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Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
Arianrhod
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Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Arianrhod » Montag, 16.11.15, 23:52

1)Unter Neuroleptika 2005 - 2011

Von anfang an war die Medikation bei mir ein Teil des Problems, nicht der Lösung. Ich war lethargisch, sehr dick, hatte Denkstörungen , war stark verlangsamt, also all das, was man sich unter "psychisch behindert" vorstellt. Trotzdem habe ich es zwei Jahre lang mit 800mg Amisulprid ausgehalten und dann leider viel zu schnell abgesetzt.
Was soll ich sagen? Dieser Entzug wart fürchterlich. Stundenlange Angst- und Panikattacken. Derealisationserleben. Optische Halluzinationen. Übelkeit und unstillbares Erbrechen und eine Gewichtsabnahme von 30 kg in 2 Monaten.
Diesen Zustand habe ich fast vier Monate ertragen, dann habe ich mich doch zu einem neuen Neuroleptikum "überreden" lassen.( In der Psychiatrie, mit Beschluss).
Auf diese Weise ging das Leben weiter.
Ich versuchte noch ein paarmal abzusetzen. Vermutlich zu schnell, auf jeden Fall kam es bei jedem Versuch zu psychotischen Symptomen. Dann wurden neue Medikamente gegeben. Eines davon , Risperidon, verursachte bei mir als Nebenwirkung starke Ängste.
Ich bekam eine Menge niedrigpotenter Neuroleptika gegen die Ängste, doch nix half. Besser wurde es erst, als ich darauf bestand, Risperidon gegen Paliperidon. auszutauschen .
Ich war Drehtürpatientin in der Geschlossenen und unfähig, auch nur alleine vor die Tür zu gehen.
Ich war suizidal und verzweifelt.
In diesem Moment bekam ich den Rentenbescheid und die Prognose einer schweren chronischen Psychose ( Das Gutachten habe ich noch.)
Mein letztes Medikament, das ich nahm, nachdem mir Haldol eine Akathisie (Bewegungsunruhe) beschert hatte, war dann die Dosis von 800mg Quetiapin retard (Seroquel prolong)
Zuletzt geändert von Arianrhod am Dienstag, 17.11.15, 0:35, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Arianrhod » Dienstag, 17.11.15, 0:12

2. Die Suche 2012
Irgendetwas trieb mich an, nicht aufzugeben. Ich hatte mal ein Leben: Familie, ein Studium, einen interessanten Beruf, längere Zeit im Ausland
. Ich konnte mich nicht damit abfinden, dass das alles vorbei sein sollte.
Ich versuchte Hilfe zu bekommen.
Zwei Fachleute, deren Schriften mich sehr beeinflusst haben, waren Peter Lehmann und Dr. Volker Aderhold. Von dem ADFD wußte ich leider nichts.

Ich hatte zwar schon mehrere Absetzversuchge hinter mir, die gescheitert waren, aber Scheitern ist auch Erfahrungen sammeln. Ich kannte beispielsweise meine "Absetzsymptome". Auf "Das ist ein neuer Krankheitsschub!" würde ich nichts mehr geben.

ich beherzigte besonders diese beiden Artikel:

Reduktions~ und Absetzversuche therapeutisch begleiten.

Ein unterstützendes soziales Netzwerk ist sehr hilfreich.
Zunächst sollte ein Krisenplan aufgestellt werden, Ängste und Gefahren sollten benannt und überprüft werden.
Der gesamte Verlauf sollte protokolliert werden.
Die Reduktion muss in kleinen Schritten erfolgen und kann mehr als zwei Jahre dauern.
Auf jeder Reduktionsstufe sollte vor weiteren Schritten Stabilität erreicht werden.
Wesentlich sind gesunde Ernährung, Obst, Wasser, körperliche Bewegung, Ruhe und viel Schlaf. Alkohol, Drogen, ggf. Kaffee sind kontraindiziert.
Es ist mit stärkeren emotionalen Reaktionen zu rechnen, geeignete Verarbeitungshandlungen (kreativer Ausdruck, Sport, …) kann man sich gut im Vorfeld überlegen.
Werden Entzugssymptome zu ausgeprägt, war der Reduktionsschritt zu groß und sollte rückgängig gemacht werden. Dann wieder Stabilität erlangen, der nächste Reduktionsschritt sollte kleiner ausfallen.
Kurzfristig auftretende psychotische Symptome müssen nicht zwangsläufig zur Dosiserhöhung führen. Andere geeignete Behandlungsformen sind z.B. Entspannungstechniken, Grundsätze des Recovery, Coping-Techniken bei Stimmenhören, Einzeltherapie, Familientherapie und traditionelle chinesische Kräutermedizin.
Auch Reduktion ist erstmal ein Erfolg. Nach therapeutischer Begleitung sind weitere Versuche sinnvoll. .


http://www.pinel-online.de/index.php?id=573

und

Um Absetzsymptome so gering wie möglich zu halten, sollte man nach der
10%-Regel vorgehen, d.h. die Dosis jeweils um 10% reduzieren. Bei späteren
Reduktionsschritten sind oft sogar noch kleinere Dosis-Stufen sinnvoll.

