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Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
soma84
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Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von soma84 » Samstag, 08.10.16, 2:41

Hab den Beitrag nochmal überarbeitet um aktuelle Infos zu ergänzen und das Ganze etwas neutraler darzustellen.

Alternativer Titel: Warum ich zu viele Diagnosen gestellt, falsche Antidepressiva verschrieben oder Nebenwirkungen verschwiegen bekomme.


Hi zusammen,

Leider geht es in unserem Gesundheitssystem immer profitorientierter zu. Hab hier ein paar Sachen zusammengefasst die vielleicht für Betroffene interessant sind (falls sie noch nicht darüber informiert sind - hier scheinen ja eh alle ziemlich gut Bescheid zu wissen) und die meiner Meinung nach völlig schief laufen in der Psychiatrie, aber auch im Gesundheitswesen allgemein. Leider...

1) Wie falsche Diagnosen und Behandlungen zustande kommen

Diagnose Depression, Schizophrenie oder Borderline? In der Klinik sind sie da oft flexibel. Chef- und Oberärzte müssen nämlich eine festgelegte Anzahl bestimmter Diagnosen stellen und Behandlungen durchführen. Egal ob sie falsch, sinnlos oder sogar schädlich für den Betroffen sind. Wenn du ins Krankenhaus kommst wirst du auf die für das Krankenhaus lukrativste Weise behandelt (z.B. unter der Diagnose auf die die jeweilige Klinik spezialisiert ist). Das liegt unter anderem daran weil es eigentlich viel zu viele Krankenhäuser gibt und hoher Konkurrenzdruck herrscht.

http://www1.wdr.de/mediathek/video/send ... t-100.html
http://www.cicero.de/kapital/zehn-jahre ... isch/53983
http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen ... kv100.html

2) Weshalb zu viele oder falsche Medikamente verordnet werden

Viele Ärzte und Kliniken nutzen sogenannte Anwendungsbeobachtungen (AWB). Dabei erhalten sie Geld dafür, dass sie dem Patienten ein bestimmtes Medikament in einer möglichst hohen Dosis über einen langen Zeitraum verschreiben. Das führt leider dazu, dass viele das falsche oder zu viele Medis bekommen. Auch andere Formen von Umsatzprovisionen sind möglich. Mit Glück bekommst du das richtige Medikament. Mit Pech das falsche, zu viele, viel zu lange, in viel zu hoher Dosis.

http://www.ndr.de/nachrichten/Uniklinik ... en104.html
https://correctiv.org/recherchen/euros- ... -forscher/

Datenbank mit aktuellen AWB: https://correctiv.org/recherchen/euros- ... datenbank/

http://www.rbb-online.de/kontraste/uebe ... hlung.html

Dieser Beitrag zeigt wie ein Treffen mit den Pharmavertretern abläuft: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/ ... tz100.html

3) Wie sich deine Versicherung einmischt wann wie und ob du gesund wirst

Deine Krankenkasse schließt mit Pharmaunternehmen und Generikaherstellern Rabattverträge. Sie vereinbart mit dem Hersteller, dass ihre Versicherten ein ganz bestimmtes Medikament erhalten. Offiziell soll das zu Einsparungen für die Kasse führen. Die Kasse pocht darauf, dass du genau das Medikament verschrieben bekommst, auch wenn es in deinem Fall das falsche und eher kontraproduktiv ist. Sie zahlt dem Arzt einen Bonus dafür.

http://gutepillen-schlechtepillen.de/ar ... kenkassen/
http://www.arznei-telegramm.de/html/200 ... 01_01.html
https://www.abda.de/themen/recht/verbra ... vertraege/
http://www.iww.de/amk/archiv/arzneimitt ... hmen-f6210

Ebenso kann die Kasse deine Diagnose beeinflussen und dich kränker erscheinen lassen, als du eigentlich bist:

http://www.stern.de/wirtschaft/news/kra ... 98724.html
http://www1.wdr.de/nachrichten/aerzte-a ... n-100.html

Es gibt also sowohl für Pharmaunternehmen als auch Kassen viele Wege die ärztliche Behandlung zu beeinflussen. Ambulant oder in der Klinik werden Patienten teils mit vier verschiedenen Medikamenten gleichzeitig vollgepumpt. Bei vielen reicht ein einziges völlig aus, aber eben das richtige, in der richtigen Dosierung. Manche Ärzte bleiben trotzdem unabhängig, manche leider auch nicht.

4) Welchen Risiken du ausgesetzt bist

Oft werden auch Medikamente verschrieben von denen man längst weiss, dass sie mehr schaden als nutzen. Da fast alle Medikamentenstudien von den Herstellern finanziert werden und viele vom Vermarkten und Verschreiben der Medikamente profitieren, gelangen negative Wirkungen manchmal erst spät an die Öffentlichkeit.
Meiner Meinung nach ist es ein Witz, dass die Erkenntnisse über Hirnathropie bei Neuroleptika erst jetzt veröffentlicht wurden…nach dreißig Jahren Anwendung!?

http://www.akdae.de/Arzneimitteltherapi ... /index.php
http://www.faz.net/aktuell/wissen/mediz ... 79742.html
https://www.youtube.com/watch?v=9hlwGqy16j8

Bei SSRI wurde die Wirkung von Anfang bewusst übertrieben.
http://www.zeit.de/2008/10/Ein_Placebo_namens_Prozac

Und Nebenwirkungen beschönigt.
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 53563.html

5) Warum Nebenwirkungen erst so spät oder gar nicht herauskommen

Der wissenschaftliche Betrieb wird in weiten Teilen von der Pharmaindustrie beeinflusst. Die Pharmaunternehmen müssen negative Studienergebnisse zu den Medikamenten erst veröffentlichen, wenn das Medikament schon Jahre auf dem Markt ist (s. auch „Publikationsbias“). Bei vielen alten Medikamenten wurden negative Ergebnisse ganz unter den Teppich gekehrt (--> Neuroleptika, Trizyklika).

https://www.youtube.com/watch?v=3z8M_1jwM5E
http://www.zeit.de/2014/31/betrug-wisse ... nipulation
http://www.taz.de/!5097370/

5) Warum wir krank bleiben und wie Diagnosen vermarktet werden

Unsere Politiker haben es verpasst, dem Gesundheitssystem mit den richtigen Gesetzen Grenzen zu setzen. Jetzt verteilen die Akteure unseres Gesundheitssystems - Ärzte, Kliniken, Krankenkassen, Pharmaindustrie und Forschung - über ein komplexes Beziehungsgeflecht die steigenden Kassenbeiträge unter sich und machen sich vor allem gegenseitig gesund. Der Patient muss dafür möglichst oft und möglichst lange krank sein.

Beispiel: Demenz

Man weiß, dass Demenz u.a. durch die Alkoholmissbrauch, langfristige Einnahme bestimmter Medikamente - z.B. Antiallergika, Neuroleptika, Antidepressiva und viele andere (http://www.pharmazeutische-zeitung.de/i ... p?id=56204) - ausgelöst wird.

