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umgang mit wut

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umgang mit wut

Beitrag von weg » Mittwoch, 11.10.17, 10:22

hallo,

ich setze das thema mal im thread "gesundheit", weil mich die ungezügelte wut krank macht.

mich würde interessieren, wie ihr mit der wut umgeht. also einerseits mit einer "globaleren wut" z.b. pharmafirmen, aber auch auf die privatere wut auf die nahe umgebung und die noch eigentümlichere wut auf sich selber.

ich bin oft sehr wütig und bin den situationen einfach so ausgeliefert. bei der "globaleren wut" mache ich die faust im sack und resigniere, weil ich da ja sowieso nichts bewegen kann.

bei der privateren wut leiden meine nächsten angehörigen. ich versuche sie zu beherrschen, aber ich explodiere manchmal und nachher muss ich dafür sorgen, dass ich wieder frieden stiften kann. aber ich leide dann noch lange zeit unter einem schlechten gewissen.

die wut auf mich selber ist ekelhaft. ich versuche es mit sport oder mit wut-bildern abzufedern.

was habt ihr für strategien?

danke für euren umgang damit und
herzlich
weg
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Re: umgang mit wut

Beitrag von micha68 » Mittwoch, 11.10.17, 12:18

Hallo weg,

ich mache gerade ein Skillstraining- dauert insgesamt 1 Jahr und wird bei uns in der psychiatrischen Institutsambulanz angeboten.

Dabei geht es auch um Wut und das Explodieren. Das man analysiert, wie kommt es soweit, was gibt es an Vorboten- vor der Explosion... und schon bei einer Anspannung von 70% einschreitet und es gar nicht erst auf 100% kommen zu lassen.

Ich habe erst Ende August 2017 damit angefangen, ist also noch ein langer Weg. Aber ich habe schon die ersten Verbesserungen gemerkt, in dem ich darauf achte, was lässt meine Anspannung steigen, was kann ich konkret ändern, damit es erst gar nicht soweit kommt oder was mache ich, wenn ich merke meine Anspannung ist bereits bei 50-60%, wie bekomme ich sie runter... Kann Dir bei Interesse auch gerne etwas mehr/genauer dazu berichten...

Vllt gibt es sowas auch in Deinem Umfeld?

Wünsche Dir einen guten Tag!
Micha
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Re: umgang mit wut

Beitrag von weg » Mittwoch, 11.10.17, 13:36

hallo micha68

danke für deine antwort.
Kann Dir bei Interesse auch gerne etwas mehr/genauer dazu berichten...


ja gerne interessiert mich sehr.
psychiatrischen Institutsambulanz, Vllt gibt es sowas auch in Deinem Umfeld?
halte mich im moment lieber an die praktischen erfahrungen und berichte von euch foris.

wünsch dir auch noch einen guten nachmittag
weg
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Re: umgang mit wut

Beitrag von LinLina » Mittwoch, 11.10.17, 14:02

Hallo weg :-)

Ich habe seit meiner Jugend mit Wutanfällen zu tun, die früher heftig waren und im Entzug wieder hervor kamen.

Mein "Heilmittel" ist meine Hündin. Ich konnte dieses Problem schon mithilfe meiner ersten Hündin bewältigen, und jetzt im Entzug habe ich ja wieder eine Hündin bekommen, und innerhalb weniger Wochen hat sich das Wutproblem verbessert und ist inzwischen ziemlich verschwunden.

Ich vermute, bei mir funktioniert das wie eine Art "Biofeedback" wenn ich in die Anspannung komme, die einer Wut vorausgeht, dann reagieren die Tiere instinktiv darauf mit Nervosität und Verunsicherung. Ich merke dann zum einen frühzeitig was sich da anbahnt, und andererseits bekomme ich ein sehr blödes Gefühl und schlechtes Gewissen, wenn meine Hündin sich dann von mir entfernt oder verunsichert ist.

Ich bin sehr mitfühlend, besonders auch bei Tieren, und halte es nicht aus ihnen Leid zu zufügen - dies ist bei mir stärker als die Wut. Es gibt sicher leider viele Menschen die ihre Wut auch an Tieren auslassen :( aber das ertrage ich nicht, sondern es entsteht dann bei mir gleichzeitig mit meinem Ärger ein großes Mitgefühl das die Wut auflöst oder sie gar nicht erst entstehen lässt.

