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Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

MorulaMyomatosus
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Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von MorulaMyomatosus » Sonntag, 14.08.16, 12:07

Hallo ihr Lieben,

das Thema "Arbeit" ist bei mir gerade sehr akut. Ich wüsste gerne, wie ihr das mit der Arbeit macht? Ich bin gerade in einer schlimmen Welle und habe das Gefühl nicht mehr arbeiten zu können. Wenn ich nur an das Thema denke geht es mir extrem schlecht und ich breche in Tränen aus. Ich weiß, dass mir das keiner abnehmen kann, aber ich wüsste einfach gerne wie das bei euch läuft? Bezieht ihr EU-Rente, oder Hartz 4? Was gibt es für Möglichkeiten? Ich kann gar nicht in Worte fassen, dass mir das, nach über 24 Monaten nach 0, passiert. Aber den Stress durch die Arbeit kann ich nicht verkraften.

Liebe Grüße

Morula
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Irgendwann 2007
Diagnose „Panikstörung“.
Erste Einnahme von Citalopram 20 mg.
Wegen Schlafstörungen Zopiclon 7,5 mg über ein halbes Jahr.
Zopiclon selbstständig innerhalb von 8 Wochen ausgeschlichen. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Tiefenpsychologische Therapie über 2,5 Jahre.

Anfang/Mitte 2010
Citalopram nur noch unregelmäßig genommen, dann eigenständig kalt abgesetzt, da ich dachte ich wäre über den Berg.

Ende 2010
Nach einigen Monaten auf 0 mg setzt, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptom: Extreme Suizidgedanken. Ich wusste allerdings nichts von einem Entzug!
Neue Diagnose: „Autoaggressive Zwangsgedanken“ und "mittelschwere bis schwere Depression".
Zweite Einnahme von Citalopram 30 mg und begleitend Lorazepam 1,5 mg
Lorazepam nach ca. 3 Wochen abgesetzt. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Citalopram wirkt nach 3 Wochen wieder, die Suizidgedanken und alle anderen Symptome sind weg.
Verhaltenstherapie über 3 Jahre.

Ende 2013
Citalopram wieder unregelmäßig genommen, dann wieder eigenständig und kalt abgesetzt, da ich einigermaßen symptomfrei war.

Mai 2014
Nach ca. 5 Monaten auf 0 mg setzt wieder, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptome: Schreckliche Suizidgedanken, Gedanken an Fremdgefährdung, völlige Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust.
Auch hier wieder keinen Zusammenhang erkannt, deshalb Wiedereindosierung von Citalopram 40 mg, dazu Lorazepam 1,5 mg.
Lorazepam nach ca. 8 Wochen, ohne erkennbare Probleme, abgesetzt.
Auch nach wochenlanger Einnahme zeigt das Citalopram diesmal keinerlei Wirkung. Es wurde immer schlimmer.
Ich beschäftigte mich langsam mit der Problematik der Psychopharmaka.

Juli 2014
Stationärer Aufenthalt und kurze Umstellung auf Escitalopram. Auch dann kein Wirkeintritt und keine Besserung.
Viel zu schnelles und deshalb unbewusst kaltes Absetzen des Escitalopram innerhalb von 2 Wochen, unter ärtztlicher Begleitung in der Klinik.
Letzte C*pralex am 14.07.2014, seitdem im protrahierten Entzug!
Erst nach der letzen Tablette habe ich langsam verstanden was da eigentlich passiert ist und einen klaren Zusammenhang zu der SSRI-Einnahme erkannt.

Ende August/Anfang September 2014
Es stellen sich die typischen Wellen & Fenster ein.

Update Oktober 2015
Ich bin immer noch im protrahierten Entzug. Es ist extrem wechselhaft und betrifft besonders die Emotionen.

Update April 2016
Seit der letzten Tablette sind nun 21 Monate vergangen. Leider halten die Symptome immer noch an. Seit ca. Jahresbeginn wechseln sich die Wellen und Fenster fast täglich, häufig auch stündlich bis minütlich, ab. Das ist alles extrem anstrengend. Tja... Weiter geht's :schnecke:

Update Mai 2017
34 Monate nach Null. Immer noch im protrahierten Entzug.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

Jamie
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Jamie » Sonntag, 14.08.16, 12:23

Hallo Morula :),
diese Frage wird immer wieder thematisiert, leider gibt es keinen allgemeinen Thread dazu.
Vielleicht können wir deinen jetzt benutzen und künftig alle bitten, sich hier zu beteiligen ?
(und nicht in den separat angefangenen Threads).
Ich fände das eine gute Idee.
Hier ist schon mal einer (es geht zwar um Benzos, aber das ist nicht anders als bei AD):
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic ... 16&t=11260

und hier hat jemand bei AD nachgefragt: http://www.adfd.org/austausch/viewtopic ... 18&t=11640

Grüße
Jamie
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Maya » Sonntag, 14.08.16, 12:33

Liebe Morula :hug:

Es tut mir leid, dass du dich nach so vielen Monaten nach null immer noch so rumquälst, deiner Signatur entnehme ich, dass du auch Citalopram abgestetzt hast, jedoch mit Riesensprüngen rauf und runter, natürlich unwissentlich.

Also obwohl ich diese Sprünge nicht in deiner Größenordnung hatte und seit über drei Jahren gaaaaaanz langsam reduziere, bin ich seit drei Jahren arbeitsunfähig.
Ich hatte einen schweren gefährlichen Beruf mit unregelmäßigerm Schichtdienst und bin jetzt nach drei Jahren Dienstunfähigkeit in der Frühpension. Trotzdem geht es mir nicht wirklich besser, aber ein großer Druck ist weg.
Finanziell ist es ein großer Unterschied, weil ich sehr viele Abzüge habe, aber mir ist bewusst, dass es mir damit vergleichsweise doch gut geht.

Vor drei Wochen hatte ich einen kleinen Arbeitsversuch, einen Minijob, wirklich nichts Anstrengendes, aber ich habe es nicht geschafft. Ich konnte mit dem Druck noch nicht umgehen und musste wieder aufhören.

Einige Betroffene hier schreiben, dass die Arbeit ihnen Struktur und Kraft gibt und ihnen gut tut.
Das finde ich toll, dazu gehört dann aber auch eine irgendwie wohltuende Arbeitsatmosphäre.

Andere Betroffene hier haben eine Erwerbsminderungsrente oder anderes Einkommen, damit kenne ich mich leider nicht so gut aus, du bekommst bestimmt noch Antworten.

Ich kann dich soooooo gut verstehen.

