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lyrisch durch Lyrica :-)
Verfasst: 17.09.2008 21:36
von jodel1
Hallo ihr Lieben,
wie ihr in meiner Vita sehen könnt, nehme ich seit Juni diesen Jahres Lyrica. Nach vielen Jahren der Angst, verursacht durch Sauferei, Entzüge von Schmerzmitteln und Benzos, spüre ich nun endlich so etwas wie Linderung. Ich bin zwar reduziert durch eine relativ hohe Dosierung (800mg/tag), aber die latente zerfressende Angst ist weg. Im Kopf herrscht immer noch Wirrwarr, aber es wird so langsam besser. Da Lyrica ein relativ neues Medikament zur Angstbekämpfung ist, suche ich Leute die Langzeiterfahrung mit diesem Medikament haben. Alles was ich bisher beim googeln fand waren zum größten Teil sehr negative Berichte von Leuten, die das Mittel nur wenige Tage/Wochen nahmen. Ich hatte in den ersten drei Wochen auch recht heftige Nebenwirkungen - DoppeltSehen, Torkeln, Lallen, Gewichtszunahme, Anschwellen der besonders peinlichen Teile

. Aber da bin ich durch und jetzt gehts gut. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand über seine Erfahrungen berichten würde.
lG
M
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Verfasst: 18.09.2008 10:50
von Marsupilami
Hallo Jodel,
Psychopharmaka sind nicht für Langzeitbehandlung vorgesehen, machst Du denn eine Traumatherapie? Die Pillen machen die Ursache der Angst ja nicht weg, sondern unterdrücken sie nur, und die Langzeitfolgen von Psychopharmaka werden nicht erforscht...
Die sog. Nebenwirkungen zu Beginn der Einnahme sind wohl leider nix Ungewöhnliches. Was sagt denn Dein Arzt? Welche therapeutischen Optionen gibt es außer Psychopharmaka?
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Verfasst: 18.09.2008 11:46
von Marsupilami
Jodel,
die Höchstdosis für Lyrica ist laut Wikipedia 600 mg. Ich habe den Eindruck, dass Du Psychopharmaka in viel zu hohen Dosen zu Dir nimmst, auch beim Doxepin gibst Du einen Wert an, der die Höchstdosis bei Weitem überschreitet???
Lyrica- eine hoffentlich nicht unendliche Geschichte
Verfasst: 18.09.2008 12:03
von jodel1
Hallo Marsu,
nach monatelangem Ringen hat mich mein Neurologe soweit, dass ich einer Psychotherapie zugestimmt habe.
Die Lyrica sind momentan aus medizinischer Sicht die einzige Alternative zu Diazepam. Ich nehm ja nicht nur die Lyrica, sondern auch noch Doxepin und Primidon. Lyrica ist aber im Moment mein "Hauptmedikament", dass mir gewisse Linderung verschafft. Ich weiss, dass ich Die Ursache und nicht die Symptome bekämpfen muss, alldiweil, das ist nicht leicht für mich. Ich bin ein gebranntes Kind was PT angeht. Ich war anno 2002 nach meiner Sauferei in PT. Es war nicht zum Aushalten, der Therapeut hatte nen IQ auf Höhe der Zimmertemperatur, entsprechend waren die Sessions. Nach der 3. ging ich nicht mehr hin. Ich war damals auch bei den AA's- das waren in Selbstmitleid badende Fummeltrienen-No thanks. Seither habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis zur Gilde der Berufsverständnisvollen, naja schaun mer mal wie die PT sich so gestaltet. Ich bin was Lyrica angeht nur neugierig, weil ich viel Negatives gelesen habe das da wäre: In erster Linie Sucht, da wohl nicht hinreichend geklärt ist ob Lyrica tatsächlich süchtig macht (ich rede nicht von Absetzphänomenen). Es kitzelt wohl auch Benzo-Rezeptoren, aber nur kitzeln

. Ich brauche euch wohl nicht zu erklären was es heisst, wenn diese Rezeptoren mal getriggert sind. Sollte Lyrica tatsächlich süchtig machen, wähle ich die Alternative mit weniger NW und fress halt wieder Diazepam. Es wäre trotzdem schön, wenn sich in unserer kleinen AD- und BZD-Gemeinde ein Dauer-User von Lyrica fände.
