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Liebe ADFDler,

aktuell ist im Forum viel los. Das Team steht gern unterstützend zur Seite, die Teammitglieder können aber derzeit aufgrund der wachsenden Teilnehmerzahl, persönlicher Abwesenheit oder individueller Konstitution oft nicht mehr zeitnah oder sehr ausführlich antworten.

Daher freuen wir uns über alle, die im Sinne der Selbsthilfe andere unterstützen, ihre persönlichen Erfahrungen einbringen und/oder wichtige Infothreads an neue Teilnehmer verlinken.Ein Schwerpunkt des Forums ist die gegeseitige Unterstützung und Begleitung, dazu kann jeder seinen Teil beitragen!

Infothreads:
Erste Hilfe - Antidepressiva absetzen
Erste Hilfe - Benzodiazepine absetzen
Erste Hilfe - Neuroleptika absetzen

Bitte stöbert, lest quer und nutzt die Suchfunktion.

Viele Grüße vom Team

Für Angehörige/Freunde

Stell Dich bitte hier vor, wenn Du Probleme mit Psychopharmaka hast, Infos brauchst oder noch nicht weißt, ob Du abdosieren solltest.
:schnecke: Bitte lies unsere Forenregeln, bevor Du Dich registrierst.
LinLina
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Für Angehörige/Freunde

Beitragvon LinLina » Samstag, 22.10.16, 12:03

Information für Angehörige und Freunde

Als Familienmitglied, Freund oder Freundin eines Menschen der Psychopharmaka abgesetzt hat oder absetzen möchte sieht man sich wahrscheinlich mit vielen Fragen konfrontiert. Vielleicht hat man schon mal in Filmen gesehen, dass das Absetzen von verschreibungspflichtigen Medikamenten in einer Tragödie endete. Vielleicht hat man Vorstellungen verinnerlicht, dass Menschen mit psychischen Problemen nur mit Medikamenten effektiv Hilfe erfahren können.

Vielleicht ist es auch schwer nachzuvollziehen, wieso das Absetzthema so einen großen Raum einnimmt oder vielleicht fragt man sich auch schon lange, wieso der Freund oder die Freundin, die Tochter oder der Vater immer noch Medikamente gegen Symptome nimmt, die schon lange der Vergangenheit angehören – oder man beobachtet, dass es trotz der Medikamenteneinnahme zu keiner wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes kommt. Vielleicht hat man auch Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit beobachtet oder man hat überhaupt keine Veränderung wahrgenommen.

Wie auch immer unsere Wahrnehmung von uns nahe stehenden Menschen ist, sie ist höchst wahrscheinlich unvollkommen und wird nicht der persönlichen Erfahrung des Betroffenen gerecht. Wenn Betroffene entscheiden, dass die Medikamente mehr Schaden als Nutzen bringen dann ist diese Wahrnehmung möglicherweise von außen nicht nachvollziehbar, aber grundsätzlich ernst zu nehmen.

Die meisten Ärzte unterschätzen die Stärke und Vielfalt der möglichen Entzugssymptome und auch die Folgen der Langzeiteinnahme, da sie oft noch an die 10 Mythen über Psychopharmaka glauben. Sie empfehlen meist aus Unwissenheit eine zu schnelle Dosisreduktion oder raten, manchmal trotz erheblicher Nebenwirkungen, ganz vom Absetzen ab. Das liegt daran, dass in der Fachwelt lange Zeit der Nutzen von Psychopharmaka überschätzt und die unerwünschten Wirkungen und Langzeitfolgen sowie das körperliche Abhängigkeitspotential unterschätzt wurde.

Inzwischen sehen auch immer mehr Ärzte und Wissenschaftler die häufige und langfristige Verschreibung kritisch, aus vielerlei Gründen.
In unseren Hintergrundinformationen haben wir inzwischen viele kritische Informationen, auch wissenschaftliche Publikationen.


Was bedeutet der Absetzprozess für Betroffene?


Leider ist das Thema Psychopharmaka-Einnahme und Absetzen immer noch etwas, worüber man nicht gerne spricht und was man sich als nicht Betroffene/r kaum vorstellen kann.

Dabei können die Reaktionen auf das Absetzen individuell sehr unterschiedlich sein, auch das macht es schwer zu verstehen. Entzugssymptome können ein weit gefasstes Spektrum von körperlichen und psychischen Symptomen beinhalten und von mild bis zu schwer beeinträchtigend reichen.

