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Oliver
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Infopaket zum Absetzen von Antidepressiva

Beitrag von Oliver » Freitag, 10.09.04, 15:51

 ! Nachricht von: Oliver
Es handelt sich hierbei um eine Zusammenstellung von Texten und Absetzplänen, die auf einer Veröffentlichung der Seroxat User Group beruht. Ich habe diese Texte übersetzt und so gut es ging an deutsche Verhältnisse angepasst.
[INHALT]
- Einleitung
- Vorwort für den behandelnden Arzt

INFORMATIONEN ZUM ABHÄNGIGKEITSPOTENTIAL VON SSRI
- Entzug der Wahrheit - Wahrheit des Entzugs (Erfahrungsbericht von David Taylor)
- Abhängigkeit von Paroxetin (Sachverständigenaussage von David Healy)
- Brief von Dr. Charles Medawar an seine Kollegen
- Absetzsymptome bei Paroxetin (Pharma Kritik - Schweiz 1996)
- Zum Thema SSRI und Abhängigkeit (Oliver Walter)

INFORMATIONEN ZUM SICHEREN ABSETZEN VON SSRI
[David Healy MD FRCPsych -Direktor des North Wales Department of Psychological Medicine]
- SSRI absetzen
- SSRI Absetzsymptome
- Leide ich an Absetzerscheinungen?
- SSRI Absetzplan

[Seroxat Users Group]
- Absetzen von Paroxetin mit Seroxat Suspension

ANHANG
- Abhängigkeit oder unerwartete Nebenwirkungen melden (Meldeformulare)

Ergänzungen in der deutschen Version:
- Vorwort für den behandelnden Arzt (09/03)
- Ausgewählte Texte zum Thema SSRI und Abhängigkeit (09/03)
- Ergänzung der Absetzsymptome in Dr. Healys Aufstellung durch zusätzliche Absetzsymptome von quitpaxil.org (09/03)
- Pharma Kritik – Nebenwirkungen aktuell über Paroxetin (Schweiz 1996)
- Meldebogen für die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
- Meldebogen für das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

---

HAFTUNGSAUSSCHLUSS
Dieses Dokument dient ausschließlich der Information und ist kein Ersatz für eine medizinische oder psychiatrische Beurteilung und Behandlung. Das Antidepressiva Forum Deutschland bietet keine Dienstleistungen oder medizinische Beratung an. Die Gesundheit eines jeden Einzelnen ist individuell zu betrachten und sollte von einer Fachperson überwacht werden. Das Antidepressiva Forum Deutschland ist für etwaige Schäden, die direkt oder indirekt mit den Informationen auf den nachfolgenden Seiten im Zusammenhang stehen, nicht haftbar. Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt, bevor Sie ein Medikament absetzen oder ein anderes Medikament nehmen.
Zuletzt geändert von Oliver am Dienstag, 19.12.06, 19:37, insgesamt 33-mal geändert.
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Oliver
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Einleitung

Beitrag von Oliver » Freitag, 10.09.04, 21:37

Einleitung

In Großbritannien hat Glaxo SmithKline (GSK), der Hersteller von Seroxat® (Paroxetin), im Juni 2003 auf Anordnung einer von der Regierung einberufenen SSRI-Sonderuntersuchungskommission eine Änderung der dortigen Gebrauchsinformationen vorgenommen, die auf ein Abhängigkeitspotential des Medikaments hinweist und eine ca. 25 prozentige Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Absetzsymptomen einräumt. Paroxetin steht an erster Stelle der Tabelle der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Entzugs- und Abhängigkeitsmeldungen. An zweiter Stelle steht Efexor® - ein weiterer SSRI. Im Vergleich dazu stehen die Benzodiazepine Ativan® und Valium® an 11. und 13. Stelle.

Im deutschen Beipackzettel wird bereits vor dem abruptem Absetzen des Medikamentes gewarnt. Eine wachsende Zahl von Betroffenen berichtet aber, dass auch ein langsames Ausschleichen des Medikamentes zu erheblichen Problemen führen kann. Diese Beschwerden werden oft als eine Rückkehr der ursprünglichen Erkrankung gedeutet. Weltweit wird diesem Thema zunehmende Aufmerksamkeit geschenkt, in Deutschland hingegen fehlt es weitgehend an einem entsprechenden Problembewußtsein.

Am 1. August 2003 wurde das Antidepressiva Forum Deutschland (ADFD) gegründet, um die Informationen, die bisher nur in Großbritannien, den USA und Kanada verfügbar waren, einem möglichen Interessenkreis in deutschsprachigen Ländern zur Verfügung zu stellen. Seit der Gründung erfahren wir viel Resonanz, die auf einen großen Aufklärungsbedarf in Mitteleuropa hinweist. Das ADFD möchte mit dieser Sammlung von Texten eine Einführung in das Thema anbieten.

Diese Arbeit ist eine Reaktion auf die Erfahrungen der Mitglieder des Antidepressiva Forums Deutschland. Wir sind entweder direkt Betroffene oder Mitbetroffene (Angehörige), die mit bisher in Deutschland öffentlich undokumentierten Nebenwirkungen und Absetzproblemen bei SSRI konfrontiert wurden. Das Ausgangsmaterial zu diesem Infopaket lieferte das "Doctor Pack" der Seroxat Users Group (UK), das in enger Zusammenarbeit mit Dr. David Healy (Direktor des North Wales Department of Psychological Medicine) ausgearbeitet wurde. Die Seroxat Users Group ist eine privat organisierte Initiative von über 6,000 Menschen, die Probleme beim Absetzen von Paroxetin haben oder hatten. Die Übersetzung fand in enger Zusammenarbeit mit der Seroxat Users Group (SUG) statt. Unsere Dokumentation wurde Dr. Healy vorgelegt und hat seine Zustimmung gefunden.

Falls Ihnen Fehler in diesem Dokument auffallen sollten oder Sie Fragen oder Ergänzungsvorschläge haben, wenden Sie sich bitte an das ADFD. Bei ausschließlich fachbezogenen Fragen können Sie David Healy auch direkt kontaktieren. Seine Webseite ist: http://davidhealy.org

Ravensburg und Freiburg im September 2003, Linda Best und Oliver Walter
Zuletzt geändert von Oliver am Sonntag, 17.05.15, 14:36, insgesamt 3-mal geändert.
Grund: Aktualisierung des Expertenkontaktes

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Vorwort für den behandelnden Arzt

Beitrag von Oliver » Samstag, 11.09.04, 10:21

Vorwort für den behandelnden Arzt

Dieses Dokument wurde Ihnen wahrscheinlich von einem Patienten überreicht, weil er oder sie Nebenwirkungen oder unerwartete Probleme während der Einnahme oder beim Absetzen eines SSRI erfahren hat. Mit Hilfe der Informationen in diesem Dokument hoffen wir, Ihnen nützliches Material in die Hand zu geben, von dem ausgehend Sie ein weiteres Vorgehen mit Ihrem Patienten planen können.

