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Fürchterliche Unruhe, Nervosität und Schwindel - Paroxetin

Verfasst: 20.01.2004 11:14
von chris2412
Hallo Liebes Forum,

jetzt muss ich unbedingt was loswerden.
Ich bin nun seit ca. 6 Wochen auf 10mg Paroxetin (zuvor 20mg).
Zur Zeit verspüre ich (vorallem Morgens) extreme Nervosität und eine fast nicht auszuhaltende innere Unruhe. Ich weiss garnicht wie ich im Büro sitzen soll, ich setzt mich alle 5 sekunden anders hin. Schlimm bei einem Bürojob ist natürlich das man diese Symptome noch stärker wahrnimmt als wenn man irgentwie unterwegs sein kann. Dann diese hammerartige Müdigkeit..teilweise habe ich das Gefühl jemand hätte mir in der Nacht irgenteine Droge gespritzt und ich kann morgens garnicht wach werden...wie nach dem Aufwachen nach einer Vollnarkose.
Dazu kommt noch das Gefühl das ich jeden Moment Ohnmächtig werde.
Also es ist ein Schwindelähnliches Gefühl. Fühle mich extrem unsicher und bin irgentwie nur am Schwanken und torkeln. Ich habe bis Mittag immer extrem kalte Hände und das Gefühl sie würden gleich absterben.
Bin ständig am Blutdruck und Puls messen im schnitt 120/75 Puls zwischen 60 und 70. Dann denke ich mir immer ok wenn der Blutdruck eigentlich i.o. dann könnte ich doch davon ausgehen das mein Kreislauf auch i.o. ist. Wieso frage ich mich dann habe ich dieses ständige Ohnmachtsgefühl????

Kann mir hierzu bitte jemand ein paar aufmunternde Worte schreiben????


Vielen Dank und alles Gute

Chris

Verfasst: 20.01.2004 11:44
von CloneX
Hi Chris,

da kann man nur das Übliche zu sagen: Willkommen im Club der Antidepressiva Junkies ;) .

Deine Symptome klingen sehr nach Absetzungserscheinungen - das hast du wahrscheinlich auch angenommen, oder ? Ich bewundere solche Leute immer sehr, die trotz dieser Symptome ihre Arbeit erledigen. Es zumindest versuchen.

Die gute Nachricht ist: Es geht irgendwann vorbei. Die schlechte ist: Ich kann dir nicht sagen wann. Ein paar Tage, ein paar Wochen, ...

Schwindelgefühl, Müdigkeit, Ängstlichkeit...das sind alles die "lieben" Begleiterscheinungen beim Absetzen.

Sei stark...du schaffst es. Und wenn es zu anstrengend wird, dann nimm dir vielleicht ein paar Tage frei - wenn das geht. Auf jedenfall stabilisere dich erstmal auf den 10mg, das ist wichtig.

Verfasst: 20.01.2004 12:01
von chris2412
Hi CloneX,

vielen Herzlichen Dank für Deine Antwort.
Was ein paar Worte doch alles bewirken.
Also ja ich habe schon mit Absetzsymptomen gerechnet...aaaahhhber...

Wenn ich ehrlich bin habe ich nicht mehr nach, wies es derzeit ja schon sind, 6 Wochen damit gerechnet 3 Wochen ok aber doch nicht 6 Wochen. Denkst Du also auch es ist besser ich warte bis es mir mit den 10mg soweit "gut" geht bevor ich anfange diese auch noch zu reduzieren?

Dann frag ich mich immer warum gibt es dann Tage an denen es mir viel besser geht (gut geht es mir irgentwie ja nie). Dann wieder Tage an denen es mich total erwischt und ich fast für alles unfähig bin.

Es ist einfach zum verzweifeln....aber ich will kämpfen :-)

Schönen Tag noch

Chris

Verfasst: 20.01.2004 12:14
von CloneX
Hi Chris,

ja, so ist das. Was Absetzungserscheinungen letztendlich bedeuten merkt man erst wenn es wirklich so weit ist.

