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Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behandlung

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Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behandlung

Beitrag von sinua » Freitag, 13.03.15, 14:13

Triggerwarnung: diese Doku ist wirklich sehr gut, aber sehr intensiv - wer im Moment nicht stabil ist, sollte sehr vorsichtig sein.

Hallo,

ich habe gestern einen Dokumentarfilm über Schizophrenie und deren Behandlung gesehen, der mich sehr beeindruckt hat.
Die Betroffenen wurden behutsam und wertschätzend dargestellt, die Entstehung der Krankheit so weit wie möglich nachvollzogen, die Verbreitung der These des "chemischen Ungleichgewichts" (mit Fokus auf Dopamin) und der endogenen/angeborenen Störung kritisch betrachtet und widerlegt und die Bedeutung von intensiver und "menschlicher" Psychotherapie unterstrichen.
Sehr interessant war auch, in dieser Doku Dr. Peter Breggin im Interview zu sehen, nach dessen Empfehlungen ja viele hier ausschleichen. Aber auch die anderen Interviewten Fachleute haben sehr interessante und sehr menschenwürdige Ansichten geäußert.

Ein Aha-Effekt war, dass Schizophrenie eine Art Schutzmechanismus der Psyche sein kann. Das klingt so jetzt vielleicht komisch, aber die Doku erklärt es gut.
Eine andere Erkenntnis für mich war, dass laut WHO(Welt-Gesundheits-Organisation)-Statistik die Einnahme von Psychopharmaka die Heilung hemmen kann.

Ich finde diese Doku sehr bereichernd und ermutigend, auch als Nicht-Schizophrenie-Betroffene:
https://www.youtube.com/watch?v=H_3ct_TqpGY

Liebe Grüße,
Sinua
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behand

Beitrag von Murmeline » Freitag, 13.03.15, 14:28

Danke für diesen Beitrag. Die schaue ich mir gleich am Wochenende mal an! Hab Du ein schönes solches. Grüße Murmeline
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behand

Beitrag von Oliver » Freitag, 13.03.15, 14:58

Wow danke Sinua,

ich habe mir jetzt die ersten 10 Minuten angeguckt und das ist extrem gut, aber auch harter Stoff und auch von der Machart her sehr intensiv! Deshalb habe ich an den Anfang Deines Beitrages eine Triggerwarnung gesetzt, dass da niemand unvorbereitet reinstolpert.

Vielen Dank für diesen Fund - ich führe mir jetzt gleich den Rest zu Gemüte, nachdem ich meinen Taschentuchvorrat aufgestockt habe.

Alles Gute
Oliver
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behand

Beitrag von Monalinde » Samstag, 14.03.15, 10:26

Hallo,

mich hat die Berichtestattung im ersten Moment schon etwas erschreckt, weil ich gefunden habe, dass der Film auch irgendwie fast reisserisch aufgemacht worden ist. Ich finde, dass man die Befragung des Puplikums hätte nicht in diesem Umfang , ausdehnen müssen. Der Umgang mit den Betroffenen selbst, war gut gemacht. Wahrscheinlich muss man sich mit deutschem Temperament auch an die etwas andere amerikanische Erzähl- -und darstellungswelt gewöhnen.
Was mich sehr beeindruckt hat, war, dass es nach unzähligen Behandlungen gelungen ist, die Betroffene weitgehendst von ihren schweren Krankheitssymptomen zu befreien, ohne Zuhilfenahme von Medikamenten. Ich halte es aber durchaus für möglich, dass auch diese schwere Erkrankung einen unbewussten Schutzmechanismus für den Betroffenen darstellen kann. Bleibt die unbeantwortete Frage, warum der eine eine so schwere Erkrankung erleidet, ein anderer hingegen nicht.
Ganz interessant auch und auch überzeugend fand ich Aussagen , dass, vereinfacht ausgedrückt, das chemische Ungleichgewicht im Hirnstoffwechsel bei Schizophrenie noch immer nicht schlüssig nachgewiesen werden kann. Meiner Meinung nach scheint es eher so zu sein, dass Veränderungen im Hirnstoffwechsel durch traumatisierene Erlebnisse, auch nachträglich verändert werden können. Das würde für mich dann den Schluss zulassen, weshalb es, wie dargestellt, möglich ist, diese Erkrankung auch wieder rückgängig zu machen.

