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Hallo zusammen...

Verfasst: 14.06.2009 22:02
von Ossili
Ich bin neu hier und möchte mich kurz vorstellen.

Ich bin männlich, 45 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder.

Obwohl ich schon sehr viel im Internet unterwegs war bin ich erst heute auf dieses Forum gestoßen.

Der Grund warum ich mich in diesem Forum angemeldet habe ist "meine Frau".

Ich hoffe, dass ich trotzdem hier teilnehmen darf.

Die Leidensgeschichte meiner Frau:

Im Februar 2005 erlitt meine Frau beim TV Abend auf der Couch ganz plötzlich und ohne Vorwarnung eine Panikattacke.
Sie hatte plötzlich Todesangst, 130 Puls und bat mich einen Krankenwagen zu rufen.
Nachdem wir von Panikattacken noch nie etwas gehört hatten, rief ich dem Wunsch meiner Frau entsprechend einen Krankenwagen.
Dieser brachte sie ins Krankenhaus. Dort wurde sie 1o Tage lang auf alles mögliche untersucht, es konnten aber keine körperlichen Mängel festgestellt werden.
Während diese Zeit erlitt meine Frau mehrmals täglich weitere Attacken, worauf man ihr Tavor verabreichte. Diese halfen aber nicht. Durch die verschleiernde Wirkung bekam meine Frau noch mehr Angst. Sie dachte, dass sie an einer körperlichen Krankheit leiden würde, und man ihr etwas verheimlicht.
Der Puls ging kaum noch unter 100, obwohl sie nur noch im Bett lag.
Der behandelnde Arzt überwies sie dann in ein Krankenhaus mit psychiatrischer Abteilung.
Dort begann der Albtraum.
Der Aufenthalt dauerte 8 Wochen. Es wurde mit einigen AD's herumgedoktert und Tavor eingesetzt wo es nur ging.
Ich kann darauf noch näher eingehen, wenn es gewünscht wird.
Der Zustand meiner Frau hat sich aber durch die Behandlung eher verschlechtert.
4 Monate nach dem Aufenthalt in der Klinik ging es meiner Frau so schlecht, dass wir mit unserem Latein am Ende waren.
Wir besuchten in der Zwischenzeit div. Homöopathen und versch. Therapeuthen. Durch einen Zufall kamen wir auf einen Neurologen. Wir suchten diesen auf und er stellte fest, dass meine Frau das falsch Antidepressiva einnimmt (Ciprolax). Er verschrieb ihr darauf Paroxat und versprach, dass es in 14 Tagen besser wird. Genau das passierte auch. Wir waren so froh und hätten die ganze Welt umarmen können. Endlich schwanden die Angstzustände an einer unheilbaren Krankheit zu leiden etwas, und die Panikattacken wurden auch leichter bzw. meine Frau empfand sie nicht mehr so schlimm. Tavor nahm sie seither nichtmehr. Ich möchte aber nochmal darauf hinweisen, dass meine Frau bis dahin keine psychischen Probleme hatte und nur ungern Tabletten gegen irgendetwas einnahm. Leider blieben die Nebenwirkungen nicht aus. Das Gewicht meiner Frau steigerte sich von 65 Kg auf 82 Kg. Dass sie (und Ich) darüber nicht gerade glücklich war, ist wohl verständlich.
Von September 2005 bis bis Januar 2007 nahm meine Frau tgl. 30 mg Paroxat zu sich. Ein wirklich durchschlagender Erfolg war nicht wirklich zu erkennen.
Auch eine Gesprächstherapie brachte keine Änderung des Zustandes.
Dann wurde auf 20 mg reduziert (mit Unterstützung des Neurulogen.)
Meine Frau litt ab ca. einer Woche nach der Reduzierung bis etwa sechs Wochen danach an verschiedenen Symptomen wie Muskelzucken, Schwindel und verstärkten Angstgefühlen und einem Gefühl der Sinnlosigkeit (dies war jetzt neu). Durch intensive Gespräche konnte ich sie aber meistens wieder beruhigen. Dann war eigentlich wieder alles wie mit 30 mg.
Im Januar 2008 reduzierte meine Frau dann eigenständig auf 10 mg. Danach war wieder alles wie bei der letzten Reduzierung.
Ab Mai nahm sie dann nur noch 5 mg. Auch da passierte nichts anderes als vorher. In den Wochen danach vergaß sie auch gerne mal die 5 mg, bis sie dann im Juli ganz verzichtete. Sie hatte im Mai damals (wie ich erst nachher erfuhr) einen Verehrer kennengelernt, der recht für sie schwärmte. Durch diese Frühlingsgefühle (ich meine das nicht abwertend) begann sie auch wieder zu Joggen und veror in 4 Monaten ihr ganzes Übergewicht. Als ich das mit dem Verehrer bemerkte, war ich ziemlich sauer und verlangte von ihr eine Entscheidung (ER oder Ich). Ich konnte nicht anders. Sie entschied sich für mich, Gott sei Dank. so ca. zwei Wochen danach (Anfang November 2008) begann wieder alles von vorne. Die Angst aber diesesmal noch schlimmer die Sinnlosigkeit kamen mit voller Wucht zurück. Vier Wochen lang quälte sich meine Frau noch herum, dann besuchte sie wieder den Neurologen. Dieser sagte, dass das ganze nicht vom hin und her in unserer Beziehung kommen würde, sondern vom Absetzen des Medikamentes (Paroxat), obwohl sie ja schon vier Monate nichts mehr nahm. Er setzte sie wieder auf 30 mg, nach vier Wochen wurde es wieder besser aber halt wieder nicht so wie es zum weiterleben sein sollte. Seit Februar 2009 reduzierte meine Frau wieder auf 20 mg. Das Gewicht ist mittlerweile bei 78 kg angekommen.

Mich persönlich belastet einfach, dass meine Frau nicht die ist, die sie einmal war. Ich merke auch, dass mir die Kräfte schwinden und ich nicht mehr in der Lage bin, durch lange und beruhigende Gespräche auf sie einzuwirken. Ich würde sie so gerne etwas mehr zum Sport bringen, da ich gelesen habe das Sport helfen kann. Meine Frau ist dazu allerdings so gut wie nicht bereit. Da ich das Gefühl habe, dass die Tabletten eigentlich nicht wirklich weiterhelfen, meiner Frau aber (verständlicherweise) der Mut fehlt etwas zu ändern, kriselt es jetzt immer öfter in unserer Beziehung.

