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Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

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Mayborr
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Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Mayborr » Dienstag, 20.02.18, 20:16

Hallo Freunde,

ich habe gelernt und verinnerlicht, dass Angst nicht lebensbedrohlich ist. Ich weiß aber auch, dass der Entzug von z.B. Alkohol durchaus Komplikationen haben kann.

Gehen wir nun mal davon aus, dass wir aufgrund des SSRI-Absetzsyndroms ein hyperaktives, glutamerges/noradreneges Nervensystem haben. Wie sieht es hier aus? Sind die Symptome ebenfalls selbstlimitierend und „einfach nur Höllenqualen“, die insbesondere aufgrund der noradreneger Überaktivität maximal in albtraumartige Angstzustände münden? Oder gibt es Indikatoren, wo es sinnvoll wäre, einen (Not-)Arzt zu rufen?

Ich kenne Panikattacken im Rahmen von Agoraphobie. Diese verlaufen kurvenartig und sind nach maximal 45 Minuten bei mir immer vorbei gewesen.
Zudem kenne ich „generalisierte Angst“ im Rahmen des Absetzsyndroms. Das ist aufgrund der somatischen Beschwerden sehr quälend und kräftezerrend - aber man überlebt es scheinbar unbeschadet und es gibt sogar gute Fenster. Aber wie sieht es denn mit den „generalisierten Panikattacken“ aus, die nicht phobisch getriggert werden und einfach aufgrund einer Überstimulation (z.B. Tasse Kaffee oder emotionaler Stress) dann getriggert werden? Hat hier jemand Erfahrung mit dem Aussitzen?

Ich muss sagen, dass ich schon Probleme habe, wenn jetzt zwischenzeitlich mein auf 125/70, 65 normalisierter Blutdruck während einer solchen Attacke für 2 Stunden auf 165/115, 90 ist. Unwirklichkeitsgefühle, Schwindel und das Gefühl der Atemlosigkeit und des „schweren Herzschlages“ fühlen sich heftiger an, als die damaligen „phobischen Panikattacken“.

Viele Grüße
Mayborr
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ab 15.01.2010 Citalopram 20-40mg - teilweise beschwerdefreie Phasen.
Kippte aber manchmal in eine Art Hyperaktivität
Mitte 2014 Absetzversuch (auf 10mg) auf Anraten eines neuen Arztes - wegen Absetzerscheinungen nach 5-6 Tagen aber schnell wieder auf 20mg aufdosiert. Seitdem Wirkverlust und stetige Verschlechterung des Zustands. Besserung bei Auslassen einer Einzeldosis, kippte dann aber schnell in Absetzsymptome.
Ende 2015 abrupt nach alternierender Einnahme abgesetzt, da nur noch Nebenwirkungen des Citaloprams vorhanden waren.
Anfang 2016 starke Magen/Darmprobleme, Schwindel, Erbrechen, Schwäche - Q2/2016 wieder auf 20mg aufdosiert und diese Absetzsymptome waren wieder weg. Nebenwirkungen waren jedoch massiver als zuvor wieder da - trotzdem weiter eingenommen. Zustand war immer 1-2 Stunden nach der Einnahme schlechter.
2017 mehrere hypertensive Krisen, verlängertes QTc, TdP mit Frequenzen um 230 - abruptes Absetzen von Citalopram in Q1/2017 auf ärztliche Veranlassung. QTc hat sich binnen 2 Monaten langsam normalisiert
Starke Angstzustände und alte Magen/Darmsymptomatik wiedergekehrt, sodass ich in Q2/2017 Citalopram 20mg eigenmächtig alternierend eingenommen habe.
Erneut Rythmusstörungen, QTc wieder verlängert, TdP Tachykardien, hypertensive Krisen mit 230/135, mehrere Notfallbehandlungen im KH.
Seit Q3/2017 wieder abrupt abgesetzt.
Mit Verzögerung starke Absetzsymptome und heftige, generalisierte Angst (24h Angst) bekommen. Nach 3 Monaten symptomatischer Bekämpfung mit Loratadin, Buscopan, Pantozol, Imodium, Baldrian, viel Ruhe, Tee - 0% Kaffee und Alkohol sowie 3 Wochen "Urlaub auf dem Sofa" scheinbar symptomfrei. Wurde von "ein auf den anderen Tag" besser, als sich die Magen/Darm Probleme gefangen hatten. War aber ein klassisches "Fenster".