Trotzdem vermarkten Unikliniken „Demenz“ als neues Krankheitsbild. :pillowtalk:
http://www.wiwo.de/technologie/medizin- ... 24508.html

Warum? Weil sie dann Forschungsprojekte dazu durchführen und Forschungsgelder kassieren können! Die staatlichen Forschungsgelder reichen aber nicht aus. Hier kommt die Pharmaindustrie ins Spiel, die die Forschungsprojekte ebenfalls fianziert und die passenden Medikamente zur Krankheit entwickelt. Deren Wirkung wird in den Studien untersucht und sie kommen deshalb meistens besser darin weg, als sie eigentlich sind (s.oben). :whistle: Sonst bliebe das Unternehmen ja auf den Kosten für die Entwicklung des Medikaments sitzen.. :evil:

Der Patient kommt dann in die Klinik und klagt über Beschwerden, die ja eigentlich von den anderen Medikamenten ausgelöst wurden, weil die Nebenwirkungen nicht vernünftig veröffentlicht werden :whistle: . Und - bekommt eben seine neueste Diagnose: Demenz :party2: !

Jetzt verdienen Klinik und Ärzte :hug: zusätzlich an der Verschreibung der neuen Medikamente, die vermutlich wenig bringen und dem armen Kerl eigentlich mehr schaden als nützen werden :party: .

Ausserdem wird am Patienten so viel wie möglich weiter geforscht. Jede nochso unsinnige Nonsense-Studie bringt Geld. Hier wird genauso getrickst wie mit Medis und diagnosen: Man lässt die erste Behandlung z.B. ins Leere laufen damit der Patient sich weiterbehandeln lassen muss – und zwar mit dieser neuen Methode oder dem neuen Medikament, zu dem - ach, super! - grad die neue Studie läuft.

Die Kassen schauen sich das natürlich nicht untätig an. Sie schließt die Verträge mit den Medikamentenherstellern ab. :group: Der Arzt kassiert seinen Bonus - und verschreibt eben noch ein Medikament.
Der Patient ist diesem Kreislauf nur noch das Mittel zum Zweck :zombie: !

...Natürlich ist das alles auch nicht ganz so einfach wie gerade beschrieben. Aber Demenz ist ein gutes Beispiel dafür wie Krankheiten endlos aufgebauscht werden, um daraus Profit zu schlagen.

Psychotherapie ist teilweise genauso zum Geschäft verkommen. Professoren mutieren zu Therapiegurus und kurbeln die Karriere dank der Vermarktung neuer Therapiekonzepte mit zweifelhaftem Zusatznutzen an. Diese Methoden werden dann derart aggressiv - auf Kosten von Patienten (denen die neue Pseudotherapie nichts bringt) und Steuergeldern – klinisch erprobt und auf den Markt getrieben, dass es einem schlecht wird.

Unabhängige Studien zeigen soweit ich weiß, dass seit der guten alten kognitiven Verhaltenstherapie eigentlich keine neue Methode einen großartigen Zusatznutzen hatte… :whistle:

Bei Psychotherapie besteht je nach Therapeut auch die Gefahr in eine Abhängigkeit zu geraten. Manche wenden beispielsweise NLP an, also eigentlich Vertriebspsychologie, um Patienten über langen Zeitraum als Kunden zu halten oder die Therapie endlos über Jahre fortzuführen :bettzeit: .

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... Seele.html

Aktuell ist unser Gesundheitssystem also manchmal leider auch ein Paradies für Abzocker und schwarze Schafe :( ...

Was meint ihr?
Zuletzt geändert von Oliver am Donnerstag, 13.10.16, 19:20, insgesamt 1-mal geändert.
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sybsilon
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Re: Aufruf: Wir brauchen eure Erfahrungsberichte

Beitrag von sybsilon » Samstag, 08.10.16, 10:12

Hallo Soma,

ich danke Dir für Deinen sehr ehrlichen, offenen Beitrag.

Ich merke, dass dich dieses Thema sehr ärgerlich macht, es geht mir genauso.
Dieser Ärger ist es, der mir die Kraft gibt weiter zu machen.
Bitte bleib Dir treu. Finde es toll so wie du bist. So offen und ehrlich.

Es sollte mehr Menschen wie Dich in der medizinischen Welt geben.

LG sybsilon
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Diagnose: Angst-Panikstörung
06/14 Venlafaxin 37,5 mg
07/14 Venlafaxin 75 mg
08/14 Venlafaxin 112,5 mg
10/14 Venlafaxin 75 mg
dann bis 02/15 Venlafaxin reduziert auf 37,5 mg
seit 14.2.15 auf anraten von Ärztin auf "0".
Seit Dezember 14 Schwindel, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Kreislaufprobleme, Ohnmachtsangst, Gangunsicherheit, elektrische Schläge im Magen, Panikattacken, Kribbeln Arm und Bein links, Massive Nackenprobleme. Herzrasen, Extrasystolen und starke Stimmungsschwankungen.
von 1.6.15-28.7.15 wieder Psychiatrieaufenthalt. 3 Wochen Mirtazapin erst 15mg dann 30mg aber wegen RLegs abgesetzt, dann Doxepin 25mg nacher Woche 50mg und nach ein paar Tagen auf 75mg aber wegen massiver Magenschmerzen, Suizidgedanken und RLegs auch abgesetzt.
Seit 20.7.15 Medikamentenfrei.
aktuelle Symptome: kribbeln, ziehen in Beinen und Armen, Leichte Übelkeit( nicht immer), sehr nervös, sehr geräuschempfindlich, vermehrte Panikattacken. Ab und zu Herzstolpern, aber nicht mehr so häufig. Das Haus zu verlassen fällt mir schwer.
Oktober 2015 :
Immer wieder Gangunsicherheit, leichter Schwindel und Übelkeit. Das löst Angst und Panik bei mir aus.
Einen Versuch mit Laif900 (Johanniskraut) gestartet aber wieder abgesetzt wegen Symptomverstärkung.
Ab 04.11.2015 Aufenthalt psychosomatische Klinik
Seit 19.1.16 wieder zu Hause. In der Klinik 3 Tage Trimipramin 12,5mg ausprobiert, aber zu starke NW.
Seit 27.1.16 Wiedereingliederung im Job, Beginn mit 4Std am Tag, danach sehr erschöpft, aber ansonsten wenig Symptome. Gegen Abend (ab ca.18.00Uhr) inneres Frieren und ganz leichte Übelkeit mit leichtem Magendrücken.
Stand 13.2.2016: Magenprobleme mit Rückenschmerzen, Rücken übersät mit großen Pickeln, Schlafprobleme, nach Vit.D Einn. Panikattacke.
4.3.16 Im Moment Welle/sehr erschöpft. Blutuntersuchung :B12=350, Vitamin D =18,1, Ferritin=15,5. Von Eisentabletten schon nach 1Tag Herzrasen mit Panikattacke. Abgesetzt. Ich vertrage absolut gar nichts mehr.
6.4.16 habe noch leichte Stimmungsschwankungen, Frieren in den Abendstunden nach der Arbeit (ca. 17-19 Uhr), Energiebereich schwankt sehr, Nackenschmerzen. Seit 1.4.16 nehme ich Nachtkerzenöl Kapseln, und ich habe das Gefühl sie tun mir gut.
18.6.16 Ich habe wenig Energie. Arbeite wieder voll seit 8.3., aber es strengt sehr an. Kann abends und am Wochenende Nichts unternehmen. Bei Anstrengung kommt leichte Übelkeit. Kann meine Vitaminspeicher nicht auffüllen da ich noch immer Nichts vertrage .:zombie: .Gefühle sind sehr gleichgültig und irgendwie macht mir alles keinen Spaß und ist sinnlos.
Seit 14.2.2015 "0" Venlafaxin
Seit 20.7.2015 "0" Mirtazapin und Doxepin
Seit 21.7.2015 definitiv medikamentenfrei!!!!
Zustand 21.7.2016: sehr erschöpft, leichte Übelkeit hin und wieder, kribbeln in linker Hand und Fuß und linke Gesichtshälfte. Psyche ganz o.k.! Blutwerte 21.7.2016: Vit.B12 253;Ferritin 19,5;Vit.D 31.
18.8.16:Entfernung Kupferspirale
Zustand 24.8.16: Seit 2 Tagen total erschöpft, Kopfrauschen, Nackenschmerzen, Übelkeit aber nicht vom Magen verbunden mit depressiver Stimmung, fast keinen Geruch und Geschmackssinn. Kein Durst- und Hungergefühl.
16.10.16: Zustand viel besser seit Kupferspirale entfernt. Ausschlag auf Rücken nahezu weg. Übelkeit weniger, depressive Stimmung nur noch etwas in der Zeit um die Regel. Brauche noch viel Ruhe und vertrage keine Hektik und Stress mehr. Energie etwas mehr vorhanden.
20.3.17 Vitamin D und B12 vertrage ich wieder.
20.12.17 Übelkeit so gut wie weg.

