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Bin echt fertig!

Verfasst: 05.05.2004 08:56
von Candy
Hallo ihr Lieben,

bin ja sooo weit davon entfernt, irgendwelche Medis runterzuschleichen. Hatte nach dem 2wöchigen Auftenthalt in der Psychiatrie gedacht, dieses verflixte Tavor so schnell wie möglich wieder loszuwerden, aber keine Chance. Vorgestern fühlte ich mich eigentlich so weit stabil, kein Anflug von Depression o.ä. Ich war mit meiner Tochter in der Stadt - auch da keine Panikattacke.
Fein, dachte ich, heute also keine Tavor!
Abends dann, während ich mit meinem Freund telefonierte, kroch leider "mein Monster" (ich nenne es so) aus einer Schublade meines Unterbewusstseins. Diesmal war es dann richtig schlimm: ich bin mit der Ras**rkli**e zu tief reingerutscht, und mein Freund musste kommen und mich in die Notaufnahme fahren. Dort wurde mein Arm auf einer Länge von 8 cm wieder zusammengenäht.
Ich meine, vom Kopf her weiss ich schon, dass ICH mir diese Schn**tte zufüge, aber wenn es passiert, ist es so, als ob wer anderes es tut und ich nur dabei zusehe. Während ICH telefoniert habe (und es war ein nettes Gespräch), hat ES mir den Arm zerschni**en.
Gott sei dank kam der diensthabende Arzt nicht auf die Idee, mich wieder in die Psychiatrie einzuweisen, aber wer weiss, wann so ein Schni** mal richtig "daneben" geht, und dann?????????
Gestern habe ich dann mittags schon eine Tavor genommen und abends nochmal eine, damit ich bloss dieses Monster ruhiggestellt bekomme. Hat auch geklappt - habe geschlafen wie ein Stein.
Nach 3 Wochen täglich Tavor bin ich wahrscheinlich eh schon Benzodiazepin-abhängig und im Moment scheint es mir beinahe überlebenswichtig ............ bin völlig mit den Nerven am Ende. Meine Familie ist auch am Verzweifeln und bis zum Klinikaufenthalt in Tiefenbrunn kann es noch Wochen dauern. Habe heute Mittag einen Termin bei meiner Psychiaterin - mal sehen, was die sagt - hoffentlich keine Einweisung............
Habe im Moment keine Ahnung, wie es weitergeht oder wo es hingeht. Alles um mich scheint dunkel und hoffnungslos. Wie kann es sein, dass 40 mg Paroxetin mich nicht ansatzweise aus diesem "Loch" herausholen können? So eine schei** Traurigkeit trotz AD!
Kann nicht mehr arbeiten gehen, ohne meine Mutter und meinen Exmann könnte ich die Kinder nicht versorgen - nichts geht mehr. Wo soll ich da noch Selbstwert hernehmen?


Liebe Grüße, eure Candy :cry:

Verfasst: 05.05.2004 10:19
von kati
Liebe Candy,
es tat mir unendlich weh Deinen Bericht zu lesen. Ich weiß garnicht so recht wie ich Dir helfen kann. Sicher bist Du in einer sehr schwierigen Situation und würdest alles dafür tun um diesem Zustand zu entkommen.
Leider habe ich mit den Symptomen und Begleiterscheinungen Deiner Krankheit keinerlei Erfahrung weder persönlich noch im Bekanntenkreis und kann Dir deshalb auch keine Ratschläge geben was man machen könnte. Ich wünsche Dir alle Kraft dieser Welt um diese Zeit relativ gut zu überstehen.
Nachdem ich Dir hier nun geschrieben habe scheinen die Probleme die in unserer Familie herrschten und jetzt auf dem Weg der Besserung sind so unendlich klein und lösbar.

Sei ganz lieb gegrüßt von der Kati und ich schick Dir ein bisschen Stärke von mir zu Dir.

