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Verwirrt - Benzos (low dose) absetzen lt. Drogenhilfe peanuts

Benzodiazepine können schon nach wenigen Wochen abhängig machen. Der Entzug dieser Medikamente sollte dann langsam und vorsichtig stattfinden.
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Joa
Beiträge: 2
Registriert: Mittwoch, 20.12.17, 16:41

Verwirrt - Benzos (low dose) absetzen lt. Drogenhilfe peanuts

Beitrag von Joa » Mittwoch, 20.12.17, 17:05

Hallo zusammen,

ich bin gerade schwerstens verwirrt und bräuchte eure Meinung zu meinem heutigen Gespräch bei der Drogenhilfe.

Zum Hintergrund - nehme seit Mitte Juli Tavor (vom Hausarzt verschrieben). Die ersten zwei Monate max. 1 mg/Tag, 2 Monate max. 1,5 mg/Tag und seit einem Monat wg. unerträglichem Druck auf Arbeit ca. 2 bis max. 2,25 mg/Tag. Hab jetzt von meiner 5. Packung Tavor 0,5 seit Juli noch ca. 30 Stk übrig.

Nachdem ich die letzte binnen 2 Wochen geleert habe, hab ich nur mit Überredungskunst noch ein letztes Rezept zum absetzen bekommen. Da ich gelesen habe, wie wichtig das langsame Absetzen ist, hatte ich heute einen Termin bei der Drogenhilfe, weil ich einen Absetzplan haben wollte - schwarz auf weiß. Andernfalls bin ich zu undiszipliniert und fürchte doch ev. Entzugserscheinungen zu bekommen.

Nun hat der Mensch bei der Drogenhilfe erstmal gemeint, mit Absetzen im low dose Bereich kennt er sich nicht so gut aus und überhaupt... Er hatte erwartet, ich käme mit ganz anderen Größenordnungen an "Andere nehmen 10 oder mehr mg am Tag!". Super, danke. Hatte das Gefühl er ist genervt, weil ich überhaupt da war bei so wenig mg...

Am Schluss meinte er halbherzig, ich solle doch einfach mal morgens 0,5 nehmen und abends ebenso. Er wusste nicht recht was mit mir anzufangen. Bin mir dann reichlich blöd vorgekommen, weil ich überhaupt dort war.

Jetzt bin ich schwer verwirrt aufgrund der ambivalenten Ratschläge zum Absetzen im Internet etc... Ist das echt so eine große Sache mit Absetzen bei max. 2,25 mg/Tag? Klang lt. Berater als könnte ich problemlos von 0 auf 100 absetzen.

Wäre dankbar für eure Meinungen.

Merci!
Joa

LinLina
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Re: Verwirrt - Benzos (low dose) absetzen lt. Drogenhilfe peanuts

Beitrag von LinLina » Mittwoch, 20.12.17, 17:49

Hallo Joa :-)

willkommen bei uns im forum, und super, dass du dir Gedanken gemacht hast wie du am besten absetzen kannst.
Zum Hintergrund - nehme seit Mitte Juli Tavor (vom Hausarzt verschrieben). Die ersten zwei Monate max. 1 mg/Tag, 2 Monate max. 1,5 mg/Tag und seit einem Monat wg. unerträglichem Druck auf Arbeit ca. 2 bis max. 2,25 mg/Tag. Hab jetzt von meiner 5. Packung Tavor 0,5 seit Juli noch ca. 30 Stk übrig.
Wenn du seit Mitte Juli Tavor (Lorazepam) täglich einnimmst, bist du ziemlich sicher körperlich abhängig. 2,25 mg sind keine kleine Dosis - ab 3 mg ist man im Hochdosisbereich :shock:
Nachdem ich die letzte binnen 2 Wochen geleert habe, hab ich nur mit Überredungskunst noch ein letztes Rezept zum absetzen bekommen. Da ich gelesen habe, wie wichtig das langsame Absetzen ist, hatte ich heute einen Termin bei der Drogenhilfe, weil ich einen Absetzplan haben wollte - schwarz auf weiß. Andernfalls bin ich zu undiszipliniert und fürchte doch ev. Entzugserscheinungen zu bekommen.
Es ist schlimm, dass dein Arzt dir das Benzo erst Monatelang verschreibt und dir dann nicht beim Absetzen helfen will. Du nimmst das Benzo noch nicht so ganz lange, aber bei deiner schon recht hohen Dosis kann es mindestens einige Monate dauern um schrittweise und einigermaßen erträglich abzusetzen.

