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13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Jamie
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13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von Jamie » Donnerstag, 20.03.14, 19:59

Sehr schöne Präsentation der wichtigsten Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein und auf die sich das ADFD u.a. auch beruft:

http://cepuk.org/unrecognised-facts/

Danke carlotta :)


_____________________________________________

Sinngemäße Übersetzung aus dem Englischen (von Jamie):


Blatt 1: Keine bekannten biologischen Ursachen
Es gibt keine bekannten biologischen Ursachen für psychiatrische Erkrankungen mit Ausnahme von Demenz und einigen seltenen Chromosomen-basierten Erkrankungen. Infolgedessen gibt es keine biologischen Tests wie Blutuntersuchungen oder Gehirnscans, um unabhängige objektive Daten zur Verfügung stehen zu haben, die man zur Unterstützung einer psychiatrischen Diagnose heranziehen könnte.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842

Blatt 2: Der Mythos des chemischen Ungleichgewichts
Psychopharmaka wurden / werden oft an Patienten verschrieben auf der Grundlage, sie könnten ein "chemisches Ungleichgewicht" heilen.
Wie auch immer, es konnten noch keine chemischen Ungleichgewichte nachgewiesen werden, die in einem Zusammenhang zu einer psychiatrischen Erkrankung stehen. Außerdem stehen keine Methoden zur Verfügung, die Anwesenheit bzw. Abwesenheit dieser chemischen Ungleichgewichte zu testen / überprüfen.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842

Blatt 3: Dem Diagnosesystem mangelt es an Validität / Aussagekraft
Psychiatrie-Diagnose-Handbücher wie DSM und ICD (Kapitel 5) (Anm: ICD = International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) sind nicht das Ergebnis objektiver Wissenschaft, sondern vielmehr kulturell geprägte Werke, die durch klinischen Konsens und Abstimmung entstanden sind. Ihre Aussagekraft und klinische Verwendbarkeit ist darum höchst fragwürdig; dennoch haben sie bis heute stetig dazu beigetragen menschliche Erfahrung im großen Umfang zu "medikalisieren" (= Anm. im übertragenen Sinne krankhaft zu machen, als krank, behandlungswürdig anzusehen).
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842

Blatt 4: Psychopharmaka verändern den mentalen Zustand / die Empfindungen
Wie alle anderen Substanzen, die auf die Gehirnchemie einwirken (z.B. illegale Drogen), führen auch Psychopharmaka zu veränderten mentalen Zuständen / Empfindungen.
Sie "heilen" keine Krankheiten und in vielen Fällen ist ihr Wirkmechanismus unbekannt.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,843

Blatt 5: Antidepressiva haben keinen Nutzen / Vorteil gegenüber Placebo
Studien haben nachgewiesen, dass Antidepressiva keinen signifikanten klinischen Nutzen gegenüber Placebo bei der Behandlung von milden bis mittelschweren Depressionen haben. Manche Studien zeigen einen gewissen Nutzen bei schweren Depressionen in der Kurzzeit-Behandlung.
Neuere Studien legen die Vermutung nahe, dass Antidepressiva in Zusammenhang mit einer erhöhten Sterblichkeit stehen, vor allem bei älteren Menschen.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842

Blatt 6: Schlechte Langzeit(-Einnahme) Ergebnisse
Es gibt nur wenig Forschung zur Langzeit-Einnahme von Psychopharmaka. Die verfügbaren Studien legen die Vermutung nahe, dass die Hauptklassen (Anm: die am häufigsten verordneten Medikamentengruppen) der Psychopharmaka wenig zusätzlichen Nutzen haben, wenn man sie über lange Zeit einnimmt. Und bei manchen Patienten führt die Langzeiteinnahme zu einer Verschlechterung.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842

Blatt 7: Langanhaltende, negative Effekte
Psychopharmaka können langanhaltende, negative Auswirkungen auf das Gehirn und Zentrale Nervensystem haben, insbesondere bei einer Langzeiteinnahme.
Dies kann zu körperlichen, emotionalen und kognitiven Störungen führen.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,849

