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Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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LinLina
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Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von LinLina » Sonntag, 20.09.15, 19:52

Originaltext: http://survivingantidepressants.org/ind ... -syndrome/

Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Der folgende Text ist ein Artikel von einer Person namens Altostrata, der sich im Internet verbreitet hat. Er wurde für diesen Eintrag aktualisiert:

Da ich seit Oktober 2004 unter Paxil-Absetzerscheinungen leide, habe ich die medizinische Literatur über das Antidepressiva-Absetzsyndrom studiert. Was ich dabei über das körpereigene Alarmsystem und das Glutamat-System in Bezug auf das Antidepressiva-Absetzsyndrom gelernt habe dürfte aufschlussreich sein.

Antidepressiva verursachen eine Herunterregulierung der Serotoninrezeptoren. Durch eine Art Selbstschutzmechanismus des Gehirns verschwinden die Rezeptoren. Ihre Anzahl wird verringert, um weniger Serotonin aufzunehmen. Einige Wissenschaftler, die das Absetzsyndrom untersuchen, nehmen an, dass all jene Menschen mit den gravierendsten Absetzbeschwerden eine verzögerte Wiederherstellung der Serotoninrezeptoren aufweisen.

Andere gehen davon aus, dass jene, die am stärksten unter dem Absetzen leiden, extrem neuroplastische Gehirne haben. Ihre Neurotransmittersysteme passen sich stärker an die Medikamentation an.

Die relativ langsame Wiederherstellung der Rezeptoren bedeutet nicht, dass unser Gehirn grundsätzlich fehlerhaft funktioniert. Es heißt nur, dass Nervensysteme (natürlich) eine gewisse Variabilität aufweisen.

Sogar bei Menschen, die unter den schlimmsten Antidepressiva-Absetzsyndromen leiden, werden die Serotoninrezeptoren wahrscheinlich lange vor dem Abklingen der Symptome regeneriert. Während der Reparaturphase des Serotoninsystems gerät jedoch das vegetative Nervensystem aus dem Gleichgewicht. Das „Flucht oder Kampf“-Zentrum im Locus caeruleus wird enthemmt und das Glutamat-System wird aktiver als im Normalzustand. Dies nennt man Enthemmung des körpereigenen Alarmsystems und es ruft Symptome wie Panik, Angstzustände, Schlaflosigkeit und furchtbare Vorstellungen hervor.

In dieser Veröffentlichung wird erklärt wie Absetzen von Antidepressiva das Alarmsystem enthemmt:
Harvey, et al: Neurobiology of antidepressant withdrawal: implications for the longitudinal outcome of depression; Biological Psychiatry. 2003 Nov 15;54(10):1105-17. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/14625154/

Ist das Alarmsystem einmal enthemmt, erhält es diesen Zustand selbst aufrecht. Das ganze Konzept eines Neurotransmitter-Ungleichgewichts – ohnehin ein Hirngespinst der Psychatrie – wird dadurch in Frage gestellt. Die Manipulation von Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin ist nicht hilfreich. In Wirklichkeit verschlimmert sie den Zustand sogar meist.

Noradrenalin beeinflussende Medikamente – Buproprion oder Wellbutrin, Mirtazapin oder Remeron; SNRI wie Cymbalta, Effexor und Johanniskraut, Rosenwurz – stimulieren den “Kampf oder Flucht” Mechanismus genauso wie die meisten SSRI. Solche Medikamente und andere stimulierend wirkenden Substanzen sollten vermieden werden.

Sogar beruhigend wirkende Medikamente können eine paradoxe Reaktion hervorrufen, da das Alarmsystem darum kämpft die Kontrolle zu behalten.

Meine Interpretation ist: Die erste akute Phase nach dem Absetzen ist der erste Absetz-Schock mit den am besten beschriebenen Symptomen wie „Brain Zaps“ (Gefühl, einen elektrischen Schlag im Gehirn zu bekommen), Übelkeit/Schwindel und Wellen ungewöhnlich intensiver „Angst“ und „Depression“ – Emotionen, die durch das neurologische Durcheinander hervorgerufen werden. Später überwiegen die Übererregbarkeit des Glutamat-Systems und die Instabilität des vegetativen Nervensystems. Oft führt diese Instabilität zu umfassenden Unverträglichkeiten/Übersensibilität gegenüber Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln und sogar Lebensmitteln.

Das Alarmsystem gerät ungeachtet äußerlicher oder psychischer Auslöser völlig außer Kontrolle und sendet starke Signale an die Nebennieren, die darauf hin die Stresshormone Cortisol und Adrenalin ausschütten.