Diese Symptome sind eine Reaktion auf das Fehlen der eingenommenen Substanz. Der Körper muss meist komplexe Umbauprozesse leisten um wieder ohne die gewohnte Substanz normal funktionieren können. Eine ausführlichere Erklärung findet sich hier: Was passiert bei der Psychopharmaka-Einnahme und im Entzug?

Um sich vorzustellen, was manche Betroffene durchmachen wenn sie versuchen die Medikamenteneinnahme zu beenden, kann man sich z.B. überlegen, wie es war als man sich mal so richtig krank gefühlt hat und mit einer heftigen Grippe zu Hause lag. Jede Bewegung, jeder Gedanke ist dann anstrengend, man fühlt sich einfach sterbenselend. Jetzt stelle man sich noch vor, man sei vielleicht gleichzeitig auch noch von seiner/seinem Liebsten verlassen worden und leide an furchtbarem Liebeskummer und Verzweiflung. Diese beiden Zustände gemeinsam bzw. abwechselnd, beschreiben vielleicht ein wenig, wie sich manche nach jedem Reduktionsschritt ihres Medikaments tage, wochen- oder gar monatelang fühlen – ein Wechselbad der körperlichen Symptome und/oder Gefühle.

Dazu kommen möglicherweise noch Scham- und Schuldgefühle, die Medikamente überhaupt genommen zu haben und abhängig geworden zu sein, Betroffene erfahren darüber hinaus oft kaum Unterstützung durch Ärzte und Therapeuten und fühlen sich mit den manchmal sehr einschränkenden Absetzsymptomen allein gelassen. Auf alle möglichen Reize können Betroffene aufgrund des sensibilisierten Nervensystems mit starken Symptomen reagieren, auch Dinge die zuvor problemlos vertragen wurden können während dieser Zeit unverträglich sein (siehe Triggerliste). Starke, ungewohnte Gefühle und Gefühlsausbrüche, sogenannte „Neuroemotionen“, können die Situation noch verwirrender machen.


Was kann ich tun?

Für Angehörige und Freunde ist es oft schwer, die Symptome einzuordnen, vor allem da das meiste nicht von außen sichtbar ist. Hilfreich kann es sein, Erfahrungsberichte von anderen Menschen zu lesen und sich klar zu machen, dass der Absetzprozess eine große Anpassungsleistung des Nervensystems bedeutet, der nicht linear verläuft.

Meist hilfreich für Betroffene ist es, wenn Angehörige/Freunde

1. Möglichst ruhig bleiben
2. Symptome ernst nehmen, aber versichern, dass es sich um Entzugssymptome handelt, und dass irgendwann es wieder besser wird
3. Entlasten, auch vermeintliche Kleinigkeiten können hilfreich sein
4. sich kümmern, aber nicht über die eigenen Grenzen gehen
5. sich selbst informieren um zu verstehen was das Absetzen für Betroffene bedeutet. Die wichtigsten Info-Texte sind hier verlinkt.

Besonders belastend und schwer zu verstehen können Gefühlsausbrüche oder verletzende Worte sein. Wenn möglich sollten diese nicht persönlich genommen werden und im Kontext der Ausnahmesituation des Entzugs gesehen werden. Manchmal kann es notwendig und entlastend sein, dass sich auch Angehörige von Menschen, die eine schwere Absetzphase durchmachen oder ein langwieriges Entzugssyndrom erleben, psychotherapeutische Unterstützung suchen.

Insgesamt aber ist es wichtig, nicht nur die negativen Folgen des Entzuges zu sehen, sondern sich mit und für den Menschen zu freuen, der durch das Absetzen vielleicht die Chance auf ein neues Leben mit all seinen Risiken und Chancen bekommt.

Eine positive, hoffnungsvolle Haltung, auch von Menschen die uns nahe stehen, hilft sicher auch unbewusst der Seele und dem Körper zu heilen.