Liebe Grüße
M
Verfasst: 18.09.2008 15:14
von chiara63
Ich bin der Meinung, dass es nur sehr wenige Menschen mit Angst- und Panikstörung gibt, die dauerhaft ein Ad nehmen sollten oder gar müssen.
Lyrica in solch hoher Dosis, dazu noch Doxepin und andere ADs, halte ich geradezu für unverantwortlich, sie ambulant zu verabreichen.
Leider ist es nun mal so, dass Angst/Panik nicht durch Medikamente "geheilt" werden kann - und es nutzt nichts, so viel wie möglich davon zu nehmen, um nur ja keine Angstsymptome mehr zu spüren. Im Gegenteil: Gerade DAS hindert einen daran, wirklich an sich zu arbeiten - zumindest ist das meine Auffassung. Denn - je weniger ich spüre, desto weniger verspüre ich den Wunsch, etwas anderes zu tun, was sicher sinnvoller wäre, als lebenslang ein AD zu nehmen.
Bitte sei mir nicht böse, aber bei deinen Beiträgen kommt in mir das Gefühl auf, du nimmst die Sache mit Medikamenten etwas zu locker und leicht - und einfach zu sagen, naja, dann nehm ich halt wieder Diazepam......sorry, aber das ist schon ziemlich naiv in meinen Augen, wenn ich sehe, was damit angerichtet werden kann....
Du hast mit Haldol entzogen? Puh....ich kenne das Haldol als eines der Schlimmsten, die überhaupt in der Psychiatrie eingesetzt wurden. Eigentlich nur, wenn der Betreffende absolut ruhig zu stellen war....das finde ich schon hammermäßig, ein anderes Medi ausgerechnet mit Haldol zu entziehen....
Zu mir muss ich sagen, dass es zwar sicherlich auf den Therapeuten, aber in erster Linie auch darauf ankommt, ob eine PT "funktioniert", wie weit man selbst zur Zusammenarbeit und zur Arbeit überhaupt bereit ist. Sei es, dass man es noch nicht schafft, sei es, dass man nicht will. Beides hab ich kennengelernt. Ich hab mehrere Therapeuten "durch" - bei einigen war die Therapie beendet, bei anderen kam ich nicht mit den Wünschen, die ich meinen Theras gegenüber hatte, an. Allerdings hab ich immer zunächst versucht, dem Therapeuten klar zu machen, was ICH möchte - und wieweit ER mir damit helfen kann. Und das hat weniger mit dem Intelligenzquotienten, als einfach mit der Berufsauffassung und der -ausübung zu tun.
Genauso hab ich jetzt auch mittlerweile den 5. oder 6. Psychiater, besser gesat, Psychiaterin. Ich bin sehr eigen und muss sagen, dass ich gehe, wenn ich merke, dass ich mit etwas nicht klarkomme. DANN allerdings suche ich solange und probiere so lange aus, bis ich meine den oder die Richtige/n gefunden zu haben. Egal, ob ich von der letzten Therapie oder Behandlung frustriert oder verärgert war.
Liebe Grüße
Anja
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Verfasst: 18.09.2008 16:48
von Marsupilami
Hallo,
Jodel, ehrlich gesagt habe ich wie Anja das Gefühl, dass Du mit den Psychopharmaka verantwortungslos umgehst. Auf lange Sicht die Höchstdosierung zu überschreiten, das kann doch nicht gut gehen. Ich will, was PT-en angeht, nicht schulmeisterlich erscheinen, wollte ich noch sagen. Ich habe selbst auch die Erfahrung gemacht, dass viele Therapeuten ziemlich naiv und blöd sind und leider ist es ja auch nicht so, dass einem all die Schinderei auch automatisch was bringt. aber ich sehe es auch wie Anja, es ist halt eine schwierige Suche, die natürlich extrem schwer ist, wenn es einem eh schon schlecht geht. Aber man kommt halt nicht drumrum. Allerdings ist eine Traumatherapie wahrscheinlich gar nicht möglich, wenn Du an die Symptome gar nicht rankommst wegen der massiven Symptomverdrängung.
