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Vorstellung

Verfasst: 18.09.2009 19:05
von Oliver71
Hallo,

ich komme aus dem Rhein-Neckar-Kreis (Mannheim), bin 38 Jahre alt. In der Zeit von Oktober 1989 bis April 2008 habe ich im Ausland (Ungarn) gelebt.

Ich nehme seit 1987/88, also nunmehr seit ca. 22 Jahren Benzos - seitdem ich also 16/17 bin. Ich weiss gar nicht, wie mein Leben in den Jahren überhaupt geklappt hat, und wie ich überhaupt "funktionieren" konnte - so im Nachhinein. Es ging damls (1987/88) los, als mein Hausarzt sie mir verschrieb, begonnen habe ich mit Tafil - Alprazolam. Ende der 80´er ging ich ins Ausland und ließ es mir - mit einigen Unterbrechungen - weiterhin verschreiben, und dosierte immer höher (bis 20-25 mg pro Tag). Anfang der 90´er hatte ich dann (ebenfalls im Ausland) 2x Magenwäsche, aber keinerlei Therapien gegen die Sucht. Ende der 90´er kam dann Rivotril - Clonazepam hinzu. Ich nahm zeitweise beides, mit der Zeit (00´er) dann beinahe nur noch Clonazepam (bis zu 30-40 mg / Tag)

Im Spätsommer 2007 nahm ich an einer qualifizierten Entgiftung teil (7 Wochen), hatte jedoch bald wieder einen Rückfall.

Nachdem ich wieder in Deutschland war, und es nach viel Mühe schaffte, in die gesetzliche Krankenversicherung zu kommen, ging ich im Juli 2009 erneut in einen qualifizierten Entzug in Rheinland-Pfalz, wurde jedoch aus der Klinik nach 16 Tagen rausgeschmissen, da mein UT nur schwach positiv bis negativ war. Ich suchte noch am gleichen Tag eine andere Klinik in meiner Stadt auf, die mich noch an dem besagten Tag aufnahm, und wo ich die 3 Wochen qualifizierten Entzug durchmachen konnte.
Zu dem negativen UT meinte dann ein Wissenschaftler des 2. Krankenhauses, dass ich möglicherweise sehr schnell "verstoff-wechsle" (Ich weiss nicht, ob das sein kann; jedoch war ich vom "unter-grenzwertigen UT" - selbst während des sehr schnellen Ausschleichens sehr überrascht, und hatte riesige Angst, zum "Simulant" abstempelt zu werden.) - Im 2. Krankenhaus gab es dennoch Verwirrung über den sehr schwach positiven und nach der 1. Woche nur noch negativen UT.

In 10 Tagen wurde ich noch in der 1. Klinik "ausgeschlichen" - also von ca. 20mg - die ich bis dato nahm - bekam ich am 1. Tag in der Klinik 40% (8mg). Am 11. Tag war ich auf "Null" gesetzt - hatte bis dahin auch kaum Entzugserscheinungen. Diese gingen erst ab dem 14./15. Tag richtig los.

Leider habe ich weiterhin starke Entzugserscheinungen (Schwindelgefühl, Albträume, Ängste, Schweissausbrüche, "Gelähmtheit" beim Laufen, Konzentrations- und Koordiantionsstörungen). Ich bin leider arbeitslos, aber könnte im Moment eh kaum Arbeiten.
Mit "Ach und Krach" schaffe ich es manchmal in eine SHG zu gehen, jedoch auch nicht regelmäßig.
Manchmal habe ich das Gefühl, als ob der Entzug, oder zumindest die damit verbundenen Probleme - statt schwächer - eher nur stärker werden.

Zu meiner Scham:
Vor einigen Tagen fand ich noch zufällig 6 Tabletten Rivotril, und nehme - wenn ich auf die Strasse muss - eine halbe bis eine Tablette. Wie es weitergehen soll weiss ich allerdings überhaupt nicht - klar denken geht im Moment sowieso kaum. :frust: :cry:
Gruß: Oliver71

P.S.: Hatte zur Abegwöhnung Doxepin, Paroxetin, Seroquel, Valproat - versucht /laut Neurologe und Hausarzt/, außer massiver Gewichtszunahme (Doxepin) von 90 kg auf 142kg, jetzt wieder "nur noch" 125 kg (bei 1,86m) - keinerlei Veränderungen gespürt. ...

