Unerwünschte - oder gewünschte Nebenwirkungen
Verfasst: 07.12.2004 00:46
Ich wollte hier mal als Betroffener den Bereich / Begriff "Nebenwirkungen" und seinen vordergründig unangenehmen Anschein des immer Ungewollten ein wenig relativieren.
Jeder der im Beipackzettel den Bereich >Nebenwirkungen< erreicht, assoziiert damit zwangsläufig etwas unerwünschtes, unangenehmes, oder gar bedrohliches. Das war bei mir nicht anders.
Als ich aber in die für mich bis zu diesem Zeitpunkt undenkbare Situation geriet schwerst depressiv zu werden, mußte ich erstmals irritiert feststellen daß Nebenwirkungen durchaus erwünscht und eine gezielte, oder zumindest begleitende Medikation darstellen können.
Entgegen der traurigerweise scheinbar üblichen Unwissenheit von Ärzten bezügl. der Anwendung u. Wirkungsweise der von ihnen -anscheinend oft auch zu sorglos- verschriebenen AD, verfügte mein Hausarzt offensichtl. durchaus über das notwendige Mindestwissen, um die Verschreibung von REMERGIL mit dem Wirkstoff Mirtazapin u. ausdrücklich auch der mit diesem Präparat verbundenen "Nebenwirkungen" zu begründen!
Diese vermeintl. ungewollten Begleiterscheinungen normalisierten näml. bei mir Schritt für Schritt erst einmal die schlimmsten PHYSISCHEN Symptome wie: Fast völlige Schlaflosigkeit, kein Hunger-/ Durstempfinden mehr (innerhalb von weniger als 2 Wochen 16 Pfd. Gewichtsverlust, dehydriert).
In den 1. paar Tagen schaffte ich es schon etwa 1 Std. nach der Einnahme nicht mal mehr vom Wohn- ins Schlafzimmer, so daß ich die 1. Nacht vor d. PC im Bürosessel u. die weiteren 2 auf d. Sofa in einem benahe "komatösen Zustand" verbrachte. Daraufhin richtete ich mich zukünftig darauf ein, schon VOR d. Tablette alles erledigt zu haben, so daß ich bevor die Wirkung einsetzte bereits im Bett lag.
Es dauerte noch eine weitere Woche, bevor ich erstmals Lust verspürte mir richtig etwas zu kochen, nachdem ich mir noch Tage zuvor lustlos ab und zu mal etwas "Dosenfutter" reinquälte.
Nach diesen ersten 2 Wochen ging es rapide aufwärts: Mein Apetit nahm mächtig zu (ich nun endl. auch wieder), ich schlief wieder regelmäßig, lang u. fest und erholte mich in einem Tempo, daß weder für mich, noch für mein Umfeld nachvollziebar war.
Damit einhergehend erholte sich auch meine Psyche in erstaunlicher Geschwindigkeit, was sich in der 1. Zeit darin manifestierte, daß ich mir nächtelang in diversen Foren meinen Frust, meine Verzweiflung, meine Trauer u. meine Ratlosigkeit unter "Gleichgesinnten" (ähnlich Betroffenen) in Massen von riesigen Beiträgen von der Seele schrieb. Dies hatte ohne Zweifel gleich auch noch therapeutischen Effekt (wie auch sicher dieser hier
). Jedenfalls stieß ich dabei auch bislang nicht gekanntes Verständniß, sei es von Menschen die´s grad durchmachten, oder es bereits geschafft hatten.
Hier stieß ich im Übrigen auch erstmals auf kritische Stimmen in Bezug auf AD. Auch das von mir eingenommene Präparat kam nicht so gut weg, was mich anfangs sehr irritierte.
Abschließend sei von meiner Seite folgendes festgehalten:
Fakt ist, eine gezielte Medikation bei einer psychischen Störung -sei sie seelischer oder physischer Natur- schleichend oder urplötzlich u. ohne jede Vorwarnung, welche Ursache ihr auch immer zu Grunde liegen mag ist, so wie´s aussieht, außerordendl. schwierig.