Dadurch schaffe ich es dann immer mehr gar nicht erst so stark in die Wut hinein zu kommen. Genau erklären kann ich es nicht, aber für mich scheinen die Tiere diesbezüglich ein Wundermittel zu sein, alles andere hat bei mir jahrelang nicht geholfen.

Die Wut überwältigt mich dann auch nicht mehr, wenn das Tier gerade nicht dabei ist, weil ich dann wohl einfach geübt darin bin sie nicht stark werden zu lassen.

Das funktioniert bestimmt nicht bei jedem und nicht mit jedem Tier, und nicht jeder kann/mag ein Tier halten, aber es ist meine persönliche Erfahrung damit :)

Liebe Grüße
Lina
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Ursprünglicher Grund der Einnahme: Schmerzen, PTBS, heftige Unverträglichkeitsreaktion auf Schmerzmittel und Antibiotika (anhaltende Krampfanfälle)

Lorazepam: 1,5 mg von 7/2014 - 10/2014, dann 4 Monate schrittweiser Entzug (sehr schwer).
Seit 8.2.2015 abgesetzt

Mirtazapin: Winter 2014/15 bis 30 mg für Benzo-Entzug, langsames und mühsames Absetzen seit März 2015.
Seit 16.4.2018: 0,06 mg Mirtazapin

Mein Medikamentenverlauf :schnecke: / Mein Thread
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Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

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Re: umgang mit wut

Beitrag von micha68 » Mittwoch, 11.10.17, 14:17

Hallo weg,

dann etwas mehr:

Es geht bei dem Training, darum, sich seine eigene Emotionsregulation anzuschauen.
Sich in einem ersten Schritt bewußt zu machen, wie ist meine Anspannung und welche Symptome habe ich:
0% Anspannung - geht nur direkt nach dem Aufwachen ohne Alptraum, ab dann steigt erstmal die Anspannung und verläuft im Tagesablauf in Wellen
30% niedrige Anspannung- das wäre ein gutes Niveau, um stabil durch den Tag zu kommen und auf das ich versuche im Laufe des Tages immer wieder zurückzukommen
30-70% mittlere Anspannung- hier ist es gut, wenn man merkt die Spannung steigt, Dinge zu tun, die die Anspannung reduzieren, diese sind natürlich ganz individuell, je nach dem, was dem Einzelnen hilft; Beispiele: Sport, Atemübungen, Kreuzworträtsel oder Sudoku, Achtsamkeitsübungen, einen leckeren Tee trinken- je nach dem auf welchen Zugangskanal ich persönlich am Besten reagiere
ab 70% Hochspannung- da hilft nur noch ein "starker" Skill- Kopf in kaltes Wasser tauchen, auf Chillischote beissen o.ä..

Gut wäre es, man schafft es, gar nicht erst über 70% kommen zu lassen, von 70% auf 100% geht schnell, weil dann kommt oft der Wutausbruch "wie aus dem heiteren Himmel". So war es bei mir zumindest. Jetzt habe ich mir paar Wochen mein Verhalten angeschaut und habe festgestellt, es gibt Rahmenbedingungen die mich auf 70% steigen lassen zB Zeitdruck. Und dann habe ich morgens schon mal meinen Sohn angeschriehen, was ich nicht schön finde. Also habe ich den morgendlichen Ablauf geändert, stehe etwas früher auf und siehe da, ich schreie gar nicht mehr :D nur um ein konkretes Beispiel zu nennen.

Jetzt mache ich täglich mehrfach Achtsamkeitsübungen und habe das Gefühl, das ich dadurch ausgeglichener bin. Ich integriere meine Achtsamkeitsübungen in den Tag, zB beim Duschen, nicht ablenken lassen, alle Gedanken die kommen wegschieben, nur duschen, auf das Wasser achten, wie fühlt es sich an, wenn es den Körper runterläuft die Dampfschwaden beobachten etc. beim Wäsche zusammenlegen, vorher habe ich Wäsche zusammenlegen gehasst- jetzt da es eine Achtsamkeitsübung ist, habe ich mich gut damit arrangiert...

Da ich erst seit Ende August damit angefangen habe, bin ich noch am Anfang und es werden noch lauter Themen folgen u.a. Stresstoleranz, Umgang mit Gefühlen (da wird dann auf wirklich viele Gefühle eingegangen), Zwischenmenschliche Fertigkeiten, Selbstwert...