Re: Vorstellung

Verfasst: 18.09.2009 19:42
von mücke
Hallo Oliver

Herzlich Willkommen.
Danke für deine Vorstellung.
Da hast du ja schon einiges mitgemacht.
In Kliniken wird immer zu schnell reduziert.
Von 20 mg Clonazepam in 11 Tg. auf Null ist Wahnsinn.

Was bedeutet die Abkürzung UT?
Hast du jemanden der sich um dich kümmert?

Gruss Mücke

Re: Vorstellung

Verfasst: 18.09.2009 19:54
von Oliver71
mücke hat geschrieben: In Kliniken wird immer zu schnell reduziert.
Von 20 mg Clonazepam in 11 Tg. auf Null ist Wahnsinn.
Was bedeutet die Abkürzung UT?
Hast du jemanden der sich um dich kümmert?
Hallo Mücke,

vielen herzlichen Dank für das schnelle Freischalten, und für die freundliche Aufnahme ins Forum.

Ja, der Entzug ist leider extrem in den Kliniken; aber mehr als 3 Wochen zahlt die Krankenkasse ja nicht, und ob ich in eine Langzeittherapie gehen kann/will ... das ist für mich im Moment noch ein zu heisses Eisen. -
In den "Basis-qualifizierten-3-Wochen-Entzugs-Suchtkliniken" sind die meisten (anderen) Kranken - zu 80% - ja Alkoholabängige, und - zumindest erging es mir so - fühlte ich mich von meinen Entzugserscheinungen, etc. her eher als "Außenseiter" (z.B. "Suchtmittel aus Langeweile nehmen" - das gibt es ja bei Alkohol, aber wohl weniger bei ADs - zumindest bei mir war es keine Langeweile!).

Ach ja: UT = UrinTest (wo die Pfleger immer sooooo lieb direkt neben einem stehen und zuschauen und es wahnsinnig eilig haben ... :( )

Wer sich um mich kümmert? ... Naja, im Moment eigentlich niemand ... :wacko:
Auch in meiner Selbsthilfegruppe ... da sind nunmal eher Drogenabhängige (90%), Benzo-Suchtkranke "Kollegen" hab ich bisher nur hier im Forum gefunden, im RL noch nicht, in keiner der drei Kliniken.

--> Ich hab übrigens gesehen, dass Alprazolam und Clonazepam-mg-Werte in Diazepam-mg-Werte umgerechnet werden. Wie geht denn das? Ist denn das Diazepam so eine Art Benzo-Entzugshilfsmittel? *grübel* ... Sollte ich mal mit meinem Arzt darüber sprechen?

LG: Oliver

Re: Vorstellung

Verfasst: 19.09.2009 07:55
von PhilRS
Willkommen Oliver,

ein UT ist immer ungenau. Was fuer Pfuscher. Das sind Screeningtests, und aus denen kann man nie qualifizierte Schluesse ziehen. Bei Unklarheiten macht man normalerweise eine echte Spiegelbestimmung, je nach Labormöglichkeiten, also chromatografische o. a. quantitative Verfahren. Rausschmiss nach unklarem UT, geht ja gar nicht. Oh Mann.

Alles Gute
-PhilRS.

Re: Vorstellung

Verfasst: 19.09.2009 10:38
von pajes
Hallo Oliver
Mir kommen 20mg Clonazepam grade utopisch hoch vor, denn meine Höchstdosis lag bei 2mg - bist du sicher?
Machst du ambulante Psychotherapie oder etwas anderes, womit du deine Schwierigkeiten bearbeiten kannst oder meinst du, die sind rein entzugsbedingt?
Viele Grüße, pajes

Re: Vorstellung

Verfasst: 19.09.2009 15:12
von mücke
Hallo Oliver
Ich hab übrigens gesehen, dass Alprazolam und Clonazepam-mg-Werte in Diazepam-mg-Werte umgerechnet werden. Wie geht denn das? Ist denn das Diazepam so eine Art Benzo-Entzugshilfsmittel? *grübel* ... Sollte ich mal mit meinem Arzt darüber sprechen?
0,5 mg Clonazepam = 10 mg Diazepam
Sh.: http://www.adfd.org/wissen/Hilfen_zum_A ... 8Valium.29
Hast du wirklich 20 mg geschluckt? Das wären ja dann umgerechnet 400 mg Diazepam.
Lies auch hier: http://www.benzo.org.uk/german/index.htm

Gruss Mücke

Re: Vorstellung

Verfasst: 19.09.2009 22:25
von PhilRS
Hier ist ein Fall, wo jemand über 1600mg Lorazepam in 24h bekommen hat. Ähnliche Sachen sind mir auch schon untergekommen, konkret etwa im Bereich von 400mg Diazepam-Äquivalenten täglich. Aktuell hab ich 1 Patienten, der umgerechnet ca. 200mg Diazepam täglich nimmt plus Neuroleptika und Lithium.

