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10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche

Beitragvon Murmeline » Donnerstag, 23.07.15, 21:07

Autor: Prof. Peter Christian Gøtzsche, Internist und dänischer Medizinforscher und Direktor des Nordic Cochrane Centers am Rigshospitalet in Kopenhagen, Dänemark.

10 Mythen über Depression und Psychopharmakologie

Mythos 1: Die Erkrankung wird durch ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn hervorgerufen.
Mythos 2: Es ist kein Problem, eine Antidepressiva-Behandlung zu beenden.
Mythos 3: Psychopharmaka sind zur Behandlung psychischer Störungen so notwendig wie Insulin bei Diabetes
Mythos 4: Psychopharmaka reduzieren die Anzahl chronisch kranker Menschen.
Mythos 5: Antidepressiva lösen keinen Suizid in Jugendlichen und Erwachsenen aus
Mythos 6: Antidepressiva haben keine Nebenwirkungen
Mythos 7: Antidepressiva machen nicht abhängig.
Mythos 8: Die Verbreitung von Depressionen ist angestiegen
Mythos 9: Das Hauptproblem ist nicht die Überbehandlung, sondern die zu geringe Behandlung
Mythos 10: Neuroleptika verhindern Gehirnschaden

Es gibt zu jedem Mythos noch eine ausführliche Erklärung, das sollte nach und nach übersetzt werden.

Quelle: http://davidhealy.org/psychiatry-gone-astray/

Einleitung:
Am Nordic Cochrane Zentrum haben wir Antidepressiva mehrere Jahre erforscht und ich habe mich schon lange gefragt, warum führende Professoren der Psychiatrie ihre Arbeitspraxis auf eine Reihe von fehlerhaften Mythen aufbauen. Diese Mythen sind schädlich für die Patienten. Viele Psychiater sind sich bewusst, dass die Mythen nicht mehr gehalten werden können und haben mir das auch so gesagt, aber sie trauen sich nicht von den offiziellen Positionen abzuweichen, um ihre Karriere nicht zu gefährden.

Als Spezialist für Innere Medizin riskiere ich es nicht, meine Karriere zu ruinieren, indem ich den Zorn der Professoren auf mich ziehe und ich werde hier versuchen, zur Rettung der vielen gewissenhaften, aber unterdrückten Psychiatern und Patienten beizutragen, indem ich die schlimmsten Mythen aufliste und erkläre, warum Antidepressiva schädlich sind.


Mythos 1: Die Erkrankung wird durch ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn hervorgerufen.

Den meisten Patienten wird das erzählt, aber es ist völlig falsch. Wir haben keine Ahnung vom Zusammenspiel psychosozialer Bedingungen, biochemischer Prozesse, Rezeptoren und Nervenbahnen, die zu psychischen Störungen führen und die Theorien, dass Patienten mit Depressionen Serotonin fehlt und dass Patienten mit Schizophrenie zu viel Dopamin hätten sind längst widerlegt. Die Wahrheit ist genau das Gegenteil. Es gibt kein chemisches Ungleichgewicht zu Beginn, aber bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen mit Medikamenten erschafft man ein chemisches Ungleichgewicht, einen künstlichen Zustand, dem das Gehirn versucht, entgegenzuwirken.

Das bedeutet, es geht einem noch schlechter, wenn man versucht, das Medikament nicht mehr zu nehmen. Ein Alkoholiker geht es auch noch schlimmer, wenn er keinen Alkohol mehr trinkt, aber das bedeutet nicht, dass seinem Gehirn Alkohol gefehlt hat, als er begann zu trinken.

Die überwiegende Mehrheit der Ärzte schadet ihren Patienten weiter, indem sie ihnen sagen, dass die Entzugssymptome ein Zeichen wären, dass sie immer noch krank sind und weiter Medikamente benötigen. Auf diese Weise verwandeln die Ärzte die Menschen in chronischen Patienten, darunter diejenigen, für die gar keine pharmakologische Behandlung notwendig gewesen wäre. Dies ist einer der Hauptgründe, dass die Zahl der Patienten mit psychischen Erkrankungen steigt, und dass die Zahl der Patienten, die nicht wieder in den Arbeitsmarkt kommen, zunimmt. Dies ist weitestgehend den Medikamenten geschuldet und nicht der Krankheit.