Ich hoffe ich bin in diesem Forum nicht ganz falsch und der oder die eine oder andere kann mir vielleicht Tipps geben wie ich mich verhalten sollte, bzw. was meiner Frau weiterhelfen könnte.

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 15.06.2009 13:46
von Marsupilami
Hallo Ossili,

willkommen hier! Dass die Pillen auch ein Experiment mit ungewissem Ausgang sind und auf Dauer nur die Probleme übertünchen, das wisst ihr ja selbst, bei Benzos ist das Suchtproblem noch gegeben, weshalb das schon gar keine Dauerlösung ist. Ob Sport bei Panikattacken hilft, weiß ich nicht, ich wäre da eher vorsichtig, da ich mir vorstellen könnte, dass ein durch die Aktivität erhöhter Puls und Herzklopfen vielleicht eher eine neue Panikattacke fördern könnten. Auf jeden Fall einen Arzt fragen. In sehr leichten Fällen von gelegentlichen leichten Depressionen hilft Sport schon, aber bei sehr schweren Fällen wohl eher nicht. Das sind Alles so 0815-Rezepte, in die man nicht zu übertriebene Hoffnungen setzen sollte. Redet doch mal mit dem Neurologen, wenn er Absetzprobleme kennt, scheint ihr außergewöhnliches Glück zu haben, an einen kompetenten Mann geraten zu sein. Vielleicht wäre sowas wie Yoga oder Entspannungsverfahren oder irgendeine sanfte Körpertherapie ja eher etwas für Deine Frau? Wenn man nicht etwas findet, das man auch regelmäßig schafft, im Sinne, dass man sich nicht überfordert und nur rumquält, dann hält man nicht lange durch. Es wäre sicher wichtig, dass es für Deine Frau ein Therapiekonzept gibt. Es gibt eben nur die 3 zugelassenen Therapien, Verhaltensthera, tiefenpsychologische (ich nehme an, dass die Gesprächstherapie t. orientiert war) und die jahrelange Psychoanalyse. Ob das helfen kann oder ihr nach anderen Lösungen suchen müsst, das kann hier leider auch keiner sagen. Es ist oft ein jahrelanger Kampf, und weil das Therapieangbeot methodisch u. zeitlich so limitiert ist, wird die Sache erschwert. Vielleicht seid ihr finanziell ja so gestellt, dass sie noch andere Dinge ausprobieren kann. Sind jetzt nur so Ideen, es gibt eben leider kein Patentrezept oder eine Wudnertherapie, die garantiert hilft, bei jedem gestaltet sich die Sache anders. Natürlich ist es extrem belastend für eine Beziehung, aber ich halte es für wichtig, dass Deine Frau die Initiative ergreift und erkennt, dass sie für sich Wege beschreiten muss.
Mach in eine geeigneten Konferenz einen eigenen Thread auf mit Deinen konkreten Punkten, es gibt hier auch eine Konferenz Alternativen zu AD-a.
Hat man bei Deiner Frau abgeklärt, ob ihre Schilddrüse in Ordnung ist? Unbedingt machen, die Sch. kann auch eine Ursache für eine amoklaufende Psyche sein. Es ist aber wichtig, einen kompetenten Fachmann zu haben, in diesem Bereich wird auch viel Mist gebaut, aber hier gibt es Leute, die da Einiges dazu sagen können bei Interesse.

Grüße,

Marsu

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 15.06.2009 14:02
von amanda
es gibt verdammt viele ursachen von panikattacken und angsstörungen die leider von vielen ärzten nicht berücksichtigt werden...z.B. WECHSELJAHRE, unverträglichkeitsreaktionen auf andere medikamente, die einnahme oder das absetzen von PILLE, SPIRALE...Leberfunktionsstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, zu wenig schlaf kombiniert mit substanzmissbrauch z.b ALKOHOL.............sollte all dies nicht zutreffen frag deine frau mal ob sie sich in der beziehung oder im job " eingeengt " fühlt...z.B. eigendlich möchte sie lieber gehen = das sagt ihr herz...aber der verstand fühlt sich verpflichtet bei dir zu bleiben..........wenn ein mensch tag für tag UNGLÜCJKLICH ist weil er einfach nicht mehr glücklich ist bedeutet das STRESS für den körper und die seele...und dann bekommt man die unmöglichsten körperlichen und seelischen probleme....
auf dauer medikamente einzunehmen ist logischerweise keine lösung...
irgendwo sitzt die URSACHE.....und die muss beseitigt werden...alles gute...lg amanda

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 15.06.2009 16:41
von mücke
Hallo Ossili

Willkommen bei uns und danke für deine ausführliche Vorstellung.
Als Partner ist es nicht immer leicht sein Gegenüber, in deinem Fall deine Frau, zu verstehen und zu helfen.
Das deine Kräfte da allmählich schwinden kann ich mir gut vorstellen.

Ich finde es schwierig Ratschläge zu geben, ohne konkrete Situationen zu kennen.
Vllt. kannst du einige Beispiele aufzeigen.
Wie sieht denn so ein ein Alltag bei euch aus?
Was kann deine Frau noch?
Was setzt sie um? Wo gibt es Probleme?
Wie verhält sie sich dann und wie du?
Durch einen Zufall kamen wir auf einen Neurologen. Wir suchten diesen auf und er stellte fest, dass meine Frau das falsch Antidepressiva einnimmt (Ciprolax).
Cipralex, als auch Paroxat sind SSRI und haben beide eine Zulassung gegen Panikstörung. Somit war das kein falsches AD. Es hat nur nicht so gewirkt wie es sollte.
Welches Mittel gut ist, weiß man eh nie im voraus, sondern erst wenn man es einnimmt.

Paroxat scheint bei Panik gut zu wirken. Es ist aber auch das SSRI welches beim Absetzen die meisten Problem machen kann, sh.: Bereich Antidepressiva absetzen.

Macht deine Frau zusätzlich eine Verhaltenstherapie?
Habt ihr schon mal an eine Kur gedacht?

Gruss Mücke

Danke für die schnellen Antworten...

