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Weltweite Erfolgsgeschichten - Benzos absetzen

Benzodiazepine können schon nach wenigen Wochen abhängig machen. Der Entzug dieser Medikamente sollte dann langsam und vorsichtig stattfinden.
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Rosenrot
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Weltweite Erfolgsgeschichten - Benzos absetzen

Beitrag von Rosenrot » Dienstag, 14.11.17, 16:32

Liebe Community, :)

diese Erfolgsstory hat Jamie :) gefunden.


Quelle: https://www.benzo.org.uk/sweden.htm

Übersetzung:


Inge Borg’s Erfahrungsbericht

Gib nicht auf!


Nach einer Zeit schwerer Trauer wurde mir Oxazepam verordnet. Es sollte das Hilfreichste sein. Das sagte der Arzt und – offengesagt – war ich durch die ganze Bestattung ziemlich aufgekratzt.

So lief es einige Jahre. Ich kündigte meinen Job und ging ein Jahr lang zu einem Kolleg für Erwachsenenbildung. Meinen finanziellen Reserven waren erschöpft. Kurze Zeit später begannen verschiedene Phobien und schwere Angstzustände mich zu belasten. Ich war 5 Jahre in meinem Sessel gefangen. Mein Arzt diagnostizierte chronische Angstzustände. Ich bekam eine Frührente und wurde psychiatrisch behandelt. Dem stimmte ich 3 Wochen lang zu.

Dann wurden die Phobien so schlimm, dass ich nicht einen Moment allein sein konnte. Ich bat um Hilfe beim Ausschleichen des Oxazepams in unserer hervorragenden psychiatrischen Station. Man antwortete mir, dass ich selbst das Problem sei, nicht die Medikation. Sie versuchten mir beizubringen, mich während meiner schlimmsten Panikattacken selbst von meinen Ängsten zu befreien.

Alles erwies sich als falsch, aber immerhin konnte ich rufen und schreien. Ich kämpfte um mein Leben. Da ich nicht sehr kooperativ war, warf man mich raus. Ich sollte selbst meine Probleme bewältigen, was ich nicht konnte. Aber genau das hat mich gerettet. Ich fand einen Sozialarbeiter und rief und schrie weiterhin. Das zeigte Erfolg. Man genehmigte mir therapeutische Einzelsitzungen. Während dieser Quälerei hatte ich täglich Panikattacken und lebte in ständigem Schrecken und Todesangst. Die schlimmste Zeit dauerte ein Jahr.

Die größte Unterstützung erfuhr ich durch meinen 18-jährigen Sohn. Er gab mir ein Jahr seines Lebens. Das kann ich nie wieder gutmachen. Ich kann ihn nur lieben.

Während dieser Zeit schrieb ich viele Briefe an den Herausgeber unserer Lokalzeitung. Dadurch lernte ich Unni Torgersen kennen. Sie kontaktierte mich. Und auch sie rettete mich aus der Hölle. Sie zeigte mir, wie man richtig ausschleicht. Nach dem 2. Versuch hatte ich nach langer Zeit Erfolg. Wir telefonierten täglich. Es war Unnis Stimme, die mich aufbaute, wenn ich angsterfüllt über den Boden kroch. Wie ich schon sagte, es dauerte lange.

Am 29. November 1998 war ich 5 Jahre medikamentenfrei. Heutzutage habe ich nur noch geringe Entzugssymptome und die Abstände zwischen ihnen werden immer länger. Letzten Sommer geschah etwas Tolles. Ich war in der Lage, ganz allein nach Paris zu fahren. Die Glücksgefühle, als ich allein in Paris im Taxi saß, sind unbeschreiblich. Ich konnte nicht glauben, dass ich es war. Nochmal, ich war am Leben und lebendig, und ich werde Unni niemals genug danken können. Ihr ist es zu verdanken, dass ich jetzt hier sitze und schreibe. Dank ihr fahre ich mit dem Fahrrad zur Post, zur Bank und zum Supermarkt und kann alleine durch die Stadt gehen. Ich möchte ihr hier in diesem Brief Dank sagen und ich wünsche nur, dass alle Menschen, die Psychopharmaka absetzen wollen, jemandem wie Unni begegnen.