Blatt 8: Nebenwirkungen / negative Effekte werden oft falsch diagnostiziert
Psychopharmaka können zu mentalen Störungen führen, einschließlich Selbstmord, Gewaltausbrüchen und Entzugserscheinungen. Diese Auswirkungen können als neue Erkrankung missinterpretiert werden, für die man wiederum weitere Psychopharmaka verordnet. Dies führt in manchen Fällen zu einer Langzeiteinnahme multipler Psychopharmaka.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,849

Blatt 9: Psychopharmaka-Entzug kann Menschen "ausknocken" (engl. disable)
Psychopharmaka-Entzug kann Menschen "ausknocken" und eine große Bandbreite schwerer körperlicher und psychologischer Störungen verursachen, die oft monatelang andauern, teilweise sogar Jahre. In manchen Fällen, so Berichte von Entzugs-begleitenden Verbänden, führt der Entzug zum Suizid.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,849

Edit: ausführliche Übersetzung hier: viewtopic.php?f=18&t=11254

Blatt 10: Kinder werden häufiger medikamentiert
Die Verwendung von Psychopharmaka bei Kindern und jungen Erwachsenen steigt innerhalb der modernen Industrienationen rapide an. Dabei ist der potenzielle Langzeitschaden, der auftreten kann, wenn solche Medikamente Einfluss auf das heranwachsende Gehirn haben, bislang noch nicht begutachtet.
Außerdem gibt es mittlerweile Hinweise / Beweise, dass der steigende Psychopharmaka-Konsum in dieser Altersgruppe später zu schweren Langzeitverläufen führen kann.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,843

Blatt 11: Der Regulierungsapparat wird von der Industrie finanziert
Der Britische Regulierungsapparat für Psychopharmaka, MHRA, wird gänzlich von der Pharmaindustrie finanziert und besetzt Schlüsselpositionen mit ehemaligen Industrie-Experten. Solche Interessenskonflikte führen zu einer nachsichtigen / milden Regulierung, die Pharmafirmen-Interessen über das Patientenwohl setzt.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,648


Blatt 12: Interessenskonflikt

Verbindungen zwischen Ärzten und pharmazeutischer Industrie sind vor allem in der Psychiatrie-Szene gängig. In Großbritannien müssen Psychiater vor keiner Instanz oder Autorität offenlegen, wie hoch ihr jährliches Einkommen, das von der Industrie stammt, ist.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842


Blatt 13: Manipulierung und unter-Verschluss-Haltung von wissenschaftlichen Daten / Forschungsergebnissen

Die Mehrheit der klinischen Psychopharmaka-Experimente / Studien werden von der Pharmaindustrie durchgeführt oder den Instanzen, die eng mit der Pharmaindustrie verwoben sind. Diese Industrie hat eine lange Geschichte bei der Geheimhaltung negativer Ergebnisse, der Manipulierung von Forschungserkenntnissen und dem "highlighten" der guten Daten.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842
------
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Berlin-2013
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von Berlin-2013 » Freitag, 21.03.14, 16:10

klasse gemacht, kurz, klar, verständlich - einfach super, danke schön ihr fleissigen lieschen :hug:
viele Grüße und 2018 wird super
Ich war viel zu schnell unterwegs und es hat alles verschlimmert und den Entzug unnötig verlängert!! :schnecke: besser ZEIT UND GEDULD
über 3 Jahre und 9 Monate nach 0 mg :party2:

Zur Zeit KEIN Licht am Ende des Tunnels


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carlotta
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von carlotta » Sonntag, 23.03.14, 13:09

Danke, Jamie :), für die prompte und tolle Übersetzung! :hug:

Liebe Grüße :group:
Carlotta
"For the illicit drugs, we call this process addiction. For the prescribed medications, we call this process therapeutic." (Robert Whitaker)


"We need to stop harming each other in the false name of medicine."(Monica Cassani)

edgar
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von edgar » Freitag, 28.03.14, 18:39

Liebe Jamie,

auch von mir vielen Dank für die Übersetzung. :D

LG
edgar
Angehöriger, Dipl.-Sozialpädagoge (FH), seit 2008 Mitarbeiter im ambulanten Betreuten Wohnen für Menschen mit psychischer Erkrankung (u.a. auch Beratung und Unterstützung beim Absetzen von Medikamenten), davor 2 Jahre Mitarbeiter in einer Tagesstätte und 1 Jahr lang in einem Wohnheim (stationäres Wohnen) für Menschen mit psychischer Erkrankung. Seit 2013 Mitglied des Fachausschusses Psychopharmaka der DGSP.

fraidycatII
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von fraidycatII » Sonntag, 05.10.14, 15:16

Beitrag auf Wunsch des Users gelöscht.

