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Citalopram absetzen: Wie soll es denn nun weitergehen?
Verfasst: 02.12.2004 15:59
von foxx
Hallo Leute!
Ich habe vor 10 Tagen meine Dosis Citalopram von 20 MG auf 10 MG heruntergesetzt, nun merke ich seit einigen Tagen, dass ich wieder leichte Ängste verspüre: ( Ich hatte vor der Einnahme von den Tabletten schlimme Depersonalisationsstörungen )
Ich frage mich nun, ob das mal wieder ein kleines Tief ist in das ich falle oder ob das durch das Absetzen kommt. Ich habe echt so eine große Angst, dass es wieder so wird wie früher.
Ich möchte aber auch die Dosis nich wieder erhöhen, da ich von den Tabletten runterwill und es alleine schaffen will, aber ich weiss nicht ob ich das wirklich schaffen werde
Was schlagt ihr vor was ich machen könnte? Und können die aufkommenden Ängste auch wirklich von dem Runterdosieren kommen?
Ich hoffe auf Antworten!
Foxx
Ich brauche mehr Details ...
Verfasst: 02.12.2004 16:14
von Oliver
Hallo Foxx
Erstmal willkommen im Forum
Hast Du schon unser link:Infopaket gelesen?
Wie lange hast Du das Medikament eingenommen und was genau waren Deine ursprünglichen Symptome?
Prinzipiell kann man sagen, dass alles was innerhalb weniger Tage/Wochen nach einer Dosisänderung passiert, direkt mit dem Absetzen zu tun hat ... oder überhaupt nichts - ein Rückfall ist es aber mit Sicherheit nicht, denn die Anpassungsprozesse, welche durch die Medikamenteneinnahme stattgefunden haben, brauchen mehrere Monate, um wieder auf den Stand vor der Einnahme zu kommen.
Hattest Du die Ängste, die Du jetzt wieder hast denn genau so vor der Medikamenteneinnahme oder ist das ein neues Symptom?
Alles gute
Oliver
Verfasst: 02.12.2004 21:20
von foxx
Ja, ich habe das Infopaket gelesen. Die Absetzsymptome die dort stehen, hatte ich bisher aber noch nicht.
Allerdings treten nun bei mir wieder die Depressionen und Unwirklichkeitsgefühle in abgeschwächter Form auf.
Ich habe seit Juni 2004 durch eine lange Stressphase ( Schluss mit Freundin, Hörsturz und anschliessender Tinnitus, Schulstress ) Unwiriklichkeitsgefühle und dadurch auftretende Depressionen. Es wechseln sich dabei Depersonalisation mit Derealisation ab.
Seit Ende Juli nehme ich nun Citalopram 20 mg, die mir auch recht gut geholfen haben. Es kamen zwar zwischendurch immer wieder so kleine Tiefs aber damit konnte man leben. Ich will halt nur nicht, dass alles so beginnt wie vorher. Ich fühl mich dann einfach nicht mehr ich selbst und bin völlig ohne Lebenslust.
Ja, die Symptome die ich jetzt habe, sind die die ich auch vor dem Einnehmen schon hatte, nur halt in abgeschwächter Form.
Achso, und was ich auch noch sagn wollte, ist dass ich 17 Jahre bin. Vielleicht tut das ja was zur sache
Grüsse
Foxx
Verfasst: 03.12.2004 13:08
von SandraF
Hallo Foxx,
vielleicht solltest du nicht gleich von 20 mg auf 10 mg herabsetzen. Evtl. ist es besser, nur immer 2,5 mg weniger zu nehmen und immer einige Zeit (Wochen) zu warten, bis sich der Zustand normalisiert hat, und dann erst wieder weniger zu nehmen. Mit einem Tablettenteiler (Apotheke), kann man das mit etwas Geschick hinbekommen. Wenn es dir jetzt sehr schlecht geht, dann würde ich wieder auf 15 mg oder sogar ca. 17,5 mg gehen und abwarten, du hast doch Zeit, warum die Eile?
Machst du auch eine Psychotherapie, sich "nur" auf die Wirkung der Tabletten zu verlassen, ist nicht sinnvoll, gerade weil du auch noch sehr jung bist.
Wer hat dir die Tabletten verordnet, eine Hausarzt oder ein Psychiater/Nervenarzt?
Viele Grüße
Sandra
Verfasst: 03.12.2004 15:09
von Schneekönigin
Hallo, Foxx !
Mir geht es im Moment ganz genauso wie Dir, ich habe vor einiger Zeit auch mein Citalopram runterdosiert und nun bekomme ich meine Symptome wieder...wobei ich sagen muß, daß ich Depersonalisation und Derealisation auch schon während der höheren Dosierung trotzdem hatte, hat denn das Citalopram wirklich bei Dir dagegen geholfen ? Und hattest Du früher schonmal mit Derealisation und Depersonalisation zu tun ? Ich habe wie gesagt damit immer noch zu tun, und außerdem habe ich auch wieder sehr starke Ängste, den ganzen Tag über, und Depressionen auch wieder..
Ich kann mich da Sandra anschließen, vielleicht versuchst Du, es langsamer runterzudosieren ? Wie lange hast Du es denn insgesamt genommen ? Und hast Du im Moment eigentlich auch Schlafstörungen oder kannst Du gut schlafen ?
Alles Liebe,
Schneekönigin
Verfasst: 04.12.2004 02:19
von foxx
Ne, ich mache keine Therapie, weil es in meiner Gegend einfach keinen Therapeuten gibt, der keine Wartezeit von über nem Jahr hat. Deswegen wollte ich das mit Tabletten und Selbstbehandlugn versuchen.
