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Erfahrung mit Citalopram?
Verfasst: 17.01.2004 21:36
von Ivan
Hallo Kammeraden,
ersteinmal vielen Dank an alle, die mich mit einem Antwort würdigten- toll, dass man mit seinem Problem nicht allein gelassen wird und Zuhörer findet.
Tja, wie bereits angekündigt nehme ich seit 2 Wochen Citalopram, eine Besserung ist leider noch nicht in Sicht, die Nebenwirkungen sind zwar zu verkraften, bin aber total müde und antriebslos geworden, komme nicht aus dem Schlaf heraus. Hab Besorgnis, dass ich mich mit der Zeit in einen faulen Trecksack verwandle, ich mache zwar jeden Morgen etwas Sport, kann mich aber gegen Mittag überhaupt zu nichts überwinden, es füllt sich so an als ob man die Energiequelle tief in mir abschaltet, völlige Konzentrationslosigkeit, keinen bock auf nichts. Ich habe gelesen, dass meiste AD's nach paar Wochen Kraft und Lust zum Leben zurückholen und "die Flügel verleihen sollen" - hoffe sehr daran, aber so wie es jetzt aussieht wird das eher heilige Petrus tun.
Wie sieht es mit Kontakt- und Kommunikationsschwierigkeiten aus, wird das Zeug dagegen helfen?
Ich habe tierischen Angst meine Familie zu verlieren, bin total eifersüchtig zu meiner Frau geworden, ich glaube sie hat mich heimlich schon längst gegen einen stärkeren Mann ausgewechselt, sie scheint sich nur wenig für mein Problem zu interessieren, hat heute gemeint wenn ich mich endlich nicht zusammenreiße und nicht anfange mein leben wieder in griff zu bekommen, wird sie die Scheidung angehen, mann ich liebe sie und meinen Sohn so sehr!
Tut mir leid für dieses Rumgeheule, ich musste aber die Selle befreien.
Verfasst: 18.01.2004 01:22
von Astrid
Hallo Ivan,
mit schönem Gruß an deine Frau, bitte ich dich ihr auszurichten, dass du total stark bist. Sie möge sich bitte damit beschäftigen, was es bedeutet, dahin zu kommen, sich für die Einnahme eines Antidepressivums entscheiden zu MÜSSEN.
Ivan, rede mit ihr. Sag ihr das alles.
Nur so bekommt sie die Chance, dich zu verstehen.
Wenn sie sie aber nicht nutzt, dann tut sie mir leid und du mir auch.
Wenn sie dich auch liebt, dann wird sie alles verstehen wollen und dazu beitragen, dass es dir bald besser geht.
Das wünsche ich Dir.
Zwei Wochen Citralopam sind noch nicht lang genug um zu einem Dauerzustand zu kommen. Nach eigener Erfahrung und ärztlichem Hinweis kann es drei bis vier Wochen lang dauern.
Sozial-, Kontakt- und Kommunikationsschwierigkeiten hatte ich vor und auch jetzt noch während der Einnahme eines AD´s. Aber die Qualität hat sich verändert.
Wusste ich vorher nur, dass ich Angst vor Besuchen usw. hatte, so weiß ich jetzt, warum ich sie hatte und kann wählen, zu welchen Kontakten ich bereit bin.
Ivan, machst du eigentlich begleitend auch eine Therapie?
Eine Therapie, die deine Familie indirekt oder direkt mit einbezieht wäre bestimmt gut.
Bin auf deine Antwort gespannt.
Es grüßt dich herzlich
Astrid
Astrid
Verfasst: 18.01.2004 12:52
von Gast
Hallo Ivan. Ich habe soeben Deine Geschichte gelesen. Ich nehme jetzt seit einer Woche Citalopram, 10 mg. Ich hatte auch anfangs sehr starke Selbstmordgedanken. Und es war bei mir wirklich so, das das Medikament die Gedanken in ihrer Intensitivität initiiert hat. Vorher hatte ich diese Gedanken in viel geringerem Umfang. Dein Selbstmordversuch wird also wohl eine Folge von Citalopram sein.
Die Gedanken sind bei mir allerdings erst einmal verschwunden. Es geht mir zur Zeit ganz gut. Ich habe so gut wie keine Nebenwirkungen. Ich werde das in jedem Fall noch abwarten.
Es muß sehr schwer für Dich sein, kein Verständnis bei Deiner Frau zu finden. Man wünscht ihr fast, einen Tag lang Depressionen zu haben. Wer das noch nicht erlebt hat weiß einfach nicht wovon er redet.
Ich wünsche Dir, das es Di bald besser geht...
werni
bin wieder da!
Verfasst: 21.01.2004 10:03
von Ivan
Hallo lieben Astrid und Werni,
bin wieder im Schiff, weiß aber nicht so recht was ich jetzt eigentlich schreiben möchte, so blöd es auch klingt. Ersteinmal vielen Dank für die Unterstützung, ich glaube das braucht jeder von uns echt nötig.