Dies bedeutet keine Gehirnschädigung im engeren Sinne. Gehirnschaden hieße, ein bestimmter, physischer Bereich des Gehirns ginge verloren und kann nicht wieder hergestellt werden. Es bedeutet vielmehr dass ein iatrogener, neuropsychiatrischer Schaden entstanden ist.

Laut anerkannter Erkenntnisse über die Neuroplastizität kann das Nervensystem sich selbst regenerieren und eine weitgehend normale Funktion zurück erlangen. In Fällen, in denen es keinen offensichtlichen, iatrogenen Grund für die Funktionsstörung des vegetativen Nervensystems gibt, erfolgt die Erholung meist spontan. Wenig Stress, gute Ernährung und so viel Schlaf und sanfte Bewegung wie möglich sind der Schlüssel zur Heilung.

[Ironischerweise für alle vom Lamotrigin (Lamictal)-Absetzsyndrom Betroffenen – zu schnelles Absetzen von Lamictal kann einen Rebound des Glutamat-Systems auslösen – Lamotrigin ist eine Substanz, die die Aktivität des Glutamatsystems dämpft und nebenbei die Wiederherstellung eines intakten GABA-Systems fördert. Mikrodosen von Lamotrigin können bei der Heilung des Andidepressiva-Absetzsyndroms helfen. Ich wurde mit etwa 5mg pro Tag behandelt und es hilft mir wieder gesund zu werden.

Warnung: Lamotrigin ist wahrscheinlich kein Universalheilmittel für Absetzsymptome. Wenn du es ausprobieren möchtest, bespreche es auf jeden Fall mit einem Arzt der sich damit gut auskennt und fange mit einer sehr kleinen Dosierung an. – beginne mit 0,5mg Anfangsdosis, steigere langsam bis 5mg oder mehr, bleibe bei der geringsten wirksamen Dosis. Übelkeit und Kopfschmerzen sind Anzeichen einer zu hohen Dosierung (2mg Tabletten gibt es auf Anfrage von GlaxoSmithKline; 5mg Tabletten gibt es auf Rezept, Lamotrigin kann von Apotheken als Flüssigkeit hergestellt werden) Wie alles andere auch, kann Lamotrigin in zu hohen Dosen die Symptome verstärken.
In der medizinischen Literatur über das Absetzen von Antidepressiva werden Symptome des enthemmten Alarmsystems – wie Angst, Panik, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, innere Unruhe – manchmal fälschlicherweise als wieder Auftauchen oder neu Erscheinen einer bipolaren Störung gedeutet. Dies bringt die Ärzte dazu, den Patienten mit einer Vielzahl an Medikamenten zu behandeln, auf die der Patient sehr schlecht anspricht. Der neuropsychiatrische Schaden durch das Absetzen des Antidepressivums wird durch zusätzliche Medikamentation und Nebenwirkungen verschlimmert.]

In „Anatomy of an Epidemic“ (Anatomie einer Epidemie) beschreibt Robert Whitaker wie dieser Prozess bei vielen Kindern durch schädliche Wirkungen von Antidepressiva und einer falsch diagnostizierten bipolaren Störung zu lebenslanger Medikamentation führt.

Es sind immer die Opfer, die zur Verantwortung gezogen werden, nicht die Medikamente. Es wird Zeit, dass wir uns genauer ansehen, wie das Absetzen das Nervensystem beeinflusst, und dass wir hinterfragen, ob das chronische Herunterregulieren von Serotonin-Rezeptoren durch die Langzeiteinnahme von Antidepressiva wirklich ungefährlich ist.

Copyright des englischen Originals: Altostrata.
http://survivingantidepressants.org/ind ... me/?p=4010
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Borusse09
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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Borusse09 » Sonntag, 20.09.15, 21:29