Das ADFD-Team :group:
Zuletzt geändert von LinLina am Donnerstag, 09.03.17, 10:12, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Für Angehörige/Freunde

Beitragvon jojo71 » Samstag, 22.10.16, 13:27

Hi Lina,
find die Idee super und den Text auch bisher klasse!
1. Möglichst Ruhig bleiben
2. Versichern, dass es sich um Entzugssymptome handelt und dass irgendwann es wieder besser wird
3. Entlasten, auch vermeintliche Kleinigkeiten können hilfreich sein
4. sich kümmern, aber nicht über die eigenen Grenzen gehen
5. sich selbst informieren um zu verstehen was das Absetzen für Betroffene bedeutet

6. Vielleicht noch ein Hinweis auf Gefühlsausbrüche oder verletzende Worte, die sollten nicht persönlich genommen werden, denn im Entzug ist man nicht man selbst!

Zum Verständnis vielleicht noch Buchtipps?!?

Gruß
jojo
Mein persönlicher Alptraum begann mit einer Fehldiagnose und der Einnahme von SSRI!

Meine Story!

Seroxat ab ca. 2000
Wechsel zu Paroxat ca. 2006
Paroxat bis November 2014 (kalter Entzug)
Omeprazol sporadisch ab ca. 2010
Omeprazol dauerhaft seit ca. Anfang 2014
Omeprazol von 20mg auf 0 seit 26.09.2016

Meine Symptome, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben:
- diverse Probleme mit dem vegetativen Nervensystem (z.B. Kreislaufprobleme, Schwindel, starke Missempfindungen)
- diverse Nahrungsmittelunverträglichkeiten
- Fast ständig Druck im Oberbauch
- im Liegen steigender Druck Magen/Darmtrakt bis hin zu dem Gefühl das der Bereich von Hals bis Unterbauch abgestorben ist, sehr flache Atmung, Besserung nur im Sitzen wenn die Beine tiefer gelagert sind (Kutscherstellung)
- Herzstolpern, Herzrhythmusstörungen, Ruhepuls 90-100
- Muskelschmerzen (Hals, Nacken, Rücken)
- Intercostalneuralgie mehr linksseitig
- immer wieder Blockaden der HWS (Atlas), BWS und Beckenschiefstand
- Tinnitus
- Attacken (extremer Druck Oberbauch, weiß wie die Wand, höherer Ruhepuls, zittern, Polyurie usw. Dauer ca. 2-3 Stunden)
- Hypoglykämie
- Schmerzen nach jeder körperlichen Anstrengung über mehrere Tage
- Einschlafstörungen (aufschrecken mit Missempfindungen und Herzstolpern)
- kein erholsamer Schlaf mehr möglich (An guten Tagen fühle ich mich morgens wie ein 80 Jähriger!)
- Heiserkeit sporadisch
- teilweise heftige Kopfschmerzen
- Extreme Stimmungsschwankungen
- absolut keine Stressverträglichkeit

Diagnosen bisher:
- Laktoseintoleranz
- Dünndarmfehlbesiedlung
- Herzrhythmusstörungen/hoher Ruhepuls
- Magenschleimhautentzündung/Hiatushernie
- Ständig Intercostalneuralgie
- Immer wieder Blockaden HWS (Atlas)/BWS und Beckenschiefstand
- Allergien: Gräser-, Roggen-, Birken-, Haselnusspollenallergie, Weizenmehl, Roggenmehl, Sellerie usw.
- Mangel an diversen Vitaminen

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Re: Für Angehörige/Freunde

Beitragvon LinLina » Sonntag, 23.10.16, 19:06

Hallo :)

danke, Jojo für den Input.

Ich habe noch hinzugefügt:

"Besonders belastend und schwer zu verstehen können Gefühlsausbrüche oder verletzende Worte sein. Wenn möglich sollten diese nicht persönlich genommen werden, und im Kontext der Ausnahmesituation des Entzugs gesehen werden. Manchmal kann es notwendig und entlastend sein, dass sich auch Angehörige von Menschen, die eine schwere Absetzphase durchmachen oder ein langwieriges Entzugssyndrom erleben, psychotherapeutische Unterstützung und Entlastung suchen.

Insgesamt aber ist es wichtig, nicht nur die negativen Folgen des Entzuges zu sehen, sondern sich mit und für den Menschen zu freuen, der durch das Absetzen vielleicht die Chance auf ein neues Leben mit all seinen Risiken und Chancen bekommt.