10 Tage später wieder eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase.
Das nun vom Hausarzt verordnete Opipramol habe ich nach 3-maliger Einnahme abgesetzt, da scheinbar alle alten H1-Antagonisten zu unerträglichen Verwirrtheitszuständen geführt haben.

Jan 18: Wieder ein "Fenster"
Feb 18: Massiv verunsichert. Zusammenbruch, Behandlung in der psych. Ambulanz, Tavor 0,5 für Notfälle bekommen. Tavor hat die Symptome zunindest kurzzeitig komplett gestoppt. Der Arzt aus der Notaufnahme ist der Meinung, dass wieder ein SSRI her muss.

Mehrere Termine in der Krisenambulanz. Kompetenten und sehr sorgfältigen, erfahrenen Arzt bekommen. Dieser vermutet damaliges Serotoninsyndrom aufgrund von Poor Metabolizing und bestätigt Absetzsyndrome, die sich deutlich von der ursprünglichen Störung unterscheiden. Nach gemeinsamer Abwägung von Nutzen-/Risiken vorrübergehend Pregabalin (25-150mg pro Tag) zur vorrübergehenden Symptomlinderung. Ab 150mg völlige Symptomfreiheit.
Nach 10 Tagen Verwirrtheit, grobschlägiges Zittern, "Horrorattacken". Pregabalin auf 50mg / Tag nach Rücksprache mit Ärztin in der PIA reduziert - Symptome nach 24 Stunden weg.
Nase voll von den Experimenten. Ich nehme keine Medikamente mehr gegen die Angst. Soll mich diese verdammte Angst doch holen. Ich hol mir jetzt mein Leben zurück.

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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Flummi » Mittwoch, 21.02.18, 8:46

Hallo Mayborr,

Ich bin nicht so erfahren, was die Absetzsymptomatik angeht, aber das gefährlichste an der ganzen Sache KÖNNTE das Notarzt-Rufen sein.
Ich habe hier ein Schicksal mitbekommen, wo ich auch mit der entsprechenden Dame telefoniert habe: da hat der Freund den Notarzt gerufen wegen der körperlichen/psychischen Entzugssymptome und diejenige ist wieder auf der Psychiatrie gelandet und es drohten sogar EKGs. Besser ging es ihr dort nicht und gegen die Entzugssymptome, wenn sie denn erkannt wurden, konnte auch nichts getan werden.
was also erhofft man sich vom Notarzt-Rufen? In welchen Fällen ist es sinnvoll?
nicht, dass ich dem generell misstrauisch gegenüber bin , es kann aber auch erst der Weg in die "Hölle" rein sein. Daher würde ich das mit Vorsicht betrachten .

Liebe Grüsse,
Claudia
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Jamie » Mittwoch, 21.02.18, 9:03

Hallo, :)

kurze Korrektur an Flummi: du meinst bestimmt nicht EKG, sondern EKT, oder? :o
--> wem die Abkürzungen nichts sagen (EKG = Herzschlagaufzeichnung / EKT = Elektrokrampftherapie)

Ich bin auch sehr skeptisch, was das Rufen des Notarztes betrifft.
Ich denke es gibt Situationen, da muss es sein. Zum Beispiel eine massive Blutdruckentgleisung, die man alleine daheim zB mit Betablockern nicht mehr in den Griff bekommt und die viele Stunden anhält, Herzrhythmusstörungen zähle ich auch dazu, zumindest so lange, bis man abgeklärt hat, wie massiv die Störung ist und ob sie gefährlich sein könnte.

Wobei man auch hier schauen muss, ob wirklich das Rufen der 112 notwendig ist oder man vielleicht auch noch selbst den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder die Notaufnahme ansteuern kann.

Notärzte sind unserer Erfahrung nach überfordert mit dem Entzugsgeschehen. Sie können einem ein Benzo zur Beruhigung geben oder einen Betablocker, falls das Herz rast, aber natürlich haben sie auch kaum mehr Möglichkeiten als jeder andere Arzt - und wir selbst auch, denn ein Entzugsgeschehen ist eben eine total undurchsichtige Sache; geschweige denn dass es überhaupt anerkannt ist. Die meisten werden da im Dunkeln tappen und irgendwas von "Panikattacke" reden.

