muss nicht mehr permanent in Bewegung sein, sondern kann auch ruhig sitzen

- nicht verbessert sondern teilweise eher verschlechtert haben sich (neurologische) Beschwerden wie
- massive Nackenkrämpfe / Gesichtskrämpfe
- jeden Tag einseitiger Kopfdruck links
- massive Sehstörungen und Skotome besonders am Nachmittag
teilweise auch bedingt durch Grünen Star und Visual Snow Syndrom
=> http://eyeonvision.org/visual-snow.html
- Schwindelanfälle und Gangunsicherheit
=> fühlt sich an, als ob es vom linken Ohr ausgeht
- Blutdruck normal, aber Herzschlag konstant niedrig bei 50 Schlägen pro Minute
- frierend wie Schüttelfrost aber kein Fieber
- ungewöhnlich trockene Hände, Hände kribbeln und schlafen leicht ein
- massive körperlich und geistige Erschöpfung, aber ich kann jetzt auch bis 23 Uhr aufbleiben
- häufig Gefühl der Depersonalisierung, als ob ich das Bewußtsein bzw. den Verstand verliere

Nospie
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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Nospie » Sonntag, 08.05.16, 23:17

Hallo,
Monalinde hat geschrieben:Trotz eigener Beschwerden lasst ihr es euch und auch viele andere hier, nicht nehmen, uns mit hilfreichen Berichten aus fast allen Kontinenten zu versorgen. Ich finde, dass die Qualität unseres Forums dadurch immer besser wird.

Genau.
Ich finde die Übersetzungen sind irre wichtig und sehr hilfreich für uns.
Ich freu' mich immer ungemein über jeden übersetzten Text :party2: :group: !!!
DANKE für's forschen und übersetzen !
LG
Nospie
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Juli 2012 - September 2012 grob reduziert abgesetzt (Arzt meinte :einfach weglassen,Absetzsymptome dauern ca 2 Wochen,
ignorieren Sie das ..........)

Seit Ende September 2012 auf Null
seither im protrahierten Entzug

_____________________________________
Wenn Du einen Rat brauchst,dann frage einen Erfahrenen und keinen Gelehrten :!:

"Going to a psychiatrist has become one of the most dangerous things a person can do."
- Dr. Peter Breggin

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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Hypeastrum » Montag, 09.05.16, 13:39

Ganz herzlichen Dank für den super Artikel liebe Multi und Lina!
Es hilft mir immer sehr in meiner Situation wieder Hoffnung zu bekommen.
Euch wünsche ich baldige Besserung und Heilung. Und immer wieder Mut und Kraft in den Wellen.
Seid gedrückt
Hypeastrum
14. 11. 2014
Zum Arzt wegen starken Magenschmerzen. Zuerst Verdacht auf Reizdarm/Reizmagen.
Medikation:
Trittico zum schlafen.
NW Schlaflosigkeit.
Pantoprazol 40 mg 2x tgl.
NW Verstopfung und Verdauungs Probleme.
Trittico nach einer Woche kalt abgesetzt. Keine Probleme.
Bekomme schlimme Angst und Panikattacken.
18. Februar 2015
Magen/Darm Spiegelung mit Biopsie.
Befund: Helicobacter pylori.
Mir gehts psychisch immer schlechter. Versuch mit Johanniskraut 900 mg tgl. Nützt überhaupt nicht.
26.2. - 4.3. 2015
Eradikation mit 2 Antibiotikas, Metronidazol und Co Amoxicilin. Dazu Omeprazol 2 mal tgl. 40 mg.
28.5.2015
Helicobacter immer noch da, nochmals für 10 Tage mit Levofloxacin und Rimactan behandelt. Dazu 2 mal tgl. 40 mg Omeprazol.
Von da an gehts mir :zombie: psychisch immer schlechter. NW sind Weinkrämpfe, Schmerzen im Bauch, Muskelschmerzen, Sehnenschmerzen, bleierne Müdigkeit, Schwindel und Schwäche.
Täglich Angst- und Panikattacken. Temesta (Lorazepam) vom Arzt gegen Panik bekommen. Nach Bedarf genommen. 1/4 - 1/2 Tabl.
Muskelschmerzen nach wie vor sehr schlimm. Meine Ängste werden immer schlimmer. Dadurch massive Verspannung am ganzen Körper.
Kann nicht mehr schlafen. Werde depressiv. Neuropathischen Schmerzen sollen mit Pregabalin behandelt werden. Nach 1Tablette NW sehr schlimm. Übelkeit und Schlaflosigkeit. Setzte sie sofort ab.