Dr. David Healy MD FRCPsych (Direktor des North Wales Department of Psychological Medicine) und Dr. Charles Medawar von Social Audit UK forschen seit Jahren im Bereich der SSRI. Ihre Arbeiten geben Anlass zu der Vermutung, dass die Gefahren von SSRI vor allem in bezug auf ihr Abhängigkeitspotential stark unterschätzt werden. Gerade die SSRI mit kurzer Halbwertszeit führen bei vielen Patienten zu Problemen beim Absetzen. Diese Absetzsymptome werden leider oft als ein Wiederauftauchen der ursprünglichen Erkrankung interpretiert. Es wird davon ausgegangen, dass der Patient ohne die Medikamente nicht zurechtkommt. Dies stimmt nur insofern, als dass der Patient an Absetzsymptomen leidet, die bei einer Wiedereinnahme der Substanz innerhalb kurzer Zeit verschwinden. Wird diese Absetzsymptomatik nicht als solche erkannt sondern als Rückfall diagnostisiert, folgen oft jahrelange Einnahmen, begleitet von wiederholt fehlgeschlagenen Absetzversuchen (Lesen Sie dazu bitte auch [Link]Leide ich an Absetzsymptomen?).

Sie finden im ersten Teil dieses Dokuments eine Sammlung von Texten und Auszügen aus verschiedenen Publikationen zum Thema Abhängigkeitspotential von SSRI. Vorangestellt ist ein Bericht von David Taylor, Chefpharmakologe im Maudsley Hospital, London, der selbst Erfahrungen mit SSRI gemacht hat. Obwohl der Schwerpunkt in diesem Informationspaket auf Seroxat® (Paroxetin) als dem meistverschriebenen Antidepressivum weltweit liegt, lässt sich aufgrund der ähnlichen Wirkungsweise aller SSRI annehmen, dass diese Problematik bei allen SSRI auftreten kann.

Die Absetzpläne im zweiten Teil des Dokuments beruhen auf Erfahrungswerten und sollten natürlich an die individuelle Situation und Befindlichkeit Ihres Patienten angepasst werden.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Patienten, dass das Absetzen des SSRI weitgehend reibungslos verläuft und möchten Sie bitten, Ihre Beopbachtungen den entsprechenden [Link]Meldestellen zukommen zu lassen, damit statistische Erkenntnisse über deren Häufigkeit gesammelt werden können.

Ravensburg und Freiburg im September 2003, Linda Best und Oliver Walter
Zuletzt geändert von Oliver am Sonntag, 12.09.04, 11:10, insgesamt 1-mal geändert.

Oliver
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Entzug der Wahrheit - Wahrheit des Entzugs

Beitrag von Oliver » Samstag, 11.09.04, 10:26

Entzug der Wahrheit - Wahrheit des Entzugs

David Taylor. Aus: National Association for Mental Health
London E14, September/October 1999, 16


David Taylor (Chefpharmakologe im Maudsley Hospital, London) machte selbst Erfahrungen mit dem Entzug von SSRI – es ist nicht ganz so, wie die Standardtexte behaupten.

Die letzte Ausgabe des British National Formulary behauptet, dass das Absetzen einer bestimmten Gruppe der Antidepressiva – der neueren Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) – unter anderem zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Parästhesie (Kribbeln oder Taubheit in den Extremitäten), Schwindelgefühlen und Angstzuständen führen kann. Das klingt doch nicht so schlecht, oder? Andere Standardtexte versichern uns, dass Absetzsymptome von Antidepressiva für gewöhnlich mild verlaufen und von kurzer Dauer sind. Umso besser, mögen Sie jetzt sagen.

Obwohl dieser Hinweis mehr oder weniger richtig ist, gibt er uns keine Einsicht in die Realität des Absetzens von Antidepressiva. Ich weiß das nicht, weil ich etwas darüber gelesen habe, sondern, weil ich jeden Tag mit Menschen spreche, die durch diese Erfahrung gehen und, vielleicht noch wichtiger, weil ich selbst Erfahrungen mit dem Absetzen von Antidepressiva gemacht habe.

Die Wahrheit ist, dass für viele Menschen die Symptome beim Absetzen von SSRI weder mild noch kurzlebig sind. Ich hatte über einen Zeitraum von etwa 6 Wochen Symptome die im besten Falle verstörend waren und im schlimmsten Falle einer Folter gleichkamen. Ich hatte diese Symptome, obwohl ich einem vorsichtigen Absetzplan folgte, welcher eine langsame und schrittweise Reduzierung der Dosis vorsah. Während ich von Kopfschmerzen und Parästhesie verschont blieb, glich die Schwere der restlichen Symptome das mehr als aus. Die Schwindelgefühle variierten von einer leichten Wackligkeit bis zu einer fürchteinflössenden Unfähigkeit, ohne eine Stütze stehen zu können. Meistens konnte ich meinen Kopf nicht drehen, ohne eine lähmende Übelkeit damit auszulösen. Das alles wurde von ständigem Herzklopfen und einer sehr überzeugenden Grippenachahmung begleitet.

Als all das nachgelassen hatte, fühlte ich mich über einen weiteren Zeitraum von etwa zwei Wochen sehr gereizt und litt unter Stimmungsschwankungen.
Keines meiner Gespräche mit anderen Betroffenen verleitete mich zu dem Glauben, meine Erfahrungen seien einzigartig oder auch nur ungewöhnlich.

Schwere Absetzerscheinungen scheinen in der Tat bei manchen SSRI (z.B. Paroxetin und Venlafaxin) eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Die älteren Trizyklika sind zwar oft toxischer und haben viele Nebenwirkungen, aber sie scheinen beim Absetzen nicht so starke Symptome hervorzurufen (damit habe ich auch Erfahrungen gemacht).

Also warum ist dieses Problem nicht weithin anerkannt? Warum erzählen Ärzte den Menschen immer noch, dass die Absetzsymptome mild verlaufen und nichts sind, worüber man sich Sorgen machen müsste? Vielleicht liegt es daran, dass es bei Ärzten eine Tendenz zu dem Glauben gibt, dass neue Medikamenten problemlose Allheilmittel seien. Wir würden gut daran tun, uns zu erinnern, dass Valium und Benzodiazepine lange Zeit als die Lösung für so ziemlich jedes Problem galten. Prozac (Fluoxetin – der älteste SSRI) und ähnlich Medikamente gelten bis heute als die Abhilfe für so ziemlich jedes mentale Problem. Vielleicht macht all dieses Wunschdenken die Ärzte blind für das Offensichtliche – dass neue Therapien meist auch neue Probleme aufwerfen und auch Nachteile haben können.
Zuletzt geändert von Oliver am Sonntag, 12.09.04, 11:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Abhängigkeit von Paroxetin

Beitrag von Oliver » Samstag, 11.09.04, 12:19

Abhängigkeit von Paroxetin
Sachverständigenaussage von David Healy MD FRCPsych

Ich wurde gebeten, die Beweise bezüglich der Absetzerscheinungen, die auf körperliche Abhängigkeit hinweisen, zu bestätigen und zu kommentieren. Ich beziehe mich dabei auf Studien, die in den 80er Jahren von Smith Kline Beecham durchgeführt wurden.