Es spielen einfach zu viele Faktoren, zu viele Unwägbarkeiten eine gewichtige Rolle und entscheiden -selbst bei gleicher Symptomatik- von einem Individuum zum anderen über eine erfolgreiche Behandlung, oder totalem Mißerfolg. Seien wir doch mal realistisch: Mehr als rumprobieren bleibt den Ärzten doch letztlich nicht. Wie soll ein Arzt ermessen können, wie das individuelle Zusammenspiel von Physis und Psyche bei seinem Patienten auf dieses oder jene Medikament anspricht?
Das konnte auch mein Hausarzt sicher nicht. Aber aus der Schilderung meines physischen Verfalls, infolge des psychischen Zusammenbruchs hat er die erforderliche Medikation rational auf ein Präparat eingegrenzt, daß die Genesung nach einem sinnvollen Schema einleitet, in meinem Fall: Erstmal wieder zu Schlaf u. dann auch zu Verlangen nach Nahrungsaufnahme kommen u. dann nach und nach psychische Stabilisierung, bis hin zu völliger Regeneration von Physis u. Psyche.
Nur: Hier kann er auch nichts anderes tun als auch sein Patient - nämlich auf die Wirkungsweise und das, was im Beipackzettel steht zu vertrauen. Und zu hoffen, daß das dort geschriebene den Tatsachen entspricht, ausreichend getestet ist und sein Patient überhaupt auf das Präparat anspricht, es verträgt und ihm nicht alle möglichen Unwägbarkeiten einen Strich durch die Rechnung machen.
Denn wenn die Fokussierung auf ein in Frage kommendes Medikament sich als Fehlschlag erweist, geht die Suche nach den Ursachen - und damit auch evtl. ein langwieriges Testen u. Rumprobieren los.
Ein Elend u. möglicherweise beginnender Leidensweg für den Patienten u. sicher frustrierend für den behandelnden Arzt, der sich damit einhergehend dem Risiko ausgesetzt sieht, als unfähig u. inkompetent verschriehen zu werden. Und welcher Arzt ist schon auf eine solche Negativpublicity scharf...
Was bleibt ist, ein Resümee auf das eigentl. Thema zu ziehen:
Nicht jede "Nebenwirkung" ist eine in negativem Sinne.
Nicht jede positive "Nebenwirkung" ist als solche überhaupt auf dem Beipackzettel zu lesen.
Wohl dem der an einen Arzt gerät, der -woher auch immer- mehr über den Wirkungsverlauf des Medikamentes weis, als der Beipackzettel verrät - und diesen dann auch noch gezielt, nach eingehender Diagnose und unter Abwägung des Vor- u. Nachteilefaktors, zum Wohle des Patienten u. damit zu seiner zügigen Genesung einzusetzen vermag.
Ich wünsche jedem Betroffenen soviel Glück wie mir in diesem Punkt.
Zur Zeit befinde ich mich am Anfang meiner Ausschleichphase, die am 8. Februar 2005 -hoffentlich- für mich den entgültigen Abschied von dem Wirkstoff Mirtazapin bedeutet.
Sollte der "Ausstieg" übel werden, weis ich zumindest was das Medikament geleistet hat u. womit ich diese Leistung erkauft habe - da muß ich dann wohl durch.
Sollte gar nichts passieren werde ich wohl darauf feiern, denn SOVIEL Glück, nach allem was ich hier bis jetzt so alles gelesen habe, wäre ja dann schon beinahe unglaublich! - Wir werden sehen...
Ps.: Nein, ich bin KEIN Arzt, arbeite NICHT in der Pharmaindustrie u. mein einziger Bezug zu diesen beiden Erwerbszweigen besteht WIRKLICH nur darin, im ersteren behandelt / medikamentiert worden zu sein u. im letzteren ein Produkt -vom ersteren verschrieben- einzunehmen!