Die Reduktion sollte erst dann weiter fortgesetzt werden, wenn für einige Wo-
chen eine Stabilität mit dieser Dosis erreicht wurde. Je nach Dauer der voraus-
gegangenen Einnahme wird eine Wartezeit von 3 bis 6 Wochen vorgeschlagen,
bevor weiter reduziert wird. Sollten sich Absetzsymptome wie Schlafstörungen
oder Unruhe einstellen, sollte vor dem Abklingen der Symptome nicht weiter
reduziert werden.

Mögliche psychische oder körperliche Absetzsymptome stellen sich schnell ein
und verändern sich. Sind sie zu ausgeprägt, war der Reduktionsschritt zu groß.
Dann ist die Rückkehr auf die letzte Dosis – eventuell für einige Tage sogar
etwas höher dosiert – richtig. Vor einem erneuten und auf jeden Fall kleineren
Reduktionsschritt sollten 2–4 Wochen abgewartet werden


http://www.dgsp-ev.de/fileadmin/dgsp/pd ... 14_web.pdf

ich würde mit diesen beiden Texten sozusagen arbeiten.
Zuletzt geändert von Arianrhod am Dienstag, 17.11.15, 0:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Arianrhod
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Arianrhod » Dienstag, 17.11.15, 0:26

Vorgehen 2012 - 2014


Ich begann eine Psychotherapie, um herauszufinden, warum ich auf Stress und Angst eigentlich mit seelischen Krisen reagiere. Kindheit und Jugend, sich abgrenzen können, Nein sagen lernen, Recht auf Pausen, das waren so meine Themen.

Ich suchte mir einen neuen Psychiater. Dieser war zwar gegen völliges Absetzen, aber er war pro Reduzieren. Er war sofort damit einverstanden, die 800 mg auf 400 mg zu reduzieren.

ich hatte es geschafft, in dem ich zu mehreren Ärzten bin ( Hausarzt, Neurologe, Psychiater), so ziemlich alle Tabletten da zu haben: 400er, 300er, 200er, (100er gibt es nicht bei Sero prolong) 50 er.

ich fing bei 800 mg an-. (
1 - 6 Woche 600 mg. ( ging gut)
6- 12 Woche 400 mg ( Hier wollte mein Psychiater eigentlich, dass ich aufhöre. Aber ich wollte nicht aufhören. Ich fing allmählich an, mich besser zu fühlen und nicht mehr 16 - 20 Stunden täglich zu schlafen. )


12 - 18 Woche 300 mg
18- 24. Woche 200 mg . ( dann bekam ich leichte Angstgefühle.)
ich wieder auf 250 mg hoch. Nochmals 6 Wochen gewartet, bis ich wieder okay war.)

30. - 36. Woche 200 mg
36. - 42. Woche 150 mg
42. - 48. Woche 100 mg (Es wird schwieriger je näher an der 0. Daher ließ ich mir jetzt noch mehr Zeit .)
48.- 52. Woche immer noch 100 mg

jetzt war ein Jahr rum und ich war immer noch am Ausschleichen!

1 - 8. Woche: 50 mg ( eigentlich ging es mir gut. Überlegte, ob ich es dabei lasse. )
Jetzt stand ich außerdem vor einem Problem. Die kleinste Dosis von Quetiapin retard sind 50 mg. 25 er gibt es nur in unretardierter Form,. Nur - wie komme ich da dran?

Beim nächsten Psychiatertermin sagte ich meinem Psychiater, dass ich Einschlafschwierigkeiten hätte und ob er mir nicht unretardiertes Sero verschreiben könnte.
Ich fühlte mich richtig mies. :( Ich bin normalerweise ein grundehrlicher Mensch und trickse überhaupt nicht gerne.
Ich bin nach wie vor der Meinung, man sollte mit seinem Arzt verhandeln können. Dass ich keinem Psychiater mehr wirklich vertraute, ist vielleicht erklär- aber nicht entschuldbar.

9. - 16. Woche 25 mg unretardiertes Sero.
16. - 20. Woche 12, 5 mg ( Tablettenschneider)
20. - 24. Woche ( immer noch - ich trau mich nicht).

Ab der 24. Woche wurde geviertelt, wieder mit dem Tablettenschneider. Also 6,25 mg Seroquel zur Nacht. So langsam eine homöopathische Dosis.