6.10. 2015 Cipralex (Escitalopram) Tropfen. Mit 1 Tropfen (1mg) eingeschlichen, jeden zweiten Tag 1Tropfen erhöht. NW Zittrige Hände, Nackenverspannungen, Schlafstörungen. Gähnen, verstopfte Nase.
Psychisch habe ich schon nach drei Tropfen eine Verbesserung gespürt. Bis fünf Tropfen alles i. O. Bei sechs Tropfen antriebslos, sediert, schwindlig total neben mir. Komme nicht mehr aus dem Bett.
Zurück auf 5mg.
Stabil bis 21.2.2016. NW 8,5 kg Gewichtszunahme.
leider zu schnell reduziert :vomit:
21.2.2016 -28.2. 2016 4 Tropfen.
29.2.2016 - 6.3. 2016 3 Tropfen keine Veränderungen.
7.3.2016 -14.3.2016 2 Tropfen
Muskelverspannungen, Augenprobleme, Magen/Darmbeschwerden, Schwindel, Schweissausbrüche, Weinkrämpfe.
14.3. 0 mg
Muskelverspannungen gleichbleibend. Magen/Darm etwas besser. Weinattacken, Ängste, Schwindel, verspannte Muskeln, Übelkeit, Allergien. Fructoseintolerant.
Dank Forum eine kleine Menge eindosiert.

Testete mit einem Zahnstocher den ich drei mal ins Fläschchen gesteckt habe. Nach 2 Stunden frappante Besserung. Mit dieser Mikrodosis habe ich ca. 3 Wochen gut gelebt.
Cipralex ist aufgebraucht.
24.4.2016
0 mg Cipralex. Und es geht mir wieder schlecht. Alle NW sind wieder da.
29.4.2016
4 Zahnstocher. Vermutlich weniger als 1 mg.
NW Schlafstörungen.

Mit Zolpidem (5mg) zwei mal Wöchentlich aufgefangen.

1.5.2016 Zolpidem abgesetzt.
Baldrian 700mg zum schlafen.
25.8.2016

Auf 1mg Escitalopram hochdosiert. NW zu stark.

22.11.2016
1 mg Escitalopram. Wieder Stabil. Weniger "Wellen". Mehr Fenster.

9.1.2017
Mit Wasserlösemethode 10% reduziert.
Wieder mehr Verspannungen, unausgeglichen und weinerlich.
27.3. 0,8 mg Escitalopram.
NW: Schweissausbrüche, manchmal Übel, auf und ab der Gefühle. Schwindel.
Alle drei Wochen 0,2 mg reduziert.
NW gut auszuhalten.
Am 12.5. auf NULL!!!
War schneller als geplant, bin jedoch recht stabil. :party2:

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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Annanas » Montag, 09.05.16, 19:45

Hallo Multi, danke fürs Finden des Beitrages u. Lina, für die enorme Fleiß- u. Konzentrationsarbeit des
Übersetzens. Den Text werde ich wohl öfter lesen - was man sich erklären kann - macht nicht
mehr so viel Angst!

