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Nachricht von: Oliver
Dieses Forum ist im Ruhezustand.
Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:
Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.
Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.
Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.
hallo,
nach einiger zeit melde ich mich hier wieder mit neuen fragen.
nach reiflicher überlegung und dadurch, daß es mir mit der zeit immer schlechter als besser geht, bin ich jetzt doch wegen einer medikamenteneinnahme zum psychologen gegangen. das fazit: er hat mir citalopram verschrieben.
bis heute nehme ich noch johanneskraut-rotöl-kapseln. ich glaube hier gelesen zu haben, daß man johanneskraut nicht mit ad´s nehmen soll. wie lange sollte der zeitraum zwischen beiden medikamenten sein? oder reicht es aus, einfach das joh.-kraut abzusetzen und sofort mit citalopram zu beginnen?
hat jemand erfahrungen mit eventuellen wechselwirkungen von citalopram und
1. anderen medis z.b. aspirin oder anderen schmerzmitteln,
2. alkohol (natürlich in maßen),
3. und wie schaut´s mit autofahren aus?
Ich kenne mich mit beiden Medikamenten recht gut aus.
Überlege Dir den Schritt sehr gut...
Ich versuche nunmehr objektiv zu bleiben, denn ich will Dich nicht beeinflussen, die Wahl hast nur Du.
Ich bin kein Arzt und Du musst letztlich Dir ein eigenes Bild schaffen (lese Dir die Lange Liste der SSRI-Nebenwirkungen aufmerksam durch, es gibt sie wirklich !!!)
Johanniskraut sollte zum ersten nur von einer Firma verwendet werden, die das Medi randomisiert und doppelblind getestet hatte,
die meisten Studien gibt es zu dem Johanniskrautmedi ,, Jarsin 300 " (3 mal am Tag 300 mg). Gut soll noch sein ,,Laif" und ,,Neuroplant"
der Rest könnte ebenfalls wirksam sein, ist aber nicht getestet worden. Es ist auch mehr oder weniger untersucht, dass die Medis von Reformhäusern
und Aldi, was die Johanniskrautwirkung anbelangt, teilweise 30 mal so schwach sind wie Jarsin und Co. und in dieser Stärke keine Wirkung zeigen (können).
Zu Deinen Fragen:
Johanniskraut beiinflusst eher die Natriumkanäle von Hirnzellen und lässt viele Neurotransmitter leicht ansteigen, auch Serotonin. Die Wirkung ist viel allgemeiner
als die von SSRIs, und letztlich auch deutlich schwächer. Johanniskraut führt zu einer ,,UPregulation" von den Serotoninrezeptoren 5 HT1a und 5 HT2.
Citalopram hingegen führt zu einer massiven ,,DOWNregulation" von Serotoninrezeptoren. Das Johanniskraut, führt letzten Endes dazu, besser die Neurotransmitter
aufnehmen zu können, die Nervenzellen werden sensibler. Citalopram machts Gegenteil, es macht unsensibler. Beides ist (soll) antidepressiv wirksam (sein). Ich habe die Downregulation
des Citalopram deutlich gemerkt, ich entwickelte eine klassisch depressive Episode, gegen die ich noch heute ankämpfe. Also beide zusammen gibt chaos im Kopf, das ist mal sicher!
Blos nicht beides zusammen nehmen, denn das Serotonin kann dann so hoch konzentriert in deinem Gehirn vorkommen, dass es zu einem Serotoninsyndrom kommt,
und das ist nicht nur scheiß unangenehm sondern kann auch tödlich sein. Du solltest eine KW gar nichts nehmen und dann erst das Citalopram.
1. Citalopram zusammen mit anderen ADs kann toxisch wirken, wegen zuviel Serotonin. Citalopram und Extasy oder Marihuana führt womöglich zu einem Serotoninsyndrom.
2. Citalopram führt leicht zu Kopfschmerzen, generell sollte Alkohol gemieden werden, ich habe die Erfahrung gemacht, dass ,,Kater" nach Alkoholgenuss schlimmer sind unter
Citalopram.
3. Zu Anfang der Therapie und beim Absetzen KANN es zu Konzentrationsproblemen, Schwindel, Benommenheit, Angst und Agitiertheit kommen. Autofahren konnte ich aber zu jedem Zeitpunkt ohne Probleme!
Citalopram dreht eher auf (stimmulierend) als dass es sedierend wirkt.
Ein paar Tipps zu Citalopram:
- Sei Dir bewusst, dass Citalopram das selektivste der (alten) SSRI ist und einen zentralen Botenstoff, das Serotonin, massivst beeinflusst.
- Zu Anfang kann es die Befindlichkeit weiter verschlechtern, KANN wie gesagt, muss aber nicht.
- Womöglich führen SSRI zu erheblichen Absetzsymptomen, die äußerst unangenehm sein können (musste und muss ich erfahren). Andere merken gar keine Absetzprobleme!
- Alle ADs unterdrücken nur negative Gefühle, Zwänge, Angstzustände für die Zeit, in der man sie nimmt, oftmals kommt es nach dem Absetzen zu Rückfällen, manchmal schlimmer als zuvor.
- Wenn Du das Medi nimmst, tu Dir den Gefallen und nimm die ersten 4 Tage erst 5 mg, dann eine Woche 10 und danach 4 Tage 15 und danach erst die volle Dosis von 20 mg, dass vemeidet die
ärgsten Nebenwirkungen, die gerade am Anfang gerne auftreten.
- Rechne damit, dass in den ersten 2 Wochen, deine Krankheit sogar schlimmer werden KANN, erst danach KANN man mit einer Besserung rechnen (oder auch nicht wie bei mir)
- Je länger Du das Citalopram nimmst, umso schwerer KÖNNTE DANN das Absetzen sein; im übrigen sollte man nur langsam Absetzen (sog. Ausschleichen)
- Zusammengefasst: steigere und veringere niemals aprupt und zu schnell, immer schön langsam und bedächtig mit dem Citalopram umgehen!