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Verfasst: 30.01.2004 21:17
von CloneX
Hi Anne
Viel kann ich da gar nicht zu sagen. Ich habe mittlerweile so viel Informationen über das Thema aufgesogen - wie ein Schwamm - dass ich wahrscheinlich schon so machen "Experten" an die Wand diskutieren könnte. Ich hab so eine Diskussion auch bei meinem letzten Psychatertermin versucht - aber sie hat nur geblockt als sie gemerkt hat, dass ich mich auskenne und von Absetzungsproblemen rede.
Genauen Zahlen gibt es ja leider keine bezüglich der Abhängigkeit. Manchmal denke ich es sind nur 1-2% und dann wieder es könnte weit mehr sein. Denn viele wissen gar nicht dass sie unter Absetzungssymptomen leiden und werten es als Rückfall.
Das Infopaket ist sehr gut. Kratzt aber leider auch nur an der Oberfläche. Das unvorstellbare Leid - ganzen Foren damit gefüllt. Wie presst man das in ein paar Worte ?
Übrigens zu Sinas Spruch "wer Medikamente ablehnt, dem geht es nicht schlecht genug": In gewisser Weise hat sie schon recht. Aber es gibt halt immer mehr als nur eine Seite - und in deiner situation wirkt es sicher mehr als zynisch.
Verfasst: 30.01.2004 23:36
von Sina
Hallo liebe Anne,
ich möchte was klar stellen. Vielleicht habe ich mich blöd ausgedrückt.
Wenn Du schlechte Erfahrungen mit Medikamenten bzw. in diesem Falle Antidepressiva gemacht hast und sie deshalb ablehnst, kann ich das natürlich verstehen.
Was ich nicht verstehen kann, sind Leute, die es von vornerein ablehnen, OHNE es überhaupt versucht zu haben. Bei diesen Menschen denke ich, ist der Leidensdruck eben nicht so groß.
Jasmin hat es ja nie genommen, wie sie selber schreibt...also von vornerein abgelehnt, ohne es versucht zu haben! Wer sagt denn, dass sie auch diese Absetzerscheinungen später bekommt? Hat doch nicht jeder!
Natürlich ist es ganz was anderes, wenn man es probiert hat und merkt, dass man eben ohne Medi besser fährt.
Habe mich vielleicht blöd ausgedrückt, gebe ich zu.
Ich reagiere halt allergisch, wenn jemand knallhart behauptet, Antidepressiva´würden abhängig machen. In gewissem Sinne macht auch ein Blutdruckmittel abhängig, weil ohne Medi der Blutdruck nach oben schießt, es ohne Medi nicht geht.
Ich glaube schon daran, dass ein Teil der Depression ( besonders wenn man die Depression in Schüben immer wiederkehrt) endogen ist, d.h. eine Stoffwechselstörung im Gehirn, die sich eben nur durch Zugabe von Arzneistoffen wieder ins Lot bringen lässt. Genauso ist es bei einem Menschen mit hohem Blutdruck: ohne Medi wird es eben wieder schlechter.
Klar sind Medis nicht alles, ich mache ja auch zusätzlich seit über 4 Jahren Therapie...aber wenn die Depri trotzdem wiederkommt, muss es doch auch z.T. endogen sein oder nicht?
Mich würden wirklich die Spätfolgen von SSRI interessieren. Kann es da auch zu Spätdyskinesien kommen? Nunja, ich werde mich auch mal im Netz schlau machen.
Alles Gute Dir!
Sina
Verfasst: 31.01.2004 10:49
von Sina
Hallo liebe Anne,
danke für Deine Mühe!
Du wirst es nicht glauben, aber als ich schwer depressiv war, war ich nicht mehr in der Lage vernünftig zu denken!! Mein ganzes Denken war verzerrt, ich fühltre mich nur noch elend und wäre gar nicht in der Lage gewesen, mich selbst über Medis zu informieren, geschweige denn, diese vielen Informationen auch aufzunehmen.
Meinst Du wirklich, dass man ohne Medikamente aus einer schweren Depression raus kommen kann? Wie denn? Ich hätte den Zustand, den ich 1999 hatte, bestimmt nicht mehr lange mitgemacht und wer weiß ob ich heute noch leben würde!
Nunja, ich denke, das ist von Fall zu Fall verschieden!
Wie geht es Dir eigentlich momentan? Hast Du noch irgendwelche Absetzerscheinungen?
Liebe Grüße
Sina
Hallo Anne.
Verfasst: 31.01.2004 16:17
von Jasmin
Ich hoffe, Du hast meinen Beitrag nicht falsch verstanden und ich kann auch nicht jemand anderen davon abhalten, Antidepressiva zu nehmen. Mir ging es die letzten Monate selbst oft total schlecht und ich war oft so verzweifelt, dass ich am liebsten irgendwas genommen hätte. Mittlerweile geht es mir schon besser, ohne Antidepressiva und ohne Therapie und ich bin stolz darauf, die Tabletten nicht angerührt zu haben. Klar mögen die helfen, aber doch nur objektiv. Sobald sie abgesetzt werden, ist der alte Zustand doch wieder da, wenn nicht schlimmer. Sieh es doch mal so: früher gab es das Zeug doch gar nicht und die Leute haben auch gelebt und Psychopharmaka ist gerade in Deutschland und Amerika so beliebt. In anderen Ländern kennen die Leute sowas gar nicht. Du nimmst Antidepressiva ein, oder? Wenn ja, erinnere Dich doch an die Zeit, als es Dir gut ging und Du das nicht gebraucht hast. Mir helfen diese Gedanken und ich kann nur allen wünschen, dass sie irgendwann von dem Zeug loskommen.
Viele Grüße, Jasmin