Ein Psychotherapeut hat mir die Tabletten verschrieben, wobei dieser auch keine freien termine für eine Therapie hat.
Also ich hatte lange nach der ersten Einnahme von Citalopram noch Derealisation und Depersonalisation. Es ging immer bergauf und bergab. Immer wenn es mir gut ging und den Tag wie ein normaler Mensch genießen konnte, dachte ich dass die Tabletten jetzt ihre Wirkung zeigen, Aber Tage dannach fiel ich wieder in ein riesiges Tief.
Richtige Wirkung haben die Tabletten bei mir ers nach etwa 9 Wochen gezeigt. Seitdem hatte ich auch keine Tiefs mehr. ich beschäftigte mich zwar immr noch mit der Angst, aber diese begleitete mich nicht mehr den ganzen Tag.
Meine erste krasse Derealisation hatte ich mit 13 Jahren in Spanien. Ich dachte damals dass ich einen Gehirntumor habe oder sonst was. Ich konnte mich dann aber nach nem halben jahr auf und ab recht gut selber heilen und das ging dann auch bis zum letzten Juni .....
Naja, ich habe heute mit dem Psychotherapeuten geredet und der sagte mir dass ich die nächste Woche noch 10mg nehmen soll und dann weiter runtergehen soll.
Heute geht es mir auch wieder recht gut. Ich bemerke nur eine sehr strarke Licht und Geräuschempfinflichkeit. Depressiv bin ich heute auch nicht.
Ich werde und ich muss die Tabletten absetzen. Ich möchte nicht abhängig sein und ich möchte es alleine schaffen ohne Hilfe von Medikamenten. Ich bete für mich und für dich Schneekönigin, dass wir es schaffen !!
Foxx
Verfasst: 04.12.2004 13:07
von Schneekönigin
Hallo, Foxx !
Wir werden es schaffen, da bin ich mir ganz sicher..auch wenn es vielleicht dauert..
Weißt Du die Gründe für Deine Derealisation/Depersonalisation ?
Hattest Du denn früher schonmal eine Therapie gemacht oder auch nicht ? Das mit der Therapeutensuche ist schon schwierig, ich habe auch die Erfahrung gemacht hier, daß alle überbelegt sind und lange Wartezeiten haben. Ich suche trotzdem noch weiter, möchte unbedingt nochmal eine Thera machen.
Diese Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit habe ich übrigens auch, ich hatte das bisher noch gar nicht mit dem Medikament in Verbindung gebracht, aber jetzt wo Du es schreibst...muß wohl auch damit zusammenhängen...
Bis bald,
Schnee
Verfasst: 06.12.2004 15:12
von Sven
Hallo Schnee und Foxx,
Ich hatte und habe DP / DR sehr oft ...
Ich würde mich an Eurer Stelle keinesfalls (nur) auf Tabletten verlassen. Macht lieber ne Therapie oder Urlaub in der Karibik.
DP / DR sind dissoziative Symptome (Abspaltungserscheinungen). Es gibt zur Zeit keine Mittel dagegen.
Man muss sich auch bewusst werden was DP / DR darstellt, nämlich keine Geistekrankheit oder Dergleichen, sondern
eine Art Schutzmechanismus der Seele. Emotionen, Gefühle, Motivationen, verschiedene Bereiche wie Empfindlichkeit,
Gehör, Sehen, spüren, Tastsinn, Schmerzempfinden, ja sogar der Bewegungsapparat kann vom Gehirn dissoziiert werden,
ausgeschaltet, besser gesagt abgeblockt werden. Die Gefühle und Körperwahrnehmungen sind im gegensatz zur Depression
noch alle vorhanden, nur die Seele blockt sie ab und man bekommt alles mit wie durch Watte. Das soll helfen, gefahrvolle Situationen
zu überleben und Abstand davon zu nehmen. Biologisch gesehen war das mal sinnvoll: Man bedenke, der Steinzeitjäger hat gerade mitbekommen
wie sein Sohn von einem Säbelzahntieger aufgefuttert wurde, wutentbrand geht er mit seinem Knüppel auf das Tier los, tötet es, verliert aber
selbst eine Hand... aber irgendwie kommt ihm alles vor wie ein Traum, er beobachtet sich nur wie von oben, kann sein Körper nicht recht spüren, auch keinen Schmerz, oder Trauer über seinen Sohn
seine Gedanken und Gefühle sind blockiert, sodass er sich nur noch auf das wesentliche konzentrieren kann, das Überleben...
er stellt zudem fest, dass er besser hören kann und seine Umgebung geschärfter wahrnimmt, es scheint als sei ein Teil von ihm blockiert, der andere Teil dafür viel sensibler, wie geschärftere Sinne!
Das ist Depersonalisation, es ist das Gegenteil von Irrsein, es ist eine Art Notfallplan. Leider in unserer Zeit völlig unpassend.
DP / DR kann im Zusammenhang mit folgenden Umständen auftreten:
- großer Stress
- wenig Schlaf
- Burnoutsyndrom
- Drogengenuss wie Hasch und LSD
- Kummer jeder Art, sogar Liebeskummer reicht bei manchem aus
- DP kann Begleiter JEDER Angststörungsart, Depression, Psychose oder Zwangsstörung sein, als unbewusst gewollte Distanzierung zur Angst / Situattion in der man sich befindet
- es kommt äußerst oft vor bei Traumata wie z.B. Überleben eines Unfalls oder einer Katastrophe, Vergewaltugung, Missbrauch jeder Art, Gewalt, Krieg, Folter etc.