Hallo, kann man dieses Lamotrigin auch Bei Benzodiazepinentzug benutzen?
LG Petra
Mirtazepin von Januar bis Mai 2014 eingenommen 30 mg, zwischenzeitlich mal runter auf 20 mg und dann auch auf 10 mg.
Magen und Darmspiegelung bekommen und zweimal ein MRT mit Komtrastmittel gespritzt bekommen.
Diverse Entgiftungen gemacht und HWS Behandlung beim Osteopathen und Chiropraktiker.
Dann durch zwei mal Homeophatische Hochpotenzen toten Zusammenbruch gehabet.
Habe dann innerhalb ganz kurzer Zeit das Mirtazepin abgesetzt.
Ab dann Histamimintoleranz und total überreiztes Nervensystem.Verdacht auf Serotoninsyndrom.
Geruchssensibelität und Elektrosensibel geworden.
Könnte fast mit keinem Menschen mehr reden ist auch heute noch machmal so.
Von August 2014 bis Januar 2015 täglich 2 mg Tavor eingenommen und dann innerhalb 8 Wochen ausgeschlichen , wobei ich das letzte vierte so abgesetzt habe. Danach alle Symthome wieder schlimmer vorhanden.
Fast vier Monate ohne Tavor .
3 Wochen in Amerika in einer Umweltklinik, könnte die Behandlung leider nicht vertragen denn in den Spritzen zur Resensibelisierumg war auch Natriumchlorid enthalten.
Ab Mitte Juni 2015 nehme ich jeden Tag 1 mg tavor ein weil die Überreizung nicht aufhört.
Ende Feburar 2016 Schilddrüsen komplett OP und seit dem Versuch von Einnahme der Schilddrüsenhormone, was noch mehr zur Überreitzug führt und mein Histamin wird immer schlimmer.
Verträge das Tavor seit dem auch kaum noch.
Symthome seit Einnahme der Schilddrüsenhormone, Unruhe , totale überregbarkeit des Nervensystems ,trockene Schleimhäute und Haut sowie trockene Haare. Juckreiz am Körper, kaum noch etwas essen können, erschöpft, lichtempfindlicher, Geruchssensibeler, gereizter Magen und Darm, Ausschlag im Gesicht , Nackenschmerzen,elektrosenibelität noch stärker, Konzentrationsprobleme,
Trockene Augen , Exeme an den Ohren und noch einiges mehr.

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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Murmeline » Sonntag, 20.09.15, 22:55

Hallo Petra,

wir haben im Forum überhaupt keine Erfahrung damit, weder bei ADs noch bei Benzos.

Altostrata selbst hat diese Art der Behandlung nach langer Zeit des Entzuges nach 0 (mit völligem Verlust des Schlafes) mit einem fachkundigen Arzt (ich glaube ein Psychiater mit Schwerpunkt Schlafstörungen) durchgeführt. Es hat dazu geführt, dass ihr Schlaf über Jahre wieder etwas besser wurde (das bedeutet, sie schläft immer noch wenig, 4-5 Stunden). Monica Cassini hat es eine zeitlang mit Lamotrigin versucht, dann hat sie, soweit ich das erinnere, paradox reagiert und es hat sie ein ganzes Stück zurückgeworfen in ihrem Heilungsprozess. Nach Erfahrungsberichten kann es grundsätzlich auch Absetzsymptome auslösen, Altostrata schleicht hat ihre Höchstdosis von 5,4mg ganz langsam aus.

Wie Altostrata schreibt: das ist kein Universalheilmittel. Das es in ihrem Text hier auftaucht sollte nicht als Lösung für Entzugssyndrome verstanden werden. Es gibt bisher kein bekanntes, schnell und sicher wirkendes Heilmittel.

Grüße Murmeline
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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Murmeline » Montag, 21.09.15, 14:57

Hinweis: Dieser Text ist von Altostrata selbst. 2011 nannte sie sich selbst in dem von ihr gegründeten Forum noch Surviving und hat außerhalb des Forums als Altostrata gepostet. Das ist etwas unverständlich, wenn man den Original-Thread auf SA liest.

Altostrata hat sich mit Dr. Giovanni Fava ausgetauscht, der viel über forscht/schreibt, warum nach dem Absetzen Depressionen wiederkommen können. Altostrata vermutet ja, dass die Entzugssyndrome als Rückfall interpretiert werden.
I have long contended that many of those post-antidepressant cases of relapse recorded in psychiatric research are actually withdrawal syndrome, from which you may recover. Therefore, while Dr. Fava's theory seems likely in light of existing research, if withdrawal syndrome were factored in, it would show that antidepressants are not effective and increase the risk of withdrawal syndrome rather than relapse.
Es gibt zwischen den beiden dazu diese Kommunikation:
Me (Altostrata): For the sake of millions of people (including myself), I hope withdrawal syndrome is a big artifact in those statistics, and that the nervous system can recover from chronic serotonergic downregulation.
Dr. Fava: yes, the brain can recover fully, but we need to have more research on it to understand how. This should become a major health priority.
http://survivingantidepressants.org/ind ... me/?p=5979
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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Monalinde » Dienstag, 22.09.15, 11:47

Murmeline, vielen Dank, dass du den Text von Alostrata in das Forum gestellt hast. Ich habe ihn mir sofort ausgedruckt und lese ihn immer und immer wieder durch.
Meine Meinung dazu ist, dass sie der Wahrheit über die Absetzsymptome, zumindest sehr sehr nahe kommt.
Ich durfte vieles am eigenen Leib selbst erfahren und ich war richtig verblüfft, wie genau ihre Interpretation auf mich zutrifft.