Mir hat bisher schon alleine geholfen, dass ich mir zu diesem Thema Gedanken gemacht habe. Also wirklich einen Tag protokolliert habe, wie ist meine Anspannung, um überhaupt festzustellen, dass sich diese ändert und dann zu schauen, warum und was kann ich anders machen.

Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt- bei Fragen, einfach stellen :wink:

Eine gute Zeit Dir und würde mich freuen, zu hören, ob Du mit meinen Ausführungen etwas anfangen kannst und ob es Dir geholfen hat...
Liebe Grüße
Micha
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Re: umgang mit wut

Beitrag von weg » Mittwoch, 11.10.17, 15:16

hallo micha,
herzlichen dank für deine mühe. ich habe dein post ausgedruckt, damit ich ihn noch ganz genau lesen kann. du gibst mir viele hinweise, die ich gerne in mich aufnehmen will. schon beim lesen bin ich von etwa 60 auf 50 hinuntergerutscht... ich werde mich wieder melden.

hallo lina,
leider darf ich in meinem haus keine tiere haben, da schon alle anderen katzen und hunde besitzen und der vermieter hat mal gesagt, dass es nun genug tiere im haus hat. ich gehe jedoch jeden mittwoch mit dem labrador einer bekannten auf wanderschaft (heute gings nicht, er hat rückenweh und bekam eine spritze). es tut mir immer gut, mit ihr unterwegs zu sein. ich habe einen tiefen zugang zu tieren - fast mehr als zu menschen.

ich brauche etwas zeit zum nachdenken und melde mich später wieder.

ich bin dankbar, dass ihr mir antwort gebt und ich so fragen darf.

herzlich
weg
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Re: umgang mit wut

Beitrag von micha68 » Mittwoch, 11.10.17, 17:23

Hallo weg,

alleine von 60 auf 50% runter, war es meine "Mühe" wert :hug: sitzen wir doch irgendwie alle in einem Boot :)

Ergänzend: man soll nachdem man 5-6 Wochen täglich Achtsamkeitsübungen gemacht hat, eine Besserung merken und macht sie dann wohl wie von selbst...

Ich habe festgestellt, man kann aus wirklich vielem eine Achtsamkeitsübung machen. Heute war es noch Geschirrspülen- wie fühlt sich der Schaum an, wo geht der Dreck ganz leicht ab wo nicht- ganz im Spülen versunken... und es wird immer einfacher, ich sage mir, wenn andere Gedanken aufkommen- Stopp jetzt nicht und schaue wieder auf die Teller und Töpfe. Es macht mir irgendwie sogar Spaß.

Maronen sammeln habe ich am WE auch in Achtsamkeit geübt, nicht die ganze Zeit- aber so ca 10 Min- 10-15Min reichen vollkommen aus.

Ich kann verstehen, dass Du lieber einen Bogen um die Psychiatrie machst- ich habe auch viele schreckliche Erfahrungen mit Psychiatrie gemacht- aber jetzt habe ich endlich mal einen Kurs der mir etwas bringt und ich hoffe, damit heilen auch einige Wunden. Es kommt noch das Thema der "radikalen Akzeptanz"- vllt kann ich damit mein Trauma bewältigen und brauche doch keine Traumatherapie mehr- das wäre schön.

Wünsche Dir fröhliches ausprobieren :D
Micha
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Re: umgang mit wut

Beitrag von weg » Mittwoch, 11.10.17, 19:12

hallo micha

du steckst mich an!! macht mir spass dir zuzuhören. ich habe ja einen achtsamkeitskurs nach jon kabat-zinn gebucht. der beginnt nächsten freitag. ich bin jedoch schon jetzt ein wenig am üben mit den cd's die ich hier im forum gefunden habe. so begann ich mit dem bodyscan. zu beginn, etwa vor 14 tagen ging das ganz gut. inzwischen habe ich meine zolpidem reduziert und bin recht in eine welle gerutscht. in diesem "zustand" finde ich es noch nicht möglich, den bodyscan durchzuhalten. bin ganz schnell weg in gedanken oder schlafe ein.

aber so die kleinen achtsamskeitsübungen die du hier beschreibst könnten hinkommen. werde es gleich beim abendbrot zubereiten austesten.

danke dir für deine mühen
herzlich
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Re: umgang mit wut

Beitrag von micha68 » Donnerstag, 12.10.17, 13:33

Hallo weg,

das hört sich toll an! Wird bestimmt eine schöne Zeit beim Achtsamkeitskurs! Und schau, was Du davon dann in Deinen Alltag integrieren kannst. Nimm Dir nicht gleich viel vor, meine Erfahrung hat mich gelehrt, das es prima ist, wenn man 1-2 Dinge aus einem Kurs mitnimmt und dann tatsächlich umsetzt- anstatt 10 Ideen, die dann alle auf der Strecke bleiben... Hoffe Du verstehst, was ich meine.