Hallo Mädels ;-)
Verfasst: 20.09.2008 00:32
von jodel1
Hallo Anja, Hallo Marsu,
ein paar Worte zu Euren Annahmen.
Es stimmt sicherlich, dass ich Medikamente unverantwortlich konsumiert habe. Jedoch niemals Antidepressiva - Gott sei Dank.
Kurz zur Erklärung: Ich hatte ne "bewegte" Jugend, wir haben uns alles eingeworfen, was auch nur irgendwie den Eindruck erweckte es könne Knallen. Das waren auch Medikamente u.a. Benzos, Morphine, Valoron, Tramadol. Ich wurde relativ schnell alkoholkrank, jedoch nie wirklich medikamentenabhängig (ab und an hab ich die Benzos wirklich gebraucht - aber hab mich immer selbst entzogen). Diese Exzesse blieben natürlich auch für die Psyche nicht ohne Folgen. Die Angst wurde schlimmer und wurde ertränkt. Die Zeit verging, wir wurden erwachsen, die Drogen und Medikamente gingen, der Alkohol blieb, die Angst auch. So fing ich schon ca. 1992? mit Doxepin an. Der Rest ist Geschichte. Ich bin seit fast 20 Jahren selbstständig und mit ein und derselben Frau zusammen-ja, ehrlich. Ich musste also immer sehen, dass ich mit dem Arsch an der Wand blieb - Entziehung, das ging einfach nicht. Irgendwann war auch der Alk weg (nicht ganz freiwillig) und ich lebte fröhlich und zufrieden mit Doxepin(50 -100 mg/Tag). Was ich mir dann wirklich vorzuwerfen habe: Ich fing mit Tramdol an, dann kam Tillidin dazu. Ich hab das Zeug wirklich gesoffen. Irgendwann ging es nicht mehr, ich war psychisch und physisch am Ende. Meine Frau meinte auch es reiche. Also Entzug mit Dia und Haldol (Haldol ist übrigens ein lange bewährtes Neuroleptikum das in meinem Fall den Entzug abfedederte und ein abdriften in psychotische Zustände verhinderte)- der Anfang vom Ende. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was das Diazepam angerichtet hat-aber dazu später. Der Entzug von den Opiaten als solcher ging vorbei. Auch dann der Entzug vom Dia ging ganz gut, ich hing ein bisschen auf den letzten 5mg rum -kam dann aber ins KH. Dann war auch das letze Dia weg. Zwei Wochen fühlte ich mich wie Bolle, ich konnte Bäume ausreissen. Dann kam über Nacht der Flashback-die Angst war wieder da, aber ne 10er Potenz höher. Ich bin echt hart im Nehmen, aber es ging nix mehr - mein guter alter Neurologe spritze mich erst mal wieder ins Leben. Ich kämpfe seither gegen diese allesverzehrende Angst. Das ging mit Einverständis meines Neurologen bis auf max 900mg/Tag Doxepin. Das allein half nicht lange, ich bekam Herzrhythmusstörungen. Er wollte mich nicht erneut abhängig machen - also Primidon. Lange Rede kurzer Sinn - ich bin heute mit Einverständis meine Neurologen auf dieser überhohen Dosierung verschiedener Medikamente (max 900m Doxepin 800mg Lyrica), weils einfach nicht anders geht. Ich kann nicht monatelang in Reha, das liegt einfach nicht drin. Zusammenfassend: Das Thema Opiate ist abgehakt. Ich wurde massiv Benzosüchtig nach vorhriger Aufklärung und auf Rezept. Geholfen hat mir in dieser dunklen Zeit meine liebe Frau und meine Familie, ohne die ich vermutlich nicht mehr hier sitzen würde. Ich habe mit großer Warscheinlichkeit ein hirnorganisches Stoffwechselroblem durch den exorbitanten Stress