6 Wochen klingen lang...aber das ist alles andere als ungewöhnlich. Auf 10mg würde ich auf jedenfall erstmal stabilsieren. Wie schnell hast du reduiziert ? Ich will dir keine Angst machen, aber die nächsten 10mg werden höchstwahrscheinlich noch anstrengender werden. Deswegen kann ein stabilisieren - soweit es geht - nicht schaden.

Und es ist ganz normal und typisch, dass deine Verfassung immer wechselt. Es kann Tage geben wo du denkst, du packst es nicht mehr, und ein paar Tage später sieht schon wieder alles viel besser aus. Häufig ist es auch so, dass sich Symptome abwechseln. Wichtig ist nur, dass man an den schlechten Tagen auch durchhält und nicht doch wieder zu den Pillen greift.

Kampfesgeist ist wichtig. Du schaffst das :)

Verfasst: 20.01.2004 12:24
von chris2412
Hallo CloneX,

also ich habe 20mg ca. 8 Monate eingenommen und dann innerehalb 5 Wochen von 20mg über 15mg auf 10mg reduziert.

Schlimm ist für mich auch das ich eine absolute Medikamentenabneigung habe ich nicht mal Aspirin nehme weil ich da schon Angst habe das mein Körper darauf nicht gut reagiert.
Zur Einnahme von Paroxetin habe ich mich letztendlich von meinem Neurologen/Psychater überreden lassen weil ich so wahnsinnig verzweifelt an meiner Angst-und Panukstörung und Hypochondrischen Störung gelitten habe...was allerdingst wärend der Paroxetin Einnahme nicht wesentlich besser wurde.

Gruß
Chris

Verfasst: 20.01.2004 16:30
von Hermann
Hallo Chris,

also bitte erst einmal zurück auf den Boden der Realität. - Nicht sämtliche SSRI müssen Absetzerscheinungen hervorrufen. Solange Dein Grundproblem - und das dürfte vermutlich eine depressive Verstimmung sein - nicht beseitigt ist, wirst Du diese Störungen immer wieder spüren. Vor Deiner Ersteinnahme des Paroxetin wird es Dir ähnlich ergangen sein, sonst hättest Du es nicht eingenommen.

Verfasst: 20.01.2004 17:44
von Hippo
Hallo Chris,

Deine Geschichte macht mir Mut :oops: , hoffe ich kann was zurückgeben. Bin auch - allerdings in 4 Monaten - von 20 auf 10 und erst nach 3 Wochen 10 mg hat mich diese bleierne Müdigkeit überfallen. Morgens denke ich, über Nacht hat mir jemand die Kraft aus den Beinen gesaugt, im Laufe des Tages wird das aber besser. Ansonsten Gangunsicherheit, unerklärbare Unruhe, leichte Angstgefühle. Da auch ich eine hypochondrische Vergangenheit habe und mein ursprüngliches Hauptsymptom Schwindel war, kommt man halt leicht wieder ins grübeln und mit zunehmender Angst verstärken sich gerade Schwindelsymptome.
Hab die weitere Reduzierung jetzt erst mal verschoben und versuche momentan, die sonstigen Einflüsse so gut wie möglich zu gestalten. Also Joggen, Entspannung, keine Hektik, wenig Wallungen.... und es geht auch schon etwas besser.
Also - erst wieder stabilisieren und dann auf die Zielgerade einbiegen !

Wir schaffen das.

Viele Grüsse
Hippo

Verfasst: 20.01.2004 17:55
von Hippo
@ Herrmann

Du hast Recht, "nicht alle SSRIs müssen" und jeder von uns denkt wahscheinlich auch mal an sein "Ursprungsproblem". Dennoch, es gibt einfach zu viele Parallelen hier in den Erfahrungen beim Absetzen, das kann kein Zufall mehr sein und es gibt Symptome, die nicht zu den Ursprungssymptomen zählten und die von sehr vielen hier beschrieben werden. Da dies von den Ärzten gerne ignoriert wird, ist der Erfahrungsaustausch mit Usern hier Gold wert.

