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Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Allgemeine Diskussion über psychische Störungen, ihre Behandlung und alles Verwandte.
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Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Arianrhod » Sonntag, 29.11.15, 14:46

Wenn man oft überreizt ist, mit Rückzug reagiert, in sozialen Kontakten überfordert etc. steht oft keine Erkrankung dahinter, sondern Hochsensibilität.

Hochsensible Menschen nehmen Reize stärker wahr als der Durchschnitt der Bevölkerung und verarbeiten sie in besonderer Weise. Hochsensibilität kann sich auf alle Sinne beziehen. Neben intensiverem, ungefiltertem Hören, Sehen, Riechen, Schmecken oder taktilem Erleben ist oft auch die stärkere Ausprägung beim Empfang von Stimmungen möglich. Auch die eigenen Empfindungen hochsensibler Menschen sind manchmal in besonderer Weise ausgebildet. Dies kann etwa das Erleben von Liebe und Trauer sowie Kunst oder Musik betreffen. Zudem beschreiben hochsensible Personen etwa einen überdurchschnittlichen Sinn für Gerechtigkeit, ein hohes Bedürfnis nach Harmonie oder eine besondere Schmerzempfindlichkeit.
http://www.hochsensibel-test.de/

Kurz und gut, es handelt sich um eine neurologische Besonderheit, die gar nicht wenige Menschen betrifft, sondern ca. 10 %.
Wenn man an einen Psychiater gerät, kann es sein, dass er "Angsstörung" "Soziale Phobie" "Depression" "BipolarII " oder "Psychose" diagnostiziert , natürlich alles mit der entsprechenden Medikation.
Doch HS ist weder eine Erkrankung noch eine Persönlichkeitsstörung.

Das Kürzel 'HSP' ('Highly Sensitive Person') wurde in den 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von der US-amerikanischen Psychologin Dr. Elaine Aron geprägt, von anderen Psychologen, Therapeuten und Soziologen aufgegriffen und fand inzwischen auch Eingang in die deutsche Sprache. (Als Kürzel für 'Hoch sensible Person')

Welche Probleme können HSP haben? Alle, die aus erhöhter Reizempfänglichkeit, Überforderung, Hektik etc. entstehen.
http://www.zartbesaitet.net/information ... zum-thema/



Auf keinen Fall sollte Hochsensibilität mit "vulnerabel", also der Anfälligkeit für psychische Störungen, gleichgesetzt werden.
http://www.zartbesaitet.net/informationen-fur-hsp/

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich HSP bin und NICHT krank . Ich brauche keine Psychomedikamente , um glücklich zu sein, doch
muss ich lernen lernen, mich abzugrenzen, Pausen zu machen und zu akzeptieren, dass ich bei zu viel Reizen schnell überfordert bin. . Wenn es mir gut geht, kann ich der Welt etwas zurückgeben und nicht zuletzt - besonders sensibel zu sein macht auch Spaß, weil man Schönes intensiv wahrnimmt.

Was haltet ihr vom Konzept der Hochsensibilität?

liebe Grüße Arianrhod.
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von LinLina » Sonntag, 29.11.15, 16:45

Hallo Arianrhod,

ich habe mich auch mal ein wenig damit beschäftigt. Einerseits ist es gut, eine Erklärung zu haben, und zwar eine andere, als die der psychischen Erkrankung. Ich finde es auch sehr hilfreich, um besser zu akzeptieren, dass ich andere Grenzen habe als das, was gemeinhin als angemessen gilt.

Andererseits ist es ja auch ein Label und besagt, dass man eben nicht normal ist, sondern irgendwie anders. Es ist auch eine Schublade, dabei sind unsere Besonderheiten und Charaktere doch immer in einem bunten Spektrum von möglichen Ausprägungen angesiedelt.

Es ist eben auch nur ein Konzept, um "abweichende" Verhaltensweisen/Empfindungen zu erklären. Eigentlich, finde ich, wäre es am besten, es würde gar kein Konzept dafür brauchen, denn es ist normal, nicht normal zu sein.
Ich brauche keine Psychomedikamente , um glücklich zu sein, doch
muss ich lernen lernen, mich abzugrenzen, Pausen zu machen und zu akzeptieren, dass ich bei zu viel Reizen schnell überfordert bin. Wenn es mir gut geht, kann ich der Welt etwas zurückgeben und nicht zuletzt - besonders sensibel zu sein macht auch Spaß, weil man Schönes intensiv wahrnimmt.
Genau :-)

Liebe Grüße,
Lina
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Thomas » Sonntag, 29.11.15, 19:19

Hallo,

ich finde Hochsensibilität als Konzept grundsätzlich schlüssig. Seh es ähnlich wie Lina und würde "HS" nicht als Phänomen oder eine Art Diagnose begreifen. Ich glaub auch, dass das Thema gerade etwas trendy ist. Man kann viele Eigenschaften versuchen zu skalieren und eine Normverteilung in der Bevölkerung zeichnen, um dann x% mit der höchsten Ausprägung als "Hoch..." einzustufen. Das ist irgendwie sehr statistisch. Bei der Hochbegabung versucht man das ja auch und misst es am IQ. Um einen hochsensiblen Menschen als Teil von x% der Bevölkerung zu identifizieren, bräuchte man erstmal einen brauchbaren Sensibilitätstest und einen SQ in Punkten. Ich seh das eher so, dass es einfach eine Bandbreite gibt, ohne es seriös messen und skalieren zu können?

