Hello again
Verfasst: 02.10.2008 15:07
Ich bin wieder da, nach langer offline Zeit.
Seit 2001 nahm ich Schlaftabletten, bedingt durch einen Auslandseinsatz, in dem ich war. Erinnerungen betäuben, Arbeit perfekt machen, funtionieren, Anerkennung finden. Das war mein Hauptziel. Danach fand ich nur schwer wieder Platz im zivilen Leben, habe mich nur durch Arbeit und Leistung identifiziert, der Rest blieb auf der Strecke. 2003 im nächsten Einsatz, mit katastrophalen Folgen nach Angriffen, Alarmen, Wochen voller Angst und Strapazen. Aber ich habe funktioniert.
2005 habe ich Deutschland verlassen um in den USA zu arbeiten - tolles Land, leider jedoch landete ich in einer noch größeren Mühle aus Arbeit, die ich überperfekt machen wollte. Manchmal elf, zwölf Stunden am Tag. Für einen Beamten nicht schlecht. Ich erntete auf der einen Seite Lob und Anerkennung, auf der Kollegen- und Chefseite: Mobbing, Mißmut, Neid. Ich nahm immer mehr, mein Pillenarsenal ausgeweitet auf Tramal, Ambien (USA-Stilnox), Tetrazepam, Soma (USA-Muscle-Relaxer) und ab und an diverse Antidepressiva. Ich war allein, lebte allein, hatte nur wenige Freunde dort, und die gingen beizeiten wieder nach Deutschland, die Verwendungszeit war vorbei.
Meine beste Freundin in Deutschlan und noch zwei, drei andere blieben, aber zu weit weg. Ich habe mich eingeigelt, verloren in meiner Welt aus Arbeit und Tabletten. Ende April letzten Jahres crashte alles - ich nahm an einem Wochenende um die 60 Ambien - ich wollte schlafen, nicht dasein, nicht fühlen, nicht denken. Ich bin dann direkt ins Krankenhaus gegangen - gerettet haben mich meine Hunde, rein symolisch - ich wollte die Beiden doch nicht allein lassen!
Ich wurde drei Tage in einer Psychatrie behandelt, bekam Beruhigungsmittel (Adivan) und Seroquel zur Nacht. Funktionierte gut, ein Psychologe stand bereit und nach meiner Entlassung war mein Dad rübergekommen, um mir beizustehen. Doch es ging nicht, alles saß zu tief und ich war unfähig zu erkennen, was mit mir los war. Ich habe in den nächsten neun, zehn Wochen alles genommen, was mir in die Finger kam. Ich kann mich nicht mal mehr an alles aus dieser Zeit erinnern, ich habe Tramal, Benzos, Seroquel und Schlafmittel quasi ständig genommen. Als ich nach Deutschland flog, um mir eine Wohnung zu suchen, war ich körperlich am Ende. Beim Arzt vorstellig, wurde ich sofort in die Uniklinik Leipzig eingewiesen - zur Entgiftung. Ich wollte es nicht wahrhaben, aber das erklärte meinen Zustand: ich war bereits seit Tagen im kalten Entzug.
Nach drei Wochen wurde ich entlassen und mit eine Doxepin-Medikation nach Hause geschickt. Danach wurde es noch schlimmer - bereits in der Klinik hatte ich mit der Ärztin gesprochen - mein zweiter Auslandseinsatz in Kuwait war wieder da, präsent, in jeder Situation, Nachts, Tags. Die junge Ärztin nahm das nicht für voll. Sie glaubte mir nicht. Ich stand nach drei Wochen auf der Straße, mit einer Empfehlung, zur Suchtberatung zu gehen. Was ich nicht tat.
Meine Sozialarbeiterin, eine gute Freundin, half weiter - ich konnte im September dann in eine stationäre Therapie, in der mich ein Traumatologe behandelte. Ich bekam in dieser Zeit Zoloft und Remergil. Ich blieb in den sechs Wochen sauber. Ich lernte, mit den Derpressionen umzugehen, mit den Erinnerungen.
Ich begann wieder zu arbeiten, langsam, stundenweise. Ich war ja kaum in der Lage, mich zu konzentrieren. Ich hatte Angst vor den Leuten, das Mobbing hatte mich zu einem Schatten von dem gemacht, was ich einmal war: eine selbstbewußte, intelligente und leistungsfähige junge Frau.
Ich wurde zweimal wieder stationär aufgenommen, zur Entgiftung. Das erste Mal bin ich nach drei Tagen wieder raus - das war die Hölle und der Patient war das letzte. Das zweite Mal erfolgreich entgiftet, aber mit seelischen Schmerzen - ich hatte meinen Hund mit gerade einmal dreieinhalb Jahren einschläfern lassen müssen.