Verfasst: 05.05.2004 13:00
von Candy
Liebe Kati,

das finde ich soooo lieb von dir, dass du mir Kraft von dir abgeben möchtest und ich nehme sie dankbar an, weil mir das z. Zt. von allen Seiten fehlt.
Dass nämlich das Schnei*en und Nicht-essen "nur" Symptome meiner Krankheit, sowie die schrecklichen Depressionen, die z. Zt. gar kein Ende nehmen wollen (trotz 40 mg Paroxetin???), sehen die Menschen um mich herum nicht. Meine Mutter wettert nur, wie meine Arme aussehen und dass ich endlich essen soll. Klasse, dann müssten ja nur noch die Depris aufhören und dann wäre ich ja fast schon geheilt!
Ach, wenn das alles so einfach wäre..........
Ich habe ja all deine Beiträge verfolgt, liebe Kati, und was du für deinen Mann und deine Familie getan hast, war/ist beinahe übermenschlich. Du hast bis an den Rand deiner eigenen Erschöpfung mit den Ärzten diskutiert! Und weil ich weiss, was ihr alles durchgemacht habt und auch noch dabei seid, durchzustehen, gibt es mir besonders viel, dass du auch noch die Kraft hast, mir Mut zuzusprechen und Trost zu geben.
VIELEN DANK dafür und auch dir weiterhin die Kraft für dich, deinen Mann und den Rest deiner Familie.

Gaaaanz liebe Grüsse von der Candy!

Verfasst: 05.05.2004 13:38
von Uschi
Hallo Candy,
es macht mich sehr betroffen, zu lesen, dass es Dir so schlecht geht.
Ich kenne mich mit Deiner Erkrankung, auch nicht so aus. Aber wenn ich Deine Symptome lese, kann ich mir vorstellen, dass das furchtbar ist. Es geht mir mit meinen Ängsten, wenn die sich mal wieder blicken lassen genauso. Das kann auch keiner verstehen, der das nicht hat.
Wie lange nimmst Du jetzt schon 40mg Paroxetin? Es dauert ja auch immer eine Weile bis die Mittel richtig wirken. Dass Du jetzt nicht ans absetzen denken kannst ist klar, erst muß es Dir wieder gut gehen. Wenn Du mit Deiner Psyschaterin redest, vielleicht läßt sich Deine Aufnahme in der Klinik ja auch etwas beschleunigen. Ansonsten liebe Candy verzweifle nicht, ich bin auch in Gedanken bei Dir und hoffe dass es Dir bald wieder etwas besser geht. Du mußt einfach versuchen, die Zeit bis Du in die Klinik kommst so gut es geht rumbringen. Ich weiß leichter gesagt als getan.

Ich schicke Dir ganz liebe Grüße und drücke Dich ganz fest

Uschi

Medikamente
seit 2 Jahren 40mg Paroxetin
seit 17.02 30mg Paroxetin und100mg Opipramol(Insidon)
seit 01.03 25mg Paroxetin und 100mg Opipramol(Insidon
seit 06.03 22,5mg Paroxetin und 100mg Opipramol(Insidon
seit 11.03. 20mg Paroxetin und 100mg Opipramol(Insidon)
seit 22.03. 15mg Paroxetin und 100mg Opipramol(Insidon)
seit 28.03. 12,5mg Paroxetin und 100mg Opipramol(Insidon)
seit 31.03. 10 mg Paroxetin und 100mg Opipramo (Insidon)
seit 06.04. 7,5 mg Paroxetin und 100 mg Opipramol ( Insidon)
täglich Fischölkapseln, ab und zu nehme ich Vitamin C, Zink, Magnesium
seit 13.04. kein Paroxetin mehr
seit 16.04 10mg Paroxetin
Absetzversuch fehlgeschlagen!
seit 24.04 Opipramol abgesetzt, keine Probleme dabei!

Verfasst: 05.05.2004 13:56
von CloneX
Hallo Candy.

Es ist echt schwer dir einen Rat zu geben, ich kenne mich mit deinen Problemen auch nicht aus. Bekommst du von jemandem Unterstützung ?

Zum Paroxetine: Wenn es auch nach Wochen nicht hilft, dann ist es vielleicht nicht das richtige ? Findest du, dass sich deine Probleme verschlechtert haben nachdem du die Dosis erhöht hast ? Paroxetine kann ja auch selber Symptome hervorrufen, Unruhe, suizidales Verhalten - oft auch erst wenn man eine bestimmte Dosis erreicht. Leider sehr schwer von hier aus zu sagen. Vielleicht ist ein beruhigendes Medikament eher angebracht ?

Verfasst: 05.05.2004 14:32
von Oliver
Hallo Candy.