Dia_HB
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von Dia_HB » Sonntag, 05.10.14, 20:03

Hallo fraidycatll,

wie Bitte kommst du auf die glorreiche Idee, auf 7 Monate alte Beträge, so anmaßend zu antworten?
Du kannst dir aber sicher sein, dass gerade jamie auch nur Dinge postet, die sie ebenso mit deinen geforderten Quellen belegen kann.

lg
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Inge2
Schmerzpatientin , behandelt mit Diazepam seit 1992 mit anfangs 60 mg Krankenhaus, über Jahre unbewusst bei 10 mg gelandet ,2013 Toleranz entwickelt, Juni 2013 über 10 Monate ausgeschichen mit Doxepin, Januar 2014 Krankenhaus schwere krämpfe Doxepin aprut abgesetzt 37,5mg, 21 Januar durch falsche Diagnose wieder Diazepam Einnahme 25mg Symptome keine Verbesserung, Mai Doxepin dazu 12,5mg und persönliche Veränderung, Euphorie, Vergesslichkeit selber nicht gemerkt.
19 Mai 2014 erneutes ausschleichen Diazepam, Dezember 2014 bei 10,5 mg Diazepam und doxepin 35 mg, Januar 2015 Erhöhung Doxepin 45 mg plus 9,5 mg Diazepam begleitet mit schmerzen Muskeln, Kopf zucken, Verwirrtheit, Koordination weg , Februar ging nichts mehr, zurück auf 37,5mg Doxepin und 7,5 mg Diazepam keine Besserung, versucht durchzuhalten mit 9 mg Diazepam, Arzt besucht Vermutung Krampfschwelle durch Doxepin runter gesetzt, Doxepin auf 0 mg Anweisung vom Arzt, nicht aushaltbar, eindosiert 12,5mg bis hoch auf 30 mg ,erste Krampfanfälle Kopf ,dann richige epileptische Anfälle.
Krankenhaus Diagnose Krampfschwelle unten durch Doxepin.
9 Mai, Doxepin runter, Diazepam hoch ,keine anfälle mehr. Dritter Anlauf des ausschleichens ohne zweites Medikament in kürze.
Nach 14 Monaten wieder stabil ,seit 7 Wochen Dia am ausschleichen. 16.03.2016

Lisamarie
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von Lisamarie » Sonntag, 05.10.14, 20:09

Hallo fraidycat, wie du sicher gelesen hast hat Jamie nur diesen Text http://cepuk.org/unrecognised-facts/ aus dem Englischen für User übersetzt die nicht so gut Englisch können.
Gruß LisaMarie
2012 noch 5 Monate Mirtzapin,Pipamperon,Levomepromaxin
Bis auf die Praxiten von heute auf morgen kalt abgesetzt, erste Absetzbeschwerden nach sechs Wochen, aber dann
6 Monate heftigste Absetzproblematik.Magendarm 30 Kilo in vier Monaten abgenommen.Halbes Jahr bettlägerig.Schwer suzidal zum stabilisieren fast ein Jahr gebraucht.
Oxazepam reduzieren von umgerechnet 50 mg Diazepam:
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Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.
.