Angefangen von dem Absetzschock, der durch das neurologische Durcheinenander /Brain Zaps, Schwindel, Angst, Depression, auch Agression) hervorgerufen wird und dann plötzlich verschwindet.
Besonders interessiert haben mich die späteren Symptome, die ich das Vergnügen hatte, allesamt erleben zu dürfen und auch heute noch in stark abgeschwächter Form habe. Beispielsweise die Instabilität des vegetativen Nervensystems, wie Übersensitilität gegenüber Medikamenten, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Blasenentzündungen,Übersauerung des Magens, Speiseröhrenentzündung, Schlaflosigkeit, Tinnitus und... und und. Auch, dass die Erregungskurve im Gehirn erhöht zu sein scheint, und es einige Zeit dauert, bis ich wieder , vollkommen erschöpft, festen Boden unter den Füßen erlange.
Man muss sich immer wieder klar machen, dass sämtliche Symptome noch in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Entzug stehen und mit der Zeit ausheilen werden.

Deshalb besonderen Dank für diesen Beitrag Murmeline, aber auch an die übrigen fleißigen Helfer, die sich hier mit viel Herzblut und Engagement einbringen.



Mona
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Dezember 2012 auf Null abgesetzt, ausschleichend alle drei Wochen 10 Prozent der ursprünglichen Dosis

Diagnose: Depression und Angststörung

Seit Dezembe 2012 im protahierten Entzug.

Zahlreiche körperliche Symptome:
(Tinnitus , Speiseröhrenentzündung, Reflux, Schleim im Hals, saures Aufstoßen, Albträume, Durchschlafstörungen, Erschöpfungszustände, Stimmungsschwankungen, Hautausschläge, Angstzustände, Gelenkschmerzen, Schwindel))


2016: Nebenhöhlenentzündung, Schleim im Hals, Stimmungsschwankungen bzw. Neuroemotionen, Tinnitus, noch
leichte Schlafstörungen, lebhafte Träume, die wahrscheinlich meinen Tinnitus triggern, aber keine Albträume
mehr, Schüttelfrost

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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 22.09.15, 12:03

Ich hab den Beitrag entdeckt, aber Linlina hat ihn übersetzt! Das war großartig, vielen Dank Linlina! Und danke für deinen Beitrag, Monalinde.

Altostrata kennt sich aus. Sie hat alle wissenschaftlichen Texte gelesen. Sie tauscht sich mit den Forschern aus, die in die richtige Richtung denken. Sie hat es selbst erlebt und sie hört den Betroffenen in ihrem Forum zu. Deshalb finde ich ihre Texte so wichtig.
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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von padma » Donnerstag, 24.09.15, 19:45

herzlichen Dank an euch beide, Murmeline und Lina. :hug:

Ich finde mich gerade sehr bei der Beschreibung des enthemmten Alarmsystems wieder. Genau so fühlt es sich für mich an.
Nur noch "Alarm" bei jeder Kleinigkeit und auch ohne Anlass. Ich vermute meine massive Erschöpfung ist eine Folge dieses nervlichen Dauerstresses.

lg padma
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seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
► Text zeigen
6.05.2018: 0,275 mg :schnecke:


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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von LinLina » Donnerstag, 24.09.15, 22:19

Liebe Padma,
mir geht es genauso. Gut dass es solche Artikel gibt! Ich habe früher nie verstanden wie der Stress und die Erschöpfung zusammenhängen. Das besser zu verstehen hilft mir gelassener damit umzugehen. Und mich nicht dauernd zu fragen was jetzt schon wieder falsch gelaufen ist, weil mein Nervensystem Alarm schlägt. Und dass nicht alles furchtbar schlimm und nicht auszuhalten ist, sondern dass es sich nur so anfühlt.
lg Lina
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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Jimmmy_C » Donnerstag, 31.12.15, 12:46

Hallo Ihr Lieben,

ich habe mir mittlerweile die Theorie von Altostrata an mehreren Stellen hier durchgelesen und auch einige Threads auf Ihrem englischsprachigem Forum verfolgt. Ich kann intuitiv diese Unausgeglichenheit der GABA-Rezeptoren gut nachvollziehen. Die Theorie hört sich für mich auch in allen Konsequenzen (übererregtes "Alarmsystem", etc. logisch an).

Ich habe im Internet (allerdings auf einer Seite die nicht unbedingt mit unserer Thematik zu tun hat, hier geht es um Sportnahrung) ein Angebot für ein GABA-Präparat gefunden, das dort sehr gepriesen wird. Es nennt sich GABA XT bzw. Tryptophan.

