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Liebe ADFDler,

Wir haben eine große Softwareaktualisierung durchgeführt. Im Ideal funktioniert alles wie bevor, nur dass ein paar Details ein wenig anders aussehen. Falls es in den nächsten Tagen doch Probleme gibt, bitte beschreibt was ihr gemacht habt und was nicht so war, wie ihr es erwartet in diesem Thread:

Problemsammlung nach Softwareaktualisierung (Januar 2018)

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Meta-Symptome beim SSRI Entzug von James Heany

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Claudiiii
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Meta-Symptome beim SSRI Entzug von James Heany

Beitrag von Claudiiii » Freitag, 19.05.17, 12:28

Hallo :)

Es folgt meine Übersetzung des Artikels Meta symptoms of SSRI withdrawal von James Heaney, dabei geht es darum, dass durch die ganzen Probleme beim Absetzen noch weitere Zusatzsymptome auftreten, weil man Angst vor der nächsten Welle hat oder weil der Umgang mit diesen so schwer ist, dass man in eine depressive Phase rutscht. Ich kenne selbst das Problem Angst vor den Wellen zu haben und der Text hilft mir das besser einzuordnen. Vielleicht ist er für den ein oder anderen auch interessant und beschreibt genau das, was er erlebt.

Hier findet ihr den Originaltext: https://npanth.wordpress.com/2012/11/28 ... ithdrawal/


Meta symptoms of SSRI withdrawal – James Heaney

Meta-Symptome beim SSRI Entzug

Das Absetzen von SSRIs hat viele Symptome zur Folge, sowohl körperliche, als auch emotionale. In einigen Fällen kann es dazu kommen, dass sich mehrere emotionale Symptome vermischen und größere Symptome, Meta-Symptome, erzeugen. Wiederhergestellte oder neue Depressionen sind die am häufigsten auftretenden Symptome von Entzügen. Depressionen sind innenliegende Emotionen. Der Patient ist teilweise gezwungen, sein eigenes Verhalten übermäßig kritisch zu beobachten. Durch diese zwanghafte Selbstbeobachtung können andere Symptome aufkommen. Es ist nicht die heilsame Selbstbeobachtung wie Achtsamkeit oder Selbstfürsorge, sondern ein unkontrollierbarer Fokus auf das Negative. Der Patient sieht sich selbst nicht in einem achtsamen Licht sondern durch eine, durch die Depression auferlegte, dunkle Linse. Sogar freudige Erinnerungen werden in einer verzerrten Weise gesehen.

Reue und Schuld

Die Depression im Entzug zwingt den Verstand negative Aspekte irgendeines Ereignisses auszuwählen und sich ausschließlich darauf zu fokussieren. Dieser nur darauf gerichtete Fokus erzeugt Reue im Patienten. Oftmals ist das unverhältnismäßig gegenüber dem Ereignis selbst. Reue und Schuld sind sich sehr ähnlich. Sie füttern sich gegenseitig. Der Entzug verschiebt den Verstand so, dass er Schuld in Situationen sieht, wo er sie normalerweise nicht sehen würde. Entzugsbedingte Depressionen schmälern den Fokus des Verstandes so, dass nur das Negative eines Ereignisses gesehen wird.

Zwanghafte Erinnerungen

Eines der Symptome beim Absetzen von SSRIs sind wiedererneuerte Erinnerungen. Während die Medikamente eingenommen wurden, wurden Erinnerungen zum größten Teil verdrängt. Viele Patienten berichten, dass sie kein richtiges Gefühl dafür hatten, was ihnen passiert ist, während sie die Mittel eingenommen haben. Sie wissen den Großteil der Ereignisse, aber viele Details sind verloren. Die emotionale Natur von Erinnerungen ist ebenfalls unterdrückt. Während des Entzuges wird die emotionale Bindung zu den Erinnerungen reaktiviert. Das passiert nicht in einem linearen Verlauf, aber es passiert. Anstatt die Erinnerungen inhaltsorientiert aufzugreifen, sodass eine Erinnerung zu einer anderen führt, überschwemmen die Erinnerungen das Bewusstsein ohne zugehörigen Kontext. Es können markante oder triviale Erinnerungen sein, die einzige Gemeinsamkeit ist, dass die Erinnerungen nicht wie gewöhnlich aufgerufen werden, sondern aufgeprägt sind. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich der Verstand selbst neu ordnet, Erinnerungen katalogisiert und Emotionen in eine neue Ordnung bringt.
Länger als einen Monat konnte ich das Bild eines Fast Food Restaurants nicht aus meinem Kopf bekommen. Vor 4 Jahren hatte ich dort 2-3 Mal pro Woche Mittag gegessen. Das Restaurant hatte keine spezielle Bedeutung für mich. Jedes Mal, wenn ich einschlafen wollte, war trotzdem immer das Bild von Wendy´s da und verließ meinen Kopf nicht. Ich fühlte keine Schuld oder irgendeine andere Emotion, die ich mit dem Bild verband, ich konnte nur einfach nichts anderes sehen, wenn ich meine Augen schloss.