Und jetzt interessiert mich natürlich, ob es geklappt hat beim Abendessen zubereiten?

Ich habe eine etwas anstrengende Nacht hinter mir- mein Sohn hatte um 3h einen so heftigen Hustenanfall, das er inhalieren musste und danach war die Nacht für mich gelaufen. Er ist danach in meinem Arm wieder eingeschlafen, aber ich habe die ganze Nacht seine Atmung "überwacht"- damit war heute morgen das Aufstehen extrem schwer- als ich es dann geschafft hatte, war die Zeit mal wieder ein Faktor (ich mache u.a. morgens ihm sein Mittagessen für den Kindergarten, weil es diverse Unverträglichkeiten hat)- warum schreibe ich Dir das? Trotz Hektik bin ich ruhig geblieben- hat mich selbst überrascht! Ich habe das Gefühl, das die täglichen kleinen Achtsamkeitsübungen wirklich an meiner Grundstimmung etwas verändern- werde das weiter beobachten.

Und bitte erzähle dann nach Deinem Kurs! Bin schon ganz neugierig!

Wünsche Dir einen guten Tag!
Micha
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Re: umgang mit wut

Beitrag von Sommersprosse » Donnerstag, 12.10.17, 14:01

Hallo liebe weg,

Wut war in meinem Leben ein langer Wegbegleiter, ob Wut gegen andere oder mich selbst.
Es war ein sehr anstrengendes Leben - ich war nicht zufrieden, das kostete Kraft und war ein Energierräuber.

Im inneren war ich schon sehr früh der Spiritualität zugetan, wußte es zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau,
ob ich diesen Weg gehen werde. Anfangs meines Weges mit Reiki fühlte ich mich etwas besser. Später kam die stille Meditation hinzu.
Heute nach 13 Jahren kann ich von mir schreiben - daran bin ich gewachsen, sehe viele Dinge aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Nicht jederman fühlt sich der Spiritualität zugetan, kann damit nichts anfangen oder findet es Humbug.
Mir hat es einen neuen Lebenssinn geschenkt an dem ich wachsen konnte - über Jahre hinweg konnte ich mich meinen Depressionen
neu stellen und fühle mich heute stabil - selbst in kritischen Situationen.

Viel Erfolg und Eindrücke bei deinem Seminar, auf das es dir gelingen wird, NEUE WEGE für dich zu finden
die dir das Leben freudiger und friedlicher zu machen.

Liebe Grüße schickt dir Sommersprosse (n) Bild
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Ich habe z.Zt. ein kleines, techn. Problem - kann bei einigen Threads keine DANKSAGUNG vergeben, u. bitte um Verständnis

Mein Reduzierungsverlauf:
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Bild .......... Der Weg ist das Ziel
.........................Zitat von Konfuzius

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Re: umgang mit wut

Beitrag von weg » Freitag, 13.10.17, 8:49

hallo micha
Und schau, was Du davon dann in Deinen Alltag integrieren kannst. Nimm Dir nicht gleich viel vor, meine Erfahrung hat mich gelehrt, das es prima ist, wenn man 1-2 Dinge aus einem Kurs mitnimmt und dann tatsächlich umsetzt- anstatt 10 Ideen, die dann alle auf der Strecke bleiben...
danke micha, werde deine ratschläge gerne verinnerlichen und berichte dir dann ....

hallo sommersprosse,
dein weg beeindruckt mich auch, weil du den solange gehst. mir selber ist der zugang zu religionen versperrt. ich habe es schon mal in einer gruppe versucht, kam mir dann aber so als "verräterin" vor, da ich keinen zugang zu "gott" etc. fand und nur so tat als ob. damit will ich nicht sagen, dass ich keinen weg zu spiritualität finden kann, wie z.b. in der natur, im freien, oder auch in anderen ursprünglicheren kulturen.

danke für deine offenen worte und wünsche. sie begleiten mich durch den tag.

herzlich
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Re: umgang mit wut

Beitrag von micha68 » Freitag, 27.10.17, 17:37

Hallo weg,

wollte nur mal (neugierig) nachfragen, wie Dein Achtsamkeitskurs war?

