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Neuroleptika und verschlechterte Kognition ("madinamerica" Shannon Peters Artikel übersetzt)

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
Hunk89
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Neuroleptika und verschlechterte Kognition ("madinamerica" Shannon Peters Artikel übersetzt)

Beitragvon Hunk89 » Sonntag, 12.02.17, 15:22

Hallo liebe ADFDler,

ich habe einen weiteren Artikel von der Autorin Shannon Peters von http://www.madinamerica.com übersetzt. Bitte unbedingt die Regeln des Forums zum langsamen Ausschleichen beachten. Man kann hier kaum vorsichtig genug sein. Original: https://www.madinamerica.com/2016/12/st ... nctioning/


Studie suggeriert, dass Langzeiteinnahme von Neuroleptika zu schlechterer kognitiver Performance führt.
Zusammenhang zwischen Langzeiteinnahme von Neuroleptika und schlechterer Performance bei kognitiven Aufgaben bei Erwachsenen mit Schizophrenie Diagnose gefunden.

Eine neue Studie, die in „Psychiatry Research“ publiziert wurde, untersucht die Beziehung zwischen zunehmendem Gebrauch von Neuroleptika und allgemeiner kognitiver Funktion bei Erwachsenen mit „Schizophrenie“. Die Ergebnisse der Studie, die in Finnland durchgeführt wurde, suggeriert, dass eine Langzeiteinnahme von Neuroleptika kognitiven Funktionen schaden können.

Die Autoren, angeführt von Anja Husa im Department of Psychiatry an der Universität von Oulo, geben an:

„Basierend auf diesen Daten können höhere kumulative Dosis-Jahre von Neuroleptika mit schlechterer kognitiver Performance im Alter von 43 Jahren in Verbindung gebracht werden. Es ist möglich, dass hohe Neuroleptika Dosen den natürlichen Verlauf der Schizophrenie im mittleren Alter beeinflussen. Zum Beispiel durch Verhindern oder Vermindern von kognitiver Genesung.“

Forschungen haben ergeben, dass die meisten Leute, die mit Schizophrenie diagnostiziert wurden, neurokognitive Defizite erfahren, die scheinbar schon vor den ersten Krankheitsepisoden existierten und zu schlechterer kognitiver Funktion führen.
Meta-Analysen haben gezeigt, dass der Gebrauch von Neuroleptika die kognitive Funktion in den ersten Jahren der Behandlung verbessert. Die Autoren schreiben, „Neuroleptika sind die Grundlage der Behandlungsempfehlungen bei Schizophrenie, aber die Assoziation von Neuroleptika mit Kognition, vor allem auf lange Sicht, bleibt größtenteils unklar.“

Vorherige Forschungen, die sich an der „Northern Finland Birth Cohort 1966“ Studie bedienten, fanden heraus, dass „in der „Schizophrenie“ höhere kumulative Dosen von Neuroleptika mit schlechterer kognitiver Performance im Alter von 34 Jahren und mit einer Abnahme von verbalem Lernen und Gedächtnis zwischen 34 und 43 Jahren verbunden waren.“ Die Autoren der Studie wollten über diese Erkenntnisse hinaus die Beziehung zwischen kumulativem Lebenszeitgebrauch von Neuroleptika und allgemeiner Kognition bei Individuen mit „Schizophrenie“ im Alter von 43 untersuchen. Die Autoren führten eine naturalistische Studie durch, für die 60 Teilnehmer mit „Schizophrenie“ der NFBC Studie von 1966 rekrutiert wurden. Eine Reihe kognitiver Tests wurde bei den 60 Teilnehmern mit „Schizophrenie“ und einer Kontrollgruppe von 191 Teilnehmern durchgeführt. Die Autoren berichten über kumulative Lebenszeit-Neuroleptika Dosis und verwenden „Dosis Jahre“. Ein Dosis Jahr entspricht der Einnahme einer täglichen Dosis von 100mg Chlopromazin - oder der Einnahme einer vegleichbaren Dosis eines vergleichbaren Neuroleptikas - über ein Jahr. (200mg Chlorpromazin täglich für ein Jahr entsprechen 2 Dosis - Jahren).

Als die Studie durchgeführt wurde haben 85% der Teilnehmer in der diagnostizierten Gruppe Neuroleptika genommen. Die durchschnittliche Dauer der Zeit, für die Teilnehmer mit „Schizophrenie“ diagnostiziert wurden, war 16,5 Jahre und der mittlere Lebenszeitgebrauch von Neuroleptika entsprach 29,2 Dosis-Jahren.

Bei der Untersuchung von Geschlecht, dem Alter bei Ausbruch, ob in Remission oder nicht, Tage mit Krankenhausaufenthalt und Bildungsniveau, ergab sich eine moderate Korrelation zwischen Dosis-Jahren und kognitiven Ergebnissen (p = 0,016 = -0,41). Wenn Schulnoten im Alter von 16 Jahren zu der Gleichung hinzugenommen werden ist die Korrelation nicht länger signifikant (p = 0,262). Die Autoren merken an, dass naturalistische Studien nicht Ursächlichkeit bestimmen können. Sie schlussfolgern:

„In dieser Studie waren höhere kumulative Dosis-Jahre von allen Neuroleptika bei der "Schizophrenie" mit schlechterer allgemeiner Kognition im Alter von 43 Jahren verbunden, wenn die wichtigsten Störfaktoren in Beziehung auf Dauer und Schwere der Störung kontrolliert wurden. Die Assoziation bestand allerdings nicht, wenn Desorganisationssymptome und Schulnoten im Alter von 16 Jahren berücksichtigt wurden. Die kognitiven Effekte von typischen und atypischen Neuroleptika waren ähnlich.“

Die Autoren führen an, dass „die Evidenz von Vorteilen neuroleptischer Behandlung nur in den ersten Jahren der Störung überzeugend ist“ und viele Studien haben Sorge über die Langzeitergebnisse von neuroleptischer Behandlung geäußert. Die Autoren heben hervor: „weil viele Schizophrenie Patienten über mehrere Jahre oder permanent antipsychotische Behandlung erhalten, ist es unerlässlich, nicht nur die Effekte von Kurzzeit-, sondern auch die von Langzeitbehandlung zu untersuchen.“


Liebe Grüße,
Hunk
Zuletzt geändert von Hunk89 am Montag, 13.02.17, 18:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Quetiapin 0-0-50-600
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Venlafaxin 0-0-0-37,5
Trazodon 50-0-0-0

Maximum 25mg Olanzapin
22,5mg Olanzapin ab 7.12.16
21,25mg Olanzapin ab 2.2.17
20mg Olanzapin ab 3.4.17
Maximum 75mg Trazodon
67,5mg Trazodon ab 5.5.17
60,8mg Trazodon ab 9.6.17
54,7mg Trazodon ab 9.7.17
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Re: Neuroleptika und verschlechterte Kognition ("madinamerica" Shannon Peters Artikel übersetzt)

Beitragvon LinLina » Sonntag, 12.02.17, 15:47

Hallo Hunk,

Vielen Dank für die Übersetzung <3 super, jetzt mehr deutschsprachige Informationen/Texte zu Neuroleptika zum Lesen und Verlinken zur Verfügung zu haben.

Liebe Grüße
Lina


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