Die Angst vor einem Rückfall

Zunächst ist der Entzug unnachgiebig und überwältigend. Die Symptome treten dauerhaft auf. Mit der Zeit beginnen die Symptome aufzubrechen. Der Entzug wird zu einer zyklischen Sache. Es gibt Zeiten, in denen die Symptome heftig sind und Zeiten, in denen Licht ist. Man nennt diese beiden Phasen Wellen und Fenster. Ein Fenster ist eine Phase, in der die Symptome schwächer sind, während der Wellen sind die Symptome stärker vertreten. Zwangsläufig entsteht eine Angst, wenn es einem besser geht. Für einen äußeren Beobachter mag das nicht intuitiv verständlich sein, aber es ist ein auftretendes Phänomen bei Leuten die das durchmachen. Der Entzug erschafft einen mentalen Relativismus, in dem sich der momentane Zustand wie ein Dauerzustand anfühlt. Kombiniert mit der unkontrollierbaren negativen Selbstwahrnehmung beginnen sich Wellen realer anzufühlen als Fenster. Das bringt das Misstrauen während der Fenster hervor. Es kommt zu einer Angst, dass ein Fenster nur der Auftakt einer neuen Welle ist. Fenster und Wellen sind eng miteinander verknüpft, sie sind Teil der zyklischen Gesundung bei einem SSRI Entzug. Es gibt zu Beginn eine gewisse Aussagekraft über die Angst vor einem Rückfall. Fenster werden sich in Wellen verwandeln, ebenso werden die Wellen für neue Fenster aufbrechen. Mit der Zeit werden die Fenster länger und die Wellen kürzer. Es gibt keinen genauen Zeitpunkt, ab welchem Patienten sagen können, dass die schwierigen Wellen dann eine untergeordnete Rolle im Bewusstsein spielen. Es ist eine der Raffinessen des Entzugs, dass der Fortschritt erst dann gesehen werden kann, wenn er auftritt. Eines Tages stellst du fest, dass du schon lange keine Welle mehr erlebt hast. Das letzte Fenster hat sich sehr viel länger hingezogen als die vorherigen und es kam danach keine Welle. Die Angst wieder eine Welle zu rauschen besteht jedoch weiterhin. Es wird zu einem festen Gedanken während des Heilungsprozesses. In eine Welle zu schlittern fühlt sich an, als würde man krank werden, nur eben mental anstatt physisch. Es beginnt mit einem subtilen Gefühl der Instabilität. Dann wird es zu einem tiefgründigeres Gefühl der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Der Umgang mit den Wellen ist sehr schwierig. Der gesamte Kontext des Verstandes ist verändert. Es gibt eine kleine Erinnerung daran sich besser zu Fühlen und sonst nur die Emotionen die mit der Welle verbunden sind. Wenn dann die Welle aufbricht und in ein Fenster übergeht, ist da eine legitime Angst vor der nächsten, unvermeidbar erscheinenden Welle. Das Zwangsläufige am Entzug ist aber, dass die Heilung dennoch auftreten wird. Viele Menschen haben ein lang andauerndes Gefühl der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit erlebt, sogar Suizidgedanken gehabt, und sich letztendlich doch erholt.
Die beste Art und Weise im Umgang mit dem Fenster/Wellen Zyklus ist zu begreifen, dass er auftritt. Es ist schwierig, Wellen als vorübergehende Phasen der Heilung zu sehen. In gewisser Weise ist es einfacher zu glauben, dass die Fenster die vorübergehenden Phasen sind. Den Zyklus zwischen Fenstern und Wellen achtsam wahrzunehmen hilft. Genauso, wie Fenster zu Beginn des Entzugs vorübergehend sind, sind Wellen zum Ende des Heilungsprozesses vorrübergehend. Denk an das letzte Mal, als du einen neuen Job begonnen hast. Zu Beginn fühlten sich alle neuen Informationen überwältigend an. Es ist einfach zu denken, dass du das niemals alles aufnehmen kannst. Dennoch hast du dich schnell in die neuen Routinen eingearbeitet. Vielleicht verlieren tägliche Aufgaben ihre Schwierigkeit und sind leichter zu erledigen. Der Entzug ist in einigen Dingen ähnlich. Zunächst ist es sehr schwer zu glauben, dass es irgendwann enden wird. Vielleicht beginnst du dich selbst zu regenerieren und es wird einfacher, je länger du dies tust.