Während des 2001 abgeschlossenen Gerichtsverfahrens (Tobin gegen SmithKline, Wyoming) war ich Sachverständiger für die Kläger. Als Teil der Beweisaufnahme ersuchte ich erfolgreich um Zugang zu SmithKline Beechams „Healthy Volunteer Archive“ (Archiv mit Studien, welche mit gesunden Freiwilligen durchgeführt wurden) in Harlow.

Mein Ziel war, die Aufzeichnungen nach Hinweisen auf Agitation und Selbstmordneigung bei gesunden Freiwilligen unter Einfluss von Paroxetin durchzusehen, welche ich auch fand. Genauso offensichtlich allerdings waren Beweise in den Studien, welche auf das Abhängigkeitspotential von Paroxetin deuten.

Ein detaillierter Sachverständigenbericht wurde für den Anwalt der Kläger in diesem Verfahren erstellt. Dieser Bericht enthält Details der Studien von Smith Kline Beecham, welche die Befürchtungen bestätigen, die ich der „UK Medicines Control Agency“ (britische Kontrollstelle für Medikamente) in meinen Briefen vom 7. & 19. Juni 2001 zukommen ließ. Eine Zusammenfassung davon wurde im Guardian am 11. Juni 2001 veröffentlicht.
Ich bin bezüglich dieser Materialien leider zum Schweigen verpflichtet und kann sie daher nicht diesem Bericht beifügen. Ich kann sie jedoch über den Wahrheitsgehalt meiner Zeugenaussage (im Verfahren Tobin gegen SmithKline, Wyoming) versichern und bin bereit, die Kernpunkte des folgenden Ausschnitts der Befragung von mir durch Charles Preuss (Anwalt von SmithKline Beecham) jederzeit zu bestätigen.

[...]

Healy: Ja, aber es gibt ein Absetzsyndrom beim Entzug von Paroxetin, welches Agitation, abnormale Träume und Albträume einschließt. Das lässt sich aus den Studien mit gesunden Freiwilligen ersehen.

Preuss: Sie sagen Paroxetin sei noch drei Monate im Körper aktiv?

Healy: Ja. Bei bis zu 80% der gesunden Freiwilligen die dieses Medikament nur zwei Wochen eingenommen haben, führt das Absetzen zu oben genannten Symptomen. Ich kann aufgrund meiner klinischen Erfahrung sagen, dass ich Menschen gesehen habe, die nur für kurze Zeit Paroxetin genommen haben und noch drei Monate nach dem Absetzen Probleme hatten.

[...]

Mein Interesse an Paroxetin geht weit über die Studien mit gesunden Freiwilligen hinaus. In den 90er Jahren, nach der Marktzulassung als Antidepressivum, hat SmithKline Beecham klinische Studien durchgeführt, welche ein „randomized discontinuation design“ einschlossen (z.B. die Studie von Montgomery & Dunbar, 1993). Die Schwierigkeiten, die Patienten hatten, wurden von SmithKline Beecham als Beweis für neue Krankheitsepisoden gewertet, und die Firma hat seitdem auf Anfragen bezüglich einer Absetzproblematik und körperlicher Abhängigkeit geantwortet, dass solche Probleme einfach nur ein Anzeichen für das Wiederauftauchen des eigentlichen Problems des Patienten seien. Grundlegende pharmakologische Prinzipien, epidemiologische Studien über Depressionen und auch die Fakten aus SmithKline Beechams eigenen Studien mit gesunden Freiwilligen führen zu der Annahme, dass eine solche Interpretation der Daten völlig unberechtigt war und ist.

Vor diesem Hintergrund hat SmithKline Beecham Paroxetin in Großbritannien mit einem Hinweis in den Gebrauchsinformationen herausgebracht, dass bei jeder Droge, die auf das Gehirn wirkt, eine gewisse Sorgfalt beim Absetzen derselben angebracht ist.

Die Daten, die SmithKline vor der Markteinführung zur Verfügung standen, wiesen auf Probleme hin, die in einer signifikant höheren Anzahl und in einer entschieden größeren Schwere auftauchten, als jeder Psychiater zu dieser Zeit aufgrund dieser Warnung den Grund anzunehmen gehabt hätte.

Studien und Befragungen, die nach der Markteinführung von Paroxetin durchgeführt wurden, wiesen auf ein weit größeres Aufkommen von Absetzproblemen hin, als mit den vorhergehenden Generationen von Antidepressiva (z.B. Trizyklika und MAO-Hemmer).

Eine randomisiert kontrollierte Studie, die von Elly Lilly in Auftrag gegeben wurde (Rosenbaum et al, 1998) ließ darauf schließen, dass 30% der Patienten Probleme beim Absetzen von Paroxetin haben. Viele Patienten hatten mehrere der Absetzsymptome und es traten auch völlig neue, verstörende Symptome auf.

Von Dr. Wheadons und SmithKlines Seite aus weiterhin zu behaupten, dass Absetzsymptome bei Paroxetin sehr selten, kurzlebig, mild und/oder fast unmöglich zu entdecken oder gar kaum von zugrundeliegenden psychischen Erkrankungen zu unterscheiden seien, ist schlicht und ergreifend unverantwortlich.

Aus diesen Gründen hege ich ernste Besorgnis über die Tatsache, dass SmithKline, auf der Basis von Daten, die eigentlich im Sinne von körperlicher Abhängigkeit und Absetzsymptomen interpretiert werden müssten, Paroxetin als Prophylaxe gegen Depressionen und andere psychische Erkrankungen propagiert.
Zuletzt geändert von Oliver am Sonntag, 12.09.04, 11:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Brief von Dr. Charles Medawar an seine Kollegen

Beitrag von Oliver » Samstag, 11.09.04, 12:34

Brief von Dr. Charles Medawar an seine Kollegen

Charles Medawar | Social Audit Ltd. | P O Box 111 London NW1 8XG
Fon/Fax (UK) 44 (0) 207 586 7771
mail [at] socialaudit.org.uk
http://www.socialaudit.org.uk

[Anmerkung des Übersetzers:
Dieser Brief wurde ursprünglich verfasst, um englische Kollegen zu ermutigen, regeren Gebrauch des „Yellow Card“ Systems zu machen, um dadurch eine anstehende Untersuchung des dortigen Komitees für die Sicherheit von Medikamenten (Committee on Safety of Medicines - CSM) bezüglich der Abhängigkeitsproblematik von SSRI zu unterstützen. Die „Yellow Card“ ist das Verfahren mit dem in Großbritannien Nebenwirkungen und andere Probleme mit Medikamenten gemeldet werden. Diese können nur von Ärzten – nicht von Patienten selbst - an das CSM gesendet werden.
Da dieses Verfahren für deutsche Ärzte nicht relevant ist, habe ich mir erlaubt, die entsprechenden Stellen zu kürzen und stattdessen auf das entsprechende deutsche Meldesystem hinzuweisen. Im Anhang befinden sich zwei Meldebögen, mit denen Sie unerwünschte Nebenwirkungen und unerwartete Probleme mit Medikamenten melden können.]