Eine positive, hoffnungsvolle Haltung, auch von Menschen die uns nahe stehen, hilft sicher auch unbewusst der Seele und dem Körper zu heilen.
"
Ursprünglicher Grund der Einnahme: Schmerzen, PTBS, heftige Unverträglichkeitsreaktion auf Schmerzmittel und Antibiotika (anhaltende Krampfanfälle)

Lorazepam: 1,5 mg von 7/2014 - 10/2014, dann 4 Monate schrittweiser Entzug (sehr heftig) und seit 8.2.2015 komplett abgesetzt :-)

Mirtazapin: Winter 2014/15 bis 30 mg für Benzo-Entzug, langsames und mühsames Absetzen seit März 2015.

Mein Medikamentenverlauf :schnecke: :
► Text zeigen
Seit 31.10.2017: 0,45 mg Mirtazapin / Mein Thread

Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

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Re: Für Angehörige/Freunde

Beitragvon jojo71 » Sonntag, 23.10.16, 19:11

Hallo Lina,
ganz klasse geschrieben, besser geht es nicht, danke! :D

Gruß
jojo
Mein persönlicher Alptraum begann mit einer Fehldiagnose und der Einnahme von SSRI!

Meine Story!

Seroxat ab ca. 2000
Wechsel zu Paroxat ca. 2006
Paroxat bis November 2014 (kalter Entzug)
Omeprazol sporadisch ab ca. 2010
Omeprazol dauerhaft seit ca. Anfang 2014
Omeprazol von 20mg auf 0 seit 26.09.2016

Meine Symptome, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben:
- diverse Probleme mit dem vegetativen Nervensystem (z.B. Kreislaufprobleme, Schwindel, starke Missempfindungen)
- diverse Nahrungsmittelunverträglichkeiten
- Fast ständig Druck im Oberbauch
- im Liegen steigender Druck Magen/Darmtrakt bis hin zu dem Gefühl das der Bereich von Hals bis Unterbauch abgestorben ist, sehr flache Atmung, Besserung nur im Sitzen wenn die Beine tiefer gelagert sind (Kutscherstellung)
- Herzstolpern, Herzrhythmusstörungen, Ruhepuls 90-100
- Muskelschmerzen (Hals, Nacken, Rücken)
- Intercostalneuralgie mehr linksseitig
- immer wieder Blockaden der HWS (Atlas), BWS und Beckenschiefstand
- Tinnitus
- Attacken (extremer Druck Oberbauch, weiß wie die Wand, höherer Ruhepuls, zittern, Polyurie usw. Dauer ca. 2-3 Stunden)
- Hypoglykämie
- Schmerzen nach jeder körperlichen Anstrengung über mehrere Tage
- Einschlafstörungen (aufschrecken mit Missempfindungen und Herzstolpern)
- kein erholsamer Schlaf mehr möglich (An guten Tagen fühle ich mich morgens wie ein 80 Jähriger!)
- Heiserkeit sporadisch
- teilweise heftige Kopfschmerzen
- Extreme Stimmungsschwankungen
- absolut keine Stressverträglichkeit

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- Laktoseintoleranz
- Dünndarmfehlbesiedlung
- Herzrhythmusstörungen/hoher Ruhepuls
- Magenschleimhautentzündung/Hiatushernie
- Ständig Intercostalneuralgie
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Re: Für Angehörige/Freunde

Beitragvon Straycat » Samstag, 12.11.16, 23:29

Hallo Lina,

den Text finde ich echt gut und ich glaube er könnte Angehörigen und Freunden wirklich weiterhelfen. Besonders deshalb, da man vieles "von außen" nicht so gut nachvollziehen kann.

Ich würde noch zwei Ergänzungen vorschlagen:
1. Ich würde "Neuro-Emotionen" vielleicht kurz in einem Satz erklären, da es für Angehörige oder sogar für Betroffene unklar sein könnte, was damit gemeint ist.
2. Ich würde eventuell eine kurze Erklärung einbauen, dass Psychopharmaka abhängig machen können. Also vor allem auch die körperliche Abhängigkeit bei Antidepressiva und Neuroleptika (wo ja keine psychische Abhängigkeit im Sinne von Sucht gegeben ist). Ich denke, es wäre wichtig, dass das Angehörige auch wissen, da sie dann besser nachvollziehen können, dass hier tatsächlich ein Entzug vonstatten geht.