Mythos 2: Es ist kein Problem, eine Antidepressiva-Behandlung zu beenden.
Ein dänischer Professor für Psychiatrie sagte dies kürzlich bei einem Treffen von Psychiatern, kurz nachdem ich erklärt habe wie schwer es für Menschen sein kann, Antidepressiva abzusetzen. Glücklicherweise haben ihm zwei weitere, ausländische Professoren auf dem Meeting widersprochen. Einer hat eine Untersuchung mit Menschen mit Panikstörung und Platzangst durchgeführt und die Hälfte fand es schwer, die Medikamente abzusetzen, obwohl sie schon langsam ausgeschlichen haben. Es ist nicht möglich, dass bei diesen Menschen das Absetzen so schwer ist, weil die Depression zurück kommt, denn sie waren vorher nicht depressiv. Die Symptome kommen vom Entzug der Antidepressiva und nicht von der Erkrankung.

Mythos 3: Psychopharmaka sind zur Behandlung psychischer Störungen so notwendig wie Insulin bei Diabetes
Die meisten Patienten mit Depression oder Schizophrenie haben diese Lüge gehört, immer und immer wieder, fast wie ein Mantra, in TV, Radio und Zeitungen. Wenn man Insulin an einen Patienten mit Diabetes gibt, dann gibt man ihm etwas, das dem Patienten fehlt, nämlich Insulin. Da wir noch nie in der Lage gewesen sind, zu zeigen, dass einem Patient mit einer psychischen Störung etwas fehlt etwas, das Menschen, die nicht krank sind nicht fehlt, ist es völlig falsch, diese Analogie zu verwenden.

Patienten mit Depressionen mangelt es nicht an Serotonin, und es gibt sogar Medikamente, die bei Depressionen helfen, obwohl sie Serotonin senken. Darüber hinaus, im Gegensatz zu Insulin, das etwas ersetzt, was der Mensch nicht hat und sonst nichts anderes tut, haben psychotrope Medikamente ein sehr breites Wirkungsspektrum im ganzen Körper, von denen viele Wirkungen schädlich sind. Also auch aus diesem Grund ist die Insulin-Analogie sehr irreführend.

Mythos 4: Psychopharmaka reduzieren die Anzahl chronisch kranker Menschen.

Dies ist wahrscheinlich der schlechteste Mythos von allen. US-Wissenschaftsjournalist Robert Whitaker demonstriert überzeugend in seinem Buch "Anatomy of an Epidemic", dass die zunehmende Verwendung von Psychopharmaka nicht nur Patienten in die Krankenrolle steckt, sondern auch viele Probleme chronifiziert, die ansonsten nur eine flüchtige Erscheinung gewesen wären.

Hätte es eine Wahrheit im Insulin-Mythos gegeben, hätten wir erwartet, weniger Patienten, die nicht für sich selbst sorgen können, zu sehen. Allerdings ist nun das Gegenteil der Fall. Der deutlichste Beweis dafür ist auch der tragischste, nämlich das Schicksal unserer Kinder, nachdem wir begonnen haben, diese mit Psychopharmaka zu behandeln. In den Vereinigten Staaten erhalten Psychiater mehr Geld von Pharmaunternehmen, als die Ärzte in einem anderen Fachgebiet und diejenigen, die am meisten Geld nehmen, neigen dazu, Antipsychotika an Kinder am häufigsten zu verschreiben. Dies wirft eine Korruptionsverdacht über das akademischen Urteil auf.

Die Folgen sind vernichtend. Im Jahr 1987, kurz bevor die neueren Antidepressiva (SSRI oder Glückspillen) auf den Markt kamen, waren sehr wenige Kinder in den Vereinigten Staaten psychisch krank. Zwanzig Jahre später war es mehr als 500.000, was eine 35-fache Steigerung darstellt. Die Zahl der psychisch Kranken ist in allen westlichen Ländern explodierte. Eine der schlimmsten Folgen ist, dass die Behandlung mit ADHS Medikamente und Antidepressiva eine völlig neue Krankheit in etwa 10% der Behandelten hervorruft - und zwar bipolaren Störung - was wir früher als manisch-depressive Erkrankung kannten.