20 Juli 2002
Sehr geehrter Herr Kollege, sehr geehrte Frau Kollegin,
über das letzte Jahrzehnt hat das Komitee für die Sicherheit von Medikamenten eine bisher nie da gewesene Anzahl von Berichten von Ärzten und ihren Patienten über absetz- und abhängigkeitsbezogene Probleme mit Paroxetin, Venlafaxin und ähnlichen Antidepressiva erhalten.
Eine Durchsicht der ADROIT Datenbank, welche im Juli 2002 von Social Audit angefordert wurde, zeigt dass SSRI und ähnliche Antidepressiva fünf der sechs Medikamente ausmachen, welche in bezug auf absetz- und abhängigkeitsbezogene Probleme gemeldet werden.

Siehe Committee on Safety of Medicines (CSM/MCA - UK).
Bild

Diese Berichte ähneln der WHO Datenbank über absetz- und abhängigkeitsbezogene Symptome, welche aus Daten von über 60 Ländern (unter ihnen Großbritannien) zusammengetragen wurden.
Siehe auch: Integrity in drug promotion

Wir möchten Sie bitten, Ihre Beobachtungen, die auf ihren klinischen Erfahrungen mit diesen Medikamenten beruhen, den entsprechenden Stellen zu berichten.

1. Halten Sie den Abschnitt über das Abhängigkeitspotential und die Absetzproblematik in der Gebrauchsinformation von Paroxetin für angemessen und ausreichend über die Problematik informierend?
Wenn nicht: was für eine Warnung würden Sie vorschlagen?

2. Würden Sie es im Moment für ratsam erachten, in den Verschreibungsrichtlinien für Ärzte eine Warnung einzubeziehen, welche auf die Gefahr einer Verwechslung zwischen Absetzsymptomen und dem „Rückfall“ oder „Wiederauftauchen einer zugrundeliegenden Erkrankung“ hinweist?

3. Ist es in ihren Augen angemessen, dass Fluoxetin in den europäischen Regelungen von der Warnung ausgenommen ist, ein abruptes Absetzen zu vermeiden, und dass der Hinweis bei allen diesen Medikamenten lautet „... lassen die vorhandenen präklinischen und klinischen Daten nicht darauf schließen, dass SSRI Abhängigkeit verursachen.“

Falls Sie sich einen Einblick in die Absetzproblematik von Paroxetin verschaffen wollen, können sie sich unter http://www.socialaudit.org.uk/43800045.htm eine Auswahl an mir zugesandten Patientenberichten ansehen.
Bitte unterstützen Sie die medizinische Gemeinschaft und die Patienten, indem sie Ihre klinischen Erfahrungen mit SSRI den entsprechenden Stellen zukommen zu lassen.


Charles Medawar

REGISTERED No: 1042193 ENGLAND - A NON PROFIT COMPANY
REGISTERED OFFICE: 18 VICTORIA PARK SQUARE, LONDON E2
CHAIRMAN: CHRISTOPHER ZEALLEY
DIRECTORS: LORD PHILLIPS OF SUDBURY, MAURICE FRANKEL, ELAINE RASSABY, ANTHONY SAMPSON
SECRETARY & CEO: CHARLES MEDAWAR
Zuletzt geändert von Oliver am Samstag, 13.11.04, 1:10, insgesamt 2-mal geändert.

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Absetzsymptome bei Paroxetin

Beitrag von Oliver » Samstag, 11.09.04, 12:56

Absetzsymptome bei Paroxetin

Pharma-Kritik - Nebenwirkungen aktuell (Jahrgang 17, Nr.18 (Schweiz, 13. Juni 1996)

PAROXETIN
Paroxetin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, der als Anti-depressivum eingesetzt wird. Im Vergleich mit Trizyklika weisen Serotonin- Wiederaufnahme-Hemmer eine ähnliche antidepressive Wirkung, jedoch ein anderes Nebenwirkungsprofil auf. Paroxetin hat eine vergleichsweise kurze Halbwertszeit von durchschnittlich 24 Stunden.

Entzugssymptome
Eine 37jährige Frau erhielt zur Behandlung einer depressiven Erkrankung Paroxetin (20 mg/Tag). Initial wurde als einzige Nebenwirkung vorübergehend Schlaflosigkeit verzeichnet. Da die Patientin nicht ganz befriedigend auf die Therapie ansprach, wurde die Dosis nach 6 Wochen verdoppelt. Nach 5 Monaten wurde die Behandlung abgebrochen. Drei Tage später klagte die Frau über "elektrische Spannung im ganzen Körper, intensive Träume, Alpträume, Tremor und Schwindel". Da die Frau sehr unruhig war, wurde ihr erneut Paroxetin (10 mg/Tag) verabreicht. Nach der zweiten Dosis waren die Symptome wieder verschwunden.
Einer 26jährigen Frau wurde wegen zwangsneurotischen Störungen Paroxetin in allmählich bis auf 40 mg/Tag steigender Dosis verschrieben. Nach 10 Wochen brach man die Behandlung wegen ungenügender Wirkung und gastrointestinalen Nebenwirkungen ab. Zwei Tage später stellten sich folgende Entzugssymptome ein: Weinkrämpfe, Schwindel, intensive Träume, ein Gefühl der Depersonalisierung, gesteigerter Appetit und Schlaflosigkeit. Mit der erneuten Gabe von Paroxetin verschwanden die Symptome innerhalb von 2 Tagen.
Eine dritte Patientin entwickelte 3 Tage nach dem Absetzen von Paroxetin, von dem sie über 6 Monate Tagesdosen bis zu 40 mg erhalten hatte, Schwindel, Übelkeit, Erschöpfung und Schüttelfrost. Sie klagte auch über Durchfall, Alpträume, Weinkrämpfe und Konzentrationsschwäche. Sie erhielt erneut Paroxetin (20 mg/Tag) und fühlte sich nach 24 Stunden «zu 90% besser».
Bei allen drei Patientinnen wurde das Medikament in der Folge ausschleichend entzogen, ohne das sich erneut Entzugssymptome zeigten.
Dominguez RA, Goodnick PJ. Pharmacotherapy 1995; 15: 778-80

Über «elektrische» Missempfindungen nach dem abrupten Absetzen von Paroxetin wurde noch in weiteren Fällen berichtet, zum Beispiel:
Ein 32jähriger Mann, der wegen einer Zwangsneurose Paroxetin bekam (20 mg/Tag), unterbrach die Medikation nach 2 Monaten. Zwei Tage nach dem Absetzen von Paroxetin empfand er «Elektroschocks», die sich vom Oberkörper zu den Armen und Händen fortpflanzten. Die elektrischen Spannungen erschwerten ihm das Gehen zuweilen derart, dass er sich an einer Wand festhalten musste. Gab man dem Patienten erneut Paroxetin, verschwanden die Symptome innerhalb einiger Stunden. Nach dem langsamen Entzug von Paroxetin über 5 Monate hörten die Empfindungen vollständig auf. Ein 28jähriger Mann erhielt gegen Angstzustände seit 2 Monaten Paroxetin (bis zu 30 mg/Tag) und Clonazepam (Rivotril, 3mal 0,5 mg/Tag). Wegen Ejakulationsschwierigkeiten wurde die Therapie mit Paroxetin allmählich sistiert. Zwei Tage nach der letzten Dosis von 10 mg bemerkte der Patient «elektrische Wellen», die sich vom Kopf über die Brust zum Bauch hin bewegten. Die Attacken dauerten jeweils 5 Sekunden. Während andere Entzugssymptome - Übelkeit, Benommenheit, Schlaflosigkeit und starker Schwindel - binnen einer Woche aufhörten, hielten die elektrischen Missempfindungen für weitere 2 Wochen an.
Frost L, Lal S. Am J Psychiatry 1995; 152: 810

[...]