Es besteht die Gefahr als Psycho eingestuft zu werden. Das passiert leider auch immer wieder.
Wir haben Leute hier, die immer wieder den Notarzt gerufen haben oder in die Notaufnahme gekommen sind, so lange, bis sie keiner mehr ernst genommen hat. Was schlimm genug ist :x .

Ich halte das für problematisch, denn irgendwann könnte eine wirklich gefährliche Situation eintreten und wenn man dann schon "in dem Laden als Psycho bekannt ist", stehen die Chancen nicht so gut, wirklich auch die Behandlung zu bekommen, die nötig wäre.

Bis auf zerebrale Krampfanfälle, die aber im AD Entzug kaum vorfallen (eher bei Benzos, vor allem bei Kaltentzug und großen Dosisreduktionen), Blutdruckentgleisungen und Herzrhythmusstörungen gibt es wenige Symptome aus unserer Absetzsymptomliste, die wirklich gefährlich sein können; Entzug ist normalerweise nicht lebensbedrohlich.

Und das sollte man auch im Kopf haben, wenn Angst und Symptome zuschlagen.

Ich plädiere dafür für solche Situationen eine Notfallmedikation zu Hause zu haben (wer weiß, dass er es mit dem Blutdruck zu tun kriegt, macht sich bitte einen Termin beim Hausarzt aus und lässt sich ein Notfall Blutdruckmittel verordnen, von dem er bei Bedarf was nimmt) bzw. hat eine Tablette von einem Notfall-Benzo im Haus (bei schweren Panikattacken) und wenn man das dann nimmt und alles nichts hilft, dann kann man auch - so finde ich - guten Gewissens den Notarzt rufen.
Es zeigt zumindest, dass man schon was versucht hat und wenn es dann nicht anschlägt, dann ist ein solcher Zustand auch eine Indikation für den Notarzt.

Natürlich muss jeder selbst entscheiden, wie er da vorgeht. Ich denke Augenmaß ist da wirklich das sinnvollste Verhalten, sofern man dazu noch in der Lage ist :hug: .

Grüße
Jamie
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Flummi » Mittwoch, 21.02.18, 10:11

Hallo Jamie,

Genau EKT meine ich. :)

Vielen Dank!

Claudia
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Mayborr » Mittwoch, 21.02.18, 10:33

Danke für eure Antworten. Ist ein Teufelskreis bei mir wohl. Damals war meine Angst, dass ich an den Symptomen einer Panikattacke im Rahmen einer Panikstörung sterbe. Dann habe ich jahrelang verinnerlicht, dass es „nur die Angst in meinem Kopf“ ist und mein Körper kerngesund.
Nun bin ich mit der Situation konfrontiert, dass das Citalopram bzw. das Absetzen dessen wohl (indirekt) mein exzitatorisches Nervensystem beschädigt hat und tatsächlich etwas „nicht nur kognitiv“ nicht in Ordnung ist.

Ich habe vor gut 18 Jahren den ersten Notarzt gesehen - der hat mich beruhigt und eine Tüte vor den Mund gehalten, da ich eine Hyperventilationstetanie hatte. In den letzten 2 Jahren hatte sich das wegen der hypertensiven Krisen dann gehäuft. Die Sanitäter (und wenn angefordert auch der Notarzt) waren immer sehr bedächtig und haben keine Medikamente gegeben. Stationär gab es dann eben Antihypertensiva, da man sich alle Symptome mit zu hohem Blutdruck erklärt hat. Ich habe daher (zum Glück) bis jetzt nur gute Erfahrung gemacht.

Gruß Mayborr
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10 Tage später wieder eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase.
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von LenaLena » Donnerstag, 22.02.18, 17:13

Hey Mayborr,

du bist nicht alleine mit deinen Ängsten und Gedanken, die du hier aufgeschrieben hast, es geht so vielen so...
Gerade auch diese Unterscheidung der Entzugspanik von normalen Panikattacken wurden schon häufig diskutiert und festgestellt... wie du ganz richtig sagst, hat diese Entzugsangst nichts gemein mit der einer Angst-/Panikstörung. Sie ist so viel heftiger...

Daher ist es auch völlig normal, dass du so denkst. Diese Vorgänge sind nun mal sehr erschreckend!

Mit all den Erfahrungen der Nutzer dieses Forums sehe ich es aber auch so, dass das Rufen eines Notarztes (oder das Aufsuchen der Notfallambulanz) das größte Risiko ist.