Bestimmt ist es so, dass sehr sensible Menschen mehr Infomationen ihrer Umwelt wahrnehmen, als andere, das auch verarbeiten müssen, was nicht immer einfach ist und sie in der Folge schneller Abweichungen vom "normalen" Verhalten zeigen. Weil was normal ist, bestimmt ja die weniger sensible Mehrheit. Sensible Menschen sind dann z.B. ängstlicher, überreizter oder zurückgezogener, im Krisenfall auch schneller abseits des Akzeptierten und können so leichter mal in den Psychiatriebetrieb geraten. In der Liste der möglichen Fehldiagnosen bei hochsensiblen Menschen würde ich noch ADHS hinzufügen, besonders bei Kindern.

Diese Tests find ich sehr subjektiv und wenig hilfreich. Sowas denken sich immer Psychologen aus. Ich würde mir nicht unbedingt die Frage stellen, ob ich "HS" bin oder nicht. Wie soll man bestimmen, ob ein Mensch innerhalb von 10% liegt? Und warum genau 10 und nicht 5 oder 1? In dem Test kommen bestimmt >50% der Frauen als hochsensibel raus.^^

Grüße
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Arianrhod » Sonntag, 29.11.15, 23:27

Hallo LinLina und Thomas,
LinLina hat geschrieben:Andererseits ist es ja auch ein Label und besagt, dass man eben nicht normal ist, sondern irgendwie anders. Es ist auch eine Schublade, dabei sind unsere Besonderheiten und Charaktere doch immer in einem bunten Spektrum von möglichen Ausprägungen angesiedelt.
Gebe zu, dass mir natürlich auch die positive Konotation gefällt. Sonst höre ich "vulnerabel" , und das ist nicht gut. :x
Dann ist man nur empfindsam für Negatives: Depressionen, Psychosen etc.
Ein bißchen eitel bin ich da wohl auch.

Ich habe eine Freundin, die hat einen HS- Zettel für Ärzte (kann man sich scheinbar im Internet ausdrucken). Da steht:
Ihr Patient ist HS. Das bedeutet, er braucht von allen Medikamenten weniger , außer von Schmerzmitteln, da braucht er eventuell mehr....

Ich dachte mir, ist ja gut, dass sie das gleich thematisiert. Ob Sie auch einen Psychiater dazu bekommt, ihr anstatt 800 mg Seroquel erstmal nur 25 mg aufzuschreiben und zu gucken, wie es ihr damit geht?
Thomas hat geschrieben: Seh es ähnlich wie Lina und würde "HS" nicht als Phänomen oder eine Art Diagnose begreifen
sehe es auch eher so wie "blonde Haare" oder "helle Haut". Sogar noch mehr wie letzteres, denn als Hellhäutiger erwartet keiner von mir, mich eine Stunde lang ohne Sonnenschutz in die sommerliche Mittagssonne zu legen. Genauso brauche ich mehr seelischen Schutz, der aber NICHT in Medikamenten besteht, denn es ist keine Krankheit, "hochsensibel" zu sein, ebenso wenig wie "hellhäutig".

So ein wissenschaftlicher Ansatz wie Intelligenzspektrum und Hochbegabung ist es wohl nicht.

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Thomas » Montag, 30.11.15, 1:21

Ich habe eine Freundin, die hat einen HS- Zettel für Ärzte (kann man sich scheinbar im Internet ausdrucken). Da steht:
Ihr Patient ist HS. Das bedeutet, er braucht von allen Medikamenten weniger , außer von Schmerzmitteln, da braucht er eventuell mehr....
Man wär geneigt zu sagen, der Zweck heiligt die Mittel. Aber als Hochsensibler braucht man wohl eher eine höhere Dosis. Schließlich ist man ja überreizter und muss stärker sediert werden. Aber egal. Psychopharmaka kann ich auch ohne HS ablehnen. Da bin ich total unsensibel mit dem Psychiater.^^
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Arianrhod » Montag, 30.11.15, 15:13

Thomas hat geschrieben: Man wär geneigt zu sagen, der Zweck heiligt die Mittel. Aber als Hochsensibler braucht man wohl eher eine höhere Dosis. Schließlich ist man ja überreizter und muss stärker sediert werden. Aber egal. Psychopharmaka kann ich auch ohne HS ablehnen.
Nein, man braucht weniger Medikamente, weil das Nervensystem ja auf geringe Reize reagiert. Dafür hat man dann schneller Nebenwirkungen als alle anderen.