Liebe Grüße von

Maya :hug:
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2007- 2013 (Juli) Trimipramin 2-5 Tropfen abends (zwischendurch ca. 12 Monat Sertralin, kein Ausschleichen, auch keine Symptome)
2008-2009 Citalopram 20 mg (Kurzfristig 40 mg) wegen sehr schwieriger persönlicher Situation,
2009-2013 Citalopram 10 mg, 2010 kurzfristig zusätzlich Johnniskraut hochdosiert, bei "Bedarf" zwischendurch 20 mg Citalopram,
zwei gescheiterte Absetzversuche da direkt auf 5 mg

22.07.2013 Citalopram 9,5 mg am dritten Tag Kopfdruck, dumpfes Gefühl, unruhige Beine, innere Leere, Ängstlichkeit
15.08.2013: 9,0 mg, Symptome wie oben
06.09.2013: 8,5 mg, keine Symptome
06.10.2013: 8,0 mg,
03.12.2013: 7,5 mg,
18.02.2014: 7,0 mg,
18.03.2014: 6,5 mg,
02.04.2014: 6,0 mg,
21.04.2014: 5,5 mg.
03.05.2014: 5,0 mg, Kopfschmerzen, fiebrig, Muskel- und Gelenkschmerzen, starkes Krankheitsgefühl,
Übelkeit für zwei Wochen
10.08.2014: 4,5 mg, keine Symptome
26.08.2014: 4,0 mg,
09.09.2014: 3,75 mg,
20.10.2014: 3,25 mg, Unruhe, Mutlosigkeit
26.10.2014: 3,0 mg, Frust, Hoffnungslosigkeit, nach ca. 3 Wochen langsam Besserung, eine Woche darauf sehr depressives Gefühl,
hält noch an :-(, Kopf- und Gelenkschmerzen für weitere 2 Wochen
02.01.2015: 2,5 mg, Eisenmangelanämie, Eisentabletten, B12, Vit D zusätzlich, keine Absetzsymptome
30.01.2015: 2,0 mg, nach 13 Tagen zunehmend depressives Gefühl
nach 4 Wochen langsam Besserung, extreme Nervosität wegen beruflicher Gespräche, Kortisonspritzen, langsame Besserung

15.04.2015: 1,75 mg keine Symptome
12.05.2015: 1,5 mg, nach 7 Tagen depressives Gefühl, "Ziehen" im Kopf, als wenn wirklich ein Stoff fehlt
zwischendurch oft depressives Gefühl, ab Ende Juni besser
11.07.2015: 1,25 mg, keine Symptome
14.08.2015: 1,00 mg, am 6. Tag Beinschmerzen, nach 10 Tagen fiebrig, nach 3 Wochen depressiv, hoffnungslos, Gefühl der Einsamkeit, auch Ende September noch sehr depressives Gefühl, sehr nervös

14.10.2015: 0,9 mg, keine Symptome
12.11.2015: 0,8 mg, nach 5 Tagen minimale Symptome für 3 Tage, nach drei Wochen "Ziehen und Watte im Kopf, depressives Gefühl für 2 Tage
10.12.2015: 0,7 mg, keine Symptome
06.01.2016: 0,6 mg, keine Symptome
04.02.2016: 0,5 mg, zwei grippale Infekte innerhalb 5 Wochen, oft erhöhte Temperatur, körperlich sehr schwach
03.03.2016: 0,4 mg, keine Symptome

31.03.2016: 0,3 mg, nach 5 Tagen Beinschmerzen, Nackenschmerzen, sehr erschöpft, leichtes Fieber für einen Tag. Nach 14 Tagen depressives Gefühl

29.04.2016: 0,2 mg, nach 7 Tagen Unwohlsein ( Wetterumschwung? ), gereizt, überempfindlich, etwas benommen, leicht fiebrig, Muskelschmerzen, starker Durst, traurig, sehr müde, nach 5 Wochen etwas Besserung

15.06.2016: 0,15 mg, nach 5 Tagen leichter Kopfdruck, "Ziehen" im Kopf für zwei Tage, danach besser

20.07.2016: 0, 1 mg, nach 5 Tagen leichter Kopfdruck und leichtes Ziehen im Kopf, etwas matschig, komisches Gefühl im Mund, nach 3 Wochen Kopfschmerzen, leichter Vit.-D-Mangel (23): ab 08.09.16 für zwei Tage 100000 Einheiten, danach wöchentlich 20000 Einheiten Vit. D
14.10.2016: 0, 05 mg Citalopram, drei Wochen Antibiotika wegen starker Blasenentzündung, insgesamt sehr schwach
02.11.2016: 0 mg, Schluss aus vorbei mit AD, bisher keine Symptome :D

4 Monate auf Null, keine Symptome

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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Jamie » Sonntag, 14.08.16, 12:57

Hallo,

zu mir.
Ich konnte / kann nicht mehr arbeiten.
Als ich mich 2013 zu einem Benzoentzug entschloss (ich arbeitete bis Januar 2013 noch Vollzeit), war meine Gesundheit schon so ruiniert von all den Jahren Kampf zuvor, dass ich entschloss: Mit Arzt besprechen - Langzeitkrankmeldung anstreben (18 Monate)- und parallel Entzug machen.
Aus meiner Signatur kann man entnehmen, dass ich seit 15 Jahren kaum noch schlafen kann. Ich konnte am Ende auch mit Benzos kaum noch schlafen, aber ich wusste, wenn ich entziehe, schwingt sich die Insomnie zur Hochform auf und verunmöglicht "gesellschaftsgerechtes Funktionieren" :zombie: :?
Es war auch so.

Der Entzug klappte gut, aber die Schlaflosigkeit (als Traumafolge) blieb. Ich war zwar Medikamenten-frei (bis auf 5 Tropfen Amitriptylin), habe mir aber jede Nacht und die Ohren geschlagen. So kam ich dann nach 18 Monaten Langzeitkrankschreibung in die Aussteuerung (meine ersten Konatakte mit dem Arbeitsamt :vomit: ) und wurde dann zur amtsärztlichen Untersuchung bei der Agentur für Arbeit (AfA) geladen.
Gott sei Dank wollte der Arzt mich gar nicht sehen, nachdem die "Vorarbeiterin" von ihm meinen Fall aufnahm und ihm dann kurz vorlegte, sondern er ließ über diese Dame (Ärztin? Krankenschwester? Sachbearbeiterin? Who the hell was that???) ausrichten, er möchte gleich die Befunde der Neurologen und Psychiater haben ohne mich zu begutachten. Ich hätte dem auch eh nur was vorgeheult und war echt froh, dass er nicht darauf bestanden hat mich zu "sichten" :shock: .

Danach mussten meine Ärzte Fragebögen ausfüllen und Einschätzungen geben (ganz wichtig ist die Angabe, dass man innerhalb der nächsten 6 Monate nicht in der Lage sein wird über 15 std / Woche zu arbeiten) und dies wurde an die AfA geleitet.
Der Arzt stellte dann nach Aktenlage fest, dass ich nicht für den Arbeitsmarkt zu gebaruchen bin und ich wurde aufgefordert bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Erwerbsunfähigkeitsrente (heute nennt man sie Erwerbsminderungsrente) zu beantragen.
Das war ein großer bürokratischer Brocken! Unfassbar, welche Unterlagen man da alles braucht :o .

Ich habe also brav diesen 30 Seiten Bogen ausgefüllt, Unmengen Belege beigefügt und parallel geguckt, dass ich meine Krankengeschichte lückenlos dokumentieren konnte (Atteste, Einschätzungen, Arztbriefe..). Es war wichtig festzuhalten, was ich in den 12 Jahren schon alles an Medikamenten genommen, Therapien gemacht, Anstrengungen unternommen hatte etc. und es kam mir zugute, dass ich immer sehr engagiert war und nach Besserung gesucht habe (das "würdigt" die DRV bei einem entsprechend freundlichem Gutachter schon).
Der Antrag wurde akzeptiert und dann wurde ich zum Gutachtertermin *bibber* geladen. Es war ein Horrortermin für mich und die Gutachterin war völlig gaga, wenn du mich fragst, aber als ich ihr einen Aktenordner vor die Nase legte mit lauter Befunden und ihr sehr ausführlich die Qualen meines Lebens (klingt pathetisch, aber zu dem Zeitpunkt war mein Leben nur der Horror und du wirst wissen, was ich meine, weil ich ähnlich verzweifelt war wie du jetzt) schilderte, da hat sie mich zumindest nicht runtergeputzt. Ich habe nicht übertrieben, ich habe nicht untertrieben, ich war so authentisch wie möglich und habe auch viel weinen müssen.
Sie hat dann gesagt (das ist selten, normalerweise machen die Gutachter keine Andeutungen, wie das Gutachten ausfallen wird), dass sie für mich wahrscheinlich empfehlen wird, mich 2 Jahre (also befristet) zu berenten (Gutachtertermin war Anfang Septmeber) und Mitte November war es dann so weit: Ich bekam den Bescheid der DRV mit befristeter Berentung für 2 Jahre (volle EM-Rente, befristet).