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Re: Aufruf: Wir brauchen eure Erfahrungsberichte

Beitrag von Murmeline » Samstag, 08.10.16, 10:26

Danke für das Teilen Deiner Erfahrungen und die Links, Soma.
Das gehört fast mit einer neuen Überschrift als eigener Beiteag verschoben. Hast du einen Wunsch für die Überschrift?
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Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

soma84
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Re: Aufruf: Wir brauchen eure Erfahrungsberichte

Beitrag von soma84 » Samstag, 08.10.16, 14:16

Sehr gerne. Nein, verschieb den Beitrag ruhig! Noch ein kurzer Nachtrag:

Wenn ihr auf ein neues AD eingestellt werdet, würde ich grundsätzlich auf Plasmaspiegelkontrollen bestehen. Die Validität ist da aus wissenschaftl. Sicht zwar auch nicht die beste, aber sie bieten eine gewisse Orientierungshilfe.

Hier findet ihr eine Tabelle, in welchem Bereich der Spiegel bei den einzelnen AD liegen sollte: http://www.akdae.de/Arzneimitteltherapi ... sion_k.pdf

Ambulante Ärzte lehnen das oft ab weil es für sie nur Mehraufwand ist (Blutabnahme, Probe einschicken etc.) und sie am sinnlosen monatelangen Herumprobieren tausendmal besser verdienen. Und wie oben beschrieben sind sie eben von vorneherein meistens auf ein AD fixiert weil sie da einen Vertrag mit dem Hersteller abgeschlossen haben.

Wie man ein AD verträgt hängt außerdem nicht nur von seiner Wirkung auf Serotonin, Noradrenalin, Dopamin etc. ab, sondern hat viel damit zu tun wie der Einzelne Medikamente verstoffwechselt. Die meisten Psychopharmaka werden über andere sogenannte CYP-Enzyme verstoffwechselt. Wenn bei einem jetzt genetisch bedingt genau das Enzym "inaktiv" ist, über das das AD verstoffwechselt wird hat man mehr Nebenwirkungen. Hier gibt's eine Tabelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/i ... 671&type=0
https://www.aerzteblatt.de/pdf/112/33/p ... %3A04%3A27
http://www.medizin-wissen-online.de/ind ... essiva-neu

Wenn bei jemandem z.B. CYP2D6 oder CYP2C19 inaktiv ist, führt das dazu, dass derjenige bei empfohlener Dosierung extrem viele Nebenwirkungen hat wenn er ein AD nimmt was darüber abgebaut wird.

Es gibt auch Menschen, bei denen sie verstärkt aktiv sind, die merken dann bei empfohlener Dosierung keine Wirkung und bräuchten dann theoretisch eine höhere Dosis.

In beiden Fällen würde ich mir das Herumprobieren ersparen und auf ein anderes wechseln - spart Zeit und gibt ja genug Auswahl. Lasst euch da nicht verarschen.

Also wenn man ein AD nicht verträgt sollte man zu einem wechseln das über andere Enzyme metabolisiert wird. Wenn man kaum Nebenwirkungen spürt aber weiterhin Probleme bestehen auf eins wechseln, das auf andere Neurotransmitter einwirkt (z.B. SNRI statt SSRI). Beides geht natürlich auch. Und grundsätzlich: sich vorher fragen ob man wirklich eins braucht. Die langfristigen NW sind nun mal nicht bekannt/veröffentlicht.

Es gibt auch bereits Tests zu den CYP-Enzymen, dann geht es noch schneller, die sind aber sehr teuer. Im MPI werden die soweit ich weiß schon angewandt. In den meisten Psychiatrien aber nicht, eben auch aus finanziellen Gründen....

So, das war's von mir ;)! Schönen Tag!
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Kaulquappe 411 » Montag, 10.10.16, 23:10

:x :cry: :evil: :frust: :sports: :zombie: :sick: :abtransport:

Hallo,

also so viele Smilies gibt es hier gar nicht, um all das auszudrücken, was diesen umgang mit den Psychopillen und dem Profitstreben ( denn nur darum scheint es zu gehen) ausdrückt.

Ich habe vor einiger Zeit mal ein Buch gelesen (Fehldiagnose Rechtsstaat), das ebenfalls sehr aufdeckend ist und mir erst mal gezeigt hat, dass der Patient ganz unten steht. Darüber ist ein sehr starkes Machtgefüge, bei dem es nicht um den Menschen geht.

Aber ja, wir sind ja alle Verschwörungstheoretiker ..... :x :sports: :frust: :evil: :haha: :haha: :haha: :haha:

Jedenfalls danke für deinen Beitrag, der mich in meinem Bild bestärkt hat!

Liebe Grüße,

Kaulquappe :schnecke:
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Diagnosen: PTBS, Depression, Sozialphobie, Agoraphobie, Oralophobie, Migräne, craniomadibuläre Dysfunktion, Tendovaginitis an den Füßen
Erfahrungen mit Ximovan ( Paradoxe Reaktion), Melperon (drastische Alpträume), Taxilan (total abgeschossen) Fluoxetin (Depersonalisation), Lorazepam, Opipramol, Promethazin, Escitalopram, Cipralex, Valdoxan, Amitriptyllin.
Genannte Mittel nur kurze Zeit genommen und kalt abgesetzt, da angeblich keine Probleme nach so kurzer Einnahmedauer, hahaha!
2010 Venlafaxin 150 mg eingeschlichen, Kurzeitige Besserung der Stimmung bzw. Antriebs, jedoch Verstäkung der inneren Unruhe.
Hinzu kam Amisulprid 50mg, half sehr gut gegen Angst, jedoch horrende Nebenwirkungen (30 kg zugenommen, Kopfschmerzen, Diabetes, Hormonstörungen), daher kaltes Absetzen, weil angeblich unproblematisch. Nach 2 Tagen massive Suizidgedanken und Ängste, wieder auf 50 mg für 1 Jahr.
Sommer 2014 wegen Schlafstörungen 12 Tropfen Trimipramin, kaum Besserung, starker Nachhang, Depersonalisierung, Muskelsteifigkeit, Kurzatmigkeit, Nachlassen der körperlichen Belastbarkeit, eigenmächtiges kaltes Absetzen, daher wochenlang starke Schlafstörungen.
Amisulprid 50 mg Ende November 2014 eigenmächtig abgesetzt. Pro Woche 12, 5 mg weniger, keine Absetzsymptome
Venlafaxin 150 mg seit Mitte Dezember 2014 am Absetzen, innerhalb von 2 Wochen auf 37,5 mg mit starker Absetzsymptomatik,( Brainzaps, Weinerlichkeit, Verzweiflung, aggressive Ausbrüche, Bauchschmerzen, Durchfall, Sehstörungen)
11.1. auf 75 mg, da Absetzsymptome zu stark, nehmen im Verlauf des Sommers ab, Schneckenclubmitglied :schnecke:
Sept. 2015 Diagnose Autoimmunthyreoiditis, Einschleichen von Hormonen wegen unerträglichen Nebenwirkungen misslungen.
Regelmäßige Einnahme von Vitamin D, Leinöl, Basentee und versch. homöopath. Globuli bekommen mir sehr gut!!!

