Hinweis: hier klicken zum Schließen dieser Ankündigung ->
Liebe ADFDler,

Wir haben eine große Softwareaktualisierung durchgeführt. Im Ideal funktioniert alles wie bevor, nur dass ein paar Details ein wenig anders aussehen. Falls es in den nächsten Tagen doch Probleme gibt, bitte beschreibt was ihr gemacht habt und was nicht so war, wie ihr es erwartet in diesem Thread:

Problemsammlung nach Softwareaktualisierung (Januar 2018)

Vielen Dank für Eure Hilfe.

Euer ADFD Team

Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
Antworten
Tabin
Beiträge: 15
Registriert: Sonntag, 06.08.17, 15:27
Hat sich bedankt: 4 Mal
Danksagung erhalten: 52 Mal

Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Tabin » Sonntag, 27.08.17, 19:55

Hallo zusammen,

ich habe vereinzelt schon in anderen Beiträgen hier im Forum zum Thema Lithium absetzen geschrieben.
Nun verfasse ich auf Nachfrage noch einen Erfahrungsbericht dazu, greife dabei auch auf bereits von mir geschriebenes zurück.

Ich habe Lithium ca. über 7 Jahre lang genommen, das Absetzen fand auch in diesemZeitraum statt.
Zuvor hatte ich vor und wärend der Einnahme von Lithium verschiedenste AD und NL eingenommen.
Beim Absetzbeginn des Lithiums waren bereits alle anderen Medies erfolgreich abgesetzt.

Meine höchste Dosis war 1/2Tablette morgens, 1 Tablette abends./ 450g , retard.
Ich hatte die morgen Dosis schon einige Monate vor dem eigentlichen Ausschleichen,also bevor ich dies konkret beschloss, nach Absprache abgesetzt.
Ich hatte sie nicht mehr gut vertragen,
und kam gleichzeitig durch die emotional dämpfende Wirkung in der Zeit nicht an die in der Therapie notwendigen Gefühle ran.
Das eingentliche Absetzen habe ich auf 2 Jahre festgelegt.
Die einzelnen Schritte auf je 1/2 Jahr festgelegt.
Also die ersten 6 Monate um 1/4 reduziert.
Nach weiteren 6 Monaten wieder um 1/4 reduziert, somit nur noch eine halbe Tablette abends.
Und dann wieder nach 6 Monaten auf 1/4 runter.
Im letzten halben Jahr habe ich 5 Monate 1/4 genommen und dann noch 1 Monat 1/8.

Das war eine ziemliche Arbeit mit dem gleichmäßigen Zerteilen, aber mit einem sehr sehr feinen Messerchen hat das gut geklappt.
Wie schon geschrieben hatte ich durch das Zerteilen keine Nebenwirkungen. Davor hatte ich ja auch immer morgens eine halbe eingenommen und diese davor an der mittigen Bruchstelle geteilt. Mein Spiegel sank langsam, kontinuierlich ab.
Wissenschaftlich oder medizinisch kann ich es natürlich nicht ausschließen, dass es zu irgendwelchen unerwünschten Nebenwirkungen dadurch kommt.
Bei mir gab es dadurch keine.

An meinen Absetzplan habe ich mich strengstens gehalten und somit nicht vor Ablauf des halben Jahres beurteilt und geprüft, ob ich für den nächsten Schritt bereit bin.
Das würde ich jedem auf jeden Fall raten; halte euch an einen Zeitplan und schmeißt ihn, auch wenn es euch vor Ablauf des Zeitfensters danach ist, nicht um!
Das ist in meinen Augen eine sehr wichtige Selbstkontrolle.
Auch das in sich gehen und miteinbeziehen aussenstehender Personen wenn der nächste Schritt ansteht.
Gerade bei Manie und/oder Depression ist die eigene, aber auch die Rückmeldung von aussen wichtig um einen Krankheitsschub frühzeitig erkennen zu können. Und das, ist ja bei weitem nicht immer so eindeutig.
Viel Zeit, möglichst kleine Reduktionen um den Spiegel ganz langsam zu senken,
und um den neuen Umgang mit den wesendlich lebendigeren Gefühlen zu lernen und aushaltenzu können.