Jetzt im Frühling kam die Aufforderung mich neu begutachten zu lassen, da die Rente ausläuft. Ich musste dazu erneut Arztberichte etc. einreichen und dann hatte ich riiiiiesen Glück (nicht, dass ich eine Weiterberentung nicht "verdient" (sorry, doofes Wort) hätte, sondern weil ich panische Angst vor einem weiteren Gutachter hatte), dass ein Arzt / Gutachter der DRV nach Aktenlage entschied und mich nicht ein zweites Mal vorlud.
Ich bin jetzt lebenslang berentet.
Natürlich habe ich die Option, bei Besserung meines Zustand (man muss mindestens 15 std / Woche arbeitsfähig sein) auch wieder in meinen Beruf zurückzukehren; immerhin bin ich noch jung.
Aber für jetzt - also so, wie es mir momentan geht - ist die Berentung das Beste, was mir passieren konnte. Ich packe es einfach nicht zu funktionieren, ich bin nach wie vor viel zu erschöpft und oft kränklich und mein Schlaf ist nach wie vor spärlich - wenn ich Glück habe mal 5-6 Stunden, sonst nur 3-4 und manchmal auch nur 2 Stunden oder gar keinen.... :(

Die Rente ist (da ich nur 2 Jahre meines Lebens voll gearbeitet habe und den Rest durch Nebenjobs, Honorarbeit bestritten habe) entsprechend niedrig und wird mir durch das Sozialamt (das ist nicht Hartz IV, sondern Sozialhilfe (Hilfe zum Lebensunterhalt)) aufgestockt auf den gängigen (Hartz IV-) Satz von 404 €.
Meine Ersparnisse etc. musste ich alle verbrauchen, Lebensversicherung auflösen etc. Man muss sich leider "nackig" vorm Amt machen.
Miete und Nebenkosten (Wasser, Heizung, Müll etc.) zahlt das Sozialamt in Form von Wohngeld; für den Rest (Essen, Strom, Handy, Internet, Kleidung etc.) muss ich diese 404 Euro verwenden - und ja, es ist verdammt knapp und wenig :cry: .
Wenn meine Familie mich nicht unterstützen würde, könnte ich mir nicht den Tierarzt für meine chronisch kranken Wellensittiche leisten :cry: ...
Es macht mich schon traurig und ich habe viele Existenzsorgen und - Ängste, aber letztlich bin ich froh, endlich keinen Druck mehr zu haben arbeiten / funktionieren zu müssen, dass ich ein Dach über dem Kopf habe und wenn ich krank werde, kann ich zum Arzt. Mein Überleben ist gesichert, aber es ist schon hart. Da wird ein kaputt gegangener Laptop zur Katastrophe... :(

Ich habe mich neulich informiert, wie das mit Dazuverdienen ist. Und bin vor Schreck fast vom Stuhl gefallen. Ich wusste ja, dass es wenig ist, aber das???? Wenn ich mir 100 Euro dazuverdiene, zieht das Sozialamt 70€ davon ein und ich darf nur 30€ behalten! :o
So wird man künstlich und unwiderbringlich in der Armut gehalten. :twisted: Also wenn ich könnte... ich würde gerne mal bei Herrn Gabriel oder Frau Merkel vorsprechen und diese auf diese himmelschreiende Ungerechtigkeit hinweisen. Ich finde es schon ziemlich übel, wenn einen das Leben durch Krankheit zeichnet, aber dass man dann auch noch so kirchenmausarm leben muss, das finde ich sehr schlimm und da rebelliert mein Gerechtigkeitsgefühl...

Puuuh... das war jetzt sehr lange. Ich hoffe aber, ich konnte dir mal einen Einblick geben.
Ich möchte nochmal erwähnen, dass ich dankbar bin berentet zu sein. Die Leute mögen denken, was sie wollen - die, die mich kennen, wissen, welch einen Jahrzehnte-langen Kampf ich hinter mir habe und dass das meine Rettung war. [jetzt muss ich etwas weinen] :cry:

Namaste - das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir -
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von LinLina » Sonntag, 14.08.16, 13:22

Liebe Morula :-)

Ich bekomme zur Zeit Grundsicherung vom Sozialamt, vorher Hartz 4 aber nach einer Weile wird man "ausgesteuert" wenn man lange nicht Arbeitsfähig ist. Da ich sowieso kein Vermögen oder ähnliches hatte, und vorher auch eher nur gering verdient habe nach dem Studium /voher Bafög bekam, ist es keine völlig ungewohnte Einschränkung, aber natürlich sehr sehr wenig Geld.

Es ist auch wichtig, mit wem man zusammen lebt - wenn du in einer Beziehung lebst und ihr zusammen wohnt, seid ihr eine "Bedarfsgemeinschaft" und es wird auch Verdienst und Vermögen deines Partners/Partnerin angerechnet (jedenfalls für Hartz 4 und/oder Grundsicherung)

Wenn deine Eltern noch leben bzw. erreichbar sind, dann werden evtl. auch die Eltern überprüft, ob sie für dich aufkommen können (in meinem Fall war das so). Bei Berentung ist es wahrscheinlich nicht der Fall, schätze ich - aber sobald du etwas vom Sozialamt bekommst, glaube ich schon.

Ich bin derzeit seit letztem Sommer für 3 Jahre arbeitsunfähig eingestuft, irgendwann wird mal eine Überprüfung kommen. Ich hatte auch große Angst vor der Begutachtung, aber mein Gutachter sagte nach meiner Geschichte und meinen Symptomen wäre das überhaupt kein Problem, und hat mir auch gleich gesagt dass er AU für 3 Jahre aufschreibt - er meinte es kann einige - viele Jahre dauern um sich von so einem Trauma zu erholen.

Ich war sehr überrascht, da ich auch eher schlechte Erfahrungen mit diesen Gutachtern hatte.

Für mich war es eine große Erleichterung, da ich wenigstens diesen Druck erstmal weg hatte, funktionieren zu müssen bzw. immer wieder beweisen zu müssen, dass es mir (immer) noch nicht besser geht.

Ich freue mich, wenn ich irgendwann möglicherweise wieder Geld verdienen kann in meinem Beruf, falls nicht, wird das auch keine absolute Katastrophe sein, ich kann mich auch anderweitig nützlich machen und ein erfülltes Leben leben.

Ich würde an deiner Stelle mir Unterstützung durch eine Sozialberatung suchen, die gibt es in jeder Stadt. Ich hatte großes Glück beim sozialpsychiatrischen Dienst, der Mitarbeiter dort hat sich persönlich für mich eingesetzt und mich sogar bei einigen Terminen begleitet.

Es ist denke ich besser, erstmal bei einer unabhängigen Stelle deine Möglichkeiten zu besprechen. Beim Arbeitsamt/Sozialamt/Hartz4amt wird man nicht immer kompetent und respektvoll beraten.