30. Woche ich gehe raus. Ein Jahr und fast 8 Monate hatte ich gebraucht.
Und vor 9 Jahren hatte ich das erste Mal Neuroleptika genommen
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Arianrhod » Dienstag, 17.11.15, 0:33

Die Zeit danach 2014 - heute

Es dauerte noch zwei Monate, bis ich meiner Psychotherapeutin "gestand", angesetzt zu haben.
Sie sprach freundlicherweise mit meinem Psychiater. Er reagierte gottseidank weder beleidigt noch gekränkt, sondern sehr professionell.
"Versprechen Sie mir, dass Sie zu mir kommen, wenn Sie eine Veränderung bemerken. "

Ja - und bis heute?
ich habe mich geändert. Ich bin mitfühlender, freundlicher, geduldiger geworden. Ich bin oft traurig, weil ich Teile der Kindheit meiner Kinder nicht mitbekommen habe ( habe ja nur geschlafen). Meine Ehe hat gottseidank überlebt.
Was geblieben ist, ist, dass ich nicht so genau weiß, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Ein Knacks. Eione gewisse Ziellosigkeit, eine Ahnung davon, dass es Dinge gibt, die sich andere nicht vorstellen können. Wenn die Sprache auf den Job, auf Urlaubsteisen, etc. kommt, kann ich nicht mitreden. Ich tu so vieles nicht, was Erwachsene in meinem Alter normalerweise tun.

Bitte, wer Fragen hat, fragt nach. Danke , wenn ihr bis hierhin gelesen habt, der Text ist sehr lange.

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Lisamarie » Dienstag, 17.11.15, 10:12

Hallo Arianrhod, danke für deinen Erfahrungsbericht, das ist ja genau der Weg den wir hier ja auch gehen, langsam und kontinuierlich runter im Einklang mit seinem Körper soweit es möglich ist. Schön das du es geschafft hast , du kannst stolz auf dich sein.
lg Petra
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Bis auf die Praxiten von heute auf morgen kalt abgesetzt, erste Absetzbeschwerden nach sechs Wochen, aber dann
6 Monate heftigste Absetzproblematik.Magendarm 30 Kilo in vier Monaten abgenommen.Halbes Jahr bettlägerig.Schwer suzidal zum stabilisieren fast ein Jahr gebraucht.
Oxazepam reduzieren von umgerechnet 50 mg Diazepam:
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Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.
.

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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 17.11.15, 10:54

Liebe Arianrhod,

auch von mir vielen Dank für Deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Wir empfehlen hier grundsätzlich einen sehr konservativen Ansatz, der das Absetzen als "Jahresprojekt" ansieht, nach individueller Geschichte oder Verlauf kann es auch länger dauern.

Wir haben hier Informationen gesammelt, wer ein langsames Auscchleichen auch empfiehlt: viewtopic.php?f=19&t=10199, Peter Lehmann oder die DGSP-Broschüre gehören da auch dazu.

Mich würde noch interessieren, ob und welche körperlichen/psychischen/kognitiven Symptome es bei den Schritten gab. Ob diese sich dann mit der Zeit gebessert hatten, so dass Du wusstest: ok, nach dem Reduktionsschritt passiert vermutlich wieder das und das oder irgendwas, aber wenn ich das einige Zeit durchstehe, dann pendelt es sich wieder ein.

Deine Geschichte macht Mut, ich freue mich sehr, dass Du sie mit uns teilst.

Grüße, Murmeline
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Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Arianrhod » Dienstag, 17.11.15, 19:14

Danke Lisamarie und Murmeline,
Murmeline hat geschrieben: Mich würde noch interessieren, ob und welche körperlichen/psychischen/kognitiven Symptome es bei den Schritten gab. Ob diese sich dann mit der Zeit gebessert hatten, so dass Du wusstest: ok, nach dem Reduktionsschritt passiert vermutlich wieder das und das oder irgendwas, aber wenn ich das einige Zeit durchstehe, dann pendelt es sich wieder ein.
Am meisten Sorgen machte ich mir bei dem "Sprung auf 0". Das war nämlich der Punkt, an dem die anderen Versuche gescheitert waren.
Normalerweise war es so: Nach dem totalen Absetzen fühlte ich mich so super, jemand sprach mal von "Absetz- Flitterwochen". Zwei bis drei Wochen später beginnen dann die Absetzsymptome. Man hat ja noch eine Weile NL im Körper.

Körperlich war der Entzug erstmal durch eine ziemliche Gewichtsabnahme gekennzeichnet, 30 kg, am meisten am Anfang.
Ich wiege aber immer noch 20 kg mehr als vor der Neuroleptikaeinnahme.
Was ich sehr begrüßte: Ich schlief viel weniger. Von 16- 20 Stunden plötzlich auf 8-10. Ich hatte plötzlich viel mehr Zeit am Tag.