SSRIs können SVV auslösen oder verstärken. Ich glaube nicht, daß es überhaupt eine gute Idee ist SVV, oder BL oder was immer man Dir jetzt für ein Etikett aufgeklebt hat mit SSRIs zu behandeln. Vielleicht, bist Du im Moment dankbar, daß Du endlich einen Namen für Dein Befinden hast und das man Dir sagt, daß dagegen Pillen helfen. Man hat dir also Paroxetin verschrieben. Paroxetin wird mittlerweile gegen einen ganzen Blumenstrauss von Diagnosen verschrieben, obwohl immer mehr Zweifel an seiner Wirksamkeit entstehen. Du scheinst eine Menge Hoffnung in die Medikamente zu stecken. Ich kann Dir nur eines sagen: Paroxetin ist nur eine weitere Droge. Tavor macht abhängig, das geben die Ärzte mittlerweile zu, nachdem sie es jahrzentelang aufs Heftigste geleugnet haben und jedem verschrieben haben, der zu Ihnen kam und ihnen diffuse Angst, Stress und Überforderungssymptome geschildert hat. Heute machen die Ärzte haargenau das gleiche mit Paroxetin und Co. Die Geschichte wiederholt sich und keiner merkt's. Wenn Dir das Paroxetin bis jetzt noch nicht hilft, wird es wahrscheinlich überhaupt nicht helfen. Ich will hier nicht Deine letzte Hoffnung auf Besserung zerschlagen, oder so was, aber vielleicht schaust Du zu sehr auf die chemische Rettung und ich fürchte, die gibt es nicht. Wenn Dir das klar wird kannst Du vielleicht anfangen Dich nach anderen Möglichkeiten umzuschauen und ich hoffe, daß Du dann nicht schon zu tief drin hängst. Drei Wochen jeden Tag Tavor - welcher Arzt hat Dir dafür seinen Segen gegeben? Willst Du wirklich so weitermachen?

Das klingt vielleicht alles nicht sehr mitfühlend, aber ich denke, es ist wichtig, daß Du Dir darüber im klaren bist, daß diese Medikamente durchaus alles noch viel schlimmer machen können, anstatt Dir zu helfen.

Alles Gute.
Oliver

Verfasst: 05.05.2004 16:38
von Candy
Danke für die lieben Wünsche und Ratschläge!

@ Oliver:

Bei mir hat das im Herbst letzten Jahres mit Depressionen angefangen. Das kannte ich ja bei mir nun schon, war auch schon mal 3 1/2 Monate in stationärer Therapie.
Ich dachte immer noch, ich komme alleine aus dem Loch wieder raus - so wie in den letzten Jahren auch. Aber diesmal hielt es an und wurde immer schlimmer.
Im Februar habe ich dann mit meinem Hausarzt darüber gesprochen und der hat mir Paroxetin verschrieben (20 mg/Tag).
SVV habe ich vorher schon gemacht - allerdings nicht in Form von Schn**den. Die anderen Symptome hatte ich auch alle schon vorher. Ich kann - bei aller Überlegung - nicht sagen, ob sich irgendwas durch das Paroxetin verschlimmert hat oder nicht. Fakt ist: Als ich vor Kurzem in die Psychiatrie eingeliefert wurde, habe ich gleich darauf bestanden, dass sie nicht das AD wechseln, weil ich Angst hatte, zusätzlich dann auch noch Absetzprobleme zu bekommen. So wie die da mit Medis umgehen, hätten die sicher einfach das Paroxetin weggelassen und durch etwas Anderes ersetzt. Ich hatte mir auch alle Infos von euch dazu ausgedruckt in einer Mappe von meinem Mann in die Klinik bringen lassen, damit die nicht denken, mit mir könnten sie's machen.
Auf jeden Fall haben sie die Dosis gleich am ersten Tag verdoppelt auf 40 mg/Tag und Tavor diente zur "Krisenintervention", d. h. ich sollte bei starker Unruhe und Schneidedruck zur Schwester kommen, die mir dann ein oder zwei Mal am Tag Tavor gegeben hat. Ich wusst schon, was die mir da geben und dass man von Benzos ganz schnell abhängig werden kann, aber das war echt das Einzige, was geholfen hat.
Ich habe es jetzt von meiner Psychiaterin weiter verordnet bekommen. Davon geht der Schneidedruck massiv zurück und ich werde ruhiger. Am Montag habe ich Tavor bewusst weggelassen, weil es mir richtig gut ging tagsüber und ich mich stabil fühlte. Spät abends dann bin ich in der Notaufnahme gelandet, weil ich völlig unkontrolliert geschni**en habe. Gestern habe ich zur Sicherheit dann gleich mittags und abends eine genommen.
Insofern hast du Recht: ich klammere mich daran, weil ich (so blöd wie die meisten) den Ärzten vertraut habe, dass das im Krisenfall das Schlimmste verhindert. Aber bis zur eigentlichen Therapie, d. h. Aufnahme in der Klinik muss ich halt die nächsten Wochen überbrücken und ich weiss nicht, wie!
Meine starken Gefühlsschwankungen sind durch das Paroxetin besser, d. h. ich kann nicht mehr weinen oder so was. Aber grundsätzlich ist die Depression immer vorhanden und der Gedanke, nicht mehr leben zu wollen. An der Stelle hat es nichts genützt.
Zur Erhöhung auf 40 mg kann ich gar keinen Unterschied feststellen. Aber, bevor ich irgendwas anderes nehme, muss ich ja wohl erst Mal das Tavor, dann das Paroxetin langsam ausschleichen, oder? Oder gibt es etwas, was man parallel nehmen kann, um eine Verschlechterung aufzufangen. In meiner Situation hätten mir jetzt Absetzprobleme nämlich gerade noch gefehlt........