der Entzüge, das momentan nur (vielleicht mein ganzes Leben lang) mit Medikamenten behandelt werden kann. Ich hab EE-Kurven, als wäre ich auf LSD. Ich weigere mich moment standhaft Neuroleptika (Risperdal) und diese Serotonin-Hemmer(Citalopram? wirkt bei mir wie zwei Tassen Kaffee) zu nehmen. Der PT habe ich zugestimmt, erhoffe mir aber nichts davon, da mein Psychoknall einfach durch jahrelangen Stress, wenig Urlaub, Sauferei, Giftmischerei, kein zur Ruhe kommen, Entzüge usw.usw. verursacht wird. Mein Hirn ist in völliger Aufruhr, ich spüre regelrecht wie das arme Organ immer hilfloser und erfolgloser versucht seinen Job zu machen. Versteht mich bitte nicht falsch, aber ich habe große Zweifel ob sich mein Problem "wegquatschen" lässt. Ich habe meines Wissens auch keine verdrängten Traumata. Sogar mein liebes Weib, der sanften Medizin und dem Glauben an die Macht der Worte, weit mehr zugetan als ich, zweifelt im Angesicht meiner Misere an dem Erfolg einer solchen Maßnahme. Allein meine Mutter, fest im Glauben und selbst damals im Angesicht ihres wilden Sohnes nie den Optimismus verlierend, ist davon überzeut, ich wäre nur ein wenig verwirrt, und ein Psychotherapeut wäre ein weit besserer Heilsbringer als all die Chemie. Original-Ton: Mensch Junge, du bist ja langsam grundwassergefährlich. Alsdann es bleibt mir nichts, ich harre der Dinge, die da kommen werden. Drückt mir die Daumen.
lG
M
Äh ich vergass....
Verfasst: 20.09.2008 01:07
von jodel1
zurück zum Thema
Ich hab mich ganz verquatscht. Nochmals zum lieben Lyrica, meinem Leuchtturm in wogender See ;-(.
Ich suche Leute, die Lyrica wegen Angsstörungen über einen längeren Zeitraum einnehmen/eingenommen haben, vieleicht auch in grenzwertiger Dosierung. Da ich das Medikament momentan nicht absetzten (zu Testzwecken) kann, würde mich vor allem das evtl. vorhandene Abhängikeitspotential interessieren, das es diesbezüglich kontroverse Informationen gibt. Ich will mir nicht den Wolf im Schafspelz ins Haus holen. Wenngleich bei Lichte betrachtet, sollte es ein Wolf sein, isser wohl schon im Haus.
Also, wer was weiß, bitte melden.
Im Vorraus besten Dank
Verfasst: 20.09.2008 09:25
von Mareile
Hallo Jodel,
Deine Geschichte ist wirklich erschütternd und doch wieder hoffnungsvoll, wie Du die Kurve gekriegt hast. Was war eigentlich der Auslöser für die erneuten Tilidin oder Tramadolphasen? Das frage ich mich hier. Und Deine Geschichte ist immer von Angstphasen durchzogen.
Ich würde der PT mal eine Chance geben. Das ist heute mehr als nur Psychogequatsche. Da kriegst du Verhaltensweisen in der Angst an die Hand etc.
Tilidin und Tramadol wirken übrigens auf den Serotoninstoffwechsel wie Citalopram. Also kein Wunder wenn Du das nicht verträgst. Warscheinlich ist in deinem Hirn da vieles durcheinander geraten, wie du auch schon sagst.
Langzeiterfahrer mit Lyrica werden sich schwer finden lassen, da das Präparat ja erst seit 4 Jahren auf dem Markt ist und gegen Angststörungen zugelassen noch kürzer.
Das Mittel ist ja ein wahres Universalheilmittel und wurde in der DEUTSCHEN ANGSTZEITSCHRIFT ( DAZ) sehr gelobt. Aber das bleibt abzuwarten.