Siggi
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von Siggi » Montag, 22.12.14, 15:38

Hallo ihr Lieben, :group:

habe soeben durch "Zufall" im S.Drüsen-Forum folgenden Link gefunden!
( es ging um Mirtaza*in... im S.D. Forum)


http://edoc.ub.uni-muenchen.de/5458/..._Christian.pdf

Lieben Gruß
Siggi
Mein Absetzverlauf:
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Siggi
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von Siggi » Montag, 22.12.14, 15:45

Oh je... lieder scheint dieser Link nicht zu funktionieren...
daher einfach die Seite des S.D. Forums...
Vielleicht klappt das besser??
Sorry...

http://www.ht-mb.de/forum/showthread.ph ... tisolismus

Lb Grüße
Siggi
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 24.11.15, 22:50

Jamie, ich hab mir erlaubt, die weiterführenden PDFs zu den Punkten als Link zu ergänzen.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Murmeline für den Beitrag:
Oliver
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 14.06.16, 16:02

Videos des CEP mit deutschen Untertiteln.

Mit Statement von Dr. Johanna Moncrieff (Psychiaterin), Dr. James Davies (Psychologe), Prof. Sami Timimi (Kinder- und Jugendpsychiater)

Prof. Sami Timimi (Kinder- und Jugendpsychiater)

Prof. Sami Timimi über psychiatrische Diagnosesysteme
https://www.youtube.com/watch?v=JrDztGonip8

Prof. Sami Timimi über den Nutzen von Psychopharmaka
https://www.youtube.com/channel/UCAt9fNbs88GY1CJsNNnQ5Ng

Prof. Sami Timimi über den Langzeitgebrauch von Psychopharmaka
https://www.youtube.com/watch?v=ATbO3mNc0-M

Prof. Sami Timimi über nötige Forschung zu Psychopharmaka-Langzeitgebrauch und Absetzstudien
https://www.youtube.com/watch?v=bF88FTLu9Ik&list=PLhb7PttQfC2V6IG_UsfxJRq5RlQfqYEsX&index=2

Dr. Johanna Moncrieff (Psychiaterin)


Dr. Joanna Moncrieff über den Mythos vom chemischen Ungleichgewicht
https://www.youtube.com/watch?v=UM29EfH77Go

Dr. Joanna Moncrieff über das Unwissen von Psychiatern zur Pharmakologie und Absetzsymptomen
https://youtu.be/oDQeAif4za4

Dr. Joanna Moncrieff über die Wirkungsweise von Psychopharmaka
https://www.youtube.com/watch?v=M0eOTT3N7-4

Dr. Joanna Moncrieff über Entzugssymptome bei Psychopharmaka
https://www.youtube.com/watch?v=6PHt1xlugVI

Dr. Joanna Moncrieff über das Unwissen über Langzeitfolgen von Psychopharmaka
https://www.youtube.com/watch?v=XUo1Zile468

Dr. James Davies (Psychologe)

Dr. James Davies zur Entstehung des Mythos vom chemischen Ungleichgewicht
https://www.youtube.com/watch?v=w94__LEZmQM

Dr. James Davies zur Verbreitung des Mythos vom chemischen Ungleichgewicht
https://www.youtube.com/watch?v=s1jZ2jHUv-Q
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Editha
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein, Danke für diesen interessanten Beitrag!

Beitrag von Editha » Samstag, 24.06.17, 11:18

Jamie hat geschrieben:Sehr schöne Präsentation der wichtigsten Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein und auf die sich das ADFD u.a. auch beruft:

http://cepuk.org/unrecognised-facts/

Danke carlotta :)


_____________________________________________

Sinngemäße Übersetzung aus dem Englischen (von Jamie):


Blatt 1: Keine bekannten biologischen Ursachen
Es gibt keine bekannten biologischen Ursachen für psychiatrische Erkrankungen mit Ausnahme von Demenz und einigen seltenen Chromosomen-basierten Erkrankungen. Infolgedessen gibt es keine biologischen Tests wie Blutuntersuchungen oder Gehirnscans, um unabhängige objektive Daten zur Verfügung stehen zu haben, die man zur Unterstützung einer psychiatrischen Diagnose heranziehen könnte.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842