Liebe Grüße :)
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Claudiiii für den Beitrag (Insgesamt 14):
JamieRosenrotSiggipadmagelblackMurmelineSeventhWaveNicolaGuennieLara_86JofabstubiLiese75 und ein weiterer Benutzer
Aufgrund von Panikattacken und Angst Venlafaxin bis 75mg eindosiert, außerdem 7,5mg Mirtazapin. Nach 1 Monat Beginn mit Absetzen, durch zu schnelles Absetzen extreme Symptome: Durchfall, Übelkeit bis zum Erbrechen, Traurigkeit, Angst und Panik schlimmer als je zuvor. Besserung durch erneutes Hochdosieren von Venlafaxin. Mirtazapin unter Qualen und Hartnäckigkeit losgeworden.

ab 08.07.16 37,5mg Venlafaxin
ab 15.07.16 75mg = Maximaldosis
ab 08.08.16 Beginn mit Absetzen
Nach viel zu schneller Reduktion (alle 4 Tage 12,5mg) und wieder minimalem Hochdosieren auf 25mg stabilisiert und auf Kügelchen-Präparat umgestiegen
20.10.16 55 Kügelchen 18mg
20.11.16 45 Kügelchen 15mg
15.12.16 35 Kügelchen 11,5mg
11.01.17 25 Kügelchen 6,9mg
08.02.17 15 Kügelchen 4,2mg
08.03.17 10 Kügelchen 2,8mg zu großer Schritt daher
09.03.17 12 Kügelchen 3,3mg schlimmste Symptome
11.05.17 13 Kügelchen 3,6mg Aufdosiert, da keine Stabilisierung in Sicht war
09.10.17 12 Kügelchen 3,3mg endlich weiter runter, seitdem kaum Symptome
10.10.17 11 Kügelchen 3,4mg (neue Packung mit weniger Kügelchen pro Kapsel)
11.11.17 10 Kügelchen 3,1mg
12.12.17 09 Kügelchen 2,8mg
18.01.18 08 Kügelchen 2,5mg

Symptome nach (zu schneller) Reduktion am Morgen extrem und schrecklich: Nervosität, Anspannung, schneller Puls, Angst, Panik, extreme Blähungen, zeitiges Aufwachen, dann Durchfall, manchmal mit Übelkeit bis zum Würgen, teilweise Erbrechen.

Dann Symptome auch ganztägig verteilt: plötzliche Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Gefühl das Gehirn schwitzt und ist warm, Unwirklichkeitsgefühl, vereinzelt Anflug von Panik, Traurigkeit, Weinerlichkeit, Pessimismus, wirre Träume.

Nachmittags ist es oft gut und es gibt auch Symptomfreie Tage, wenn ich dann endlich auf einer Dosis stabilisiert bin.

Immer wieder, auch außerhalb der schlimmen Wellen:
schmerzhafte Nacken- und Rückenverspannungen, ständig Blähungen und täglich Durchfall, selten kurzes aber schmerzhaftes Stechen im rechten Unterbauch, Schwindel, Kopfschmerzen

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