Auf jeden Fall danke Sinua, dass du den Film hier eingestellt hast. Ich habe es nicht bereut, ihn mir angeschaut zu haben, obwohl ich ihn als Betroffene, mein Sohn hatte schon einmal eine Psychose, zuerst mit bangem Herzen verfolgt habe.

Es ist wie du es beschreibst, letztenendes ein ermutigender und bereichernder Beitrag,

Mona
2005 bis 2010 Einnahme von Remergil 7,5 mg und Trevilor bis zu 37,5 mg,
2010 bis 2012 Trevilor 37,5 mg ausschließlich,
Diagnose: Angst und Depression

Dezember 2012 auf Null abgesetzt, 10 Prozent im Rhythmus von 14 Tagen ( zu schnell)
Seit Dezembe 2012 im protahierten Entzug.
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( Tinnitus 2011) , Speiseröhrenentzündung, Reflux, Schleim im Hals saures Aufstoßen seit 2014,
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Gelenkschmerzen, Schwindel, Schüttelfrost, Zwangsgedanken, Ohrwürmer, Neuroemotionen, Durchfälle)

2018:
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behand

Beitrag von sinua » Sonntag, 15.03.15, 1:31

Hallo,

Oliver, das ist eine gute Idee mit der Warnung, daran hatte ich gar nicht gedacht. Als ich schrieb, dass die Betroffenen behutsam dargestellt werden, meinte ich nicht, dass das leichte Kost ist, sondern dass sie uns Zuschauern irgendwie nahegebracht werden.

Murmeline, danke, dir auch ein schönes Wochenende.

Mona, ja die ständigen Einblendungen der Umfrage fand ich auf Dauer auch nervig. Aber vielleicht ist das ja ein absichtlich gewähltes Stilmittel: alle wiederholen dauernd im Brustton der Überzeugung die falschen Slogans der Pharmaindustrie und verbreiten sie weiter. So wird ein gesellschaftliches Klima geschaffen, das es Betroffenen, Ärzten und Angehörigen sehr erschwert, einen anderen Weg (z.B. ohne Medikamente) zu gehen.
Und ich glaube genau wie du, dass die amerikanische Kultur die Machart beeinflusst hat.
Ich kann gut verstehen, dass es für dich besonders intensiv war. Ich freue mich, dass du etwas Positives daraus für dich mitnehmen konntest.

Die Doku handelt ja nicht von Depressionen, aber einiges habe ich dann doch erweitert und auf mich angewendet. Ich bin sowieso seit einigen Monaten überzeugt, dass die Art Depression, die ich hatte, heilbar ist. Es ist ein schwieriger, langer Weg und es gibt keine Garantie, aber ich trage diese Grundüberzeugung irgendwie in mir. Die Doku hat einige meiner Denkansätze bestärkt.
Z.B. die Aussage des einen Therapeuten in der Doku, dass er selbst genauso krank wäre und in genau der selben Art wie seine schizophrenen Patienten, wenn er an ihrer Stelle ihr Leben gelebt hätte. Da habe ich mir gedacht, ich glaube, das trifft auf mich auch zu: wenn ein anderer Mensch an meiner Stelle genau mein Leben gelebt hätte, es würde mich nicht wundern, wenn er auch Depressionen hätte.
Oder dass die Funktionsweise und Beschaffenheit des Gehirns anscheinend nicht in Stein gemeißelt sind, sondern sich ändern können. Dass unwahrscheinliche Veränderungen möglich sind. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass z.B. Depressive eine andere Gehirnstruktur haben als Nicht-Depressive (irgendein Teil des Gehirns ist größer, ein anderer dafür kleiner - welche das waren, habe ich leider vergessen, da ich mich mit den Fachbegriffen nicht so auskenne). Aber ich habe z.B. auch gelesen, dass regelmäßige Meditation die Gehirnstruktur verändert und das auch nachweisbar/messbar ist. Ich sehe an mir, was für Veränderungen im Denken, Fühlen und Verhalten es geben kann und glaube daran, dass ein gesundes Leben ohne Medikamente für mich möglich ist. Und ich hoffe, dass es das für andere auch ist.
Naja, und noch ein paar andere Dinge, aber ich weiß nicht, ob das alles überhaupt hierher passt :)
Liebe Grüße,
Sinua
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behand

Beitrag von Murmeline » Sonntag, 15.03.15, 1:51

Hallo Sinua,

es ist schön zu lesen, was Du aus der Doku für Dich und Dein Leben mitnimmst. Was Du bezüglich Heilung von Depressionen und neuroplastischem Gehirn schreibst - da stimme ich Dir zu!