Danke Oliver für die Infos! Grüsse von Candy

Verfasst: 05.05.2004 17:03
von CloneX
Wenn du keinen Unterschied bei 40mg merkst würde ich lieber wieder auf 20mg gehen. Später von zusätzlichen 20mg runterzukommen muss man sich ja nicht antun, wenn es eh nix bringt.

Vielleicht kannst du Tavor zumindest reduieren ? (Nicht gleich absetzen wenn dir das nicht bekommt!) Oder nur wenn du wirklich den Drang verspürst.

Aber letztendlich musst du auf dich selber hören. Wichtig ist dass du dich selber informierst - über deine Probleme, usw. Vielleicht ist Paroxetine einfach nicht das richtige für dich?

Ich wünsch dir viel Erfolg und gute Besserung!

Verfasst: 05.05.2004 17:22
von Oliver
Hallo Candy.
Candy hat geschrieben:SVV habe ich vorher schon gemacht - allerdings nicht in Form von Schn**den
Damit hast Du also erst auf Paroxetin angefangen? Es wäre nicht das erste Mal das ich das höre. Warum nimmst Du es denn dann noch? Das einzige was wirklich einen erwünschten Effekt erzielt ist doch das Tavor und das ist ja auch kein Wunder, das stellt Dich halt ruhig, löst den "in der Gebärmuttereffekt" aus - das wirkt bei jedem ...
Je früher du das Paroxetin absetzt, desto größer ist die Chance, daß es glimpflich abläuft. Hattest Du starke Nebenwirkungen bei Beginn der Einnahme? Wenn ja musst du auch mit grösseren Problemen beim Absetzen helfen.

Ich kann Dir nur wünschen, daß Du bald die Kraft hast Tavor und Paroxetin auszuschleichen, und das Dir niemand noch ein weiteres Medikament C aufschwatzt, weil es angeblich den Effekt von Medikament A abschwächt, das macht doch alles nur noch komplizierter! Dann hat Medikament C nämlich definitiv unerwünchte Wirkung W für das Du dann Medikament D bräuchtest, und irgendwann brauchst Du dann einen begehbaren Medikamentenschrank.
Mit Tavor und Paroxetin bist du "gut" bedient, ich werde Dir bestimmt nicht raten noch irgendwas zusätzlich zu nehmen.

Ich hoffe Du überstehst die Zeit bis zur Klinik gut und kannst da einen anderen Weg aus Deiner Befindlichkeit finden.

Alles Gute
Oliver

Verfasst: 06.05.2004 15:05
von Candy
@ CloneX und Oliver:

danke noch mal - da wäre Frau ja wieder nicht drauf gekommen, dass SSRIs für derartige Symptome ungeeignet sind, bzw. diese noch verschlimmern können.
Setze gleich heute das Runterschleichen um: habe nur 30 mg Paroxetin genommen und Tavor werde ich nachher auch teilen und nur eine halbe nehmen.
Mal sehen............. Den Arzt darauf ansprechen hat wohl eh keinen Sinn, weil die ja nach wie vor drüber lachen, wenn sie was von Absetzproblemen und Nebenwirkungen von SSRIs hören, nicht wahr? Zumindest hat mein Doc so reagiert, als ich ihm anfänglich meine Bedenken dazu mitgeteilt habe!