Führende Psychiater haben behauptet, dass es "sehr selten" ist, dass Patienten, die Antidepressiva nehmen, bipolar werden. Das stimmt nicht. Die Anzahl der Kinder mit bipolaren Störungen ist um das 35-fache in den Vereinigten Staaten gestiegen seit Neuroleptika verschrieben werden, dies ist eine ernsthafte Entwicklung. Neuroleptika sind sehr gefährlich und einer der Hauptgründe, warum Patienten mit Schizophrenie 20 Jahre kürzer als andere leben. Ich habe in meinem Buch "Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität" geschätzt, dass nur eines der vielen Präparate (Zyprexa - Olanzapin) weltweit 200.000 Patienten getötet hat.

Mythos 5: Antidepressiva lösen keinen Suizid in Jugendlichen und Erwachsenen aus
Einige Professoren sind bereit zuzugeben, dass Antidepressiva die Häufigkeit von Suizidverhalten erhöhen, während sie gleichzeitig leugnen, dass dies zwangsläufig zu mehr Selbstmorde führt, obwohl es gut dokumentiert ist, dass die beiden Aspekte eng miteinander verbunden sind. Ulf Wiinberg, CEO Lundbeck, ging sogar noch weiter in einem Radio-Programm im Jahr 2011, als er behauptete, dass Antidepressiva die Selbstmordrate bei Kindern und Jugendlichen reduziere. Als der fassungslose Reporter ihn fragte, warum es eine Warnung vor diesem suizidalen Verhalten auf der Packungsbeilagen gäbe, antwortete er, dass er erwarte, dass diese Informationen von den Behörden in naher Zukunft geändert werden würden!

Selbstmorde bei gesunden Menschen, von Antidepressiva ausgelöst, wurden ebenfalls berichtet. Die Unternehmen und die Psychiater haben immer wieder die Krankheit beschuldigt, wenn Patienten Selbstmord begehen. Es ist wahr, dass die Depression das Risiko von Selbstmord erhöht, aber Antidepressiva erhöhen es noch mehr, zumindest bis zu einem Alter von ca. 40 Jahren, entsprechend einer Meta-Analyse von 100.000 Patienten in randomisierten Studien, durchgeführt von der US Food and Drug Administration.

Mythos 6: Antidepressiva haben keine Nebenwirkungen
Auf einer internationalen Psychiatrie-Tagung im Jahr 2008 kritisierte ich Psychiater dafür, viele gesunde Menschen auf Depressionen überprüfen zu wollen. Die empfohlenen Screening-Tests sind so mangelhaft, dass einer von drei gesunden Menschen fälschlicherweise als depressiv diagnostiziert werden wird . Ein Professor antwortete, das spiele keine Rolle, dass auch gesunde Menschen wurden behandelt, denn Antidepressiva hätten keine Nebenwirkungen!

Antidepressiva haben viele Nebenwirkungen. Sie beseitigen Emotionen, was sich nach Aussagen einiger Patienten anfühlt wie das Leben unter einer Käseglocke. Patienten kümmern sich weniger über die Folgen ihres Handelns, sie verlieren Empathie gegenüber anderen und sie können sehr aggressiv werden. In Schießereien in Schulen in den Vereinigten Staaten und anderswo sind auffallend viele Menschen auf Antidepressiva gewesen.

Die Unternehmen sagen uns, dass nur 5% der sexuellen Probleme mit Antidepressiva zusammenhängen, aber das ist nicht wahr. In einer Studie, die dieses Problem genau untersuchte, zeigten sich sexuelle Störungen bei 59% von 1.022 Patienten, und sie alle hatten ein normales Sexualleben, bevor sie ein Antidepressivum genommen haben. Zu den Symptomen gehören verminderte Libido, verzögerter oder kein Orgasmus sowie Ejakulation- und Erektionsstörungen, alles in allem eine hohe Rate und mit einer geringen Toleranz (unter 40% der Patienten). Antidepressiva sollten daher nicht für Depressionen vermarktet werden, wo ihr Effekt sowieso eher klein ist, sondern als Pillen, die das Sexualleben zerstören.