Tabletten helfen nicht recht, mir jedenfalls hat das Citalopram nicht wirklich geholfen, ausser, dass ich jetzt noch mit Entzugserscheinugen zu tun habe, und das seit 8 Wochen.
Die DP will helfen, etwas zu verdauen/verarbeiten, was für Euch / uns einfach zu überwältigend ist, Foxx auch wenn Du es nicht glaubst: es kommt öfters mal vor, gerade bei empfindlichen Menschen, dass
eine ungewohnte Umgebung wie im Urlaub erst Unbehagen bereitet und es dann zu einer Derealisation kommen kann, die in der Regel nach ein paar Monaten vergeht. DP / DR ist zwar wie die Hölle,
aber ein ureigenes menschliches ,,Bedürfniss", das wir mit nahezu alles Säugetieren teilen, Tiere kennen es als totstellreflex: wenn ein Reh nachts angeleuchtet wird, bleibt es starr stehen und
rührt sich nicht, dass ist das totale Dissoziieren, beim Mensch heisst das dissoziativer Stupor, out of body experience.
Dissozieeren kann jeder, jedes Kind tut es wenn es spielt, nur wir verlernen es und vergessen es wenn wir größer und älter werden, kommt es dann zurück, macht es uns ungemein Angst, ein Kind hätte nie
Angst vorm Dissoziieren!
Was Euch helfen kann:
Generell ist der Schlüssel: Zeit, Geduld, cool bleiben, die DP nicht zwingen zu verschwinden. Je mehr Ihr über DP nachgrübelt, je mehr ihr auf DP achtet, umso schlimmer wird DP!
Macht Euch keinen Kopf über DP / DR - je mehr Angst Ihr davor habt, je länger bleibt es bei Euch und will Euch beschützen, Euer Unterbewusstes weiss nämlich nicht, ob Ihr vor nem Mammut Angst habt oder vor euren eigenen Gedanken (über DP) ! Lasst Euch Zeit, kommt zur Ruhe. Vermeidet bitte Drogen jeglicher Art, Canabis kann dauerhafte DP / DR triggern. Alkohol vermag die DP kurzfristig zu schwächen, langfristig macht Alk die Sache schlimmer. Schlaft viel, macht leichten Sport. Wichtig: lasst Euch nicht beirren und macht das was Ihr sonst auch machen würdet: geht aus, in die Disse, geht mit Freunden aus, lacht, lest Bücher,
redet mit Leuten, versucht es zu vergessen und die DP wird erkennen, dass sie euch nicht mehr schützen muss, denn das ist die einzige Sache die Sie will, abspalten um zu schützen!
Es gibt bis dato kein eines Medikament, dass DP / DR heilen kann, ausser Ihr selbst!
Verfasst: 06.12.2004 17:10
von Schneekönigin
Hallo, Sven !
Danke Dir sehr für Deine ausführliche Erklärung, hat gut getan das alles zu lesen und ich glaube, nun verstehe ich vieles einfach noch viel besser...
lg, Schnee
Verfasst: 14.12.2004 16:18
von foxx
Hallo Leute!
Sry, dass ich mich so lange nicht mehr hier hab blicken lassen. Ich musste viel für die Schule nachholen und hatte deswegen kaum Zeit an den PC zu gehen.
Deinen Text hab ich allerdings gelesen, Sven. Danke! Der macht mir richtig Mut! Bemerkst du denn schon Erfolge mit deiner Einstellung? Wie lange hast du schon DPs und DRs und wie lange dauern diese bei dir an? Es soll ja auch Leute geben, bei denen die DPs garnicht mehr weggehen ohne Unterbrechungen.
Ich wusste garnicht, dass Ursachen für die DPs zu wenig Schlaf sein kann.
Ich persönlich schlafe nämlich eher wenig, besonders in der Woche. Vielleicht erklärt das ja warum ich in der Woche immer so schlecht drauf bin, wobei ich eher denke, dass es an dem Schulstress liegt. Am Wochenende fühle ich mich oft genug wie ein "normaler" Mensch mit sehr wenig Angst vor den DPs.
Naja, aber ich kann ja nicht einfach mit der Schule aufhören, ich muss ja weitermachen.
Im Moment weiss ich garnicht was mit mir los ist. Soll ich mich jetzt gut fühlen oder total schlecht. Mir geht es jeden Tag anders. An dem einen Tag habe ich endlos Hoffnung und den Willen und am nächsten Tag würd ich am liebsten nur noch heulen und verbringe den ganzen Tag im Nebel. Das sind die Absetzerscheinungen oder ?
Mein Arzt hat mir nun gesagt, dass ich ab jetzt nur noch jeden 2. Tag 10mg nehmen soll. Wurde das bei euch auch so gemacht? Ich werde morgen dann damit anfangen.
Das ich dazu keine Drogen nehmen darf ist mir schon klar, allerdings wird es doch wohl nicht schaden nach dem Absetzen der Tabletten am Wochenende mal ein paar Bierchen zu trinken oder? Das gehört einfach dazu finde ich
Was mir in letzter Zeit auch aufgefallen ist, ist das es mir schlechter geht, wenn meine Mutter im Hause ist. Ich fühle mich dann auf irgendeine Art und Weise gefangen. Besonders schlimm ist es wenn ich mit ihr rede. Irgendwie sehr merkwürdig, weil ich ja auch nicht weiß warum das so ist. Es gibt da nicht wirklich Gründe für ausser die üblichen ..... Eltern nerven halt manchmal!