Grüße, Candy

Verfasst: 06.05.2004 18:11
von pralinschen
Hallo Candy,
habe gerade deinen Bericht gelesen und bin mal wieder erschrocken, wie schnell der Mensch von Ärzten mit Medis versorgt wird, von denen nie wirklich klar ist, wie sie bei dem Einzelnen wirken und was sie zusätzlich noch auslösen können.Ich war vor 2 Jahren in einer psychosomatischen Klinik wegen starker Depressionen und Suizidgefahr. Dort hat man mich ebenfalls so mit Medis vollgestopft, das zu dem Krankheitsbild noch die Panikatacken hinzukamen, davon war ich damals überzeugt, heute um so mehr..auf meine Frage hin, ob diese Attacken nicht durch die vielen verschiedenen Medis kommen könnten, weil es auch so im Beipackzettel stand, wurde das ganz vehement verneit!!! Ich hatte damals null Ahnung von Medikamenten, hatte ich vorher doch noch nie Erfahrungen damit gesammelt. Gott sei Dank erzählte mir jemand, das Tavor abhängig macht, so das ich das sofort abgelehnt habe, weiter zu nehmen, das hat mich zumindest dahingehend wohl vor einer Abhängigkeit bewahrt. Ich habe nach der Klinik alles vorsichtig ausgeschlichen, was ich an Medis nahm und hatte Monate lang keine Beschwerden. Leider kamen die Panikatacken und Depressionen jedoch wieder und ich habe es eine zeitlang ganz gut mit alternativen Methoden hinbekommen, jedoch Anfang des Jahres mich wieder verleiten lassen, seit dem nehme ich 20 mg Parotexin, das hat zwar auch eine ganze Zeit geholfen, aber nachdem ich auf diese Seite gestossen bin, weiß ich, was ich mir da antue und bin nun dabei vorsichtig auszuschleichen, weil ich sicher bin, das was momentan bei mir abläuft sind Nebenwirkungen hoch drei und kein sogenannter Rückfall. Ich kenne mich leider mit dem Symptom des sich Schneidens nicht aus, und weiß daher nicht genau, was ich dir da raten könnte, aber eines weiß ich sicher, das die diese Medis dabei nicht helfen, das zu überwinden. Ganz im Gegenteil , ich glaube, das du dadurch noch kränker wirst, als du es schon bist. Eine Freundin von mir hat sich auch lange Zeit geschnitten, wobei wohl nicht so bedrohlich wie es bei dir passiert, und sie nimmt auch keine Medis, macht eine Therapie und hat es mittlerweile einigermaßen im Griff. Ich weiß ja nicht, ob du im Ansatz zumindest spürst, wann "dein Monster" wieder kommt, dann könntest du ja vielleicht in so einem Moment jemanden anrufen..wenn dir das helfen kann????? Mir hilft es immer, wenn ich in einer Attacke bin und ich kann mit jemanden reden, dann wird es meistens nicht so schlimm...ich weiß nicht, ob das vielleicht eine Idee für dich sein kann????? Ich kann ja nur von meinen Erfahrungen berichten und aus meiner Sicht Tips geben, die mir geholfen haben, ob sie dir was helfen können, weiß ich nicht, dazu weiß ich zu wenig über dich und kenne dich ja leider gar nicht...wenn es mir irgendwie möglich ist, würde ich dich gerne unterstützen...weiß nur momentan wirklich nicht wie???? Vielleicht hast du ja einen Wunsch oder selber eine Idee, vielleicht über e-mail oder telefon...keine Ahnung.....du sollst nur wissen, wenn ich etwas für dich tun kann, scheue dich nicht und sprich mich an, ich kann dann entscheiden, ob mir das möglich ist. Ich hoffe, das die Reduzierung, die du da vorhast bzw schon heute gemacht hast, nicht zu groß war, wenn es so sein sollte, dann mach die Reduktion einen Schritt kleiner, also nicht gleich auf ne halbe Tablette , sondern auf 3/4 und das 4 oder 5 Tage und dann den nächsten Schritt, sei einfach vorsichtig und unterschätze nicht die Absetzproblematik, du musst im Moment gut auf dich achtgeben und dann eventuell langsamer vorgehen, bevor es dich wieder total zurückwirft.....ich schicke dir liebe Gedanken aus der Ferne und freue mich, wieder von dir zu hören Pralinschen

Verfasst: 06.05.2004 21:37
von Oliver
Hallo Candy.

Das Paroxetin bei Dir zu dieser extrem gefährlichen Ausprägung des SVV führt (und das passiert wirklich sehr vielen - Du bist da nicht allein), solltest Du das als erstes und so schnell wie möglich Paroxetin absetzen.
Das Tavor solltest Du wirklich nur bei Bedarf nehmen ... es wirkt ja relativ flott. Es war ja sowieso nicht gedacht, dass Du Dir das jeden Tag reinhaust, oder? Wer verschreibt dir das denn überhaupt? Also versuche es doch nur zu nehmen, wenn das Monster sich wieder bemerkbar macht.

