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Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Wenn Antidepressiva abgesetzt werden, kann dies zu schweren und langwierigen Entzugserscheinungen führen. Viele Hersteller und Ärzte verharmlosen diese Problematik leider.
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Re: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Muryell » Dienstag, 19.06.18, 9:19

Liebe Murmeline,

vielen Dank für die Info.

Das lässt mich hoffen. :D

Ich denke sowieso, dass in zwanzig Jahre die ganze Absetzproblematik offiziell anders gehandhabt wird. Mir ist es klar, dass wir, die Betroffenen, die entscheidende Rolle bei der Aufklärung spielen, aber ich habe keine Kraft.

Ich vermute, dass meine Nebennieren erschöpft sind. Ich bin jetzt dabei zu recherchieren, ob ich was machen kann, um ihre Erholung zu unterstützen, aber ich glaube eher, dass nur die Zeit hilft.

Ich schlafe genug, trinke kein Alkohol, nur einen Kaffee beim Frühstück, meide Stress ... Naja, weitermachen.

Liebe Grüße und alles Gute

Muryell
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Re: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Ululu 69 » Dienstag, 19.06.18, 20:17

Hallo Muryell,

du hast viel durch, dein Körper auch.
:hug:
Ich glaube, da ist es nicht ungewöhnlich, dass du jetzt erschöpft und kraftlos bist.
Dein Organismus schreit nach Ruhe und Erholung.

Ab und an liest man hier ja durchaus so ganz vereinzelt Berichte von Betroffenen, deren Behandler die Absetzproblematik anerkennen.
Ich bin selbst ja noch nicht sooo lange dabei, habe aber zwischendurch auch immer wieder in älteren Threads gelesen, in denen solche Berichte noch ganz und gar nicht vorkamen.
Ich habe auch Hoffnung, dass sich da etwas bewegt.

LG Ute
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Re: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Muryell » Dienstag, 19.06.18, 21:39

Liebe Ute,

vielen Dank für die lieben Worte :)

Heute Nachmittag war ich bei einer guten Freundin eingeladen. Sie ist wirklich super. Sie hat mich die ganze Zeit aus einer gewissen Entfernung begleitet, hat mich in Ruhe gelassen, als es mir ganz schlecht ging, und ich nur meine Ruhe haben wollte. Aber sie war immer wieder da, hat sich immer wieder gemeldet.

Sie hat zu einem Kaffee eingeladen, es waren ungefähr zehn Leute da. Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich wieder unter Menschen war. Ich war ein bisschen verunsichert, ich wusste nicht, ob ich das alles packe.

Ich habe schöne Stunden bei ihr verbracht, konnte ganz normale Unterhaltungen führen und habe für diese Zeit diese ganze Geschichte einfach vergessen! Ich hoffe, langsam kehrt die Normalität zurück. Das wünsche ich uns allen.

Bei der Gelegenheit möchte ich mich bei Euch allen hier im Forum - vor allem beim Team - bedanken, die mich durch diese schwierige Zeit auch begleitet haben. <3 Es ist mir sehr bewusst, dass ich ohne das Forum jetzt eine lange Karriere in der Psychiatrie haben würde.

Lebensrettend könnte man das nennen, oder? :hug:

Liebe Grüße und eine gute Nacht :bettzeit:

Muryell
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Muryell » Freitag, 29.06.18, 13:45

Guten Tag, Ihr Lieben!

In Ted-Talks gibt es einen Vortrag von Travis Rieder, Leiter eines Bioethikprogramms an der Johns Hopkins University in Baltimore, über das Absetzen von Opioiden.

Travis Rieder
The agony of opioid withdrawal — and what doctors should tell patients about it

Es gibt keine neuen Informationen für uns, aber sehr viele Parallelen zum Absetzen von PP - auch das Unwissen bei den Ärzten. Es freut mich sehr, dass man so offen darüber spricht.

Ich hoffe, es ist in Ordnung, das hier zu posten.

Liebe Grüße

Muryell
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von LenaLena » Freitag, 29.06.18, 16:16

Liebe Muryell,

diese Parallelität zum Opiatentzug wird immer wieder erwähnt.

Guck mal hier in dem Interview, das ist sogar ein Direktor einer Klinik / Psychiatrie in Deutschland, der sehr aufgeklärt ist, der vergleicht das auch am Anfang bzw. differenziert er das auch, weil AD-Entzug ja ohne Suchtdruck, dafür auf einer "tückischen körperlichen Ebene" aufläuft (steht gleich am Anfang):
https://www.depression-heute.de/blog/in ... -realitaet

Mich freut es auch sehr, dass das immer offener diskutiert wird, egal bei welchem Thema genau, dass die Patienten aufstehen und Eigenverantwortung übernehmen, sich informieren und zusammenschließen.
Die wirtschaftliche Macht der Hersteller wird niedergehen. Schon jetzt ist der Trend erkennbar, dass Pharmahersteller viele ihrer Produkte als "pflanzlich" "natürlich" etc bezeichnen, weil auch sie erkannt haben, in welche Richtung es geht. Wobei ich persönlich auch lieber nix Pflanzliches von ihnen kaufe, ich vertrau da nicht mehr.