LG Lena
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Mayborr » Donnerstag, 22.02.18, 17:30

Hallo Lena,

Danke! Ich habe jetzt zwar die zweifelhafte Krücke des Pregabalins, weil ich nach knapp 5 Monaten auf 0mg Citalopram einfach nicht mehr konnte. Ich hatte versucht es auszusitzen und auszuhalten, aber ich war am Ende zu schwach. Gerade die 2 Jahre mit den hypertensiven Krisen während der Einnahme des Citaloprams (was vermutlich ursächlich war) stecken noch so tief in mir, dass ich einfach Angst habe, zu sterben. Oder aber meinen Verstand völlig zu verlieren. Denn ohne unterstützende Medikation war ich nicht mehr in der Lage zu schlafen, teilweise zu sprechen, mich zu konzentrieren oder auch nur mal "Ruhe im Kopf" zu haben. Diese Symptome sind derzeit das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Die Panikstörung und Agoraphobie waren insofern erträglicher, als dass ich dort durch Vermeidung oder Flucht (oder den Gedanken, dass mich zur Not ein Arzt "rettet") eine Linderung hatte.

Auf der anderen Seite wächst in mir das Gefühl, dass ich das Schlimmste überstanden habe nach den 2 Jahren.
5 Monate auf 0mg und das Zeug ist endlich raus aus dem Körper und das Gehirn remodelliert sich.
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von LenaLena » Donnerstag, 22.02.18, 19:07

Hallo Mayborr,

wenn es nicht mehr anders ging, warum nicht. Keiner steckt in deinem Körper und hat deine Geschichte, das kannst nur du spüren und entscheiden :)
Es hat ja keinen Sinn den Entzug durchzuziehen, wenn man die Kraft nicht mehr aufbringen kann...

Ist es bei dir nach den 5 Monaten auf null schlimmer geworden (wo du dich fürs Pregabalin entschieden hast) oder wars die ganze Zeit in den Wellen so schlimm?

Ich frage, weil es bei mir nach ca 6 Monaten schlimmer wurde... Ich kann nur hoffen, dass ich das Schlimmste jetzt dann auch mal bald überstanden habe, lange reicht die Kraft auch nicht mehr... auch wenns noch ewig dauern sollte, wäre etwas weniger Intensität wünschenswert :wink:

LG Lena
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Mayborr » Donnerstag, 22.02.18, 19:47

Hallo Lena,

ich kann das nicht sagen, da ich am (bei mir) schlimmsten Punkte eben den Weg in die PIA gefunden und mir mit dem Pregabalin eine „Aus dem Gefängnis Frei"-Karte geholt habe. Ich werde mich aber hüten, Dir diese Medikation zu empfehlen. Für mich war es eben nur sehr beeindruckend, dass 0,5mg Tavor alle Symptome für wenigen Stunden vollständig beenden konnten. Gleichzeitig hat es aber eine teuflisch Aura gehabt - um die 2. Tablette bin ich tagelang „wie Gollum um den Ring“ geschlichen.

Alles Gute und halt durch! Wir schaffen das gemeinsam.
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von LenaLena » Freitag, 23.02.18, 10:21

Hallo,
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Donnerstag, 22.02.18, 19:47
Für mich war es eben nur sehr beeindruckend, dass 0,5mg Tavor alle Symptome für wenigen Stunden vollständig beenden konnten. Gleichzeitig hat es aber eine teuflisch Aura gehabt - um die 2. Tablette bin ich tagelang „wie Gollum um den Ring“ geschlichen.
Das sagt doch sehr stark aus, dass unser Nervensystem wegen dem Entzug so durcheinander ist, dass kein Stein mehr auf dem anderen ist. Und mit einer kurzzeitigen Beruhigung sind alle Symptome verschwunden - ein sehr großer Beweis, dass wir weder körperlich krank sind noch psychisch.

Ja, diese teuflische Aura, die du beschreibst, würde mir auch Angst machen. Daher nehm ich lieber so lange wie möglich nichts ein.
Ich versuche es immer, wenigstens ein wenig zu lindern mit Baldrian.