Alles Liebe,
Cat
Symptome : Weinen ohne Grund, grundlose Hoffnungslosigkeit, keine Motivation für irgendwas; Panikattacken/ Neuralgien seit 2017 Diagnose: unipolare Depression (2006), Panikstörung (2017)
Behandlung mit Escitalopram 10mg, später Steigerung auf 15mg und 20mg - ingsgesamt 10 Jahre
08/2016: Bupropion 300mg - eingeschlichen 1 Woche 150mg, dann 300mg
seit Volldosierung Bupropion (300mg) schrittweises Ausschleichen von Escitalopram (1 Woche 15mg, 2 Wochen 10mg, 1 Woche 5mg)
Bupropion: - 10 Tage 150mg (noch während voller Dosis Escitalopram), danach auf 300mg für 7 Wochen, dann wieder Reduzierung auf 150mg für 7 Tage aufgrund von übermäßiger Agitation und am 26.10.2016 auf 0mg (eigene Entscheidung ohne Arzt, da die Agitation und Panikattacken nicht abnahmen)
Seit 03/2017: 2 Wochen 37,5mg Venlafaxin, seither 75mg Venlafaxin
04-05/2017: 50mg Trittico, wieder abgesetzt
Link zu meinem Thread

Siggi
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Re: Für Angehörige/Freunde

Beitragvon Siggi » Freitag, 16.12.16, 11:57

Ihr Lieben Alle :group:

mit Hilfe von meinen und all eueren wertvollen Erfahrungen, Wissen, eueren Recherchen und Erkenntnissen
habe ich eine Zusammenfassung erstellt, die uns vielleicht ein wenig hilft ,unseren Zustand der-. Nichtbetroffenen-
"aufdogtrierten Missverständnisse" - etwas aufzuklären ..... :?
Wohlgemerkt, es sind viele Gedankengänge die ich selbst und auch durch euch erfahren habe und die mir halfen... diesem gesamten Stoffwechsel- "Wirr Warr " Herr zu werden....

Ganz liebe Grüße :hug: :hug:
euere Siggi


Histamin:

Histamin ist ein Gewebehormon, und hängt mit dem
Gehirnstoffwechsel (dem Zentralen Nervensystem) zusammen.
Wird der Körper durch Giftstoffe wie:
Medikamente , Narkotika, Anti-Depressiva Tbl. ect.. geschädigt, spielen sämtliche Hormone im Körper verrückt, was zu einem totalen Hormon Chaos führen kann.
Der gesamte Stoffwechsel gerät aus den Fugen, es kommt zur Histaminunverträglichkeit , der Körper schüttet nur noch das Stresshormon-Adrenalin aus.

Diese Unverträglichkeiten führen zu Mängel an lebenswichtigen Enzymen die für eine gesunde
Ernährung und zur Stoffwechselabwicklung notwendig sind.
Bei nicht geschädigten Menschen verläuft dieser Stoffwechsel - Prozess meist ohne Probleme, derweil bei Geschädigten schon kleine äußere Anlässe
ausreichen wie:
Kälte, Hitze, Duftstoffe,Wetterveränderungen, Schmerzen,Schwindel, Übelkeit,Geräusche,Überreizung
der Sinne, Schlafmangel, und Vieles mehr.....
Ganz zu schweigen bei :
psychischen und physischen Belastungen,
Hormonschwankungen durch Schilddrüsen- Immunerkrankung, verkehrter Ernährung, etc.


Bei geschädigten Menschen mit dieser ausgeprägten Histaminunverträglichkeit , reichen kleine , äußere Veränderungen aus , um vermehrt Adrenalin deren Ursprung nicht in der Psyche (wie von vielen Unwissenden vermutet) zu suchen - sondern im gestörten Stoffwechsel- zu finden ist.

Die Symptome dieser Histaminunverträglichkeit,und dem zur Folge gestörten Stoffwechsel, können mit einer generalisierten Angst verglichen werden.
Der Körper verfügt nicht mehr über das gesunde, selbstregulierende Stresshormon , und minimalste psychische oder organische Veränderungen können vom Zentralen Nervensystem nicht mehr als „reell oder irreal“ausgefiltert werden....
es kommt zur vermehrten Cortisol Ausschüttung und somit zum perfekten seelischen Chaos
Mein Absetzverlauf:

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Helma
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Re: Für Angehörige/Freunde