Verfasst: 15.06.2009 22:18
von Ossili
Ich bin echt überrascht wie schnell hier auf meine Vorstellung geantwortet wurde.
Hier noch einig Bemerkungen:
Die Panikattacken sind eigentlich seit ca 2 Jahren so gut wie kein Problem mehr. Meine Frau bekommt zwar immer wieder mal eine, sie sagt aber, dass sie dass nicht mehr verrückt macht. Darum glaube ich, dass Sport dieses Problem nicht vergrößern dürfte. Das eigentliche Problem ist eigentlich die Angst davor, wieder diese Sinnlosigkeit zu verspüren. Wenn mal ein Tag nicht so läuft, sie sich also nicht so gut fühlt, schaukelt sich das manchmal so weit auf, dass sie befürchtet wieder in die Klinik zu müssen, bzw. nie wieder gesund zu werden. Mein Problem besteht darin, das sie halt sehr passiv geworden ist. Der Haushalt macht ihr schwer zu schaffen. Bei 3 Kindern eigentlich auch verständlich. Ich helfe aber, meiner Meinung nach, viel mit. So mache ich seit den letzten 4 Jahren die gesamte Wäsche incl. Bügeln, koche öfters und helfe den Kindern bei den Hausaufgaben. Und das alles noch nach der Arbeit. Ich habe aber das Gefühl, dass gerade dies meine Frau noch passiver werden läßt. Wenn ich dann mal der Meinung bin, dass es so nicht weiter gehen kann, ist sie der Meinung, dass sie auch sehr viel macht. Ich bräuchte ja nicht zu Bügeln. Sie würde es schon machen. Wenn aber dann 3 Waschkörbe voll Wäsche im Keller stehen, mache ich es halt doch wieder. Ich habe einfach das Gefühl, dass diese Tabletten nicht mehr zulassen, dass sie meine Frau bremsen, dass sie nur betäuben aber uns bzw. meine Frau nicht mehr weiterbringen. Außerdem liest sie gerne wie sie sagt. Allerdings schläft sie nach 15 min. ein und bleibt dann meist 3 Stunden im Bett (am Nachmittag). Abends kann sie dann nicht schlafen und schaut bis 2 Uhr fern. Am nächsten Tag ist sie halt wieder müde. Das einzige was ihr noch Spass macht ist shoppen. Dies wird aber schön langsam ein finanzielles Problem. Ich habe mit ihr darüber gesprochen und sie hat, nachdem sie zuerst furchtbar sauer war, gemeint dass es für sie so eine Art Befriedigung ist, nach dem Kauf würde sie sich aber dann ärgern. Das alles hört sich jetzt so an, als ob alles total schlecht wäre. So ist es ja nicht immer. Aber wenn man mal beim schreiben ist kommt alles in einem hoch. Ich frage mich, ob ich mal allein bei ihrem Neurologen vorsprechen sollte und ihm diese Dinge schildern soll. Bisher war meine Frau immer alleine mit ihm. Auf mein drängen hat sie sich vor 6 Monaten von ihm eine Adresse einer Paartherapeutin geben lassen. Sie war aber bis jetzt nicht bereit einen Termin auszumachen. Beim letzten Besuch wollte der Neurologe meiner Frau auch ein anderes Medikament verschreiben, weil ihm die Gewichtszunahme (evtl. auch Wassereinlagerungen) nich gefiel. Da er aber darauf hinwies, das sie mit dem neuen Präparat sehr wahrscheinlich nicht mehr so gut schlafen kann, lehnte sie aus Angst ab.
Die Fragen zum Gesundheitszustand kann ich soweit beantworten. Bei jedem Besuch beim Neurologen wird meiner Frau Blut abgenommen. Im Krankenhaus wurde damals sogar eine Rückenmarkspunktion gemacht und die Schilddrüse untersucht. Sie hatte bis Dezember 2008 eine Hormonspirale. Als ich im Internet darauf aufmerksam wurde, dass diese Spirale auch solche Symptome hervorrufen kann haben wir sie sofort entfernen lassen. Sie hatte die Spirale 6 Jahre.
Der Frauenarzt meinte aber, dass ihm keine derartigen Nebenwirkungen bekannt sind (wer's glaubt)...
Ich denke, dass es meiner Frau ohne Tabletten einerseits sicher besser gehen würde, aber andererseits dann die Angst wieder zunimmt. Wie soll das nur weitergehen.

Vielen Dank nochmal für die Antworten und Ratschläge, ich freue mich schon auf die nächste Runde und bleibe in Kontakt.

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 16.06.2009 08:22
von amanda
hallo...........verdammt viele frauen haben inzwischen probleme mit den spiralen weil sie ebenfalls wie die pille in den hormonhaushalt eingreifen...und setzt man sie ab kommt es wieder zu störungen...alles im internet nachzulesen........
Panikattacken sind nicht nur PLÖTZLICHES HERZRASEN mit angstzuständen sondern noch ( leider) verdammt viele andere symptome........
die seiten von dr. hans morschitzky über panikattacken, angststörungen ..depressionen ...sind vieleicht mal hilfreich........
ist es möglich dass deine frau schon in den wechseljahren ist...ab 40!!!! Jahren sollte man daran denken.........
wenn es ÜBERLASTUNG ist...geht vielen müttern leider so dann wäre bestimmt mal ein aufenthalt in einer guten psychosomatischen klinik sinnvoll....die meisten krankenkassen stellen eine haushaltshilfe zur verfügung die sich um kinder und haushalt kümmern während sie weg ist.........
neurologen und psychiater verschreiben zu 90% leider immer nur medikamente.........und die scheinen ja wohl in eurem fall nicht gerade die lösung zu sein........
gegen die schlafstörungen hilft nur eins..........REGELMÄSSIGKEIT.......= mittags max 1 std ruhen, kein fernsehen vor dem schlafen gehen, gesunde ernährung uvm...es gibt tolle bücher über schlafstörungen die man leider auch bei panikstörungen , angststörungen, burnout und depressionen hat.....
überlegt mal in welcher situation die erste panikattacke aufkam????
lg amanda

Nochmal ich...

Verfasst: 16.06.2009 23:16
von Ossili
Also, als meine Frau die erste Attacke erlitt hatte sie gerade eine schwere Grippe überstanden. Sie litt aber noch an einer (ausklingenden) Gürtelrose. Sie musste damals (widerwillig) mehrere Medikamente einnehmen.
Ich hatte das Alter meiner Frau noch nicht erwähnt. Sie ist jetzt 40.
Ihr ging es ja von August bis Ende Oktober sehr gut. Anfang Novenber trank sie (gegen ihre Gewohnheit) auf einer Party etwas zu viel Alkohol. Ich glaube auch aus Freude über ihren guten psychischen und körperlichen Zustand. Und genau an diesem Abend kam die Angst ganz plötzlich wieder zurück und ließ sich nicht mehr aufhalten. Was mir eigentlich immer wieder auffiel ist, dass wenn es meiner Frau sehr schlecht ging und wir wieder mal den Neurologen aufsuchten, dann ging es ihr nach dem Besuch (ohne irgend eine Medikamentengabe) sofort wieder viel besser, nur durch dessen Zuspruch.
Kann es eigentlich sein, dass, wie weiter oben von mir beschrieben, einge Monate nach absetzen von Paroxat die Nebenwirkungen erst so richtig beginnen?
Kann es tatsächlich sein, dass es ihr nicht wegen dem Absetzen so schlecht ging, sondern wegen dem Entzug?
Ich wäre halt sehr froh, wenn sie den Mut wieder aufbrinegn könnte und eine Reduzierung (um 5mg) wieder mal ins Auge fassen könnte. Ich finde den momentanen Zustand einfach so perspektivlos und ich denke ihr geht es genao so.