Gemäss einer Statistik der australischen Arzneimittelbehörden liegen für Paroxetin wesentlich mehr Berichte über Entzugserscheinungen vor als für die anderen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Es ist möglich, dass dies damit zusammenhängt, dass Paroxetin eine relativ kurze Halbwertszeit und zudem keine aktiven Metaboliten hat. Neben den hier zusammengefassten Berichten über Entzugssymptome finden sich noch mehrere andere in der Fachliteratur; für Sertralin (Gladem®, Deroxat®) werden vereinzelt ähnliche Probleme (auch «elektrische» Phänomene) beschrieben. Eine epidermale Nekrolyse ist wohl eine sehr seltene Nebenwirkung, muss aber wegen ihrer Gefahr erwähnt werden. Der Bericht über extrapyramidale Symptome weist darauf hin, dass grundsätzlich alle psychotropen Medikamente mehr oder weniger häufig Probleme dieser Art verursachen können.
Zuletzt geändert von Oliver am Sonntag, 12.09.04, 11:09, insgesamt 1-mal geändert.

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Zum Thema SSRI und Abhängigkeit

Beitrag von Oliver » Samstag, 11.09.04, 12:58

Zum Thema SSRI und Abhängigkeit

Dieser Abschnitt enthält beispielhaft Auszüge aus Gebrauchsinformationen von Paroxetin aus verschiedenen Ländern und die Aussagen von Glaxo SmithKline und der Weltgesundheitsorganisation zu diesem Thema.

Problematisch bei SSRI ist, dass sie eine bisher unbekannte Form der Abhängigkeit produziert können, welche sich nur durch Absetzerscheinungen bemerkbar macht. Dies führt dazu, dass Ärzte Probleme haben, die Abhängigkeit als solche zu erkennen. Darüberhinaus argumentieren Firmen wie GSK mit ungeeigneten Definitionen von Abhängigkeit, um zu "beweisen", dass SSRI nicht abhängig machen. Die Überlegung der WHO, welche als Letztes in diesem Text zitiert wird, tendiert eher in Richtung eine passendere Definition von Abhängigkeit zu schaffen.
Auszug aus der deutschen Gebrauchsinformation (Stand Oktober 2002) hat geschrieben:Obwohl nach Beendigung der Behandlung Absetzsymptome auftreten können, lassen die vorhandenen präklinischen und klinischen Daten nicht darauf schließen, dass SSRIs eine Abhängigkeit verursachen. Symptome über die im Zusammenhang mit Absetzerscheinungen berichtet wurde sind: Benommenheit, sensorische Störungen (z.B. Parästhesie), Schlafstörungen, Kopfschmerz, Übelkeit, Angst und Schwitzen. Die meisten der Absetzerscheinungen verlaufen mild und verschwinden von selbst nach ein bis zwei Wochen. Langsame Dosisreduktion sollte zur Beendigung der Behandlung in Betracht gezogen werden.
Das klingt noch sehr harmlos ...
Auszug aus der amerikanischen Gebrauchsinformation hat geschrieben:Wann immer möglich, sollte eine schrittweise Reduzierung der Dosis einem schnellen Absetzen vorgezogen werden. Sollten nach der Reduktion inakzeptable Nebenwirkungen auftreten, muss eine Erhöhung auf die ursprüngliche Dosis in Betracht gezogen werden. Danach kann der Arzt die Dosis wieder reduzieren - allerdings in kleineren Schritten.
Das geht schon ein wenig weiter ...
Auszug aus der Gebrauchsinformation in Großbritannien (Stand Juni 2003) hat geschrieben:Studien zeigen, dass 1/4 der Patienten Symptome beim Absetzen von Paroxetin bemerken (im Vergleich zu 1/7 der Patienten auf Placebos). Für die Mehrheit der Menschen verschwinden diese Symptome innerhalb von zwei Wochen. Wenn Sie Paroxetin absetzen, könnte ihr Arzt Ihnen raten, die Dosis sehr langsam durch das Halbieren von Tabletten und, wenn nötig, zweitägige Einnahme zu reduzieren. Wenn die Dosis nicht langsam reduziert wird, besteht eine größere Wahrscheinlichkeit, dass Nebenwirkungen auftreten. Wenn nach dem Absetzen von Paroxetin schwere, unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf. Ihr Arzt könnte Ihnen raten, die Einnahme wieder zu beginnen und dann langsamer abzusetzen. Er könnte Ihnen auch die flüssige Form von Paroxetin verschreiben, wenn er der Meinung ist, dass es Ihnen damit leichter fällt.
Der Wortlaut der letzten Änderung der englischen Gebrauchsinformation wird von den Vertretern der Interessengruppen in Großbritannien in Zusammenarbeit mit dem Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency (MHRA) zur Zeit noch diskutiert. Nach Meinung der Betroffenen sind die Warnungen unzureichend und irreführend und werden dem tatsächlichen Ausmaß der Beschwerden immer noch nicht gerecht. Aber zumindest geht das viel weiter als die Warnungen im deutschen Beipackzettel. Dies zeigt sehr schön, dass die Arzneimittelhersteller nur warnen, wenn sie absolut müssen, selbst wenn sie es besser wissen. Selbst GSK gibt also zumindest im englischen Beipackzettel zu, dass das Absetzen durchaus sehr problematisch verlaufen kann.