31. Oktober 2016 Fortsetzen vom Absetzen Venlafaxin 75 mg mittels Mikrotapering ( pro Kapsel ein Gewicht von 0,306 g)
Meine Absetzsymptome bei jedem Schritt, mal mehr, mal weniger: Weinerlichkeit, Pseudodepri, Pseudoschnupfen, Muskelschmerzen in den Beinen, Verspannungen Nacken und Kiefer, Brainzaps, Geräuschempfindlichkeit, leichte Übelkeit, Kopfschmerzen, Darmprobleme, Juckreiz, Hör- und Sehprobleme
4.11.: Kapselgewicht 0,304 g
7.11.: Kapselgewicht 0,302 g
10.11.: Kapselgewicht 0,300 g, Absetzsymptome zu stark, kurz hochdosiert, besser!
28.11.: Kapselgewicht 0,298 g
9.12.: KG 0,295 g
am 1.1. 2017 bei KG 0,292 g angekommen
17.01.2017 KG 0,290g
15.02.2017 KG 0,286 g
01.03.2017 KG 0,284 g
seit 24.04. 2017 KG 0,280 g
02.05.2017 KG 0,278 g
16.05. 2017 KG 0,276 g
mittlerweile bei KG 0,273 g
nun bei KG 0,270 g
mittlerweile bei KG 0,264 g mit Zwischenschritten
seit 15. 11. bei KG 0, 255 g ohne Zwischenschritte, drei Tage Absetzwelle, dann OK
seit 30.11. bei KG 0,245 g, das übliche an Absetzsymptomgedöns :-)
mittlerweile bei KG 0,230 g
mittlerweile bei KG 0,200 g kaum Absetzsymptome, solange ich auf passende Ernährung achte!
KG 170 g

soma84
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von soma84 » Dienstag, 11.10.16, 19:05

Verschwörungstheorien à la Big Pharma & "werden alle absichtlich krank gemacht" sind allerdings auch schlimm... wie sysbsilon richtig vermutet hat hab ich den Beitrag auch sehr ärgerlich verfasst, deshalb ist manches undifferenziert! Natürlich wird nicht jeder schlecht behandelt, irgendwie muss man aus dem System ja auch das Beste machen.

Aber die Boni an Ärzte von Kassen und Hersteller beeinflussen die Behandlung meiner Meinung nach viel (!) zu sehr. Das könnte man relativ leicht ändern, wird auch versucht (s. Antikorruptionsgesetz) aber leider immer wieder in den Sand gesetzt.

Was habt ihr denn so für Erfahrungen gemacht habt? Wurde euch eine Diagnose nach der anderen gestellt oder zuviele Medis verschrieben?

Könnte man ja auch mal sammeln und weitergeben..
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diane

Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von diane » Dienstag, 11.10.16, 19:40

Hallo Soma....

Als ich damals zum 2. Mal in die klinik kam, kannten sie mich nicht u ich hatte 1 Gespräch von 10min... da wollt sie sofort Seroquel, Tavor u Venlafaxin ansetzen :o

Ich habe es aber abgelehnt worauf hin sie total zickig wurde... : o

Lg

jojo71
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von jojo71 » Dienstag, 11.10.16, 19:42

Hallo Soma,
willkommen im Forum und danke für deinen Bericht/Erfahrungen von der "anderen" Seite :wink:

Ich sehe die ganze :censored: mittlerweile noch viel kritischer, als du! Das alles geht ja schon bei der Zulassung der Medis los (Buch: Unglück auf Rezept) und ich vertraue keinem Arzt mehr blind :sports: !!!
Was habt ihr denn so für Erfahrungen gemacht habt? Wurde euch eine Diagnose nach der anderen gestellt oder zuviele Medis verschrieben?
Hier meine Story, wie sie hier vielfach zu finden ist!

Gruß
jojo
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Meine Story!

Seroxat ab ca. 2000
Wechsel zu Paroxat ca. 2006
Paroxat bis November 2014 (kalter Entzug)
Omeprazol sporadisch ab ca. 2010
Omeprazol dauerhaft seit ca. Anfang 2014
Omeprazol von 20mg auf 0 seit 26.09.2016
Omeprazol 20-40mg wieder seit ca. 16.11.2017

Meine Symptome, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben:
- diverse Probleme mit dem vegetativen Nervensystem (z.B. Kreislaufprobleme, Schwindel, starke Missempfindungen)
- diverse Nahrungsmittelunverträglichkeiten
- Fast ständig Druck im Oberbauch
- im Liegen steigender Druck Magen/Darmtrakt bis hin zu dem Gefühl das der Bereich von Hals bis Unterbauch abgestorben ist, sehr flache Atmung, Besserung nur im Sitzen wenn die Beine tiefer gelagert sind (Kutscherstellung)
- Herzstolpern, Herzrhythmusstörungen, Ruhepuls 90-100
- Muskelschmerzen (Hals, Nacken, Rücken)
- Intercostalneuralgie mehr linksseitig
- immer wieder Blockaden der HWS (Atlas), BWS und Beckenschiefstand
- Tinnitus
- Attacken (extremer Druck Oberbauch, weiß wie die Wand, höherer Ruhepuls, zittern, Polyurie usw. Dauer ca. 2-3 Stunden)
- Hypoglykämie
- Schmerzen nach jeder körperlichen Anstrengung über mehrere Tage
- Einschlafstörungen (Atemaussetzer, aufschrecken mit Missempfindungen und Herzstolpern)
- kein erholsamer Schlaf mehr möglich (An guten Tagen fühle ich mich morgens wie ein 80 Jähriger!)
- heftige Kopfschmerzen
- Extreme Stimmungsschwankungen
- absolut keine Stressverträglichkeit

Diagnosen bisher:
- Laktoseintoleranz (Fehldiagnose, liegt wohl an der DDF)
- Dünndarmfehlbesiedlung
- Herzrhythmusstörungen/hoher Ruhepuls
- Magenschleimhautentzündung/Hiatushernie
- Ständig Intercostalneuralgie
- Immer wieder Blockaden HWS (Atlas)/BWS und Beckenschiefstand
- Allergien: Gräser-, Roggen-, Birken-, Haselnusspollenallergie, Weizenmehl, Roggenmehl, Sellerie usw.
- Mangel an diversen Vitaminen

Arianrhod
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 12.10.16, 16:34

Hallo Soma,
soma84 hat geschrieben:Was habt ihr denn so für Erfahrungen gemacht habt? Wurde euch eine Diagnose nach der anderen gestellt oder zuviele Medis verschrieben?
Guck mal in meine Signatur.
Ich hatte die Diagnosen schizoaffektive Psychose, , bipolare Störung, Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung
was aber alles Fehldiagnosen waren (ist auch zwar nicht offiziell, aber inoffiziell so anerkannt)
( ich selbst veriorte mich im Asperger-Spektrum und war zu dem zeitpunkt eindeutig depressiv)
Behandelt wurde meine "Erkrankung" mit Haloperidol, Quetiapin, Olanzapin, Risperidon, Paliperidon, Aripiprazol ,
gegen die Nebenwirkungen dieser Mehrfach- und Höchstdosiskombis bekam ich dann:
Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon

das hat nix mehr mit ärztlicher Wissenschaft zu tun, oder? Auch nicht mit "primum non nocere = zunächst einmal nicht schaden" der römischen Ärzte-Ethik.

liebe Grüße Arian
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2005 mit Burnout und Depression in eine Tagesklinik gekommen.