Und NEIN, ich beziehe auch KEINERLEI Promotion-/ Sponsoringgelder!

Jeder der im Beipackzettel den Bereich >Nebenwirkungen< erreicht, assoziiert damit zwangsläufig etwas unerwünschtes, unangenehmes, oder gar bedrohliches. Das war bei mir nicht anders.
Als ich aber in die für mich bis zu diesem Zeitpunkt undenkbare Situation geriet schwerst depressiv zu werden, mußte ich erstmals irritiert feststellen daß Nebenwirkungen durchaus erwünscht und eine gezielte, oder zumindest begleitende Medikation darstellen können.
Entgegen der traurigerweise scheinbar üblichen Unwissenheit von Ärzten bezügl. der Anwendung u. Wirkungsweise der von ihnen -anscheinend oft auch zu sorglos- verschriebenen AD, verfügte mein Hausarzt offensichtl. durchaus über das notwendige Mindestwissen, um die Verschreibung von REMERGIL mit dem Wirkstoff Mirtazapin u. ausdrücklich auch der mit diesem Präparat verbundenen "Nebenwirkungen" zu begründen!
Diese vermeintl. ungewollten Begleiterscheinungen normalisierten näml. bei mir Schritt für Schritt erst einmal die schlimmsten PHYSISCHEN Symptome wie: Fast völlige Schlaflosigkeit, kein Hunger-/ Durstempfinden mehr (innerhalb von weniger als 2 Wochen 16 Pfd. Gewichtsverlust, dehydriert).
In den 1. paar Tagen schaffte ich es schon etwa 1 Std. nach der Einnahme nicht mal mehr vom Wohn- ins Schlafzimmer, so daß ich die 1. Nacht vor d. PC im Bürosessel u. die weiteren 2 auf d. Sofa in einem benahe "komatösen Zustand" verbrachte. Daraufhin richtete ich mich zukünftig darauf ein, schon VOR d. Tablette alles erledigt zu haben, so daß ich bevor die Wirkung einsetzte bereits im Bett lag.
Es dauerte noch eine weitere Woche, bevor ich erstmals Lust verspürte mir richtig etwas zu kochen, nachdem ich mir noch Tage zuvor lustlos ab und zu mal etwas "Dosenfutter" reinquälte.
Nach diesen ersten 2 Wochen ging es rapide aufwärts: Mein Apetit nahm mächtig zu (ich nun endl. auch wieder), ich schlief wieder regelmäßig, lang u. fest und erholte mich in einem Tempo, daß weder für mich, noch für mein Umfeld nachvollziebar war.
Damit einhergehend erholte sich auch meine Psyche in erstaunlicher Geschwindigkeit, was sich in der 1. Zeit darin manifestierte, daß ich mir nächtelang in diversen Foren meinen Frust, meine Verzweiflung, meine Trauer u. meine Ratlosigkeit unter "Gleichgesinnten" (ähnlich Betroffenen) in Massen von riesigen Beiträgen von der Seele schrieb. Dies hatte ohne Zweifel gleich auch noch therapeutischen Effekt (wie auch sicher dieser hier
Hier stieß ich im Übrigen auch erstmals auf kritische Stimmen in Bezug auf AD. Auch das von mir eingenommene Präparat kam nicht so gut weg, was mich anfangs sehr irritierte.
Abschließend sei von meiner Seite folgendes festgehalten:
Fakt ist, eine gezielte Medikation bei einer psychischen Störung -sei sie seelischer oder physischer Natur- schleichend oder urplötzlich u. ohne jede Vorwarnung, welche Ursache ihr auch immer zu Grunde liegen mag ist, so wie´s aussieht, außerordendl. schwierig.