Ich zweifle durch deinen Text, Sven nun wieder was eigentlich die Gründe für meine Depersonalisationen und Derealisationen sind. Ich dachte ja bisher, dass ich eine Agoraphobie habe, aber da gehört doch eigentlich mehr zu als diese DPs, nicht wahr ?
Viele Grüße
Foxx
Verfasst: 15.12.2004 09:42
von Sven
Hi Foxx,
ich versuche mal etwas zu antworten, freilich bin ich kein Arzt, aber da ich den Mist leider auch habe, kenn ich mich als Erfahrener DPler etwas aus.
Erfolge, ja und nein. Ich bemerke, dass die DP wenn ich nicht daran denke weg ist oder geht. Zudem halten die DP Episoden immer kürzer an.
Eine voll ausgeprägte DP dauert bei mir ca. 3 Monate und geht dann 100 % zurück, sie kommt bei mir niemals einfach so, sondern es gibt immer Auslöser,
bei mir sind das eben Zwänge, Ängste, vieles Krübeln etc.! Lebenslang? Ja das soll es geben, es gibt auch Leute die sich wegen einer Depression töten, was Du da anführst ist
der absolut schlechteste Ausgang und eher selten, dass eine voll ausgeprägte DP ein Leben lang besteht, also mache Dir keinen Kopf, denn wenn Du Dir das lange genug einredest bleibt Deine schwarze Freundin sehr sehr lange bei Dir! Vor allem wenn Du keine
volle DP hast, sondern eher nur Teilaspekte davon. Bei einer eher langandauernden DP bist Du abgeschnitten von deinen Gedanken, deinen Gefühlen, DEINEN ERINNERUNGEN
(Du meinst Du hättest die Erinnerungen eines Fremden) UND (JETZT AUFPASSEN) Du empfindet Deinen Körper als nicht mehr zu Dir gehörend, als hättest Du kein Gefühl mehr oder
keine Kontrolle mehr über Deinen eigenen Körper; es kann sein, dass Du deinen Arm, oder deine Beine NICHT mehr spürst, ja gar keine Gefühle wie Wärme oder aber Schmerz empfindendest,
Leute wissen dann manchmal nicht, ob sie noch leben oder Geister sind. Die meisten, wie ich z.B. haben eher den ersten Teil, der Gedanken und mentale Gefühle betrifft, nicht das volle Körperliche
Aussteigen. Wenn das also bei Dir der Fall ist, hast Du zu 99 % eine begleitende DP, die als Schutzmechanismus dient und dann verschwindet wenn ,, das aktuelle Problem" verdaut / überwunden ist.
Lebenszeit DP kommt eher bei schweren Traumata vor (Krieg, Folter, Vergewaltigung, vor allem wenn man das als Kind erlebte) und bei Konsum von Canabis, vor allem Extacy.
Ob das Absetzerscheinungen sind kann ich nicht sagen, mir geht es ähnlich und ich bin gespalten, ob nun die Tabletten oder mein eigener Zustand daran Schuld sind. Generell musst Du ja nicht Absetzen:
wenn es Dir mit SSRI gut geht und die DP verschwindet (das soll es im Übrigen geben, aber auch das Gegenteil: SSRI machen manchmal DP schlimmer) dann nimm es weiter. Meine erste DP Phase konnte ich ausgezeichnet mit Cipramil bekämpfen! Die nun Zweite lässt sich durch nichst beeindrucken.
Auch wenn hier einige schlechte SSRIerfahrungen gemacht haben: Wenn sie Dir helfen, dann nimm sie um himmelswillen weiter ein... wenn sie Dir schaden, rduziere sie!
Schwankungen in der Stimmung und in der schwere der DP SIND GERADEZU DP typisch !!! DP ist nicht mit einer Depression verwandt, aber auch hier können Emotionen bis zur Unkenntlichkeit blockiert sein (obgleich sie noch vorhanden sind, in der Depression sind sie ,,weg"). Ich habe zuletzt in 2 mg Schritten innerhalb 9 Wochen abgesetzt, das kann ich jedem empfehlen. Im übrigen sind sich alle führenden Wissenschaftler einig, dass es KEINE Medikaton gegen DP gibt, da es ein Dissoziativer Vorgang und keine Geisteskrankheit ist. Verwirrender Wiese kann auch das Absetzen von SSRI eine DP auslösen, Du siehst es ist schwierig zu unterscheiden.
