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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

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Medis bei mir wirklich nötig? (Cipramil)

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
AliceS
Beiträge: 6
Registriert: 06.09.2008 21:33
Wohnort: Ruhrgebiet

Medis bei mir wirklich nötig? (Cipramil)

Beitrag von AliceS »

Kurz zu mir: ich bin seit Oktober 2007 in ambulanter Psychotherapie, da mein Leben im Moment nicht optimal ist. Vor 6 Wochen kamen dann Panikattacken, Angstzustände und Depressionen. Habe Fluoxetin verschrieben bekommen, von denen ich aber absolute Nebenwirkungen hatte. (Unruhe, Schüttelfrost, Ängste, Kribbeln ...) Desh. sofort abgesetzt. Meine Therapeutin hat mich in eine Tagesklinik eingewiesen. Dort bin ich jetzt seit drei Wochen. Seitdem gehts aufwärts, OHNE MEDIKAMENTE!! (Ich bin da in der Klinik die Ausnahme, dort nimmt JEDER Medikamente)
Nun meinte der Chefarzt am Freitag bei der Visite, ich MUSS es mit Cipramil versuchen. Montag soll ich damit beginnen. Nebenbei bemerkt, der Chefarzt hat mich vorher noch nie gesehen, hat nur meine Akte durchgelesen.
Nun bin ich ganz hin und her gerissen. Wenn man ständig Leute um sich hat, die Medis nehmen, wenn man ständig hört, es geht nicht ohne, da werde ich voll unsicher! Allerdings gehts mir schon viel viel besser! Und ich weiß auch, was ich in meinem Leben zu ändern habe. Ab und zu kommen noch kleine Ängste und traurige Gedanken, aber ich bin nicht antriebslos, o. ä .
Ich weiß, ich muss es für mich selber entscheiden, aber kann mir hier vll jemand einen Rat geben? Ich bin so verunsichert.
Ich würde es lieber erstmal ohne versuchen. Wenn ich dann merke, es wird wieder schlimmer, oder es bessert sich nicht weiter, dann kann ich doch immernoch damit anfangen, oder?
Sabine08
Beiträge: 34
Registriert: 13.07.2008 13:58
Wohnort: NRW

Beitrag von Sabine08 »

Hi Alice!

Da Du selbst schreibst, dass Du langsam auf einem Weg der Besserung bzw. Stabilität bist OHNE Medikamente und weißt, was Du in Deinem Leben ändern möchtest, solltest Du auf Medikamente verzichten! Lass Dich bitte nicht von einem Arzt überreden bzw. Dich durch andere unter Druck setzen. Du musst DEINEN Weg gehen, und wenn Du das Gefühl hast, dass Du vorerst ohne Medikation klar kommst und an Dir arbeiten möchtest, ist das doch ganz wunderbar! Dem Arzt würde ich unbedingt von Deinen Zweifeln berichten, schließlioch ist er für Dich da und nicht Du für ihn, damit er mal wieder schön Medikamente verschreiben kann. Wenn Du Dich momentan in der Lage fühlst, selbst zu entscheiden, was Du möchtest und was nicht und was gut für Dich ist und was nicht, solltest Du auch DIR folgen!
Wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und positive Entwicklungen!
kishti
Beiträge: 234
Registriert: 15.11.2007 19:11
Wohnort: Berlin

Beitrag von kishti »

Hi,
ich hatte einen Zusammenbruch letztes Jahr und bin aufgrund schlimmster Panikattacken in die Klinik gegangen.
Nach 1 Stunde Weinen und Zuwendung von Mitpatienten und einem Arztgespräch ging es mir sehr viel besser. Ich hätte es gerne ohne Medikament versucht, aber man bedeutete mir, dass das halt das Konzept sei und wenn ich ohne Medikamente weitermachen wolle, müsse ich halt wieder gehen. Das hat so viel Angst hervorgerufen, dass ich ein AD nahm.

Da es eine Notambulanz war, denke ich, dass man dort Medikamente gibt um erst einmal das Gefühlsleben auszubalancieren, damit man wieder raus kommt. Der Rest wird dann meist in eine Kur verlagert, wenn man sie denn bekommt.