Ich erinnere mich daran, als ich von 800 mg auf 100 mg Seroquel war. Da sagte der Arzt: "Eigentlich könnten Sie es gleich weglassen. Das ist eine homöopathische Dosis. Die hat ja keine Wirkung mehr."
Dabei schlief ich immer noch 12 Stunden am Tag. :o
Und einfach weglassen von 100mg zu 0. Haaalllooooo? Meine Antwort war dann auch: "Natürlich werde ich es nicht einfach weglassen, oder legen Sie es drauf an, dass ich eine Absetzpsychose bekomme?"
Thomas hat geschrieben:Aber egal. Psychopharmaka kann ich auch ohne HS ablehnen. Da bin ich total unsensibel mit dem Psychiater.^^
Ich bin vielleicht etwas vorsichtiger. Ich wurde zweimal zwangseingewiesen, weil ich (aber höflich!) die Weiterführung der neuroleptischen Behandlung abgelehnt habe. ( Vielleicht hätte ich auf die Sensibilität des Psychiaters Rücksicht nehmen sollen. Mir wurde ja auch vorgeworfen, dass ich total unddankbar bin, weil ich diese teuren Medikamente nicht nehme).

HS wäre vielleicht eine Art Schutz, ich weiß nicht. Vor Ärzten, die gerne mit Etiketten arbeiten.

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Thomas » Montag, 30.11.15, 21:54

Hallo Arian,
Nein, man braucht weniger Medikamente, weil das Nervensystem ja auf geringe Reize reagiert. Dafür hat man dann schneller Nebenwirkungen als alle anderen.
Das versteh ich nicht. Hochsensibel meint doch eine besonders ausgeprägte Fähigkeit der Wahrnehmung und Empfindung von Informationen. Das ist eine komplexe Hirnleistung. Die physiologische Wirkung körperfremder Substanzen auf den Organismus ist eine andere Geschichte. Da gehts eher um Stoffwechselprozesse usw.. Ein Hochsensibler metabolisiert ja nicht automatisch langsamer. Ein im Wesen unsensibler Mensch verträgt auch bestimmt nicht mehr Neuroleptika, bevor er benebelt ist. Vielleicht eher andersrum. Bevor dem Hochsensiblen die Lichter ausgehn, brauchts sogar mehr Dopaminblocker. Der kriegt ja bei gleicher Sedierung immer noch viel mehr mit. Da musst Du mich noch überzeugen. :)

Bei Deinem Psychiater auch. Da wär ich einfach ganz unsensibel nach Hause marschiert, anstatt mich von ihm einweisen zu lassen. Eine miese Geschichte war das.

Grüße
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 02.12.15, 22:00

Hallo Thomas,

das sind gute Bedenken. Ich habe es mir immer so vorgestellt, dass ein sensibles Nervensystem schon auf feinste Veränderungen von Neurotransmitter reagiert.
Aber wie ist das physiologisch?
Hochsensible filtern weniger Reize. Das heißt, sie sind an ein ziemlich hohes Reizlevel gewöhnt.
Könnte es sein, dass es sie einfach mehr stört, wenn man ihre Reizweiterleitung runterdimmt? Dass sie sich schon merkwürdig fühlen, wenn sie aber eigentlich immer noch genug Reize bekommen?

Ich habe jetzt im Netz keine wirkliche neurologische Untersuchung von HSP finden können, suche aber weiter.
Thomas hat geschrieben:Bei Deinem Psychiater auch. Da wär ich einfach ganz unsensibel nach Hause marschiert, anstatt mich von ihm einweisen zu lassen.
Die Türen blockierten automatisch und plötzlich stand ein kräftiger Pfleger vor der Tür ( es war ja eine PIA) . Und ich prügle mich doch so ungern 8-)

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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Thomas » Donnerstag, 03.12.15, 13:17