Begleitende Psychotheapie war für mich sehr wichtig, gerade um ein besseres Gefühl von mir zu entwickeln, innere psychische Vorgänge besser reflektieren und wahrnehmen zu können und neue, effektivere Strategien im Umgang mit meinen Gefühlen zu erlernen.

Ohne wäre ein Absetzen für mich nicht möglich gewesen.

Absetzsymptome traten immer so ca.2 Wochen nach der Reduktion auf. Ich verspürte eine vermehrte Anspannung, ein vermehrtes Hin und Herschwanken der Gefühle, auch die Intensität meiner Gefühle nahm in der Zeit zu. Ich verspürte ein Ungleichgewicht, ein Unausgeglichensein.
Die Ausprägung dieser Symptome war jedoch weit von einem Krankheitsschub entfernt.

Ich würde sagen, wenn 10, eine schwere Depressive Epeisode bei mir war, dann war die Intensität beim Absetzen ca.bei 3-4.
Allerdings war das am meist vorherschende Gefühl eine Gereiztheit und vermehrte Verunsicherung.
Also auch nicht diese für mich typische Auswegslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit,Angst, wie in den Krankheitsphasen davor.

Nach ein paar Wochen legte sich dies aber immer und ich konnte mich psychisch wie körperlich neu einpendeln.
Lithium hatte bei mir auf jeden Fall die Wirkung meine Gefühle zu dämpfen.
Nach dem Absetzen ist mein Gefühlsleben wesendlich lebendiger geworden, mit allen Vor- und Nachteilen.
Denn einen neuen, guten Umgang musste ich mir zeitgleich mit begleitender Psychotherapie hart erarbeiten. :)

Ich wurde gleichzeitig auch durch meine Psychiaterin begleitet, die weiterhin Blutuntersuchungen, Messen des Halsumfangs, EEG... durchführte. So wurde sichergestellt, dass bei mir körperlich alles in Ordnung war und sich auch nach dem Absetzen keiner meiner gesunden Werte verschlechtert hatte.

Ich hoffe ich konnte hier für euch einen ausführlicheren und hilfreichen Bericht verfassen ;)

LG Tabin
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Tabin für den Beitrag (Insgesamt 6):
LinLinaJamieMurmelinepadmamicha68claudiaef
Und das geht doch!
Keine Medikamente mehr :)

Erfahrungen mit

Lithium (Quilonum retard 450).
Amitriptylin (Saroten), Doxepin (Aponal), Trimipramin (Stangyl), Mirtazapin (Remergil), Paroxetin (Seroxat).
Atosil (Prometazin), Truxal (Chlorprotixen), Solian (Amisulprid), Zyprexa (Olanzapin).
Tavor (Lorazepam).
:whistle:

Jamie
Team
Beiträge: 13314
Registriert: Montag, 04.02.13, 22:37

Re: Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Jamie » Sonntag, 27.08.17, 22:00

Hallo Tabin, :)

danke für deinen aufschlussreichen Bericht.
Wir haben wenige Teilnehmer, die sich mit Lithium auskennen bzw. es probiert haben abzusetzen und deswegen ist dieser Erfahrungsbericht umso interessanter und wichtiger für uns.
Ich werde deinen Beitrag künftigen Lithium-Betroffenen gerne verlinken.

Zwei Anmerkungen bzw. Fragen habe ich allerdings.
An meinen Absetzplan habe ich mich strengstens gehalten und somit nicht vor Ablauf des halben Jahres beurteilt und geprüft, ob ich für den nächsten Schritt bereit bin.
Das würde ich jedem auf jeden Fall raten; halte euch an einen Zeitplan und schmeißt ihn, auch wenn es euch vor Ablauf des Zeitfensters danach ist, nicht um!
Dieses hier möchte ich gerne kommentieren.
Es gibt Teilnehmer, die aufgrund von sich in Grenzen haltenden Absetzsymptomen gut mit dem Zeitplan zurechtkommen, den sie sich selbst gesteckt haben.
Die Mehrzahl der Menschen hier im Forum hat allerdings massive Probleme beim Absetzen und kommt mit Zeitplänen nicht zurecht. Ich würde sogar persönlich aktiv davon abraten, sich einen Zeitplan zu setzen, um sich nicht unnötig unter Druck zu setzen.
Je nach Persönlichkeitsstruktur mag ein Zeitplan sinnvoll sein, aber vermutlich nicht für jeden.