Meine Denkfähigkeit verbesserte sich enorm.
Ich konnte ganz lange keine Seite in einem Buch lesen, keine Filme sehen, aus dem Grund, weil ich das Vorhergehende gleich wieder vergaß.
Personen konnte ich mir auch nicht merken. Bei Tests waren meine kognitiven Fähigkeiten ganz unten,
Das war ein großer Schlag gewesen, weil ich mich immer auf meinen Verstand verlassen hatte. Ab 100mg Quetiapin verbesserte sich die kognitive Leistung schlagartig und ab da kontinuierlich.

Meine Gefühle überrannten mich erstmal.
Ich war lange Jahre lang apathisch gewesen. Nichts hatte mich wirklich im Inneren berührt.
Ungefähr ab 200 mg kamen die Gefühle wieder zurück - aber hallo. Ich wurde zur Heulsuse, war am Wasser gebaut, erlebte das, was mir andere Menschen erzählten, hautnah. Die Tagesnachrichten konnte ich nicht mehr gucken vor Weinen.
Ich fand das so anstrengend, dass ich um ein Haar wieder NL genommen hätte.Als hätte ich keine Haut mehr.
Gottseidank hatte ich meine sehr gute, freundliche Psychotherapeutin, die mir da half.
Auch was die inneren Gefühlswallungen angeht.
Sie übte mit mir: Abgrenzen, Nein sagen, Pausen machen, all das, was man nicht gut kann, wenn man plötzlich sehr sensibel und offen ist ( und was ich früher, nebenbei bemerkt, auch schon nicht gut gekonnt habe).

Im Moment hat sich alles eingependelt. Ich freue mich, dass ich mitfühlen kann, dass ich denken kann, dass ich mich freuen und auch, dass ich traurig sein kann.

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von falbala » Sonntag, 12.06.16, 20:22

hallo , ich hab deinen Absetzbericht gelesen , du hast tatsächlich von 50 mg Seroquel retard auf 25 mg unretardiert runter dosiert ?
Hab ich das richtig gelesen ?
LG falbala
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erste Panikattacke mit Mitte 20,
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2013 seit Sommer Bromazanil ab und zu
seit Herbst 2013 mehr , wegen der Verstarkung der Angst , seit November so alle drei vier Tage mal ,
Dez 2013 Mirtazapin für drei Wochen , abgesetzt wegen Nebenwirkungen, (Ängste verstärkt , paranoide Gedanken )
2014 Januar Psychatrie , eigentlich um auf ein anderes AD eingestellt zu werden,
Diagnose Benzo Missbrauch , generalisierte Angst und Panikstörung,
sofort kein Bromazanil mehr genommen
Dafür Seroquel 100mg und Dominal 80 mg zum schlafen.
Zu Zeit vermutlich Absetzsymptome Bromazanil ,
abends 100 mg Seroqel
11.5.14 reduziert auf 88,5 mg Seroquel
6.6.14 reduziert auf 75mg Seroquel
7.7.14 reduziert auf 62,5 mg
L tyroxin 150
Dysto loges
Atarax als bedarf aber schon sehr lange nicht mehr genommen
Omega drei Fettsäuren
Dekristol sporadisch , müsste das nochmal testen lassen wie hoch der Spiegel ist
Mittlerweile auf 12,5 mg Seroquel , nun aber wieder Einschlafprobleme . Diese hatte ich unter 25mg nicht
Dazu nicht täglich aber sehr oft pascoflair 425 mg
immer weiter reduziert
08.2015 auf 12,5 mg Seroquel
10.2015 wieder auf 25mg da Angst und Unruhe wieder verstärkt
05.2016 wieder auf 50 mg Seroquel
13.05 .16 umgestellt auf Seroquel prolong 50 mg
20.07.16 umgetellt auf unretardiert 50 mg , aufgeteilt auf 3 mal ,abends 25mg -12,5-12,5
27.7 nochmals umgestellt abends 37.5 --- mittags 13.00 Uhr 12.5
Nov.2016 37,5 mg abends
Anfang Januar 2017 auf 31,25mg

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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Arianrhod » Montag, 13.06.16, 21:01

ich habe zunächst von einmal täglich 50 mg Seroquel retardiert zur Nacht auf zweimal täglich 25 mg Seroquel unretardiert morgens und abends umgestellt, stimmt, das kommt in meinem Bereicht nicht raus, weil ich vergessen habe, die Einnahmehäufigkeit dazu zuschreiben, entschuldigung.