Ich bitte euch auch, niemals aufzugeben. Die Rettung kommt in der allertiefsten Dunkelheit – der Kampf ist es wert. Danke Unni, dass du mir mein Leben zurückgegeben hast.
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Re: Weltweite Erfolgsgeschichten - Benzos absetzen

Beitrag von Ululu 69 » Dienstag, 14.11.17, 18:29

Wow, Rosenrot,

Das war ja eine Expressübersetzung.

Vielen Dank dafür.

LG Ute n
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Re: Weltweite Erfolgsgeschichten - Benzos absetzen

Beitrag von Rosenrot » Dienstag, 14.11.17, 20:10

Danke, liebe Ute. :)

Eine hab' ich noch:

Eine weitere Story aus Schweden, die Jamie :) eingestellt hat.

Quelle: https://www.benzo.org.uk/sweden.htm


Ulla Wulff’s Geschichte

Die persönliche Schilderung einer Lebenskrise, die sich von Leid und Schmerz zu Harmonie und Wohlbefinden entwickelt


Mein Partner starb durch einen Unfall im April 1980. Ich war damals 40 Jahre alt und mein ganzes Leben veränderte sich über Nacht. Wir hatten gerade geplant zu heiraten. Ich hatte als Pflegerin auf einer Augenstation in einer Kleinstadt gearbeitet und lebte mit meinem 17-jährigen Sohn zusammen. Nach ungefähr 10 Monaten hatte ich meine Trauer zum Teil verarbeitet. Kurz danach half mir das Schlafmittel Tranxilen.

Meine Tochter plante ihre Hochzeit und ich war dabei, wieder etwas Freude zu verspüren. Dann starb ihr Verlobter auf unvorstellbar grausame Weise. Wieder stürzte ich ins Chaos. Ich schlief nicht gut, grübelte viel und kontaktierte einen Arzt. Er verschrieb mir den Tranquilizer Oxazepam. Dieser wurde dann durch das neuere Ativan ersetzt. „Nehmen Sie es bei Bedarf,“ sagte der Arzt, „es hat keine schweren Nebenwirkungen“.

Nach einigen Jahren starb mein Ex-Mann, der Vater meiner Kinder, durch einen Auto-Unfall. Mir ging es psychisch und körperlich sehr schlecht. Aber ich hatte mir geschworen, unter keinen Umständen die tägliche Dosis von 3 mg Atonsil zu überschreiten (was ich übrigens auch nie gemacht habe). Das war die Hälfte der im pharmazeutischen Handbuch für Allgemeinmediziner in Schweden empfohlenen Dosis. Ich hatte große Angst davor, medikamentenabhängig zu werden. Es fühlte sich sehr falsch an, meine Probleme mit Tabletten zu lösen. Aber man bot mir keinen anderen Lösungsweg an. Meine Erinnerungen an die folgende Zeit sind verschwommen. Ich entwickelte verschiedene körperliche und psychische Symptome wie z. B. körperliche Schmerzen. Mein Leben war sehr eingeschränkt.

Ich begann eine Odyssee durch das Gesundheitssystem und bekam mehr Medikamente wie Schmerzmittel, Herzmittel usw. Ich ließ mich von 12 verschiedenen Körpertherapeuten behandeln, besuchte verschiedene Kurse in Entspannung, Gestalttherapie und Körpertherapie. Ich sprach mit einem Geistlichen, aber es wurde nur noch schlimmer.

Meine Persönlichkeit veränderte sich, ich konnte mich schlecht konzentrieren, lesen und Texte verstehen. Es fühlte sich an wie in einem Albtraum. Ich weinte oft, aber die Tränen brachten keine Erleichterung. Ich hatte unkontrollierte Wutausbrüche und begann, mich zurückzuziehen. Gedanken an den Tod waren ebenso ständig präsent wie Gefühle von Machtlosigkeit und Verzweiflung. Bei meinem letzten Besuch bei einem Psychiater sagte dieser „Sie müssen akzeptieren, dass sie ein beeinträchtigter Mensch sind“. Genau das waren seine Worte.