Mythos 7: Antidepressiva machen nicht abhängig.
Natürlich machen sie abhängig und das verwundert nicht, denn sie sind chemisch verwandt mit Amphetaminen und verhalten sich auch so. Antidepressiva sind wie Rauschmittel auf Rezept. Das schlechteste Argument, dass ich in Bezug auf den Mythos, dass Antidepressiva nicht abhängig machen würden, gehört habe, ist, dass Patienten keine höhere Dosis benötigen würden. Sollen wir daher auch glauben, dass Zigaretten nicht abhängig machen? Die Mehrzahl der Raucher konsumiert die gleiche Zigarettenanzahl über Jahre.

Mythos 8: Die Verbreitung von Depressionen ist angestiegen
Ein Professor argumentiert in einer TV-Debatte, dass die hohen Verschreibungszahlen von Antidepressiva nicht problematisch seien, da Depressionen in den letzten 50 Jahren häufiger auftreten würden. Ich habe ihm geantwortet, man könne so etwas nicht behaupten ohne Bezug auf die Diagnosekriterien zu nehmen, die in dieser zeit immer weiter heruntergesetzt wurden. Wenn man alle Elefanten in Afrika zählen möchte, dann verändert man nicht die Kriterien für das, was einen Elefanten ausmacht, und zählt schlussendlich auch alle Gnus zu Elefanten.

Mythos 9: Das Hauptproblem ist nicht die Überbehandlung, sondern die zu geringe Behandlung
Wieder einmal haben führende Psychiater den Bezug zur Realität verloren. In einer Studie aus 2007 sagten 51% von 108 Psychiatern aus, sie würden zu viel Psychopharmaka verschreiben und nur 4 % sagten, sie würden zuwenig verschrieben. Zwischen 2001 und 2003 haben 20% der US-Amerikaner zwischen 18 und 54 medikamentöse Behandlungen wegen emotionalen Problemen erhalten, und die Verschreibungszahlen von Antidepressiva in Dänemark sind so hoch, dass wir alle 6 Jahre lang damit behandelt werden könnten. Das ist doch irgendwie krank.

Mythos 10: Neuroleptika verhindern Gehirnschaden
Einige Professoren sagen, dass Schizophrenie Hirnschäden verursacht und dass es daher wichtig sei, Antipsychotika zu verwenden. Jedoch führen Antipsychotika zu einer Schrumpfung des Gehirns, und dieser Effekt ist direkt mit der Dosis und der Dauer der Behandlung verbunden. Es gibt andere gute Hinweise darauf, dass man Antipsychotika so wenig wie möglich verwenden sollte, da es den Patienten dann besser ergeht langfristig. In der Tat sollte man Antipsychotika bei den meisten Patienten mit Schizophrenie ganz vermeiden, da dies die Chancen, dass die Patienten wieder gesund werden, erhöht und es würde auch die Lebenserwartung erhöhen, denn Neuroleptika töten viele Patienten durch Langzeitschäden.

Wie sollten Psychopharmaka eingesetzt werden?
Ich bin nicht gegen den Einsatz dieser Medikamente, solange sichergestellt ist, dass man weiß, was man tut und diese nur in Situationen einsetzt, in denen sie mehr Nutzen als Schaden bringen. Psychopharmaka können manchmal für einige Patienten nützlich sein, besonders als Kurzzeittherapie und in Akutsituationen. Aber meine Studien in diesem Bereich bringen mich zu einer ungemütlichen Schlussfolgerung:

Unsere Mitbürger wären besser dran, wenn wir alle Psychopharmaka vom Markt nehmen, da die Ärzte unfähig sind, mit ihnen richtig umzugehen. Es ist unausweichlich, dass ihre Verfügbarkeit mehr Schaden als Nutzen mit sich bringt. Psychiater sollten daher alles versuchen, um Menschen so wenig wie möglich, so kurz wie nötig oder am Besten gar nicht mit Psychopharmaka zu behandeln.
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
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Re: 10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche

Beitragvon Murmeline » Freitag, 24.07.15, 21:42

Übersetzung abgeschlossen. Gerne hin und wieder auf den Beitrag verlinken :)
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
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Re: 10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche

Beitragvon MorulaMyomatosus » Freitag, 24.07.15, 23:10

Oh wow. Vielen Dank dafür.
Irgendwann 2007
Diagnose „Panikstörung“.
Erste Einnahme von Citalopram 20 mg.
Wegen Schlafstörungen Zopiclon 7,5 mg über ein halbes Jahr.
Zopiclon selbstständig innerhalb von 8 Wochen ausgeschlichen. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Tiefenpsychologische Therapie über 2,5 Jahre.