Verfasst: 20.01.2004 18:38
von Astrid
Hallo Chris,

diese unerträgliche innere Unruhe, das Gefühl körperlich pausenlos in Bewegung sein zu müssen, Schwindel und "Hammergefühle", das alles hatte ich als Begleiterscheinung in den ersten drei Einnahmewochen von Paroxetin 20mg.

Kling irgendwie nachvollziehbar, dass es einen Anklang an Wiederholung dieser Symptome auch beim Ausschleichen geben kann.
Keiner weiß bisher, welche innern und äußeren Einflüsse selbst beim behutsamen Ausschleichen eine Wirkung auf unser Empfinden, auf unser Gehirn und auf unsere Psyche haben.

Ich glaube, wir müssen lernen auf unseren Körper zu hören und seinen Signalen zu vertrauen.
Dein Körper scheint dir gerade die Botschaft mitteilen zu wollen: Pause! Ruhe jetzt erst mal. Bis hier her, aber noch nicht so schnell weiter!
Bleib doch einfach erstmal bei deiner jetzigen Dosis für eine Weile. Wenn du dann spürst, es könnte weiter gehen, dann mach den nächsten Schritt.

Ich hab das alles noch vor mir und bereite mich jetzt schon innerlich darauf vor. Mein erster misslungener Versuch lehrt mich das.

Wie lange haben wir gebraucht, bis wir uns endlich notgedrungen davon überzeugen ließen, ein AD als letzten Strohhalm zu ergreifen?
Bei mir dauerte es Jahre.
Wie lange dürfen wir uns also erlauben, wieder gesund zu werden?
Ich glaube auch das dürfen Jahre sein.
Damit meine ich nicht nur die Einnahmezeit von Tabletten, sondern vor allem die Zeit der Therapie, des Lernens und den Umgang mit neuen Erfahrungen.

Wir müssen uns nur die Erlaubnis geben!

Viel Glück und Erfolg wünscht dir

Astrid

Verfasst: 21.01.2004 07:42
von chris2412
Hallo Liebes Forum,

zunächst herzlichen Dankf für Eure mutmachenden Worte...es ist ein schönes Gefühl nicht allein zu sein :-)

Grundsätzlich denke ich natürlich auch das nun mal jeder Mensch absolut individuell ist, erst recht was das vegetative Nervenkostüm, unseren Hirnstoffwechsel und alles was sich nicht greifbar dahinter verbirgt betrifft.
Deshalb bin ich auch der Meinung das die Pharmaindustrie hier soviel forschen kann wie sie will, letztendlich wird man wohl nie den goldenen Mittelweg mit Psychopharmaka finden, denn was für den einen der Himmel, ist für den anderen die Hölle.
Was mich nur plagt ist das schlechte Gewissen mir selbst gegenüber, der Gedanke oh Gott was habe ich da meinem Körper für den ich verantwortlich bin, auf den ich aufpassen soll, mit dem ich durchs Leben gehe, durch den ich mich ausdrücke, durch den ich anderen helfen kann und für andere da sein kann, was habe ich da meinem Körper nur angetan. Wird er mir das jemals verzeihen!?
Es gibt wohl nicht wertvolleres im Leben als in jeder Sekunde mit vollem Bewustsein wahrzunehmen ob positiv oder negativ. Durch die SSRI habe ich das irgentwie verloren...ehrlichgesagt habe ich oft zweifel immernoch ich zu sein.
Aber wie heisst es so schön die Hoffnung stirbt zuletzt...und die habe ich noch nicht verloren...also hoffe ich das der Tag kommen wird an dem wieder alles klar wird, an dem ich wieder richtig fühlen und sehen kann.

Auf diesem Wege wünsche ich Euch allen nur das Beste und viel viel Mut weiterzumachen.

Chris