Wir haben jetzt den Achtsamkeitsblock abgeschlossen und haben mit Stresstoleranz angefangen.

Ich hatte noch für mich 2 wichtige Sätze, die ich gerne mit Dir teilen möchte:
1. Durch Achtsamkeit können Gefühl und Verstand in ein Gleichgewicht kommen und damit intuitives Wissen und Verstehen ermöglichen.
2. Durch Achtsamkeitsübungen bekommt man ein besseres Gefühl für sich selbst und das Gefühl zur eigenen Identität wird gestärkt.

Wünsche Dir ein schönes Wochenende!
Micha
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Re: umgang mit wut

Beitrag von weg » Freitag, 27.10.17, 18:23

hallo micha68

lieb von dir nachzufragen. wir haben gerade den 3. block geübt und begannen mit den yoga-übungen. wir sind eine ganz kleine gruppe, 3 männer, 3 frauen und haben eine feine "trainerin". sie ist ursprünglich rechtsanwältin - für mich sehr o.k. weil das dann von medizin und psychologie entfernt ist.
1. Durch Achtsamkeit können Gefühl und Verstand in ein Gleichgewicht kommen und damit intuitives Wissen und Verstehen ermöglichen.
zu beginn haben wir unsere erwartungen aufgeschrieben und in einem verschlossenen couvert abgegeben. da habe ich hineingeschrieben "ins gleichgewicht kommen". es berührt mich, dass du mir diese sätze schickst.
Durch Achtsamkeitsübungen bekommt man ein besseres Gefühl für sich selbst und das Gefühl zur eigenen Identität wird gestärkt.
dem kann ich ganz zustimmen. vor allem auch durch das angenommen-sein in der gruppe gab mir einen "sicherheits-schub. vielleicht kannst du ja aus meiner signatur erahnen, dass ich eine "aussenseiterin" bin und ja ursprünglich von der "gasse" komme. diese zeit ist ja schon lange vorbei aber halt doch so als ehemalige "ausgestossene" immer wieder prägend.

die gruppe weiss, dass ich "im entzug" bin und ich habe auch ein wenig vom forum erzählt. aber meinen hintergrund kann ich gut verbergen, da ich ja später berufstätig war.

ich mache nun den bodyscan jeden tag. manchmal auch mehrmals. ich habe ja so enorme verspannungen im nacken und in den kiefergelenken und das hilft mir zum lösen. natürlich begleiten mich immer wieder neue gedanken, kann mich mit dem atmen aber auch immer wieder "fassen" und gut entspannen.

im 2. block üben wir das achtsame atmen im sitzen. bin da noch ein wenig am kämpfen wegen meinen verspannungen im rücken. ich sitze jedoch sehr gerne auf dem boden ohne sitzkissen. das passt zu mir. na ja, das sind dann so gedanken ... und durch achtsamkeit auf den atem kann ich ich mich dann schon wieder irgendwie in die übung "eingliedern".

unsere "trainerin" oder wie sagt man der leitung, bespricht für uns die übungs-CD in meinem/unseren dialekt. das finde ich sehr schön und es kommt dann bei mir in meiner muttersprache näher.

wir legen auch fest, auf welche tätigkeit wir uns besonders achten. ich habe das zähneputzen gewählt. habe das eine woche lang versucht und mich damit sehr gelangweilt. ich wollte darum auf eine andere tätigkeit wechseln. die trainerin machte mich darauf aufmerksam ob ich nicht mal achtsam dieser langeweile begegenen möchte und wie ich vielleicht anders umgehen könne... so habe ich das zähneputzen für nächste woche behalten.

es passiert vieles in mir selber an entwicklungen. ich werde ein wenig ruhiger und kann auch mehr auf den "auto-piloten" achten. ich denke dass ich auf einem guten weg bin.

herzlich
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Re: umgang mit wut

Beitrag von micha68 » Samstag, 28.10.17, 14:12

Hallo Weg,

Deine Nachricht freut mich sehr! Schön das Du einen Weg gefunden hast, der Dir gut tut (wenn es auch noch nicht das Zähneputzen ist :wink: )!