Ev. gibt es ja dazu bereits Studien oder Versuche, wenn ja wäre ich dankbar für Links oder Infos. Ich poste jetzt den Link mal nicht, da ich niemanden dazu animieren möchte hier herum zu experimentieren, wer weiß was man da anrichtet. ich denke mir, wenn ich künstlich eine Aminosäure zuführe, dann gewöhnt sich der Gehirnstoffwechsel ev. auch wieder daran und beim Absetzen hat man wieder das Theater.

Trotzdem interessiert mich, ob es Erfahrungen damit gibt.

Gruß,
Jimmy
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Seit Juni 2015 beginnend depressive Verstimmungen aufgrund beruflicher Überlastung

Im September 2015 vom Psychiater Fluoxetin verschrieben bekommen
Nach 11 Tagen wegen massiven Nebenwirkungen (Todesangst, Panikattacken, Suizidialität, Depression, Aggression, Gereiztheit)
Insgesamt 11 Tage eingenommen

1 Woche 0 mg - Extreme Panikattacken, nicht arbeitsfähig, Schwitzen, Durchfall, Kreislaufbeschwerden, Depression, starke, kaum aushaltbare "Stresszustände"
2 Woche 0 mg - Einmal Rettungsstelle wegen Panikattacken mit Depersonalisierung und depressiven Zuständen, als Bedarfsmedikament: Promethazin 25mg
3 Woche 0 mg - bin wieder bedingt arbeitsfähig, trotzdem depressive Verstimmungen, Ohrensausen lauter, Wellen von Ausgeglichenheit, immer noch phasenweise "Fremdheitsgefühl"
4 Woche 0 mg - überwiegend jetzt depressive Zustände (Stärke ungefähr leicht bis mittelschwer) und Unruhe abwechselnd über den Tag mit positiven Fenstern, abends besser als morgens, teilweise Schlaflosigkeit - fühlt isch immer noch fremd an.
5 Woche 0 mg - Auf der körperlichen Ebene ist soweit alles wieder i.O, bis auf manchmal etwas Schwindel und Kreislaufunregelmäßigkeiten (Wenn ich zu schnell aufstehe z.B.). Im Moment gibt es über den Tag Wellen von Angst/Depressions-Zuständen, die an Stärke abnehmen. Teilweise schlimme und gruselige Zwangsgedanken besonders Abends, was das Einschlafen erschwert. Joggen und gutes Essen tun mir gut.
6 Woche 0 mg - depressive Zustände, ca. leicht bis mittelschwer, teilweise Suizidphantasien, Erschöpfung, Alltag geht, aber mit Kraftaufwand, Verlauf der Besserung oder Veränderung gegenüber den ersten Tagen nicht mehr so gut wahrnehmbar.
7 und 8 Woche 0 mg - körperlich kaum mehr Symptome, ansonsten depressive Gefühlslage mit Suizidgedanken. Speziell morgens und dann flacher über den Tag verteilt
12 Woche 0 mg - immer noch depressive Zustände, leicht bis mittelschwer, bin aber arbeitsfähig, jogge regelmäßig und kann bedingt soziale Kontakte pflegen, paradoxe Wirkung von Medikamenten sogar teilweise Genussmitteln, Schwierigkeiten zu entspannen
Update 17.03.2016: 5 Monate und 14 Tage auf 0mg. Kuriere gerade eine Virusgrippe aus. Hatte 4 Tage lang Fieber. Heute ist Tag 14. Ich bin noch ziemlich geschwächt. Leider hat das alles wieder angetriggert. Angst- und Depressionsgefühle vorne weg. Bin sehr niedergeschlagen.

Update 17.05.2016, 8 Monate und 3 Tage auf 0mg. Immer noch depressive Gefühle, mal stärker mal schwächer. Schwankt zwischen Verstimmung und Wellen mittelschwerer Depression. Angst und immer noch finstere Gedanken. Sport ist immer noch schwierig

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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von LinLina » Donnerstag, 31.12.15, 14:42

Hallo Jimmy,

such doch mal im Forum unter den Stichworten Tryptophan und/oder GABA. Es gab sicher schon Kommentare dazu und Unmengen Infos im Netz, aber ich habe jetzt auch nichts spontan zur Hand.

Ich würde das ähnlich sehen, selbst wenn die Einnahme irgendeiner Substanz erstmal eine positive Wirkung hat, gibt es ganz besonders bei Medikamenten oder NEM die auf das Nervensystem/Gehirn wirken wahrscheinlich immer mehr oder weniger das Risiko einer Gewöhnung, unberechenbarer Nebenwirkungen und der Absetzproblematik. Das liegt in der Natur der Sache.