Ich wünsche Dir, dass Dir die PT Erfolg bringt!
Gruß
Mareile
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Verfasst: 20.09.2008 11:52
von Marsupilami
Hallo Jodel und Alle,
ich hab das dann falsch verstanden, dass bei Dir ein Traum vorliegt, tut mir leid. Man versteht schnell was falsch, weil man schriftlich ja immer nur einen Teil vom Gesamtbild vermitteln kann, undes ist eh furchtbar kompliziert.
Ich will auch keine Rat-"Schläge" verteilen, das kann sich ja keiner anmaßen.
Finde Deine Geschichte schlimm. Hab so das Gefühl, dass der Teufel mit Beelzebub ausgetrieben werden soll bei Dir. Dass in Deinem Kopf Vieles durcheinandergeht, ist nachvollziehbar. Aber dass das Alles noch mehr durcheinandergebracht wird durch noch mehr Psychopharmaka, das ist ja irgendwie auch nicht wirklich eine Lösung.
Wie äußert sich die Angst? Meinst Du körperliche Symptome?
Wenn Dein ganzer Zustand wirklich eine Folge des jahrelangen Medikamentengebrauchs/-missbrauchs ist, frage ich mich irgendwie auch, was Dir eine PT dann helfen kann.
Mareile, Lyrica ist doch kein Heilmittel, die Angst wird doch nicht geheilt und wenn bei Jodel stoffwechselmäßig Alles so auf dem Kopf steht, kann das bestimmt auch gar nicht mehr richtig wirken.
Vielleicht können unsere Benzoabhängigen Hilfreicheres beisteuern als ich, denn bei ihnen ist der Stoffwechsel ja auch ziemlich aus dem Lot?
Du schreibst, Du kannst nicht in eine Reha, weshalb? Verpflichtung, außer Dir für Andere sorgen zu müssen? Wär natürlich Mist. Ich musste mich auch der Erkennntis stellen, nicht mehr für mich selbst sorgen zu können, mit den bekannten Konsequenzen, aber die Option, mich mein Leben lang mit Pillen vollstopfen zu lassen, deren Lanzeitfolgen ich nicht kenne und die mir auch nicht wirklich spürbar helfen, nur um zu "funktionieren", war für mich zumindest auch keine Option.
Ich hoffe, ich habe jetzt hier nicht aus Unkenntnis totalen Mist verzapft, wenn ja, entschuldige...
Verfasst: 20.09.2008 13:25
von chiara63
Hallo Jodel
so schlimm sich deine Geschichte auch liest - das Problem ist aber dies, dass es uns eben letztlich nicht weiterhilft, immer ADs einzunehmen. Ich weiß nicht, woran es liegt, ich kann auch bei niemanden irgendein Urteil abgeben - allerdings weiß ich, dass auch eine Therapie, sei es nun Gespräche oder anderes, nur dann funktioniert, wenn auch der Patient dementsprechend mitmacht. Nur, wenn er es schafft, wirklich ins tiefste Innere vorzugehen und die Wunden "aufzubrechen", kann es gelingen, dass eine Gesundung stattfindet.
Es ist ja nicht böse gemeint, aber wenn ADs nur in diesen hohen Dosen dir helfen, dann wird das nicht sehr lange dauern, bis du große Schäden an allen inneren Organen, explizit Niere, Leber und Herz, davontragen und irgendwann damit runtergehen MUSST, weil du dich sonst innerlich selbst vergiftest.
Alles, was Du erzählt hast - Alkoholsucht, Medikamente, Drogen, Angst, Depression - ALLES hat doch irgendwie, irgendwo, irgendwann eine Ursache - und diese muss in irgendeiner Form erkannt und daran gearbeitet werden. Ob es möglicherweise einen Langzeitaufenthalt in einer Klinik bedeutet, eine andere Form der Therapie, das ist in deinem Fall zu prüfen - und ich glaube, dass es bei vielen eben irgendwann einen "Knackpunkt" gibt, an dem er bereit ist, sich diesem alles wirklich zu stellen.