Mein Rat wäre also: Paroxetin langsam ausschleichen. Tavor nur bei Bedarf.
Wenn von 40 auf 30mg zuviel war, wirst Du das in den nächsten Tagen merken ... Lies Dir mal unser Infopaket durch (Du findest es ==> hier <==), damit Du weisst, wie die Entzugssymptome aussehen und so weiter. Es ist ja nicht gesagt, dass Du Absetzprobleme bekommst.

Verfasst: 07.05.2004 01:17
von Time
Hallo Candy,
Ich meine, vom Kopf her weiss ich schon, dass ICH mir diese Schn**tte zufüge, aber wenn es passiert, ist es so, als ob wer anderes es tut und ich nur dabei zusehe. Während ICH telefoniert habe (und es war ein nettes Gespräch), hat ES mir den Arm zerschni**en.
Das was du erlebst ist offensichtlich ein dissoziativer Zustand (DID) kombiniert mit selbstverletzendem Verhalten (SVV). Ist dir klar, was das für einen Schluss nahe legt?

Es gibt eine Endorphinhypothese zu DID und SVV, die jedoch einige Fragen offen lässt. Sicher kann man sagen, dass der Reiz, der durch den Schnitt verursacht wird, nicht ein autodestruktiver Akt ist - wenn mancher dies auch nur so sehen kann -, sondern vielmehr ein nicht optimierter Bewältigungsversuch (coping), d.h. an sich etwas konstruktives. Junk food, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und durch Macht geschütztes rücksichtsloses Verhalten sich selbst, anderen und der Umwelt gegenüber zerstören viel mehr, sind nur gesellschaftlich anerkannt. Mit SVV kommt vor allem die Umwelt - hier ist auch ein Großteil des therapeutischen Personals eingeschlossen - nicht klar, was die Sache schwierig macht. SVV läuft oft automatisch ab, völlig hilflos bist du jedoch nicht: Du kannst z.B. versuchen gezielt Anker zu setzen und automatische Stopps oder Alternativstrategien zu installieren. Achte darauf, ob sich in der Dissoziation ein Bedürfnis auf der Gefühls- oder Körperebene zeigt, das dir den Weg zu einem besseren Bewältigungsverhalten weisen kann. Auch ist es sinnvoll sich Triggern und Vorzeichen bewusst zu machen, denn den Anfängen kannst du dich leichter erwehren als einem eingerasteten Zustand. Sobald du Anzeichen wahrnimmst, kannst du dich gezielt auf externe Reize konzentrieren: Was hörst du? Was spürst du? Was siehst du? Was riechst du?
Gott sei dank kam der diensthabende Arzt nicht auf die Idee, mich wieder in die Psychiatrie einzuweisen, aber wer weiss, wann so ein Schni** mal richtig "daneben" geht, und dann?????????
Ich glaube nicht, dass das dein Hauptproblem ist, denn das kann die Chirurgie leicht wieder flicken.
Gestern habe ich dann mittags schon eine Tavor genommen und abends nochmal eine, damit ich bloss dieses Monster ruhiggestellt bekomme. Hat auch geklappt - habe geschlafen wie ein Stein.
Nach 3 Wochen täglich Tavor bin ich wahrscheinlich eh schon Benzodiazepin-abhängig und im Moment scheint es mir beinahe überlebenswichtig
Die offizielle Empfehlung für Benzodiazepine ist, diese nach 4-6 Wochen abzusetzen. Absetzprobleme werden nach 4 Monaten erwartet. Du bist also noch nicht im kritischen Bereich. Auch ist es so, dass keineswegs jeder mit Anpassungs- und Entzugsproblemen zu kämpfen hat. Die Dosis spielt auch eine Rolle, kann jedoch gut mit Ausschleichen in den Griff bekommen werden. Grundsätzlich solltest du natürlich sehen, dass du davon wegkommst und Benzos nur als Krisentherapeutikum verwenden. Wenn du für länger bei Benzos bleibst, achte auf Dosiserhöhungen. Sobald du diese bemerkst (nicht nur ein, zwei mal) würde ich an deiner Stelle reagieren. Bis dahin hast du Zeit um Alternativen zu finden.