Auch ich merke, das sich durch die täglichen Achtsamkeitsübungen (ich dusche weiterhin achtsam, spüle und lege Wäsche zusammen) tatsächlich etwas verändert in meiner Grundanspannung- ich bin allgemein Entspannter und ich ertappe mich dabei, immer mehr Tätigkeiten als Achtsamkeitsübung durchzuführen z.B. einkaufen (DAS klappt viel besser, wenn man nicht dabei noch an 1000 andere Dinge denkt :D ) und das dieses ewige Multitasking gar nicht so erstrebenswert ist- schön eine Sache nach der Anderen- Wunderbar- und wenn möglich im Hier und Jetzt! Kochen finde ich auch wunderbar, nicht schon daran denken das man nachher die Küche wieder sauber machen muss- nein- Stopp! Einfach achtsam kochen- jede Kartoffel "bewundern", jedes Broccoliröschen anschauen :lol:

Trotzdem kommen auch mir u.a. unter der Dusche noch Gedanken- die da jetzt eigentlich nicht hingehören- ich kann sie immer besser weiterziehen lassen und zum Duschen zurückkommen! Zähneputzen habe ich mittlerweile auch als Übung deklariert- werde dann jetzt vorher und nachher an Dich denken- dabei geht ja nicht :wink: .

Wünsche Dir weiterhin viel Freude und Erfolg mit Deiner Gruppe!
Alles erdenklich Liebe!
Micha
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Re: umgang mit wut

Beitrag von Eva » Samstag, 28.10.17, 14:17

Huhu "weg" und Micha! :)

Exakt, die Achtsamkeit auf den Augenblick ist uns durch unsere Kultur des zunehmenden Multitasking abhanden gekommen. Dabei ist es genau das, was uns im Moment der höchsten Anspannung und Angst als einziges helfen kann, das ist mir während des Entzugs und der Auseinandersetzung mit dem, was "nach Null" sein wird, sehr bewusst geworden. Weil - wenn es uns gelingt, im gegenwärtigen Moment zu bleiben, die dann spürbare Angst zu bewältigen ist. Der Punkt ist, dass wir das Weggerissenwerden durch die Angst in den Griff bekommen.

Setzen wir die Achtsamkeit gegen die Angst, muss sie weichen - ohne Tabletten, ohne Substanz-Ablenkung. Ein toller Gedanke, der wirklich stützen kann.

Es ist zwar weniger einfach als es klingt, aber es ist möglich.

Liebe Grüße, besonders an Euch beide,
Pons
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Ich habe Zolpidem und Bromazepam abgesetzt.

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Re: umgang mit wut

Beitrag von weg » Samstag, 04.11.17, 18:05

hallo,

ein satz von meinem achtsamstraining ist mir hängengeblieben und ich will ihn hier festhalten:

belastungen, unbehagen und schmerzhafte situationen gehören immer wieder zum menschlichen leben wie der tag und die nacht. wir können ihnen nicht ausweichen. wie wir solchen situationen begegnen, wie wir uns auf unsere erfahrungen in solchen situationen beziehen, das können wir selbst bestimmen. darum geht es im achtsamkeits-üben.

ich habe immer noch extreme mühe mit dem bodyscan. wir haben nun aber noch yoga-übungen dazugelernt. damit kann ich mich besser konzentrieren. bin einfach ein bewegungsmensch :wink:

wir üben auch das achtsame atmen. nur mal kurz, so 5 bis 10 minuten und ohne anleitung. still für sich. hier habe ich heute ein eigenartiges erlebnis: ich habe da aufmerksam geatmet, ein und aus und konnte mich plötzlich total konzentrieren. das gefühl wurde so stark, dass ich mich im "nichts" befand. nur atmen. kein gedanke der stört. das hat mir angst eingejagt. ich fragte mich, ob ich das überhaupt will, ob ich so sein will -einfach zu sein. da ja bei der übung immer wieder der neue moment ist der zählt konnte ich die angst überwinden.

eigentlich ist es ja der sinn des trainings ganz bei sich zu sein. ich denke jetzt jedoch nochmals über diesen zustand nach und frage mich:

ob ich mich nicht ab und zu selber bojkottiere? könnte so ein deskrutives muster in mir leben?

danke fürs zuhören
herzlich
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