Liebe Grüße
Lina
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Maya » Sonntag, 14.08.16, 13:48

Hallo zusammen, den Vorschlag von Lina :) mit der unabhängigen Stelle zum Informieren finde ich sehr gut.

Die Zeiten der Krankschreibung sehen von außen wie Urlaub aus, sind aber sehr anstrengend.
Ich war ständig beschäftigt mit Gutachterterminen, Amtsärzten, Krankschreibung verlängern und habe jede angebotene Therapie mitgemacht, ambulant und stationär.
Das einzig "Positive" an den Medikamenten war bei mir, dass sowas auch im Gutachten sich gut ausmacht.
In knapp zwei Jahren muss ich wohl auch wieder zum Gutachter, aber dann ohne Medikamente oder irgendwelchen Therapien, die ich nachweisen kann.

Liebe Morula, es ist ein anstrengender Weg, aber du schreibst, du KANNST nicht mehr.
Und wenn du nicht mehr kannst, dann ist das so.

Vielleicht brauchst du "einfach" zum Beispiel fünf Jahre Ruhe.
Ist es ein Unterschied in der Versorgung, ob man Hartz 4 bekommt oder Rente, die dann aufgestockt wird eventuell oder "Grundversorgung"?
Leider kenne ich mich mit diesen Feinheiten nicht aus.

Liebe Grüße von

Maya :group:
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2009-2013 Citalopram 10 mg, 2010 kurzfristig zusätzlich Johnniskraut hochdosiert, bei "Bedarf" zwischendurch 20 mg Citalopram,
zwei gescheiterte Absetzversuche da direkt auf 5 mg

22.07.2013 Citalopram 9,5 mg am dritten Tag Kopfdruck, dumpfes Gefühl, unruhige Beine, innere Leere, Ängstlichkeit
15.08.2013: 9,0 mg, Symptome wie oben
06.09.2013: 8,5 mg, keine Symptome
06.10.2013: 8,0 mg,
03.12.2013: 7,5 mg,
18.02.2014: 7,0 mg,
18.03.2014: 6,5 mg,
02.04.2014: 6,0 mg,
21.04.2014: 5,5 mg.
03.05.2014: 5,0 mg, Kopfschmerzen, fiebrig, Muskel- und Gelenkschmerzen, starkes Krankheitsgefühl,
Übelkeit für zwei Wochen
10.08.2014: 4,5 mg, keine Symptome
26.08.2014: 4,0 mg,
09.09.2014: 3,75 mg,
20.10.2014: 3,25 mg, Unruhe, Mutlosigkeit
26.10.2014: 3,0 mg, Frust, Hoffnungslosigkeit, nach ca. 3 Wochen langsam Besserung, eine Woche darauf sehr depressives Gefühl,
hält noch an :-(, Kopf- und Gelenkschmerzen für weitere 2 Wochen
02.01.2015: 2,5 mg, Eisenmangelanämie, Eisentabletten, B12, Vit D zusätzlich, keine Absetzsymptome
30.01.2015: 2,0 mg, nach 13 Tagen zunehmend depressives Gefühl
nach 4 Wochen langsam Besserung, extreme Nervosität wegen beruflicher Gespräche, Kortisonspritzen, langsame Besserung

15.04.2015: 1,75 mg keine Symptome
12.05.2015: 1,5 mg, nach 7 Tagen depressives Gefühl, "Ziehen" im Kopf, als wenn wirklich ein Stoff fehlt
zwischendurch oft depressives Gefühl, ab Ende Juni besser
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14.10.2015: 0,9 mg, keine Symptome
12.11.2015: 0,8 mg, nach 5 Tagen minimale Symptome für 3 Tage, nach drei Wochen "Ziehen und Watte im Kopf, depressives Gefühl für 2 Tage
10.12.2015: 0,7 mg, keine Symptome
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31.03.2016: 0,3 mg, nach 5 Tagen Beinschmerzen, Nackenschmerzen, sehr erschöpft, leichtes Fieber für einen Tag. Nach 14 Tagen depressives Gefühl

29.04.2016: 0,2 mg, nach 7 Tagen Unwohlsein ( Wetterumschwung? ), gereizt, überempfindlich, etwas benommen, leicht fiebrig, Muskelschmerzen, starker Durst, traurig, sehr müde, nach 5 Wochen etwas Besserung

15.06.2016: 0,15 mg, nach 5 Tagen leichter Kopfdruck, "Ziehen" im Kopf für zwei Tage, danach besser

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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Arianrhod » Sonntag, 14.08.16, 17:01

Hallo , alle zusammen,
ich bekam erst 18 Monate Krankengeld und wurde dann ausgesteuert. In dem Moment gab es ein Problem: Mein Mann bekam Hartz IV und ich - ich war nicht arbeitsfähig. Also bekam ich zunächst mal - nichts. Bedeutete, ich musste mit mit dem Hartz IV von meinem Mann und meiner Tochter leben. also DREI Personen mit ZWEIMAL HartzIV......
Da ging es mir schlecht und ich hatte voll die Existenzängste.
Ich stellte einen Antrag auf Reha, das Gutachten meines Psychiaters war so vernichtend, dass sie abgelehnt und in einen Antrag auf Rente umgewandelt wurde. Die bekam ich dann ohne große Probleme.
Ich bin also seit 2008 frühberentet.

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Jamie » Sonntag, 14.08.16, 18:19

Hallo,
Es ist denke ich besser, erstmal bei einer unabhängigen Stelle deine Möglichkeiten zu besprechen. Beim Arbeitsamt/Sozialamt/Hartz4amt wird man nicht immer kompetent und respektvoll beraten.
hier wäre eine Mitgliedschaft beim VdK in Betracht zu ziehen.

Ich kann auch dieses Forum sehr empfehlen, Rubrik Gesundheit, Rente, Schwerbehinderung: www.elo-forum.org

Grüße
Jamie
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von MorulaMyomatosus » Sonntag, 14.08.16, 18:43

Hallo ihr lieben,

Danke für eure offenen Worte. Eure Geschichten gehen mir sehr, sehr nah :(
Auch ich musste beim lesen die ein oder andere Träne verdrücken.
Ich habe vor dem Gedanken der "Berentung" eine unglaubliche Angst. Bitte versteht mich nicht falsch. Das ist überhaupt nicht böse gemeint. Aber ich bin 28, habe mein ganzes Leben darauf ausgerichtet Hebamme zu werden, bin jetzt gute 1,5 freiberuflich und spüre einfach, dass ich nicht kann. Aber ich würde so gerne. Ich mag meine Arbeit. Vielleicht sind diese Gedanken ja "nur" Teil meiner momentanen Welle und verschwinden wieder, wenn die Welle vorbei geht?! Aber es fühlt sich leider nicht so an. Es fühlt sich tatsächlich so an, als ginge arbeiten nicht mehr und das ist für mich so schrecklich, dass ich keine Worte dafür finde.
Wenn ich an die Berentung denke wird mir wirklich anders. Erstens weil das einfach so ein großer Akt ist und ich seit jahren nicht mehr beim Arzt war. Ich wüsste also gar nicht wie ich das angehe. Und zweitens bedeutet das für mich einfach den Rückschritt meines Lebens, als wäre mit der Rente meine Geschichte geschrieben. Das fühlt sich so endgültig an und ich kriege nicht in meinem Kopf rein, dass mir das, nach über 2 Jahren im Entzug, bevorstehen könnte. Ich meine das wirklich nicht böse. Gar nicht. Das müsst ihr mir glauben.
Jedenfalls versuche ich mich jetzt davon zu distanzieren und eine bewusste Auszeit zu nehmen. Und dann schaue ich weiter. Im Moment bin ich so voller Panik, was das Thema betrifft, dass ich nicht klar denken kann. Ich werde sofort mit schlimmen Gefühlen überflutet. Ich hätte im Leben niemals damit gerechnet, dass mir das nach der Zeit passiert :cry: :cry:

Ich weiß gar nicht mehr was ich sagen soll..
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

Liebe Grüße

Morula
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Diagnose „Panikstörung“.
Erste Einnahme von Citalopram 20 mg.
Wegen Schlafstörungen Zopiclon 7,5 mg über ein halbes Jahr.
Zopiclon selbstständig innerhalb von 8 Wochen ausgeschlichen. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Tiefenpsychologische Therapie über 2,5 Jahre.