Es gibt mehrere Möglichkeiten dieses Problem anzugehen. Da dir das sehr wichtig zu sein scheint, solltest du das gezielt und nachdrücklich mit deinem Arzt besprechen. Von Neuroleptika halte ich persönlich nur in wenigen Ausnahmefällen etwas. Alternativ wäre niedrig dosiertes Mianserin (tetrazyklisches AD) als Begleitmedikation einen Versuch wert. Im Gegensatz zu den TZA ist es wesentlich weniger toxisch.

Da Paroxetin bei dir selbst bei 40 mg nichts bringt, würde ich mehr in Richtung Noradrenalin (NA) und Dopamin (DA) gehen, was auch den alten Standard für PTSD/DID/BID/SVV Fluoxetin besser entspricht:
  • Als erstes würde ich Venlafaxin versuchen. Es ist neu mit (angeblich) schnellerem Wirkungseintritt. 5-HT wird 5 mal stärker als NA erhöht. Bei hohen Dosen wird auch Dopamin (DA) erhöht.
  • Sertralin wäre wegen seiner DRI (DA Wiederaufnahmehemmung) u.U. auch einen Versuch wert. Die SRI (Serotonin W.) ist jedoch wie bei Paroxetin relativ stark ausgeprägt. Manch konservativ ideologischer Psychiatern könnte ein Problem in der dopaminergen Wirkung von Sertralin im Bezug auf DID sehen. Ich würde mich von Ideologien nicht abschrecken lassen.
  • Fluoxetin ist der alte Standard. 5-HT wird 10 mal stärker als NA erhöht.
Ich würde den SSRI auf jeden Fall wechseln. Venlafaxin wäre meine erste Wahl. Sertralin würde ich, falls es nicht wie gewünscht wirkt, als zweites testen. Mianserin kannst du mit SSRI kombinierven.

In deinem Falle wäre auch ein niedrig dosierter nicht selektiver Betablocker wie Propranolol (z.B. 3 x 2,5-5 mg/die) als Begleitmedikation sinnvoll. Aktuelle Studien in den USA arbeiten vor allem bei akuter und reaktivierter PTSD über diesen Weg, da sich herausgestellt hat, dass das Wiedereinbrennen vor allem der somatischen Komponente im Limbischen System (Panik) verhindert oder zumindest abgeschwächt werden kann, d.h. du lernst die Panik / Flashbacks / Intrusionen nicht immer wieder neu. Propranolol gab man früher schon bei Lampenfieber, Prüfungsstress etc., um vor allem die somatische Symptomatik zu dämpfen. Das ist eine wirklich sinnvolle Maßnahme mit geringer Belastung für den Körper. Eine klare Kontraindikation liegt vor, wenn ein Trauma therapeutisch angegangen wird (EMDR etc.), denn hier wird ja gerade eine intensive Neuspeicherung eines konstruktiv veränderten Inhalts angestrebt.