Blatt 2: Der Mythos des chemischen Ungleichgewichts
Psychopharmaka wurden / werden oft an Patienten verschrieben auf der Grundlage, sie könnten ein "chemisches Ungleichgewicht" heilen.
Wie auch immer, es konnten noch keine chemischen Ungleichgewichte nachgewiesen werden, die in einem Zusammenhang zu einer psychiatrischen Erkrankung stehen. Außerdem stehen keine Methoden zur Verfügung, die Anwesenheit bzw. Abwesenheit dieser chemischen Ungleichgewichte zu testen / überprüfen.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842

Blatt 3: Dem Diagnosesystem mangelt es an Validität / Aussagekraft
Psychiatrie-Diagnose-Handbücher wie DSM und ICD (Kapitel 5) (Anm: ICD = International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) sind nicht das Ergebnis objektiver Wissenschaft, sondern vielmehr kulturell geprägte Werke, die durch klinischen Konsens und Abstimmung entstanden sind. Ihre Aussagekraft und klinische Verwendbarkeit ist darum höchst fragwürdig; dennoch haben sie bis heute stetig dazu beigetragen menschliche Erfahrung im großen Umfang zu "medikalisieren" (= Anm. im übertragenen Sinne krankhaft zu machen, als krank, behandlungswürdig anzusehen).
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842

Blatt 4: Psychopharmaka verändern den mentalen Zustand / die Empfindungen
Wie alle anderen Substanzen, die auf die Gehirnchemie einwirken (z.B. illegale Drogen), führen auch Psychopharmaka zu veränderten mentalen Zuständen / Empfindungen.
Sie "heilen" keine Krankheiten und in vielen Fällen ist ihr Wirkmechanismus unbekannt.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,843

Blatt 5: Antidepressiva haben keinen Nutzen / Vorteil gegenüber Placebo
Studien haben nachgewiesen, dass Antidepressiva keinen signifikanten klinischen Nutzen gegenüber Placebo bei der Behandlung von milden bis mittelschweren Depressionen haben. Manche Studien zeigen einen gewissen Nutzen bei schweren Depressionen in der Kurzzeit-Behandlung.
Neuere Studien legen die Vermutung nahe, dass Antidepressiva in Zusammenhang mit einer erhöhten Sterblichkeit stehen, vor allem bei älteren Menschen.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842

Blatt 6: Schlechte Langzeit(-Einnahme) Ergebnisse
Es gibt nur wenig Forschung zur Langzeit-Einnahme von Psychopharmaka. Die verfügbaren Studien legen die Vermutung nahe, dass die Hauptklassen (Anm: die am häufigsten verordneten Medikamentengruppen) der Psychopharmaka wenig zusätzlichen Nutzen haben, wenn man sie über lange Zeit einnimmt. Und bei manchen Patienten führt die Langzeiteinnahme zu einer Verschlechterung.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842

Blatt 7: Langanhaltende, negative Effekte
Psychopharmaka können langanhaltende, negative Auswirkungen auf das Gehirn und Zentrale Nervensystem haben, insbesondere bei einer Langzeiteinnahme.
Dies kann zu körperlichen, emotionalen und kognitiven Störungen führen.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,849

Blatt 8: Nebenwirkungen / negative Effekte werden oft falsch diagnostiziert
Psychopharmaka können zu mentalen Störungen führen, einschließlich Selbstmord, Gewaltausbrüchen und Entzugserscheinungen. Diese Auswirkungen können als neue Erkrankung missinterpretiert werden, für die man wiederum weitere Psychopharmaka verordnet. Dies führt in manchen Fällen zu einer Langzeiteinnahme multipler Psychopharmaka.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,849

Blatt 9: Psychopharmaka-Entzug kann Menschen "ausknocken" (engl. disable)
Psychopharmaka-Entzug kann Menschen "ausknocken" und eine große Bandbreite schwerer körperlicher und psychologischer Störungen verursachen, die oft monatelang andauern, teilweise sogar Jahre. In manchen Fällen, so Berichte von Entzugs-begleitenden Verbänden, führt der Entzug zum Suizid.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,849