Vielen vielen Dank für eure Antworten. Es tut mir sehr gut mich mit jemanden austauschen zu können, der das ganze versteht. Die meisten, die ja keine Ahnung von dem ganzen haben, sagen halt man müsse sich halt zusammenreissen. Ha, ha, ha...
Meine Frau ist übrigens heute zu einer Freundin gefahren, weil sie der Meinung ist, dass ich das ganze auch nicht verstehe. Ich hatte einige Dinge, dich ich einfach nicht richtig finde angesprochen (fast den ganzen Nachmittag schlafen usw.). Ich konnte einfach nicht anders. Zu welcher Freundin wollte sie mir nicht sagen. Nur dass sie einige Tage ihre Ruhe braucht. Ihre Mutter (wohnt in der Nachbarschaft) kommt jetzt am Morgen, damit die Kinder pünktlich zur Schule kommen. Ich kann das leider nicht machen, weil ich schon um 6 Uhr zu arbeiten beginne.
Wenn ich ehrlich bin, bin ich auch ganz froh, etwas mehr Zeit für mich zu haben. Weiterbringen wird uns das allerdings auch nicht. Ich möchte ja, das es ihr wieder besser geht, und sie nicht einfach allem davonläuft.

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 18.06.2009 10:18
von amanda
hi...also ALKOHOL( regelmässig / oder grössere mengen ist oft ein auslöser für seelische störungen...besonders wenn die leber vorbelastet ist durch medikamente, viruserkrankungen etc......weil die versorgung des körpers mit mineralstoffen und vitaminen nicht mehr 100 % gewährleistet ist...vieleicht ist auch der glucosespeicher gestört = zucker ( energiespender) ist nicht aussreichend bei stress verfügbar
guck mal selbst im internet welcher vitaminmangel auch angstzustände ect auslösen kann.........
zusätzlich können einen seelische probleme unter DAUERSTRESS setzen und das verträgt unser körper garnicht! Denn der körper wird mit stresshormonen nur so überflutet und das vegetative nervensysthem spielt verrückt....
vieleicht geht ihr mal zu einem endokrionologen...der alle homone im blutbild kontrolliert und andere wichtige funktionen.......
ich kenne einige die nach einer medikamentösen behandlung poder z.b. chemotherapie auf einmal verstärkte seelische störungen hatten.......
ausserdem grieft ja jedes antidepressiva in den gehirnstoffwechsel ein...und der muss sich erstmal wieder regenerieren..........
was auf jeden fall hilft ist bewegung jeglicher art aber kein hochleistungssport..eher gymnastik, walken, rad fahren, spazieren gehen...........
massagen die die verspannte muskulatur lösen, zusätzliche gabe von vitaminen und mineralstoffen die für die nerven gut sind.....
falls die leber eine leichte unterfunktion hat leberwickel, sauna, mariendistel.............
ich bin logischerweise kein arzt oder therapeut...ich spreche nur aus eigener erfahrung und beobachtungen von anderen patienten...lg amanda

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 18.06.2009 18:56
von Marsupilami
Liebe Leute,
was auf jeden fall hilft
Solche generalisierten Aussagen und eine Übertragung der eigenen Probleme bzw. Lösungen auf Alle finde ich etwas problematisch. Jeder Mensch hat seine individuellen Probleme und ist auch ein individueller Typ, der seinen persönlichen Ansatz finden muss, was dem Einen hilft, kann für den Nächsten gar nichts bringen oder sogar schaden. Jeder muss selbst entscheiden, ob er die Ansätze von Anderen für stichhaltig und im eigenen Fall für einen Versuch wert hält.

An Ossili:
Ich kann Deine Frau ehrlich gesagt verstehen, dass sie sauer ist, wenn Du ihr irgendwelche Sachen sagst, die sie Deiner Meinung nach machen soll. Wenn man Angst und oder Depressionen hat, kann es so sein, dass man völlig kaputt ist und fast nur noch schlafen will, weil man einfach nicht mehr hochkommt. Es ist einem Alles zu viel, man hat bei der kleinsten Kleinigkeit das Gefühl, total viel gemacht zu haben und ist völlig fertig, man kann einfach nicht mehr, man kann sich manchmal kaum noch am Leben halten. Das kann ein Außenstehender überhaupt nicht ermessen und beurteilen, und solche Ratschläge sind da wirklich fehl am Platz, sie können einen ziemlichen Stress und zusätzlichen Druck auslösen bei der betroffenen Person, auch wenn sie noch so gut gemeint sind. Deine Frau ist diejenige, die leidet, als solche ist auch sie die Expertin, niemand sonst kann wissen, wozu sie in der Lage ist oder was ein Ansatz sein könnte. Es ist ihr Leben und auch ihre Verantwortung für ihren Zustand, das kann und sollte man ihr nicht abnehmen. Es führt leider kein Weg dran vorbei, dass Deine Frau die Initiative ergreifen muss, und das ist nicht einfach, weiß Gott nicht.
Nach dem ganzen "Gemecker" versuche ich, jetzt noch ein bisschen konstruktiv zu sein. Vielleicht wäre es hilfreich, mal zu versuchen herauszukriegen, weshalb Deine Frau sich selbst nicht ihren Problemen stellt. Vielleicht solltet ihr mal überlegen, ob ihr eine Haushaltshilfe bekommen könnt oder was es sonst so gibt, damit zu Hause nicht das Chaos ausbricht, und damit Deine Frau sich dann mal in Ruhe Gedanken machen kann, was für sie eine Therapieoption wäre. Es gibt doch auch Beratungsstellen, oft von karitativen Trägern oder Selbsthilfeorgainsationen für psychisch Kranke, die da wissen, welche Möglichkeiten es gibt, in welchem Bundesland wohnt ihr denn? Einfach mal gucken, was entlasten könnte und dann weitersehen. Psychische Probleme lassen leider meist keine schnelle Lösung erwarten, meist ist es auch nicht so, dass man mal ein halbes oder ein Jahr zu einer Psychotherapie geht und Alles ist bestens. Leider ist das Alles nicht leicht. Das sind jetzt nur so Ideen von mir, die für Euch vielleicht auch gar nicht passen, aber vielleicht hilft es jau, einfach im Alltag den Druck rauszunehmen, dass Deine Frau immer noch funktionieren muss, obwohl das ja eigentlich in ihrem Zustand nicht mehr geht.
Alles Gute!