Ich glaube auch, dass viele eben dazu nicht bereit sind, auch wenn sie es sich selbst nicht zugeben wollen oder können, vielleicht gar nicht bemerken. Viele haben in ihrem Leben so viel Schreckliches erlebt, dass allein eine Erinnerung daran sie glauben lässt, es nicht zu überstehen.
Ich kann dich wikrlich verstehen - doch denke ich schon, dass es letztlich in gewissem Sinne auch "nur" eine Art "Flucht" ist, die Höchstdosis von ADs zu überschreiten und diese zu nehmen, damit es einem besser geht, wie s letztlich auch eine Flucht in den Alkohol oder die Drogen ist, da man doch zumindest kurzzeitig die Probleme damit vergessen kann.....
Ich hoffe, Du verstehst, was und wie ich es meine
Liebe Grüße
chiara
P.S.: Ich muss von mir sagen, dass ich mich vielem schon zugewendet habe, aber dass es auch in meinem Leben Dinge gibt, mit denen ich mich noch nicht in einer Therapie bisher öffnen konnte.
lyrisch durch lyrica
Verfasst: 21.09.2008 02:00
von tommi461
liebe chirica,
die leute machen sich das immer so einfach mit dem wort URSACHE. wenn man erstmal die ursache kennt, dann kann man bei psychischen erkrankungen EBEN NICHT behandeln, außer durch medikamente vorübergehend lindern. das gehirn ist ein organ wie jedes andere. und dieses organ kann wie die bauchspeicheldrüse erkranken. schon funktionelle störungen sind erkrankungen. was sagst du bei asthma? das psychogene asthma. an asthma kann man sterben. mein vater hat jedesmal wenn er sich stark aufgeregt hat, einen asthmaanfall bekommen. da hilft nur spray. manchmal hilft auch nur noch der rettungswagen. da fragt niemand nach URSACHE. wenn es nur um psychische probleme geht und sonst keine körperlichen symptome gibt da kann man schon mal in eine lebenskrise fallen. was machst du wenn dein kind abends nicht nach hause kommt? und in den nächsten tagen. ja, dann bist du aber ganz unten. was ist da die ursache. willst du dann zur therapie?? dir wird es erst wieder gut gehen, wenn ein anruf kommt, dass dein kind wieder da ist..und deine krise ist von einer auf die ander minute wie vom erdboden verschwunden. und wenn man die ursachen kennt, aber nichts machen kann, dann helfen nur noch medikamente um den körper nicht noch mehr schaden zuzufügen. dann gehts nämlich irgendwann zu magengeschwüren, neurodermitis, herzanfälle, hörsturz...also entweder man wird damit fertig oder nicht. und meist heilt die zeit die wunden. aber das macht das gehirn ganz alleine. es ist nur eine frage der zeit. kennen wir doch alle. eltern sterben. liebeskummer, naher verwandter stirbt. aber irgendwann bist auch du drüber hinweg. und wenn garkein ausweg mehr scheint, dann gehen einige bist zum suicide. es ist alles vorbestimmt. ich rede schon wieder zuviel. mir konnte bis jetzt immer noch niemand sagen in wieweit psychotherapie sich medizinisch auf die bestimmten rezeptoren im gehirn auswirken, sodass man sagen kann, dass psychotherapie nachweislich wirksam ist. lg tommi
Verfasst: 21.09.2008 09:57
von chiara63
die leute machen sich das immer so einfach mit dem wort URSACHE. wenn man erstmal die ursache kennt, dann kann man bei psychischen erkrankungen EBEN NICHT behandeln, a
Das sagte ich auch nicht. Ich meinte, dass man eben NICHT einfach nur die Symptome bekämpfen kann, indem man ein AD nach dem anderen einwirft, sondern eben tiefer gehen muss, indem man eine Therapie oder ähnliches macht.