Edit: ausführliche Übersetzung hier: viewtopic.php?f=18&t=11254

Blatt 10: Kinder werden häufiger medikamentiert
Die Verwendung von Psychopharmaka bei Kindern und jungen Erwachsenen steigt innerhalb der modernen Industrienationen rapide an. Dabei ist der potenzielle Langzeitschaden, der auftreten kann, wenn solche Medikamente Einfluss auf das heranwachsende Gehirn haben, bislang noch nicht begutachtet.
Außerdem gibt es mittlerweile Hinweise / Beweise, dass der steigende Psychopharmaka-Konsum in dieser Altersgruppe später zu schweren Langzeitverläufen führen kann.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,843

Blatt 11: Der Regulierungsapparat wird von der Industrie finanziert
Der Britische Regulierungsapparat für Psychopharmaka, MHRA, wird gänzlich von der Pharmaindustrie finanziert und besetzt Schlüsselpositionen mit ehemaligen Industrie-Experten. Solche Interessenskonflikte führen zu einer nachsichtigen / milden Regulierung, die Pharmafirmen-Interessen über das Patientenwohl setzt.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,648


Blatt 12: Interessenskonflikt

Verbindungen zwischen Ärzten und pharmazeutischer Industrie sind vor allem in der Psychiatrie-Szene gängig. In Großbritannien müssen Psychiater vor keiner Instanz oder Autorität offenlegen, wie hoch ihr jährliches Einkommen, das von der Industrie stammt, ist.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842


Blatt 13: Manipulierung und unter-Verschluss-Haltung von wissenschaftlichen Daten / Forschungsergebnissen

Die Mehrheit der klinischen Psychopharmaka-Experimente / Studien werden von der Pharmaindustrie durchgeführt oder den Instanzen, die eng mit der Pharmaindustrie verwoben sind. Diese Industrie hat eine lange Geschichte bei der Geheimhaltung negativer Ergebnisse, der Manipulierung von Forschungserkenntnissen und dem "highlighten" der guten Daten.
http://cepuk.org/wp-content/plugins/pdf ... auto,0,842
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Editha
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von Editha » Samstag, 24.06.17, 11:21

Warum reagieren die Psychiatrischen Ärzte nicht auf diese kritischen Anmerkungen? Danke für die Übersetzung!

DerDeh
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von DerDeh » Donnerstag, 08.03.18, 19:39

Schon alt der thread, aber die Frage von Editha ist ja die wichtigste überhaupt.
Also......warum reagieren psychiatrisch tätige Ärzte nicht auf diese Kritik?

Ich denke, dass es diese Problematik in jedem medizinischen Bereich gibt.
Deshalb geben Ärzte zu oft Antibiotika, zu oft Schmerzmittel, zu oft Cortison, zu oft Medikamente allgemein.

Auf N3 lief / läuft die Sendung "Die Ernährungs-Docs" und "Die Bewegungs-Docs".
Dort wird gezeigt, dass die allermeisten Schmerzen durch gezielte Bewegung behandelt werden können. Physiologische und Stoffwechsel Beschwerden jeglicher Art lassen sich durch abgestimmte Ernährung beeinflussen, z.T. beseitigen. Selbst Herzerkrankungen lassen sich mit Bewegung und Ernährung beeinflussen. Ärzte hingegen greifen zu Medikamenten.

Ich glaube nicht, dass Ärzte primär eine gute Verbindung zur Pharmaindustrie aufrechterhalten wollen, auch Psychiater nicht.
Die Ärzte und Psychiater haben einen begrenzten Spielraum in ihren Behandlungsmöglichkeiten und müssen sehr oft innerhalb weniger Minuten etwas "für den Patienten tun", der evtl. mit großem Leid vor ihnen sitzt.
Deshalb verschreiben sie so schnell Medikamente, um sich selbst das Gefühl zu geben etwas getan zu haben.
Sie wissen oft, dass es nicht ausreicht Pillen zu geben, aber unser Sozialsystem bietet wenig Möglichkeiten, wenn es darum geht eine ganzheitliche Behandlung des Menschen anzustreben. Da reicht weder die Zeit, noch das Geld, noch gibt es in diesem Ausmaß Einrichtungen, die eine ganzheitliche Behandlung des Menschen rentabel anbieten könnten.