Wenn ich nicht solche Angst gehabt hätte, dass ich zuhause wieder Schwierigkeiten bekomme, hätte ich das Zeug nicht genommen, denn auch davor hatte ich Panik.

Ich würde Dir empfehlen, wenn Du der festen Überzeugung bist, dass es Dir so gut geht, die Medis nicht zu nehmen und noch mal mit dem Arzt zu sprechen und ihm zu sagen, dass Du es so versuchen willst und wenn es nicht geht, kannst Du die Medis immer noch nehmen.
Ich hatte da schon eine Therapie außerhalb, die Therapeutin hat mich unterstützt, wieder aufzuhören, obwohl sie selbst meinte, man müsse das Zeug schon wenigstens ein halbes bis ein Jahr nehmen.


L.G.
Antje2105

Beitrag von Antje2105 »

guten morgen!
die frage würde sich mir garnicht stellen, vielleicht war es nur eine episode mit den attacken, etc. - du schreibst es geht bergauf, dir geht es besser. warum dann medikamente? gehe in der tagesklinik deinen weg, sag dem herrn chefarzt er solle die medikamente selber einwerfen, konzentriere dich auf dich, nimm mit, was mitzunehmen ist und schaue nach vorne, nicht zurück. mache dir keine gedanken was morgen ist, lebe im heute und da geht es bergauf mit dir. nimm das wahr! alles gute, kopf hoch und erst in eine sache knien, wenn sie akut ist, deine psyche kann auch das kommende beeinflussen oder gar heraufbeschwören.............. antje
Marsupilami

-

Beitrag von Marsupilami »

Diesem Arzt müsste man was anhängen wegen absolutem Fehlverhalten. Wenn Du kannst, solltest Du Dich eigentlich an oberster Stelle beschweren, dass Du ohne jede Not unter Druck gesetzt wirst, Psychopharmaka zu nehmen, das ist unverantwortlich. So jemand gehört die Approbation abgenommen. Ist doch super, dass es Dir dort dank Therapien gut geht. Lass Dich um Himmels Willen nicht beschwatzen, das Teufelszeug zu nehmen, wenn du es nicht brauchst. Du willst ja nicht noch mehr Probleme bekommen.
Mareile
Beiträge: 99
Registriert: 17.01.2008 20:04

Beitrag von Mareile »

Hallo Alice,

ich schließe mich den Meinungen meiner Vorredner an.
Es ist doch toll, dass es Dir besser geht und Du vor allem einen Weg siehst, deine Lebenssituation anzugehen. Kannst Du diesen Weg nicht in der ambulanten Psychotherapie weitergehen ?Auf dise Weise kommst Du dauerhaft ans Ziel. Das Cipramil ersetzt Dir allenfalls einen Klinikaufenthalt, löst aber sonst keine Probleme.
Alles Gute für dich!!!
Mareile
AliceS
Beiträge: 6
Registriert: 06.09.2008 21:33
Wohnort: Ruhrgebiet

Beitrag von AliceS »

Danke für eure zahlreichen Meinungen! Das stärkt meine Entscheidung wirklich.

Ich hatte ausgerechnet heute Oberarzt-Visite. Egal, ich habs ihm gesagt. Er hat verständnisvoll reagiert, meinte, wenn ich sowieso schon eine Ablehnung hätte, würden die Nebenwirkungen garantiert kommen.

Wieso ich überhaupt überlege, ich denke, dass es mir evtl "richtig gut" gehen würde, mit Medikamenten. Aber heute hatten wir Depressionsgruppe in der Klinik. Da hat eine Frau geschildert, durch die Medis wäre die extreme Traurigkeit erstmal weg, aber ihre Stimmung und Antrieb sind trotzdem nicht besser. Also wüsste ich für mich persönlich jetzt grad garnicht, gegen was würden die Medis bei mir jetzt im Moment überhaupt einen Sinn haben? Wenn ich mich vergleiche, geht es mir im Moment ohne Medis, so wie vielen in der Klinik mit Medis.

Versteht ihr meine Unsicherheit?