Amerikanische und englische Wissenschaftler erkannten folgende ,,Mixturen" als DP (lediglich) lindernd: Clomipramin (oder SSRI) & Lamotrigin (Glutamat-antagonist); Nalroxon (Opiat-antagonist) & Clomipramin (oder SSRI);
Clomipramin (oder SSRI) & alpralozam (Benzodiazepan), oder Clomipramin & Nalroxon & Lamotrigin; selten Clomipramin alleine, noch seltener SSRI alleine. Und selbst hier gibt es keine Garantie. Dann wurde relativ erfolgreich eine Cognitive Methode
angewandt, die verwandt ist mit Methoden aus der Zwangstherapie: Aussenfocusierung: Du musst versuchen, Dich nicht mehr ständig zu beobachten und in Dich hineinzuhorchen und Du musst versuchen der DP nicht mehr zu antworten, IGNORIERE SIE. Das klappt bei mir manchmal und erfreulicherweise ohne Nebenwirkungen. Alkohol: Alkohol verbessert die DP da der Methanol einen Rezeptor teilweise blockiert, der womöglich eine tragende Rolle bei DP und Angst einnimmt: der NMDA (Glutamat) Rezeptor. Alkohol besetzt den Rezeptor rasch und die DP lässt nach. Nur wie bei allen Drogen und Mittelchen, passt das Gehirn sich an, will es ausgleichen und am nächsten Tag hast Du dann noch mehr DP, meine erste DP Phase von 2 Monaten hat ein Mallorcamegaschoppen ausgelöst, soll heissen, trink ruihg ein paar bierchen, aber tu Dir keinen Komasuff an! Glutamat ist der Gegenspieler von Gammaaminobuttersäure, was uns beruhigt und ausgeglichenermacht und stark angstlösend ist, Glutamat ist eine aufputschende, angsterzeugende Substanz... Es gibt eine weitere Substanz die eine Rolle spielt: Substanz ,,P" (geheimnisvoller Neurotransmitter im Gehirn) die momentan im Interesse der Wissenschaft liegt, diese Substanz ,,P" soll die Kraft, ja sogar die Macht haben, Depressionen schlagartig zu beenden und DP Episoden zu beenden. Substanz ,,P" agiert unter anderem über den Glutamatrezeptor!
Was Deine Mutter betrifft gibt es viele Möglichkeiten weswegen die DP schlimmer wird, einfach so, weil Du kein besonderes Verhälltnis zu Ihr hast, Du latent Angst vor Ihr hast, oder mit Ihr irgendein Trauma zusammenhängt, dass Deine Kindheit beeinflusst hat, oder aber wie gesagt, es hat gar nicht mir Deiner Mutter zu tun und wird halt so schlimmer !
Agoraphobie: Die reicht völlig aus um DP zu haben. Sogar starker Liebeskummer reicht bei mir aus! In dem Wort steckt ja das griechische Wort Phobos = Angst. Und ich kann nicht oft genug sagen: DP ist verursacht durch und begleitet ALLE Angststörungen, Depressionen, und Stresszustände! Sie kann begleiten muss aber nicht, aber es ist sehr, sehr normal, dass ein Angstpatient hier und da oder immerzu mehr oder weniger DP hat! DP und Angst gehören zusammen wie Blitz und Donner! Interessanterwiese, ist es sogar so, dass manche Menschen ,,erst" dissoziieren und dann erst Panik / Angst bekommen; der Geist bekommt mit das gleich eine Stresssituation / Angstattacke folgt und schaltet vorher ,,ab".
Generell: DU DARFST; JA DU MUSST DICH FREUEN; KANNST ALLES MACHEN SO ALS HÄTTEST DU KEINE DP UND VERSUCHE SIE ZU INGNORIEREN; JUST TRY IT!
Es ist wie bei der ZWangsstörung ( DP und Zwang betreffen übrigens die selben Hirnareale!!!) Schenk dem Zwangsgedanken Aufmerkamkeit und er wird Dich zum Schluss aufressen.
Ignoriere Ihn und er geht langsam aber sicher weg. Wir halten Angststörungen, Depressionen und DP aufrecht, weil wir über die Zustände nachkrübeln, erforschen, angstvoll verharren, katastrophale
Zukunftsaussichten erspinnen, uns sozial zurückziehen und uns als passives Opfer sehen. Das ist falsch: fang wieder an (auch wenn erst mal Angst und keine Gefühle da sind) ein normales Leben zu führen
und nicht ständig nach Ursachen zu forschen, dann kommen auch die ganz normalen Gefühle wieder zurück. FAKT!
Das ist kackschwer und ich selbst muss mich schwerstens überwinden,
aber: es passiert nix gutes -> ausser man tut es!
S.
Verfasst: 15.12.2004 10:45
von Chelsea
Hallo Sven,
ups... tolle Erklärung und Beschreibung! Da komm ich nun natürlich auch in's Grübeln. Bin ja nun noch nicht so lange hier dabei und hab kaum Erfahrungen mit SSRI und Therapien.
Bisher war ich der Ansicht, ich hätte Depressionen und nun seit fast 2 Jahren auch PA's. By the way... woher habt Ihr eigentlich Eure "Diagnosen"? Mein Arzt und auch mein Therapeut haben selbst auf Nachfragen meinerseits nie etwas gesagt?!
Ich versuche mal meine Gedanken dazu ein wenig in Worte zu fassen. Irgendwie fällt es mir dann leichter ein Thema zu erfassen..... aber, ich bin gar nicht so sicher ob es dazu passt. Nun gut, Versuch macht klug!
Was mich in den paar Therapiestunden wirklich unheimlich nachdenklich gemacht hat und was ich überhaupt nicht verstehe, ist, das ich komplett den Zugang zu meiner Gefühlswelt verloren habe. Am Anfang hab ich das noch auf das Trevilor geschoben - aber, das Nichtfühlen können oder wollen hab ich wohl schon länger.... mal zwei kleine Beipiele:
In der ersten Therapiesitzung bekam ich Bilder vorgelegt und sollte mal eine kurze Geschichte dazu erzählen. Peng! Da war der berühmte Balken vor dem Kopf, innerlich schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf aber ich war nicht fähig nur irgendeinen kleinen Satz zustande zu bringen.
Die nächste Situation in der ich das bewußt wahrgenommen habe war, als wir uns über das Bewerten von mir unangenehmen/angsterzeugenden Situationen unterhalten haben. Ich sollte erstmal die Situation ganz neutral beschreiben - ok, keine Problem. Danach sollte ich schildern wie sich die Situation für mich darstellt - das kann ich auch beschreiben... und zum Schluss dann, welche Gefühle dabei entstehen. Keine Chance, ich weiß es nicht und fühle rein gar nichts....