Marsu

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 18.06.2009 21:15
von amanda
hi marsu.............bei angststörungen helfen nunmal die genannten dinge.....können bestimmt einige bestätigen..............bei schwersten depris sieht es nartürlich anders aus. da fehlt ja leider der antrieb...aber was spricht dagegen wenn ER seine frau täglich unter den arm nimmt und eine runde um den block geht...und es mal mit einer vitamin und mineralstoffkur probiert...eigendlich nichts...oder.?.........lg amanda

Danke für die ehrlichen Antworten

Verfasst: 18.06.2009 22:37
von Ossili
Ich bin echt froh dass ihr hier nicht davor zurückscheut antworten zu geben, die einem (gesunden) vielleicht nicht in den Kram passen. Mie ist es schon bewusst, dass ein an Depris leidender oft zu nicht mehr viel im Stande ist. Die letzten Jahre habe ich es immer gemerkt, wenn es meiner Frau zuviel wurde. Sie hat es aber dann (auf Anfrage) auch zugegeben. Jetzt habe oder hatte ich den Eindruck, dass sie einfach nicht will. Da habe ich mich aber gehörig getäuscht. Habe heute einen Anruf von ihrer besten Freundin bekommen. Die hat mir mitgeteilt wie meine Frau alles sieht. Sie setzt sich anscheinend selber so unter Druck und ist dann natürlich sofort überfordert. Weil sie mich aber nicht verlieren will, fällt es ihr sehr schwer dies zuzugeben. Sie braucht aber keine Angst zu haben mich zu verlieren. Da ihre beste Freundin auch schon unter Depris litt, konnte sie mir in manchen Dingen wieder mal die Augen öffnen. Meine Frau hat zu ihr gesagt, dass sie es einsieht, dass es so nicht mehr weitergeht. Wir werden sobald es geht Hilfe in Anspruch nehmen. Ich muss einfach wieder lernen geduldiger zu werden und muss auch mal zugeben wenn es mir zuviel wird, denn meine Frau möchte wieder das Gefühl haben, dass ich sie auch brauche, dass sie mir auch helfen kann. Die letzten Jahre war ich ja eigentlich nur für sie da und konnte (dachte ich jedenfalls) keine Schwächen zeigen. Sie braucht, glaube ich jedenfalls, Hilfe von einem Psychologen welcher Art auch immer. Evtl. eine Paartherapie. Sie war schon immer meine Traumfrau. Leider hatte sie immer schon Angst, mich zu verlieren. Ich weiss aber echt nicht warum. Vielleicht ist diese Angst mit ein Auslöser des ganzen. Ich werde auf jedenfall zu einem Therapeuten mitgehen wenn es erforderlich ist. Denn, so meine Meinung, wenn man diese Auslöser des inneren Drucks ein klein wenig aufbrechen kann, ist vielleicht auch mal eine Möglichkeit da, mit den AD's runter zu fahren. Ohne natürlich etwas zu überstürzen.
Ich möchte noch kurz zum Thema Sport etwas anmerken. Wir wohnen in Bayern, und zwar genau da, wo andere ihren Urlaub verbringen. Gerade das macht es halt für mich so schwer verständlich, wenn meine Frau nicht einmal mit mir eine Runde spazieren gehen will. Bei uns geht es nicht um den Block, sondern nur über Wiesen, Wälder oder an kleinen Seen vorbei. Mir ist es aber auch wieder klar geworden, das dies vielleicht sogar noch belastender auf sie wirkt.
Ich bleibe mit euch in Kontakt und hoffe mit den gemachten Erfahrungen auch einmal andere wieder aus dem Sumpf ziehen zu können. Bis demnächst...

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 18.06.2009 23:15
von amanda
hallo...wenn ein erwachsener mensch schnell angst hat " jemanden zu verlieren" dann liegt dafür die WURZEL meist in kindheitserfahrungen und erinnerungen.............
ich hatte auch viele jahre lang immer angst einen partner wieder zu verlieren...in jungen jahren habe ich mit meinem isstrauen oder der kontrollsucht sogar manchmal nette männer in die flucht geschlagen..........
die ursache lag in meiner kindheit...ich war " umständehalber " mal " weggegeben " wurden...= ich war als sehr kleines kind für ein paar monate bei oma und opa...und hatte vermutlich entsätzliche angst dort weil ich zu klein war um zu verstehen WARUM ich dort gelandet war...
vieleicht gab es bei deiner frau auch irgendwo in der vergangenheit ein ähnliches erlebnis? Tod eines nahestehenden menschen im kindesalter kann auch ähnliche reaktionen hervorrufen oder mangelndes selbstwertgefühl........
eine psychologische psychotherapeutin, vorzugweise mit langjähriger erfahrung kann euch bestimmt weiter helfen :hug:

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 19.06.2009 12:28
von Marsupilami
Hallo,
.bei angststörungen helfen nunmal die genannten dinge.....
Liebe Amanda, das ist einfach nicht richtig. Ich habe auch eine Angststörung, mir helfen diese Dinge z.B. alle nicht. Ich möchte überhaupt nicht bezweifeln, dass die genannten Therapien manchen oder auch vielen Menschen helfen können, nur finde ich, dass es nicht in die Richtung einer Generalisierung gehen sollte, dass es etwas gibt, dass wirklich ein Allheilmittel für Alle ist. Es gibt über 400 psychiatrische Diagnosen, mir kann kein Mensch erzählen, dass die sich alle mit 3 Methoden Psychotherapie, die auch alle noch irgendwie in eine Richtung gehen, zu lösen sind. Ich will damit nicht von etwas abraten, es nur relativieren. Denn es ist so, dass es auch großen Schaden anrichten kann, wenn man Therapien macht, die einem als ultimative Lösung verkauft werden und man merkt dann, dass es einem gar nicht hilft. Dann kann man noch mehr ins Loch fallen, weil man da sitzt und sich Vorwürfe macht, denkt, man hat was falsch gemacht, grübelt, weshalb es einem nicht geholfen hat, wo es doch allen Anderen hilft. Und das zieht einen dann einfach noch mehr in den Keller und man traut sich vielleicht gar nicht mehr, noch was Anderes auszuprobieren außerhalb des offiziellen Angebots. Ich werte damit keineswegs die individuellen Erfahrungen ab, mir geht es nur darum, dass sie nicht zu 100% übertragbar sind und u.U. auch etwas ganz Anderes die Lösung sein kann.
Ansonsten leide auch ich übrigens unter diesen diffusen Verlassenwerden-Ängsten, wie Amanda es auch beschreibt und meine persönliche Sichtweise oder Erfahrung ist da sehr ähnlich. Das kann schon sehr zerstörerisch wirken auf menschliche Beziehungen, aber es ist doch toll, wenn ihr da schonmal was Konkretes erkannt habt. Leider ist es bei solchen im Grunde fürs Hier und Jetzt irrationalen Ängsten so, dass die Erkenntnis, dass sie irrational sind, überhaupt nicht hilft, sich davon lösen zu können. Oft erzeugt es eher Druck, wenn man der Person ständig sagt, dass kein Grund besteht, denn man weiß das selbst von der rationalen Seite des Gehirns ja auch, nur kriegt die emotionale Seite es ohne Hilfe nicht hin, das zu integrieren. Das ist das Fiese daran.
Und sonst Ossili, ist doch super, ich hatte auch diesen Verdacht, dass Deine Frau einfach Angst hat, mal zusammenbrechen und zugeben zu dürfen, wenn es nicht mehr geht. Das ist nämlich sauschwer, das weiß ich von mir. Das ist doch mal ein richtig großer Schritt. Ihr dürft Beide zugeben, dass ihr nicht mehr funktionieren könnt, Du auch, denn es ist doch klar, dass Du langfristig nicht das auffangen kannst, was Deine Frau nicht mehr schafft. Das verlangt sie ja auch offensichtlich nicht, aber es ist immer schwer, zuzugeben, wenn man nicht mehr kann, das ist ganz klar. Ihr habt ein Recht auf Hilfe, sowohl für die konkrete Alltagsbewältigung (Unterstützung im Haushalt, Betreuung für die Kinder, usw. ) als auch medizinisch. Oft gibt es mir Hilfsangebote, als man eigentlich weiß. Was die "sportliche Verweigerung" angeht, so kann ich Deine Frau verstehen. Vielleicht ist es im Moment einfach zu viel für sie oder sie muss einfach in viel kleineren Schritten anfangen, ein paar Schritte in einen ruhigen schönen Park, in die Natur, da auf einer Bank sitzen, die frische Luft genießen und das Gefühl, nichts tun zu müssen. Vielleicht mal überlegen, ob es nicht doch irgendwas in Richtung Bewegung gibt, das ihr auch Freude machen könnte. Bei mir als total steifem Knochen, mit immer ner 5 im Schulsport, alleine das Wort schon ein rotes Tuch, hat es 15 Jahre gedauert, bis ich etwas für mich gefunden habe, was mir Spaß macht und keinen Leistungsstress. Ich glaube, dass die Sache mit dem Sport eher nach hinten losgeht, wenn Deine Frau das derzeit gar nicht kann und möchte und nur als Zwang empfindet. Vielleicht helfen ihr im Augenblick ganz andere Sachen, bei denen es ihr gut geht und sie nicht noch mehr Zwang empfindet.
Ermutige Deine Frau, offen zu reden und sage ihr oft, dass Du sie unterstützt und ihr hilfst, wenn sie für sich nach einer Lösung suchen will. Und hör ihr einfach oft zu, ohne gleich zu Allem einen Rat zu geben. Es ist oft erleichternd, wenn jemand einfach nur zuhört und einem zeigt, dass er einen ernst nimmt, wenn man redet, ergeben sich manchmal auch nur durch das Aussprechen der Dinge neue Ideen. Ich weiß, dass es Männern oft schwer fällt, nur zuzuhören, sich etwas zurückzunehmen, weil sie im besten Sinne ihrem Gegenüber voller Tatendrang helfen möchten. Aber einen depressions- oder angstbefallenen Menschen überfordert das oft, weil er sich von Allem überfordert fühlt und das Gefühl hat, Lösungsvorschläge gar nicht real bewältigen zu können. Stelle lieber Fragen, anstatt zu sagen, mach dies oder jenes. Frag nach, wenn Du etwas nicht verstehst, bedräng sie nicht, auch wenn Du natürlich selbst verzweifelt bist und den inneren Drang verspürst, ihr helfen zu wollen, aus ihrem Leid herauszukommen. Nimm sie einfach oft in den Arm, oder wenn sie das nicht mag, halte ihre Hand ganz fest, vielleicht tut ihr das auch gut bezüglich ihrer Angst, verlassen zu werden. Sei einfach da, frag sie, was Du tu kannst, um ihr zu helfen. Und gib ruhig auch zu, dass Du Dich hilflos fühlst, sie wird Dir sagen, was sie von Dir braucht.
Das sind nur meine persönlichen Erfahrungen, ich will Dich damit nicht zutexten und hoffe, ich bin nicht zu aufdringlich. Ihr wisst selbst am Besten, was für Euch stimmt und was nicht, auch besser, als die sog. Fachleute. Macht auch therapeutisch nichts, womit es Deiner Frau nicht gut geht.
So, jetzt höre ich aber wirklich auf und wünsche Euch weiter gute Schritte...

das Marsu

Ihr seid echt spitze...