Es spielen einfach zu viele Faktoren, zu viele Unwägbarkeiten eine gewichtige Rolle und entscheiden -selbst bei gleicher Symptomatik- von einem Individuum zum anderen über eine erfolgreiche Behandlung, oder totalem Mißerfolg. Seien wir doch mal realistisch: Mehr als rumprobieren bleibt den Ärzten doch letztlich nicht. Wie soll ein Arzt ermessen können, wie das individuelle Zusammenspiel von Physis und Psyche bei seinem Patienten auf dieses oder jene Medikament anspricht?
Das konnte auch mein Hausarzt sicher nicht. Aber aus der Schilderung meines physischen Verfalls, infolge des psychischen Zusammenbruchs hat er die erforderliche Medikation rational auf ein Präparat eingegrenzt, daß die Genesung nach einem sinnvollen Schema einleitet, in meinem Fall: Erstmal wieder zu Schlaf u. dann auch zu Verlangen nach Nahrungsaufnahme kommen u. dann nach und nach psychische Stabilisierung, bis hin zu völliger Regeneration von Physis u. Psyche.
Nur: Hier kann er auch nichts anderes tun als auch sein Patient - nämlich auf die Wirkungsweise und das, was im Beipackzettel steht zu vertrauen. Und zu hoffen, daß das dort geschriebene den Tatsachen entspricht, ausreichend getestet ist und sein Patient überhaupt auf das Präparat anspricht, es verträgt und ihm nicht alle möglichen Unwägbarkeiten einen Strich durch die Rechnung machen.
Denn wenn die Fokussierung auf ein in Frage kommendes Medikament sich als Fehlschlag erweist, geht die Suche nach den Ursachen - und damit auch evtl. ein langwieriges Testen u. Rumprobieren los.
Ein Elend u. möglicherweise beginnender Leidensweg für den Patienten u. sicher frustrierend für den behandelnden Arzt, der sich damit einhergehend dem Risiko ausgesetzt sieht, als unfähig u. inkompetent verschriehen zu werden. Und welcher Arzt ist schon auf eine solche Negativpublicity scharf...
Was bleibt ist, ein Resümee auf das eigentl. Thema zu ziehen:
Nicht jede "Nebenwirkung" ist eine in negativem Sinne.
Nicht jede positive "Nebenwirkung" ist als solche überhaupt auf dem Beipackzettel zu lesen.
Wohl dem der an einen Arzt gerät, der -woher auch immer- mehr über den Wirkungsverlauf des Medikamentes weis, als der Beipackzettel verrät - und diesen dann auch noch gezielt, nach eingehender Diagnose und unter Abwägung des Vor- u. Nachteilefaktors, zum Wohle des Patienten u. damit zu seiner zügigen Genesung einzusetzen vermag.
Ich wünsche jedem Betroffenen soviel Glück wie mir in diesem Punkt.
Zur Zeit befinde ich mich am Anfang meiner Ausschleichphase, die am 8. Februar 2005 -hoffentlich- für mich den entgültigen Abschied von dem Wirkstoff Mirtazapin bedeutet.
Sollte der "Ausstieg" übel werden, weis ich zumindest was das Medikament geleistet hat u. womit ich diese Leistung erkauft habe - da muß ich dann wohl durch.
Sollte gar nichts passieren werde ich wohl darauf feiern, denn SOVIEL Glück, nach allem was ich hier bis jetzt so alles gelesen habe, wäre ja dann schon beinahe unglaublich! - Wir werden sehen...
Ps.: Nein, ich bin KEIN Arzt, arbeite NICHT in der Pharmaindustrie u. mein einziger Bezug zu diesen beiden Erwerbszweigen besteht WIRKLICH nur darin, im ersteren behandelt / medikamentiert worden zu sein u. im letzteren ein Produkt -vom ersteren verschrieben- einzunehmen!
Und NEIN, ich beziehe auch KEINERLEI Promotion-/ Sponsoringgelder!