Anfang/Mitte 2010
Citalopram nur noch unregelmäßig genommen, dann eigenständig kalt abgesetzt, da ich dachte ich wäre über den Berg.

Ende 2010
Nach einigen Monaten auf 0 mg setzt, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptom: Extreme Suizidgedanken. Ich wusste allerdings nichts von einem Entzug!
Neue Diagnose: „Autoaggressive Zwangsgedanken“ und "mittelschwere bis schwere Depression".
Zweite Einnahme von Citalopram 30 mg und begleitend Lorazepam 1,5 mg
Lorazepam nach ca. 3 Wochen abgesetzt. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Citalopram wirkt nach 3 Wochen wieder, die Suizidgedanken und alle anderen Symptome sind weg.
Verhaltenstherapie über 3 Jahre.

Ende 2013
Citalopram wieder unregelmäßig genommen, dann wieder eigenständig und kalt abgesetzt, da ich einigermaßen symptomfrei war.

Mai 2014
Nach ca. 5 Monaten auf 0 mg setzt wieder, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptome: Schreckliche Suizidgedanken, Gedanken an Fremdgefährdung, völlige Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust.
Auch hier wieder keinen Zusammenhang erkannt, deshalb Wiedereindosierung von Citalopram 40 mg, dazu Lorazepam 1,5 mg.
Lorazepam nach ca. 8 Wochen, ohne erkennbare Probleme, abgesetzt.
Auch nach wochenlanger Einnahme zeigt das Citalopram diesmal keinerlei Wirkung. Es wurde immer schlimmer.
Ich beschäftigte mich langsam mit der Problematik der Psychopharmaka.

Juli 2014
Stationärer Aufenthalt und kurze Umstellung auf Escitalopram. Auch dann kein Wirkeintritt und keine Besserung.
Viel zu schnelles und deshalb unbewusst kaltes Absetzen des Escitalopram innerhalb von 2 Wochen, unter ärtztlicher Begleitung in der Klinik.
Letzte C*pralex am 14.07.2014, seitdem im protrahierten Entzug!
Erst nach der letzen Tablette habe ich langsam verstanden was da eigentlich passiert ist und einen klaren Zusammenhang zu der SSRI-Einnahme erkannt.

Ende August/Anfang September 2014
Es stellen sich die typischen Wellen & Fenster ein.

Update Oktober 2015
Ich bin immer noch im protrahierten Entzug. Es ist extrem wechselhaft und betrifft besonders die Emotionen.

Update April 2016
Seit der letzten Tablette sind nun 21 Monate vergangen. Leider halten die Symptome immer noch an. Seit ca. Jahresbeginn wechseln sich die Wellen und Fenster fast täglich, häufig auch stündlich bis minütlich, ab. Das ist alles extrem anstrengend. Tja... Weiter geht's :schnecke:

Update Mai 2017
34 Monate nach Null. Immer noch im protrahierten Entzug.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von LinLina » Sonntag, 14.08.16, 18:59

Liebe Morula

lass dich mal :hug:

Ja, das ist nicht leicht :cry: eine berentung hört sich auch gleich so endgültig an, aber das ist es ja nicht.

Schrittchen für Schrittchen würde ich sagen, erstmal eine Auszeit hört sich doch gut an.

Ich würde mir wirklich, sobald du dich dafür bereit fühlst, jemanden suchen der sich mit dem ganzen Behördenkrams gut auskennt, und mit dir Möglichkeiten ausloten kann, wie du in der nächsten Zeit Unterstützung bekommst und so der ganze Druck erstmal weg ist.

Vielleicht kannst du es als Teil deines Heilungsweges irgendwann annehmen :hug: . Wer weiß, was gutes daraus erwächst?

Für mich war diese Entscheidung auch schwer, ich hatte schon eine Doktorandenstelle im Ausland - ich wollte es so gerne machen, es war ein schönes Thema und überhaupt wollte ich so gern dorthin.

Aber es ging nunmal nicht :cry: Mein Körper, meine Vernunft haben nein gesagt, und im inneren habe ich es auch gefühlt - es ist nicht der richtige Zeitpunkt, das schaffe ich nicht.

Bisher ging es aber immer weiter, wenn ich kapitulieren musste, und meist hat sich dann nach einer Weile ein Weg aufgezeigt (auch wenn es gedauert hat) der für mich gut und erfüllender war, als das was ich ursprünglich machen wollte.

Ich hatte große Angst, vor dem Schritt zum Sozialamt zu gehen - ich hatte das Gefühl, jetzt bin ich endgültig abgestürzt oder sowas. Aber im Nachhinein habe ich einfach nur Angst vor dem Wort "Sozialfall" gehabt, verschlechtert hat sich nichts dadurch, sondern ich war so unendlich erleichtert nachdem das durch war dass es mir zumindest psychisch einiges besser ging.

Immer dieses hin- und her - gehts vielleicht doch wieder, kann ich bald wieder arbeiten, oder nicht - das ist sehr anstrengend finde ich.

Liebe Grüße,
Lina
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von MorulaMyomatosus » Sonntag, 14.08.16, 20:08

Liebe Lina,

Danke für deine Antwort. Du hast wahrscheinlich recht. Die Rente wäre ja nicht unbedingt für immer, oder? Vielleicht kann ich irgendwann wieder in meinem Job arbeiten. Das mit der Beratungsstelle ist eine gute Idee. Ich danke euch. Habt ihr eine Idee wie ich am besten vorgehe? Soll ich denen sagen, dass ich im Entzug bin? Das glaubt mir doch eh keiner. Mit meiner "Grunderkrankung" habe ich nichts mehr zu tun. Die ist quasi weg seit ich in diesem Entzug stecke. Der Tausch war aber leider kein Guter!! Ich weiß halt nicht was ich denen sagen soll. Die Wahrheit wäre mir am liebsten, aber ich fürchte, dass da keiner ne Ahnung hat von dem ganzen Entzugsthema.
Ich habe auch furchtbare Angst, dass mir da irgendein Mitarbeiter nahelegt in eine Klinik zu gehen, oder wieder Medikamente zu nehmen. Zwingen können die mich ja nicht, oder?

LG und ich drück dich zurück :hug:

Morula
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Citalopram nur noch unregelmäßig genommen, dann eigenständig kalt abgesetzt, da ich dachte ich wäre über den Berg.

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Citalopram wirkt nach 3 Wochen wieder, die Suizidgedanken und alle anderen Symptome sind weg.
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Ende 2013
Citalopram wieder unregelmäßig genommen, dann wieder eigenständig und kalt abgesetzt, da ich einigermaßen symptomfrei war.

