Seite 1 von 1

Suizidgedanken - meine Geschichte

Verfasst: 15.01.2004 12:38
von Gast
Hallo. Ich möchte einmal meine Leidensgeschichte erzählen.

Ich habe zur Zeit extreme sexuelle Probleme. Ich bin in einem sehr sexualfeindlichen Elternhaus aufgewachsen. Zudem hatte ich Probleme mit meiner Vorhaut, so daß ich ohne Operation keine sex haben konnte. Ich hatte ein verkürztes Bändchen. Keine große Sache. Mit 23 hatte ich dann meine erste Freundin. Und beim ersten sex ist das Bändchen eingerissen und ich mußte operiert werden. Richtig gut ist das nicht geworden. Ich habe mich 2002 nochmals operieren lassen. Das nur nebenher.

Ich war mit der Frau 8 Jahre zusammen (1994-2002). Es war eine harmonische Beziehung und sie hat mir viel gegeben. Allerdings war ich sexuell immer sehr unzufrieden. Immer mußte ich anfangen und ich spürte bei ihr überhaupt kein begehren. Ich wollte einfach viel mehr sex. So habe ich mich, zumal meine Liebe auch erloschen war, 2002 zur Trennung entschieden.

Dann kam der Supergau. Ich habe mich sehr in eine sexuell sehr selbstbewußte und aktive Frau verliebt. Genau die Frau, von der ich immer geträumt habe. Alles stimmte. Die Gespräche waren großartig. Aber sie machte mir sofort unmißverständlich klar, das es zwischen uns nur etwas sexuelles wird. "Toll", dachte ich, "der zeigst Du, was Du kannst..." Und unseren Gesprächen hat sie erwähnt, das ihr damaliger Freund Erektionsprobleme hat. Und die kannte ich bis dato überhaupt nicht.

Dann kamen wir uns näher. Ich beobachtete mich intensiv selbst und es kam wie es kommen mußte. Nix ging. Ich war in Panik. Ich wollte sie unbedingt gewinnen und bei mir regte sich nichts. Das hielt eine zeitlang (6 Woche) an. Ich verfiel in tägliche Selbstbeobachtung. Das ist sehr schlimm. Mehre Urologen bestätigten mir, das es in jedem Fall psychisch ist. Irgendwann nahm ich eine Viagra. Es klappte damit natürlich. Dann klappte ers noch zweimal ohne. Dann war es vorbei. Und ich hatte extremen Liebeskummer.

Wir hatte eine zeitlang weniger miteinander zu tun. Ich liebte sie so sehr. Und immer hatte ich im Hinterkopf: "Wenn ich gut gekonnt hätte, hätte sie sich eventuell für mich entschieden." Ich hatte latent immer Angst zu versagen. Das war immer so präsent. Ich hatte 14 Monate keinen sex. Und ich wäre für sie gestorben.

Anfang November letzten Jahres bot sie mir erneut eine Affäre an. Und wieder klappte es nicht. Wieder schlimmste Panik. Nach zwei Wochen gingen wir im Sreit auseinander. Und wieder im Hinterkopf: "Wenn ich gekonnt hätte...". Ich verfiel in sehr schwere Depressionen im Zusammenhang mit Selbstmordgedanken. Ich war bei drei Therapeuten die mir alle zu Antiderpessiva rieten. Ich kenne deren Nebenwirkungen und ich dachte, das ich vom Regen in die Traufe komme. Doch wurden meine Gedanken so schlimm, das ich mich schließlich dazu entschloss.

Jetzt sitze ich hier nach dreitägiger Einnahme (Citalopram) und wünsche mir meinen Tod. Ich will einfach nicht mehr. Was passierte ist so schlimm für mich. Ich denke an nichts anderes als an mein versagen. Ich habe fast den Eindruck das die Medikamente das ganze verstärken. Ich habe einfach Angst, das ich mir etwas antue. Was soll ich machen? Wieder absetzten?

werni

Verfasst: 15.01.2004 15:26
von CloneX
Hi Werni, willkommen an Board!

So eine Geschichte habe ich noch gar nicht kennengelernt.