Allerdings hab ich noch niemand gesehen, der so etwas freiwillig gemacht hat.*

Gruß
-PhilRS.

*Nachtrag: freiwillig ist ohnehin immer relativ, klar.

Re: Vorstellung

Verfasst: 21.09.2009 10:58
von Oliver71
Hallo Ihr Lieben,

ja, es sind 20mg Rivotril gewesen / Tag. (Vielleicht ab und zu 2-3 Tabletten weniger, oder auch mehr pro Tag - daher der Schnitt von 20mg). In 10 Jahren hab ich mich schon hochdosiert, und war auch den Umständen entsprechend "fit", soweit man das in dem Zustand noch selbst beurteilen kann.
Umso unverständlicher, dass der UT so schnell negativ war. Damit ich wach bleibe, hab ich dann immer Coffein Tabletten (bis 10 Stück / Tag) oder sehr, sehr viel Kaffee getrunken. Kaffee hab ich dann abgesetzt (wegen Magen-Darm-Problemen) und daher dann die Coffein-Tabletten genommen.

Psychotherapie ist im Moment angedacht; ich hab aber sogut wie keine Kraft mich darum zu kümmern.
Im Grunde kommt man aus der "qualifizierten" Entgiftung nach 3 Wochen raus; anschliessend ist man nunmal auf sich alleine gestellt.
Ich hatte einen Neurologen, der hat es mit Seroquel, Valproat u.ä. versucht. Hat aber nix geholfen.

Dass mein Hausarzt nicht unbedingt Sucht-/Benzo/-Profi ist, verstehe ich ja; er ist ja kein Suchtspezialist oder Neurologe. Wenn sich jemand aber noch ein bissl um mich kümmert, so ist er es. (Er ruft alle 2 Wochen an, wie es mir geht; würde auch jederzeit Hausbesuch machen.)
Meine Eltern wohnen nicht mit mir, allerdings wohne ich in der "mütterlichen" Mietwohnung, wobei ich aus familiären Gründen allerdings seit Sommer 2008 alleine lebe. Mein Vater zahlt die KV, meine Mutter 180,- Euro im Monat für Essen; Miete+NK fallen weg. HartzIV beziehe ich (noch) nicht, ginge auch nicht, da ich in der Mietwohnung (Mieterin: Meine Mutter) lebe. Meine Eltern stehen zu mir, auch wenn ich schon "so alt" (38) bin. Andererseits war ich von meinem 18. Lebensjahr bis 35. Lebensjahr im Grunde unabhängig (finanziell).

Ich schaffe es gerade, dass ich jeden zweiten bis dritten Tag Essen einkaufen gehe (der Supermarkt ist 2 Häuser entfernt). Essen, Duschen, etc. (die notwendigsten Dinge); und schlafen, schlafen, schlafen. Das ist so ungefähr alles, was ich im Moment auf die Reihe bekomme. Ich hab oft auch nicht die Lust, den Computer überhaupt anzuschmeissen. Erneut Arbeit suchen, Motivation, etc.p.p. ist für mich im Moment unvorstellbar. (Auch HartzIV o.ä. zu beantragen - dabei Auszuziehen - neue Wohnung suchen, oder Langzeittherapie, oder betreutes Wohnen -> alles, was Konzentration und Eigenantrieb erfordert -> im Moment nicht durchführbar - ausser, wenn mich jemand nonstop bei der Hand nehmen würde, und mich begleitet, und mir hilft, alles zu erledigen.)

Ich habe mich noch nie so gefühlt, wie jetzt. Vor allem habe ich doch vor dem Entzug immer alles auf die Reihe bekommen. Und ... Meinen Führerschein habe ich noch - vor 4 Jahren habe ich den Führerschein weggelegt, und fahre seitdem keinen Meter mehr. Fahrrad oder Auto zu fahren, könnte ich wegen dem Schwindel in den letzten Wochen eh nicht mehr - selbst wenn ich wollte.

Liebe Grüsse: Oliver