LG Lena
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von LenaLena » Freitag, 29.06.18, 20:32

Hey Muryell,

ich habe gerade was gelesen und an dich und an Gioia gedacht... kennst du das?
"Pregabalin - Ärzte warnen vor Missbrauch"
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ ... p?id=71972

Ich finde es äußerst interessant, dass die Entzugserscheinungen bei Menschen, die das Mittel "missbrauchen", absolut zugegeben werden, während das bei denen, die es offiziell verschrieben bekommen haben, absolut nicht sein kann/darf...

LG Lena
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Jamie » Freitag, 29.06.18, 20:40

Hallo Lena, :)

das ist für mich eine dreckige Doppelmoral.

Genau so bei den Benzos, wenngleich die Konnotation etwas anders ist.
So lange man die Leute draufsetzt (zB während eines Klinikaufenthalts) ist es ok und selbstverständlich medizinisch indiziert, sobald die dann aber zuhause sich selbst überlassen werden (und natürlich nicht mehr von dem Zeug runterkommen) sind es ´Junkies´ und werden entsprechend abfällig behandelt.

Viele Grüße
Jamie
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von LenaLena » Freitag, 29.06.18, 21:38

Liebe Jamie,
Jamie hat geschrieben:
Freitag, 29.06.18, 20:40
das ist für mich eine dreckige Doppelmoral.

So lange man die Leute draufsetzt (zB während eines Klinikaufenthalts) ist es ok und selbstverständlich medizinisch indiziert, sobald die dann aber zuhause sich selbst überlassen werden (und natürlich nicht mehr von dem Zeug runterkommen) sind es ´Junkies´ und werden entsprechend abfällig behandelt.
GENAU DAS.
Gut formuliert.

LG Lena
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Murmeline » Samstag, 30.06.18, 10:11

Off Topic
Hallo ihr,

Der Psychiater, auf den du, Lena, verweist, ist sich den möglichen Problematiken bewusst. Er liest auch gerne mal im ADFD und nannte es in persönlicher Kommunikation eine Inspirations- und Wissensquelle. Solche Ärzte gibt es immerhin auch!

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Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von LenaLena » Samstag, 30.06.18, 11:54

Hallo,

der Professor Gonther? Suuper :) Mir gibt das Hoffnung, dass es auch solche Ärzte gibt - daher fand ich auch das oben gepostete Interview mit ihm sehr inspirierend.

LG Lena
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von gioia » Samstag, 30.06.18, 12:35

Liebe Lena, liebe Muryell

Ja sooo wichtig, dass Ärzte sich öffentlich äußern!! Hab auch den Artikel von dir Muryell, der von dem Internisten in der Warentestzeitung veröffentlicht wurde eingescannt, ausgedruckt und bei Krankenkassa und Ärzten hergezeigt.

hab mich auch noch mal bei Christian Heinrich für seinen Artikel über die Antidepressiva bei zeit online bedankt. Er hat mir sehr nett zurückgeschrieben.

Auch kleine Ameisen können große Ameisenhaufen bauen :wink: und zwicken :haha:

Liebe Grüße
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Schnelles absetzen, massive Symptome über Monate, stromartige Spannung jeden Tag, Ängste, die ich vorher nie hatte, zittern wie bei Parkinson
Benzo (praxiten/Halcion) konnte ich problemlos reduzieren, auch nach langer Einnahmedauer kaum Toleranz, Benzo für mich Lebensretter
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Muryell » Samstag, 30.06.18, 16:02

Hallo, Ihr Lieben!

Vielen Dank für Eure Antworten und Infos.
Das ist auf jedem Fall das Thema, das mich im Moment am meisten interessiert.

Ich habe bis jetzt gedacht, irgendwann vergesse ich diese ganze Geschichte, ich kann sowieso nichts ändern, die Ärzte glauben uns sowieso nicht. Aber in mir keimt jetzt die leise Hoffnung, dass die Aufklärungsarbeit der Betroffenen doch etwas erreichen kann.

Ich muss meine Gedanken sortieren.

Liebe Grüße

Muryell
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Murmeline » Sonntag, 01.07.18, 7:02

Toll, dass du Herrn Heinrich geschrieben hast, Gioia. Das hab ich auch gleich gemacht gehabt. :)
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Muryell » Samstag, 07.07.18, 10:27

Guten Morgen, Ihr Lieben!