Ich glaube ja schon fast, dass mein Körper einfach nur "versucht" mich durch das Erzeugen eines für mich nicht zu kontrollierenden Gefühls - nämlich der Angst - daran zu erinnnern, dass ich noch am Leben bin....
Außerdem hab ich manchmal echt schon überlegt, ob ich überhaupt den richtigen Therapeuten habe, wenn ich von vielen höre, dass die Therapien so unangenehm und schwierig sind.... ich persönlich gehe wirlich gern dort hin. Wir sind viel am Lachen, die Themen oder Denkansätze finde ich total interessant und spannend.... na ja, worüber ich allerdings sehr erstaunt bin ist, dass ich so "gefühllos" über mir unangenehme Dinge aus der Vergangenheit sprechen kann - aber, DAS schieb ich wirklich nur auf die Tabletten. Nun gut, allerdings hat er mir auch schon gesagt, dass ich ein ungewöhnlich freundlicher und "gut gelaunter" Patient wäre.....
Grübelnde Grüße
Chelsea
Verfasst: 15.12.2004 11:33
von Sven
Hallo Chelsea,
mein Psychologie hat bei mir eine Mischform von Angst und Depression diagnostziert, der zuvor nur eine Depression.
Meine Therapeutin hat das diagnostiziert was ich auch tatsächlich habe: Zwangsgedanken, Angstzustände und dadurch Depersonalisierung.
Falls Du nun nicht weisst, woher Deine Gefühlskälte kommt, nun ich weiss es auch nicht. Es gibt ein paar Richtlinien die ziemlich sicher unterscheiden zwischen Depression und Depersonalisation.
Bei der Depression sind Emotionen so gut wie tod oder man fühlt sich niedergeschlagen traurig.
Zudem fällt es vielen schwer Energie für den Tag zu sammeln, viele schaffen es kaum noch aus dem Bett und lassen sich ,,gehen".
Die Libido geht meist flöten, man ist antriebslos und oftmals hat man Rückenschmezen Kopfweh oder andere diffuse Schmerzen,
oftmals ist der Appetit verringert. Ein richtig depressiver Mensch verlernt das lachen!
Die DP unterscheidet sich meist deutlich, wird von Ärzten aber meist mir der Depression verwechselt, und zwar weil beiden zu eigen ist, dass keine Gefühle da sind!
Die DP:
der Antrieb bleibt meist völlig normal, die Libido bleibt bestehen, man kann noch herzlich lachen (weiss aber meist nicht wie das zustande kommt)
Man zeigt emotionale Reaktionen wie Trauer, Weinen, Lachen, Wut, Lust, Liebe etc. MANN FÜHLT SIE NUR NICHT ! Die Emotionen sind voll da, und werden körperlch
ausgedrückt, nur das passende Gefühl wird bewusst nicht mehr wahrgenommen.
Der Hunger bleibt erhalten, allerdings kann Essen fad schmecken oder Gerichte und Getränke können an Geschmack verlieren...
DPler haben goße Schwierigkeiten sich bildhaft Dinge vorzustellen / auszumalen.
Die Fähigkeit zur imagination geht verloren.
Auch besteht weiterhin genug körperliche Energie, Schmerzsyndrome sind kaum vorhanden. Deine Mitmenschen merken deutlich wenn Du depressiv bist, bei DP merkt kein Schwein was, weil Du nach aussen hin zu 100 % der selbe bist, nur DEINE INNERE WAHRNEHMUNG HAT SICH VERÄNDERT.
Bei der DP sind Emotionen, Körperfunktionen, sensorische Fähigkeiten abgespalten (unbewusst blockiert) aber dennoch vorhanden, wie gesagt, man drückt Gefühle sehr wohl noch aus in Gestik, Körperhaltung, Antrieb und Erscheinungsbild...
Bei der klassischen Depression gehen emotionale Vorgänge vorübergehend komplett verloren, ein Depressiver schaut halt traurig oder wie ein häuflein Elend aus, weil er sich auch genauso fühlt und nicht anders kann!
Serwohl können aber DPler mit der Zeit schwer depressiv werden weil der Zusatnd der DP manchmal unterträglich scheint und man schließlich annimmt es bleibe für immer so (Hoffnungslosigkeit, Panik ...)
DP ist ein Abspaltungsprozess, der verhindern soll dass man emotional ausblutet, überwältigt wird oder die kontrolle verliert, oder ,,durchdreht" im Sinne von Panikattacken. Je weniger Angst Du hast, je mehr relaxt Du bist, umso kleiner wird die DP.
Ich habe Anfang des Jahres wieder eine massive DP Episode gehabt, weil ich nach nem Unfall mal wieder zu viel über meine Gesundheit gegrübelt habe ... Daraufhin habe ich ein SSRI, nämlich Citalopram, bekommen. Daraufhin hat sich meine DP verschlimmert und ich entwickelte eine Depressive Episode. SSRI könne anscheindend Depressionen und Änsgte lösen, bei anderen hingegen verstärken oder sogar auslösen. Meiner Meinug nach sind SSRI für DP Zustände unnütz wenn nicht sogar kontraproduktiv.
Sven
Verfasst: 15.12.2004 17:30
von foxx
Danke für den tollen informativen Text, Sven !!