Grüße Murmline
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behand

Beitrag von Oliver » Sonntag, 15.03.15, 10:01

sinua hat geschrieben:Z.B. die Aussage des einen Therapeuten in der Doku, dass er selbst genauso krank wäre und in genau der selben Art wie seine schizophrenen Patienten, wenn er an ihrer Stelle ihr Leben gelebt hätte. Da habe ich mir gedacht, ich glaube, das trifft auf mich auch zu: wenn ein anderer Mensch an meiner Stelle genau mein Leben gelebt hätte, es würde mich nicht wundern, wenn er auch Depressionen hätte.
Sowas finde ich auch total wertvoll, wenn erfahrene Therapeuten "zugeben", dass seelisches Leid und unsere Reaktionen darauf (seien das jetzt depressive, manische oder psychotische Zustände oder was auch immer), eine nachvollziehbare Ursache haben, die in der Lebensgeschichte der Betroffenen liegen.
sinua hat geschrieben:Oder dass die Funktionsweise und Beschaffenheit des Gehirns anscheinend nicht in Stein gemeißelt sind, sondern sich ändern können. Dass unwahrscheinliche Veränderungen möglich sind. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass z.B. Depressive eine andere Gehirnstruktur haben als Nicht-Depressive (irgendein Teil des Gehirns ist größer, ein anderer dafür kleiner - welche das waren, habe ich leider vergessen, da ich mich mit den Fachbegriffen nicht so auskenne). Aber ich habe z.B. auch gelesen, dass regelmäßige Meditation die Gehirnstruktur verändert und das auch nachweisbar/messbar ist.
Das Thema Neuroplastizität nimmt schon seit einigen Jahren an Fahrt auf und krempelt die althergebrachten Vorstellungen über das Gehirn grad völlig um. Ich lese gerade auch einiges zu dem Thema, weil ich mich momentan aufgrund meiner eigenen Geschichte viel mit dem Thema Sucht beschäftige. Was ich da gerade so lerne, stärkt in mir die Überzeugung, dass die von den AA seit den 30ern des letzten Jahrhunderts verbreitete Vorstellung von Alkoholismus (und nach und nach allen anderen Süchten) als chronischer, unheilbarer Krankheit gelinde gesagt, etwas an der Realität vorbeigeht.
sinua hat geschrieben:Ich sehe an mir, was für Veränderungen im Denken, Fühlen und Verhalten es geben kann und glaube daran, dass ein gesundes Leben ohne Medikamente für mich möglich ist. Und ich hoffe, dass es das für andere auch ist.
Naja, und noch ein paar andere Dinge, aber ich weiß nicht, ob das alles überhaupt hierher passt :)
Ich würde definitve gerne mehr von Dir dazu lesen ... vielleicht in Deinem eigenen Thread?

Alles Gute
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behand

Beitrag von Monalinde » Sonntag, 15.03.15, 11:12

Vielleicht kannich ein bisschen Mut machen. Ich habe im Laufe meines langen Lebens insgesamt drei sehr schwere Depressionen erlebt, wobei es dafür immer schwerwiegende triftige Gründe gab. Ich war damals durch die lebensbedrohliche Erkrankung meiner damals kleinen Kinder, (vorübergehende Impfschäden Pockenschutzimpfung) vollkommen überfordert mit dem Leben und fühlte mich auch den kleinsten Anforderungen nicht mehr gewachsen. Es gab aber auch niemanden, der mir beigestanden hätte. "Ach, das kann doch alles nicht so schlimm sein !"
Von den ersten beiden Depressionen, die zweite, kam Jahrzehnte später, hing ebenfalls mit Überforderung zusammen (Demenz der Mutter, Tod des Vaters, Stress im Beruf) habe ich mich zwar nur sehr langsam aber doch auch vollständig erholt, soweit ich das beurteilen kann.

Ich denke schon, dass an Hand meiner Lebensgeschichte somit vieles für für die Neuroplastizität des Gehirns spricht, selbst wenn meine Thera immer noch von Narben auf der Seele redet.

Und nun schlussendlich die dritte Depression, die längste und nachhaltigste bisher. Was Ängste und Stimmungen anbelangt, kann ich spüren, dass ich immer mehr zu der Person werde, die ich früher einmal war, allerdings um die Erfahrung der Depression reicher. Und dies, nachdem ich mittlerweile 72 Jahre alt geworden bin.