Irgendwo lief irgendetwas gründlich schief. Es war, als hätte ich einen Code zu dechiffrieren. Ich fand den Code während einer Radiosendung, in der Dr. Stefan Borg von der St. Göran Klinik in Stockholm interviewt wurde. Er sprach über Benzodiazepine, Ativan und verschiedene Nebenwirkungen.

Das war der Code. Ich verstand es sofort. Ich war krank durch mein Medikament. Nun gab es Hoffnung. Und da ich nur eine geringe Dosis einnahm, dachte ich, das Problem sei gelöst und warf die Tabletten weg. Das war dumm. Nach ungefähr 10 Stunden bekam ich schwere Krämpfe im ganzen Körper und dachte, ich muss sterben.

Jemand empfahl mir, mich auf einer psychiatrischen Station in meiner Heimatstadt beraten zu lassen. Dort traf ich einen jungen Arzt. „Wie viele Medikamente stehlen Sie auf der Arbeit?“. Das waren seine Worte. (Ich arbeitete auf einer Station, auf der Ativan nicht verfügbar war).

Das war so verletzend. Ich war entsetzt und wollte sterben. Aber dann wurde ich wütend, richtig wütend und dadurch gewann ich Kraft. Ich drohte, die psychiatrische Station in Stücke zu reißen und begann, selbständig auszuschleichen.

Das war die schwierigste Sache, die ich jemals gemacht habe. Es dauerte 6 Monate, bis ich diese 3 mg Ativan los war. Manchmal war es die Hölle. Nach 3 Monaten fand ich ein Benzo-Netzwerk in meiner Heimatstadt, wo mir Verständnis und Sachkenntnis begegneten. Außerdem ging ich zur Rebirthing-Therapie, was meinen Verstand rettete. Mit dieser Technik konnte ich das Erlebte verarbeiten. Ich konnte mich und meine Gefühle verstehen und annehmen und zu meinen Kraftquellen zurückkehren.

Vor 7 Jahren habe ich die letzte Tablette eingenommen. Manchmal geht es mir besser als jemals zuvor. Und wenn es mir mal nicht so gut geht, fühle ich mich dennoch sicher, akzeptiere es und versuche, meinen Bedürfnissen zu entsprechen.

Ich habe gelernt, dass Leid und Schmerzen zum Leben dazu gehören. Ich weiß, dass ich über die Fähigkeiten verfüge, eine Lösung zu entwickeln. Das bereichert mich und macht mich klüger.

Eines der Probleme mit Ärzten besteht darin, dass sie auf Lebenskrisen ihrer Patienten mit medizinischen Diagnosen und Medikamenten reagieren. Diese Substanzen behindern die natürliche Heilung und verstärken emotionale und körperliche Probleme. Ein unheilvoller Kreislauf beginnt.

Das Gesundheitssystem beruht auf männlichen Prinzipien und Werten. Weibliche Ausdrucksformen und Symptome werden nicht verstanden. Als Frau mittleren Alters habe ich mich häufig sehr verletzt gefühlt. „Frauen in Ihrem Alter, mit Ihren Problemen, sollten in den Wald gebracht werden.“ sagte mir einmal ein Arzt. Ich fühlte mich zurückgewiesen, unsichtbar, ein Störfaktor, hoffnungslos und ohne Wert.

Ich begegnete auch Verständnis und Mitgefühl, aber selbst dann merkte ich, dass die Pflegekraft keinen Einfluss auf mich hatte.

Nun möchte ich einen Wechsel bewirken und die Bedürfnisse und Probleme von Frauen sichtbar machen. Unser Gesundheitssystem braucht konstruktive Impulse. Ich möchte Menschen dabei unterstützen, ihre eigene Kraft zu finden, ihre eigenen Ressourcen zu erkennen, so dass Lebensfreude und Kreativität aufblühen. Heute halte ich Vorträge und gebe Kurse für Menschen mit unterschiedlichen Abhängigkeitsproblemen. Jeder Tag ist ein Abenteuer.
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