Anfang/Mitte 2010
Citalopram nur noch unregelmäßig genommen, dann eigenständig kalt abgesetzt, da ich dachte ich wäre über den Berg.

Ende 2010
Nach einigen Monaten auf 0 mg setzt, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptom: Extreme Suizidgedanken. Ich wusste allerdings nichts von einem Entzug!
Neue Diagnose: „Autoaggressive Zwangsgedanken“ und "mittelschwere bis schwere Depression".
Zweite Einnahme von Citalopram 30 mg und begleitend Lorazepam 1,5 mg
Lorazepam nach ca. 3 Wochen abgesetzt. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Citalopram wirkt nach 3 Wochen wieder, die Suizidgedanken und alle anderen Symptome sind weg.
Verhaltenstherapie über 3 Jahre.

Ende 2013
Citalopram wieder unregelmäßig genommen, dann wieder eigenständig und kalt abgesetzt, da ich einigermaßen symptomfrei war.

Mai 2014
Nach ca. 5 Monaten auf 0 mg setzt wieder, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptome: Schreckliche Suizidgedanken, Gedanken an Fremdgefährdung, völlige Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust.
Auch hier wieder keinen Zusammenhang erkannt, deshalb Wiedereindosierung von Citalopram 40 mg, dazu Lorazepam 1,5 mg.
Lorazepam nach ca. 8 Wochen, ohne erkennbare Probleme, abgesetzt.
Auch nach wochenlanger Einnahme zeigt das Citalopram diesmal keinerlei Wirkung. Es wurde immer schlimmer.
Ich beschäftigte mich langsam mit der Problematik der Psychopharmaka.

Juli 2014
Stationärer Aufenthalt und kurze Umstellung auf Escitalopram. Auch dann kein Wirkeintritt und keine Besserung.
Viel zu schnelles und deshalb unbewusst kaltes Absetzen des Escitalopram innerhalb von 2 Wochen, unter ärtztlicher Begleitung in der Klinik.
Letzte C*pralex am 14.07.2014, seitdem im protrahierten Entzug!
Erst nach der letzen Tablette habe ich langsam verstanden was da eigentlich passiert ist und einen klaren Zusammenhang zu der SSRI-Einnahme erkannt.

Ende August/Anfang September 2014
Es stellen sich die typischen Wellen & Fenster ein.

Update Oktober 2015
Ich bin immer noch im protrahierten Entzug. Es ist extrem wechselhaft und betrifft besonders die Emotionen.

Update April 2016
Seit der letzten Tablette sind nun 21 Monate vergangen. Leider halten die Symptome immer noch an. Seit ca. Jahresbeginn wechseln sich die Wellen und Fenster fast täglich, häufig auch stündlich bis minütlich, ab. Das ist alles extrem anstrengend. Tja... Weiter geht's :schnecke:

Update Mai 2017
34 Monate nach Null. Immer noch im protrahierten Entzug.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

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Re: 10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche

Beitragvon Murmeline » Mittwoch, 02.09.15, 11:14

Ergänzend ein Artikel von Prof. Guetzsche aus dem Guardian mit der Schlußfolgerung:

Another major problem with psychiatric drugs is that they can cause the symptoms they are supposed to alleviate. Unfortunately, psychiatrists tend to increase the dose or add another drug when a patient reports negative effects.

The problem is that many of these drugs simply do not work as people suppose. The main effect of antidepressants is not the reduction of depressive symptoms. They are no better than placebo for mild depression, only slightly better for moderate depression, and benefit only one out of 10 with severe depression. In around half of all patients, they cause sexual disturbances. The symptoms include decreased libido, delayed orgasm or ejaculation, no orgasm or ejaculation and erectile dysfunction. Studies in both humans and animals suggest that these effects may persist long after the drug has been discontinued.