In den USA praktiziert ein Therapeut (ich muss den Namen noch mal recherchieren), der die Absetzsymptomatik vollauf anerkennt und der es sogar zur Bedingung für seine Patienten macht, dass sie sich keinen Absetzplan und kein Datum setzen, wann sie damit fertig sein wollen.
Er sagt, das ist in seinen Augen völlig kontraproduktiv und ruft nur Enttäuschungen hervor.
Er betreut keine Patienten, die sagen, ich will dann und dann fertig sein.

Und nun zu meinen Fragen.
Messen des Halsumfangs
1. Darf ich fragen, was das ist bzw. zu was diese Untersuchung dient?

Und zweitens: würdest du sagen, dass du Glück hattest, dass dein Spiegel immer okay war, obwohl du Lithium, das retardiert ist, zerkleinert hast (was man natürlich nicht soll)?
Ich weiß das ist sehr subjektiv, aber meinst du, man kann Teilnehmern anraten, sie könnten Lithium (ret) zum Ausschleichen teilen, wenn ein Arzt bereit wäre diese Menschen engmaschig zu begleiten und den Spiegel regelmäßig zu kontrollieren?
Für wie toxisch hältst du Lithium, das man als retardierte Tablette zerteilt?

Vielen Dank vorab :)
Viele Grüße
Jamie
...........SIGNATUR...............


:arrow: Eure Mithilfe ist gefragt - wer benutzt die Wasserlösemethode?


:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): viewtopic.php?f=51&t=12478


Meine PN-Funktion ist deaktiviert. Ich danke für euer Verständnis.

-----------------------------

Infos über mich:
► Text zeigen
____________________________________________________________________________________________


Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Tabin
Beiträge: 15
Registriert: Sonntag, 06.08.17, 15:27
Hat sich bedankt: 4 Mal
Danksagung erhalten: 52 Mal

Re: Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Tabin » Sonntag, 27.08.17, 22:59

Hallo Jamie,

zu meinem Zeitplan, das war von mir missverständlich ausgedrückt.
Der Zeitplan den ich mir gesetzt habe war nicht dazu da mir feste Absetzzeitpunkte zu setzen an denen ich mir vorgenommen habe "an dem Tag reduzierst du weiter"
Der Zeitpunkt hieß für mich " egal ob ich der Meinung bin es geht mir nach einem Monat schon total gut damit und ich kann ja jetzt schon weiter Absetzen,ich fühle mich ja damit gut .... ein ganz klares "nein, ich warte bis zu diesem Zeitpunkt""
Es diente mir also nicht dazu mir Druck zu machen, sondern mich in Geduld zu üben und nicht Vorschnell zu Handeln.
Denn ich wusste bei mir, dass ich durchaus, wenn es mir schon früher mit der neuen Dosis gut geht, ich zu schnell weitermachen könnte und das vllt zu vorschnell wäre.
Der Zeitplan ist für eine Mindestzeitspanne,keine Maximumzeitspanne.
Der erste Zeitpunkt jeweils an dem ich darüber nachgedacht habe ob nun der richtige Zeitpunkt ist weiter abzusetze noder noch nicht. Ich hatte Glück und es war immer ausreichend. Andere brauchen in derTat einfach auch länger, das ist garantiert bei jedem anders.

Ich bin damit gut gefahren und ich kann aus meiner Sicht auch nur das empfehlen.

