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Liebe ADFDler,

Wir haben eine große Softwareaktualisierung durchgeführt. Im Ideal funktioniert alles wie bevor, nur dass ein paar Details ein wenig anders aussehen. Falls es in den nächsten Tagen doch Probleme gibt, bitte beschreibt was ihr gemacht habt und was nicht so war, wie ihr es erwartet in diesem Thread:

Problemsammlung nach Softwareaktualisierung (Januar 2018)

Vielen Dank für Eure Hilfe.

Euer ADFD Team

Aktuelles Buch von Peter Lehmann: Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Murmeline
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Aktuelles Buch von Peter Lehmann: Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 12.09.17, 10:01

Hallo!

Ich möchte Euch gerne auf ein neues Buch (September 2017) hinweisen, weil auch dem Thema "Absetzen von Psychopharmaka" ein (wenn auch nur kurzes) Kapitel gewidmet ist und vor allem das Buch insgesamt kritisch verfasst ist - was für eine informierte Entscheidung zur Einnahme von Psychopharmaka wichtig ist, wie auch Prof. Dr. med. Andreas Heinz (Charite Berlin) in diesem Statement aus seinem Geleitwort deutlich macht:
Alle Therapeutinnen und Therapeuten – auch die, die mit den im Buch geäußerten Einschätzungen nicht übereinstimmen – sind damit aufgerufen, sich mit diesen Studien auseinanderzusetzen, weitere Erfahrungen und Studien in die Diskussion einzubeziehen und den Patientinnen und Patienten ein informiertes Bild über die Behandlungsmöglichkeiten und ihre Auswirkungen inklusive der in diesem Band zusammengestellten kritischen Befunde zu ermöglichen.

Peter Lehmann / Volkmar Aderhold / Marc Rufer / Josef Zehentbauer
Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika – Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierung und Alternative

Quelle für nachfolgende Zitate, Infos wie Inhaltsverzeichnis und Bestellmöglichkeit unter
http://www.peter-lehmann-publishing.com/neue.htm

Dr. Peter und Sabine Ansari stellen in einem Geleitwort zum Buch fest:
In akribischer Kleinarbeit hat er (PL) sich die neueren Antidepressiva und Neuroleptika einzeln vorgeknöpft und beschrieben, für welche Indikationen sie eingesetzt werden, aber vor allem auch, welche unerwünschten Wirkungen während der Behandlung mit jedem einzelnen Medikament zu erwarten sind. Die Leserinnen und Leser können dadurch prüfen, ob die Symptome, unter denen sie leiden, von dem Medikament verursacht werden. Sie können mit dieser Information dem von ärztlicher Seite häufig geäußerten Argument »Sie haben aufgrund Ihrer Grunderkrankung Schwindelgefühle, Unruhezustände, Übergewicht etc.« selbstbewusst entgegentreten.
(..)
So endet das Buch mit dem wichtigen Absetzkapitel, in dem die Autoren warnen, dass es nach jahrelangem Gebrauch keinesfalls leicht ist, die Psychopharmaka abzusetzen. Nicht allen gelingt der Entzug und für manche Neuroleptika-Patientinnen und -Patienten ist es einfacher, eine weiterhin minimaldosierte Wirkstoffmenge einzunehmen, als das Mittel vollständig abzusetzen.

Absetzen ist ein sehr ernstes Thema, viele »Rückfälle« oder sogar psychiatrische Lebenskarrieren lassen sich auf einen schlecht informierten Umgang mit Psychopharmaka zurückführen. Wer diese Substanzen über einen längeren Zeitraum eingenommen hat, verändert dadurch seine Gehirnbiochemie. Durch Anpassungsvorgänge im Gehirn erhöht sich beim Absetzen das Risiko, erneut eine Krise zu erleiden. Wir wissen aus Erfahrung mit unseren Patientinnen und Patienten, wie wenig sie über Wirkungen und Risiken der Psychopharmaka aufgeklärt werden. Dieses Buch liefert ihnen – aber auch Ärzten, Therapeuten und Angehörigen – eine wertvolle Zusammenstellung all der Informationen, die für eine selbstbestimmte Therapie benötigt werden.
Und Prof. Dr. med. Dr. phil. Andreas Heinz schreibt dies in seinem Geleitwort - und drückt sich (leider) um ein klares Statement, dass es sich bei Absetzsymptomatiken bzw. Entzug von Antidepressiva und Neuroleptika zwar nicht wie ausgeführt um eine medizinisch definierte Abhängigkeitserkrankungen im Sinne von Sucht handelt, aber eben doch um Abhängigkeit im Sinne körperlicher Gewöhnungsprozesse, die individuell zu schwerwiegenden und langwierigen Entzugssyndromen führen können. Auch fehlt mir der Hinweis, dass Patienten mMn vorrangig plötzlich absetzen, weil Ärzte Absetzen an sich oder Ausschleichen nicht thematisieren bzw. selbst die Anweisung zu einem plötzliches/kurzfristiges Absetzen bei einem Absetzwunsch des Betroffenen aussprechen.
(...) [Es ist] essentiell, dass die Patientinnen und Patienten über die kurz- wie langfristigen unerwünschten Wirkungen der Therapieverfahren ebenso aufgeklärt werden wie über widersprüchliche Befunde zur kurz- und langfristigen Wirksamkeit und den Wirkmechanismen dieser Therapieverfahren.