Verfasst: 19.06.2009 21:40
von Ossili
Ich muss schon sagen, so wie ihr euch hier ins Zeug legt...
Zuerst möcht ich einfach nur sagen, dass ich wirklich für jeden Tipp dankbar bin. Tipp ist vielleicht das falsche Wort. Ihr gebt ja eigentlich eure Erfahrungen bekannt. Mir ist das schon klar dass nicht alles das dem einen geholfen hat auch dem anderen hilft. Aber für mich, der ja keine Depressionen oder was auch immer sonst hat, ist es wichtig viel darüber zu hören/lesen. Ich bin da echt sehr interessiert und habe auch schon einige Bücher darüber gelesen. Eure Antworten sind halt für mich 100% glaubhaft, mit den Büchern ist es halt so eine Sache. Besonders gut finde ich, wenn man mir sagt was ich eher nicht tun sollte, denn man kann eigentlich immer mehr falsch als richtig machen.
Zum Thema Angst:
Da seid ihr alle schon auf der richtigen Spur. Meine Frau ist ein Scheidungskind mit allen negativen Begleiterscheinungen (Streit, Vorwürfe wg. Ehebruch, viele dramatische Szenen, natürlich immer vor ihren Augen). Sie sagte mir oft wie sie darunter gelitten hat. Noch dazu kommt, dass sie ein Einzelkind ist und sie damals mit niemanden darüber reden konnte. Zur damaligen Zeit war in Bayern ein Scheidungskind noch eine Seltenheit. Meine Frau ging sogar soweit, dass sie sich immer Partner suchte, in die sie eigentlich nicht unsterblich verliebt war, damit, falls es zur Trennung kommt, es für sie nicht so schlimm wird. Ich hoffe ihr seid mir nicht böse, wenn ich nur nach und nach mit den Details rausrücke. Es ist für mich das erste Mal, das ich in einem Forum schreibe und ich wusste echt nicht mit welcher Offenheit und Ehrlichkeit hier "gearbeitet" wird. Dann gleich noch das nächste Geheimnis hinten drauf. Ich bin der zweite Ehemann meiner Frau. Sie ließ sich wg. mir von ihrem (gewalttätigen aber finanziell erfolgreichen) Ehemann scheiden. Auch da plagte sie sehr oft das Gewissen. Sie hatte von ihm zwei Kinder, das dritte ist von mir. Ich kannte sie schon vor ihrem ersten Mann und war damals schon unsterblich in sie verliebt. Leider kamen wir damals, obwohl wir sehr oft miteinander unterwegs waren, nicht zusammen. Sie sagte aber damals schon immer, dass ich das beste sei, das ihr im Leben passiert ist.

In meinem Elternhaus wurde auch sehr viel gestritten. Mein Vater kam sehr oft angetrunken nach Hause und meckerte dann ständig an allem herum. Er wurde aber nie handgreiflich. Meine Mutter ließ sich das aber immer (mit einer unvorstellbaren Gelassenheit) gefallen. An Scheidung hatte sie nie gedacht. So kam es uns Kindern jedenfalls vor. Man sieht also, unsere Kindheit verlief, was die Sicherheit im Bezug von Scheidung oder nicht Scheidung angeht, komplett anders. Darum hat wohl meine Frau immer Angst mich zu verlieren und ich habe/hatte so gut wie keine Angst. Das war ja dann auch der Auslöser, weshalb sich beinahe ein anderer in unsere Beziehung drängen konnte. Meine Frau war der Meinung, wenn man um seinen Partner keine Angst hätte, dann würde man ihn nicht lieben. Ich war der Meinung, wenn man um seinen Partner Angst hat, dann vertraut man ihm nicht. Und da liegt wohl der Hase im Pfeffer. Unsere Meinungen müssen wohl noch weit zusammenrücken. Aber ich glaube, das wir das hinkriegen. Wir wollen ja auch einfach zusammen alt werden.
So, jetzt habe ich euch aber zugetextet.
Da meine Frau noch bis Sonntag bei ihrer Freundin ist habe ich ja noch etwas Zeit nachzudenken. Es tut mir so gut, mit euch über alles zu schreiben. Und das besondere, man bekommt auch noch Vor- bzw. Ratschläge aus erster Hand.

Wieder mal einen recht herzlichen Dank, bis zum nächsten mal...

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 23.06.2009 15:18
von amanda
hallo...ich denke eine wirklich gute psychosomatische kur und in folge eine super gute therapie und dein einsatz sollten doch irgendwie erfolg bringen + neue schöne positive ziele für deine frau oder euch beide! Vieleicht könnt ihr zusammen einen tanzkurs ect machen...irgendetwas wo man sich bewegt, lacht und einfach mal abschaltet..........wart ihr schon mal bei einem endokrinologen? Der könnte mal sämtliche hormone messen, vitamin und mineralstoffkontrolle um blut machen. toll wie du dich für deine frau einsetzt. Vieleicht wäre es auch mal sinnvoll wenn sich deine frau in einem guten forum anmeldet wo sie sich mit anderen austauschen kann aber pass auf dass sie nicht in 1 forum landet wo sich nur ausgetauscht wird : welche pillen schluckt ihr bei depris usw..........da wäre sie nicht so gut aufgehoben. Ich bin mal gespannt wie es deiner frau nach dem kurzurlaub bei der freundin geht? Wenn es ihr da besser ging liegt das problem wohl eher bei euch zu hause........ich drücke euch die daumen dass ihr euer problem in griff bekommt...lg amanda

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 28.06.2009 17:22
von Ossili
Meine Frau ist wieder zurück. Sie ging jeden Tag mit einem Hund spazieren. Sie sagte, dass dies ihr sehr gut getan hätte, weil sie einfach raus musste. Der Hund gab sonst keine Ruhe. Sie erklärte mir u.a. dass sie sich von mir eingeengt und falsch verstanden fühlt. Wir sprachen sehr lange miteinander, das tat uns beiden gut. Sie legt(e) anscheinend jedes Wort dass ich sage auf die Goldwaage. Ich hatte dies bisher eigentlich nicht bemerkt. Sie sagte, dass ihre Liebe zu mir so groß gewesen sei, und sie deshalb immer alles richtig machen wollte. Das ist natürlich ein gewaltiger Druck, der ja irgendwann so etwas auslösen musste. Schön langsam glaube ich, kommen wir dem Ganzen auf den Grund. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn wir unser miteinander wieder hinkriegen, was wir beide ja wollen, dann wird auch wieder die Zeit kommen, in der meine Frau wieder ohne AD's auskommt. Bestimmt ein langer Weg. Er wird sich aber ganz sicher lohnen. Ich habe schon mal eine Adresse von einem Endokrinologen herausgesucht und versuche jetzt meine Frau davon zu überzeugen auch hinzugehen. Es tut ihr bestimmt gut, wenn sie weiß wie es um ihren körperlichen bzw. hormonellen) Zustand bestellt ist. Ich werde sie aber nicht drängen, das habe ich schon gelernt...
Ich bin ja eigentlich schon immer sicher gewesen, dass die ganze Symptomatk, die bei meiner Frau so auftritt nicht allein von der Depression kommt. Hoffentlich wagt sie den Schritt die AD's auszuschleichen irgendwann wieder. Bis bald...Danke

Melde mich mal wieder...