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von falbala » Dienstag, 14.06.16, 15:14

Hallo , und dann ? Wie hast du es weiter reduziert ? Auf 25mg abends ? Und morgens einfach weg gelassen ?
Das hab ich nicht richtig verstanden , Sorry.
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Dafür Seroquel 100mg und Dominal 80 mg zum schlafen.
Zu Zeit vermutlich Absetzsymptome Bromazanil ,
abends 100 mg Seroqel
11.5.14 reduziert auf 88,5 mg Seroquel
6.6.14 reduziert auf 75mg Seroquel
7.7.14 reduziert auf 62,5 mg
L tyroxin 150
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Mittlerweile auf 12,5 mg Seroquel , nun aber wieder Einschlafprobleme . Diese hatte ich unter 25mg nicht
Dazu nicht täglich aber sehr oft pascoflair 425 mg
immer weiter reduziert
08.2015 auf 12,5 mg Seroquel
10.2015 wieder auf 25mg da Angst und Unruhe wieder verstärkt
05.2016 wieder auf 50 mg Seroquel
13.05 .16 umgestellt auf Seroquel prolong 50 mg
20.07.16 umgetellt auf unretardiert 50 mg , aufgeteilt auf 3 mal ,abends 25mg -12,5-12,5
27.7 nochmals umgestellt abends 37.5 --- mittags 13.00 Uhr 12.5
Nov.2016 37,5 mg abends
Anfang Januar 2017 auf 31,25mg

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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Arianrhod » Freitag, 17.06.16, 14:35

falbala hat geschrieben:Hallo , und dann ? Wie hast du es weiter reduziert ? Auf 25mg abends ? Und morgens einfach weg gelassen ?
Das hab ich nicht richtig verstanden , Sorry.
Nein, ich habe nix "einfach weggelassen" :wink:
Die 25er haben den Vorteil: Die kann ich teilen. Mit meinem extra dafür angeschafften Tablettenschneider.
Also habe ich erstmal geteilt.

12.5 mg - 0 - 25 mg ( vier Wochen lang so gelassen. Der nächste Schritt durfte erst erfolgen, wenn ich mich stabil und sicher fühlte. Wenn komische Angstgefühle auftauchen - NICHT weiter runter, das ist das sichere Zeichen, dass dein Gehirn gerade mit Enzugssymptomen kämpft.....)
dann
12.5 mg - 0 - 12.5 mg / dito)
8.3 mg ( gedrittelt!) - 0 - 12.5 mg
8.3 mg - 0 - 8.3 mg
4.15 mg - 0 - 8.3 mg

etc. (Meine Regel: Je näher zur 0, desto KLEINER müssen die Schritte werden. Zwischen 800 und 400 mg Sero habe ich keinen Unterschied gespürt, zwischen 25 und 12mg, holla die Waldfee.....)

Zum Ende hin war es ein ziemliches Gewurstel mit den Krümeln....aber es hat sich für mich gelohnt, ich habe wirklich absetrzen können.

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von falbala » Freitag, 17.06.16, 23:06

Hallo ,jetzt hab ich verstanden . Ein ganz schön langer Weg ,aber du hast es geschafft . Ich war ja auch mal bis auf 12,5 mg runter . Das ging mit den 25mg Tabletten ja auch super . Aber wie hast du dann die kleinst Dosen geschafft ? Geschätzt oder gewogen ?
wäre ich mal gut erst garnicht auf Prolong gegangen . Aber nu ist das Kind in den Brunnen gefallen .
Mal schauen wie ich das machen werde . 25 mg morgens .......ich weiß nicht ob man damit arbeiten kann .
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sofort kein Bromazanil mehr genommen
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abends 100 mg Seroqel
11.5.14 reduziert auf 88,5 mg Seroquel
6.6.14 reduziert auf 75mg Seroquel
7.7.14 reduziert auf 62,5 mg
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10.2015 wieder auf 25mg da Angst und Unruhe wieder verstärkt
05.2016 wieder auf 50 mg Seroquel
13.05 .16 umgestellt auf Seroquel prolong 50 mg
20.07.16 umgetellt auf unretardiert 50 mg , aufgeteilt auf 3 mal ,abends 25mg -12,5-12,5
27.7 nochmals umgestellt abends 37.5 --- mittags 13.00 Uhr 12.5
Nov.2016 37,5 mg abends
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von kugayama » Sonntag, 19.06.16, 15:06

Hallo Arianrhod,
beeindruckender Bericht. Ich hoffe, es geht dir jetzt etwas besser.
Kannst du mir etwas zu diesen Ängsten erzählen, und zu dieser dünneren Haut, die du bekommen hast?
Wovor hattest du Angst? Hattest du in diesen Phasen auch schon mal etwas Unbedachtes getan, was du später bereut hast?
Mein Ex hatte mich Knall auf Fall verlassen, nachdem Seroquel verringert wurde. Er fühlte sich unter Druck gesetzt von mir und beendete es unvermittelt, ohne auch nur den geringsten Versuch zu starten, Dinge zu klären oder Kompromisse zu finden.
Grüße, Kugayama.
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Arianrhod » Samstag, 25.06.16, 18:18