Dies gilt natürlich nicht nur für den Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie, sondern für die gesamte Medizin. So finden sich die von den Autoren zurecht betonten Absetzsymptome nach Verordnung von Neuroleptika oder Antidepressiva auch nach dem Absetzen (»Entzug«) einer Vielzahl weiterer chronisch verordneter Medikamente, beispielsweise beim Absetzen bestimmter Antihypertensiva (Medikamente zur Behandlung eines Bluthochdrucks) bis hin zu lebensbedrohlichen kardiovaskulären Komplikationen. Diese Absetz- oder Entzugssymptome wecken bei vielen Betroffenen die Sorge, dass sich eine Abhängigkeitserkrankung ausgebildet hat. Aus medizinischer Sicht ist allerdings der Begriff der Abhängigkeitserkrankungen für Suchterkrankungen reserviert, die nur dann diagnostiziert werden sollten, wenn zusätzlich zu Absetz- bzw. Entzugssymptomen auch ein starkes Verlangen nach der Substanz (dem Medikament oder der Droge) und eine Kontrollminderung im Umgang damit gegeben ist. Letzteres ist bei Morphium und Benzodiazepinen der Fall, bei Antidepressiva und Neuroleptika aber nicht. Auch wenn hier also aus medizinischer Sicht keine Suchterkrankung vorliegt, ist die Kenntnis der substanzeigenen Absetzsymptome sehr wichtig, wenn es darum geht, Patientinnen und Patienten beim Absetzen kompetent zu begleiten.

Mit der Lektüre des Buches stellt sich die Frage nach den praktischen Auswirkungen der hier vorliegenden Kritik. Zum einen verweist der vorliegende Band mit Recht auf die Notwendigkeit, beim Absetzen der Medikamente vorsichtig vorzugehen und diese langfristig schrittweise zu reduzieren, um unerwünschte Wirkungen inklusive des gegebenenfalls erhöhten Risikos des Wiederauftretens der Grunderkrankung zu vermeiden. Da bereits jetzt sehr viele Patientinnen und Patienten ihre Medikation absetzen, meist eher plötzlich, sind diese Hinweise ausgesprochen wichtig.
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Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
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Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
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Re: Aktuelles Buch von Peter Lehmann: Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika

Beitrag von Annanas » Donnerstag, 14.12.17, 14:58

Hallo zusammen :group: ,
im Zusammenhang damit, daß in einem Mitgliederthread dieses Buch erwähnt wurde, fiel mir ein, daß ich schon lange meine
Ansicht dazu, hier mitteilen wollte:

Ich kann dieses Buch nur mit Einschränkungen, Menschen empfehlen, die Psychopharmaka nehmen bzw absetzen wollen:

1. Nehmen die Kapitel über die einzelnen Medikamente und deren Wirkung auf die Gesundheit bzw. schädliche Folgen, einen sehr großen Raum ein.
Gerade, wenn man unter Absetzsymptomen leidet, kann das zusätzliche Ängste auslösen u. ggf. eine Ärzteodyssee begünstigen.

2. Finde ich, sind die Antidepressiva im Allgemeinen zu kurz angesprochen worden - eigentlich nur hinsichtlich gesundheitlicher Auswirkungen bei Einnahme - ich glaube, der Fokus von Peter Lehmann liegt mehr auf den NL.

3. Wird über ein schonendes/nachhaltiges Absetzen sehr wenig geschrieben.

4. Sehr verwirrend und schwer lesbar, waren für mich die Ausführungen zur EKT (das kann aber auch an meinem gegenwärtigen
Zustand liegen).

5. Das Buch müßten mMn vor allem verschreibende Ärzte lesen!!

LG Anna
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Venlafaxin (225 mg) - Einnahme seit 2007 - Absetzverlauf seit Januar 2016
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28.01.2018 30. Red. 1 mg auf 6 mg - wegen starker Beschwerden am 02.02. auf 6,3 mg aufdosiert
______________________________________________________________________________________
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Re: Aktuelles Buch von Peter Lehmann: Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika

Beitrag von Arianrhod » Donnerstag, 14.12.17, 17:55

Annanas hat geschrieben:- ich glaube, der Fokus von Peter Lehmann liegt mehr auf den NL.
Das stimmt allerdings.

liebe Grüße Arian
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Annanas
2005 mit Burnout und Depression in eine Tagesklinik gekommen.

Zuerst einmonatige Behandlung mit diversen Antidepressiva: Doxepin, Mirtazipin, Sulprid,
hypomane Reaktion
wobei die AD sofort und ohne Ausschleichen von den Ärzten abgesetzt wurden.


Verschiedene Diagnosen: schizoaffektive Psychose, Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung


Erst 2 Jahre Behandlung mit Amisulprid . Zu schnell auf eigene Faust abgesetzt.
Schwere Supersensitivitätspsychose .

Einstellen auf verschiedene Neuroleptika: Haloperidol, Quetiapin, Olanzapin, Risperidon, Paliperidon, Aripiprazol
Außerdem Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon

jahrelang , vieles gleichzeitig und in höchster Dosierung.
u.a. Berentung, 60 kg Gewichtszunahme
seit 2012 Ausschleichen von 800 mg Quetiapin retard innerhalb von 2 Jahren.
Meinen Absetzbericht findet man hier:
viewtopic.php?f=51&t=10634&p=120447#p120447
Seit Januar 2014 keine Neuroleptika mehr.

Ich leide seit 3 Jahren unter Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen. Bei mir wurde eine Polyneuropathie diagnostiziert und ein Zusammenhang mit NL vermutet - leider nicht beweisbar.

Außer Neuroleptika habe ich zwischenzeitlich auch Oxycodon ( ein Opioid) und Trimipramin nach zweijähriger Einnahme abgesetzt , die ich wegen chronischer Schmerzen verschrieben bekommen habe.
Pregabalin habe ich am 7.9.2016 endgültig ausgeschlichen.

Die Anzahl meiner Dauermedikamente beträgt gerade "0". :)

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