Beitragvon Helma » Sonntag, 18.12.16, 14:25

Das ist super beschrieben und macht einen selber auch sehr vieles klar. Da ich vor wenigen Wochen citrapolam abgesetzt habe wird mir hier nun einiges klar. Es kann einem wirklich unbeschreiblich schlecht gehen. Aber die hoffnung bleibt. Danke für tolle aufklärung . Lieben Gruß helga
seit 1993 auf 1,5 Alprazolam und einschleichen von anafranil
6 mon. anafranil. Gewichtsabnahme, schwindel. Umstellung auf citrapolam
ab 2002 immer mal bei Bedarf 0,5 mg alprazolam genommen
ab 15.12.2013 0,25 mg reduziert , citrapolam bei 20 mg
17.01.2014 von 1,25 mg auf 1,0 mg alprazolam. Citrapolam bei 20 mg
02.02.2014 von 1,0 mg auf 0,75 mg alprazolam, 20 mg citrapolam, mir geht es jetzt schlecht, beben im körper, zittrig, komisch im kopf, herzrytmzsstörungen. Eindosieren von betablocker metropolsuccinat anfangs 45 mg
14.04.2014, dosis gehalten, es scheint sich etwas zu regulieren, symptome lassen etwas nach,
22.05.2014 von 0,75 mg auf 0,5 mg alprazolam, citrapolam bei 20 mg, angst , unruhig, zittrig. ungemein schlapp und schwach.
September 2014 von 0,5 mg auf 0,25 mg alprazolam und 20 mg citraplam, 90 mg metropolsuccinat, klappt ganz gut. Entzugserscheinungen ja
02.11.2014 Rückfall nach Wirbelsäulen OP. Rauf durch Psychiaterin auf 2 mg alprazolam. Citrapolam bleibend auf 20 mg. Herzrytmzsstörungen, erhöhen von metropolsuccinat auf 190 mg.
16.04.2015 alprazolam 2 mg auf 1,75 mg, citrapolam 20 mg, metropolsuccinat 190 mg
19.08.2015 von 1,75 mg auf 1,5 mg alprazolam, citrapolam 20 mg, 190 mg metropolsuccinat
20.11.2015 von 1,5 mg auf 1,25 mg alprazolam. Citrapolam 20 mg, 190 mg metropolsuccinat.
26.02.2016 von 1,25 mg auf auf 1,75 mg alprazolam, 20 mg citrapolam, 190 mg metropolsuccinat. zusätzliche absetzsymptome durch umstellen des ADs mit zu schneller Absetzung durch den Arzt. Herzstolpern heftig, fast ständig, finde keine ruhe.
April 2016 1,5 mg alprazolam, 15 mg citrapolam. Ads reduzierung wegen herzrytmzsstörungen durch internisten.
Juli 2016 herzrytmzsstörungen nicht mehr ertragbar. Arzt aufgesucht. Rechtschenkelblockbildung und verdacht auf Herzinfarkt. Sofortige klinikeinlieferung. Herzinfarkt nicht bestätigt. Alprazolam 1.5 mg, citrapolam gesenkt auf 10 mg. 145 mg metropolsuccinat (betablocker) abgesenkt da Kreislauf stehts im keller.
Oktober 2016 alprazolam 1.75 mg, 10 mg citrapolam. 145 mg metropolsuccinat. Herzrytmzsstörungen bessern sich. Ekg rechtschenkelblock rückläufig. Laut psychaterin citrapolam sofort absetzen. Im 14 tage abstand erst auf 5 mg und dann auf null. Erst kaum Probleme. Nach tag 8 beginn von neuen herzrytmzsstörungen, starken ängsten, starke innere unruhe, antriebslos, Muskelschmerzen und gelenkschmerzen sowie stärkeren schmerzen der op stelle Wirbelsäule, kaum schlaf trotz starker Müdigkeit, Gedankenwirrwar, gangunsicherheit.
Derzeit 1.5 bis 2.o mg alprazolam. Kein citrapolam, 145 mg metropolsuccinat. Planung am 25. 11 langzeit ekg und am 15.11 Orthopäde. Planung röntgen der op stelle, sowie nacken und schulterbereich wegen schwindel. Bis dahin 6 x krankengymnastik, davon 3 genommen.
12.11 2016 2mg alprazolam, kein citrapolam, 145 mg metropolsuccinat. Mein zustand ist stark schwankend. Von wenigen aushaltbaren stunden bis zur psychischen verzweifelung, wo ich mich dann für Stunden ins bett zurück ziehen muss. 14.11.2016 psychater Termin.
19.11.2016 eindosieren von 2.5 mg citrapolam zum abfangen der entzugserscheinungen. 2 mg alprazolam. 145 mg metropolsuccinat.
27.11.2016 citrapolam wieder abdosiert wegen neuer herzrytmzsstörungen. 2,25 mg alprazolam, 145 mg metropolsuccinat
24.02.2017 citrapolam auf 0, 2, 25 mg alprazolam, 122.5 mg metropolsuccinat 17.07.2017, 95 mg metropolsuccinat
01.11.2017 citapolam 0 mg, alprazolam 2.0 mg, metropolsuccinat 95 mg