Hallo kugayama,

die ängste sind eher so, dass sie mich von allem Unbedachten ABHALTEN. Was du beschreibst, hatte ich eher in hypomanischen Phasen.
Ich war zuvor ein recht mutiger Mensch. Ich habe jahrelang in Südamerika gelebt und gearbeitet und war im Dschungel. Ich habe echt schon gefährliche Situationen überstanden. Aber jetzt- ich bin ein Hühnchen. Ich habe Angst, dass ich den Schlüssel verliere und nicht zur Tür reinkomme. Angst vor dem Busfahren, vor Hunden, vor steilen Treppen - ääääääh, diese neue Arianrhod gefällt mir nicht, ich finde sie nervig. Es ist so eine Grundanspannung, eine Grundängstlichkeit. Meine Psychotherapeutin hält das für eine Hirnschädigung durch Neuroleptika. Ich hoffe sehr, dass es vorbei geht....
Komische Reaktion von deinem Ex. War er nicht froh darüber, dass du wieder lebendiger, zugänglicher, wacher, intelligenter wurdest? Oder war es ihm im Grunde Recht, dass er eine lethargische Frau hatte, die zu allem Ja und Amen sagt? Manchmal findet sich so ein Partner in die Rolle als Krankenpfleger und Helfer - dann passt es ihm nicht, wenn die Partnerin gesünder wird. Das ist schade, aber auf der anderen Seite würde so ein Mann dich immer ausbremsen ...
liebe Grüße Arianrhod
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Reena
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Reena » Mittwoch, 05.07.17, 20:57

Vielen Dank Arian, für deinen Erfahrungesbericht!!!
Da hast du ja auch ganz schön was durchmachen müssen und schlussendlich, wie sicherlich viele von hier, den Weg irgendwie alleine finden müssen! Ich bin immer und immer wieder schockiert, auch wenn ich es ja inzwischen weiß, wie stark diese Medikamente unsere ganzen Persönlichkeit verändern und wie wir dadurch gar nicht mehr wissen, welche Gefühle und Körperwahrnehmungen nun eigentlich wirklich von uns kommen und was durch das Medikament verursacht ist...
Wie schön, dass du es geschafft hast, es dir wieder besser geht und du jetzt wieder viel mehr du selbst bist! Sind denn die Ängste, von denen du geschrieben hast in der Zwischenzeit auch wieder besser geworden?
Du bist ja doch um einiges schneller runter gegangen bei den Absetzschritten, als die 10% Regel, du hast relativ oft halbiert, oder? Das ist toll, dass du da dann doch so "schnell" raus gekommen bist! Ich wünsch dir weiterhin alles Gute!
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Symptome: CFS chronisches Erschöpfungssyndrom seit Ende 2011 (d.h Schlafstörungen, Erschöpfungsszustände mit grippeähnliches Symptomen wie leicht erhöhte Temperaturen, Verschlechterung des körperliches Zustandes nach körperlicher Belastung, Phasenweise Angstzustände.
Medikation:
Mai 2012: Mirtazapin 15mg zum schlafen
Mai 2013. Mirtazapin abgesetzt ohne weitere Probleme
September 2014: Trimipramin 20mg zum schlafen
30.11.2015: Mirtazapin 7,5mg zum schlafen
7.12.2015 Mirtazapin 15mg zum schlafen
weniger Tage danach heftigste Symptome/ Nebenwirkungen/ Unverträglichkeit: Vibrieren im ganzen Körper, Schüttelfröste und Frieren, Schlaflosigkeit
13.12.2015 Mirtazapin komplett abgesetzt
14.12.2015 Trimipramin komplett abgesetzt
danach blieben die Nebenwirkungen, in leicht abgeschwächter Form,
Daraufhin bekam ich
Januar 2016 Quetiapin eingeschlichen bis auf 250mg

Reduktion Quetiapin 2016:
Februar/ März 2016 Quetiapin reduziert auf 200mg
17.4.2016: Quetiapin reduziert auf 175mg
Daraufhin ca 3 Wochen starke Schweißausbrüche
1.5.2016: Quetiapin reduziert auf 150mg
31.5.2016: Quetiapin reduziert auf 125mg
15.6.2016: Quetiapin reduziert auf 100mg
30.6.2016: Quetiapin reduziert auf 75mg
Dauraufhin ab 1.8.2016 andauernd extreme Kältezusammenbrüche, die sich nach einigen Tagen wieder etwas besserten
18.9.2016: Quetiapin reduziert auf 50mg
Daraufhin ab 6.10.2016 totaler Kältezusammenbruch der über Wochen bleibt (26Grad Zimmertemperatur, vielen Decken, Wollpullis, Wärmflaschen, trotzdem totales Frieren, dazu Schweißausbrüche in Strömen ohne Ende)
24.10.2016: Quetiapin wieder erhöht auf 75mg