Dies ist ein Kommentar von Dieter Angersbach (Senior Medical Advisor CNS von SmithKline Beecham, e-mail: Dieter.Angersbach@sb.com.) bezüglich des Abhängigkeitspotentials von Seroxat (Paroxetin) im Speziellen und Antidepressiva im Allgemeinen. Es handelt sich hierbei um einen Auszug aus einer an das ADFD weitergeleiteten eMail an einen Patienten, der Glaxo SmithKline angeschrieben hatte, weil er seiner Ansicht nach von Paroxetin abhängig geworden war:
Dieter Angersbach hat geschrieben:Macht Seroxat abhängig?
a) Diese Frage lässt sich z.B. mit Hilfe der ICD-10-Kriterien (oder DSM-IV-Kriterien) für Substanzabhängigkeit untersuchen.
Von den folgenden ICD-10-Kriterien müssen mindestens 3 zutreffen:
(1) Starkes Verlangen oder ein Zwang, die Substanz zu konsumieren
(2) Verminderte Fähigkeit zur Kontrolle der Einnahme bezüglich Beginn, Beendigung und Menge
(3) Ein körperliches Entzugssyndrom bei der Dosisreduktion oder Absetzen
(4) Toleranzentwicklung, Verlangen nach Dosissteigerung
(5) Einengung auf den Substanzkonsum: wichtige soziale, berufliche Aktivität und Freizeitaktivität werden aufgrund des Mißbrauchs aufgegeben.
(6) Anhaltender Substanzkonsum trotz eindeutig schädlicher Folgen
Es ist offensichtlich, daß Seroxat (die Antidepressiva) kein solches Verhalten und keine dieser beschriebenen Symptome auslöst. Die einzigen Merkmale über die man stolpern könnte, sind (1) und (3).
Zu (1) Starkes Verlangen, die Substanz zu konsumieren
Es gibt gelegentlich Patienten, die nicht bereit sind, das Medikament abzusetzen.
Diese Weigerung ist jedoch nicht in einem starken Verlangen nach der Substanz (Craving) begründet, sondern in der Angst vor dem Rückfall in die Depression. Der Arzt hat in solchen Fällen dem Patienten nicht genügend Zutrauen vermitteln können, daß er auch ohne die "Krücke" Medikament wieder normal leben kann.
Zu (3) Körperliches Entzugssyndrom nach Absetzen
Bekanntlich treten bei einem Teil der Patienten nach abruptem Absetzen des Antidepressivums sog. Absetzsymptome auf, wie z. B. Unruhe, Schwitzen oder Übelkeit. Diese Symptome erscheinen nach 3 - 4 Tagen, sind meist tolerabel und verschwinden ebenso spontan nach einem Tag bis zwei Wochen.
In Dauer und Intensität sind sie mit den Entzugssymptomen nicht vergleichbar.
Fazit: nach den allgemein anerkannten Diagnosekriterien erzeugt Seroxat /erzeugen Antidepressiva keine Abhängigkeit.
... also nur zwei der drei notwendigen Kriterien werden erfüllt. Was die mögliche Schwere der Symptome angeht, stehen Angersbachs Aussagen sogar in starkem Kontrast zum englischen Beipackzettel, geschweige denn zu den wenigen unabhängigen Studienergebnissen zu diesem Thema.

Die World Health Organisation kommentiert die Problematik allerdings etwas anders.

[quote=""WHO Drug Information", 1998, 12, 3, 136-138"]Es gibt offensichtlich einige Verwirrung über das Konzept der Abhängigkeit ... die einfachste Definition von Drogenabhängigkeit der WHO ist, wenn sich beim Entzug der Droge, die über einen längeren Zeitraum gewohnheitsmäßig eingenommen wurde, Missbehagen und Beschwerden zeigen. Als weiteres Merkmal gilt, dass diese Erscheinungen durch die neuerliche Zufuhr der Droge (oder einer ähnlich wirkenden Droge) wieder zum Abklingen gebracht werden können.
Die Menschen, die Probleme haben die Einnahme eines Medikamentes trotz langsamer Dosisreduzierung zu stoppen, sind deshalb als abhängig von diesem Medikament zu betrachten, es sei denn ein Rückfall in die Depression ist der Grund für ihre Unfähigkeit, die Medikation zu stoppen.
Im Allgemeinen haben alle unangenehmen Absetzerscheinungen ein gewisses Potenzial Abhängigkeit zu erzeugen - dieses Risiko mag von Person zu Person variieren. Es wird keine Abhängigkeit auftreten, wenn die Absetzerscheinungen so mild sind, dass alle Patienten sie einfach tolerieren können. Mit wachsender Stärke wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass dies zur Abhängigkeit führt. Obwohl die Melderaten von SSRI Absetzsymptomen im Vergleich mit der verschriebenen Menge niedrig erscheint, ist es ratsam, das Beobachten der Absetzproblematik bei Patienten zu empfehlen, selbst wenn das SSRI in einer moderaten Dosis verschrieben wird.[/quote]

[Ergänzung 04.11.2004]
Es handelt sich hierbei also um ein Problem der Definition des Begriffes "Abhängigkeit". Die herkömmliche Klischeevorstellung z.B. eines Heroinsüchtigen (welcher im Sinne der DSM-IV Definition abhängig wäre) wird auf ein Psychopharmakon angewendet, welches Abhängigkeit hauptsächlich aufgrund teilweise unerträglicher Absetzsymptome erzeugt. Diese "verschärfte" Definition von Abhängigkeit im DSM-IV exisitiert erst seit 1994. Davor galt das DSM-III, welches als ausreichendes Kriterium für Abhängigkeit schon das bloße Auftreten von Absetzssymptomen ansah.

Das DSM ist das weltweite Standardwerk zur Diagnose psychischer Erkrankungen. Es wird von der American Psychiatric Association (APA) erstellt. Alle großen SSRI-Hersteller unterstützen die APA finanziell in großem Ausmaß ( http://www.cspinet.org/integrity/corp_funding.html ) und üben zweifelsohne großen Einfluß auf diese Organisation aus. Detailliertere politische Hintergründe für die Änderung der Definition im DSM-IV werde ich hier aus Platzgründen nicht ausführen und verweise hier nur auf Medawar 20004 ("Medicines out of control?").
Zuletzt geändert von Oliver am Mittwoch, 22.02.06, 8:58, insgesamt 13-mal geändert.

Oliver
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SSRI ABSETZEN

Beitrag von Oliver » Samstag, 11.09.04, 13:05

SSRI ABSETZEN

David Healy

SSRI steht für „Selective Serotonin-Reuptake-Inhibitor“ - übersetzt heißt das: selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Substanzen nur auf das Serotonin-System wirken oder, dass sie in irgendeinem pharmazeutischen Sinne „sauber“ sind. Es bedeutet nur, dass SSRI wenig Einfluss auf das Norepinephrin/Noradrenalin System haben. Zur Zeit sind 6 SSRI auf dem Markt:

Bild

Anmerkungen zur Tabelle:
  • Escitalopram ist eine relativ neue (Anfang 2003) Weiterentwicklung von Citalopram (vom Übersetzer ergänzt)
  • Venlafaxin ist bis 150mg ein SSRI und über 150mg zusätzlich ein Noradrenalin Wiederaufnahmehemmer
  • Die deutschen Handelsnamen wurden vom Übersetzer ergänzt. Falls sie aus einem anderen Land sind, orientieren Sie sich bitte am enthaltenen Wirkstoff.
Zuletzt geändert von Oliver am Sonntag, 05.06.05, 19:07, insgesamt 5-mal geändert.