Hallo Arian,

ich denk einfach, man kann die Sensibilität im Sinne von HS nicht mit den Wirkungen von Medikamenten in einen Topf werfen. Neurologische Erklärungsansätze gibts laut Wiki schon ein paar. Geringer ausgeprägte Dämpfung von Erregungspotenzialen und höhere Aktivität der Großhirnrinde, mehr Reize werden im Hirn als "wichtig" eingestuft, erhöhter Cortisolspiegel etc.. Ich würde es eben als komplexe Hirnleistung bezeichnen. Es findet sicher in bestimmten Bereichen auch mehr Hirnaktivität statt, als im Durchschnitt. Nicht umsonst wird auch eine Korellation zwischen Sensibilität und Intelligenz festgestellt. Eine reine Reizüberflutung ist das nicht. Die eine Erklärung wirds dafür ohnehin nicht geben und braucht man vielleicht auch nicht. Ich mag nur zu vereinfachte Hypothesen nicht erfinden oder annehmen. Weil man dann schnell falsche Schlüsse draus zieht. Sowas wie, ich vertrage nur die Hälfte oder wie auch immer weniger Medikamente. Wenn Du was Spannendes dazu findest, würds mich auch interessieren. Sensibilität, ob nun unbedingt gleich "hoch" oder zumindest überdurchschnittlich, betrifft sicher viele Leute im Zusammenhang mit Psychiatrie und Psychopharmaka, denn aufgrund bestimmter Eigenheiten sind wir ja dahin gelangt.

Deine Einweisungsgeschichte wird mir immer unheimlicher. Will es auch nicht falsch verstanden haben. Du hast diese Zwangseinweisung ja nicht verursacht oder irgendwas falsch gemacht. Im Nachhinein kann man nur überlegen, wie mans hätte vermeiden können. Vielleicht wäre es bei diesem Typ klüger gewesen, die Rezepte einfach anzunehmen und damit dann zu machen, was Dir beliebt. Den Psychiatern von was und erst recht vom Absetzen zu überzeugen, ist eh ein fast unmögliches Unterfangen. Dass der so reagiert, konntest Du nicht ahnen.
Zuletzt geändert von Thomas am Donnerstag, 03.12.15, 17:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Arianrhod » Donnerstag, 03.12.15, 16:26

Thomas hat geschrieben:m Nachhinein kann man nur überlegen, wie mans hätte vermeiden können. Vielleicht wäre es bei diesem Typ klüger gewesen, die Rezepte einfach anzunehmen und damit dann zu machen, was Dir beliebt. Den Psychiatern von was und erst recht vom Absetzen zu überzeugen, ist eh ein fast unmögliches Unterfangen. Dass der so reagiert, konntest Du nicht ahnen
Thomas, du hast Recht. Ich wußte damals, es war 2006, wirklich nicht Bescheid, dass so etwas überhaupt möglich ist. Außerdem wollte ich als "mündige Patientin" den Arzt nicht anlügen. Ich war schließlich erwachsen.
Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann auch angefangen, heimlich zu handeln, zu lügen etc. und mit Apothekerwaage, Tablettenschneider etc zu arbeiten , anstatt mir die kleinere Dosis verschreiben zu lassen.
(ist auch Idee für einen thread "Die besten Hilfsmittel zum Tablettenreduzieren" :wink: )

Bei neuroleptischer Behandlung steht die Zwangsbehandlung immer mit im Hintergrund. Das unterscheidet Neuroleptika meiner Meinung nach von allen anderen Medikamenten.

Ich habe eine Bekannte, die hatte Krebs. Als sie erfuhr, dass sie wegen der Behandlung Bluttransfusionen brauchte, verweigerte sie das aus religiösen Gründen.
Ich fragte: "Und was hast du getan?"
Sie: "Ich packte mein Klinikköfferchen und bin gegangen."

Keinem Menschen ist eingefallen, zu sagen, sie handle selbstgefährend und müsste zwangsweise mit einer Chemotherapie behandelt werden!
Aber wenn meine Freundin die Verfügungsgewalt über ihren Körper und ihre Gesundheit hatte, warum wird es anderen verwehrt?

(Die Geschichte mit meiner Freundin ging gut aus. Sie versuchten in einer anderen Klinik eine Art der Behandlung, die ohne Transfusionen auskommt, und die war erfolgreich. :) )

liebe Grüße Arianrhod
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Hochbegabung