Mittlerweile habe ich mich gefangen, bewege mich aber auf dünnem Eis. Mit Gefühlen, dem Druck, der Sehnsucht nach der Betäubung, die Unzufriedenheit über mich selbst, die Erwartungen an mich fressen mich auf. Um wieder einigermaßen klarzukommen, nehme ich jetzt Trevilor, das pegelt zumindest die schlimmen Phasen ein wenig aus.
Ich habe eine ambulante Therapeuting, die alles sehr ernst nimmt, stehe aber noch am Anfang der Therapie, erst seit einem Monat. Es gibt ja nirgends Termine, und ich biete ja eine Multidiagnose. Und trotzdem. Meine Rückenschmerzen betäube ich mit Targin, manchmal. Mit Tramal habe ich aufgehört, nachdem ich mich hier informiert hatte. Ab und an nehme ich Schlafmittel. Aber alles dreht sich jeden Tag um die Sucht. Ich will wieder zurück ins Leben, aber will zuviel auf einmal. Ich komme nicht raus, weil ich hier nicht mehr viele Leute habe, die Freunde von früher sind weg, andere mit sich selbst beschäftigt.
Derzeit suche ich nach einer Klinik, in der ich eine stationäre Therapie machen kann, in der Trauma, Burnout, Mobbing und die Sucht behandelt werden, ich möchte aber nicht in eine Alkoholikerklinik, das habe ich hier in Altscherbitz durch, die drei Tage. Vielleicht kann mir jemand etwas empfehlen?!
Nunja, und falls es hier in der Gegend Leute gibt, denen es ähnlich geht, die auch wieder neu anfangen möchten zu leben, die jemanden zum reden und austauschen suchen - ich denke miteinander ist es leichter. Das Verstehen im Umfeld ist nicht leicht, meine Eltern unterstützen mich, aber das ist was anderes. Ich gehe sehr offen mit meiner Krankheit um, bin aber einsam. Meine letzte Beziehung scheiterte, weil ich noch nicht soweit war und er einfach nicht verstand, was in mir vorgeht. Es paßte nicht viel zwischen uns.
Ich möchte einfach nicht mehr, das mein Leben von den Pillen beherrscht wird. Ich möchte mich wieder selbst mögen, möchte rausgehen, möchte leben und erleben. Möchte wieder lachen können. Und weinen. Denn das ist der höchste Preis, den ich gezahlt habe. Ich habe meine Gefühle an die Kette gelegt.
Seit 2001 nahm ich Schlaftabletten, bedingt durch einen Auslandseinsatz, in dem ich war. Erinnerungen betäuben, Arbeit perfekt machen, funtionieren, Anerkennung finden. Das war mein Hauptziel. Danach fand ich nur schwer wieder Platz im zivilen Leben, habe mich nur durch Arbeit und Leistung identifiziert, der Rest blieb auf der Strecke. 2003 im nächsten Einsatz, mit katastrophalen Folgen nach Angriffen, Alarmen, Wochen voller Angst und Strapazen. Aber ich habe funktioniert.
2005 habe ich Deutschland verlassen um in den USA zu arbeiten - tolles Land, leider jedoch landete ich in einer noch größeren Mühle aus Arbeit, die ich überperfekt machen wollte. Manchmal elf, zwölf Stunden am Tag. Für einen Beamten nicht schlecht. Ich erntete auf der einen Seite Lob und Anerkennung, auf der Kollegen- und Chefseite: Mobbing, Mißmut, Neid. Ich nahm immer mehr, mein Pillenarsenal ausgeweitet auf Tramal, Ambien (USA-Stilnox), Tetrazepam, Soma (USA-Muscle-Relaxer) und ab und an diverse Antidepressiva. Ich war allein, lebte allein, hatte nur wenige Freunde dort, und die gingen beizeiten wieder nach Deutschland, die Verwendungszeit war vorbei.
Meine beste Freundin in Deutschlan und noch zwei, drei andere blieben, aber zu weit weg. Ich habe mich eingeigelt, verloren in meiner Welt aus Arbeit und Tabletten. Ende April letzten Jahres crashte alles - ich nahm an einem Wochenende um die 60 Ambien - ich wollte schlafen, nicht dasein, nicht fühlen, nicht denken. Ich bin dann direkt ins Krankenhaus gegangen - gerettet haben mich meine Hunde, rein symolisch - ich wollte die Beiden doch nicht allein lassen!