Liebe Grüße,
Lina

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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Poti » Freitag, 22.01.16, 13:47

Hi,
ich hab mal ne Frage zu der Person Altostrata selbst. Weis jemand zufällig, wie es letztendlich dazu kam, dass sie nach so langer Zeit nach 0 plötzlich wieder so extreme Symptome wie die Schlaflosigkeit bekommen hat? Hat sie nachdem sie von Paroxetin weg war noch andre Medikamente genommen, auf die sie evtl. reagiert haben könnte? Ich hab zu ihrem konkreten Medikamentenverlauf leider nichts finden können bisher, aber als Paroxetinbetroffene interessiert mich das natürlich sehr.

Liebe Grüße, poti
Grundproblematik: Angst-/Panik-Störung, Essstörung, phasenweise Depressionen

Medikation: Paroxetin Suspension
07.-09.2013: Einschleichen auf 10 mg
09.-11.2013: 10 mg (Effekt: Keine Besserung der Ängste, leichte Besserung der Depressionen)
11.-12.2013: 20 mg (Nebenwirkungen: starke Müdikeit und Nachtschwitzen, Verlust von Emotionen)
12.2013: 30 mg (Beginn von Brain-Zaps, zusätzlich zu den andren Nebenwirkungen)
Entschluss abzusetzen
01.-02.2014: "Ausschleichen" von 30mg auf 0 mg; alle 1-2 Tage um 1-2 mg runtergegangen --> quasi Kaltentzug!!
Seit Anfang März 2014 auf 0 mg.

Die ersten zwei Wochen massive Absetzerscheinungen in der vollen Bandbreite.
Dann 4 Wochen extreme Hochphase, teilweise richtige Euphorie.
im April 2014, 6 Wochen nach Null, kam der große Knall und nichts ging mehr,
seit dem im protrahierten Entzug mit Wellen und Fenstern.

Von Jahr zu Jahr bemerk ich leichte Verbesserungen, es geht flach bergauf!

Murmeline
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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Murmeline » Freitag, 22.01.16, 15:15

Hallo Poti,

hier nochmal zum Kontext der Zeitangaben:
Ich habe 2001 begonnen Paroxetin zu nehmen wegen Symptomen, die ich heute den Wechseljahren zuordnen würde. Nach drei Jahren mit Nebenwirkungen auf einer Dosis von 10mg setze ich unter ärztlicher Anleitung in weniger Wochen im Oktober 2004 ab und hatte unmittelbar sehr schwere Absetzsymptome. Meine Ärzte haben dies nicht angemessen behandelt (EDIT: z.B. durch zeitnahes erneutes Eindosieren) und ich habe seither ein chronisches Absetzsyndrom. Im Dezember 2007 verlor ich meine Schlaffähigkeit komplett und wurde völlig entkräftet. Endlich fand ich dann einen Arzt der Entzugssyndrome versteht und behandelt.
viewtopic.php?f=51&t=9887

Soweit ich das weiß, hat sie von Anfang an Probleme mit dem Schlafen gehabt udn das hat sich bei ihr immer wieter verschlechtert. Genaueres weiß ich auch nicht.

Grüße, Murmeline
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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Poti » Freitag, 22.01.16, 15:20

Hey, danke für die fixe Antwort Murmeline!

Viele Grüße
Grundproblematik: Angst-/Panik-Störung, Essstörung, phasenweise Depressionen

Medikation: Paroxetin Suspension
07.-09.2013: Einschleichen auf 10 mg
09.-11.2013: 10 mg (Effekt: Keine Besserung der Ängste, leichte Besserung der Depressionen)
11.-12.2013: 20 mg (Nebenwirkungen: starke Müdikeit und Nachtschwitzen, Verlust von Emotionen)
12.2013: 30 mg (Beginn von Brain-Zaps, zusätzlich zu den andren Nebenwirkungen)
Entschluss abzusetzen
01.-02.2014: "Ausschleichen" von 30mg auf 0 mg; alle 1-2 Tage um 1-2 mg runtergegangen --> quasi Kaltentzug!!
Seit Anfang März 2014 auf 0 mg.

Die ersten zwei Wochen massive Absetzerscheinungen in der vollen Bandbreite.
Dann 4 Wochen extreme Hochphase, teilweise richtige Euphorie.
im April 2014, 6 Wochen nach Null, kam der große Knall und nichts ging mehr,
seit dem im protrahierten Entzug mit Wellen und Fenstern.

Von Jahr zu Jahr bemerk ich leichte Verbesserungen, es geht flach bergauf!