Aber davon abgesehen, ich hatte schon öfter Probleme mit Ängsten. Mein Leben ist nicht optimal verlaufen. Meine Mutter ist schon seit ca 25 Jahren in Therapie und war auch schon 3x in Kur (hat nie Medis genommen!). Liegt also in der Familie. Und deshalb denke ich, vll komm ich da nicht ohne Medikament raus. Und wenn man das immer eingeredet bekommt, und wenn die Ärzte mit den Medis um sich schmeißen, wie mit Smarties, da wird man unsicher.

Ein ewiges hin und her ... ätzend! Aber fürs erste ist das Thema in der Klinik nun erstmal erledig. Mal gespannt, wann sie mir zur Entlassung "raten", weils mir ja anscheinend so gut geht :twisted:
Marsupilami

Beitrag von Marsupilami »

Hallo Alice,

mal eine Frage zu Deiner Mutter: Welche Krankenkasse zahlt 25 Jahre Psychotherapie?

Und zu Dir: Lass Dich nicht verunsichern. Medikamente kannst du immer nehmen. Aber das sind echte Teufelspillen, jede Menge Nebenwirkungen, die meisten Leute experimentieren mit zig Präparaten herum, bis mal überhaupt eins hilft, usw. Lass die Finger davon, wenn Du das Zeug nicht brauchst. Und der Schwachsinn, dass Nebenwirkungen durch eine entsprechende Erwartungshaltung kommen, da fehlen mir die Worte. Es gibt keinen, der keine Nebenwirkungen hat, das ist ganz normal, denn es handelt sich um chemische eingriffe und die Stoffe, an denen manipuliert wird, sind für zig Funktionen zuständig. Bleib kritisch, Psychiater sind sehr schlecht ausgebildet, speziell, was die problematischen Aspekte von Psychopharmaka angeht. Aus Ängsten heraus kommst Du mit Psychopharmaka übrigens nicht. Die manipulieren Dein Gehirn, aber die zugrundeliegenden Emotionen, die zu Deiner Entwicklungsgeschichte gehören, können sie natürlich nicht beseitigen. Also reine Symptomkuriererei. Hör immer auf Dich, denn niemand kann sich in Dich einfühlen und wissen, was genau in Dir vorgeht, deshalb kommt es so oft zu Fehldiagnosen und -behandlungen.
kishti
Beiträge: 234
Registriert: 15.11.2007 19:11
Wohnort: Berlin

Beitrag von kishti »

Hi Alice,

ich stimme Marsu zu. Wenn du das Gefühl hast, dass es dir gut geht, dann nimm keine Medikamente.
Ich bin Angstpatientin und habe Jahre lang kaum Angst gehabt. Diese Panikattacken kommen immer in ganz bestimmten Phasen bei mir und die sind dann meist traumatisch (3 Mal in meinem Leben). Meine Mutter war eine sehr ängstliche Person in vielen Bereichen des Lebens und hat ihr Leben so eingerichtet, dass sie ihre Ängste möglichst vermeiden konnte. Daher war sie nicht so emotional beeinträchtigt. Ich habe leider, da ich anders bin, vieles "aufgenommen" und verinnerlicht, obwohl ich immer dagegen gekämpft habe.

Es wird oft behauptet, dass das familiär bedingt ist. Erwiesen ist es aber nicht, vor allem nicht ob es genetisch veranlagt ist.
Man findet nur in Familien mit Depressionen und/oder Ängsten oft weitere Generationen mit ähnlichen Symptombildern.
Ob das angeboren ist oder erworben ist nicht sicher. Auch da streitet man je nach Psycho-Richtung.

Ich persönlich denke inzwischen, dass es erworben ist. Es sind für mich eher Verhaltensweisen, die zum Schutz dienen und ich denke, dass man sie durch Identifikation mit dem Elternteil erworben hat, denn so lernen Kinder auch.
Fazit: Man kann umlernen.
Dadurch hat man die Möglichkeit und die Hoffnung etwas ändern zu können. Und man kann sich besser abgrenzen.

Bei der genetischen Variante ist man eher in der Stimmung nicht viel ändern zu können, da ja Veranlagung in der Familie.

Ich schreibe Dir das nur, weil ich Dir ein bisschen Rückenstärkung geben will. Wenn Deine Mutter seit 25 Jahren damit zu tun hat, heißt das nicht, dass es bei Dir genauso sein muss. Bei ihr können ganz andere Gründe dahinter stehen als bei Dir.

L.G.
Gesperrt