Verfasst: 14.08.2009 22:48
von Ossili
Hallo zusammen, bei mir gibt es Neuigkeiten. Auch wenn ihr glaubt, das hätte nichts mit eurem Forum zu tun, bitte einfach bis zum Schluss lesen. Danke. Meine Frau ist vor knapp zwei Wochen Hals über Kopf mit den Kindern zu ihrem Verehrer in die Schweiz gezogen. Ich kam von der Arbeit nach Hause und sie war weg. Ohne Vorwarnung. Nur ein kleiner Zettel lag noch da, auf dem Stand, dass sie schon länger wieder mit ihm telefonischen Kontakt gehabt hätte und er sie eingeladen hätte in seinem Haus Urlaub zu machen. Sie hält es mit mir nicht mehr aus, weil ich immer so kalt und ohne Gefühle bin. Mir zog es schier den Boden unter den Füsen weg. Ich fuhr noch am selben Abend auch in die Schweiz und fand (Google sei Dank) alle zusammen. Meine Frau war total verzweifelt und mir gingen ehrlich gesagt erst da einige Lampen auf. Ich dachte immer. ich sei einer der besten Ehemänner die es gibt. Hatte ich echt geglaubt. Aber in diesem Gespräch, und nachdem ich wieder daheim war, nach langen telefonaten mit meiner Fau verstand ich erst, welche Probleme meine Frau wirklich hat oder hatte. Sie ist wahnsinnig in mich verliebt gewesen (wie auch ich in sie) aber ich verletzte sie immer wieder (größtenteil ohne es zu bemerken). Ich will hier nicht näher darauf eingehen, weil es sonst irrsinning lange dauert bis ich alles getippt habe. Ich kann nur sagen, das ich sie nie betrogen habe und sie mich auch nicht. Nicht einmal in der Schweiz. Sie hatte schnell gemerkt, das dies ein Schnellschuß war. Dieser Mann in der Schweiz ist halt ein sehr guter Freund, der sie zwar sofort heiraten würde, aber meine Frau will nicht. Hört sich blöd an, ist aber so;-)) Gott sei Dank...
Um aber jetzt auf das eigentliche zurück zu kommen: In diesen langen Telefongesprächen ist es mir wie gesagt bewußt geworden dass die ganzen Probleme, die meine Frau die letzten fünf Jahre so belasteten eigentlich nur daher kamen, weil sie sich von mir nie verstanden fühlte und weil ich so gefühllos ihr gegenüber gewesen bin. Ich jedoch kam mir von ihr unverstanden vor. Es begann einfach mit Kleinigkeiten die sich einfach irgendwann zu einem riesigen Berg aufstauten. Ich habe jetzt einen Termin für MICH bei einem Psychologen gemacht, der mir weiterhelfen soll. Ich liebe meine Frau und will, dass es ihr und uns endlich wieder besser geht. Dass wünschen uns übrigens beide. Sie kommt jetzt in den nächsten Tagen zurück. Mir ist klar geworden, dass ich lernen muß über meine Gefühle zu sprechen. Ich kann nicht immer den starken Mann vorspielen. Außerdem muß ich lernen zu streiten. Ich gehe nämlich jedem Streit aus dem Weg und genau das belastete meine Frau so sehr. Sie sagte mir auch, dass sie schon immer das Gefühl hatte, dass das ganze mit ihrer Depression etwas mit unserer Ehe zu tun hatte.
Ich werde jetzt jedenfalls versuchen über eine Therapie meine Fehler zu beheben. Ist sicher nicht einfach, aber ich will und muß es machen. Das bin ich meiner Frau schuldig. Ich werde mich wieder melden denn meine Frau sagte auch, dass, wenn wir uns besser verstehen sie auch wieder den Mut dazu hätte, die Tabletten langsam zu reduzieren. Und genau darüber werde ich dann berichten.
Übrigens, ich habe meiner Frau am Telefon erzählt, dass ich in diesem Forum ihre Leidensgeschichte geschrieben habe, und dass eine Antwort schon so etwas vermuten ließ, das ich der Grund für das ganze Dilemma bin. Ich spürte richtig wie erleichtert sie war, dass es auch andere so sehen.
Hier einfach nocheinmal mein Dank an die Schreiber der ehrlichen Antworten. Sie haben echt geholfen. Auch wenn unsere Ehe noch nicht gerettet ist, so habe ich jedenfalls durch euch gelernt wodurch Depressionen auch entstehen können. Und , da bin ich ganz ehrlich, einem Betroffenen kann ich einfach mehr glauben, als einem Neurologen der noch nie Depressionen hatte und dann auch noch behauptet, dass Antidepressiva ganz einfach wieder abgesetzt werden können. Sobald es übers ausschleichen etwas zu berichten gibt, bin ich wieder bei euch. Kann natürlich ene Weile dauern, der Entschluß muss halt von meiner Frau kommen. Vielen Dank...

Re: Hallo zusammen...

Verfasst: 14.08.2009 23:25
von Marsupilami
Hallo Ossili,

das ist doch klasse, dass ihr Beide erkannt habt, dass ihr was tun müsst. Ich denke, dass jeder Mensch halt seine Konditionierungen und Erfahrungen in eine Beziehung mitbringt und dass nicht einer Alles falsch macht. Ich finde es sinnvoll, wenn ihr getrennt guckt, wo die emotionalen Knackpunkte sind und Euch nicht auf das konzentriert, was der Partner dem Anderen jeweils vorwirft. Dass Du nicht streiten kannst, wie Du schreibst, das ist ja z.B. schon ein zentrales Thema, dass dazu führt, dass Du Dich in Beziehungen gar nicht geben kannst, wie Du bist und äußern kannst und Dich selbst unterdrückst, es ist klar, dass das krank macht. Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, leider, das ist etwas, das einen total verdreht, weil man sich gar keinen Lebnesraum mehr nehmen kann. Ist doch auf jeden Fall klasse, dass Du schon Einiges bei Dir erkannt hast und Du wirst sicher noch mehr Dinge erkennen und hoffentlich auch eine Therapie finden, die auch hilft, die alten Verstrickungen loszuwerden. Ich wünsche Dir bzw. Euch da wirklich den Mut und langen Atem, eine für Euch passende Therapie zu finden. Männer zögern ja oft, sich in eine Therapie zu begeben, wo es ans "Eingemachte" geht, ich finde das total super, dass Du den Schritt machst. Gerade bei Eheproblemen erlebt man ja oft, dass jeder dem Anderen die Schuld in die Schuhe schiebt und keiner was macht, um tatsächlich was zu ändern und sich mal den Problemen zu stellen.

Gruß vom Marsu