LG Lena
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Mayborr
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Mayborr » Samstag, 24.02.18, 21:50

Ich hab's nicht geschafft. Nach 2 Tagen kaum Schlafen und dadurch massiver gewordene Symptome habe ich das Pregabalin von initial 25-25-25-0 auf mittlerweile 100-25-50-50 gesteigert. Die anfänglich mit der Pregabalin-Einnahme entstandenen Ohrgeräusche und Verwirrtheitszustände haben sich zu massiven Panikattacken und grobschlägigen Zitteranfällen ergänzt. Was davon nun Pregabalin und was Absetzsymptome sind… keine Ahnung. Ich glaube aber, dass das Pregabalin nach anfänglicher, toller Wirkung nichts Gutes macht. Somatisch blockt es die Symptome - psychisch scheint es aber die Horrorattacken zu augmentieren. Vorallem, wenn der Pegel sinkt.

Ich war nun wieder in der Notfallambulanz und werde ab Montag im Krisenzentrum mit kognitiver Verhaltebstherapie unterstützt. Und auch hier sagze die Ärztin: Citalopram kalt absetzen ist der Horror. Es sei alles dokumentiert und bekannt und es ist grotesk, dass
man die Leute vor einiger Zeit deswegen als „verrückt“ erklärt hat.

Ich habe heute die 0,5mg Tavor als Notbremse genommen. Das hat die Symptome zum Glück für ein paar Stunden gebremmst.
Ich bin nun gespannt, wie man klinisch mit mir versucht, den Entzug zu überstehen. Ob man vielleicht Sertralin niedrig eindosiert und das dann mit Bedacht ausschleicht?
Irgendetwas müssen wir finden.

Grüße
Mayborr
seit 1996 Panikattacken
1999 zusätzlich Agoraphobie
1999-2001 Gesprächstherapie
2001-2004 Opipramol bis Höchstdosis ohne Erfolg
2004-2010 keine Medikamente - Angst und stark somatische Beschwerden
ab 15.01.2010 Citalopram 20-40mg - teilweise beschwerdefreie Phasen.
Kippte aber manchmal in eine Art Hyperaktivität
Mitte 2014 Absetzversuch (auf 10mg) auf Anraten eines neuen Arztes - wegen Absetzerscheinungen nach 5-6 Tagen aber schnell wieder auf 20mg aufdosiert. Seitdem Wirkverlust und stetige Verschlechterung des Zustands. Besserung bei Auslassen einer Einzeldosis, kippte dann aber schnell in Absetzsymptome.
Ende 2015 abrupt nach alternierender Einnahme abgesetzt, da nur noch Nebenwirkungen des Citaloprams vorhanden waren.
Anfang 2016 starke Magen/Darmprobleme, Schwindel, Erbrechen, Schwäche - Q2/2016 wieder auf 20mg aufdosiert und diese Absetzsymptome waren wieder weg. Nebenwirkungen waren jedoch massiver als zuvor wieder da - trotzdem weiter eingenommen. Zustand war immer 1-2 Stunden nach der Einnahme schlechter.
2017 mehrere hypertensive Krisen, verlängertes QTc, TdP mit Frequenzen um 230 - abruptes Absetzen von Citalopram in Q1/2017 auf ärztliche Veranlassung. QTc hat sich binnen 2 Monaten langsam normalisiert
Starke Angstzustände und alte Magen/Darmsymptomatik wiedergekehrt, sodass ich in Q2/2017 Citalopram 20mg eigenmächtig alternierend eingenommen habe.
Erneut Rythmusstörungen, QTc wieder verlängert, TdP Tachykardien, hypertensive Krisen mit 230/135, mehrere Notfallbehandlungen im KH.
Seit Q3/2017 wieder abrupt abgesetzt.
Mit Verzögerung starke Absetzsymptome und heftige, generalisierte Angst (24h Angst) bekommen. Nach 3 Monaten symptomatischer Bekämpfung mit Loratadin, Buscopan, Pantozol, Imodium, Baldrian, viel Ruhe, Tee - 0% Kaffee und Alkohol sowie 3 Wochen "Urlaub auf dem Sofa" scheinbar symptomfrei. Wurde von "ein auf den anderen Tag" besser, als sich die Magen/Darm Probleme gefangen hatten. War aber ein klassisches "Fenster".

10 Tage später wieder eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase.
Das nun vom Hausarzt verordnete Opipramol habe ich nach 3-maliger Einnahme abgesetzt, da scheinbar alle alten H1-Antagonisten zu unerträglichen Verwirrtheitszuständen geführt haben.

Jan 18: Wieder ein "Fenster"
Feb 18: Massiv verunsichert. Zusammenbruch, Behandlung in der psych. Ambulanz, Tavor 0,5 für Notfälle bekommen. Tavor hat die Symptome zunindest kurzzeitig komplett gestoppt. Der Arzt aus der Notaufnahme ist der Meinung, dass wieder ein SSRI her muss.