Mai 2014
Nach ca. 5 Monaten auf 0 mg setzt wieder, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptome: Schreckliche Suizidgedanken, Gedanken an Fremdgefährdung, völlige Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust.
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Lorazepam nach ca. 8 Wochen, ohne erkennbare Probleme, abgesetzt.
Auch nach wochenlanger Einnahme zeigt das Citalopram diesmal keinerlei Wirkung. Es wurde immer schlimmer.
Ich beschäftigte mich langsam mit der Problematik der Psychopharmaka.

Juli 2014
Stationärer Aufenthalt und kurze Umstellung auf Escitalopram. Auch dann kein Wirkeintritt und keine Besserung.
Viel zu schnelles und deshalb unbewusst kaltes Absetzen des Escitalopram innerhalb von 2 Wochen, unter ärtztlicher Begleitung in der Klinik.
Letzte C*pralex am 14.07.2014, seitdem im protrahierten Entzug!
Erst nach der letzen Tablette habe ich langsam verstanden was da eigentlich passiert ist und einen klaren Zusammenhang zu der SSRI-Einnahme erkannt.

Ende August/Anfang September 2014
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Update Oktober 2015
Ich bin immer noch im protrahierten Entzug. Es ist extrem wechselhaft und betrifft besonders die Emotionen.

Update April 2016
Seit der letzten Tablette sind nun 21 Monate vergangen. Leider halten die Symptome immer noch an. Seit ca. Jahresbeginn wechseln sich die Wellen und Fenster fast täglich, häufig auch stündlich bis minütlich, ab. Das ist alles extrem anstrengend. Tja... Weiter geht's :schnecke:

Update Mai 2017
34 Monate nach Null. Immer noch im protrahierten Entzug.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von LinLina » Sonntag, 14.08.16, 21:54

Liebe Morula,

nein, meines Wissens wäre die Rente auch nicht für immer, sondern du könntest wieder in deinen Beruf zurück wenn es dir besser geht.

Dass du schon so lange nicht bei einem Arzt warst, macht es natürlich ein wenig verzwickter, aber ich denke der erste Schritt wäre wirklich zu schauen was du überhaupt in deiner Situation beantragen kannst und was nicht.

Wenn du in einem entsprechenden Forum oder bei einer unabhängigen Person nachfragst, ist es erstmal nicht so wichtig aus welchem Grund du voraussichtlich längere Zeit arbeitsunfähig bist, es geht erstmal darum auszuloten welche Wege möglich sind. Auch wenn sie dir nicht glauben wegen dem Entzug, ist das erstmal unerheblich du brauchst ja nur die Information was du wegen deiner Arbeitsunfähigkeit tun kannst, an welche Behörde du dich wenden sollst, ob du überhaupt was bekommen würdest usw.

Falls die Frage trotzdem aufkommt, würde ich dort z.b. erstmal sagen, dass du schon seit Jahren unter sehr starken Erschöpfungszuständen und Panik leidest und du schon einiges versucht hast (Therapie, Klinik, Medikamente...) es aber nicht in absehbarer Zeit besser zu werden scheint sondern eher schlechter und du nun erstmal abklären möchtest welche Möglichkeiten du hättest wenn sich bestätigt dass du weiterhin nicht arbeiten kannst.

Ich weiß, es ist immer doof etwas zu sagen was man für sich selbst gar nicht so empfindet, aber um Unterstützung zu bekommen ist das oft besser.

Danach wäre das allerwichtigste ein Arzt/eine Ärztin wo du Unterstützung bekommst, falls du dann einen Antrag stellen möchtest. Das wäre dann der schwierigere Teil wahrscheinlich :-( haben wir schonmal nachgeschaut, ob ein Arzt von unserer Ärzteliste bei dir in der Nähe ist? Falls nicht, könntest du mir eine PN schicken mit deiner PLZ dann schau ich mal nach.

Bei mir ist es so, dass ich zum Glück eine PTBS Diagnose von meiner Psychiaterin habe, und das reicht für die längere Arbeitsunfähigkeit aus. Bei meiner Begutachtung habe ich auch nichts wegen Entzug erwähnt, sondern nur die Diagnose gesagt und meine (Entzugs-)Symptome realistisch beschrieben. Dadurch habe ich nicht gelogen, aber halt einfach nicht meine Interpretation/mein Wissen der Ursache präsentiert, sondern den Arzt die Schlüsse ziehen lassen, das machen sie meistens sowieso am liebsten :P Also hat der Arzt die schlimmen Symptome als immer noch starke PTBS eingeordnet, und die Sache war erledigt (auch wenn ich gar nicht mehr schlimme PTBS habe, höchstens ganz leichte, aber dafür starken Entzug, aber egal, in diesem Fall war es wichtiger dass ich die AU bestätigt bekomme)

Ich würde aber wirklich einen Schritt nach dem anderen gehen, Gedanken kann man sich viele machen, aber die meisten sind oft umsonst weil vielleicht gar nicht der Fall eintritt. Erstmal schauen, was du überhaupt für Möglichkeiten hast, und dann sehen was es braucht damit du diese Unterstützung auch bekommst.

Liebe Grüße :hug:

Lina
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Arianrhod » Montag, 15.08.16, 13:08

Hallo Merula,
LinLina hat geschrieben:Ja, das ist nicht leicht :cry: eine berentung hört sich auch gleich so endgültig an, aber das ist es ja nicht.
Richtig. Du kannst jederzeit und zu jeder Stunde wieder anfangen, zu arbeiten - dann ist die Rente weg. Auch übrigens, wenn dir eine Reha bewilligt wird ( was der Grund ist, dass ichnicht nochmal eine Reha beantragt habe, denn meine Rente ist höher als Alg2 ).
Du kannst die Rente sozusagen ganz flex benutzen. Dass du sie unbefristet kriegst war eh in meinem Fall eine Ausnahme, NORMALERWEISE wird erstmal auf 1 bzw 2 Jahre befristet. Also es ist keine Sackgasse, es ist eine Pause. Du musst es auch deinem Arbeitgeber, wenn du dich bewirbst, nicht sagen.

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Clarissa » Montag, 15.08.16, 13:23

Hallo, Morula,

ich habe mir bei meiner Berentung wieder meine "alte Diagnose" aufdrücken lassen, obwohl das nicht korrekt war.
Von Entzugs- oder Absetzsyndrom hätte keiner was wissen wollen.
Aber ein Gutteil der Symptome stimmen ja überein.
Es war mir egal. Hauptsache, es wurde anerkannt und zugebilligt, daß ich zu einer Erwerbstätigkeit nicht mehr in der Lage bin.

VG und viel Erfolg.

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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Jamie » Montag, 15.08.16, 14:28

Hallo Morula,

bevor wir dich auf eine Berentung "anfixen", muss ich ganz dringend etwas loswerden.
Ich weiß nicht, ob bei einer selbständigen Tätigkeit überhaupt die Rentenversicherung für dich zuständig ist.
Man muss Beiträge geleistet haben.
Außerdem muss man irgendwie 5 beitragspflichtige Jahre zusammenbekommen, ehe man die Rente beantragen darf.
Ich bin mir nicht sicher, ob das bei dir alles überhaupt zutrifft.

Du solltest dich dringend im kostenlosen elo Forum anmelden (Link gab ich dir oben) und da mal nachfragen - die sind teilweise ziemlich fit und können erste Tipps geben, wie es weitergehen könnte.
Der Sozialverband VdK http://www.vdk.de/deutschland/ wäre auch eine Anlaufstelle.