My studies of the research literature in this whole area lead me to a very uncomfortable conclusion: the way we currently use psychiatric drugs is causing more harm than good. We should therefore use them much less, for shorter periods of time, and always with a plan for tapering off, to prevent people from being medicated for the rest of their lives.


http://www.theguardian.com/commentisfre ... diazepines
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Re: 10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche

Beitragvon LinLina » Donnerstag, 20.10.16, 14:57

Hier die Übersetzung des Auszugs:

"[...] Ein weiteres großes Problem psychiatrischer Medikamente ist, dass sie genau jene Symptome verursachen können die sie eigentlich mildern sollen. Leider tendieren Psychiater dazu die Dosis zu erhöhen oder ein weiteres Medikament zu geben, wenn ein Patient über unerwünschte Wirkungen klagt.
Das Problem ist, dass viele dieser Medikamente einfach nicht so wirken wie die Menschen annehmen.

Der Haupteffekt von Antidepressiva ist nicht die Verminderung depressiver Symptome. Sie wirken gegen milde Depressionen nicht besser als ein Plazebo, nur geringfügig besser bei mittelschweren Depressionen und sie sind nur für einen unter 10 Betroffenen mit schwerer Depression hilfreich.

Bei etwa der Hälfte aller Patienten verursachen sie sexuelle Störungen einschließlich verminderter Libio, verzögerter Orgasmus oder Ejakulation, kein Orgasmus oder keine Ejakulation und Erektionsstörungen. Studien an Menschen und Tieren legen nahe, dass diese Effekte noch lange nach dem Absetzen der Medikamente anhalten können.

Mein Studium der Forschungsliteratur dieses Gebietes hat mich zu einer sehr unangenehmen Schlussfolgerung geführt: Die Art und Weise, wie wir derzeit psychiatrische Medikamente einsetzen verursacht mehr Schaden als Nutzen. Wir sollten sie daher viel seltener und für kürzere Einnahmezeiträume einsetzen und nur mit einem schrittweisen Absetzplan, um zu verhindern, dass Betroffene für den Rest ihres Lebens Medikamente verschrieben bekommen."

lg Lina

Melkigi
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Re: 10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche

Beitragvon Melkigi » Samstag, 05.11.16, 12:01

Hm, seh ich genau so, ich habe das Medikament Pregabalin nicht wegen Depressionen oder dergleichen bekomme , sonder gegen Nervenschmerzen. Die ganzen Nebenwirkungen die ich davon bekommen hab und auch die Probleme beim absetzen unterstreichen diesen Beitrag. Was ist mit den Menschen die davor bis auf die Schmerzen gesund waren und jetzt leiden, das wird irgendwie immer vergessen, man hat vielleicht mal ein hormonelle Gefühlsschwankung, ja ok, aber sowas wie mit Pregabalin hab ich zuvor noch nie erlebt
Es hat mich krank gemacht, und sehr agressiv, Übelkeit und bei mir Magenkrämpfe.

Lg. Mel

Lg mel
Ich litt ca 2 Jahre unter starken Rückenschmerzen, Nacken- und Kopfschmerzen. Dachte erst an Verspannungen und Migräne die mich des öfteren plagen. Ich wurde mit den üblichen Mitteln behandelt, Ibuprofen, Diclofenac und Cortison. All das half nichts, unter Cortison fühlte ich mich zwar super aber nach absetzen schnell wieder schlechter, im Oktober 2015 hielt ich die Schmerzen nicht mehr aus, viele Therapien folgten, Krankengymnastik, Spritzen und hochdosiert Cortison. Und mein Arzt meinte ich hätte eine Nerventzündung und da bekam ich zum ersten Mal Pregabalin 50 mg einmal täglich, gesteigert auf 3x täglich, den Zeitraum weiss ich nicht mehr genau, nach ca 4 Wochen habe ich einfach abgesetzt wegen der Nebenwirkungen, alle sagten meine Persönlichkeit hat sich verändert, ich war sehr aggressiv. Schell auf 180, die Schmerzen waren aber besser, und nach dem Absetzen ging es wieder los, Schmerzen wieder da,ich fühlte mich seltsam , wusste nicht das ich eigl. langsam absetzen muss, hat mir keiner gesagt. Ich ging dann zum Orthopäden, der dann endlich ein Röntgenbild und ein MRT veranlasst hat. Und bähm ein Bandscheibenvorfall hws, der Nerv total eingedrückt, bekam weiter cortisoninfusin und sollte Tilidin nehmen, hab ich nicht vertragen. Am ersten Tag super, totale Euphorie und am 2 Tag Übelkeit und total depressive, dann auf Tramal umgestiegen und genau das gleiche erlebt, abgesetzt, im Februar 2016 zum Neurochirurgie überwiesen worden, eine OP wurde mir empfohlen,
Am 28.02.16 wurde ich dann operiert und eine Bandscheibenprothese wurde mir eingesetzt und Knochen der den Spinalkanal eingeengt hat weggefräst.
Danach bekam ich wieder Pregabalin 3x 50mg täglich da der Nerv so lange gequetscht war, sollte er damit erst mal beruhigt werden, Schmerzen besser, aber meine Persönlichkeit hat sich wieder verändert.