Siggi
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Re: Für Angehörige/Freunde

Beitragvon Siggi » Mittwoch, 25.01.17, 12:30

Meine liebe, kleine Forums Familie :group:

Diesen "Irrtums- Depressions- Bericht las ich im Schilddrüsen Forum und möchte ihn euch, vielleicht auch
für Freunde und Angehörige? nicht vorenthalten.

Voilà :

Standard Irrtümer die hier über Depressionen herrschen

Immer wieder lese ich hier regelmäßig bestimmte Annahmen die über Depressionen herrschen. Ich schreibe mal, wie es wirklich ist.

1) ich bilde mir meine Symptome doch nicht ein. Also kann es nicht psychisch sein!!!

Wahr ist, daß man sich auch bei Depressionen seine Symptome nicht einbildet. Sie sind da. Herzstolpern beispielweise sieht man im EKG. Nur sind es dann üblicherweise supraventrikuläre Extrasystolen die zwar sehr unangenehm, aber nicht gefährlich sind.
Letztlich kann aber fast alles an somatischen Problemen einen seelischen Hintergrund haben. Die meisten Menschen unterschätzen die Kraft der Seele welche immer als irgendwie abgetrennt vom Körper gesehen wird. (Vielleicht hängt uns da noch unsere christliche Kultur nach?)

2) Mit Zusammenreißen müsste es doch besser werden, wenn es psychisch ist.

Wahr ist, daß es kaum Menschen gibt die sich so gut zusammenreißen können wie Menschen mit einer Depression. Zusammengerissen haben sie sich über viele Jahre. Depressive sind üblicherweise sehr leistungsorientiert und fleißig. Sie versuchen immer alle Ansprüche die an sie gestellt werden zu bedienen indem sie sich viel zu lange viel zu sehr zusammenreißen. Irgendwann klappt das aber nicht mehr.


3 Ich habe schon ein AD ausprobiert, es hat nicht geholfen, also ist die Ursache nicht psychisch.

Bei einem Teil von Depressionen helfen ADs nicht. Das liegt daran, daß ADs die Blut-Hirn-Schranke passieren müssen. Bei einigen Menschen funktioniert das ganz gut, bei einigen ist das schwieriger.
Da es unterschiedliche Wirkmechanismen gibt, kann es sein, daß bei jemandem ein Medikament gar nicht wirkt, ein anderes aber dennoch. Man kann mit Hilfe von DNA Tests herausfinden welche Medikamente für einen selbst sinnvoll sind. Nur zahlt das hier die KK nicht. (wen wundert es :-(

4) Kann ja sein, daß bei dir die Ursache psychisch ist, bei mir ist es das nicht. Das merkt man doch!

Wahr ist, daß das oft nicht so ist. Hat jemand ein traumatisches Erlebnis gehabt oder bestimmte schlimme Lebenssituationen, ist er sich der Ursache seiner Depression meist bewußt. An diese Fälle denkt man dann.
Viele Depressionen entstehen aber dadurch, daß man in der Kindheit falsche Annahmen verinnerlich hat und danach lebt, obwohl sie der eigenen Persönlichkeit widersprechen.
Vielleic ht ist man eigentlich ein aufgeschlossener Mensch der Kontakt zu anderen Menschen sucht. Aber in der Schule ist man immer wieder von seinen Schulkameraden so vermöbelt worden, daß man Menschen gegenüber unsicher und zurückgezogen wird.
Ein Dauerkonflikt der sich durch das Leben ziehen wird, ist entstanden. Oder man hat durch die Erziehung gelernt, daß man nur geliebt wird, wenn man Leistung bringt. Also strampelt man sich mehr ab, als einem gut tut.