Mal davon abgesehen: Ich weiß, dass meine Einstellung und meine Meinung oftmals auf Irritation stößt: Trotzdem bin ich der Auffassung, dass mind. 80% aller Krankheiten im tieferen Sinne eine seelische Ursache haben - also auch dein Beispiel mit der Bauchspeicheldrüsenentzündung. Gerade Asthma ist bspw. dafür bekannt, dass sehr oft eine psychische Ursache dahinter steckt und oftmals ist tatsächlich das Asthma geheilt, wenn diese therapiert wurde.
Deshalb bin ich der Auffassung, dass JEDWEDE Art von Krankheit ganzheitlich behandelt werden sollte, niemals NUR die körperlichen Symptome und niemals NUR die seelischen.
Psychotherapie bewirkt im besten Fall ein Umdenken im Gehirn - die Rezeptoren dort kann es nicht beeinflussen. DA Psychotherapie, die ERfolg hat, aber die "seelischen Wunden" heilen lassen kann, wirkt sich das automatisch auch auf das Gehirn aus, denn es spürt dort keinen Schmerz mehr. (Also, sehr laienhaft ausgedrückt, jetzt)
Liebe Grüße
chiara
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Verfasst: 21.09.2008 13:50
von Marsupilami
Ich glaube, das ist eine Frage der Sichtweise. Sieht man das emotionale Leiden (so nenne ich das jetzt mal, weil es keinen wirklich guten Begriff gibt) als körperliche Fehlsteuerung, wird man AD-a als richtige Lösung sehen, ebenso wie bei anderen Fehlsteuerungen des Körpers. Sieht man diese Stoffwechselirritation aber nur als Symptom, und nicht als Ursache, wird man das eher nicht als befriedigend empfinden und nach dem suchen, was die wirkliche Ursache ist. Aber unsere Wissenschaft betrachtet ja Symptome generell als Ursachen, diese Betrachtungsweise ist auf seelische Leiden übertragen worden. Ich denke, jeder muss für sich entscheiden, was er stichhaltig findet und was er als Therapie sinnvoll findet.
der lyrische, stark expandierende Jodel
Verfasst: 26.09.2008 21:07
von jodel1
Hallo liebe Mitleidenden,
meine Sichtweise:
Angst ist genauso wie Schmerz eine ernstzunehmende potentiell lebensbedrohliche Erkrankung.
Mag auch manchmal die Ursache nicht klar zu diagnostizieren sein, die Symptome stark differrieren, muß eine umgehende Behandlung erfolgen. Dies geschieht meistens und am effektivsten medikamentös. Erst wenn eine deutliche Linderung (und das kann dauern) eingetreten ist, kann man sich an die Erforschung der Ursache machen. Nicht immer ist eine Ursache zu ermitteln; was dann bleibt ist die Chemie. Für den Einen Segen, für den Anderen Fluch. Gleiches gilt im Prinzip für jede seelische Störung
lG
J
Verfasst: 26.09.2008 21:34
von pajes
Hi Chiara
Du hast geschrieben: "Psychotherapie bewirkt im besten Fall ein Umdenken im Gehirn - die Rezeptoren dort kann es nicht beeinflussen." Soweit ich weiß, konnte man durch bildgebende Verfahren beweisen, dass sich die Strukturen im Gehirn durch Therapie verändern lassen.
Aber ich vermute, da muss man bei der PT schon in die Tiefe...
LG, pajes
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Verfasst: 26.09.2008 21:46
von Marsupilami
Was Pajes schreibt, das hab ich auch mal gelesen. Es soll auch für Meditation zutreffen.
Jodel, Du schreibst:
Dies geschieht meistens und am effektivsten medikamentös.
Das stimmt eben nicht. Der immer schon erwiesene geringe Wirkungsgrad von Antidepressiva ist jetzt auch in einer Metastudie bestätigt worden. Neun Leuten von zehn helfen die Mittel nicht. Also, mit der Effektivität, das ist leider auch so ein Mythos, genau wie der Stoffwechsel-Kram und die angeblich kaum vorhandenen Nebenwirkungen bzw. Absetzprobleme.