Es könnte ja eigentlich alles so leicht sein. Einfach nicht mehr an die DPs denken und somit keine Angst vor der Angst aufkommen lassen, aber wie soll man das schaffen.
Manchmal wenn ich etwas abgelenkt bin und einige Zeit mich wie ein normaler Mensch gefühlt hab, dann denk ich: Oh, es geht doch, aber dannach hab ich permanent wieder nur Angst. Wie soll man das denn schaffen, dass man überhaupt oder nur noch sehr wenig dran denkt.
Das kann doch überhaupt nicht gehen. Es ist doch alles im Unterbewussten.
Ich red mir immer wieder ein: Es kann dir dabei nichts passieren, es ist nur ein Schutzmechanismus und es geht schnell wieder vorbei, aber es funktioniert einfach nicht. Die Angst die ich habe ist ja die Angst vor diesem schrecklichen Gefühl wenn du überhaupt nichts mehr mitkriegst. Das ich davon nicht sterben kann weiss ich ja.
Ich setze die Tabletten ab, weil ich nicht abhängig sein will und es ohne Medikamente schaffen will, auch wenn sie mir recht gut geholfen haben.
Heute habe ich die Tabletten ausgesetzt und muss dann morgen wieder 10mg nehmen.
Aber wenn sich meine Situation weiter so verschlimmert, muss ich wohl wieder anfangen die zu nehmen, denn sonst kann ich Schule und alles vergessen.......
Foxx
Verfasst: 16.12.2004 08:11
von Sven
Guten Morgen Foxx,
Du hast schon recht, es ist verflucht schwierig und da es bei mir wieder anfängt und immer wieder durchkommt weiss ich von was ich rede.
Ich muss auch ganz ehrlich zugeben, ich würde ein Medikament dass mir so gut geholfen hat wie Citralopram beim ersten Schub sofort wieder nehmen,
damals waren nur die ersten 3 Wochen Horror, dann war ich faktisch ,,gesund" und Nebenwirkungen hatte ich nur ,,im Bett", hatte mehr Ausdauer (eigentlich zur Freude meiner EX!)
Das mit der Abhängigkeit ist so eine Sache, sicher ist es schwer von SSRI runterzukommen und das sie Nebenwirkungen haben ist doch wohl auch klar.
Schau ich habe Asthma und selbst so ein altes Medikament wie Theophillin hat schwere NW und ich merke gar nichts.
Wenn Du glaubst es nicht ohne zu schaffen, dann nimm sie weiter ein, ich überlege es mir auch, Abhängigkeit hin oder her, man möchte halt einfach mal wieder ein normales Leben führen
und da hat mir Citalopram offen gesagt schon einmal sehr geholfen. Absetzen kann man immer, wenn man es nur ganz langam absetzt geht es eigentlich. Ich muss leider sagen, dass das,
was ich zur Zeit durchmache wieder meine alte Krankheit ist, Zwangsgedanken und DP. Und ich denke nicht dass ich ohne Hilfe da raus komme. Ich habe es jetzt 3 Monate versucht und mich gequält.
Es reicht einfach. Das alles noch am Absetzen liegt kann ich für mich nicht mehr glauben. Tatsächlich hatte ich 4 Wochen lang miese Laune und so eine Art Elektroschwindel im Kopf, das kam 100 & vom Absetzen.
Aber das ist lange weg und meine olle Sache ist halt zurückgekommen. Also ich meine setze ruhig ab, womöglich geht es auch so weg. Wenn Du aber nicht mehr funktionieren kannst und die Schule schleift,
dann nimm es weiter ein, ganz klarer Fall. Ganz offen: hätte ich beim ersten mal Citalopram einnehmen einfach eine Erhaltungsdosis von 10 MG weiterhin eingenommen, mir ginge es es heute blendend.
Wichtig wäre schon dass Du Dich Deinen Eltern anvertraust und mit Ihnen zusammen einen Therapeuten aussuchst, der sich mit Dissoziativen Störungen auskennt, zumindest ein wenig. Auf alle Fälle darfst Du Dich nicht auf die Medizin alleine verlassen; wie gesagt, es gibt kein Beweis dass auch nur irgend ein Medikament die DP 100 % lösen kann, es gibt aber Studien, die klar zeigen, dass kognitive Ansätze, Verhaltenstherapien eindeutig helfen die Symptome zu lindern. Mach das bitte gleich, je länger die DP da ist, umso hartnäckiger bleibt sie. Und hab keine Angst, ich sage mir immerwieder, dass die Medizin forscht was DP ist und die sind gerade erst dabei zu entdecken was es ist und wie es geheilt werden kann und schon nach 5 Jahren Forschung, gibt es Therapieansätze die vielversprechend ausschauen, selbst wenn ich noch 10 Jahre den Scheiß haben sollte, es kommt der Tag an dem es eine Medizin dagegen gibt, Ausdauer braucht man bei DP immer...
Sven
Verfasst: 16.12.2004 13:19
von Schneekönigin
Hallo, Sven !
Vielen Dank für Deine so ausführlichen Texte.
Ich habe mich die letzten Tage mal dazu gezwungen, einfach ganz normal alles zu machen, so als ob die Dissoziationen nicht da wären und es hat eigentlich auch ganz gut geklappt... und das freut mich.