Zuerst einmonatige Behandlung mit diversen Antidepressiva: Doxepin, Mirtazipin, Sulprid,
hypomane Reaktion
wobei die AD sofort und ohne Ausschleichen von den Ärzten abgesetzt wurden.


Verschiedene Diagnosen: schizoaffektive Psychose, Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung


Erst 2 Jahre Behandlung mit Amisulprid . Zu schnell auf eigene Faust abgesetzt.
Schwere Supersensitivitätspsychose .

Einstellen auf verschiedene Neuroleptika: Haloperidol, Quetiapin, Olanzapin, Risperidon, Paliperidon, Aripiprazol
Außerdem Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon

jahrelang , vieles gleichzeitig und in höchster Dosierung.
u.a. Berentung, 60 kg Gewichtszunahme
seit 2012 Ausschleichen von 800 mg Quetiapin retard innerhalb von 2 Jahren.
Meinen Absetzbericht findet man hier:
viewtopic.php?f=51&t=10634&p=120447#p120447
Seit Januar 2014 keine Neuroleptika mehr.

Ich leide seit 3 Jahren unter Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen. Bei mir wurde eine Polyneuropathie diagnostiziert und ein Zusammenhang mit NL vermutet - leider nicht beweisbar.

Außer Neuroleptika habe ich zwischenzeitlich auch Oxycodon ( ein Opioid) und Trimipramin nach zweijähriger Einnahme abgesetzt , die ich wegen chronischer Schmerzen verschrieben bekommen habe.
Pregabalin habe ich am 7.9.2016 endgültig ausgeschlichen.

Die Anzahl meiner Dauermedikamente beträgt gerade "0". :)

diane

Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von diane » Mittwoch, 12.10.16, 17:41

Hallo,

vor kurzem habe ich gehört oder gelesen :

" Psychologen sind Ärzte, die es aua irgendeinen Grund nicht ins Krankenhaus ect geschafft haben". .

SiE sind diejenigen, die keiner wollte.
Klingt hart, aber bei manch Fällen u Diagnosen siejt man diese Unfähigkeit... Leider..

LG

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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von soma84 » Mittwoch, 12.10.16, 23:33

Hi Arian,
Guck mal in meine Signatur.
Ich hatte die Diagnosen schizoaffektive Psychose, , bipolare Störung, Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung
was aber alles Fehldiagnosen waren (ist auch zwar nicht offiziell, aber inoffiziell so anerkannt)
Ja, hab ich gesehen. Und nicht nur deine. Krass wieviele Medis & Diagnosen viele hier schon durch haben :x :? ...Hast du mal versucht das als Behandlungsfehler zu melden? Bei der Ärztekammer oder dem Patientenschutz? Gerade jetzt wo der Schummel der Kassen veröffentlicht wurde, ist sicher ein guter Zeitpunkt für sowas. Ich weiß, dass es sehr schwierig ist in dem Bereich einen Behandlungsfehler anerkannt zu bekommen, aber bei so vielen versch. Diagnosen wäre es evtl. möglich ? :?

Und Diane:
die armen Psychologen :haha: :lol: !! Ich glaub ja schon, dass es auch sehr viele gute gibt. Aber eben auch viele Scharlatane und einfach viel zu viele unnötige, teure Therapiemethoden. Und ich finds schlecht, dass es so gar keine Qualitätskontrolle gibt und jeder machen kann was er will und solange er will, egal obs den Patienten nützt oder nicht. Die Patienten können ja schlecht hellsehen was ihr Therapeut für ein Mensch ist...
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Katharina » Mittwoch, 12.10.16, 23:36

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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Arianrhod » Donnerstag, 13.10.16, 9:33

soma84 hat geschrieben:..Hast du mal versucht das als Behandlungsfehler zu melden? Bei der Ärztekammer oder dem Patientenschutz?
Habe ich nicvt versucht, weil ich denke, dass das chancenlos ist. Im Unterschied zu anderen Erkrankungen, bei denen Messwerte, OP- Berichte etc. vorliegen, liegen in meinem Fall ja nur die Bewertungen der Ärzte vor, also keine harten Fakten. Die Antwort wäre vermutlich: " Zu dem Zeitpunkt , als Sie behandelt wurden, hatten Sie eindeutig eine Psychose - nun kam es aus unerklärlichen Gründen zu einer Spontanremission - freuen Sie sich darüber und vergessen Sie dieses unerfreuliche Kapitel Ihrer Lebensgeschichte." - dass man mir vorher gesagt hatte, es handle sich um eine chronische unheilbare Erkrankung, fällt dann plötzlich unter den Tisch .....und ich kann nix beweisen. Selbst ein Gegengutachten würde mir nur bescheinigen, dass ich im Oktober 2016 keine Psychose habe ( aber es gibt keinen Beweis, dass es vor 10 Jahren genauso war) :x
Ich müsste nachweisen, dass bei den damaligen Beurteilungen gelogen wurde. Und damals hat mir ein Psychiater "Stimmen hören" in die Krankenakte geschrieben und als ich protestierte, gesagt: "Sie sind sehr krank, jedoch clever genug, zu dissimulieren ...."
Es ist sehr schwierig, wenn selbst das Nichtvorhandensein eines Symptons selbst ein Symptom ist ( Verdrängung? krankheitsuneinsichtig? Disimulation?)

:shock:

liebe Grüße Arian
2005 mit Burnout und Depression in eine Tagesklinik gekommen.

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Außerdem Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon

jahrelang , vieles gleichzeitig und in höchster Dosierung.
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seit 2012 Ausschleichen von 800 mg Quetiapin retard innerhalb von 2 Jahren.
Meinen Absetzbericht findet man hier:
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Seit Januar 2014 keine Neuroleptika mehr.

Ich leide seit 3 Jahren unter Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen. Bei mir wurde eine Polyneuropathie diagnostiziert und ein Zusammenhang mit NL vermutet - leider nicht beweisbar.

Außer Neuroleptika habe ich zwischenzeitlich auch Oxycodon ( ein Opioid) und Trimipramin nach zweijähriger Einnahme abgesetzt , die ich wegen chronischer Schmerzen verschrieben bekommen habe.
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Thomas » Donnerstag, 13.10.16, 12:02

Psychologen sind Ärzte, die es aus irgendeinen Grund nicht ins Krankenhaus ect. geschafft haben
Nachdem was ich in Psychiatrien gesehen hab, sind dort eher sehr viele junge und unerfahrene Ärzte und Psychologen. Viele in Weiterbildung, vor allem die Neurologen, die ihr Jahr in der Anstalt absolvieren und bereits Diagnosen und Medis raushauen dürfen wie die "Alten". Sehr viele auch aus östlichen Nachbarländern. Zumindest da wo ich war. Die Sprache ist teilweise ein Problem. Ich denke, Stationsdienst in Psychiatrien ist nicht das, was sich die meisten erträumen, aber es ist ein Einstieg. Wenn die Karriere weiter gediehen ist, wechseln sie an ein renommierteres Krankenhaus oder richten sich gleich ein paar schicke Räumlichkeiten ein und suchen sich ihre Patienten selbst aus. So würde ich es machen als Psychologe. Und wer etwas sensibler ist oder "zuviel" nachdenkt, bleibt sowieso nicht lange im stationären Psychiatriebetrieb.