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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Dane » Montag, 25.01.16, 18:48

Hallo Poti und Murmeline,

laut selbem Bericht nahm sie wohl außer dem Lamictal noch Lyrica (Pregabalin) und Melatonin. Letzeres ist in den USA sogar als "over-the-counter"-Präparat erhältlich, also im Supermarkt oder der Drogerie.

Viele Grüße
Dane
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In den Wintermonaten 12/13 und 13/14: Einnahme von Johanniskraut (Laif 900, nicht ausgeschlichen)

06.2014 - 04.2015: Paroxetin (20/10mg) -> abrupt abgesetzt. Psychiaterin meinte: einfach weglassen!

Ende Juni beginnen die Absetzerscheinungen deutlich. Seitdem im kalten Entzug mit diversen Symptomen (vor allem Unruhe, Schwindel, Dauerübelkeit, Derealisation, Depression, Tinnitus, RLS, Druck/Ziehen hinter der Stirn, hohe Geräuschempfindlichkeit, kaum Libido).
Oft abwechselnd / wellenartiges Auftauchen & wieder verschwinden

> Versuch des krümelweise Wiedereinschleichens nach 2 Wochen abgebrochen! (Herzrasen, Panikattacken) <

Sep. - Nov. 2015: Promethazin (Atosil) bis zu 10 Tropfen -> zum Schluß heftige Symptomverschlimmerung :!:

Stand März 2016: Die meisten Symptome haben sich stark abgeschwächt; ich denke, ich befinde mich auf dem aufsteigenden Ast!

Was mir hilft: (oder zumindest nicht schadet)
Fischölkapseln
Passionsblumenkraut
Vitamin D3
Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training
und wenn es geht: viel Ruhe und Geduld :schnecke:

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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Murmeline » Montag, 25.01.16, 22:11

Hallo Dane,

Das hat sie beides bzw. alles drei zur Behandlung des absetzsyndroms genommen in enger Kooperation mit dem behandelnden Arzt und in Minimengen, also wirklich im Miligrammbereich Richtung 0.
Grüsse, Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 20.07.16, 22:38

Hier ein Update von Altostrata (Merci an Carlotta):

Posted 17 July 2016 - 07:50 PM
Yes, I was on 10mg Paxil for about 3 years, including a failed cold switch to Lexapro in the middle. I went off Paxil over about 3 weeks. It took me about 11 years to recover.

At about 4 years off, depersonalization and poor sleep started to lift. But I changed to a high-stress job and got a lot worse very fast, completely losing the ability to sleep. In the nick of time, I found a doctor who recognized my problem and prescribed micro-doses of lamotrigine to settle my nervous system. I took this for more than 2 years. Along the way, I developed a heart condition. After this was treated, it took me several more years to recover.

For the lamotrigine part of the story, see http://survivingantidepressants.org/ind ... -syndrome/))

I can now sleep more or less normally, my nervous system is fairly stable, and I do not have waves of symptoms.
Quelle

Kurze Zusammenfassung: 3 Jahre Paroxetin, Absetzen innerhalb von drei Wochen. Schwerwiegendes Entzugssyndrom, nach erster Besserung erneut ausgebrochen wegen eines stressigen Jobs.
Zustand nach 11 Jahren: Schlaf hat sich fast normalisiert, ihr Nervensystem ist relativ stabil und sie hat keine Symptomwellen mehr.
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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von Anne777 » Donnerstag, 25.08.16, 17:17

Hallo,
was mich jetzt persönlich sehr nachdenklich macht - diesen Alarmzustand (wie es hier im Text genannt wird) war mein Zustand vor über 3 Jahren als ich in der Akutpsychiatrie gelandet bin. Er hatte zu diesem Zeitpunkt (ohne jegliche Medikamente...) bereits seit über 6 Monaten ununterbrochen bestanden, ich hatte über 20 kg abgenommen und nur noch Angst, Angst, Angst.......ich bin mit 47 Kilo eingeliefert worden, bei 1,76 Körpergröße.

Das war exakt der Zustand den ich 1999 hatte, bevor ich für fast 1 Jahr in einer analytischen Klinik war Startgewicht 42 Kilo (natürlich auch ohne Medis in dem Bereich).