Mit der Einnahme von AD bin ich um eine weitere Woche Fortgeschritten,
bis jetzt spüre ich noch keine positive Wirkung, hoffe aber sehr das es bald anschlägt, denn mein seelisches leiden kann ich nicht mehr ertragen, mein Herz verblütet, in Stücke zerrissen, ich bin so allein...
Dabei hat mir der liebe Herr alles was ich zum Leben brauche geschenkt- gutes Aussehen, durchschnittliche Inteligenz, manchmal auch Glück an der Seite- und so ein schwaches Herz.
Meine Frau will offensichtlich gar nichts mehr von mir verheimlichen, nein sie macht mich ganz bewusst verrückt mit ihren Verhalten, alles nur weil ich in meinem Studium versagt habe. Ich liebe und hasse sie, nur mein Sonn ist das einzige Sonnenstrahl in dieser Dunkelheit, nur wegen ihm werde ich weiter kämpfen, ich lasse mich nicht unterkriegen, ich werde wieder erwachen- ganz bestimmt!
Liebe Astrid, meinst Du wirklich, dass ich mit der Therapie jetzt schon anfangen soll, oder besser abwarten bis die Chemie wirkt?
Liebe Werni, was die Einnahmedauer betriefft sind wir sowas wie "Semesterkommillitonen"- wie geht's Dir?
bis später.
Verfasst: 21.01.2004 10:48
von Gast
Hallo Kommilitone. Mir geht es sehr gut. Ich habe absolut keine Nebenwirkungen und ich habe das Gefühl das ich gelassener werde. Ich bin zwar noch immer sehr kritisch was das Medikament enbelangt, Stichwort Absetzproblematik. Aber im Moment hilft es mir einfach. Ich werde auch auf keine Fall höher dosieren als 10 mg. Denn: Es geht mir damit gut. Falls es ein Placebo-Effekt ist kann es mir auch egal sein.
Kopf hoch Ivan. Es kommen sicher bessere Zeiten.
werni
Verfasst: 21.01.2004 22:17
von Astrid
Lieber Ivan,
willkommen an Bord!
Wir segeln also gemeinsam unter der AD-Flagge? Jeder auf seinem eigenen Schiff.
Welche Route wählst du denn? Und wo soll es hingehen? Auf eine einsame Insel? In wärmere Gefilde? Dahin, wo das Leben tobt? Wen nimmst du mit oder reist du alleine los?
Ich für meinen Teil nehme Kurs auf den sicheren Heimathafen. Raue See und tosende Stürme habe ich bereits hinter mir UND unbeschadet überstanden. Hab dafür jetzt mehr Lebenserfahrung an Bord.
An den Polen war es besonders schlimm. Dort spürte ich die arktische Kälte und die extremsten Lebensbedingungen. Orkane führten dazu, dass mir das Ruder entglitt. Bald fasste ich es wieder ohne zu kentern. Die ewig gleiche Aussicht auf den Weiten der Ozeane, Flauten und Ewigkeiten ohne Land in Sicht, ließen mich manchmal verzweifeln.
Was bewahrte mich vor dem Untergang? War es das AD? Nein, sicher nicht alleine. Es führte nach einem chaotischen Start dazu, mich selbst und damit auch mein Schiff wieder in den Griff zu bekommen. Es half mir auch, innerlich ruhiger zu werden, um mir meiner Ziele klarer zu werden. Aber die Tatsache, dass ich nach jahrelanger Odyssee nun zielsicher Richtung Heimathafen steuere, verdanke ich der Unterstützung vieler Personen, die den Glauben an mich nie aufgaben. Von ausschlaggebender Bedeutung war die Orientierungshilfe, die ich bekam. Eine Art Navigationssystem stand mir durch eine Beraterin zur Verfügung. Wöchentlich konnte ich mit ihr über die weitere Routenplanung beraten. Doch das Schiff steuern musste ich alleine.
Ivan, mir hilft es, in Bilder zu sprechen.
Ich weiß nicht ob du damit was anfangen kannst.
Das Navigationssystem erhielt ich durch Therapie.
Ich kann dir nur wärmstens empfehlen, sehr bald mit einer wohlgemerkt GUTEN Therapie zu beginnen. Mein Neurologe vertritt sogar die Meinung, ADs nur an Patienten zu verschreiben, wenn diese parallel eine Therapie machen. Anders hilft das nicht. Das Medikament alleine macht uns nicht gesunder. Da müssen wir selbst ran. Ein AD kann uns aber dazu verhelfen, stabiler und ruhiger zu werden, um in einer Therapie überhaupt vorwärts kommen zu können.
Zu deiner Frage, ob es möglich ist auf Zoloft oder ein anderes Medikament umzusteigen, möchte ich dir raten, das mit deinem Arzt (Neurologen oder Psychater) zu besprechen.
Vielleicht lohnt es sich auch, für die eintretende Wirkung von Citalopram noch etwas Geduld aufzubringen.
Eins ist klar, die bist auf dem Weg. Jetzt geht´s nach vorn weiter. Such dir, was dich dabei am besten unterstützt und hör auf deine innere Stimme bzw. achte auf dein Bauchgefühl. Daher kommen meistens die besten Ratschläge.
Alles Gute wünscht dir
Astrid