30.01.2017 Quetiapin reduziert auf 70mg
01.03. 2017 Quetiapin reuziert auf 60mg
24.03.2017 Quetiapin reduziert auf 55mg
06.04.2017 Quetiapin reuduziert auf 50mg
23.04.2017 Quetiapin retard 50mg gewechset auf Quet. 50mg unretardiert
04.05.2017 QUetiapin reduziert auf 45mg
02.06.2017 Quetiapin reudzeirt auf 40mg
Die ganze Absetzzeit ist seit Agust 2016 begleitet von extremem Frieren, Schüttelfrösten und Schweißausbrüchen. Zwischenzeitlich ist es etwas besser, aber schwankend. NAch den jeweiligen Absetztschritten wird es mir immer mehrmals am Tag schlecht.

01.08.2017 Quetiapin reduziert auf 37mg
13.09.2017 Quetiapin reduziert auf 35mg
08.10.2017 Quetiapin reduziert auf 33mg
07.11.2017 Quetiapin reduziert auf 30mg
01.01.2018 Quetiapin reduziert auf 27,5mg
04.02.2018 Quetiapin reduziert auf 25mg
19.03.2018 Quetiapin reduziert auf 22,5mg
19.04.2018 Quetiapin reduziert auf 20mg

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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Maria12 » Montag, 27.11.17, 18:01

Hallo Arian,
vielen Dank für Deinen Absetzbericht. Der macht Mut.
Mir geht es ähnlich, nein sagen, sich abgrenzen, Pausen gönnen ... das waren noch nie meine Stärken.
Und vielleicht schau ich mir das mit den dritteln/vierteln von Dir ab ... ;)

Viele Grüße und immer beste Gesundheit
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ArianrhodBittchen
Vorgeschichte: Belastende Kindheit durch Depression und Suizid der Mutter
2013-2014: Tiefenpsychologische Therapie wg. Kindheit, Beziehung zum Vater, schwere Erkrankung des Lebensgefährten
2016: Überarbeitung, Stress

Nov. 2016: Fahrradunfall mit Schädel-Hirn-Trauma, HWS-Distorsion, Subarachnoidalblutung (Hirnhautblutung), Schlafstörung, Kreislaufprobleme, Schwindel, starke Verspannungen, Zahnschäden, etc.
danach entwickelt: Alpträume, Flashbacks, Falsche Erinnerungen, Ohrensausen, Augenflimmern, Lichtempfindlichkeit, Wassersucht (7l pro Tag)
Anfang Dez. 2016: Amitryptilin und Escitalopram wg. Schlafstörung, einmalig
Ende Dez. 2016 - Jan. 2017: 6wöchige Erkältung mit starkem Husten; Behandlung mit Lutschpastillen, Antibiotika, Novalgin, Viani mite, Omnibiotic
Dez. 2016 - März 2017: Schlaf- und Nerventee, Lasea - von 4,5 h Schlaf auf 6 h hochgekämpft; Flashbacks an Unfall und Kindheit, Panik im Straßenverkehr (Fußgänger)
in der Zeit:
zweimalige Therapiesitzung nach Peter Levine -> geheult und gezittert; selbiges auch bei Yoga;
5x Osteopathie
Wiedereingliederung mit falscher/alter Brille -> Stress, Konzentrationsprobleme, Erschöpfung;

März: 2017: nach der letzten Ostheopathiesitzung: Verwirrtheit, Desorientierung, volle Dröhnung Flashbacks, Schlafentzug (in fünf Tagen nur je 2 h geschlafen, selbst mit Zolpidem), Gedankenrasen, Panik, körperliches und emotionales Chaos, Erbrechen, Wassersucht, bin durchgedreht, Ausfall ZNS, psychotische Zustände ...
März 2017: Quetiapin und Escitalopram, 6 h geschlafen -> Herzrasen, weiß vor Augen, zweimaliger Kollaps -> Einweisung in Kardiologie -> erst Ausleitung, dann Medikamente wieder angesetzt; zusätzlich Beruhigungsmittel erhalten, welche in der Klinik wieder abdosiert wurden;
zusätzliche Diagnosen: Depression und Prolaps der Mitralklappe
April 2017: Neurologe stellt von Escitalopram auf Opipramol um -> Heulattake -> Opipramol weggelassen -> Johanniskraut wg. Stimmung -> Absetzten Quetiapin -> Baldrian -> Ansetzen Quetiapin -> Psychotische Zustände

April 2017: Einweisung in Psychiatrische Klinik. Diagnose: Organische und psychische Störung nach SHT mit schizoaffektiven und kognitiven Störungen
April 2017 - Juli 2017: Risperidon, Olanzapin (Suizidgedanken), Aripiprazol - daneben wg. Schlafproblem Pipaperon, Promethazin, Prothipendyl, Melperon, Zopiklon, Pregabalin, Quetiapin, Quetiapin retard;
Juli 2017: 10 mg Aripiprazol, 25 mg Quetiapin, 100 mg Pregabalin; Lavendelöl aufs Kissen.