Lorazepam hat dazu eine sehr kurze Halbwertszeit und ist nicht gut zum Ausschleichen geeignet. Es kann sein, dass du ab einer gewissen Dosis auf ein länger wirksames Benzodiazepin umstellen musst.

Deswegen wäre es ganz wichtig, dass du einen Arzt findest, der dir ausreichend lange Rezepte verschreibt und dich unterstützt. Wir können dir hier helfen und Tipps geben, aber wenn du nicht genügend Rezepte bekommst um langsam abzusetzen, hilft das alles nichts.
Jetzt bin ich schwer verwirrt aufgrund der ambivalenten Ratschläge zum Absetzen im Internet etc... Ist das echt so eine große Sache mit Absetzen bei max. 2,25 mg/Tag? Klang lt. Berater als könnte ich problemlos von 0 auf 100 absetzen.
Es ist sehr unterschiedlich wie man auf das Absetzen reagiert und wie stark die Entzugserscheinungen sind. Wie oben geschrieben, 2,25 mg sind keine kleine Dosis, und dürfen keinesfalls abrupt abgesetzt werden. Schlimmstenfalls drohen Krampfanfälle und/oder ein Delir, auch die Suizidgefahr bei extremen Entzugserscheinungen ist nicht zu vernachlässigen.

Generell ist das Absetzen von Benzodiazepinen oft ein längerer, nicht leichter Weg, aber es ist der einzige Weg nicht immer weiter in der Spirale von Toleranz und Entzug gefangen zu bleiben.

Bitte lies dich unbedingt zunächst in unsere Infos zum Absetzen von Benzodiazepinen ein :!:

viewtopic.php?f=16&t=12900
viewtopic.php?f=16&t=12883

Wir empfehlen generell ein Absetzen von nicht mehr als 10 % der letzten Dosis alle 2-4 Wochen, wobei die Geschwindigkeit unterschiedlich sein kann und je nachdem wie gut man den Entzug verträgt kann es auch langsamer, oder in manchen Fällen ein wenig schneller gehen.

Wenn du jetzt einen Monat lang 2,25 mg genommen hast, ist dein Körper schon an diese Dosis gewöhnt. Ich würde es ab morgen mit 2 mg pro Tag versuchen und erstmal schauen wie es dir damit geht. Wenn das gut klappt, könntest du erstmal versuchen alle 2 Wochen 0,2 mg runter zu gehen. Wenn du starke Entzugserscheinungen bekommen solltest, müsstest du langsam vorgehen bzw. möglicherweise auf Diazepam umstellen, bevor du weiter absetzen kannst, aber das kann man jetzt noch nicht pauschal sagen.

Liebe Grüße
Lina
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Re: Verwirrt - Benzos (low dose) absetzen lt. Drogenhilfe peanuts

Beitrag von Eva » Mittwoch, 20.12.17, 18:18

Hallo,

auch ich heiße Dich im Forum willkommen.

Es geht ja nicht zuletzt um schonendes Absetzen, nicht um einen Kaltentzug, und da wäre mir egal, wie dieser "Fachmann" es sieht; ich würde der Art und Weise des Absetzens folgen, die am wenigsten Risiken und Beschwerden erwarten lässt - die Hinweise dazu findest Du hier. Ich selbst handele bereits seit dem Sommer danach, ich schleiche aus und war auch nicht im sog. Hochdosisbereich!

Einen Plan kannst Du hier erhalten. Es finden sich bestimmt User, die ihn gern mit Dir zusammen erarbeiten.

Grüße, Eva
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Zolpidem und Bromazepam abgesetzt.

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Re: Verwirrt - Benzos (low dose) absetzen lt. Drogenhilfe peanuts

Beitrag von Joa » Samstag, 23.12.17, 18:57

Liebe Lina,

vielen Dank, dass du dir die Zeit für diese sehr ausführliche Antwort genommen hast!