Grüße :wink:
Persönliche Erfahrung mit Zyprexa/Olanzapin, Cipralex, Prometazin, Tavor, Diazepam. Mehrere aus Unkenntnis gescheiterte Absetzversuche. Endgültiges Ausschleichen seit 2014. Frei von Psychopharmaka seit August 2015.

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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von diane » Donnerstag, 13.10.16, 13:30

" Und Diane:
die armen Psychologen :haha: :lol: !! Ich glaub ja schon, dass es auch sehr viele gute gibt. Aber eben auch viele Scharlatane und einfach viel zu viele unnötige, teure Therapiemethoden. Und ich finds schlecht, dass es so gar keine Qualitätskontrolle gibt und jeder machen kann was er will und solange er will, egal obs den Patienten nützt oder nicht. Die Patienten können ja schlecht hellsehen was ihr Therapeut für ein Mensch ist..."

Inwiefern Qualitätskontrolle? Ich dachte, daß es trotz alle dem "Pflichtkontrollen" zu geben scheint?

@ Thomas

Ja da muss ich dir recht geben. Es sind tatsächkiche viele aus dem östlichen Bereich tätig. U ja, tatsächlich Neurologen. Eine Mitpatientin hatte zb bei einem Arzt,östlicher Herkunft, ihre wöchentliche Therapiestunde ( was ich persönlich lachhaft finde. Warun zum Teufel hat man als schwer Depressiver nur eine lächerliche Therapiestunde in der Woche?? Da sollte man mehr Energie reinsetzen!) ..jedenFalls sagte sie zu ihn, das sie den Eindruck hat, das er sie nicht verstehe, wie sie sich fühle. Was sagt er ??? " Sie können sehr gut deutsch. Ich verstehe sie"... Ähm, ooooki... wis soll man mit so jmd richtig therapiert werden???

LG

Thomas
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Thomas » Donnerstag, 13.10.16, 14:24

Hallo Diane,

eine Stunde pro Woche ist das Standardprozedere, soweit ich weiß. Das wird aber nicht unbedingt eingehalten. Du kannst auch wochenlang auf Station rumhängen ohne Einzelgespräche zu haben, abgesehen von Aufnahme und Entlassung. Da machen sich viele glaub ich falsche Illusionen, die sich auf eine stationäre Behandlung einlassen. Sie erhoffen sich intensive Umsorgung ihrer individuellen Probleme (die aber keinen wirklich interessieren) und finden sich rasch eingegliedert in den Fließband-Wochenplan und auf Medis gesetzt natürlich. Gruppentherapien sind häufiger, weil einfach effektiver. Da sitzen dann alle im Kreis und jeder soll was sagen, aber nicht zu lang. Wie es einem gerade geht hauptsächlich. Bei jeder Gelegenheit musst Du sagen, wie es Dir gerade geht. Am Anfang der Gruppe, am Ende der Gruppe, bei sonstigen Therapien und natürlich bei Visiten. Das kannst Du irgendwann nicht mehr hören, weil es zu überhaupt nichts führt und Du lernst irgendwann, die richtigen Antworten zu geben, um möglichst bald wieder gehen zu können oder eine bestimmte Anpassung deiner Dosis oder des Therapieplans durchzusetzen. Meistens werden in den Gruppen auch nur kleine Alltagsproblemchen vorgetragen, wie diverse Nebenwirkungen der Pillen oder ob man am WE nach Hause darf. In Tageskliniken gibt es üblicherweise mehr Einzelgespräche, in der Regel 2 pro Woche. Ob irgendwas besser wär, wenn es mehr Einzel-Psychotherapie auf Stationen gäbe, glaub ich unterm Strich nicht. Aber es würde mehr den Erwartungen und Wünschen der Patienten entsprechen.

Grüße
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Sommersprosse » Donnerstag, 13.10.16, 14:31

Hallo soma, ich begrüße dich und heiße dich recht Bild im ADFD

Vielen Dank für deinen Beitrag und Linktipps, sie sind sehr interessant.
Dein Ausstieg wollte sicherlich sehr gut überlegt sein, kann ihn durchaus verstehen. Manchmal passt etwas nicht mehr.
Darf ich fragen in welche Berufsrichtung du jetzt gehen möchtest ? Hast du schon Pläne ?

Liebe Grüße von der Sommersprosse (n) Bild
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Sommersprosse » Donnerstag, 13.10.16, 14:46

Hallo zusammen,

möchte mich Thomas anschließen, in der Tagesklinik gibt der Therapieplan etwas anderes vor.
Persönlich fand ich das gemeinsame Frühstück sehr nett um dann in den Therapiealltag zu starten.
Den Umgang mit den Patienten empfand ich entspannter, es fühlte sich niemand genervt.

Nun, die Psychiatrischen Kliniken empfinde ich als Notunterkunft, was sie ja auch teilweise sind.
Viele Patienten wurden auf dieser Station einfach nur medikatös neu eingestellt, warteten auf den
geigneten Therapieplatz, entweder angeschlossen oder außerhalb der Klinik.
Oft herrschte Unruhe durch Neuaufnahmen, man/frau ist sich selbst überlassen.

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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Arianrhod » Donnerstag, 13.10.16, 16:39

Sommersprosse hat geschrieben: Nun, die Psychiatrischen Kliniken empfinde ich als Notunterkunft, was sie ja auch teilweise sind.
Viele Patienten wurden auf dieser Station einfach nur medikatös neu eingestellt, warteten auf den
geigneten Therapieplatz, entweder angeschlossen oder außerhalb der Klinik.
Oft herrschte Unruhe durch Neuaufnahmen, man/frau ist sich selbst überlassen.

Herbstliche Grüße, Sommersprosse (n) Bild
Eine Freundin von mir drückt es so aus: " Um eine Psychiatrie zu überstehen, musst du gute Nerven haben. " :whistle:
Kein Umfeld für hochsensible, reizoffene Menschen in einer Lebenskrise, nehme ich an. Daher auch die hohen Medikamentendosen, sonst würden einige noch mehr durchdrehen.

liebe Grüße Arian
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wobei die AD sofort und ohne Ausschleichen von den Ärzten abgesetzt wurden.


Verschiedene Diagnosen: schizoaffektive Psychose, Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung


Erst 2 Jahre Behandlung mit Amisulprid . Zu schnell auf eigene Faust abgesetzt.
Schwere Supersensitivitätspsychose .

Einstellen auf verschiedene Neuroleptika: Haloperidol, Quetiapin, Olanzapin, Risperidon, Paliperidon, Aripiprazol
Außerdem Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon

jahrelang , vieles gleichzeitig und in höchster Dosierung.
u.a. Berentung, 60 kg Gewichtszunahme
seit 2012 Ausschleichen von 800 mg Quetiapin retard innerhalb von 2 Jahren.
Meinen Absetzbericht findet man hier:
viewtopic.php?f=51&t=10634&p=120447#p120447
Seit Januar 2014 keine Neuroleptika mehr.

Ich leide seit 3 Jahren unter Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen. Bei mir wurde eine Polyneuropathie diagnostiziert und ein Zusammenhang mit NL vermutet - leider nicht beweisbar.

Außer Neuroleptika habe ich zwischenzeitlich auch Oxycodon ( ein Opioid) und Trimipramin nach zweijähriger Einnahme abgesetzt , die ich wegen chronischer Schmerzen verschrieben bekommen habe.
Pregabalin habe ich am 7.9.2016 endgültig ausgeschlichen.