Beitrag von Arianrhod » Sonntag, 27.11.16, 17:00

Verwandt mit dem Thema der Hochsensibilität ist die Hochbegabung
on Hochbegabung wird gesprochen, wenn die intellektuelle Auffassungsgabe eines Menschen, seine Kombinationsfähigkeit und Merkfähigkeit so groß sind, dass sie dem Durchschnitt der Menschen überlegen sind. Hochbegabungen im Erwachsenenalter treten bei etwa 2-3% auf,
Gerade bei älteren Erwachsenen kann es sein, dass sie nichts von ihrer Hochbegabung wissen. Denn Hochbegabung bedeutet nicht automatisch Höchstleistung. Erst in den Neunzigern wurde dem Thema Aufmerksamkeit geschenkt.
Bei Erwachsenen, bei denen eine Hochbegabung noch nicht festgestellt wurde, fällt aber oftmals auf, dass sich diese Personen schlecht in das soziale Umfeld integrieren können, dass sie wenige Freunde haben und dass sie mit alltäglichen Dingen des Lebens (z.B. der Organisation des Haushaltes etc) große Probleme haben. Auch die Spezialinteressen, die hochbegabte Erwachsene haben, sind oftmals ein Anhaltspunkt für diese Fähigkeiten.
Hochbegabte, die nicht wissen, was mit ihnen los ist, leiden oft unter der Ablehnung der Umwelt .
Eine Depression entsteht meistens dann, wenn die Reaktionen des Umfeldes auf einen komplett wahrgenommen und nachempfunden werden können, aber die Gründe weshalb andere Menschen auf einen so reagieren nicht gesehen werden. Hochbegabte sehen ihre Fähigkeit nicht unbedingt als etwas „besonderes“ an, und so denken sie, sie unterscheiden sich nicht von ihrem Umfeld. Die Diskrepanz zwischen Ursache und Wirkung ist also Hauptauslöser von Depressionen bei Hochbegabten.
Ähnlich wie bei den Asperger- Autisten ( aber nicht zu verwechseln, denn Hochbegabte sind neuro-normal ) kann es dazu kommen, dass Psychiater nicht verstehen, was mit dem Patienten los ist und eine ganz andere Diagnose stellen.. Hochbegabte neigen dazu, Hierarchien zu ignorieren und andere als gleichwertig zu behandeln. Das sieht aber ein Psychiater, der sich seinem kranken Patienten überlegen glaubt, natürlich ganz anderrs....
besonders wenn es sich um einen Un der- Archiever handelt, also um einen Hochbegabten, der keinen tollen Job hat, sondern erstmal ganz "gewöhnlich" wirkt.
st die Diagnose einer Hochbegabung gestellt, muss beachtet werden, dass es sich dabei nicht um eine Erkrankung sondern um eine Fähigkeit handelt. Aus diesem Grund muss nicht in Richtung Heilung oder Behandlung gedacht werden, sondern in Richtung Förderung
alle Zitate aus https://www.dr-gumpert.de/html/hochbega ... senen.html

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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Arianrhod » Freitag, 06.01.17, 16:42

Das Buch von Andrea Brackmann: "Jenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel?" aus dem Verlag Klett-Cotta kommt im Abschnitt "Psychotherape mit hochbegabten Erwachsenen" hochbegabt meint hier grob gesagt einen IQ von 130 und höher, zu der Erkenntnis, dass
Bei Nichtkenntnis der mit einer Hochbegabung verbundenen Phänomene kann es...zu folgenschweren Fehldiagnosen kommen. Der Therapeut mag den Klienten als hochmütig, stark von sich eingenommen und unangepasst wahrnehmen und etwa die Diagnose einer narzistischen Störung stellen. Bei hoch intellektuellen , sehr introvertierten und äußerlich angespannten , hölzern wirkenden Klienten könnte eine schizoide PS vermutet werden. Klienten, die hoch empfindlich sind und starken Stimmungsschwankungen unterliegen, erhalten möglicherweise die Diagnose einer manisch- depressiven Erkrankung.....
S. 184 ebenda

Ich könnte mir vorstellen, dass diese Fehleinschätzung bei Psychiatern noch heftiger sein kann als bei Psychotherapeuten. Psychotherapeuten sind gesprächsgeschult und erwarten geistige Mitarbeit vom Klienten, so dass ein intelligenter Klient eher willkommen ist.
Psychiater erwarten compliance - Unterwerfung, ausschließlich auf Grund ihres Status. Hochbegabte erkennen Autoritäten an, aber nur, wenn sie tatsächlich überlegen sind. So könnte ihre Haltung sein: "Du hast was anderes studiert als ich - na und? Hätte ich Psychiatrie studiert, wüßte ich genauso viel wie du oder mehr. Ich brauche deinen Rat und deine Hilfe, weil ich mit einem Problem gerade nicht weiter komme. Aber ich selbst bin in der Lage, meine Probleme zu analysieren und ich werde dir Rückmeldung geben, wenn dein Therapievorschlag nicht zielführend ist bzw. möchte gerne die Therapie mit dir diskutieren"
Der Psychiater reagiert auf solch eine Haltung .....? Nun, kann man sich denken oder.? :o

liebe Grüße Arian
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Arianrhod » Freitag, 06.01.17, 16:53

Thomas hat geschrieben:
Nein, man braucht weniger Medikamente, weil das Nervensystem ja auf geringe Reize reagiert. Dafür hat man dann schneller Nebenwirkungen als alle anderen.
Das versteh ich nicht. Hochsensibel meint doch eine besonders ausgeprägte Fähigkeit der Wahrnehmung und Empfindung von Informationen. Das ist eine komplexe Hirnleistung. Die physiologische Wirkung körperfremder Substanzen auf den Organismus ist eine andere Geschichte. Da gehts eher um Stoffwechselprozesse usw.. Ein Hochsensibler metabolisiert ja nicht automatisch langsamer. Ein im Wesen unsensibler Mensch verträgt auch bestimmt nicht mehr Neuroleptika, bevor er benebelt ist. Vielleicht eher andersrum. Bevor dem Hochsensiblen die Lichter ausgehn, brauchts sogar mehr Dopaminblocker. Der kriegt ja bei gleicher Sedierung immer noch viel mehr mit. Da musst Du mich noch überzeugen. :)