Meine Gedanken dazu: Wenn deine Ängste und Depression wirklich durch diese Erektionsprobleme gekommen sind, dann wäre ein Therapie sicher wesentlich sinnvoller als Medikamente. Im Gegnsatz zu vielen anderen Depressiven/Angstgestörten hast du den "Vorteil", dass du ein bestimmtes Problem vor Augen hast. Ich denke du musst genau an diesem Problem arbeiten...wahrscheinlich mit Hilfe eines Therapeuten ? Dass die dir alle Medikamente verschreiben wollen ist auch seltsam...vielleicht ist es denen unangenehm darüber zu reden ?? Seltsam. Aber ich denke es gibt auch speziell für das Thema Therapeuten.

SSRI Antidepressiva bei so einem Fall zu nehmen ist natürlich besonders problematisch da sexuelle Störungen eine häufige Nebenwirkung von diesen Medikamenten sind.

Auch können diese Medikamente, besonders am Anfang, Selbstmordgedanken verstärken oder sogar auslösen ! Sei bitte vorsichtig - wenn du merkst, dass es zu schlimm wird, dann hol dir jemanden zur Seite der auf dich aufpasst. In dem Fall würde ich die Medikamente auch absetzen !

Du steigerst dich wahrscheinlich immer mehr in deine Probleme, so dass sie immer mehr anwachsen. Diesen Teufelskreis musst du durchbrechen - ich weiß, leichter gesagt als getan.

Hast du schonmal versucht deine Kräfte in anderen Bahnen zu lenken ? In Sport zum Beispiel ?

Es gibt sicher viel zu tun, aber ich würde dir empfehlen alle anderen Wege auszuprobieren bevor du zu den Medikamenten greifst - zumahl die das eigentliche sexuelle Problem dann ja auch noch verschlimmern können.

Auch wenn du es jetzt vielleicht nicht glaubst: Du wirst aus dieser Situation auch wieder herauskommen. Es mag ein anstrengender Weg sein...aber er wird es wert sein!

Verfasst: 15.01.2004 16:17
von Gast
Danke CloneX, für die Antwort.

Sport ist ein guter Gedanke. Ich treibe Leistungssport. Daran liegt es nicht.

Das ist ja das Schlimme. Ich bin in einer excellenten körperlichen Verfassung. An guten Tagen, wenn mir die Probleme nicht so präsent sind, klappt alles ohne Probleme. Aber es gelingt mir einfach nicht, den Verstand und die negativen Gedanken komplett zu bekämpfen. Ich steigere mich wirklich sehr da rein. Bis hin zu: Ich habe nie wieder sex.

Das ist es ja, was mir so zu schaffen macht. Die Lösung scheint so nah, und doch so unendlich weit. Ich wünsche mir einfach nichts sehnlicher als Frauen wieder ganz unbeschwert schön zu finden. Wenn ich eine schöne Frau sehe möchte ich mich wieder freuen. Das ist wirklich das allerschlimmste. Frauen machen mich zur Zeit einfach nicht mehr an. Und durch Beobachtung wird das immer schlimmer. Ich bin langsam schon ziemlich verzweifelt...

Leider habe ich niemanden, der auf mich aufpaßt...

werni

Verfasst: 15.01.2004 17:01
von Gast
Hallo Uschi.

Ich habe mir soeben eine Termin bei einer Sexualtherapeutin geholt.

Natürlich weiß die Frau von meinem Problem. Und sie hat die Macht es zu lösen. Sie ist doch wesentlicher Teil davon.

Im nachhinein wundert mich mein Versagen wenig. Ich wollte immer viel mehr von ihr als nur sex. Mein Körper hat sich förmlich gesträubt. Ich wollte einfach ihre Liebe. Und die werde ich niemals bekommen.

Aber es tut einfach schon gut, mal darüber zu schreiben. Ich bin mittlerweile auch ein wenig enttäuscht von den Therapeuten. Es werden sehr leichtfertig Medikamente eingesetzt. Ein Therapeut riet mir zu Viagra. Hallo! Weiß der was der tut. Ich denke nein. Es ist Aufgabe eine Urologen über die Notwendigkeit solcher Maßnahmen zu befinden. Und wenn der mich zum Therapeuten schickt dürfte alles klar sein.