Ich muss noch immer mit vielen körperlichen Symptomen, zahlreichen Entzugserscheinungen aufgrund der langen Zeit der Medikamenteneinnahme und insgesamt einer nicht leichten Lebenssituation kämpfen,
und trotzdem geht es nicht mehr abwärts. Besserung kommt manchmal kaum merklich angeschlichen, ohne großes Zutun, meistens, wenn man damit nicht mehr rechnet. Aber über den Berg bin ich noch nicht und ich weiss auch nicht, ob es so bleiben wird. Ich habe gelernt zu warten und für jede Stunde, in der es mir gut geht, zu danken. Ich glaube, dass es um so besser wird, je mehr ich wieder am Leben teilnehmen kann, und mich nicht mehr ausschließlich um mich selbst drehe. Vielleicht ist das aber auch nur eine Folge der Besserung und nicht mehr.

Was ich damit sagen will? Wenn noch in meinem Alter nach einer so langen Depressionskarriere und Medikamenteneinnahmezeit eine Erholung möglich ist, trotz vielleicht auch veränderter Gehirnstrukturen, dann sollte das das um so mehr für Menschen gelten, die noch am Anfang ihres Lebens oder in der Lebensmitte stehen und noch nicht so viele Depressionen durchgemacht haben wie ich.

Und wenn selbst eine Schizophrenie manchmal noch zu heilen ist, dann stehen die Chancen nicht ganz so schlecht für uns, oder?

Mona
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behand

Beitrag von Murmeline » Sonntag, 15.03.15, 11:21

Liebe Monalinde,

auch Dir vielen Dank dafür, dass Du Deine Gedanken teilst. Ich habe gerade keine Zeit, darauf einzugehen, aber Deine Lebensgeschichte hat mich sehr berührt.
Magst Du das ganze auch noch hier reinkopieren? Ich finde, das sind alles sind wichtige Erkentnisse und Entwicklungen und definitiv ist es auch eine Erfolgsgeschichte.
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=7526

Danke und ganz liebe Grüße, einen wunderschönen Sonntag für Dich

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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behand

Beitrag von ataraxia » Freitag, 20.03.15, 15:07

Die Doku ist wirklich gut! Wieso nicht immer der Versuch ohne Medikamente gestartet werden kann? Zumindest am Anfang...
Ich hab neulich eine ähnliche Doku gesehen. Hab gesucht, weil eine Freundin von mir Stimmen gehört hat und total fertig war und ich nicht wusste was ich ihr raten sol....
Hier die Doku: https://www.youtube.com/watch?v=64xcZdPr1Wc
Hab sie hier gefunden: http://my-free-mind.at/dokumentationen/
Ursprüngliche Diagnose 2009/10: Angst- und Panikstörung.
Medikation: Citalopram 20-30mg. 3 Jahre genommen.

3 Monate lang ausgeschlichen (zu schnell!), seit Ende April 2013 medikamentenfrei und im protrahierten Entzug

Nach 6 Monaten kleine Besserung, nach 18 Monaten große Besserung! Nach 2 Jahren gesund.

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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behand

Beitrag von sinua » Freitag, 20.03.15, 18:11

Hallo ataraxia,

danke für den Link. Ich habe mir die Doku angesehen und fand sie erfrischend. (Interessant auch zu sehen, dass sie vom gleichen Filmemacher ist.)
Einerseits ist das, was in der Doku als hilfreich beschrieben wird - menschliches Interesse, Respekt, mehr den Menschen als die Diagnose sehen, essen, schlafen, Bewegung, feste Abläufe, sinnvolle Aufgaben, Ansprechpartner zu denen eine menschliche Beziehung aufgebaut wird, voneinander im Alltag lernen... - eine Selbstverständlichkeit, oder sollte es zumindest sein. Umso schlimmer, dass genau das fehlt in der "Behandlung", die Menschen mit psychischen Problemen in unserer Gesellschaft bekommen.
Diese Doku ruft ein Hoch auf die Menschlichkeit aus.