Dass du so lange nicht beim Arzt warst, das habe ich nicht gewusst :( . Ich bin ehrlich - das wird jetzt nicht einfach werden.
Ich kann es sowas von verstehen, dass du in deinem Zustand weder willst noch kannst und dass du ihnen am liebsten ins Gesicht springen willst, zumal sie unsere Problematik nicht ernst nehmen und uns vielleicht auch noch verhöhnen, als gaga abtun oder sonstwie auflaufen lassen, aber ohne ärztliche Begleitung wird es nicht gehen.
Niemand im Staat wird dir einfach so Transferleistungen ermöglichen, wenn du nicht eine dokumentierte und durch Atteste festgestellte Krankengeschichte hast. Das Schlechteste, was dir passieren kann ist, dass du in ALG II / Hartz IV als arbeitsfähig eingestuft wirst (obwohl du es nicht bist), dich dagegen mit Krankmeldungen zu wehren versuchst und das Jobcenter parallel versucht Druck auf dich auszuüben (gesund zu werden / wieder eine Tätigkeit anzunehmen).
Das solltest du unbedingt umgehen und das geht nur mit ärztlicher Kooperation.

Morula, das ist eine schwere Situation, aber nicht auswegslos.
Du schreibst, du hast einen Partner, der dich unterstützt. Kannst du ihn und ggf. enge Freunde / Familie aktivieren, dich bei all diesen Behörden- und Arztgängen zu unterstützen und die dich auffangen oder dir ggf. auch mal was abnehmen oder etwas für dich recherchieren können?

:group: Drücker
Jamie
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von MorulaMyomatosus » Montag, 15.08.16, 18:18

Hallo ihr Lieben,

ich bin schon mal froh zu wissen, dass diese Rente nichts endgültiges ist. Falls es so weit kommt.

Zu dir, liebe Jamie: Nachdem ich 2014 in der Klinik war konnte ich nicht mehr zu meinem Psychiater. Ich würde da, für 100000000 €, auch nicht mehr hingehen. Ich könnte mich nicht zurück halten, das weiß ich. Und deshalb würde mir nichts anderes übrig bleiben als mir einen neuen Arzt zu suchen und dem meine Geschichte zu erzählen. Was die Rentenversicherung betrifft.. Ich bin, als Hebamme, verpflichtet in die DRK einzuzahlen. Genau so wie Seemänner :o (klingt lustig, ist aber so). Jedenfalls konnte ich als Existenzgründer, für die ersten (ich glaube) 3 Jahre weniger einzahlen und das habe ich auch gemacht. Vor der Selbstständigkeit (Beginn Dezember 2014) war ich von Mai 2014 bis zur Selbstständigkeit arbeitslos gemeldet. Davor habe ich einen Monat angestellt gearbeitet und daaaaavor war ich 3 Jahre in der Ausbildung. Ich kann also nur hoffen, dass die Ausbildungszeit und die 2 Jahre Selbstständigkeit (trotz dem geringeren Beitrag) anerkannt werden. Aber wie auch immer: Ich melde mich mal in dem Forum an. Lieben Dank noch mal für den Link.

Ich grüße euch ganz herzlichst.

Morula
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Anfang/Mitte 2010
Citalopram nur noch unregelmäßig genommen, dann eigenständig kalt abgesetzt, da ich dachte ich wäre über den Berg.

Ende 2010
Nach einigen Monaten auf 0 mg setzt, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptom: Extreme Suizidgedanken. Ich wusste allerdings nichts von einem Entzug!
Neue Diagnose: „Autoaggressive Zwangsgedanken“ und "mittelschwere bis schwere Depression".
Zweite Einnahme von Citalopram 30 mg und begleitend Lorazepam 1,5 mg
Lorazepam nach ca. 3 Wochen abgesetzt. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Citalopram wirkt nach 3 Wochen wieder, die Suizidgedanken und alle anderen Symptome sind weg.
Verhaltenstherapie über 3 Jahre.

Ende 2013
Citalopram wieder unregelmäßig genommen, dann wieder eigenständig und kalt abgesetzt, da ich einigermaßen symptomfrei war.

Mai 2014
Nach ca. 5 Monaten auf 0 mg setzt wieder, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptome: Schreckliche Suizidgedanken, Gedanken an Fremdgefährdung, völlige Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust.
Auch hier wieder keinen Zusammenhang erkannt, deshalb Wiedereindosierung von Citalopram 40 mg, dazu Lorazepam 1,5 mg.
Lorazepam nach ca. 8 Wochen, ohne erkennbare Probleme, abgesetzt.
Auch nach wochenlanger Einnahme zeigt das Citalopram diesmal keinerlei Wirkung. Es wurde immer schlimmer.
Ich beschäftigte mich langsam mit der Problematik der Psychopharmaka.

Juli 2014
Stationärer Aufenthalt und kurze Umstellung auf Escitalopram. Auch dann kein Wirkeintritt und keine Besserung.
Viel zu schnelles und deshalb unbewusst kaltes Absetzen des Escitalopram innerhalb von 2 Wochen, unter ärtztlicher Begleitung in der Klinik.
Letzte C*pralex am 14.07.2014, seitdem im protrahierten Entzug!
Erst nach der letzen Tablette habe ich langsam verstanden was da eigentlich passiert ist und einen klaren Zusammenhang zu der SSRI-Einnahme erkannt.

Ende August/Anfang September 2014
Es stellen sich die typischen Wellen & Fenster ein.

Update Oktober 2015
Ich bin immer noch im protrahierten Entzug. Es ist extrem wechselhaft und betrifft besonders die Emotionen.

Update April 2016
Seit der letzten Tablette sind nun 21 Monate vergangen. Leider halten die Symptome immer noch an. Seit ca. Jahresbeginn wechseln sich die Wellen und Fenster fast täglich, häufig auch stündlich bis minütlich, ab. Das ist alles extrem anstrengend. Tja... Weiter geht's :schnecke:

Update Mai 2017
34 Monate nach Null. Immer noch im protrahierten Entzug.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von MorulaMyomatosus » Montag, 15.08.16, 18:21

Achso P.S.: Ich habe super Unterstützung durch meinen Freund und meine Familie. Das ist also, Gott sei Dank, gar kein Problem.

Was ich noch fragen wollte... Bis wann muss ich denn bei nem Arzt vorstellig werden? Gibt es da irgendwelche Fristen?


LG
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Tiefenpsychologische Therapie über 2,5 Jahre.

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Citalopram nur noch unregelmäßig genommen, dann eigenständig kalt abgesetzt, da ich dachte ich wäre über den Berg.

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Nach einigen Monaten auf 0 mg setzt, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptom: Extreme Suizidgedanken. Ich wusste allerdings nichts von einem Entzug!
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Lorazepam nach ca. 3 Wochen abgesetzt. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
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Nach ca. 5 Monaten auf 0 mg setzt wieder, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptome: Schreckliche Suizidgedanken, Gedanken an Fremdgefährdung, völlige Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust.
Auch hier wieder keinen Zusammenhang erkannt, deshalb Wiedereindosierung von Citalopram 40 mg, dazu Lorazepam 1,5 mg.
Lorazepam nach ca. 8 Wochen, ohne erkennbare Probleme, abgesetzt.
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Monalinde » Montag, 15.08.16, 20:31

Hallo Morula,

und wenn du beruflich kürzer treten würdest, d.h. in Teilzeit arbeiten? Meinst du, dass das machbar wäre? Vielleicht nur ein Versuch? Wenn es nicht klappt, dann hast du immer noch die Option der Berentung, wobei das ganz bestimmt auch nicht einfach sein wird. Vielleicht könnte dir das etwas Druck nehmen, wenn du dich nicht so sehr gefordert fühlen musst.
Ob das in deinem Beruf machbar ist, kann ich allerdings nicht einschätzen. Ich bin auf die Idee gekommen, weil du geschrieben hast, dass du sehr gern in deinem Beruf arbeitest.