Ich habe nur die Hoffnung durch die AD endlich wieder arbeitsfähig zu werden. Nur wenn es so weiter geht muß ich die einfach absetzten.

Sonstige Nebenwirkungen spüre ich aber nicht. Bis auf Schlafprobleme. Da kann man aber nicht sagen was die Ursachen sind. Diese Probleme habe ich sporadisch seit zwei Jahren.

Die Ironie des Schicksals ist, dass die Besagte sehr verliebt ist in jemanden mit schweren Depressionen. Aufgrund der Medikamente ist dessen Libido wohl eingeschränkt. Aber ich mußte mir sagen lassen: "Geklappt hat es aber immer...". Dieser Satz schwebt mir auch immer im Kopf. Wenn ich an sex denke denke ich an die beiden.

Eigentlich hast Du recht, CloneX. Ich kann mein Problem sehr gut eingrenzen...

werni

Verfasst: 15.01.2004 22:41
von Astrid
Hallo Werni,

deine Geschichte beschäftigt mich. Du schreibst sehr offen über das Thema Sex, schreibst gleich zu Beginn, dass du zur Zeit extreme sexuelle Probleme hast. Doch beim genauen Lesen gewinne ich den Eindruck, dass es nicht in erster Linie darum geht, sondern um Beziehungsprobleme. Deine sexuellen Probleme kommen mir beim Lesen eher wie das sekundäre Problem, bzw. wie ein Syptom vor. Das Syptom für das eigentlich, das primäre Problem.
Wie das heißen könnte?
Das muss ich dir selbst überlassen. Dazu weiß ich zu wenig. Aber es könnte damit zu tun haben, dass du dir selbst nicht sicher bist, im Umgang mit Frauen und beim Nennen deiner eigenen Wünsche und Vorstellungen.

Du schreibst auch, in einem sehr sexualfeindlichen Elternhaus aufgewachsen zu sein.
Hört sich für mich danach an, dass das Thema Sex wenn überhaupt nur mit Scham, hinter der Hand, sanktioniert und zensiert behandelt wurde.
Das heißt vermutlich, du warst mit dem Thema alleine.
Doch sobald eine Sexualpartnerin hinzu kam, warst du nicht mehr alleine mit dem Thema. Ihr wart zu zweit und du bliebst doch zurück, weil du hohe Ansprüche an DICH stelltest, weil du Versagen auf DICH zurück führtest, weil du sogar die Sehnsucht mit DIR ALLEINE ausmachst.

Das meine ich mit Beziehungsproblem.
Werni, dabei hilft kein Antidepressivum alleine. Das kann dir helfen, die Depressionen, die dein Problem nach sich zieht, in den Griff zu bekommen. Aber dein eigentliches Problem würde dadurch nicht behandelt.

Partnerschaft und Sex gehen idealerweise Hand in Hand. Aber bei wem ist das schon so?
Man weiß es nicht, weil das Thema ein ganz persönliches ist und sich daher Statistiken eher verschließt. Man glaubt unwillkürlich an ein Idealbild und sieht automatisch bei sich selbst NUR Fehler.

So interpretiere ich deine Worte. Daher kommt mein Rat an dich, dein Problem psychotherapeutisch anzugehen, um es bei der Wurzel zu packen.

Ich bin davon überzeugt, dass ein AD ohne Therapie kontraindiziert ist. Deine Selbstmordgedanken bestätigen mir das. Sie sind eine typische Begleiterscheinung zu Beginn der Einnahme. Besser begleitet wärest du jetzt mit einer Therapie.

Sollte ich mit einer Einschätzung falsch liegen, dann lass es mich bitte wissen.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass es dir bald besser geht, weil du dein Problem in den Griff bekommen wirst.

Das wünscht dir mit herzlichen Grüßen

Astrid

Verfasst: 16.01.2004 09:01
von Gast
Hallo Astrid. Ich denke Du hast den Kern getroffen. In der langen Beziehung die ich führte habe ich sehr auf meine sexuellen Bedürfnisse verzichtet. Ich habe mich fast dafür geschämt. Ich kam mir immer vor wie ein Bittsteller.