Leider konnte ich nicht früher antworten. Ich habe mich mittlerweile eingelesen und auch mit der Ärztin einer (anderen) Drogenberatungsstelle telefoniert, weil ich hören wollte, was sie dazu meint. Fazit - natürlich - eher langsam ausschleichen. Ich könne aber problemlos den Schritt von momentan 2 mg auf 1 mg täglich machen (!).

Naja, werde da eben auf meinen Körper hören und je nachdem reagieren.

Das letzte Rezept habe ich nicht bei meinem Hausarzt "erbettelt", sondern bei seiner Praxiskollegin, da er lange auf Urlaub ist. Er kommt Anfang Januar endlich wieder und wenn ich bis dahin nur 1 mg am Tag nehme, komme ich grade hin. Werde dann mit ihm sprechen und hoffe, dass er mir noch ein Rezept zum Reduzieren verschreibt.
(Und dass ich das durchziehen kann... Denn am liebsten würde ich mir den Rest meines Lebens die Birne mit Benzos vollballern, um ehrlich zu sein. Aber hab keine Wahl.)

Falls er das nicht tut, muss ich mich nach einem anderen Arzt umsehen.

@Eva: Auch dir vielen Dank für deine Antwort! Du hast Recht, soll dieser "Experte" sagen was er will. Ich werde sehen, wie mein Körper und die Psyche reagieren.

Ich hoffe, dass ihr meine Antwort trotz der späten Rückmeldung noch lest und wünsche euch möglichst entspannte Feiertage!

Lg Joa
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Kevin05

Re: Verwirrt - Benzos (low dose) absetzen lt. Drogenhilfe peanuts

Beitrag von Kevin05 » Sonntag, 24.12.17, 15:09

Hallo Joa,

also ich kenne nur eine Drogenberatungsstelle und die kennen sich gar nicht aus, weil deren Klientel eben multitoxisch ist. Die nehmen zwar auch Benzodiazepine, aber rein auf Medikamente bezogen kennen sie sich im Normalfall nicht aus. Bei uns fühlen sie sich nicht einmal zuständig, sondern verweisen gleich auf Kliniken oder Fachärzte.

Was zwar einerseits beruhigend und richtig wäre, weil Benzodiazepine ja ursprünglich nicht als Droge gedacht waren, andererseits es aber das Problem ist, dass sich weder Kliniken noch Fachärzte damit auskennen. Okay, sie glauben es, sind aber in Wirklichkeit ahnungslos. Meist werden Patienten monatelang in Kliniken und Rehas "ent(ver)giftet" mit mehreren Ersatzsubstanzen. Das Resultat? Meist sehr unbefriedigend, man ersetzt Pest durch Cholera, und hat dann eben andere Medikamente an der Backe, die aber ebenso schaden und die Rückfalls Quote ist sehr hoch.

Mit Tavor wird dir das Absetzen schwer gelingen, daher versuche wirklich einen Arzt zu finden, der dir Diazepam verschreibt über einen längeren Zeitraum. Ein Arzt, der dir das über Monate in doch eher hohen Dosen gegeben hat und jetzt meint, es wäre einfach, soll doch selber mal ein paar Packungen nehmen und dann einfach aufhören. Wobei mit Ärzten zu diskutieren ist sinnlos, die haben ja immer recht.

Daher versuch es mit Diplomatie, aber dazu brauchst du sicher einen anderen Arzt, weil deiner scheint wie gesagt keine Ahnung zu haben.

Wobei auch zu hinterfragen ist, wie du weitermachen kannst? Ich meine, der Grund für deine Einnahme ist ja nicht weg und wenn du schreibst, dass du dir am liebsten dein Leben lang Benzos reinziehen würdest, quasi sinngemäß, um halt wenig mitzubekommen, dann wird das um so schwerer, weil du dann noch nicht erkannt hast, mit welchem Problem, du es da zu tun hast, weil dein Leben wäre dann vorbei.

Alles Gute auf jeden Fall trotzdem, kann mich nur wiederholen versuch es nicht über Drogenberatungen, sondern über einen Arzt, der vielleicht mehr Ahnung bzw. Verständnis hat als dein bisheriger, LG Kevin

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