Verlegung in andere Klinik wg. Diagnosik
August 2017: zusätzlich 100 mg Trazodon, Versuche mit Doxepin und Stangül -> wg. Schlafproblematik
Reduzierung Aripiprazol von 10 mg auf 7,5 mg; weitere Reduzierung auf 5 mg; :)
Reduzierung Pregabalin von 100 mg auf 75 mg
weitere Diagnose: Diabetes insipidus-> Behandlung mit 0,05 mg Minirin
niedriger D3-Werte -> 1000 IU D3/Tag; zusätzlich K2
Neuropsycholgische Testungen, Auffälligkeiten im EEG

Rückverlegung
Sept. 2017: Pregabalin auf 0; Entlassung

Sept. - Okt. 2017: Neuropsychologische Reha; Aripiprazol von 5 mg auf 3,75 mg reduziert wg. Sinnlosigkeitsgedanken
Okt. 2017: Aripiprazol auf 2,5 mg reduziert; weiterhin 25 mg Quetiapin und 100 mg Trazodon zum Schlafen, sowie D3 und K2. Lavendelöl aufs Kissen.
Nov. 2017: Aripiprazol auf 0 :) ; andere Medikamente unverändert;

Arianrhod
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Arianrhod » Dienstag, 28.11.17, 14:38

Reena hat geschrieben:Du bist ja doch um einiges schneller runter gegangen bei den Absetzschritten, als die 10% Regel, du hast relativ oft halbiert, oder? Das ist toll, dass du da dann doch so "schnell" raus gekommen bist! Ich wünsch dir weiterhin alles Gute!
Gerade bei hohen Anfangs- Dosen ist es am Anfang oft möglich, große Schritte zu machen und sogar die Dosis zu halbieren.
Der Grund ist, dass die Andockstellen für die Neurotransmitter alle schon 100% besetzt sind , und mehr als 100% geht nicht! Die hohe Dosis ist eigentlich eine Überdosis , die auch außer Nebenwirkungen nichts mehr bringt.
800 mg Quetiapin ist defintiv über dem Sättigungswert.
Irgendwann kommt man aber beim Absetzen in den wirksamen Bereich, und das ZNS bemerkt, dass da eine Substanz entzogen wird. Daher: Je mehr Richtung 0 , desto kleiner müssen die Schritte werden.
Wenn ein Arzt sagt: " Jetzt nehmen Sie sooo wenig, da können Sie es gleich weglassen!", liegt er leider falsch....

liebe Grüße Arian
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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Kimeta » Dienstag, 28.11.17, 15:50

Liebe Arian,

ich habe in einem anderen Forum :wink: von Deinen Kopfschmerzproblemen gelesen, deshalb wollte ich Dir gerne einen solidarischen Gruß schicken und gute Besserung wünschen! Hoffentlich hat man dort noch Tipps für Dich, die Dir weiterhelfen.

Viele Grüße
Kimeta
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  • Doxepin zur Migräneprophylaxe seit mindestens 2002 in einer Dosierung von 5-10 mg.
  • Absetzen von 10 mg ab dem 28.12.2013.
  • Derzeitiger Stand seit 23.10.2017: 2,5 mg
Hintergründe und Absetzverlauf:
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:schnecke: Mein Thread :schnecke:

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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Arianrhod » Dienstag, 28.11.17, 16:39

Hallo liebe Kimeta,
hoffe dass du mir dort schreibst. :)

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Re: Mein Erfahrungsbericht: Absetzen von Quetiapin

Beitrag von Flummi » Mittwoch, 06.12.17, 16:28

Hallo arian,
dein Bericht macht wirklich Mut. Ich war eine Zeitlang auch mal drehtürpatientin, letztlich, weil niemand einem sagt, wie absetzen wirklich geht. So hat man dann stärkere psychosen als je zuvor, das ganze Umfeld ist erschrocken und schiebt es bis heute auf die Krankheit. Ich bin immer noch bei 3 mg bis zum Ende des Jahres, aber mit scheint, dass sich das langsame absetzen wirklich lohnt. Ich bin gespannt. Vielen dank!
Herzlichst,
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