Hi Thomas,
In dem Buch, was ich gerade vorgestellt habe https://www.klett-cotta.de/buch/Beratun ... ibel_/5318, geht es u. a. um Schmerzmittel bei Hochsensiblen. Die Autorin meint :
- HS sind schmerzempfindlicher als der Durchschnitt. Ihr Nervensystem reagiert sehr sensibel auf Reize, eben auch auf Schmerzreize.
- Gleichzeitig vertragen sie Schmerzmittel aber auch schlechter, weil ihr Nervensystem eben auf kleinste Änderungen reagiert. Das bedeutet, sie haben dann auch oft Nebenwirkungen, paradoxe Wirkungen etc.

( Und der Arzt hat einen Patienten, der sich IMMER beschwert. Einmal wegen Schmerzen, das zweite mal wegen Nebenwirkungen..... ihm sehr sympathisch, dieser Patient..... :roll: )

Ähnlich ist das eventuell mit Psychopharmaka?

Ein Kompromiss wäre es, ja erstmal mit einer Minidosis anzufangen und zu gucken, ob und wie sie hilft. Psychiater machen das leider nicht immer.
Als ich sagte, dass 25 mg Seroquel anstatt 800 mg für mich okay wären, meinte der Arzt: "Dann bräuchten Sie sie gar nicht mehr nehmen, diese Dosis ist jetzt homöopathisch."
Dennoch - warum soll es nicht psychotische Patienten geben, die mit so einer niedrigen Dosis ihre psychotischen Symptome schon weghaben?

liebe Hrüße Arian
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Arianrhod » Dienstag, 10.01.17, 14:56

Eine hochbegabte junge Frau in der Psychiatrie ( nicht wegen ihrer Hochbegabung, sondern wegen psychischer Probleme).
Sie beschreibt nichts wirklich Schlimmes. Aber die "sprachlose Psychiatrie" ist für Menschen, die jemanden suchen, mit wem sie ihre Probleme besprechen können, eben auch nicht hilfreich.
https://www.youtube.com/watch?v=ZhQkR84kW1Y
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ubik
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Was ist der Unterschied zwischen hochsensibel und Schizophrenie?

Beitrag von ubik » Donnerstag, 02.02.17, 18:51

Hallo,

was ist der Unterschied zwischen hochsensibel und Schizophrenie?

Wo sind da die Übergänge?

Bei Schizophrenie scheint man ja auch überrollt von Sinneswahrnehmungen, genaus wie bei Hochsensibilität, oder sehe ich das falsch?

Was ist der Unterschied?
Symptome jetzt: Diffuse Missempfindungen und Schmerzen in verschiedenen Körperbereichen
Symptome vorher: Dyskinesie (Würgen mit der Zunge), Schlechte Kopfhaut
Noch frühere Symptome: Schmerzen in den Beinen, Unruhe in den Beinen, Schläfrigkeit tagsüber, Bewusstseinstrübung, Krämpfe am Kopf, Schluckstörungen

Medikation:

2009: Riserpdal Consta 50 mg Depotspritze, Abilify 15 mg, Orfiril 800 mg wegen Psychose

2010: Risperdal Depotspritze abgesetzt, Orfiril abgesetzt, Abilify bei 10 mg

2011: Alle Medikamente nach und nach abgesetzt

2012: Rückfall Psychose, Zeldox 40-0-60 mg und Citalopram 30 mg morgens

Anfang 2013: Alle Medikamente abgesetzt, bis auf Zeldox 20 mg

2013: Erneuter Rückfall oder Absetzerscheinungen (?) Dann Zeldox 60-0-60 mg und Venlafaxin 75,5 - 0 - 75,5 mg

Ende 2013: Venlafaxin abgesetzt, Mirtazapin 10 mg abends eingeschlichen, Zeldox auf 40-0-60 mg reduziert

Ende 2013- Mitte2014: Mirtazapin ausgeschlichen. Heftigste Symptome wie Schmerzen am ganzen Körper

2014: Escitalopram 10 mg eingeschlichen.

Ab Ende Januar 2016: Escitalopram wird auf 7 mg reduziert

Ab Mitte April 2016: Escitalopram wird auf 5 mg reduziert

Ende Mai 2016: Escitalopram auf 4 mg reduziert. Zeldox auf 30-0-40 mg. (Weil man es nicht mehr aushalten kann)

1. Juli 2016: Zeldox auf 40-0-40 mg und Escitalopram 5 mg.

4. Oktober 2016: Zeldox auf 40-0-20 mg und Escitalopram 5mg

25. Dezember 2016: Zeldox auf 20-0-40mg und Escitalopram 5mg morgens

24. Januar 2017: Zeldox auf 20-0-35mg und Escitalopram 5mg morgens.

Aktuelle Dosis: Zeldox 20-0-40 mg und Escitalopram 5-0-0 mg, seitdem bessere Bewegungsabläufe und allgemeines besseres Vitalitätsgefühl.