Auf keinen Fall kann es schaden, wenn du dich zuvor über alle Eventualitäten schlau machst, und es ist gut, dass du Unterstützung hast.

Ich drück dir mal ganz fest die Daumen, dass alles gut wird

Mona

Einen Arzt aufsuchen und die Lage sondieren könnte ebenfalls von Vorteil sein.
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2005 bis 2010 Einnahme von Remergil 7,5 mg und Trevilor bis zu 37,5 mg, ich habe in diesem Rahmen manchmal erhöht und reduziert
2010 bis 2012 Trevilor 37,5 mg ausschließlich,
Dezember 2012 auf Null abgesetzt, ausschleichend alle drei Wochen 10 Prozent der ursprünglichen Dosis

Diagnose: Depression und Angststörung

Seit Dezembe 2012 im protahierten Entzug.

Zahlreiche körperliche Symptome:
(Tinnitus , Speiseröhrenentzündung, Reflux, Schleim im Hals, saures Aufstoßen, Albträume, Durchschlafstörungen, Erschöpfungszustände, Stimmungsschwankungen, Hautausschläge, Angstzustände, Gelenkschmerzen, Schwindel))


2016: Nebenhöhlenentzündung, Schleim im Hals, Stimmungsschwankungen bzw. Neuroemotionen, Tinnitus, noch
leichte Schlafstörungen, lebhafte Träume, die wahrscheinlich meinen Tinnitus triggern, aber keine Albträume
mehr, Schüttelfrost

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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von MorulaMyomatosus » Montag, 15.08.16, 20:57

Hallo Mona,

Danke für deine Antwort. Ich habe bereits das gesamte Jahr so wenig wie möglich gearbeitet. Das Maximum waren 3, selten 4 Stunden pro Tag. Noch weniger kann ich nicht arbeiten. Um ehrlich zu sein kann ich gerade gar nicht arbeiten. Ich werde mal schauen, ob ich mir einen Termin bei einem Psychiater geben lasse. Dazu muss ich mir allerdings eine "Story" überlegen UND meine Angst überwinden.

LG

Morula
Irgendwann 2007
Diagnose „Panikstörung“.
Erste Einnahme von Citalopram 20 mg.
Wegen Schlafstörungen Zopiclon 7,5 mg über ein halbes Jahr.
Zopiclon selbstständig innerhalb von 8 Wochen ausgeschlichen. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Tiefenpsychologische Therapie über 2,5 Jahre.

Anfang/Mitte 2010
Citalopram nur noch unregelmäßig genommen, dann eigenständig kalt abgesetzt, da ich dachte ich wäre über den Berg.

Ende 2010
Nach einigen Monaten auf 0 mg setzt, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptom: Extreme Suizidgedanken. Ich wusste allerdings nichts von einem Entzug!
Neue Diagnose: „Autoaggressive Zwangsgedanken“ und "mittelschwere bis schwere Depression".
Zweite Einnahme von Citalopram 30 mg und begleitend Lorazepam 1,5 mg
Lorazepam nach ca. 3 Wochen abgesetzt. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Citalopram wirkt nach 3 Wochen wieder, die Suizidgedanken und alle anderen Symptome sind weg.
Verhaltenstherapie über 3 Jahre.

Ende 2013
Citalopram wieder unregelmäßig genommen, dann wieder eigenständig und kalt abgesetzt, da ich einigermaßen symptomfrei war.

Mai 2014
Nach ca. 5 Monaten auf 0 mg setzt wieder, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptome: Schreckliche Suizidgedanken, Gedanken an Fremdgefährdung, völlige Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust.
Auch hier wieder keinen Zusammenhang erkannt, deshalb Wiedereindosierung von Citalopram 40 mg, dazu Lorazepam 1,5 mg.
Lorazepam nach ca. 8 Wochen, ohne erkennbare Probleme, abgesetzt.
Auch nach wochenlanger Einnahme zeigt das Citalopram diesmal keinerlei Wirkung. Es wurde immer schlimmer.
Ich beschäftigte mich langsam mit der Problematik der Psychopharmaka.

Juli 2014
Stationärer Aufenthalt und kurze Umstellung auf Escitalopram. Auch dann kein Wirkeintritt und keine Besserung.
Viel zu schnelles und deshalb unbewusst kaltes Absetzen des Escitalopram innerhalb von 2 Wochen, unter ärtztlicher Begleitung in der Klinik.
Letzte C*pralex am 14.07.2014, seitdem im protrahierten Entzug!
Erst nach der letzen Tablette habe ich langsam verstanden was da eigentlich passiert ist und einen klaren Zusammenhang zu der SSRI-Einnahme erkannt.

Ende August/Anfang September 2014
Es stellen sich die typischen Wellen & Fenster ein.

Update Oktober 2015
Ich bin immer noch im protrahierten Entzug. Es ist extrem wechselhaft und betrifft besonders die Emotionen.

Update April 2016
Seit der letzten Tablette sind nun 21 Monate vergangen. Leider halten die Symptome immer noch an. Seit ca. Jahresbeginn wechseln sich die Wellen und Fenster fast täglich, häufig auch stündlich bis minütlich, ab. Das ist alles extrem anstrengend. Tja... Weiter geht's :schnecke:

Update Mai 2017
34 Monate nach Null. Immer noch im protrahierten Entzug.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

Monalinde
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Re: Wie macht ihr das mit der Arbeit? Geht ihr arbeiten?

Beitrag von Monalinde » Dienstag, 16.08.16, 12:59

Hallo Morula,

wenn es nicht mehr geht, dann soll es halt so sein. Wie wir alle wissen, ist ein protahierter Enzug nicht einfach. Aber du bist noch jung und da ist noch lange nicht aller Tage Abend. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass ich nach über einem Jahr Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Depressionen wieder arbeitsfähig geworden bin. Ich denke, dass es sich bei mir um eine Erschöpfungsdepression gehandelt hatte, und ich in der Auszeit manches überdenken konnte. Ich habe es zunächst selbst nicht für möglich gehalten, dass ich das noch einmal schaffen würde mit 59 Jahren.

Du hast den Vorteil, dass man Hebammen immer braucht, so wie es aussieht!!!!!! Es macht wenig Sinn, auch noch die allerletzte Kraft herzugeben, wenn man nicht mehr kann. Ich glaube, dass du die richtige Entscheidung für dichtreffen wirst.

Liebe Grüße Mona
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2010 bis 2012 Trevilor 37,5 mg ausschließlich,
Dezember 2012 auf Null abgesetzt, ausschleichend alle drei Wochen 10 Prozent der ursprünglichen Dosis

Diagnose: Depression und Angststörung

Seit Dezembe 2012 im protahierten Entzug.

Zahlreiche körperliche Symptome:
(Tinnitus , Speiseröhrenentzündung, Reflux, Schleim im Hals, saures Aufstoßen, Albträume, Durchschlafstörungen, Erschöpfungszustände, Stimmungsschwankungen, Hautausschläge, Angstzustände, Gelenkschmerzen, Schwindel))


2016: Nebenhöhlenentzündung, Schleim im Hals, Stimmungsschwankungen bzw. Neuroemotionen, Tinnitus, noch
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