Viele Grüße,
Sinua

P.S.: Es scheint, dass Menschen, denen all dies gefehlt hat (siehe Aufzählung oben), eine erhebliche Besserung erfahren können, wenn sie all diese lebenswichtigen Dinge wieder bekommen... - das ist sehr ermutigend!
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behandlung

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 26.05.15, 23:23

Hallo,

als Ergäzung hierzu ein Artikel des Filmemachers:
http://beyondmeds.com/2011/03/21/finnishopendialogue/

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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behandlung

Beitrag von sinua » Donnerstag, 28.05.15, 12:16

Hallo,
weitere Ergänzung: der 3. Film von Daniel Mackler zum Thema "Open Dialogue", ein finnisches Behandlungskonzept von Psychosen, i.d.R. ohne Medikamente, das die höchsten Heilungsraten weltweit erbringt (ca. 85%):
https://www.youtube.com/watch?v=IsnzUxE7emI mit deutscher Übersetzung.
Das ist übrigens der Film, von dem in Murmelines Link die Rede ist...
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behandlung

Beitrag von sinua » Freitag, 05.06.15, 13:12

Hallo, eine Ergänzung zum dritten Film von Daniel Mackler:
das Behandlungssystem "Open Dialogue" hat die weltweit besten Ergebnisse in der Behandlung von Menschen, die zum ersten Mal psychotische Symptome haben. Den Beteiligten gelingt es mit viel Menschlichkeit, Offenheit und Einbeziehung aller Beteiligten (PAtienten, Angehörige, Psychologen, Psychiater, Pfleger, Therapeuten usw.) sowie mit einem sehr offenen Dialog zwischen all diesen Menschen unter Vermeidung von Klinikaufenthalten und mit so geringer Medikation wie möglich, ca. 85% der Patienten zu heilen, sodass sie gar nicht erst chronifizierte Psychotiker werden. Nur ca. 33% der Patienten bekommen dort überhaupt jemals Neuroleptika, immer so gering dosiert und so kurz wie möglich.
In den USA und Europa ist das Gegenteil der Fall, die medikamentöse Behandlung ist Standard und viele Psychosen chronifizieren sich mit der Zeit, die Heilungsraten sind niedrig. Im Film werden die jeweiligen Zahlen hierzu genannt.

Darüber gibt es auch eine Studie der WHO, die Entwicklungsländer mit geringer Medikationsrate und Entwickelte Länder mit hoher Medikationsrate vergleicht. Für die Heilung von einer Psychose ist es besser, man lebt in einem Entwicklungsland (oder eben in Westlappland, der Heimat des Open Dialogue), dann hat man statistisch gesehen sehr viel größere Chancen, voll gesund, glücklich und leistungsfähig zu werden.
Die standardmäßige Behandlung mit Neuroleptika scheint nicht nur für eine Heilung nicht besonders hilfreich, sondern sogar regelrecht heilungshemmend zu sein.

Weiß jemand, wie diese Studie der WHO heißt und wo man sie findet? Ansonsten googel ich das demnächst mal...
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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behandlung

Beitrag von Oliver » Freitag, 05.06.15, 13:19

Hi sinua,
Weiß jemand, wie diese Studie der WHO heißt und wo man sie findet? Ansonsten googel ich das demnächst mal..
oh jaaa - bitte google und schreibe :)

Aus diesem Thema muss ein Artikel für unsere Webseite werden!

Mich interessiert in diesem Zusammenhang auch, ob es ähnliche Konzepte und Studien für den alternativen Umgang mit anderen Formen seelischen Leids gibt - Depressionen z.B.

Alles Gute
Oliver

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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behandlung

Beitrag von Murmeline » Freitag, 05.06.15, 13:36

Hallo Sinua,

das Konzept von open Dialogue wurde in Deutschland im Rahmen der Trialog-Psychoseseminare aufgegriffen.

Dieser aktuelle Programm-Kinofilm nutzt dieses Konzept (unbedingt anschauen, ich war sehr bewegt!)
viewtopic.php?p=103749#p103749

Zu den Trialog-Psychoseseminaren gibt es hier Infos:
http://trialog-psychoseseminar.de/de/7/ ... inare.html

Ich hab erst irgendwo von der Studie auch gelesen, sie wird gerne zitiert.
Ggf. finde ich das und damit auch die Quelle wieder.

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Re: Tolle Doku: Schizophrenie und nicht-medikamentöse Behandlung

Beitrag von Murmeline » Freitag, 05.06.15, 23:05

Liebe Sinua, bitteschön:

Schizophr Bull. 2000;26(4):835-46.
Revisiting the developed versus developing country distinction in course and outcome in schizophrenia: results from ISoS, the WHO collaborative followup project. International Study of Schizophrenia.
Hopper K1, Wanderling J.

http://schizophreniabulletin.oxfordjour ... 5.full.pdf

Gelesen hab ich es im Original noch nicht :)

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