LG Anna
Vorgeschichte:
► Text zeigen

Venlafaxin (225 mg) - Einnahme seit 2007 - Absetzverlauf seit Januar 2016
► Text zeigen

14.11.2017 26. Red. um 1,2 mg auf 10,5 mg (10%)


_____________________________________________________________________________________________
Hinweis:
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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon MorulaMyomatosus » Montag, 09.05.16, 20:40

Wow! Danke, danke, danke!!! Einfach großartig!!!
Irgendwann 2007
Diagnose „Panikstörung“.
Erste Einnahme von Citalopram 20 mg.
Wegen Schlafstörungen Zopiclon 7,5 mg über ein halbes Jahr.
Zopiclon selbstständig innerhalb von 8 Wochen ausgeschlichen. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Tiefenpsychologische Therapie über 2,5 Jahre.

Anfang/Mitte 2010
Citalopram nur noch unregelmäßig genommen, dann eigenständig kalt abgesetzt, da ich dachte ich wäre über den Berg.

Ende 2010
Nach einigen Monaten auf 0 mg setzt, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptom: Extreme Suizidgedanken. Ich wusste allerdings nichts von einem Entzug!
Neue Diagnose: „Autoaggressive Zwangsgedanken“ und "mittelschwere bis schwere Depression".
Zweite Einnahme von Citalopram 30 mg und begleitend Lorazepam 1,5 mg
Lorazepam nach ca. 3 Wochen abgesetzt. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Citalopram wirkt nach 3 Wochen wieder, die Suizidgedanken und alle anderen Symptome sind weg.
Verhaltenstherapie über 3 Jahre.

Ende 2013
Citalopram wieder unregelmäßig genommen, dann wieder eigenständig und kalt abgesetzt, da ich einigermaßen symptomfrei war.

Mai 2014
Nach ca. 5 Monaten auf 0 mg setzt wieder, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptome: Schreckliche Suizidgedanken, Gedanken an Fremdgefährdung, völlige Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust.
Auch hier wieder keinen Zusammenhang erkannt, deshalb Wiedereindosierung von Citalopram 40 mg, dazu Lorazepam 1,5 mg.
Lorazepam nach ca. 8 Wochen, ohne erkennbare Probleme, abgesetzt.
Auch nach wochenlanger Einnahme zeigt das Citalopram diesmal keinerlei Wirkung. Es wurde immer schlimmer.
Ich beschäftigte mich langsam mit der Problematik der Psychopharmaka.

Juli 2014
Stationärer Aufenthalt und kurze Umstellung auf Escitalopram. Auch dann kein Wirkeintritt und keine Besserung.
Viel zu schnelles und deshalb unbewusst kaltes Absetzen des Escitalopram innerhalb von 2 Wochen, unter ärtztlicher Begleitung in der Klinik.
Letzte C*pralex am 14.07.2014, seitdem im protrahierten Entzug!
Erst nach der letzen Tablette habe ich langsam verstanden was da eigentlich passiert ist und einen klaren Zusammenhang zu der SSRI-Einnahme erkannt.

Ende August/Anfang September 2014
Es stellen sich die typischen Wellen & Fenster ein.

Update Oktober 2015
Ich bin immer noch im protrahierten Entzug. Es ist extrem wechselhaft und betrifft besonders die Emotionen.

Update April 2016
Seit der letzten Tablette sind nun 21 Monate vergangen. Leider halten die Symptome immer noch an. Seit ca. Jahresbeginn wechseln sich die Wellen und Fenster fast täglich, häufig auch stündlich bis minütlich, ab. Das ist alles extrem anstrengend. Tja... Weiter geht's :schnecke:

Update Mai 2017
34 Monate nach Null. Immer noch im protrahierten Entzug.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

>Miriam<
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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon >Miriam< » Mittwoch, 11.05.16, 18:56

