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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

psyab.net: wichtige Informationen für neue Teilnehmer


Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.

Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


Eine Frage zum "Verschreibungsgrund"

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
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fatma
Beiträge: 7
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Wohnort: Hockenheim

Eine Frage zum "Verschreibungsgrund"

Beitrag von fatma »

Hallo, ich bin neu in diesem Forum.
Ich leide an Angstzuständen, Panikattacken und Dissoziation. Bin im Februar das erste Mal zu einem Neurologen, der mir gleich Fluoxetin verschrieben hat. Das war allerdings ein Schuss in den Ofen wegen der Nebenwirkungen (noch mehr Angst, Schlafstörungen,etc, ich dachte, ich raste komplett aus). Danach Opipramol, was gut wirkte, von dem ich aber immense Verstopfung bekam.
Das nächste war Citalopram, was aber ähnlich wirkte wie Fluoxetin. Das habe ich auch wieder abgesetzt. Wollte eine andere ärztliche Meinung hören.

Ein zweiter Neurologe wollte aber auch gleich Citalopram anwenden. Scheint ja ein richtiger "Renner" zu sein, wenn die Ärzte so drauf fliegen ......

Dabei: Ob ich tatsächlich depressiv bin, könnte ich nciht mal sicher sagen. Ich stecke aber gewiss zusätzlich zu meinen psychischen Problemen in einer schwierigen Lebenssituation (Arbeitslosigkeit und Zwangsumzug).

Was ich aber eingentlich mal genauer wissen wollte: Habe jetzt schon viel in diesem Forum gelesen, u.a.:

"Die Werbeaussage der SSRI Hersteller, dass Depressionen aufgrund eines Serotoninmangels im Gehirn entstehen, ist nämlich mittlerweile als völliger Humbug entlarvt und mit keinem Test dieser Welt nachzuweisen. In Irland und einigen anderen Ländern ist es den Herstellern sogar mittlerweile gerichtlich untersagt ihre Produkte mit solchen irreführenden Anpreisungen zu vermarkten. Siehe auch: Mythos: Depressionen als Stoffwechselstörung im Gehirn und Serotonin-Test."


Wieso werden dann diese SSRI überhaupt verschrieben? Klingt ja sehr logisch, was da steht. Aber so entbehrt diese Art der Verschreibbungspraxis doch jede medizinische Grundlage, oder?


LG, Fatma
TomMig
Beiträge: 7
Registriert: 28.12.2004 10:44
Wohnort: Berlin

Beitrag von TomMig »

Hallo Fatma,
Wieso werden dann diese SSRI überhaupt verschrieben? Klingt ja sehr logisch, was da steht. Aber so entbehrt diese Art der Verschreibbungspraxis doch jede medizinische Grundlage, oder?
Ganz so würde ich es nicht sehen. Ich bin so ein typischer Fall. Ich habe keine so starken Depressionen gehabt. Aber leider habe ich so einen halbseitigen Gesichtsschmerz (Neuralgie), der nervlich bedingt ist. Da helfen die SSRIs schon.

Viele Grüße!
Symptome: Schmerzen im linken Gesichtsbereich, Depressionen;
Diagnose: Gesichtsneuralgie, Depression
Medikation: Carbamazepin (6 Monate) >> Doxepin (3 Monate) >> Paroxetin (30mg, 13 Monate)
Absetzverlauf (19.04.05, 30mg): 7Tage, 30mg/20mg >> 7Tage, 20mg >> 7Tage, 20mg/10mg >> 7Tage, 10mg >> 4Tage, 0/10mg >> nix mehr :-)
Medikation: Duloxetin (30mg, 8 Monate) >> Gabapentin (2000mg)
CloneX
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Re: Eine Frage zum "Verschreibungsgrund"

Beitrag von CloneX »

fatma hat geschrieben: Wieso werden dann diese SSRI überhaupt verschrieben? Klingt ja sehr logisch, was da steht. Aber so entbehrt diese Art der Verschreibbungspraxis doch jede medizinische Grundlage, oder?
LG, Fatma
Auch wenn die Theorie nicht bewiesen ist bzw. sogar falsch ist, gibt es dennoch Menschen denen es hilft. Aus welchem Grund auch immer.
Und ein anderer Grund: GELD. Viel Geld für die Pharmaindustrie.

Das Problem ist halt nur, dass versucht wird diese Theorie so darzustellen als sei sie bewiesen bzw. dem Patienten klar zu machen -> Sie haben eine Stofwechselstörung im Gehirn, ich empfehle ihnen SSRI.
amanda

Beitrag von amanda »

Hallo Fatma...witzig das du einen ähnlichen Namen wie ich gewählt hast(in einem anderen Forum) und auch die gleichen Probleme hattest mit SSRI.Ich hatte auch extreme Probleme mit Benzos uns SNRI.Mir hat ein Neurologe erklärt dass jeder Mensch Medikamente verschieden verstoffwechselt....anscheinend nicht nur über die Leber.Wir scheinen da besonders empfindlich zu reagieren.Ich hatte allerdings auch vor der Psychopharmakabehandlung eine FETTLEBER.Mein Ösrogenspiegel war auch sehr niedrig....ist leider erst nach der Psychopharmakageschichte festgestellt worden.Ich habe meine Ängste und Panikattacken ganz gut in Griff gekriegt OHNE Medikamente....Es ist ein langer harter Weg(und kleinere Rückschläge gibt es immer mal)ABER ES LOHNT SICH.Alles Gute Amanda
PhilRS
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Beitrag von PhilRS »

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum solche Med. wirken.

Vereinfacht gesagt, ist es die Übertragung der positiven Erwartung des Arztes auf den Patienten.