Jamie
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Jamie » Donnerstag, 02.02.17, 23:43

Hallo ubik,

da es bereits einen bestehenden "hochsensiblen Thread" gibt gibt, habe ich deine Anfrage mit dem bereits existierenden zusammengelegt.

Grüße
Jamie
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von LinLina » Freitag, 03.02.17, 11:14

Hallo ubik,

Zunächst einmal ist Schizophrenie eine psychiatrische Diagnose, die sich auf verschiedene Kriterien stützt. Hochsensibilität ist keine psychiatrische Diagnose, sondern eher eine Selbsteinschätzung.

Generell kann man glaube ich sagen, dass manche Eigenheiten von Hochsensiblen auch recht häufig auf Menschen mit Schizophreniediagnose zutreffen, aber umgekehrt haben hochsensible ohne Schizophrenie keine schizophrenen Symptome (oder zumindest nicht annähernd in dem Ausmaß, das eine Diagnose rechtfertigen würde)

.................................................................................

Offizielle mögliche Hauptsymptome der Schizophrenie sind (in Klammern meine einschätzung ob die Symptome auch auf Hochsensible zutreffen)

"abnorme" Erlebnisweise

Symptome ersten Ranges
Dialogische Stimmen, Kommentierende Stimmen, Gedankenlautwerden (keine Eigenschaft von Hochsensibilität)
Leibliche Beeinflussungserlebnisse (keine Eigenschaft von Hochsensibilität)
Gedankeneingebung, Gedankenentzug. Gedankenausbreitung, Willensbeeinflussung (keine Eigenschaft von Hochsensibilität)
Wahnwahrnehmung (keine Eigenschaft von Hochsensibilität)

Symptome zweiten Ranges

Sonstige akustische Halluzinationen (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, allerdings kann es passieren dass man Geräusche wahrnimmt, die andere nicht hören können)
Zönästhesien im engeren Sinne (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, aber empfindlichkeit kann als solche gedeutet werden, kommt auch bei einer vielzahl psychiatrischer Diagnosen und evlt. bei Asperger vor)
Optische Halluzinationen, Geruchshalluzinationen, Geschmackshalluzinationen (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, aber intensivere Wahrnehmung kann als Halluzination gedeutet werden)
Einfache Eigenbeziehung, Wahneinfall (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, kommt auch bei andren psychiatrischen Diagnosen vor)

"abnormer" Ausdruck

im weiteren Sinne

Formale Denkstörungen: (Denkzerfahrenheit und Gedankenabbrechen) (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, kommt auch bei anderen psych. Diagnosen vor)
Katatone Störungen (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, kommt auch bei anderen Diagnosen/Erkrankungen/durch Substanzen vor)
Affekt und Kontaktstörungen(keine Eigenschaft von Hochsensibilität, kommt auch bei anderen Diagnosen vor, Kontaktstörungen typisch bei Asperger)
Ausdrucksstörungen im engeren Sinne (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, kommt aber auch bei anderen psych. Diagnosen und bei Asperger vor)

im engeren Sinne
Psychomotorik: „Verlust an Grazie“ (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, aber für Asperger-Autismus)
Mimik: „Paramimie“ (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, aber für Asperger Autismus)
Sprachlicher Ausdruck: Neologismen, Flickworte, Verschrobene Sprache (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, aber für Asperger Autismus)
Ganzheitliche Ausdrucksverzerrungen: distanzloses oder bizarres Verhalten (keine Eigenschaft von Hochsensibilität, kann in gewisser Weise auch bei Asperger Autismus auftreten und natürlich bei anderen psych. Diagnosen)

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Symptome_ ... izophrenie

...................................................................................

Du siehst also, es gibt sehr wenige Kriterien, die für eine Schizophreniediagnose ausschlaggebend sind und die man unter Umständen mit Eigenschaften der Hochsensibilität verwechseln könnte, und diese sind alle symptome zweiten ranges bei der "abnormen erlebnisweise" (rot markiert).

Viel mehr Verwechslungsgefahr besteht bei Asperger Autismus und Schizophrenie-Symptomen.

Es kann auch durchaus sein, dass man einfach sehr unsicher ist, etwas unbeholfen im zwischenmenschlichen Kontakt, besonders reizoffen (und evtl. hochsensibel), und/oder eine tendenz zu asperger-Autismus hat und dadurch die Diagnose Schizophrenie bekommt, echt schlimm. Mit so einer Diagnose die sehr stigmatisierend sein kann sollte man meiner Meinung nach sehr vorsichtig sein.