Diese Dinge sind einem aber nicht so klar, daß man sie ändert. Man kennt es nicht anders und hat gelernt damit zu leben. Und die Psyche versucht nun durch körperliche Symptome auf Probleme aufmerksam zu machen. Üblicherweise tut sie das so lange, bis man sich bemüht zu verstehen worum es geht und das Leben verändert. Sein Leben verändern, SICH zu verändern ist aber schwer.

5) Man hat doch gar keine Probleme, es geht einem gut.

Wahr ist, daß man nicht alle seine Probleme kennt. Man hat sie verdrängt. Das ist ein guter und wirksamer Mechanismus der unser Überleben sichert. Allerdings kann er auch mal ins Gegenteil kippen, wenn wir etwas zu sehr verdrängen; ein zu großes Problem. Dann versucht unsere Seele sich Gehör zu verschaffen. Und das macht sie so lange, bis wir hinhören und versuchen das Problem zu lösen. Deshalb ist es auch sinnlos beispielsweise dieses oder jenes Symptom wegzutherapieren. Dann kommt eben ein anderes.

6) Ich fühle mich gar nicht depressiv sondern nur so schlapp mit Gummibeinen und Gummiarmen.

Wahr ist, daß dieses "gummiartige" ein Leitsymptom einer Depression ist. Nennt sich: "fehlender Antrieb". Diese gottendämliche Bezeichnung die eine völlig andere Vorstellung über das was es sein soll hervorruft, führt zu viel Verwirrung. Besser wäre die Bezeichnung: "Kraftlosigkeit". Aber genau das ist mit "fehlender Antrieb" gemeint. Die Stimmung selbst muß gar nicht unbedingt depressiv sein und dennoch hat man fehlenden Antrieb. Man zieht sich vielleicht auch immer mehr zurück, hat immer weniger Lust zu irgendwas....was man auf die Kraftlosigkeit zurückführt.

Kann sein ich habe noch den einen oder anderen Punkt vergessen, vielleicht kann ja jemand ergänzen. (ADs machen süchtig habe ich bewußt nicht mit reingenommen, da mir das als ein Extrathema erscheint)

PS: Antidepressiva können Symptome lindern. Wenn man es dabei belässt und nicht nach den Ursachen forscht und diese verändert, werden die Symptome irgendwann wiederkommen. (Man selbst wundert sich vielleicht warum es denn so völlig die Wirkung verloren hat...und probiert ein nächstes AD). ADs heilen nicht. Sie geben einem nur Aufschub und eine bessere Ausgangslage um die Probleme anzugehen.
Wenn man anfängt beim nächsten Herzrasen nicht zu denken: "So ein Mist, kommt es schon wieder, ist ja furchtbar"...sondern vielleicht:"Aha, offenbar ist jetzt eine Situation die ich falsch angehe, wo ich irgendwas anders machen muß", dann ist man auf dem richtigen Weg. (Der lange dauert und nicht einfach ist.)
http://www.ht-mb.de/forum/showthread.ph ... -herrschen

Anmerkung von mir:
Im Grunde beinhaltet dieser Bericht nichts Neues , aber vielleicht ist er dennoch für den einen oder anderen Angehörigen
etwas aufklärend,um uns besser zu verstehen!

Liebe Grüße an Alle :group:
Siggi
Zuletzt geändert von Murmeline am Mittwoch, 25.01.17, 15:25, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Link zur Quelle eingefügt
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Re: Für Angehörige/Freunde

Beitragvon LinLina » Samstag, 11.03.17, 11:40

Abschnitt zu Ärzten hinzugefügt:

Die meisten Ärzte unterschätzen die Stärke und Vielfalt der möglichen Entzugssymptome und auch die Folgen der Langzeiteinnahme, da sie oft noch an die 10 Mythen über Psychopharmaka glauben. Sie empfehlen meist aus Unwissenheit eine zu schnelle Dosisreduktion oder raten, manchmal trotz erheblicher Nebenwirkungen, ganz vom Absetzen ab. Das liegt daran, dass in der Fachwelt lange Zeit der Nutzen von Psychopharmaka überschätzt und die unerwünschten Wirkungen und Langzeitfolgen sowie das körperliche Abhängigkeitspotential unterschätzt wurde.

Inzwischen sehen auch immer mehr Ärzte und Wissenschaftler die häufige und langfristige Verschreibung kritisch, aus vielerlei Gründen.
In unseren Hintergrundinformationen haben wir inzwischen viele kritische Informationen, auch wissenschaftliche Publikationen.


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