Deshalb werden z.B. Arzneimittelstudien "doppelblind" durchgeführt, d.h. weder der Arzt noch der Pat. dürfen wissen, ob sie Verum (also das zu prüfende Präparat) vor sich haben oder nicht.

Insofern ist es fast charakteristisch, dass diese (Placebo)Wirkung bei kritischen Patienten ausbleibt - oder bei solchen, die schon viel durch haben.

Übrigens:
So gesehen ist es schon fast wieder sinnvoll, dass so viele Psychiater die SSRI selbst nehmen, und da sie durch ihre Kollegen begeistert werden, auch positive Effekte verspüren -> die sie dann auf ihre Pat. übertragen können. Die Placebowirkung wird dadurch erhöht.
Nur dem Skeptiker hilft das wenig...

(Hintergrund: Habe am Mo. mit einer Psych. gesprochen, die mir nebenbei mitteilte, sie nehme jetzt auch ZOLOFT - da hab ich mal durchgezählt, sie ist Nr. 12 in den letzten 3 Jahren, d.h. von den mir persönlich näher bekannten Psychiatern nahmen oder nehmen 75% ein SSRI.)

Na denn PROST*
-PhilRS.

*oder "gut schluck", wie soll man das nennen?
Potenzieller Interessenkonflikt: Beamter, Forensische Psychiatrie (Finnland) seit 1/08.

Quellen: Medizin allgemein BMJ | JAMA | Lancet | NEJM || Psychiatrie/Neurologie Acta Psychiatr Scand | Am J Psychiatry | Arch Gen Psychiatry | Br J Psychiatry | JAACAP | JCPP | J Clin Psychiatry | J Clin Psychopharmacol | Neurology || Open Access | Ann Gen Psychiatry | BMC Psychiatry | Can J Psychiatry | CMAJ | CNS Spectrums | Depress Anxiety | PLoS Med
woody
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Wohnort: berlin

Beitrag von woody »

:shock:
Hallo Phil,
dann bestätigst Du meinen Verdacht, daß viele Ärzte "drauf" sind. Da ich Laie bin, kamen mir die Augen deren und das langsame Reden schon oft merkwürdig vor, aber dem Patienten gegenüber sagt man nicht die Wahrheit. Frage an Dich: Was lernen die denn im Studium? Daß das Schokobonbons sind? Ich habe mal eine Ärztin angesprochen, die zugab, Valium zu nehmen, wenn ihr alles zu viel wird. Mit Bier. Dann würde sie schlafen und wäre am nächsten morgen drauf wie nach vier Wochen Karibikurlaub. Was soll man davon halten? Und auf die vorher-gehend Posts einzugehen: Warum ist jemand mit Existenzproblemen denn gleich psychisch krank und braucht Pillen? Oder hat es damit zu tun, daß man das Problem vermeintlich damit gelöst hat und der Patient schneller wieder die Praxistür draußen ist? Ergo müßte dann doch folgende These stimmen: man nehme einem Arzt die Praxis weg (Job), die Frau läuft ihm weg, die Freunde verschwinden, das Geld fehlt, mmh, er müsste doch dann anstatt "normal" depressiv nur euphorisch werden und nie in die Lage kommen, auch nur an Pillen zu denken, sonst wäre er doch aufgrund o.g. Tatsachen gleich psychisch krank.
War nur so ein Gedanke....

Woody, der nix mehr schluckt!
CloneX
Gründer
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Registriert: 10.10.2003 17:01
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Danksagung erhalten: 20 Mal

Beitrag von CloneX »

Wenn viele Ärzte selber SSRIs nehmen, dann müssten sie ja eigentlich auch merken welche Probleme auftreten können.
fatma
Beiträge: 7
Registriert: 02.04.2005 17:52
Wohnort: Hockenheim

Beitrag von fatma »

Ich finde die Vorstellung, dass Psychiater sich an ihrem Arzneimittelvorrat bedienen und Ads schlucken gar nicht so abwegig, obwohl es sich teilweise eher wie ein Klischee anhört, nach dem Motto " Psychotherapeuten sind ja fast alle selbst seelisch krank".

Irgendwie kann ich es mir nicht so recht vorstellen, da sie ja dann auf das Niveau ihrer Patienten herabsinken würden, die sie so gerne und leicht(fertig) als hilflos und krank etikettieren. Ich glaube schon, dass sie sich dabei auch ziemlich groß, mächtig und überlegen fühlen, wenn da so ein vermeindlich hilfloser Patient zu ihnen hingekrochen kommt.
Als Frau ist mir das bei dem 2. Psychiater, den ich aufgesucht habe, aufgefallen. Der gefiel sich richtig gut in seiner Rolle als männlich-überlegener Helfer, als Autoritätsperson. Wenn derzugegeben hätte, dass er auch Ads nimmt, hätte ich ihn da überhaupt noch ernst genommen?
Wäre das nicht eher "weibisch" und schwach, so ein Zeug selbst zu nehmen, ich meine, es wird ja schließlich zu 70% an Frauen verschrieben?

Oder sind vor allem die SSRI bei "Gesunden" mittlerweile eine Art "Lifestyle-Droge"? Bei Peter Breggin (Autor von "Giftige Psychiatrie", ein sehr kritisches Buch über Psychiopharmaka und co.) stand, dass SSRI bei vielen Menschen wirken wie Aufputschmittel, Speed bzw. Koks (künstl. Euphorisierung, so eine Art happy pill). Das würde prima zu unserem Gesellschaftsmodell passen: Jung, leistungsfähig, gut drauf ...

LG,
Fatma
Gesperrt