Liebe Grüße
Lina
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Arianrhod » Freitag, 03.02.17, 20:43

Hallo,
bei Hochsensibilität fehlen beide Leitsymptome, die eigentlich als einziges für eine Psychose ausschlaggebend sind:
- Halluzinationen
- Wahn
Alles andere ist keine Psychose, selbst wenn es so diagnostiziert wird.
Die Gemeinsamkeit zur HS ist die Reizoffenheit. Da hat HS aber mehr mit ADHS und Autismus gemein .
Eventuell gibt es jedoch ein Spektrum von einer Filterschwäche zu einer Filterstörung .

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von padma » Mittwoch, 22.02.17, 17:24

Tipps von Ubik
Du kannst auch versuchen täglich mal die Augen für ein paar Minuten zu schließen. Das entspannt.

Du kannst auch die Methode des Open Focus anwenden. Hier mal eine Anleitung dazu: http://hochsensibelsein.de/open-focus-e ... des-raums/

Wenn du im Open Focus bist, dann bist du entspannt. Da muss man allerdings erst einmal hinkommen :-)

Wenn man im Open Focus ist, dann arbeitet das Gehirn mit Alphawellen.

Du könntest auch einfach mal auf deinen Atem achten. Ohne dabei etwas zu machen. Vielleicht schaffst du es ihn auch zu zählen. Beeinflusse aber den Atem nicht. Auch dann befindest du dich in einem entspannten Zustand, wenn du das schaffst.
viewtopic.php?p=180497#p180497
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Re: Das Konzept der Hochsensibilität. (HS)

Beitrag von Alex77 » Mittwoch, 26.04.17, 23:41

Meine leibliche Mutter hat eine chronische Psychose. Da wird häufig eine Hochsensibilität vererbt, die dann wiederum anfälliger für psychische Erkrankungen macht.

Ich habe einen sehr starken Gerechtigkeitssinn und kann mich sehr schlecht unterordnen wenn ich meinen Gegenüber nicht als "unterordnungswürdig" empfinde. Egal ob Chef oder Prof. Das macht mir bisher das Leben recht schwer. Und ich soll mathematisch und kognitiv über dem Durchschnitt sein.
Und ich komme meist der Flut an Reizen von Aussen gar nicht hinterher. Ich brauche ewig um die zu sortieren und muss mich dafür immer wieder "rausziehen" und neu sortieren.
Ihn reagiere auch sehr intensiv auf empfundene Bedrängnis und schwierige/belastende Situationen. Entweder ich erstarre und verschwindet vorerst in der Versenkung bis das verarbeitet ist oder ich gehe zu Angriff und Konflikt über. Hilft mir auch nicht gerade im Alltag klar zu kommen, aber ich bin meistens so überrumpelt, dass ich gar nicht adäquat reagieren und mich "schützen" kann. Anpassungsstörung???

Mir wurde alleine aufgrund meiner Biografie ein Borderline angedichtet. Und jetzt wurde das auf schizoid erweitert mit Tendenz zu psychotischen Symptomen (denke Richtung paranoid wegen bedroht fühlen) plus eine wiederkehrende Depression...ich halte das eher für eine etwas eigenwillige Verarbeitungsstrategie meinerseits. Und ich mag meine Melancholie :-)

Warum muss man immer aus einer Mücke einen Elefanten machen...

LG,
Alex77
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JamiepadmaArianrhodshenoa
1999 erster Verdacht Borderline durch einen
niedergelassenen Psychiater auf Grund meiner
Anamnese und der Suchtsymptomatik

1999/
2000 stationäre Langzeittherapie Sucht

etwa
2002-
2009 Versuche der Medikation mit Atosil, Mirtazapin,
SSRI und Doxepin

2010 Mini-Me bekommen

etwa
2013-
heute auf Grund starker Angstzustände alleinerziehend
und wiederkehrender depressiver Symptome
Einschleichen Citalopram von 10mg auf 30mg,
mit im ersten Jahr vor Allem angstlösender
Wirkung und dem Gefühl sich mehr der Welt
öffnen können

seit
Anfang
2016 zunehmende innere Unruhe, Stumpfheitsgefühl,
zunehmend fahrig und Einschlafstörungen
inklusive der Überlegung Krückstock Citalopram
runter zu dosieren um Ist-Zustand zu überprüfen

1'2017 ADFD-Forum gefunden :-)

seit 11.02.2017 von 30mg Citalopram auf ca 22,5mg
runter
22.02.2017 runter auf 20mg Citalopram
31.03.2017 runter auf 15mg Citalopram
seit 20.04. 10mg Citalopram
seit 30.04. 5mg Citalopram
seit ca 12.06.17 auf Null :zombie:

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