Mehrere Termine in der Krisenambulanz. Kompetenten und sehr sorgfältigen, erfahrenen Arzt bekommen. Dieser vermutet damaliges Serotoninsyndrom aufgrund von Poor Metabolizing und bestätigt Absetzsyndrome, die sich deutlich von der ursprünglichen Störung unterscheiden. Nach gemeinsamer Abwägung von Nutzen-/Risiken vorrübergehend Pregabalin (25-150mg pro Tag) zur vorrübergehenden Symptomlinderung. Ab 150mg völlige Symptomfreiheit.
Nach 10 Tagen Verwirrtheit, grobschlägiges Zittern, "Horrorattacken". Pregabalin auf 50mg / Tag nach Rücksprache mit Ärztin in der PIA reduziert - Symptome nach 24 Stunden weg.
Nase voll von den Experimenten. Ich nehme keine Medikamente mehr gegen die Angst. Soll mich diese verdammte Angst doch holen. Ich hol mir jetzt mein Leben zurück.

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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von LenaLena » Sonntag, 25.02.18, 14:57

Hallo Mayborr,
mach dir nichts drauf, es wird schon werden :)
Diese Symptome können einfach krass sein.
Mayborr hat geschrieben:
Samstag, 24.02.18, 21:50
Und auch hier sagze die Ärztin: Citalopram kalt absetzen ist der Horror. Es sei alles dokumentiert und bekannt und es ist grotesk, dass
man die Leute vor einiger Zeit deswegen als „verrückt“ erklärt hat
Mensch, das ist ja toll!!
Kannst du sie bitte fragen, ob sie sich mit dieser Meinung mehr öffentlich für uns Betroffene einsetzen will... :D :lol: :roll:

LG Lena
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Mayborr
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Mayborr » Montag, 26.02.18, 18:53

Pregabalin ist jetzt von 225mg auf 50mg ohne Probleme seit 2 Tagen. Ich werde es morgen nur noch einmal mit 12,5mg nehmen und dann absetzen. Scheint problemlos zu funktionieren. Die Angst ist jetzt wieder "klar" da - nicht so vernebelt. Mit 225mg hat es sich angefühlt, als Kämpfe ich mit einem Arm auf dem Rücken und verbundenen Augen.

War heute in der Tageskrisenklinik. Wir versuchen das jetzt kognitiv zu überstehen. Auf jedenfall bin ich gerade wütend und will mein Leben zurück. Soll die Angst kommen. Schlimmer kann es nicht mehr werden. Mein Lebenswille ist und bleibt ungebrochen. Ab jetzt kann es nur besser werden.
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Kippte aber manchmal in eine Art Hyperaktivität
Mitte 2014 Absetzversuch (auf 10mg) auf Anraten eines neuen Arztes - wegen Absetzerscheinungen nach 5-6 Tagen aber schnell wieder auf 20mg aufdosiert. Seitdem Wirkverlust und stetige Verschlechterung des Zustands. Besserung bei Auslassen einer Einzeldosis, kippte dann aber schnell in Absetzsymptome.
Ende 2015 abrupt nach alternierender Einnahme abgesetzt, da nur noch Nebenwirkungen des Citaloprams vorhanden waren.
Anfang 2016 starke Magen/Darmprobleme, Schwindel, Erbrechen, Schwäche - Q2/2016 wieder auf 20mg aufdosiert und diese Absetzsymptome waren wieder weg. Nebenwirkungen waren jedoch massiver als zuvor wieder da - trotzdem weiter eingenommen. Zustand war immer 1-2 Stunden nach der Einnahme schlechter.
2017 mehrere hypertensive Krisen, verlängertes QTc, TdP mit Frequenzen um 230 - abruptes Absetzen von Citalopram in Q1/2017 auf ärztliche Veranlassung. QTc hat sich binnen 2 Monaten langsam normalisiert
Starke Angstzustände und alte Magen/Darmsymptomatik wiedergekehrt, sodass ich in Q2/2017 Citalopram 20mg eigenmächtig alternierend eingenommen habe.
Erneut Rythmusstörungen, QTc wieder verlängert, TdP Tachykardien, hypertensive Krisen mit 230/135, mehrere Notfallbehandlungen im KH.
Seit Q3/2017 wieder abrupt abgesetzt.
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10 Tage später wieder eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase.
Das nun vom Hausarzt verordnete Opipramol habe ich nach 3-maliger Einnahme abgesetzt, da scheinbar alle alten H1-Antagonisten zu unerträglichen Verwirrtheitszuständen geführt haben.