Hier ein kurzes Update von mir: Mittlerweile sind es über fünf Monate seit dem Absetzen. Abgesehen von der sehr starken Krise, die ich drei Monate nach 0 gehabt habe, geht es mir sehr gut für jemanden im Entzug.

Es gibt Phasen, in denen ich ganz normal leben kann. Da kann ich alles im Haushalt machen, fast jeden Tag zum Sport gehen, bei Familienessen dabei sein, mich verabreden und Pläne machen. Dann wie aus dem Nichts kommt die bekannte Schwäche und dann geht nichts mehr.

Ich kenne das schon. Dann ziehe ich mich zurück und warte, bis die Welle vorbei ist. Ganz grob kann ich sagen, dass die guten Zeiten ca. zwei Wochen dauern und die schlechten eine Woche bis zehn Tagen. Es liest sich alles gut an, aber die Schwäche wird begleitet von Neuroemotionen und -Erinnerungen sowie Ohrensausen und niedrigem Blutdruck. Dann gibt es Momente, in denen ich verzweifele und denke, dass dieser Albtraum nie zu Ende gehen wird. Ich denke, das gehört auch zu der Welle.

Auf der anderen Seite habe ich schon des Öfteren gedacht: „Huch, es ist alles vorbei! Mir geht es sehr gut.“ Deshalb glaube ich immer noch, dass ich dabei bin zu heilen und irgendwann alles vorbei sein wird. Ich muss auch dazu sagen, dass die Wellen unangenehm aber bei Weitem nicht so stark sind, wie sie bei der Krise war, die ich drei Monate nach dem Absetzen hatte.

Also es wird doch. :D

Ich wünsche uns allen gute Besserung und ein schönes Wochenende.

Liebe Grüße

Muryell
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Jofab » Samstag, 07.07.18, 15:06

Liebe Muryell,

freu mich über dein Update !

Es klingt so gut - schon lange Fenster mit ganz "normalem" Leben !

Und ich verstehe so gut, dass dich die Wellen auch immer wieder verzweifeln lassen.
Aber das sie nicht mehr ganz so stark sind, ist doch ein sehr gutes Zeichen.

Ich bedanke mich bei dir nochmal, dass du immer wieder an mich gedacht hast.
Die letzten Wochen waren hart und ich muss mich erstmal wieder sortieren.

Weiterhin so gute Zeichen !

Ganz liebe Grüsse an dich
Ilse
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von LenaLena » Montag, 09.07.18, 14:56

Liebe Muryell,

dein Bericht klingt richtig gut!
Dass nur eine so schwere Krise dabei war, ist ein sehr gutes Zeichen.
In deiner Schilderung der Schwäche finde ich mich wieder... ich kenne das so auch. Der Körper braucht die Energie in der Zeit wohl woanders :)

Weiter so, du heilst kontinuierlich :)
LG Lena
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Muryell » Dienstag, 10.07.18, 10:04

Liebe Lena,

ja, es klingt alles gut und ich bin fest davon überzeugt, dass es mir sehr gut geht, wenn ich berücksichtige, dass ich mich im Entzug befinde.
Aber ich habe trotzdem die Nase voll von dieser ganzen Geschichte.

Weitermachen, einfach weitermachen.

Liebe Grüße

Muryell
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von LenaLena » Dienstag, 10.07.18, 14:54

Ich auch, liebe Muryell, ich auch... so dermaßen die Nase voll.

LG Lena
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von gioia » Dienstag, 10.07.18, 15:56

ja ihr beiden....sooo voll... :vomit:

Grüße
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Re: Muryell: Lyrica (Pregabalin) und Paroxetin absetzen

Beitrag von Muryell » Mittwoch, 11.07.18, 9:59

Hallo, Ihr Lieben!

Es ist schön zu lesen, dass Ihr mich versteht.
Ja, es geht mir viel besser als vor einem Jahr, als ich mit Krücken lief und so schwach war, dass ich nach dem Frühstück kaum die Augen offen halten konnte. Es geht mir auch viel besser als vor zweieinhalb Monaten, als ich die heftige Krise nach dem Absetzen hatte, aber man braucht einen langen Atem bis zur Genesung.

Ich war gerade im Garten und habe mich ein bisschen um meine Pflanzen gekümmert. Vielleicht eine halbe Stunde oder vierzig Minuten. Jetzt liege ich wieder kraftlos und kurzatmig da.

Nachmittags geht es mir aber immer besser, sodass ich fast jeden Abend spazieren gehen kann. Zum Sport kann ich im Moment nicht.

Es gibt keine andere Lösung als Weitermachen, also weiter geht’s.

Liebe Grüße

Muryell
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