Oliver
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Beitrag von Oliver » Samstag, 11.09.04, 13:08

ABSETZSYMPTOME

David Healy

SSRI Absetzsymptome lassen sich in zwei Gruppen aufteilen. In der ersten Gruppe sind Symptome, die bei Ihnen eventuell noch nie aufgetreten sind und schließen folgende Symptome ein:
  • Schwindel – die meisten beschreiben es als ein Gefühl, als ob der Kopf bei einer Drehung nicht schnell genug nachkommt
  • Kopfschmerz
  • Muskelkrämpfe/Muskelzittern
  • Gefühl eines elektrischen Schlages – vornehmlich vom Kopf sich ausbreitend (im englischen „zaps“ getauft)
  • Andere seltsame kribbelnde oder schmerzhafte Gefühle
  • Übelkeit, Durchfall, Blähungen
  • (Alb)Träume – gewaltsamer oder extrem lebhafter Natur
  • gesteigerte Erregbarkeit, Ruhelosigkeit (Agitation)
Die zweite Gruppe von Symptomen könnten Sie oder Ihren Arzt zu der Annahme verleiten, dass ihre ursprünglichen Symptome wieder aufgetreten sind. Diese beinhalten:
  • Depressionen
  • Labile Stimmung – starke Stimmungsschwankungen
  • Reizbarkeit
  • Gesteigerte Erregbarkeit, Ruhelosigkeit (Agitation)
  • Verwirrung
  • Müdigkeit/Unwohlsein – grippeähnliches Gefühl
  • Schlaflosigkeit oder Benommenheit/Schläfrigkeit
  • Atypisches Schwitzen
  • „Unreales“ Gefühl – wird auch als wie in einem (Horror)Film sein beschrieben
  • Hitze- oder Kältewallungen
  • Optische Wahrnehmungsstörungen
  • Veränderung der Persönlichkeit
[Ergänzung des Übersetzers: Die folgenden Symptome werden zusätzlich auf www.quitpaxil.org als die häufigsten Absetzsymptome von Paroxetin angegeben]
  • Intensive Angst, den Verstand zu verlieren
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Panikattacken (selbst, wenn Sie vorher noch nie eine hatten)
  • Selbstmordgedanken (in extremen Fällen)
  • Unsicherer Gang
  • Verwaschene Aussprache
  • Weinkrämpfe
  • Extreme Empfindlichkeit in bezug auf Bewegungen, Geräusche und Gerüche
  • Verringerter/Verlust des Appetit(s)

Oliver
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Beitrag von Oliver » Samstag, 11.09.04, 13:12

LEIDE ICH AN ABSETZERSCHEINUNGEN?

David Healy

Es gibt drei Indikatoren, um zwischen Absetzerscheinungen und dem Wiederauf-tauchen der ursprünglichen Symptomatik zu unterscheiden:

1. Wenn das Problem kurze Zeit nach einer Dosisreduktion oder dem Absetzen auftritt (das können je nach Patient Stunden, Tage oder sogar einige Wochen sein) ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um ein Absetzsymptom handelt. Das erfolgreich behandelte ursprüngliche Problem sollte eigentlich nach dem Absetzen über Monate oder sogar Jahre nicht mehr auftauchen.
2. Wenn die Symptome (siehe Absetzsymptome) nach erneuter Einnahme oder Erhöhung der Dosis wieder verschwinden, deutet dies ebenfalls auf ein Absetzsymptom hin und nicht auf ein Wiederauftauchen der ursprünglichen Symptomatik. Wenn es echte Krankheitssymptome wären, würde es länger dauern, bis Sie wieder auf die Behandlung ansprechen. Die kurzfristige Reaktion der Symptomatik auf die Behandlung weist auf ein Absetzproblem hin.
3. Es ist durchaus möglich, dass sich ihre Absetzsymptome mit den Symptomen ihrer eigentlichen Krankheit überlappen. Beides enthält Elemente von Unruhe, Angst und Depressionen. Ebenso oft treten beim Absetzen aber auch völlig neue Symptome auf wie: kribbelnde Gefühle, elektrische Schocks, Schmerzen und ein grippeähnliches Gefühl.

Vor dem Absetzen eines SSRI sollte man sich vergegenwärtigen, dass viele Menschen keine Probleme haben werden. Einige werden minimale Probleme haben, die möglicherweise nach ein paar Tagen ihren Höhepunkt erreichen, um dann wieder nachzulassen. Die Symptome können allerdings auch einige Wochen oder sogar Monate andauern. Manche Menschen werden größere Probleme haben, denen mit den nachfolgenden Absetzplänen geholfen werden kann.
Schließlich wird es aber eine Gruppe von Menschen geben, die das SSRI schlicht und einfach nicht absetzen können. Es ist wichtig, diese letzte Möglichkeit anzuerkennen, damit Sie sich in diesem Falle nicht unnötig quälen. Ärztliche Hilfe mag für manche Angehörigen dieser Gruppe hilfreich sein, um den Nebenwirkungen der SSRI zum Beispiel dem Verlust der Libido, medikamentös entgegenzuwirken.

Oliver
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Beitrag von Oliver » Samstag, 11.09.04, 13:16

ABSETZPLAN

David Healy

[Anmerkung des Übersetzers: Ich habe den Plan so sorgfältig wie es mir bei meinem Verständnis als Laien möglich war übersetzt, aber es liegt natürlich in der Verantwortung des Arztes, die Informationen auf ihre Korrektheit zu überprüfen und eventuelle Unterschiede in den jeweils landesspezifischen Versionen der Medikamente zu berücksichtigen. Da ich nicht genügend über die spezifischen Verhältnisse zwischen den einzelnen SSRI und ihrer jeweiligen flüssigen Form oder ihre Dosierungsverhältnisse zueinander informiert bin, beziehen sich alle Dosisangaben auf die entsprechenden Mengen der Tablettenform bzw. Kapselform des Medikamentes und sind entsprechend umzurechnen.]

Warnung: Ein überschnelles oder gar abruptes Absetzen eines SSRI kann gefährliche Folgen haben, speziell bei älteren Mitmenschen.

(1A) Wechseln sie von Ihrem bisherigen SSRI zu einer entsprechenden Dosis flüssigem Fluoxetin [Anm. d. Übers.: Beachten sie dabei die Dosierungsumrechnung zwischen Tabletten- und flüssiger Form und die Unterschiede in den Dosierungen der einzelnen SSRI zueinander]. Der Grund für den Wechsel ist, dass Fluoxetin von allen SSRI die längste Zeit im menschlichen Blutkreislauf verbleibt (also die längste Halbwertszeit hat) was die Absetzproblematik insgesamt vermindert. Die flüssige Form erleichtert die genaue, graduelle Dosisreduktion.
(1B) Eine weitere Möglichkeit ist es, zu 100mg Clomipramin (Anafranil) pro Tag zu wechseln. [Anm. des Übers.: Dies ist zwar ein Tryzyklikum wirkt aber auch stark auf den Serotonin-Mechanismus und kann deshalb eventuell als SSRI Substitut verwendet werden]. Dieses wird in 25mg und 10mg Kapseln angeboten und erlaubt eine graduellere Dosisreduktion als die SSRI. Die 10mg Kapsel kann geöffnet werden und teilweise entleert werden, um eine noch graduellere Dosisreduktion zu erlauben.
(bitte die Kapsel mit dem Rest des Pulvers wieder verschliessen und die Kapsel einnehmen)
(1C) Sie können auch zu einer entsprechenden Dosis der flüssigen Form ihres SSRI wechseln. Viele Menschen können zum Beispiel nicht einfach von Paroxetin zu flüssigem Fluoxetin wechseln.

(2) Wenn eine der Optionen (1A) – (1C) bei Ihnen funktioniert, bleiben sie eine Woche bei dieser Dosis.