Jan 18: Wieder ein "Fenster"
Feb 18: Massiv verunsichert. Zusammenbruch, Behandlung in der psych. Ambulanz, Tavor 0,5 für Notfälle bekommen. Tavor hat die Symptome zunindest kurzzeitig komplett gestoppt. Der Arzt aus der Notaufnahme ist der Meinung, dass wieder ein SSRI her muss.

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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 27.02.18, 12:44

Hallo Mayborr,

Klaus Bernhard hat Podcast zum Thema Angst und Panik, vielleicht ist da was für dich dabei: https://www.panikattacken-loswerden.de/ ... er-podcast

Wut mobilisiert Kräfte - nutze sie für dich!

Grüße, Murmeline
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Mayborr » Donnerstag, 22.03.18, 20:57

Mal ein Update...

Es wurde nach Absetzen des Pregabalin so schlimm, dass ich nochmal in der psychiatrischen Notaufnahme gelandet bin. Deren Lösung war Lorazepam 0,5 Expidet und die Aufnahme in eine psychologische Akut-Tagesklinik (KVT).
Ich habe die 14 Tage dort durchgezogen und nach 4-5 maliger Einnahme auf das Lorazepam verzichtet, da mir das zu gefährlich wurde.
Insgesamt hat es geholfen, die Angst vollständig zuzulassen. Aber das ist ein hartes Stück Arbeit. 11kg in 14 Tagen habe ich verloren. Teilweise 48 Stunden ohne Schlaf (vor Angst), Albträume und übelste Zustände vom Schlafmangel.

Nun bin ich seit ein paar Tagen zuhause und erhole mich. Ich profitiere tatsächlich von den Erkenntnissen der KVT und der Tatsache, dass ich nun auch beruflich erstmal "raus" bin.

Ein neues SSRI hat man mir nicht angeboten, weil man meinte, ich könnte psychotisch reagieren. Stattdessen schlug man Neuroleptika und Lithium vor, was ich jedoch verweigert habe.
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10 Tage später wieder eine enorm hoffnungslose und schlimme Phase.
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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Murmeline » Freitag, 23.03.18, 10:13

Guten Morgen!

Oje, das waren ja sehr anstrengende Tage! Immerhin konntest du etwas mitnehmen und ich hoffe, du kannst dich weiterhin stabilisieren. Aktualisierst du deine Signatur noch, bitte und danke!

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Re: Angst ist nicht gefährlich - aber wie sieht es mit dem SSRI-Entzug aus?

Beitrag von Mayborr » Samstag, 07.04.18, 16:18

Signatur wird zu lang... ich poste mal hie das Update. Eventuell mag ein Moderator diesen Thread an "meinen Thread" kleben.

Eine Woche nach der Tagesklinik war das Pregabalin wohl ganz raus aus dem Körper bzw der Entzug überstanden. Neu waren dann jedoch Zustände, die in der ZNA als "neurologischer Ausfall / v.a. depressiven Stupor" bewertet wurden. Ich selbst habe die Zustände bei vollem Bewusstsein erlebt. Teilweise war ich zeitlich jedoch nicht mehr orientiert und hatte starke Aufmerksamkeits-/Gedächtnisstörungen. Auf Anraten der Klinik habe ich mich stationär aufnehmen lassen. Nach 7 Tagen Einnahme von 30mg Duloxetin sind alle Symptome verschwunden... gefühlt bin ich nun auf dem Stand von vor 1 Jahr vor Absetzen des Citaloprams. Ich nehme das jetzt als neuen Versuch, das Duloxetin kurzfristig langsam auszuschleichen.
Die Einnahme des Duloxetin empfinde ich als kritisch. Ich habe der Einnahme aus Verzweiflung zugestimmt, da ich wollte, dass dieser schlimme Zustand aufhört, für den ich am Schluss (im akuten Zustand) nur noch Suizid als wahrscheinliche Lösung gesehen habe. Das wiederum erschreckt mich jetzt immer noch.

Dass mich diese Aufs und Abs stark verunsichern, muss ich nicht erwähnen...
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