Ihr seid toll!!!! Vielen Dank!!!
Depression, generalisierte Angststörung, bipolare Störung
Medikation: 2001 - 2003 Lithium und Trimipramin; Insidon war auch mal dabei
Paroxateinnahme seit 2001
Paroxat 2001 bis 2003 60 mg
2003 bis 2007 40 mg, keine Absetzsymptome
2007 bis 2011 20 mg, keine Absetzsymptome!
November 2011 bis Januar 2012 18 mg
Januar 2012 bis Februar 2012 17 mg
Februar bis April 2012 15 mg
April bis September 2012 13,5 mg
September 2012 bis Januar 2013 11,7 mg
Januar bis Februar 2013 10,8 mg
Februar bis März 10 mg Bis hierhin wenig Absetzsymptome
Im April intensiver Rückschlag mit allen Formen der Entzugserscheinungen. Daher Erhöhung im April für 2 Tage auf 15mg (zu viel erhöht, schlimme Nebenwirkungen) und dann wieder für 4 Tage auf 12,5 mg
16.04.13 13,4 mg
Seit 17.04.13 wieder 12,5 mg
02.05.13: Nach kurzer Verbesserung wieder Rückschlag (Welle)
Seit 02.05.13 11,7 mg Warten auf Stabilisierung
Seit 10.05.13 10,8 mg
10.06.13 - 10.07. Ein Auf und Ab...
Seit 10.07.13 wieder viel besser, 19.09.13: immernoch bei 10,8 mg.
21.11.13: 10 mg. Paar Tage schlimme Absetzsymptome - auch bei nur 0,8 mg! Hurra, ich bin auf 10 mg!!!
19. - 21.07.14: Umstieg auf Suspension 10 mg. Nicht vertragen.
Ab 22.07.14 wieder Tablette 10 mg. Mir gings ein paar Wochen schlecht nach dem gescheiterten Umstellungsversuch, dann bis Jan. 2015 zwei üble Wellen. Im Allgemeinen aber schon stabil mit den 10 mg.
Mai 2015: Hänge immernoch bei den 10 mg! :(
Weiss noch nicht, wie ich weiter absetzen soll, da die Tabletten nicht mehr teilbar sind und ich die Suspension nicht vertrage :(
Februar 2016: Immernoch 10 mg. Ich hänge da irgendwie fest :(

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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon Horni » Donnerstag, 12.05.16, 11:05

Dankeschön lin <3 und dankeschön multi
Es hat mir viel geholfen das zu lesen.
Mir ist bewusst geworden, dass sich bei mir fast alles mit dem benzoventzug ähnelt obwohl ich Paroxetin abgesetzt habe!!!
Die Schlüssel Aussage die ich aus dem Text fur mich gezogen habe ist, das SEROTONIN GABBA UND GLUTAMIN REGULIERT!!!!
WAHNSINN
vielen viele. dank
liebe Grüsse an euch alle
"Berichtet euren Mitmenschen welche Verherende Wirkung Antidepressiva haben können und wie Verständnis los damit umgegangen wird."
Gebt uns eine Stimme!!!

Verküpfung zum Paroxetin Betroffenen Thread:
viewtopic.php?f=18&t=10777&hilit=Paroxetin+betroffenen

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Re: Entzugssymptome sind Symptome der Heilung

Beitragvon LinLina » Donnerstag, 12.05.16, 11:27

Wie schön, dass der Text soviel Resonanz findet <3

Da bin ich ja eigentlich richtig dankbar für den ekligen Zustand, der mich dazu gebracht hat das im Akkord zu übersetzen.

danke liebe Welle :lol:

lg Lina
Ursprünglicher Grund der Einnahme: Schmerzen, PTBS, heftige Unverträglichkeitsreaktion auf Schmerzmittel und Antibiotika (anhaltende Krampfanfälle)

Lorazepam: 1,5 mg von 7/2014 - 10/2014, dann 4 Monate schrittweiser Entzug (sehr heftig) und seit 8.2.2015 komplett abgesetzt :-)

Mirtazapin: Winter 2014/15 bis 30 mg für Benzo-Entzug, langsames und mühsames Absetzen seit März 2015.

Mein Medikamentenverlauf :schnecke: :
► Text zeigen
Seit 31.10.2017: 0,45 mg Mirtazapin / Mein Thread

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