(3) Wenn es mit Schritt (2) keine Probleme gab, kann die Dosis auf die Hälfte reduziert werden. Falls es doch Probleme gab, sollte die Dosis in kleineren Schritten reduziert werden.

(4) Ab einer Menge von 10mg flüssigem Fluoxetin (oder Ihrem SSRI) oder 10mg Anafranil, versuchen Sie über einen Zeitraum von ein paar Wochen hinweg die Dosis alle paar Tage um 1mg zu reduzieren. Mit flüssigem Fluoxetin kann dies durch Verdünnung erreicht werden.

(5) Wenn es in irgendeiner Phase Probleme geben sollte, sollte man die Dosis für einen längeren Zeitraum unverändert lassen, bevor man weiter reduziert.


Variante des Absetzplans für Patienten mit starken Absetzsymptomen

Manche Menschen reagieren extrem empfindlich auf das Absetzen eines SSRI. Wenn es inakzeptable Probleme bei obengenannten Schritten (1A) – (1C) geben sollte, kehren Sie zu ihrem ursprünglichen Medikament und der ursprünglichen Dosis zurück.

Reduzieren Sie von da ab in 1mg Schritten oder wie Sie es vertragen.
Absetzerscheinungen und Abhängigkeit sind physische Phänomene. Manche Menschen können verständlicherweise Opfer von extremen Angstzuständen werden, vor allem, wenn die Erfahrung sprichwörtlich schockierend ist. Ein Psychiater kann in diesen Fällen eventuell helfen, die Angstzustände zu lindern.

Selbsthilfegruppen können auch von sehr großem Nutzen sein. Werden Sie Mitglied in einer Selbsthilfegruppe, oder gründen Sie selbst eine, wenn es in ihrer Nähe noch keine gibt. Sie werden viele Leute mit einem ähnlichen Problem treffen.

Es gibt Hinweise darauf, welche wissenschaftlich allerdings nicht sehr gut belegt sind [Anm. des Übersetzers: mittlerweile schon], dass Johanniskraut auch als Ersatz für ein SSRI verwendet werden kann. Wenn eine entsprechende Dosis Johanniskraut für sie als Ersatz der SSRI tolerierbar ist, können Sie stattdessen das Johanniskraut über einige Wochen langsam in der Dosis reduzieren. Manche mögen aus verständlichen Gründen diesen Ansatz bevorzugen. Allerdings hat Johanniskraut seine eigene Problematik bezüglich Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Nebenwirkungen. Tun sie also auch dies wiederum nur in Absprache mit ihrem Arzt.


Abschliessende Bemerkungen

Die Probleme des Absetzens können sich auf ein Maß abschwächen lassen, das Ihnen ermöglicht, weiterhin ein normales Leben zu führen. In jedem Falle sollten sie die Probleme, die sie beim Absetzen erfahren den zuständigen Stellen melden (für Deutschland: siehe Anhang) oder das Ihren Arzt für Sie tun lassen.

Es gibt eine eindeutige Wirkung von SSRI auf das Herz. Die oben aufgeführte Liste der Absetzerscheinungen enthält allerdings keine Herzprobleme, welche in der Phase nach dem Absetzen auftreten. Sollten solche Probleme allerdings bei Ihnen auftauchen, könnten sie mit dem Absetzen in Zusammenhang stehen und sollten auf jeden Fall auch ihrem Arzt und entsprechenden Stellen gemeldet werden.

SSRI sind bekannt dafür, dass sie die sexuellen Funktionen erheblich stören können. Die herkömmliche Meinung ist, dass diese sich mit dem Stoppen der Einnahme wieder normalisieren. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass dies nicht auf alle Menschen zutrifft. Falls bei Ihnen nach dem Absetzen die sexuellen Funktionen weiterhin gestört bleiben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welcher ihnen hoffentlich weiterhelfen kann und diese Tatsache auch den entsprechenden Stellen meldet.

Ähnlich dem gerade angesprochenen Problem mag es noch andere andauernde Beschwerden nach dem Absetzen geben. Auch dies sollten Sie in jedem Falle Ihrem Arzt melden. Die beste Möglichkeit Abhilfe zu schaffen, ist möglichst viele Menschen von diesen Problemen wissen zu lassen.

Oliver
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Beitrag von Oliver » Sonntag, 12.09.04, 9:32

Absetzen von Paroxetin mit Seroxat Suspension

Seroxat Users Group

[Anmerkung des Übersetzers: Ich bin nicht über die korrekte Umrechnung der deutschen Version von flüssigem Paroxetin in bezug auf die Tablettenform unterrichtet (beim englischen Seroxat liquid entspricht 1mg der Tablettenform 0.5ml der flüssigen Form) deshalb sind auch hier die Dosierungsangaben in der Tablettenform und müssen entsprechend um-gerechnet werden]

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt Paroxetin in flüssiger Form verschreiben (Seroxat Suspension). Besorgen Sie sich aus der Apotheke eine Spritze, mit der Sie auf 0.1 ml genau dosieren können. Dies ermöglicht die notwendige Genauigkeit bei der graduellen Reduktion der Dosis.

Wechseln Sie zu der Ihrer Dosis entsprechenden Dosis Seroxat Suspension.

Vielen Menschen fällt das Absetzen entschieden leichter, wenn sie die Dosis auf wöchentlicher Basis um 1mg reduzieren. Selbstverständlich sollten Sie die Dosisreduktion unter Aufsicht ihres Arztes an ihre individuelle Situation anpassen.

Für viele Menschen ist der letzte Milliliter der schwerste. Falls es Ihnen auch so gehen sollte, senken sie die Schrittgröße ab 1ml auf 0.1ml Schritte ab und reduzieren sie weiter auf wöchentlicher Basis.

Für den Erfolg dieser Methode ist es entscheidend, dass die Dosis täglich exakt abgemessen wird; dies ist nur mit einer entsprechenden Spritze möglich – benutzten Sie auf keinem Fall den mitgelieferten Dosierbecher, er ist zu ungenau. Auch durch das Zerteilen von Tabletten ist die erforderliche Genauigkeit nicht zu erreichen.

Das Absetzen sollte auf keinem Fall zu schnell erfolgen, selbst wenn es problemlos verläuft. Es kann 4 Tage oder länger dauern, bis sich Absetzsymptome bemerkbar machen. Seien Sie nicht ungeduldig oder enttäuscht, wenn das Absetzen länger dauert als Sie erwartet haben. Es ist für viele Menschen ein sehr schwieriger Prozess.

Oliver
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Beitrag von Oliver » Sonntag, 12.09.04, 10:03

Unerwartete Nebenwirkungen und Abhängigkeit von Medikamenten sollten den entsprechenden Stellen gemeldet werden. Ärzte machen das von sich aus nur selten. Bitten Sie also entweder Ihren Arzt eine solche Meldung zu erstatten, oder tun sie es selber. Es folgen Links zu den entsprechenden Stellen.

Arzneimittelkommision der deutschen Ärzteschaft
Bild

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Formular des BfArM (Teil 1)
Formular des BfArM (Teil 2)

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