Wieso habe ich diese Alarmzustände ohne jegliche Medis und erlebe die ruhigste Phase meines Lebens unter Escitalopram ? :frust: :frust: :frust:

Anne
Ursprungsdiagnose 1999 Borderline, Anorexie, Angststörung
10 Monate Aufenthalt in einer analytischen Klinik
Psychoanalyse von 2000 bis 2004 - mit 4 Terminen pro Woche
Verhaltenstherapie 2009
Verhaltenstherapie 2013 bis 2015
Erster Kontakt mit SSRI 2013 bei einem Aufenthalt in der Akutpsychiatrie (Monatelang Schmerzen unklarer Ursache im Torso und Körper, 20 kg Gewicht verloren, Angst Angst Angst)
Erster Kontakt Benzodiazepame ab 1996 - immer sehr vorsichtig und nur sehr selten im Einsatz, keine weiteren Medis
Bromazanil 3mg als Bedarf, wovon ich nur 1/4 also 0,75 mg nehme max. 3-4 mal im Monat
Mirtazapin 7,5 mg als Einschlafhilfe von März 2013 - Oktober 2013, direkt auf 0 keine Absetzungserscheinungen, seit dem (nach über 15 Jahren) keine Schlafstörungen mehr

Cipralex - Escitalopram seit März 2013 eindosiert von 5 mg auf 30 mg (stationär als Booster) seit dem PPI Pantropazol 40 mg als Magenschutz
Absetzversuch Februar 2015 von 15 mg auf 10 mg - nach 4 Wochen wieder hoch auf 15 mg
Juni 2013 - Mai 2015 - 15 mg
13.07.2015 - Reduzierung auf 12,5 mg
24.07.2015 - Reduzierung auf 12,5 mg besteht, erste Absetzymptome (Kopfschmerzen, Übelkeit) ich bleibe aber dran, das Zeug muss weg
02.08.2015 - Reduzierung auf 10 mg - aktuell keine Absetzsymptome mehr, weiter geht es
23.08.2015 - Reduzierung auf 7,5 mg - aktuell keine Absetzsymptome - ich weigere mich, jedes Zipperlein dem Absetzen des Medis zuzuordnen, da ich diese auch schon aus der Zeit vor Escitalopram kenne (Herzklopfen, leichter Schwindel, kurzzeitige Übelkeit...)
02.09.2015 - immer noch 7,5 mg, mir geht es gut, für ein paar Tage Spannungskopfschmerzen - das ist aber ein altbekanntes Symptom, was ich nicht unbedingt mit dem Absetzen in Verbindung bringe
04.09.2015 - immer noch 7,5 mg - mir geht es gut, freue mich auf Projektstart
06.09.2015 - runter auf 5 mg - fühle mich gut, bin motiviert - also ran an das Ziel
11.09.2015 - immer noch 5 mg, mir geht es gut - richtig gut, endlich raus aus diesem abgestumpften Gefühl wie durch Watte und alles egal, bin happy auch beruflich läuft es prima
16.09.2015 - gute Gefühl, ich bin wieder mehr ich selbst, meine Lust ab Bücher lesen ist zurück, seit ein paar Tagen keinen unstillbaren Hunger mehr, völlig neues Lebensgefühl - go go go
20.09.2015 - Challenge gestartet und gewonnen 500 km mit dem Auto alleine unterwegs und für 3 Tage im Hotel YES !
28.09.2015 - 2,5 mg - Nacken verspannt, leicht reizbar (endlich wieder) ich fühle wieder.
13.10.2015 - 2,5 mg - bin wieder empfindsamer, endlich - fühle mich gut, keine Ängste trotz für mich persönlich sehr belastender Situationen, für mich ein Erfolg der VT und somit nachhaltig für mein weiteres Leben
05.11.2015 immer noch 2,5 mg - ich hatte einen starken Virusinfekt (keine Medis außer Nasentropfen und Tee und Bettruhe) und bin danach irgendwie nicht mehr *hochgekommen* , beobachte aktuell....schwere körperliche Symptome, Schmerzen mit Neuropathien - entsprechend meiner Ursprungsdiagnose (atypische Depression)
10.11.2015 erneute Schockdiagnose in der Familie hochdosiert auf 15 mg
01.01.2016 wieder 10 mg konstant
18.08.2016 - erneuter Absetzversuch geplant
21.08.2016 - runter auf 5 mg
22.08.2016 - Worte von Murmeline, Lisa Marie und Kevin zu Herzen genommen 7,5 mg

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Re: Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom

Beitrag von padma » Donnerstag, 25.08.16, 22:19

hallo Anne, :)

das Alarmsystem kann aus verschiedenen Gründen aktiviert werden. Es kann, wie im Text erklärt beim Absetzen von AD passieren.
Es kann aber z,B. auch als Folge einer schweren Traumatisierung aktiviert werden.

Escitalopram hatte bei dir dann vermutlich eine dämpfende Wirkung. Das Grundproblem selbst, kann ein AD jedoch nicht lösen.

liebe Grüsse,
padma

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