Ich wurde drei Tage in einer Psychatrie behandelt, bekam Beruhigungsmittel (Adivan) und Seroquel zur Nacht. Funktionierte gut, ein Psychologe stand bereit und nach meiner Entlassung war mein Dad rübergekommen, um mir beizustehen. Doch es ging nicht, alles saß zu tief und ich war unfähig zu erkennen, was mit mir los war. Ich habe in den nächsten neun, zehn Wochen alles genommen, was mir in die Finger kam. Ich kann mich nicht mal mehr an alles aus dieser Zeit erinnern, ich habe Tramal, Benzos, Seroquel und Schlafmittel quasi ständig genommen. Als ich nach Deutschland flog, um mir eine Wohnung zu suchen, war ich körperlich am Ende. Beim Arzt vorstellig, wurde ich sofort in die Uniklinik Leipzig eingewiesen - zur Entgiftung. Ich wollte es nicht wahrhaben, aber das erklärte meinen Zustand: ich war bereits seit Tagen im kalten Entzug.
Nach drei Wochen wurde ich entlassen und mit eine Doxepin-Medikation nach Hause geschickt. Danach wurde es noch schlimmer - bereits in der Klinik hatte ich mit der Ärztin gesprochen - mein zweiter Auslandseinsatz in Kuwait war wieder da, präsent, in jeder Situation, Nachts, Tags. Die junge Ärztin nahm das nicht für voll. Sie glaubte mir nicht. Ich stand nach drei Wochen auf der Straße, mit einer Empfehlung, zur Suchtberatung zu gehen. Was ich nicht tat.
Meine Sozialarbeiterin, eine gute Freundin, half weiter - ich konnte im September dann in eine stationäre Therapie, in der mich ein Traumatologe behandelte. Ich bekam in dieser Zeit Zoloft und Remergil. Ich blieb in den sechs Wochen sauber. Ich lernte, mit den Derpressionen umzugehen, mit den Erinnerungen.
Ich begann wieder zu arbeiten, langsam, stundenweise. Ich war ja kaum in der Lage, mich zu konzentrieren. Ich hatte Angst vor den Leuten, das Mobbing hatte mich zu einem Schatten von dem gemacht, was ich einmal war: eine selbstbewußte, intelligente und leistungsfähige junge Frau.
Ich wurde zweimal wieder stationär aufgenommen, zur Entgiftung. Das erste Mal bin ich nach drei Tagen wieder raus - das war die Hölle und der Patient war das letzte. Das zweite Mal erfolgreich entgiftet, aber mit seelischen Schmerzen - ich hatte meinen Hund mit gerade einmal dreieinhalb Jahren einschläfern lassen müssen.
Mittlerweile habe ich mich gefangen, bewege mich aber auf dünnem Eis. Mit Gefühlen, dem Druck, der Sehnsucht nach der Betäubung, die Unzufriedenheit über mich selbst, die Erwartungen an mich fressen mich auf. Um wieder einigermaßen klarzukommen, nehme ich jetzt Trevilor, das pegelt zumindest die schlimmen Phasen ein wenig aus.
Ich habe eine ambulante Therapeuting, die alles sehr ernst nimmt, stehe aber noch am Anfang der Therapie, erst seit einem Monat. Es gibt ja nirgends Termine, und ich biete ja eine Multidiagnose. Und trotzdem. Meine Rückenschmerzen betäube ich mit Targin, manchmal. Mit Tramal habe ich aufgehört, nachdem ich mich hier informiert hatte. Ab und an nehme ich Schlafmittel. Aber alles dreht sich jeden Tag um die Sucht. Ich will wieder zurück ins Leben, aber will zuviel auf einmal. Ich komme nicht raus, weil ich hier nicht mehr viele Leute habe, die Freunde von früher sind weg, andere mit sich selbst beschäftigt.
Derzeit suche ich nach einer Klinik, in der ich eine stationäre Therapie machen kann, in der Trauma, Burnout, Mobbing und die Sucht behandelt werden, ich möchte aber nicht in eine Alkoholikerklinik, das habe ich hier in Altscherbitz durch, die drei Tage. Vielleicht kann mir jemand etwas empfehlen?!
Nunja, und falls es hier in der Gegend Leute gibt, denen es ähnlich geht, die auch wieder neu anfangen möchten zu leben, die jemanden zum reden und austauschen suchen - ich denke miteinander ist es leichter. Das Verstehen im Umfeld ist nicht leicht, meine Eltern unterstützen mich, aber das ist was anderes. Ich gehe sehr offen mit meiner Krankheit um, bin aber einsam. Meine letzte Beziehung scheiterte, weil ich noch nicht soweit war und er einfach nicht verstand, was in mir vorgeht. Es paßte nicht viel zwischen uns.
Ich möchte einfach nicht mehr, das mein Leben von den Pillen beherrscht wird. Ich möchte mich wieder selbst mögen, möchte rausgehen, möchte leben und erleben. Möchte wieder lachen können. Und weinen. Denn das ist der höchste Preis, den ich gezahlt habe. Ich habe meine Gefühle an die Kette gelegt.