Die Anzahl meiner Dauermedikamente beträgt gerade "0". :)

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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Melkigi » Mittwoch, 02.11.16, 21:45

soma84 hat geschrieben:Hab den Beitrag nochmal überarbeitet um aktuelle Infos zu ergänzen und das Ganze etwas neutraler darzustellen.

Alternativer Titel: Warum ich zu viele Diagnosen gestellt, falsche Antidepressiva verschrieben oder Nebenwirkungen verschwiegen bekomme.


Hi zusammen,

Leider geht es in unserem Gesundheitssystem immer profitorientierter zu. Hab hier ein paar Sachen zusammengefasst die vielleicht für Betroffene interessant sind (falls sie noch nicht darüber informiert sind - hier scheinen ja eh alle ziemlich gut Bescheid zu wissen) und die meiner Meinung nach völlig schief laufen in der Psychiatrie, aber auch im Gesundheitswesen allgemein. Leider...

1) Wie falsche Diagnosen und Behandlungen zustande kommen

Diagnose Depression, Schizophrenie oder Borderline? In der Klinik sind sie da oft flexibel. Chef- und Oberärzte müssen nämlich eine festgelegte Anzahl bestimmter Diagnosen stellen und Behandlungen durchführen. Egal ob sie falsch, sinnlos oder sogar schädlich für den Betroffen sind. Wenn du ins Krankenhaus kommst wirst du auf die für das Krankenhaus lukrativste Weise behandelt (z.B. unter der Diagnose auf die die jeweilige Klinik spezialisiert ist). Das liegt unter anderem daran weil es eigentlich viel zu viele Krankenhäuser gibt und hoher Konkurrenzdruck herrscht.

http://www1.wdr.de/mediathek/video/send ... t-100.html
http://www.cicero.de/kapital/zehn-jahre ... isch/53983
http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen ... kv100.html

2) Weshalb zu viele oder falsche Medikamente verordnet werden

Viele Ärzte und Kliniken nutzen sogenannte Anwendungsbeobachtungen (AWB). Dabei erhalten sie Geld dafür, dass sie dem Patienten ein bestimmtes Medikament in einer möglichst hohen Dosis über einen langen Zeitraum verschreiben. Das führt leider dazu, dass viele das falsche oder zu viele Medis bekommen. Auch andere Formen von Umsatzprovisionen sind möglich. Mit Glück bekommst du das richtige Medikament. Mit Pech das falsche, zu viele, viel zu lange, in viel zu hoher Dosis.

http://www.ndr.de/nachrichten/Uniklinik ... en104.html
https://correctiv.org/recherchen/euros- ... -forscher/

Datenbank mit aktuellen AWB: https://correctiv.org/recherchen/euros- ... datenbank/

http://www.rbb-online.de/kontraste/uebe ... hlung.html

Dieser Beitrag zeigt wie ein Treffen mit den Pharmavertretern abläuft: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/ ... tz100.html

3) Wie sich deine Versicherung einmischt wann wie und ob du gesund wirst

Deine Krankenkasse schließt mit Pharmaunternehmen und Generikaherstellern Rabattverträge. Sie vereinbart mit dem Hersteller, dass ihre Versicherten ein ganz bestimmtes Medikament erhalten. Offiziell soll das zu Einsparungen für die Kasse führen. Die Kasse pocht darauf, dass du genau das Medikament verschrieben bekommst, auch wenn es in deinem Fall das falsche und eher kontraproduktiv ist. Sie zahlt dem Arzt einen Bonus dafür.

http://gutepillen-schlechtepillen.de/ar ... kenkassen/
http://www.arznei-telegramm.de/html/200 ... 01_01.html
https://www.abda.de/themen/recht/verbra ... vertraege/
http://www.iww.de/amk/archiv/arzneimitt ... hmen-f6210

Ebenso kann die Kasse deine Diagnose beeinflussen und dich kränker erscheinen lassen, als du eigentlich bist:

http://www.stern.de/wirtschaft/news/kra ... 98724.html
http://www1.wdr.de/nachrichten/aerzte-a ... n-100.html

Es gibt also sowohl für Pharmaunternehmen als auch Kassen viele Wege die ärztliche Behandlung zu beeinflussen. Ambulant oder in der Klinik werden Patienten teils mit vier verschiedenen Medikamenten gleichzeitig vollgepumpt. Bei vielen reicht ein einziges völlig aus, aber eben das richtige, in der richtigen Dosierung. Manche Ärzte bleiben trotzdem unabhängig, manche leider auch nicht.

4) Welchen Risiken du ausgesetzt bist

Oft werden auch Medikamente verschrieben von denen man längst weiss, dass sie mehr schaden als nutzen. Da fast alle Medikamentenstudien von den Herstellern finanziert werden und viele vom Vermarkten und Verschreiben der Medikamente profitieren, gelangen negative Wirkungen manchmal erst spät an die Öffentlichkeit.
Meiner Meinung nach ist es ein Witz, dass die Erkenntnisse über Hirnathropie bei Neuroleptika erst jetzt veröffentlicht wurden…nach dreißig Jahren Anwendung!?

http://www.akdae.de/Arzneimitteltherapi ... /index.php
http://www.faz.net/aktuell/wissen/mediz ... 79742.html
https://www.youtube.com/watch?v=9hlwGqy16j8

Bei SSRI wurde die Wirkung von Anfang bewusst übertrieben.
http://www.zeit.de/2008/10/Ein_Placebo_namens_Prozac

Und Nebenwirkungen beschönigt.
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 53563.html

5) Warum Nebenwirkungen erst so spät oder gar nicht herauskommen

Der wissenschaftliche Betrieb wird in weiten Teilen von der Pharmaindustrie beeinflusst. Die Pharmaunternehmen müssen negative Studienergebnisse zu den Medikamenten erst veröffentlichen, wenn das Medikament schon Jahre auf dem Markt ist (s. auch „Publikationsbias“). Bei vielen alten Medikamenten wurden negative Ergebnisse ganz unter den Teppich gekehrt (--> Neuroleptika, Trizyklika).

https://www.youtube.com/watch?v=3z8M_1jwM5E
http://www.zeit.de/2014/31/betrug-wisse ... nipulation
http://www.taz.de/!5097370/

5) Warum wir krank bleiben und wie Diagnosen vermarktet werden

Unsere Politiker haben es verpasst, dem Gesundheitssystem mit den richtigen Gesetzen Grenzen zu setzen. Jetzt verteilen die Akteure unseres Gesundheitssystems - Ärzte, Kliniken, Krankenkassen, Pharmaindustrie und Forschung - über ein komplexes Beziehungsgeflecht die steigenden Kassenbeiträge unter sich und machen sich vor allem gegenseitig gesund. Der Patient muss dafür möglichst oft und möglichst lange krank sein.

Beispiel: Demenz

Man weiß, dass Demenz u.a. durch die Alkoholmissbrauch, langfristige Einnahme bestimmter Medikamente - z.B. Antiallergika, Neuroleptika, Antidepressiva und viele andere (http://www.pharmazeutische-zeitung.de/i ... p?id=56204) - ausgelöst wird.