So kommt ein privat Versicherter schonmal eher in eine "sanftere" Behandlungsform, aber der Kassenpatient muss in wenigen Minuten bestmöglichst behandelt werden.

Jeder, der psychisch erkrankt ist, weiß ja selber, dass er Symptome wie starke Angst oder schreckliche Depressionen ganz schnell einfach nur weg haben möchte.
Der Psychiater hat gar keine Wahl, wenn er in wenigen Minuten irgendeinen Einfluss nehmen will. Alle Ärzte arbeiten auch im Sinne der Allgemeinheit, also die Arbeitsfähigkeit eines Patienten soll erhalten oder wieder hergestellt werden.
Da ist es doch praktisch, wenn es Richtlinien zur Behandlung für jede ICD geführte Erkrankung gibt. An die hält er sich dann. Damit verstößt er nicht gegen seine Berufsethik oder gegen den hypokratischen Eid.
Die Gabe von Medikamenten ist immer ein Kompromiss. Wenn man den nicht hätte, könnten Ärzte oftmals gar nichts machen.

Fazit für mich: Wie muss das Gesundheitssystem bei gleichen Kosten verändert werden, um eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen in der Behandlung jedweder Erkrankungen zu ermöglichen?
Oder aber: Wie weit haben sich die modernen Gesellschaften überhaupt von einem mit der Natur in Einklang lebenden Menschen entfernt, so dass es immer mehr (psychische) Krankheiten gibt - und lässt sich das überhaupt noch verändern?
Zuletzt geändert von Jamie am Donnerstag, 08.03.18, 22:56, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Absätze zur besseren Lesbarkeit eingefügt
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor DerDeh für den Beitrag (Insgesamt 4):
JamieArianrhodClarissaKaulquappe 411
Diagnosen: generalisierte Angststörung, schwere Depression, Somatisierungsstörung
Medikation: Mirtazapin 15mg
Saquinavir
Ritonavir
Combivir
Ranitidin 300mg
Verlauf:
Oktober 2016 - April 2017 Risperdal 1 mg
April 2017 - Oktober 2017 Pregabalin 2x75mg
Beides kalt abgesetzt ohne große Absetzproblematik.
April 2017 - Oktober 2017 Mirtazapin 30mg
Oktober 2017 Mirtazapin auf 15mg reduziert
Dezember 2017 tägl. 12,5 mg Promethazin (nach 30 Tagen abgesetzt auf Null)
Februar 2018 Beginn des Ausschleichens mit Ziel Null.
25.2 bis 04.03 jeden 2. Tag Mirtazapin 15mg ( fühlte sich falsch an)
ab 04.03 tägl. 7,5mg Mirtazapin ( 2 Nächte leichte Schlafstörungen, dann gut)

Arianrhod
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Re: 13 Gründe Psychopharmaka-kritisch zu sein

Beitrag von Arianrhod » Freitag, 09.03.18, 16:04

Hallo DerDreh,

ich bin der Ansicht, vieles liegt darin begründet, dass Psychiater anderen Ärzten gleichgestellt werden wollen - sonst wären sie ja Psychotherapeuten.
Was aber nun machen "richtige" Ärzte?
- sie operieren ( gibt es auch in der Psychiatrie: EKT, früher die Lobotomie )
- sie geben Medikamente
- sie behandeln Krankheiten, die man bildlich darstellen/messen kann

Daher auch der ganze Biologismus mit Gehirnveränderngen und genetischer Anlage. Man hatte sich richtig gefreut, als man im MRT von einigen schizophrenen Patienten Veränderungen der grauen Substanz gefunden hat. Nur - die meisten Schizophrenen haben keine Veränderungen.
Und wenn, sind sie eher neuroleptikainduiziert als durch die Krankheit.

So kämpft der Psychiater um Anerkennung.....
Die Darstellung in den Medien, aber auch der Stand innerhalb der anderen medizinischen Fächer ist immer noch von Vorurteilen geprägt. Neben einem gestandenen Chirurgen hat ein Psychiater, der nur behandelt durch reden, keinen gleich hohen Status.
DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth

liebe Grüße Arian
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padmaClarissa
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