Ich war einfach so erschrocken das es Frauen gibt denen sex wirklich richtig Spaß macht und die richtig "rattig" sein können. Das war zu dem Zeitpunkt einfach zuviel Frau für mich. Ich war gerade dabei, mich zu finden.

Ich bin nur so schrecklich traurig. Oft stelle ich mir vor was gewesen wäre wenn es gleich beim ersten Mal geklappt hätte. Ich male mir die Zeit aus wie sie hätte sein können. Das tut mir immer sehr weh. Sie ist einfach die Frau meiner Träume. Ich habe sie nur zur falschen Zeit getroffen.

Ja, ich werde eine Therapie machen. Aber ich glaube das ich ein schrecklicher Patient bin. Ich bin immer so kritisch. Die letzte Therapie habe ich abgebrochen. Ich konnte dem Arzt kein Vertrauen schenken. Es mangelte ihm an jeder Souveränität und auch an Einfühlsvermögen.

Ich habe auf jeden Fall gelernt das es ein Problem ist was immer schlimmer wird, wenn man sich darum kümmert. Gedankenspiralen werden schnell standartisiert. Gäbe es eine Pille die die letzten 18 Monate meines Lebens löschen könnte ich würde sie nehmen. Nichts was da war war wirklich schön...

Übrigens: Offenheit ist das einzige was mir helfen kann. Das Problem entsteht eindeutig Du die Tabuisierung desselben. Gäbe es kein Tabu, gäbe es kein Problem...

Ich hätte nie gedacht das mir so etwas passieren kann...

werni

Verfasst: 16.01.2004 09:50
von Gast
Ich bin mir jetzt wirklich verdammt unsicher. Ich habe es heute morgen noch einmal genommen. Und natürlich recherchiert. Gesteigerte Suizidgedanken scheinen in der Tat ein häufig auftretendes Problem zu sein. Ich war wirklich bereit mir etwas anzutun.

Heute geht es mir besser. Und andere Quellen berichten von guter Verträglichkeit und nur anfänglichen Problemen. Und ich will die Gedankenspirale endlich durchbrechen. Ich glaube, ich werde das Medikament noch ein bischen versuchen.

Ansoneten habe ich keine einzige Nebenwirkung. Aber die die ich habe reicht mir...

werni

Verfasst: 16.01.2004 10:16
von CloneX
Dann hoffen wir mal, dass nich auch "Tote Hose" als Nebenwirkung auftritt.... Andererseits wärs vielleicht auch mal ne Ablenkung vom Thema.

Wichtig ist jedenfalls dass du lernst HIER...und...JETZT zu leben. Das ist glaube ich das größte Problem für alle, die mit Ängsten usw. zu kämpfen haben.

Du lebst immer noch in der Vergangenheit. Was wäre gewesen wenn. Es ist nicht gewesen. Auch wenn du noch 1000 Jahre drüber nachdenkst. Die Energie, die du für diese Gedanken verschwendest könntest du besser in das JETZT legen. Auch nicht in die Zukunft. Du weisst nicht wie sie aussehen wird.

Ich weiß selber dass das nicht einfach ist. Ich selber leben teilweise auf Grund meiner Angst auch noch zu viel in der Zukunft. Was wäre wenn das und das passiert ?

Deswegen muss man lernen die Gedanken unter Kontrolle zu bekommen. Meditation ist dazu auch ein gutes Mittel.

Trotzdem ein schwerer Weg.

Verfasst: 26.01.2004 11:14
von Gast
Hallo. Ich hatte ein sehr schlimmes Wochenende in dem wieder einige Pfeile durch mein Herz gebohrt wurden. Ich habe auf 20 mg erhöht...

werni

Nachtrag...

Verfasst: 26.01.2004 18:36
von Gast
Nachdem ich erhöht habe, hat sich mein Zustand deutlich verbessert. Sollten das erste Anzeichen einer Gewöhnung sein?