Die letzte Woche ging es mir dafür irgendwie ziemlich schlecht, ich hatte in der U-Bahn derartig heftige Entfremdungsgefühle, so daß ich gar nicht mehr wußte, wo ich war, und das hat mir solche Angst gemacht, daß meine Arme und Beine anfingen zu "kribbeln" und ich das Gefühl hatte, sie werden taub, und dann ist mir schwarz vor Augen geworden. Hatte jemand sowas von Euch auch schonmal ? Ich hatte das schon öfters, bin auch schon mehrmals umgefallen deswegen, habe es auch internistisch durchchecken lassen, aber ich bin gesund...ist so etwas "normal" bei dissoziativen Störungen ? An dem Tag konnte ich dann auch nicht mehr rausgehen und hätte auch nicht so tun können, als wäre alles okay.
Können dissoziative Störungen eigentlich auch Spätfolgen von Drogenkonsum sein ? Ich habe vor 10 Jahren mal eine ziemlich heftige Drogenphase gehabt, die ging so 2 Jahre, seitdem hab ich aber Drogen nicht mehr angerührt. Eigentlich ist es doch dann schon zu lange her, als daß das jetzt noch damit zu tun haben könnte, oder ?
Schafft Ihr es eigentlich immer, Euren Alltag zu bewältigen ? Und habt ihr auch solche Erinnerungslücken ? Also daß ihr abends nicht mehr wißt, was ihr tagsüber eigentlich gemacht habt ? Und driftet ihr auch so weg und schreckt irgendwann hoch und dann sind 2 Stunden vergangen und ihr wißt nicht, was ihr eigentlich gemacht habt ?
lg, Schnee
Verfasst: 19.12.2004 09:22
von CloneX
Schneekönigin, was sagen denn die Ärzte dazu ?
Erinnerungslücken und Wegdriften hört sich ja schon etwas seltsam an. Kenne mich da aber auch nicht mit aus.
Verfasst: 19.12.2004 13:11
von Schneekönigin
Hi CloneX !
Mein Neurologe meinte dazu einfach nur, es wäre ja kein Wunder, daß ich im Moment eine dissoziative Störung hätte, die würde aber auch schon wieder weggehen. Mehr nicht. Dann meinte er noch, daß ich die Dosis vom Citalopram erhöhen soll auf 30 mg wieder, da meinte ich, daß ich das nicht will und daß ich mich mit 10 mg viel besser fühle, da meckerte er mich an, woher ich denn bitteschön wissen will, daß es mir damit besser geht...naja, das hatte mir dann gereicht und dann bin ich nicht mehr zu diesem Arzt hingegangen. Ich war stattdessen letzte Woche bei meinem Hausarzt und der war sehr nett gewesen und meinte, ich sollte mir einen Verhaltenstherapeuten suchen und das werde ich auch tun.
lg, Schneekönigin
Verfasst: 20.12.2004 08:05
von Sven
Hallo Schnee,
Wegdriften und Erinnerungslücken sind ,,völlig normal" als dissoziative Symptome, surf mal im Net nach der original Krankheitsbezeichnung:
dissoziative Amnesie (Erinnerungslücken); dissoziative Fugue (Wegdriften). Wenn Du erst mal zur Ruhe kommst, wird das weniger.
Verhaltenstherapie und Kognitive Therapie sind 100 % die rechten Ansätze, denn merke: es GIBT KEINE TABLETTEN GEGEN DISSOZIATION.
Das Citalopram dämpft Deine Angst, das stimmt, aber evt. auch Deine Gefühle. Ich habe mich wie ein Zombie gefühlt. Ich weiss momentan, dass ich lieber mit vollem Bewusstsein zur Hölle fahre -> zurück bin ich dann jedenfalls mit nem klaren Kopf und ohne Entzugserscheinungen.
Suche Dir auf alle Fälle einen Therapeuten, der sich mit Dissoziation auskennt, denn Du hast da doch einiges, was an eine mittelgradig schwere DPD Episode erinnert, und lass Dir nicht einreden es sei eine Depression, Unfug. DP kann von Drogen ausgelöst werden, allerdings liegen bei Dir Jahre dazwischen und das ist ungewöhnlich.
Diss. Amnesie und Fugue sind eigentlich Zeichen eines schweren Traumas wie Vergewaltigung, Missbrauch, Folter. Aber ich will da nicht reininterpretieren, denn auch bei sehr starken Angststöhrungen kann
das schon mal vorkommen. HAst Du Probleme mit Deiner Inneren Uhr,
verläuft die Zeit anders für Dich als normal, siehst Du die Welt Gegestände irgendwie andersartig, 2D - mäßig, Cartoonhaft, siehst Du Gegenstände schwanken obwohl sie feststehen müssten? Das lässt nämlich viele die Dissoziieren Panik bekommen, dass gleich ne Schizophrenie anfängt, alles Unsinn, wenn Du das hast ist das nur ein weiteres Zeichen von DP und Angst.
Lenk Dich ab, leb Dein leben, Du weisst was Du hast und das es nur mit Geduld und Ruhe weggeht, irgendwas ist oder war deiner Seele ,,zuviel", lass Sie Urlaub haben, auch wenn es schwerfällt.
Sven

Verfasst: 20.12.2004 08:27
von Oliver
Schneekönigin hat geschrieben:da meckerte er mich an, woher ich denn bitteschön wissen will, daß es mir damit besser geht...naja, das hatte mir dann gereicht und dann bin ich nicht mehr zu diesem Arzt hingegangen
Bravo. Die einzige, die entscheiden kann, ob es Dir besser geht bist Du. Die Arroganz mancher Ärzte ist echt nicht zu fassen
Lass Dich nicht unterkriegen - ich hoffe Du findest einen guten Therapeuten.
Alles Gute
Oliver