Andere haben wiederum andere Erfahrungen und würden es evtl. anders machen, dazu kann ich natürlich mit keiner eigenen Erfahrung dienen ;)

Zum Punkt "das Zerteilen einer retard Tablette"
Da das Medikament als halbe oder ganze Tablette einzunehmen ist, musste ich diese davor schon über Jahre an der mittigen Bruchstelle teilen. Deshalb ging ich auch davon aus, dass dann ein vierteln, achteln nichts an der Wirkung ändern würde. Sonst wäre es vom Hersteller schon recht fragwürdig,wenn er ein Produkt verkauft,dass zu teilen ist, aber gar nicht geteilt werden darf.

Ich habe hier im Forum, ich weiß nicht mehr genau wo,ich glaube Mirta und Lithium absetzen ,etwas darüber nachträglich gelesen, dass der Wirkstoff in sich nochmals verpackt ist und es deshalb geht.

Da ich aber natürlich wie schon jedesmal betont, kein Arzt oder Wissenschaftler bin, der diese Frage objektiv klären kann,
kann ich auch hierzu nur sagen,dass es bei "mir" nichts ausgemacht hat. Meine Erfahrung ;)
Da meine Psychiaterin gegen das Teilen auch nichts einzuwenden hatte, hatte ich daher auch keine Bedenken.

Deshalb "Glück"...kann ich leider nicht objektiv beurteilen.
Das wäre sicherlich sehr sinnvoll und hilfreich, wenn wir dazu einen Fachmann zu rate ziehen könnten um diese Frage 100% zu klären.


Da ich davon ausgehe, dass jeder der Lithium einnehmen muss auch einen festen Psychiater hat, sollte jeder diese Frage auch mit diesem auf jeden Fall abklären.

Lithium ansich halte ich für hochtoxisch, daher auch die geringe Bandbreite und die engmaschige Überwachung, die unbedingt eingehalten werden muss.
Im Zusammenhang mit dem Teilen, hatte es bei mir keinen negativen Auswirkungen auf den Spiegel. Deshalb hielt ich es bei mir auch nicht für gefährlich. Das Weitere hatte ich ja schon oben geschrieben.

Da ich es in der Tat nur für mich aber nicht objektiv für jemanden anderen beurteilen kann, ja, auf jeden Fall vorher mit eurem behandelnden Arzt absprechen. Holt euch weiteren Rat ein!

Und noch zum Punkt "Halsumfang", der wird in regelmäßigen Abständen gemessen um beobachten zu können ob die Schilddrüse unter der Behandlung anwächst, dann müsste man natürlich reagieren.
Dazu wurde mir immer um genau die selbe Halsstelle ein Maßband gelegt und der Umfang dokumentiert.

Zum Glück hatte ich über die Jahre keinen dicken Hals bekommen :D

Liebe Grüße,Tabin
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Tabin für den Beitrag (Insgesamt 3):
JamiepadmaMurmeline
Und das geht doch!
Keine Medikamente mehr :)

Erfahrungen mit

Lithium (Quilonum retard 450).
Amitriptylin (Saroten), Doxepin (Aponal), Trimipramin (Stangyl), Mirtazapin (Remergil), Paroxetin (Seroxat).
Atosil (Prometazin), Truxal (Chlorprotixen), Solian (Amisulprid), Zyprexa (Olanzapin).
Tavor (Lorazepam).
:whistle:

Murmeline
Team
Beiträge: 11444
Registriert: Sonntag, 11.01.15, 13:50
Hat sich bedankt: 12463 Mal
Danksagung erhalten: 11109 Mal

Re: Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 20.09.17, 13:57

Hallo ihr,

möchte gerne noch den Erfahrungswert eines Bekannten festhalten.
Auch er hat retardierte Lithium-Tabletten sowohl geteilt als auch geviertelt, als er die Dosis nach unten anpassen musste (der Spiegel war angestiegen und die toxische Wirkungen machten sich bemerkbar). Das weitere Teilen der Tablette hatte keine negativen Auswirkungen - vielleicht auch, weil noch eine"ausreichende" Teilmenge als ganze Tablette genommen wurde.

Grüße, Murmeline
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Murmeline für den Beitrag (Insgesamt 3):
JamiepadmaTabin
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

Antworten