Ich möchte betonen, dass ich dir dieses Medikamentenregime nur für die Zeit der Krise nenne, damit du keine Angst mehr vor Eskalationen haben musst. Wenn du deine Medikation gefunden hast, wird das schon dadurch, dass du weißt, dass du jederzeit raus kannst, Wirkung zeigen. Ich kenne auch Menschen, die eine Situation wie die deine ganz ohne überstanden haben, andere nahmen nur minimal Medikamente oder nur kurz um ein gekipptest System wieder zurückzubringen bzw. einen Teufelskreis zu durchbrechen. Es hängt vor allem davon ab, wie gut du therapeutisch arbeiten kannst und ob das Setting passt. Wenn du erst mal raus hast, wie du es auf mentaler Ebene angehen kannst, wirst du Medikamente nur noch sehr selten einsetzen, eben um möglichst effizient psychotherapeutisch arbeiten zu können.
Meine Familie ist auch am Verzweifeln und bis zum Klinikaufenthalt in Tiefenbrunn kann es noch Wochen dauern.
Wenn deine Familie nur verzweifelt ist, ist das sehr schlecht, denn genau das ist die größte und wichtigste Ressource, die du hast. Wenn die erwachsenen Familienmitglieder nicht erkennen können, das jemand mit massiver Panik vor allen Dingen eine innere Ruhe, Sicherheit und Stärke vermittelnde Umgebung benötigt, so haben sie offensichtlich selbst ein Problem. Die äußere Kompensation deines inneren Zustands durch ein evidentes Gegenbild ist die vordringlichste Intervention bei akuter Panik.
Habe heute Mittag einen Termin bei meiner Psychiaterin - mal sehen, was die sagt - hoffentlich keine Einweisung
Wenn du keine psychiatrische stationäre Unterstützung willst, dann sage das ganz klar. Es liegt an dir, wie du dich darstellst. Ein paar Schnitte sind kein wirkliches Problem, das verheilt im Gegensatz zu anderen Wunden leicht und schnell, denn da ist das Selbstheilungssystem nicht blockiert bzw. nicht überlastet. Eine Einweisung ohne deinen Willen diente nur der Kompensation der Angst des Arztes, entmündigt dich und ist daher schlecht für die Selbstheilungskraft. Wenn du progressiv vorgehst und statt dich auf Diskussionen über vergangene Schnitte auf zukünftige Medikamente und psychotherapeutische Schritte (z.B. auch Krisenintervention & Selbsthilfe) konzentrierst, sollte das kein Problem sein.
Habe im Moment keine Ahnung, wie es weitergeht oder wo es hingeht. Alles um mich scheint dunkel und hoffnungslos. Wie kann es sein, dass 40 mg Paroxetin mich nicht ansatzweise aus diesem "Loch" herausholen können? So eine schei** Traurigkeit trotz AD!
Neben der Veränderung deiner Medikation würde man psychotherapeutisch diese Traurigkeit als Wegweiser nützen. Du sprichst von Traurigkeit und entwertest diese gleichzeitig. Vielleicht gibt es in deiner Vergangenheit etwas sehr trauriges, was nie wirklich gefühlt wurde und jetzt nicht mehr verdrängt werden kann. Ich will damit sagen, dass es eine Reihe Ansatzpunkte gibt. Als erstes kannst du lernen mit Medikamenten Eskalationen zu verhindern und gewinnst damit wieder Sicherheit. Als nächstes kannst du lernen diese ohne Medikamente zu tun und erhältst damit deine Autonomie zurück. Wenn du die kritische Symptomatik auf diese Weise im Griff hast, kannst du dich gezielt an die Problematik heranarbeiten. Mittlerweile haben sich eine Reihe Verfahren zumindest bei Spezialisten etabliert, um Probleme wie das deine aufzulösen.
Kann nicht mehr arbeiten gehen, ohne meine Mutter und meinen Exmann könnte ich die Kinder nicht versorgen - nichts geht mehr. Wo soll ich da noch Selbstwert hernehmen?
Auf dieser Ebene ist es momentan sicher schwer, aber denk mal, was du leisten musst um diese Situation aushalten und bewältigen zu können! Wen kennst du, der das ertragen kann? Wie würden sich die Erwachsenen in deiner Umgebung in so einer Krise fühlen? Frage sie mal!

Außerdem ist dies die genuine Aufgabe der sozialen Gruppe, ein Mitglied, dessen Selbstheilungssystem überlastet oder blockiert ist, aufzufangen und zu unterstützen. Das mag in unserer grandios kompensierten narzisstischen Gesellschaft immer mehr in Vergessenheit geraten, aber viele werden spätestens, wenn sie ins Seniorenalter kommen, gnadenlos mit dieser Tatsache konfrontiert.

Du kannst deinen Selbstwert auch dadurch stabilisieren, dass du dir bewusst machst, wenn Menschen dir helfen, denn sie vermitteln dir damit, dass du ihnen wertvoll bist. Wenn du da durch bist, dann hast du etwas erlebt und bewältigt, das dich sehr stark machen wird. Vielleicht brauchen dich deine Kinder irgendwann sehr dringend, dann kannst du ihnen mit dieser gewonnenen Stärke helfen.

Du hast jetzt auch eine klare Aufgabe: Arbeite dich in dein Problem und mögliche Lösungswege ein. Das ist für dich eine Menge Arbeit aber es ist wichtig, dass du nicht passiv bleibst. Das ist bereits praktische kognitive Therapie und Ausbildung in deinem Problemfeld. Als Ergebnis wirst du mit der Zeit Spezialist für dein Problem sein und das ist gut für deinen Selbstwert und dein Selbstbewusstsein.

Unterscheide zwischen Selbstwert und Selbstbewusstsein. Der Wert, den du in dir siehst, wird nicht so schnell in die Knie gehen, wenn du dich und dein Leben ansiehst. Es bedarf sehr viel negativen Feedbacks, um den Selbstwert zu zertrümmern. Das Bewusstsein deiner Selbst ist anfälliger; man konzentriert sich auf andere und vergleicht sich mit ihnen oder priorisiert deren Bedürfnisse unter Missachtung der eigenen. Wenn das bei dir passiert, gehe bewusst zu dir zurück.

Und wirf die verdammten Rasierklingen weg!

Viel Erfolg!

Gruß
Time