Trotzdem vermarkten Unikliniken „Demenz“ als neues Krankheitsbild. :pillowtalk:
http://www.wiwo.de/technologie/medizin- ... 24508.html

Warum? Weil sie dann Forschungsprojekte dazu durchführen und Forschungsgelder kassieren können! Die staatlichen Forschungsgelder reichen aber nicht aus. Hier kommt die Pharmaindustrie ins Spiel, die die Forschungsprojekte ebenfalls fianziert und die passenden Medikamente zur Krankheit entwickelt. Deren Wirkung wird in den Studien untersucht und sie kommen deshalb meistens besser darin weg, als sie eigentlich sind (s.oben). :whistle: Sonst bliebe das Unternehmen ja auf den Kosten für die Entwicklung des Medikaments sitzen.. :evil:

Der Patient kommt dann in die Klinik und klagt über Beschwerden, die ja eigentlich von den anderen Medikamenten ausgelöst wurden, weil die Nebenwirkungen nicht vernünftig veröffentlicht werden :whistle: . Und - bekommt eben seine neueste Diagnose: Demenz :party2: !

Jetzt verdienen Klinik und Ärzte :hug: zusätzlich an der Verschreibung der neuen Medikamente, die vermutlich wenig bringen und dem armen Kerl eigentlich mehr schaden als nützen werden :party: .

Ausserdem wird am Patienten so viel wie möglich weiter geforscht. Jede nochso unsinnige Nonsense-Studie bringt Geld. Hier wird genauso getrickst wie mit Medis und diagnosen: Man lässt die erste Behandlung z.B. ins Leere laufen damit der Patient sich weiterbehandeln lassen muss – und zwar mit dieser neuen Methode oder dem neuen Medikament, zu dem - ach, super! - grad die neue Studie läuft.

Die Kassen schauen sich das natürlich nicht untätig an. Sie schließt die Verträge mit den Medikamentenherstellern ab. :group: Der Arzt kassiert seinen Bonus - und verschreibt eben noch ein Medikament.
Der Patient ist diesem Kreislauf nur noch das Mittel zum Zweck :zombie: !

...Natürlich ist das alles auch nicht ganz so einfach wie gerade beschrieben. Aber Demenz ist ein gutes Beispiel dafür wie Krankheiten endlos aufgebauscht werden, um daraus Profit zu schlagen.

Psychotherapie ist teilweise genauso zum Geschäft verkommen. Professoren mutieren zu Therapiegurus und kurbeln die Karriere dank der Vermarktung neuer Therapiekonzepte mit zweifelhaftem Zusatznutzen an. Diese Methoden werden dann derart aggressiv - auf Kosten von Patienten (denen die neue Pseudotherapie nichts bringt) und Steuergeldern – klinisch erprobt und auf den Markt getrieben, dass es einem schlecht wird.

Unabhängige Studien zeigen soweit ich weiß, dass seit der guten alten kognitiven Verhaltenstherapie eigentlich keine neue Methode einen großartigen Zusatznutzen hatte… :whistle:

Bei Psychotherapie besteht je nach Therapeut auch die Gefahr in eine Abhängigkeit zu geraten. Manche wenden beispielsweise NLP an, also eigentlich Vertriebspsychologie, um Patienten über langen Zeitraum als Kunden zu halten oder die Therapie endlos über Jahre fortzuführen :bettzeit: .

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... Seele.html

Aktuell ist unser Gesundheitssystem also manchmal leider auch ein Paradies für Abzocker und schwarze Schafe :( ...

Was meint ihr?
Ich bin schockiert :shock:
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Katharinalive-slow
Ich litt ca 2 Jahre unter starken Rückenschmerzen, Nacken- und Kopfschmerzen. Dachte erst an Verspannungen und Migräne die mich des öfteren plagen. Ich wurde mit den üblichen Mitteln behandelt, Ibuprofen, Diclofenac und Cortison. All das half nichts, unter Cortison fühlte ich mich zwar super aber nach absetzen schnell wieder schlechter, im Oktober 2015 hielt ich die Schmerzen nicht mehr aus, viele Therapien folgten, Krankengymnastik, Spritzen und hochdosiert Cortison. Und mein Arzt meinte ich hätte eine Nerventzündung und da bekam ich zum ersten Mal Pregabalin 50 mg einmal täglich, gesteigert auf 3x täglich, den Zeitraum weiss ich nicht mehr genau, nach ca 4 Wochen habe ich einfach abgesetzt wegen der Nebenwirkungen, alle sagten meine Persönlichkeit hat sich verändert, ich war sehr aggressiv. Schell auf 180, die Schmerzen waren aber besser, und nach dem Absetzen ging es wieder los, Schmerzen wieder da,ich fühlte mich seltsam , wusste nicht das ich eigl. langsam absetzen muss, hat mir keiner gesagt. Ich ging dann zum Orthopäden, der dann endlich ein Röntgenbild und ein MRT veranlasst hat. Und bähm ein Bandscheibenvorfall hws, der Nerv total eingedrückt, bekam weiter cortisoninfusin und sollte Tilidin nehmen, hab ich nicht vertragen. Am ersten Tag super, totale Euphorie und am 2 Tag Übelkeit und total depressive, dann auf Tramal umgestiegen und genau das gleiche erlebt, abgesetzt, im Februar 2016 zum Neurochirurgie überwiesen worden, eine OP wurde mir empfohlen,
Am 28.02.16 wurde ich dann operiert und eine Bandscheibenprothese wurde mir eingesetzt und Knochen der den Spinalkanal eingeengt hat weggefräst.
Danach bekam ich wieder Pregabalin 3x 50mg täglich da der Nerv so lange gequetscht war, sollte er damit erst mal beruhigt werden, Schmerzen besser, aber meine Persönlichkeit hat sich wieder verändert.

- [ ] Nebenwirkungen:
- [ ] Kopfschmerzen
- [ ] Beinschmerzen
- [ ] Schwellung der Gelenke
- [ ] Psyche verändert
- [ ] Aggressiv
- [ ] Konnte keine Menschenmengen vertragen
- [ ] Antriebslos
- [ ] Gewicht zugenommen ,immer Hunger
- [ ] Im Internet schlau gemacht über Pregabalin, dann hab ich selbständig wie folgt runterdosier:
1. Ab ca01.03.16 3x täglich 50mg
2. Ab Juni 2016 2x täglich 50 mg
3. Ab Juli 2016 1x täglich 50 mg
4. Ab 07.10.16 1x täglich 25 mg ( auf Wunsch bei meinem Arzt angefordert)sollte es 14 Tage nehmen und dann ganz weglassen.
Wie es mir nun erging ohne Pregabalin:
1. Tag: noch keine Veränderung erkennbar
2. Tag: leichte Übelkeit, Kraftlosigkeit, geschwollener Magen( dacht an eine Magen/Darminfektion oä)
3. Es wurde immer schlimmer, vomex gegen Übelkeit genommen, starke Magenkrämpfe, ganzer Körper tat weh.
4. -9. Tag ging mir immer schlechter
Am 30.10.16 dieses geniale Forum entdeckt und endlich brauchbare Hilfe bekommen, mir wurde geraten mit der letzten Dosis wieder einzusteigen, 25mg 1x täglich.
Der Wiedereinstieg , Pregabalin 25mg täglich
1. Tag, 31.10.16 kaum zu fassen alle Beschwerden weg nach ca einer Stunde
2. Tag, 01.11.16 keine Entzugserscheinungen mehr. Allerdings die Nebenwirkungen sind auch zurück aber nicht so stark, ich kann wieder essen. Fühle mich super, nicht mehr weinerlich.
3. tag. 02.11.16 leider wieder, schlechter alle Emotionen nacheinander, besonders Übelkeit und Magenschmerzen, Magen dick wie Handball. Heute abend geht es mir besser, morgens und mittags ist es am schlimmsten.

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