- [ ] Nebenwirkungen:
- [ ] Kopfschmerzen
- [ ] Beinschmerzen
- [ ] Schwellung der Gelenke
- [ ] Psyche verändert
- [ ] Aggressiv
- [ ] Konnte keine Menschenmengen vertragen
- [ ] Antriebslos
- [ ] Gewicht zugenommen ,immer Hunger
- [ ] Im Internet schlau gemacht über Pregabalin, dann hab ich selbständig wie folgt runterdosier:
1. Ab ca01.03.16 3x täglich 50mg
2. Ab Juni 2016 2x täglich 50 mg
3. Ab Juli 2016 1x täglich 50 mg
4. Ab 07.10.16 1x täglich 25 mg ( auf Wunsch bei meinem Arzt angefordert)sollte es 14 Tage nehmen und dann ganz weglassen.
Wie es mir nun erging ohne Pregabalin:
1. Tag: noch keine Veränderung erkennbar
2. Tag: leichte Übelkeit, Kraftlosigkeit, geschwollener Magen( dacht an eine Magen/Darminfektion oä)
3. Es wurde immer schlimmer, vomex gegen Übelkeit genommen, starke Magenkrämpfe, ganzer Körper tat weh.
4. -9. Tag ging mir immer schlechter
Am 30.10.16 dieses geniale Forum entdeckt und endlich brauchbare Hilfe bekommen, mir wurde geraten mit der letzten Dosis wieder einzusteigen, 25mg 1x täglich.
Der Wiedereinstieg , Pregabalin 25mg täglich
1. Tag, 31.10.16 kaum zu fassen alle Beschwerden weg nach ca einer Stunde
2. Tag, 01.11.16 keine Entzugserscheinungen mehr. Allerdings die Nebenwirkungen sind auch zurück aber nicht so stark, ich kann wieder essen. Fühle mich super, nicht mehr weinerlich.
3. tag. 02.11.16 leider wieder, schlechter alle Emotionen nacheinander, besonders Übelkeit und Magenschmerzen, Magen dick wie Handball. Heute abend geht es mir besser, morgens und mittags ist es am schlimmsten.

Matthias Seibt
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Re: 10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche

Beitragvon Matthias Seibt » Donnerstag, 11.05.17, 19:11

Hallo Murmeline,

wir würden Deine Übersetzung gern im Lautsprecher, der Zeitung der Psychiatrie-Erfahrenen NRW, abdrucken.
Ist das für Dich in Ordnung?

Es grüßt Dich Matthias
Von Dezember 77 bis Januar 85 nach einem 10-wöchigen Psychiatrieaufenthalt von Neuroleptika (und teilweise von Antidepressiva) dauerabhängig. Mehrere vorsichtige Reduktions- und Absetzversuche musste ich in diesen Jahren rückgängig machen, weil ich nach einiger Zeit merkwürdige Seelenzustände erlebte. Einen zweiten Psychiatrieaufenthalt wollte ich nicht riskieren. 85 bis 10 gelegentlicher (0 bis 4-mal jährlich, meistens halbe oder ganze Tablette) Konsum von 25 mg Neurocil / Levomepromazin zum Zweck der Schlaferzwingung. In dieser Zeit (90 und 92) zwei kurze (14 Tage und 3,5 Tage), zwangsweise Psychiatrieaufenthalte. Seit 11 nur noch Alkohol (sehr massvoll) und Kaffee. Letzterer wird bei beginnenden Schlafstörungen auf eine Tasse am Tag reduziert.

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Re: 10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche

Beitragvon Jamie » Samstag, 13.05.17, 20:17

Hallo Matthias, deine Anfrage kam an. Wir prüfen das zur Zeit. Freundliche Grüße, Jamie


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